BLKÖ:Kinsky von Wchinitz und Tettau, Ferdinand Johann Nep. Joseph Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 11 (1864), ab Seite: 286. (Quelle)
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Kinsky von Wchinitz und Tettau, Ferdinand Johann Nep. Joseph Fürst (Uhlanen-Oberst und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien 4. December 1781, gest. zu Weltrus in Böhmen 3. November 1812). Sohn des Fürsten Joseph aus dessen Ehe mit Maria Rosa Gräfin Harrach. Verlor, als er erst 17 Jahre zählte, seinen Vater, dem er als Fürst und Majoratsherr in der Uebernahme seiner Besitzungen folgte. Die französische Invasion des Jahres 1809 entflammte des jungen Fürsten ritterliche Begeisterung und Thatkraft. Gleich zu Anbeginn des Feldzuges im g. J., als in Böhmen die Landwehr organisirt wurde, trat der Fürst als Hauptmann in dieselbe, errichtete auf seinen Herrschaften auf eigene Kosten mehrere Abtheilungen, wurde Major [287] und Commandant eines Bataillons und begeisterte durch sein Beispiel dasselbe, das mehrere seiner Beamten und viele seiner Unterthanen in den Reihen zählte, zum Ausmarsche gegen den Feind. Hier ist es nöthig zu bemerken, daß die Landwehr ursprünglich nur zum Dienste im Inlande bestimmt war. Aber indem der Fürst erklärte, selbst in’s Feld zu ziehen, folgten Officiere und Mannschaft seinem hochherzigen Beispiele. Das Bataillon erhielt den Namen „Legion Erzherzog Karl“ und wurde nach Bayern der dort operirenden Armee zugetheilt. Der Fürst focht mit dem Bataillon in den Schlachten bei Regensburg (23. April 1809), bei Aspern (21. und 22. Mai), bei Wagram und Znaim (5. u. 6. Juli). Am zweiten Schlachttage bei Aspern hatte Napoleon zu seinem letzten Mittel, zu den eisernen Reitern, bereits die Zuflucht genommen, um das Vordringen der österreichischen Infanterie zu hindern. Mehrere Male wurde Ferdinand’s Bataillon von den französischen Kürassieren heftig angegriffen, ja bei einer der Attaken waren schon einige der Kürassiere in die Bataillonsmasse eingedrungen und hatte einer der feindlichen Reiter sich der Bataillonsfahne bemächtigt. Aber der Fürst war es, der sie ihm sofort auch entriß, die eingedrungenen Reiter wurden niedergemacht und das Bataillon hielt den ferneren Angriffen mit Heldenmuth Stand. Ein glücklicher Zufall hatte es gefügt, daß der Erzherzog selbst Zeuge dieser Waffenthat gewesen und kraft der von seinem erlauchten Bruder dem Kaiser gegebenen Vollmacht schmückte er den Fürsten auf dem Schlachtfelde mit dem Maria Theresien-Orden. Nach den Schlachten bei Wagram und Znaim, während des Waffenstillstandes, wurde der Fürst zum Oberstlieutenant befördert und mit der Organisirung des unter dem Namen der „Böhmischen Dragoner“ von den Ständen Böhmens beantragten Cavalleriecorps beauftragt. Der Wiener Friede (14. October 1809) machte die Errichtung dieses Corps unnöthig, der Fürst aber erklärte, in der Armee weiter dienen zu wollen und kam als überzähliger Oberstlieutenant in das Chevauxlegers-Regiment Klenau. Im Frühjahre 1811 wurde der Fürst als Dienstkämmerer bestimmt, den Kaiser Franz nach Dresden behufs einer Zusammenkunft mit der Kaiserin Maria Louise zu begleiten. Als die Vorstellung der Umgebungen des Kaisers Franz vor Napoleon stattfand, trat Letzterer – wie der königl. sächsische General von Vieth und nach ihm Folkmann berichtet – vor den Fürsten Ferdinand; das Theresienkreuz an dessen Rocke in die Hand nehmend, bemerkte er mit spöttelnder Miene: „Est-ce au prince Kinsky ça?“ worauf der Fürst Ferdinand antwortete: „Non, Sire, c’est à la bataille d’Aspern“. Der kleine Corporal ging, ohne ein Wort weiter zu erwidern, seines Weges. Gegen Ende des Jahres 1811 kam der Fürst Ferdinand als wirklicher Oberstlieutenant in das Regiment Schwarzenberg-Uhlanen, in welchem er in wenigen Monaten zum Obersten vorrückte und mit dem Regimente im Frühjahre 1812 nach Wien kam. Auf einer im October zur Besichtigung seiner Güter unternommenen kurzen Urlaubsreise hatte er das Unglück, auf einem Ritte bei Weltrus vom Pferde zu stürzen, und der Sturz hatte seinen Tod zur Folge. Der Fürst zählte erst 31 Jahre. Der Fürst, obwohl mit Leib und Seele Soldat, war nichtsdestoweniger auch ein Mäcen der Künste. Im Vereine mit dem Erzherzog Rudolph [Bd. VII, [288] S. 145, Nr. 280] und mit Joseph Fürsten Lobkowitz setzte er für Beethoven [Bd. I, S. 224] den Jahrgehalt von 4000 fl. fest und steuerte dazu den größten Antheil von 1800 fl. bei. Leider sank nach des Fürsten Tode – aber nicht in Folge rücksichtslosen Vorganges der Vormundschaft, sondern nur in Folge des Finanzpatentes vom Jahre 1811 – dieser Betrag von 1800 fl. auf 360 fl. herab, weil die vom Fürsten gezeichneten 1800 fl., nach dem Finanzpatente gezahlt, nur eine Summe von 360 fl. bildeten und die Vormundschaft sich nicht verbindlich machen konnte, den Betrag zu verfünffachen und auf 9000 fl. zu steigern, wodurch freilich der ursprüngliche Ertrag von 1800 fl. auch nach dem Patente erreicht worden wäre. Der Fürst Ferdinand war seit 8. Juni 1801 mit Karolina Maria Freiin von Kerpen [Wißgrill nennt sie Charlotte Johanne) vermält, aus welcher Ehe drei Söhne, Fürst Rudolph (gest. 1836) und die Grafen Hermann (gestorben, 3 Jahre alt, 1806) und Joseph Erwin entstammen.

Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 993 und 1747. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850, 8°.) Bd. III, S. 536. – Folkmann (Joseph Erwin), Die gefürstete Linie des uralten und edlen Geschlechtes Kinsky. Ein geschichtlicher Versuch (Prag 1861, Karl André, gr. 8°.) S. 68 u. f. [auf S. 68 gibt Folkmann den 1. December, auf der Stammtafel aber den 4. December 1781 als K.’s Geburtstag an; das letztere Datum geben auch die anderen Quellen an].