BLKÖ:Klein, Franz (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Klein, Franz (II.)
Band: 12 (1864), ab Seite: 43. (Quelle)
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Klein, Franz (I.) (Bildhauer, geb. zu Wien 27. April 1779). Sein Vater war ein vermöglicher Bindermeister, den die verschiedenen Biographen Franz Klein’s einen gelehrten Astronomen nennen, der aber zum Unglücke für sein Hauswesen und seine Kinder mit einem Male ein leidenschaftlicher Mathematiker und Astronom wurde, unter kostspieligen Versuchen sein Vermögen vergeudete und die Erziehung seiner Kinder vernachlässigte. So wurde Franz, der nicht lesen und schreiben konnte, für die Laufbahn eines Fiakers bestimmt. Glücklicherweise aber kam ihm die Recrutirung zu Hilfe, er wurde assentirt und dem Dragoner-Regimente Melaš zugetheilt. In demselben nahm sich der Rittmeister Graf Wolkenstein des empfänglichen Recruten an und ließ ihm Unterricht im Lesen und Schreiben ertheilen, welcher so gute Früchte trug, daß sich K. später sogar auf’s Versemachen verlegte. Nachdem er das Soldatenhandwerk aufgegeben, besuchte er die Akademie der bildenden Künste in Wien und bildete sich unter Director Martin Fischer [Bd. IV, S. 244] in der Bildhauerkunst, half auch seinem Meister bei dessen Arbeiten, wie z. B. bei den Standbildern des Brunnens auf dem Graben und auf dem Hofe. Von der Ueberzeugung geleitet, daß der Bildhauer eine gründliche Kenntniß der [44] Anatomie kaum entbehren könne, betrieb er das Studium derselben und mit solchem Erfolge, daß ihn ein Zeitgenoß „den ersten Anatomen unter den Bildnern Oesterreichs“ nennt. Diese Richtung ließ auch die Wahl der Doctoren Gall und Spurzheim auf ihn fallen, um die Präparate des berühmten Schädelcabinets, welches nicht seines Gleichen hatte, auszuarbeiten. K. führte dieselben ebenso anatomisch genau, als künstlerisch aus. Später arbeitete er auch die Präparate für das eben damals organisirte pathologische Museum des Wiener allgemeinen Krankenhauses. Von Klein’s Arbeiten sind nachfolgende anzuführen: „Das Grabdenkmal für den gelehrten Kaufmann Wetter in St. Gallen“, aus weichem Metall, es wurde bei dem Künstler von dem berühmten Historiker Johannes v. Müller bestellt; – „Das Grabdenkmal des Dr. Hohenholz“, aus Sandstein, dasselbe wurde von dem Mariahilfer Friedhofe, wo es aufgestellt war, auf eine höchst räthselhafte Weise entwendet; – „Das Grabdenkmal für den fürst. Eßterházy’schen Kammerzahlmeister Stölzel“, aus Sandstein, mit nicht weniger denn 16 Figuren; ferner viele Büsten aus Marmor und Metall, und zwar: „Kaiser Franz“, oft wiederholt, – der damalige „Kronprinz Ferdinand“, – die Erzherzoge „Karl“, – „Franz Karl“, – „Die Grossherzogin von Weimar“, – „Die Grossherzogin von Oldenburg“, – „Der Herzog von Reichstadt“, letzterer oft wiederholt und zu verschiedenen Zeiten ausgeführt, als noch der Herzog in der Fülle der Gesundheit sich befand und später als das unheilbare Leiden an dem Kern seines Lebens fraß. Auch war K. gestattet worden, eine Originalmaske des Antlitzes des verblichenen Herzogs abzunehmen, für welche ihm – jedoch vergeblich – von Paris aus große Summen angeboten worden sind; – ferner: „Fürst Schwarzenberg“, – „Graf Saurau“, des Letzteren Büste für die Wiener Universität, – „Baron Stifft“, diese Büste, aus weichem Metall, wurde 1827 anläßlich seines Namensfestes auf der Universität feierlich enthüllt; – „Graf Hoyos-Sprinzenstein“ und der Sänger der Tunisias „Erzbischof Ladislaus Pyrker“. Noch sei hier bemerkt, daß der Künstler es nicht unterlassen hat, einen Pilgerzug in das gelobte Land der Kunst, nach Rom, zu unternehmen, auf welchem ihm ein Empfehlungsbrief des Fürsten Metternich alle Wege ebnete und alle Pforten öffnete.

Pietznigg (Franz), Mittheilungen aus Wien (Wien, 8°.) Jahrg. 1834, Bd. III, S. 71 u. f. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VII, S. 48. – Kunst-Blatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) Jahrg. 1832, S. 328. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1837, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 492 [nach diesem wie nach Nagler geboren im J. 1770]. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 369.