BLKÖ:Lembert, Wenzel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lemann, Joseph
Band: 14 (1865), ab Seite: 349. (Quelle)
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Lembert, Wenzel[BN 1] (dramatischer Dichter und Hofschauspieler, geb. zu Prag im Jahre 1780, gest. zu Wien um das Jahr 1851[WS 1]). Sein Familienname ist eigentlich Tremler, er bediente sich aber, als er zur Bühne ging, und in seinen Schriften des Namens Lembert und ist nur unter diesem bekannt geworden. Einem unbezwinglichen Hange zur Bühne folgend, gab er, nachdem er bereits auf der Prager Hochschule den Rechtsstudien obgelegen, dieselben auf und wurde Schauspieler. Im Jahre 1800 schloß er sich einer kleinen wandernden Schauspielergesellschaft an und betrat zu [350] Annaberg im sächsischen Erzgebirge im Lustspiele „Armuth und Edelsinn“ als Van der Husen zum ersten Male die Bretter. Einige Jahre bildete er sein Talent auf kleineren Theatern, nun kam er nach Stettin und dort lernte ihn die berühmte Unzelmann-Bethmann, die eben damals auf dem Stettiner Theater mehrere Gastrollen gab, kennen, munterte ihn auf, sein ausgesprochenes Talent fleißig auszubilden und sich um ein größeres Theater umzusehen. Sie selbst empfahl ihn dem Director des churfürstlich sächsischen Theaters Seconda zu Dresden, wo L. auch im Jahre 1805 engagirt wurde. Schon im Jahre 1807 folgte er einem Rufe an das königliche Hoftheater zu Stuttgart für das Fach der ersten Liebhaber. Als im Jahre 1817 der k. k. Hoftheater-Secretär Schreyvogel und der Opernregisseur Treitschke eine Reise durch Deutschland unternahmen, um tüchtige Mitglieder für die beiden Hoftheater zu erwerben, lernten sie Lembert und seine Frau, welche Sängerin war, in Stuttgart kennen, und machten beiden Anträge für die Wiener Hofbühnen, welche sie auch annahmen. Noch im September dieses Jahres trat L. auf dem Burgtheater in Raupach’s „Vormund und Mündel“ als Philipp Brock zum ersten Male auf und erhielt dann eine lebenslängliche Anstellung. Bis zum Jahre 1833 wirkte Lembert an dieser Bühne als ausübender Schauspieler, dann wurde er Oberinspicient und Consulent derselben. Noch verdienstlicher als in seiner Eigenschaft eines darstellenden Künstlers hat L. als dramatischer Schriftsteller durch Herausgabe mehrerer mit großem Geschicke gearbeiteten bühnengerechten Stücke und einiger anderer auf die Bühne Bezug habenden Schriften gewirkt. Diese seine Schriften sind: „König Stanislaus oder List und Liebe“, Lustspiel in 3 Aufzügen, nach Duval (Frankfurt 1812, Simon); – „Ränke und Schwanke“, Lustsp. in 3 Aufz. (ebd. 1813); – „Der Trauring“, Schausp. in 3 Aufz. (ebd. 1813), die drei letztgenannten Stücke erschienen auch zusammen unter dem Titel „Schauspiele“, 1. Bd. (Riga [Voß in Leipzig] 1813, 8°.); – „Der Dichter und der Schauspieler, oder das Lustspiel im Lustspiel“, Lustsp. in 3 Aufz., frei nach Dupaty (ebd. 1813); – „Arete oder Kindestreue“, Schauspiel in 5 Aufz., nach dem Französischen (Leipzig 1813, Voß); – „Der Papa und sein Söhnchen“, Lustsp. in 3 Aufz. (ebd. 1813, 8°.); – „Dramatische Spiele“ (Leipzig 1816, Brockhaus, 12°.), enthält: Der Ehemann in der Klemme, – Professor Hakler, – Die Verwandtschaften des Großveziers, – Der Gemahl von Ungefähr, – Die verbündeten Truppen; – gemeinschaftlich mit Carl: „Taschenbuch für Schauspieler und Schauspielerfreunde“, 1. u. 2. Jahrg., 1816 u. 1817 (Stuttgart u. München, Metzler, 12°.), 3., 4. u. 5. Jahrg., 1821–1823 (Wien bei Tendler), der 3. mit dem Porträte des Grafen von Brühl, der 4. mit jenem des Grafen Dietrichstein, der 5. mit jenem des Hofrathes von Mosel. Der 1. Jahrg. (1816) enthält: Männerspiegel, Lustsp. in Alexandrinern und 1. Aufz. von Lembert; – Fromme Wünsche und Vorschläge zur Abschaffung einiger Uebelstände und Mißbräuche beim deutschen Theater; – Zwei Jahre aus dem Leben der Sängerin B.; – Böser Wille, von fremdem Wahnsinn entwaffnet, Fragment aus „Yngurd“, von Müllner; – Anekdoten, Charakterzüge u. s. w., Verzeichniß der deutschen Theater (eine Rubrik, welche sich im 1.–4. Jahrg. wiederholt); – der 2. Jahrg. (1817): Epilog zu Werner’s Tragödie „Der [351] 24. Februar“, von Müllner; – Fragmente über die Schauspielkunst von F. L. Schmidt; – Geschichte der Theaterschule zu Regensburg; – Fey Geloba, kleine heroische Original-Zauber-Oper; – Ueber den Versuch einer metrischen Bearbeitung des Trauerspiels von Schiller: „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“, von Reinbeck; – Scenen aus der metrischen Bearbeitung des „Fiesco“; – Die vergebliche Mühe, Lustsp. von Lembert; – Der Schauspieler, von Weisser; – der 3. Jahrg. (1820): Scenen aus „Des Lebens Schattenbild“, von Grillparzer; – Erster Act des Trauerspiels „Abosinda“, von C. A. West; – Ueber die gewöhnliche Anwendung der Wörter: Methode und Kunst auf die Leistungen dramatischer Sänger, von I. F. von Mosel; – Biographische Skizzen, von Lembert; – Der Soldat ganz allein, komisches Zwischenspiel in einer Scene, von Castelli; – Bemerkungen eines Schauspielfreundes über den Verfall der dramatischen Kunst; – Aus Brockmann’s Stammbuch; – Epigramme und Anekdoten; – Die Geheimnisse, Lustsp. in 1 Aufz., nach Melesville von Lembert; – Verzeichniß der lebenden dramatischen Schriftsteller (ein gleiches auch noch im 4. und 5. Jahrg.); – Der 4. Jahrg. (1822): Monolog von Grillparzer; – Scenen aus dem Trauerspiele „Johanna Gray“[WS 2], von Ed. Sommer[WS 3]; – Einschiebscene zu den „Unglücklichen“, von Haug; – Kurze Andeutungen über Musik, mit besonderer Rücksicht auf Wien, von Freiherrn von Lannoy; – Charakteristische Entwickelung der Rolle der „Donna Diana“, von Berling; – Erster Act des dramatischen Gedichtes „Die Brautwerber“, von Ch. Kuffner; – Die Reise zur Hochzeit, Lustsp. in 3 Aufz., von Lembert; – Das Winterfest, Lustsp. in 1 Aufz., von Holtei; – Die beiden Duennen, dramatische Bagatelle in 1 Act, von Castelli; – Der 5. Jahrg. (1823): Probescenen aus dem Schauspiel „Der Königin Ehre“, von Jos. Christ. Baron Zedlitz; – Beiträge zu Brockmann’s Biographie, von Weidmann; – Gedichte von Haug und Halirsch; – Züge aus dem Leben eines Souffleurs, von F. L. Schmidt; – Die Kinderschule, Lustsp. in 1 Act, nach Hutt (von Dr. Joël); – Der Ehemann als Liebhaber, oder der Liebhaber als Ehemann, Lustsp. in 1 Aufz., von Castelli; – Onkel Adam und Mutter Eva, Lustsp. in 2 Aufz., von Lembert; – Die Eifersucht im Traum, dramatischer Scherz, von Kuffner. Die übrigen selbstständigen Schriften L.’s sind: „Die Brautwahl“, Lustsp. in 3 Act., nach Picard (Wien 1821, Tendler, 8°.); – „Federproben. Eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen“ (Wien 1821, Tendler, 8°.); – „Das öffentliche Geheimniss. Nach dem Spanischen des Calderon“, Lustsp. in 4 Aufz. (Wien 1824, Tendler, gr. 12°.); – „Der Ehemann auf Schleichwegen oder das verhängnissvolle Rendezvous“, Lustsp. in 3 Aufz., nach Cas. Bonjours „Le mari à bonnes fortunes“ (Wien 1825, Tendier, gr. 12°.); – „Dramatische Neujahrsgabe für 1827“ (ebd., Tendler, gr. 12°.) [enthält: Maria Stuart’s erste Gefangenschaft; – Ehrgeiz in der Küche; – „Historische Skizze des k. k. Hoftheaters in Wien, mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Schauspiels“ (ebd. 1833, gr. 8°.); – „Almanach dramatischer Spiele für das Jahr 1834 und 1836“, 2 Jahrgänge (Wien 1833 und 1836, Tendler, 12°.), enthält: im 1. Jahrg.: Der Mann meiner Frau; – Die unbesiegbare Leidenschaft; – [352] Die Untröstlichen; – im 2. Jahrg.: Der Freund und die Krone, romantisches Schausp. in 4 Aufz.; – Wahn und Wahnsinn, Schausp. in 2 Aufz.; – Der Mentor, Posse in 1 Aufz.; – im 3. Jahrg.: Die homöopathische Cur, Lustsp. in 3 Aufz.; – Kenilworth, histor.-romant. Schausp. in 5. Aufz.; – Im zweiten Stock, Posse in 1 Aufz.; – „Novellen“ (Wien 1836, Tendler, gr. 12°.), enthält: Der harte Spruch; – Das blutige Haupt; – Die Macht der Musik; – Der Mörder; – Das Glückskind und der Unglücksengel; – Die Pest in Wien. – Mehrere andere Stücke, meist Bearbeitungen dankbarer Stoffe, wie z. B.: „König Richard in Palästina“, Schausp. in 5 Aufz., – „Das öffentliche Geheimniß“, scheinen Bühnenmanuscript geblieben zu sein. Im Jahre 1836 begann L. die Herausgabe des Unterhaltungsblattes „Der Telegraph, österreichisches Conversationsblatt für Kunst, Literatur, Theater, Tagesbegebenheiten, Industrie- und Fabrikwesen“ (seit 1838 „Der Wiener Telegraph“), eines in der vormärzlichen Periode geachteten und mit guten Beiträgen namhafter Schriftsteller ausgestatteten Wiener Journals. Seidlitz in der Schrift „Die Poesie und die Poeten in Oesterreich“ bemerkt über L.: „Seine Dramen sind lebendig und bühneneffectvoll, frei von Ueberladung, wie auch von krankhafter Sentimentalität, die Sprache edel, die Charaktere festgehalten. An tragischer Tiefe gebricht es aber den Schau- und Trauerspielen, keine welterschütternde Idee tritt uns niederdonnernd entgegen, aber sie lesen sich gut. Die Lustspiele haben weniger schlagenden Witz, als wohlthuende sanfte Heiterkeit. Bedeutender ist L. als Novellist. Nähme man im Auslande ein in Oesterreich gedrucktes Werk nicht mit einem gewissen Vorurtheile zur Hand[1], ich bin überzeugt, L. würde für einen der besten Erzähler gelten. Rasches Entwickeln der Handlung, Festhalten des Interesses bis zu Ende, eine kernige Sprache zeichnen seine Novellen aus, welche sich wie alle österreichischen zur bloßen Erzählung ohne Raisonnement hinneigen. – Lembert’s Gattin war eine geborne Mayer, und wurde zu gleicher Zeit, als er beim Burgtheater eintrat, als Hof-Opernsängerin im Kärnthnerthor-Theater engagirt. Sie hatte eine kräftige Stimme und ein effectvolles Spiel. Ihre Glanzrollen waren: Medea in Cherubini’s gleichnamiger Oper, – Vitellia in „Titus“, – Iphigenia, – die Herzogin in Paer’s „Camilla“ u. dgl. m. Im vorgerückten Alter verließ sie das Opernfach, wurde aber, und zwar noch im Jahre 1837, in manchen Rollen im Burgtheater verwendet.

Raßmann (Friedrich), Pantheon deutscher jetzt lebender Dichter und in die Belletristik eingreifender Schriftsteller u. s. w. (Helmstedt 1823, C. G. Fleckeisen, 8°.) S. 195. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 395; Bd. VI, S. 538. – Seidlitz (Jul. Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, 8°.) Bd. I, S. 117; Bd. II, S. 128.

  1. Seidlitz’ Buch erschien im Jahre 1837, und heute nach fast 30 Jahren (1865) klingt noch immer das alte Lied.

Berichtigungen und Nachträge

  1. [Lembert war k. k. Hofschauspieler und hier sei die ihn betreffende, in meinem Lexikon, Bd. XIV, S. 349, enthaltene Todesangabe, berichtigt, er starb nämlich nicht, wie es dort heißt, um 1838, sondern zu Mödling bei Wien am 5. Juli 1851.] (Theater-Zeitung 1851, Nr. 156.) Raimund, Ferdinand [Bd. 24, S. 263.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1838.
  2. Vorlage: „Johann Georg“.
  3. Vorlage: W. Sommer.