BLKÖ:Manfredini, Friedrich Marchese

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 371. (Quelle)
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Manfredini, Friedrich Marchese (Staatsmann, geb. zu Rovigo 24. August 1743, gest. zu Campo Verardo bei Padua 19. September 1829). Manfredini entstammt einer alten, berühmten Familie. Sein Vater erkannte schon frühe die nicht gewöhnlichen Anlagen des Knaben, und gab ihn zur Ausbildung derselben zuerst in das adelige Collegium zu Modena, dann sandte er ihn an die kaiserliche Akademie nach Florenz. Seiner Neigung für den Waffendienst folgend, begab er sich mit der Zustimmung seines Vaters nach Wien, um dort, wie viele andere edle Venetianer, in die österreichische Armee zu treten. Wenige Zeit nach seinem Eintritte in den Kriegsdienst hatte Manfredini das Glück, die Aufmerksamkeit zweier Feldherren auf sich zu ziehen, und zwar des Feldmarschalls Botta und des Fürsten Poniatowski, welche seiner rühmlich gegen Kaiser Joseph II. gedachten. Dieses hatte zur Folge, daß er in Kürze zum Major im Regiments Stein ernannt wurde. Das ehrenvollste Zeichen von Anerkennung erhielt Manfredini in dem Alter von kaum 33 Jahren dadurch, daß der Kaiser ihn dem Grafen Franz von Colloredo zur Erziehung seiner erzherzoglichen Neffen, der Söhne des Erzherzogs Leopold, Großherzogs von Toscana, beigab. Diesem Vertrauen entsprach er auf solche Art, daß der Kaiser auf einer Reise durch Italien ihm den Obristenrang verlieh, und Erzherzog Leopold bei der Gelegenheit, als er seinen Erstgebornen, den nachmaligen Kaiser Franz, nach Wien führte, ihn zum wirklichen geheimen Staatsrathe und Erzieher aller seiner Söhne ernannte. Bei dem Ausbruche des Krieges, welchen Rußland und Oesterreich gegen die Pforte vereint führten, bat M. um die Erlaubniß, sich den Reihen der Krieger anschließen zu dürfen. Nachdem ihm dieß gestattet worden war, verfügte er sich eilends zum Heere. Er nahm an dem Ruhme des Tages Theil, an welchem Belgrad fiel, und wurde von Loudon bei diesem Anlasse so ehrenvoll erwähnt, daß ihn der Kaiser zum General erhob, und ihm das dießfällige Decret durch seinen Neffen [372] Franz zustellen ließ, welcher ebenfalls den Waffenruhm dieses Feldzuges theilte. Nach dem Ende des Krieges kehrte Manfredini nach Florenz zurück, wo er aber nicht lange verweilte, indem der Großherzog, welcher durch den frühen Tod seines Bruders auf den Kaiserthron gelangt war, ihn mit sich nach Wien mitnahm. Dort wurde er von dem neuen Regenten mit allen Beweisen kaiserlicher Huld ausgezeichnet, auch durch einige Zeit dem Erzherzog Leopold beigegeben, welcher zum Palatinus von Ungarn bestimmt worden war, und unter welchem Manfredini 1807 auch den Titel eines Magnaten von Ungarn erlangte. Dann verfügte er sich wieder nach Florenz, wo er zum Obersthofmeister des Großherzogs Ferdinand erwählt ward. Manfredini bewies sich daselbst als wahrer Freund der Gelehrsamkeit, so wie als der eifrigste Beschützer jeden Talentes – noch im Greisenalter erinnerte er sich mit warmer Liebe der Freundschaft eines Fossombroni, Lampradi, Pignorti, Morosi, Bagnoli, Morghen und Matteini, er war auch von diesen und anderen, in der Kunstgeschichte unvergänglichen Namen, mit Zueignungen ihrer Erzeugnisse ausgezeichnet worden. Auch dießmal war seines Bleibens in Toscana nicht lange, denn bei dem plötzlichen Hintritte des Kaisers Leopold II. mußte er neuerdings den Großherzog Ferdinand nach Wien begleiten und bei der Thronbesteigung des neuen Regenten fungiren. Als Kaiser Franz später zum Könige von Ungarn gekrönt wurde, schmückte er mit eigener Hand Manfredini im Angesichte des ganzen Landtages mit dem Großkreuze des St. Stephan-Ordens und erhob ihn nicht lange darnach zum Inhaber des Regimentes, in welchem er seine militärische Laufbahn begonnen hatte. Nun kehrte Manfredini abermals nach Florenz zurück, wo ihn durch den Kriegsbrand, dessen Fackel die Franzosen nach Italien geschleudert hatten, der grausamste Glückswechsel erwartete. Er konnte die Verluste des Hauses seiner Wohlthäter nicht ruhig mit ansehen und floh, als den Großherzog Ferdinand das Schicksal aller anderen Staaten Italiens traf, nach Sicilien, um dem Schauplatze jener traurigen Veränderungen fern zu sein. Allein der Kaiser Franz berief ihn gegen Ende des Jahres 1800 nach Wien, wo er ihn zum Feldmarschall-Lieutenant beförderte, und der Großherzog Ferdinand ihm eine reiche Appanage auswarf. Als dieser nachmals zum Besitze von Salzburg gelangte, ward Manfredini dirigirender Staatsminister, behielt jedoch diesen Posten nur so lange, bis durch einen neuen Friedens-Tractat der Großherzog zur Herrschaft von Würzburg kam. Bei Errichtung des St. Joseph-Ordens wurde Manfredini mit dessen Großkreuze betheilt. Inzwischen hatte sich zu der Last der Jahre, und der, durch beinahe ein halbes Jahrhundert geleisteten Dienste, auch ein, durch einen Sturz vom Pferde herbeigeführter Milzbruch gesellt und Manfredini, außer Stande fortzudienen, erbat sich die Erlaubniß, seine übrigen Lebenstage in Padua zu beschließen, welche ihm auch gewährt wurde. Die Sehnsucht nach einer ruhigeren Muße bestimmte ihn später, seinen Aufenthalt in Campo Verardo zu wählen, woselbst er sich eine Villa und einiges Grundeigenthum angekauft hatte, welches er zum Ruheplätzchen seines vielbewegten Lebens bestimmte. Dort lebte er seinen Mitstrebenden in der Kunst, der Literatur und den schönen Künsten, welchen er selbst manches werthvolle Erzeugniß in klangvoller italienischer [373] oder lateinischer Poesie weihte. Er führte eine ausgebreitete Correspondenz mit den Männern des Wissens. Dabei fuhr er fort, Künstler und Gelehrte zu beschützen, indem er Zueignungen annahm, Arbeiten bestellte und die Werke mittelloser Autoren auf eigene Kosten an’s Licht beförderte. In dieser thätigen Muße brachte M. noch mehrere Jahre zu, bis er im Alter von 86 Jahren starb. Seine letztwilligen Verfügungen sind neue Beweise seines humanen und edlen Sinnes. Er verschrieb fünftausend Zechinen dem Waisenhause in Padua, seine reiche und werthvolle Kupferstich-Sammlung dem Seminar daselbst, seine Gemäldesammlung jenem der Stadt Venedig.

Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. III, S. 111 bis 117 [nach diesem gestorben 19. September 1829], – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 545. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et seq., 8°.) Tome XXXIII, p. 198 [nach dieser gestorben 2. September 1829]. – Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venezia 1855, Naratovich, 8°.) Appendice, p. 27. – Büste. Seine von Rinaldo Rinaldi in Marmor gemeißelte Büste ist im Patriarchal-Seminar zu Venedig aufgestellt.