BLKÖ:Habsburg, Alexander Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 146. (Quelle)
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15. Alexander Leopold, Erzherzog von Oesterreich, Palatin (geb. 14. August 1772, gest. 22. Juli 1795), vierter Sohn des Kaisers Leopold II. und Maria Ludovica’s, kön. Prinzessin von Spanien. Nach dem Tode des Kaisers Joseph II. kam er mit seinem Vater und seinen Brüdern Karl, Ferdinand und Joseph nach Wien (im Mai 1790). Seit 1765 war die Würde eines Palatins in Ungarn nicht wieder besetzt, sondern an dessen Stelle von Kaiser Joseph eine Statthalterei errichtet worden. Durch das Decret vom 8. März 1790 beschloß Kaiser Leopold die Herstellung der ungarischen Verfassung, wie sie zur Zeit Maria Theresia’s bestanden hatte und gestattete den Ständen die Wahl eines Palatins. Am 10. Juli 1790 traten die Stände zusammen und [147] am 12. November fiel die Wahl des Palatins auf Erzherzog Alexander Leopold, der nun der erste Prinz aus dem Hause Habsburg war, welcher diese wichtige Würde bekleidete. Alexander Leopold wurde feierlichst installirt. Nach dem Tode seines Vaters Leopold und der Thronbesteigung des Kaisers Franz blieb er auf seinem Posten, bis die im Jahre 1794 in Ungarn angesponnene und entdeckte Jacobiner-Verschwörung, an deren Spitze der Bischof Martinovits stand, die Stellung des jungen Palatins sehr schwierig machte; und um so schwieriger, daß man ihm während der Verhandlungen gegen die Verschwörer den Vorsitz der Septemviral ließ und er also Richter und Partei in einer Person war. Nach dem Schlusse der Verhandlungen und nach der Hinrichtung der fünf Hauptschuldigen: Martinovits, Szigray, Hajnoczy, Laczkovich und Szentmariay, begab sich der Palatin zur Erholung seiner angegriffenen Gesundheit nach Wien (Anfangs Juli 1795). Am 12. Juli sollte die Kaiserin Maria Theresia, zweite Gemalin des Kaisers Franz, Laxenburg auf längere Zeit besuchen. Erzherzog Alexander Leopold, dessen Lieblingsstudien Mathematik und Chemie waren, wollte der erlauchten Frau seines Bruders einen festlichen Empfang bereiten und sie mit einem, unter seiner Leitung verfertigten Kunstfeuerwerke überraschen. Im Augenblicke, als ein losgebrannter Pöller die Ankunft der Kaiserin verkündete, zündete der Erzherzog die erste Rakete an, welche jedoch, durch einen unglücklichen Windstoß falsch geleitet, statt aufwärts, in die in der Nähe stehenden, mit Pulver gefüllten Apparate flog, welche nunmehr zu explodiren begannen. Der Prinz wurde am ganzen Leibe dergestalt verbrannt, daß er in Folge der erhaltenen Wunden alsbald seinen Geist aufgab. Zwei Diener aus seinem Gefolge wurden auch Opfer dieses schrecklichen Unfalls. Am 15. Juli wurde die Leiche des Erzherzogs bei den Kapuzinern in Wien feierlich beigesetzt. Die Palatinswürde ging durch Wahl der Stände und Bestätigung des Kaisers Franz auf seinen jüngeren Bruder, den vielgeliebten Erzherzog Joseph (s. d.) über.

Felső Magyar Országi Minerva (Oberungarische Minerva). Jahrg. 1825, II. Heft (April, Mai, Juni): Biographie von Gr. J. Desewffy. Daselbst befindet sich auch des Erzherzogs Brustbild. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1852, Didot, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 932 [nach dieser wird Erzherzog Alexander Leopold irrthümlich ein Sohn des Kaisers Joseph II. genannt, dessen Neffe er war.] – Schimmer (Karl August), Bilder aus der Heimath (Wien 1854, gr. 8°.) S. 367 u. f.