BLKÖ:Pöltenberg, Ernst von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 15. (Quelle)
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Pöltenberg, Ernst von (General in der ungarischen Revolutionsarmee, geb. zu Wien im Jahre 1804, hingerichtet zu Arad am 6. October 1849). [16] Sein ganzer Name ist Ernst Pölt von Pöltenberg. Ein Leopold Pölt, k. k. geheimer Cabinetssecretär, ist im Jahre 1810 mit dem Prädicate von Pöltenberg in den erbländischen österreichischen Adel und im Jahre 1827 in den Ritterstand erhoben worden. Der obige Ernst von Pöltenberg ist, wie Ritter von Levitschnigg angibt, der Sohn eines reichen Sachwalters, der ein paar Herrschaften in Galizien besaß. Er trat in jungen Jahren in die k. k. Armee und war zuletzt Rittmeister und Escadronscommandant im Huszaren-Regiment Großfürst von Rußland Nr. 4. Er war ein trefflicher Reiter und in allen gymnastischen Uebungen sehr gewandt. Die Ursachen, welche ihn bewogen haben, in den Jahren 1848 und 1849 als Deutscher in der ungarischen Revolutionsarmee gegen die kaiserliche Fahne zu kämpfen, sind unbekannt. In der Honvédarmee zeichnete sich P. durch große Tapferkeit aus. Sein Name war zum ersten Male in den vom 18. und 19. December aus Oettevény und Raab datirten Rapporten Görgey’s über das Arrièregardegefecht bei Wieselburg zu lesen. P. wurde darin als Braver bezeichnet. Später that sich P. bei Kasimir hervor, wo er als Major mit seiner von den Kaiserlichen umzingelten Huszaren-Abtheilung sich unter furchtbarer Verheerung durchschlug. In einem über dieses Gefecht im Kossuth-Hirlapja erstatteten Adjutantenberichte heißt es von Pöltenberg: „Sonst bringt er kaum zwei ungarische Worte heraus, jetzt aber fluchte er wie ein Kurutze, und stürzte voran wie ein Löwe, mit seinem unbezwinglichen Säbel überall Tod um sich ausstreuend“. Im weiteren Verlaufe des Frühjahrfeldzuges wurde er Oberstlieutenant und Oberst, und mit Decret des Landesgouverneurs Ludwig Kossuth und des Kriegsministers Arthur Görgey ddo. 2. Juni 1849 zum General befördert. In der Raaber Schlacht war es die Division Pöltenberg und Kmethy, die am meisten litt und mit großen Verlusten auf das Haupt geschlagen wurde. Pöltenberg folgte als Commandant des 7. Armeecorps seinem damaligen Oberfeldherrn Görgey auf seiner letzten Retirade von Waitzen bis Világos. Nach der Katastrophe von Világos, am 13. August 1849, wurde dem General P. mit noch mehreren ungarischen Revolutionsofficieren von dem kaiserlichen Kriegsgerichte der Proceß gemacht. Er mußte den Bruch seines Fahneneides mit dem Leben bezahlen. Er wurde am 6. October 1849 mit noch 13 Generalen und Stabsofficieren, darunter Aulich, Ernst Bar. Kiß, Graf Leiningen, Török, Lahner, Alexander Nagy, Knezich, Dessewffy und Vecsey zu Arad am Galgen hingerichtet. Levitschnigg gibt von Pöltenberg folgende Charakteristik: „Tüchtige Klinge, Anlage zu einem Ziethen im Attilla. Seine Rolle der Holkische Chasseur à Cheval in Wallenstein’s Lager. Seine Losung: „Frisch auf Kameraden, den Rappen gezäumt, die Brust im Gefechte gelüftet!“

Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Gustav Heckenast, 8°.) Bd. I, S. 103. – Schlesinger (Max), Aus Ungarn (Berlin 1850, Franz Duncker, 8°.) S. 448 u. 450. – Springer (Anton), Geschichte Oesterreichs seit dem Wiener Frieden 1809 (Leipzig 1864 u. 1865, S. Hirzel, gr. 8°.) Bd. II, S. 743.