BLKÖ:Pönninger, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pöschl, Thomas
Band: 23 (1872), ab Seite: 16. (Quelle)
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Pönninger, Franz (Bildhauer, geb. zu Wien 29. December 1832]. Sein Vater war k. k. Münzamts-Graveur und Medailleur, ein Zögling der [17] Wiener Akademie der bildenden Künste, an welcher er unter Zauner und Hagenauer studirte und auch den großen Preis erlangte. Er hat viele Medaillen verfertigt, besonders aber durch seine vorzüglichen, in Wachs bossirten Bildnisse sich bekannt und beliebt gemacht. Er starb im Jänner 1851. – Sein Sohn Franz erhielt seine erste Ausbildung in Wien an der Zoller’schen Hauptschule auf dem Neubau. Schon damals zeigte sich sein Talent für die bildende Kunst durch seine mit Leichtigkeit ausgeführten Darstellungen aus den Lehrstoffen und die colorirten und ausgeschnittenen Zeichnungen, welche er seinen Mitschülern lieferte, wobei ihm sein öfter zu unrechter Zeit und an unrechtem Ort in Ausübung gebrachtes Talent mit seinen Lehrern in manch unliebsamen Conflict brachte. Besondere Aufmerksamkeit widmete der Knabe den Arbeiten des Vaters, welche seinen Nachahmungstrieb weckten. Bald erregten diese primitiven plastischen Versuche und die allerdings noch dilettantisch nachgezeichneten und gemalten Bilder das Interesse des Vaters, der sich bei dem ausgesprochenen Talente des Sohnes um so leichter dazu entschloß, denselben die Künstlerlaufbahn betreten zu lassen. Im Alter von 14 Jahren wurde Franz Zögling der Akademie der bildenden Künste, trat zuerst in die Schule des Professors Gsellhofer ein und erwarb sich durch seinen Eifer und Fleiß bald die Zufriedenheit desselben, sowie einiger anderer, damals an der Akademie unterrichtenden Künstler, als Richter, Petter und Geiger. Im Jahre 1847 trat P. in die Bildhauerabtheilung über, an welcher damals Professor Kähßmann lehrte; daselbst blieb er, bis die Akademie in Folge der Ereignisse[WS 1] des Jahres 1848 gesperrt wurde. Von da an arbeitete er zu Hause unter der Leitung seines Vaters, der ursprünglich die Absicht hatte, ihn für seine eigene Kunst auszubilden. Die Plastik lag damals in Oesterreich vollständig darnieder: da nämlich in der damaligen Periode politischer Stagnation weder öffentliche Bauten noch Denkmäler errichtet wurden und sich die Arbeiten auf dem Gebiete der Plastik höchstens auf einige schablonenmäßig ausgeführte Grabmonumente beschränkten, so gab es thatsächlich für denjenigen, der sich derselben widmen wollte, kaum eine Aussicht auf ein anständiges Fortkommen. Das Erscheinen einer Büste oder Statuette auf einer öffentlichen Ausstellung war beinahe ein Ereigniß. Nichtsdestoweniger gelang es den Vorstellungen des Sohnes, die Einwilligung des Vaters, sich der Plastik widmen zu dürfen, zu erlangen. Während die Akademie gesperrt blieb, besuchte P. das Atelier des Bildhauers Schroth, wo er Gelegenheit fand, sich einige Technik im Schnitzen und manches Handwerkliche, was zur Ausübung dieser Kunst nöthig, anzueignen. Nachdem die Akademie wieder geöffnet worden, besuchte er fleißig die Vorträge über Composition unter Führich, später Kupelwieser, dann über Anatomie, Perspectivzeichnen, Aesthetik und Kunstgeschichte. Als im Jänner 1851 sein Vater starb – die Mutter hatte er schon einige Monate früher verloren – stand P., aller Subsistenzmittel beraubt, sich selbst überlassen da. Das Nothwendigste verdiente er sich durch kleinere kunstgewerbliche Arbeiten, dabei besuchte er, so viel ihm Zeit blieb, daher ziemlich unregelmäßig, die Akademie, was ihm von den damaligen Lehrern so übel vermerkt wurde, daß ihm endlich der Besuch derselben gänzlich verleidet ward. Das Zusammentreffen mit einem [18] früheren Studiengenossen, der in Fernkorn’s Atelier arbeitete, war für das fernere Geschick des jungen Künstlers entscheidend. Dieser lud ihn ein, ihn im Atelier seines Meisters zu besuchen und wohl gar selbst dort einzutreten, da er Arbeit genug finden würde. P. folgte dieser Einladung. Fernkorn hatte eben seinen „Georg“, der jetzt im Montenuovo-Palais steht, vollendet, diese und noch manche andere Arbeit, die er dort sah, gefielen P. so sehr und Fernkorn selbst zeigte ein so theilnehmendes Wohlwollen für den jungen Künstler, daß dieser an ihn die Bitte stellte, in seinem Atelier arbeiten zu dürfen, die auch freundlichst gewährt wurde. Hier war P. am rechten Platze; es ist bekannt, daß in Fernkorn’s Atelier musterhaft gearbeitet wurde; auch kamen häufige Besuche namhafter Wiener Künstler, mit denen Ansicht und Meinung über manche Arbeit ausgetauscht, manche Aenderung angeregt, kurz, der eben in der Arbeit befindliche Gegenstand von verschiedenen Gesichtspuncten und künstlerisch beleuchtet wurde. Unter solchen Verhältnissen arbeitete P. mit Leib und Seele, aber längere Zeit unentgeltlich und mußte seinen Lebensunterhalt in den Nachtstunden erwerben; jedoch auch der Meister gewann den Schüler immer lieber. Erst nach einigen Jahren bezog er von Fernkorn ein nach und nach steigendes mäßiges Einkommen. Als im Atelier die Arbeit an dem Hilfsmodell zur Erzherzog Karl-Statue begonnen wurde, war P. bereits an derselben, sowie an den meisten der späteren Werke seines Meisters thätig. In dem Maße, als Fernkorn’s durch Krankheit erschüttertes Arbeitsvermögen abnahm, was ziemlich rasch geschah, wurde auch P.’s Wirkungskreis bei ihm ausgedehnter, er selbst unabhängiger und allmälig schwand Fernkorn’s Einfluß auf ihn und seine Arbeit gänzlich. Dieß war besonders der Fall, als P. im Jahre 1858 von dem Besuche der großen Ausstellung in München und der dortigen Ateliers, von den daselbst empfangenen Eindrücken fast eingeschüchtert, zurückkehrte; noch mehr aber nach dem Besuche der großartigen Londoner Ausstellung im Jahre 1862, nachdem er auf der Reise dahin die Ateliers der Dresdener Meister, Berlin mit seinen Museen und eine Reihe von Künstlern ersten Ranges, wie Drake, Schievelbein, Wolf, Bläser und Begas kennen gelernt hatte. Er blieb längere Zeit sowohl in Dresden als in Berlin, studirte die besondere Weise dieser Künstler und verkehrte viel mit den meisten von ihnen. Die vorzüglichen Arbeiten, die er dahier kennen gelernt hatte, wichen stark von der ihm bis dahin einzig bekannten Richtung ab und zeigten die herrliche Entwickelung einer Kunst, von der er vorher kaum eine Ahnung hatte. Mit erweitertem Gesichtskreis und von dem Streben beseelt, in seinen eigenen Werken diesen hervorragenden Meistern nachzueifern, kehrte er nach Wien zurück. Kaum jedoch verging ein Jahr, so besuchte er wieder Dresden oder München, oft beide Städte zugleich und suchte nun in seinen Arbeiten den neugewonnenen Anschauungen unbeirrt durch manche Einrede gerecht zu werden. So entstanden, während Fernkorn’s Kränklichkeit wuchs, und seine Thätigkeit im Atelier lange schon fast aufgehört hatte, die Skizze zum Denkmal des Prinzen Eugen, von Fernkorn kaum mehr beeinflußt; eine andere zum Jellačić-Denkmal, welche beide ausgeführt wurden und allgemein als Fernkorn’sche Arbeiten gelten. Die auch in jener Zeit entstandene Skizze zu einem Kaiser Joseph-Denkmal für [19] Brünn, sieht eben jetzt (1870/1871) ihrer Ausführung entgegen. Als sich Fernkorn’s Gesundheit derart verschlimmerte, daß derselbe seine Thätigkeit für längere Zeit einstellen mußte und sich nach der Enthüllung des Prinz Eugen-Denkmals Fernkorn’s Zustand nicht mehr verheimlichen ließ, wurde P. über Fernkorn’s eigenem Antrag zuerst einstweilen, später aber, als Fernkorn’s Leiden für unheilbar erklärt und er mit Allerh. Entschließung vom 14. Februar 1866 von der Leitung der k. k. Kunst-Erzgießerei enthoben wurde, definitiv mit der artistischen und der bisherige Geschäftsführer Röhlich mit der technisch-ökonomischen Leitung der genannten Anstalt betraut. In dieser Stellung ist P. bis zur Stunde thätig. Von anderen von Pönninger bisher ausgeführten Arbeiten sind anzuführen: „Hagen versenkt den Nibelungenschatz in den Rhein“, ein etwa dritthalb Schuh hoher Aufsatz für den Schauladen des Juweliers Rothe auf dem Kohlmarkt in Wien; – eine 20 Zoll hohe Copie von Fernkorn’s „Georg mit dem Drachen“, dieses und das vorige Werk noch unter dem Einflusse und der Aufsicht seines Meisters vollendet und das letztere in ganz Deutschland, auch in England und Rußland gekannt und gekauft; – das „Modell der Reiterstatue des Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig“, in Drittelgröße der Kolossalausführung; – eine „Nymphe“, in Bronze und in Lebensgroße für den Baurath Ritter von Schwarz in dessen Garten nach Salzburg; – die lebensgroße „Büste des Medicinalrathes von Viszanik“, für das Vestibule der Landes-Irrenanstalt in Wien; – „Gräfin Louise Egger“, Büste für St. Georgen in Kärnthen im Auftrage des Grafen Egger; – „Hofschauspielerin Julie Rettich“, Büste für den Dichter Friedrich Halm; – „Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig“, Büste für die Stadt Braunschweig; – „Baurath und Architekt Stache“, Büste für das Künstlerhaus in Wien, im Auftrage der Genossenschaft der Wiener Künstler, erstere drei in Bronze, letztere in Marmor ausgeführt; – „Die Porträtbüste des Komikers Wenzel Scholz“ (1858); – des verstorbenen „Bankiers L. Epstein“; – die Porträtmedaillons der „Frau Julie Rettich“ und des „Hofschauspielers Beckmann“, beide in Marmor und auch in Bronze; – „Statue des Erzherzogs Karl“, in Marmor, sechs Schuh hoch, für das Arsenal; – lebensgroße „Büste des Industriellen Lanna“, in Bronze, und das „Denkmal“, für denselben (1869); – „Denkmal für den Erzherzog Johann“ (1870), für die Stadt Gratz. Die nächste Arbeit, welche von P. in Aussicht gestellt ist, sind Entwurf und Ausführung zu einem „Denkmal für Andreas Zelinka“, den unvergeßlichen Bürgermeister der Stadt Wien.

Aesthetische Rundschau. Wochenschrift, herausg. von A. Czeke (Wien, 4°.) I. Jahrgang (1866), Nr. 9: „Die k. k. Kunst-Erzgießerei auf der Wieden“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Eregnisse.