BLKÖ:Reissek, Siegfried

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rejsek, Mathias
Band: 25 (1873), ab Seite: 254. (Quelle)
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Reissek, Siegfried (Naturforscher, geb. zu Teschen am 11. April 1819, gest. zu Wien am 9. November 1871). Nachdem er in seiner Vaterstadt die Gymnasialstudien beendet, begab er sich im Jahre 1836 nach Brünn, wo er den philosophischen Curs hörte. Dort lernte er die Botaniker Diebel, Rohrer und Tkany kennen, mit denen er die heimische Flora fleißig studirte und den Grund zu seinen botanischen Kenntnissen legte. Im Jahre 1838 kam er als armer schlesischer Student nach Wien, um Medicin zu studiren. Sein fester Wille und eine unermüdliche Arbeitskraft brachten ihn über alle Klippen, die sich ihm auf dem Lebenspfade entgegenstellten[WS 1], hinweg. Durch Alois Putterlik [Bd. XXIV, S. 111] wurde er mit Endlicher und Fenzl [Bd. IV, S. 44 u. 179] bekannt, welch Letzterer seine Aufnahme als Volontär am kais. botanischen Hofcabinete erwirkte, in welchem R. nach Putterlick’s Tode im Jahre 1845 die Stelle eines Custos-Adjuncten und im Jahre 1867 Titel und Rang eines ersten Custos erhielt. Auf diesem Posten wissenschaftlich thätig, veröffentlichte R. mehrere Arbeiten, welche in gelehrten Kreisen das Augenmerk auf ihn richteten. Seit 26. Juni 1848 war er correspondirendes Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften math.-naturw. Classe. Zunächst bearbeitete er für Endlicher’s Genera plantarum die Rhamneen und einige verwandten Arten; bestimmte für Lehmann’s „Plantae Preissianae“ die neuholländischen Rhamneen; lieferte für die Zeitschrift Linnaea 1842 eine Monographie der Gattung Pennantia, im Jahre 1857 die Bearbeitung der von F. Müller in Australien gesammelten Celastrineen und Rhamneen und beschloß seine Untersuchungen nach dieser Richtung mit der Monographie der brasilianischen Rhamneen, Ilicineen und Celastrineen, welche im 28. Fascikel der Flora brasiliensis (1861) erschien. Ferner waren es die Morphologie und Teratologie, worauf er seine Forschungen erstreckte, und die Ergebnisse derselben gleichfalls in der Linnea 1843 veröffentlichte, worunter seine Arbeit über das Wesen der Keimknospe, worin er die Ansicht aussprach, daß die Samenknospen nicht Stempelgebilde, sondern Blätter seien, am bemerkenswerthesten ist. Auch Histologie und Pflanzen-Anatomie betrieb er, und ist von seinen Arbeiten auf diesem Gebiete eine Abhandlung über das Fasergewebe des Leines, Hanfes und der Baumwolle, dann eine zweite über die Fäulniß der Mohrrüben das bemerkenswertheste. Die Titel der von [255] Reissek in Fachblättern veröffentlichten Arbeiten sind, in der Regensburger botanischen Zeitung 1841: „Beiträge zur Flora Mährens“', – 1842: „Ueber Anemonen und andere Pflanzen der Wiener Gegend“; in den Mittheilungen der mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues u. s. w. 1842: „Supplement zu Rohrer’s Flora von Mähren“; – in der Linnaea 1842: „Monographische Erläuterung der Gattung Pennantia und Aufklärung ihrer natürlichen Verwandtschaft“ (mit Tafeln); – 1843: „Beitrag zur Teratognosie der Thesienblüthe“; – „Ueber das Wesen des Befruchtungsactes und Keimes“; – in den Verhandlungen der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher 1845: „Ueber die selbstständige Entwickelung der Pollenzelle zur keimtragenden Pflanze“ (mit Taf.); – in Haidinger’s Naturwissenschaftlichen Abhandlungen, I. Bd. (1847): „Ueber Endophyten der Pflanzenzelle, eine gesetzmäßige, den Samenfäden oder bewegten Spiralfasern analoge Erscheinung“ (mit Taf.); – in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften math.-naturw. Classe, VI, S. 422: „Ueber künstliche Zellbildung bei Kartofeln“; – VIII, S. 72: „Ueber die Fäulniß der Mohrrüben“ (mit 1 Taf.); – XXI, S. 323: „Ueber eine merkwürdige Pilzbildung auf einer Caseinlösung (Alphimyces Schrötteri)“ (mit 1 Taf.); – in den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften math. naturw. Classe, IV, S. 1: „Ueber daß Fasergewebe des Leines, Hanfes und der Baumwolle“ (mit Taf.); im Oesterr. botanischen Wochenblatte, III, S. 1: „In Sachen der Kartofelkrankheit“; – ebenda, S. 33: „Neue Bestrebungen auf pflanzenphysiologischem Gebiete in Oesterreich“; – IX, S. 1: „Biographie von August Neilreich“; – XX, S. 257: „Ueber die Farbenwandlung von Blüthen“; in den Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins, V. Abh., S. 511: „Beitrag zur Flora Wiens“; – VI. Abh., S. 425: „Ueber die wilde Vegetation der Weinrebe im Wiener Becken“; – IX. Abh., S. 55: „Ueber die Vegetation des Rohres an der Donau“; – X. Abh., S. 105: „Ueber die Wanderungen des Xanthium spinosum“; in den Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse, I, S. 23: „Die österreichischen naturforschenden Reisenden dieses Jahrhunderts“; – ebenda, S. 339: „Ueber Befruchtung und Keimbildung bei Blüthenpflanzen“; – II, S. LXV: „Einleitung zu einem Berichte über die Leistungen auf dem Gebiete der Pflanzenkunde in Oesterreich“ – II, S. 3: „Ueber Parkanlagen in großen Städten“; – III, S. 469: „Ueber die Vegetation von Südasien“; in der Oesterreichischen Revue, I, S. 265: „Einst und Jetzt der Vegetation Oesterreichs“; – V, S. 238: „Die Erforschung Oesterreichs auf vegetativem Gebiete“. Die vorstehende Uebersicht von R.’s wissenschaftlichen Arbeiten gibt so ziemlich ein Bild seiner literarischen Thätigkeit; aber auch sonst noch wirkte er in verdienstlicher Weise, und zwar mit lebhaftem Eifer für Verbreitung botanischer Kenntnisse durch populär gehaltene Vorträge, von denen sein „Festkranz zur zweiten Jahresfeier des zoologisch-botanischen Vereins“ (Wien, 8°.) und „Die Palmen. Eine physicgnomisch-culturhistorische Skizze“ (ebd., 8°.) besonders anzuführen sind. R. besaß neben seinem Fachwissen auch sonst eine umfassende allgemeine Bildung, war auf dem Gebiete der Kunst kein Fremdling, [256] wie ein von ihm im Abendblatte der „Wiener Zeitung“ erschienener Aufsatz: „Ueber die Darstellung der Pflanzenwelt in den Gemälden der Kunstausstellung“ bezeugt, und einer seiner Biographen berichtet noch, daß er viel Sinn für Musik gehabt und sich als Dichter versucht habe. Seine letzten Lebensjahre waren durch ein Gehirnleiden getrübt, so daß sein sonst heller und muthiger Geist in Nacht und Finsterniß versank. Aus den Mittheilungen eines seiner Freunde mögen einige Bemerkungen zur Vervollständigung seines Lebensbildes diese Skizze schließen. Der berühmte Naturforscher Stephan Endlicher war und blieb Reissek’s Ideal. Noch in den letzten Jahren sprach R. von seinem geliebten Meister nur im Tone der tiefsten Verehrung, und Goethe, Humboldt und Endlicher nannte er das stolze Trifolium Deutschlands. R. war Junggeselle geblieben; er hatte wenig gefällige Formen und Frauen gegenüber fand er sich nicht behaglich, obzwar er das Herz eines Kindes hatte und nie ein unlauteres Wort über seine Lippen kam. Ungeachtet sein Tod allgemein durch die Blätter bekannt gegeben ward, waren zu seinem Leichenbegängnisse, obgleich er corr. Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften war, acht Personen erschienen, von denen fünf der Familie Reissek angehörten! Aber wenige Tage nach seinem Ableben widmete ihm in der Sitzung der math. naturw. Classe der Akademie der Präsident derselben, Dr. Rokitansky, einen Nachruf.

Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien (Wien, 8°.) Bd. V (1853), in den Abhandlungen S. 85 in Neilreich’s „Geschichte der Botanik in Niederösterreich“. – Bericht über die österreichische Literatur der Zoologie, Botanik, Paläontologie aus den Jahren 1850, 1851, 1852, 1853 (Wien 1855, Braumüller, 8°.) S. 2, 76, 77, 195. – Kanitz (August), Versuch einer Geschichte der ungarischen Botanik. Aus dem 33. Bande der Linnaea besonders abgedruckt (Halle 1865, Gebauer-Schwetschke, 8°.) S. 247. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: entgegegenstellten.