BLKÖ:Schiavoni, Felix

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Schiavoni, Johann
Band: 29 (1875), ab Seite: 254. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Felice Schiavoni in Wikidata
GND-Eintrag: 140534989, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schiavoni, Felix|29|254|}}

Schiavoni, Felix (Maler, geb. zu Triest im J. 1803). Ein Sohn des berühmten Malers Natalis [s. d. S. 258] und ein würdiger Sproß der berühmten Malerfamilie Schiavoni(auch Schiavone), welche mit Andreas [s. über ihn später im Texte S. 255] anhebt. Den ersten Unterricht in der Kunst erhielt er von seinem eigenen Vater, alsdann begab er sich zur ferneren Ausbildung nach Mailand, Wien und Venedig, wo er an den dortigen Gallerien die Meisterwerke der verschiedenen Malerschulen studirte. In Mailand gewann er mit einer Madonna, welche er in Raphael’s Weise gemalt hatte, den Preis. Nun begab er sich nach Venedig, wo sein Vater beständigen Aufenthalt genommen hatte, und ließ sich auch daselbst nieder, so daß die Malerfamilie Schiavoni den völligerblaßten Glanz der alten Venetianerschule einigermaßen wieder auffrischte. Das Feld, auf welchem Felix in seiner Kunst thätig, ist ein ungemein ausgedehntes; außer kleineren Conversationsstücken, ausgeführt in der bestechenden Weise seines Vaters, malt S. historische und mythologische Bilder, Altarblätter, allegorische Darstellungen und Bildnisse. Von der seduisanten, mehr die Sinne prickelnden Manier seines Vaters sich lossagend, schlug Felix eine ernstere Richtung ein und förderte mitunter ausgezeichnete Werke zu Tage. Die Zahl seiner Gemälde ist sehr groß, aber die meisten derselben, da sie gewöhnlich auf feste Bestellung gearbeitet sind, kamen nicht in die Ausstellungen und sind daher nur wenig bekannt. Für den Kaiser Nikolaus malte er das berühmte Bild Titian’s: „l’Assunta, wofür er neben dem Preise noch die große goldene Medaille für Kunst erhielt; und eine „Madonna mit mehreren Heiligen“, nach Giovanni Bellini; – für den jetzigen Kaiser Alexander II., da er noch Großfürst war: „Den sterbenden Raphael, umgeben von seinen Schülern und Freunden“; – für die Pfarrkirche zu Cavarsere bei Chioggia ein Altarbild: „Ein Wunder des h. Antonius von Padua“; – für die Kirche Santa Maria Maggiore zu Labin in Istrien malte S. im Jahre 1835 mehrere Altarbilder und für die St. Antonikirche in Triest einen „H. Simon“; – für das neue kaiserliche Museum in St. Petersburg im kaiserlichen Auftrage mehrere Copien berühmter Bilder älterer Meister, für welche er kaiserlich honorirt wurde; – für die Gallerie des Fürsten Tosi in Venedig einen „Raphael mit der Fornarina“; – für die Brera in Mailand einen allerliebsten „Amor“; – für mehrere andere Städte: „Christus auf seinem Leidensgange“; – „Der schlafende Christus“; – verschiedene „Madonnen“ mit und ohne Jesuskind; – „Torquato Tasso, Eleonoren vorlesend“ u. s. w. In den Wiener Ausstellungen waren von dem Künstler zu verschiedenen Zeiten sowohl in den Jahres-Ausstellungen bei St. Anna, wie nach vieljähriger Pause in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins mehrere Bilder von wechselndem Werthe, aber alle von seltener Technik [255] und großer Virtuosität im Colorit, zu sehen, und zwar in den Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste, im Jahre 1820: „Ein männliches Miniaturporträt“; – 1824: „Die Ruhe der heil. Familie auf der Flucht in Egypten“, Oelgemälde; – 1826: „Die H. Apollonia“. Oelgemälde; – 1837: „Heilige Familie“, Kreidezeichnung; – in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, im Jahre 1851: „Christus, das Kreuz tragend“, Eigenthum des Herrn Prevost; – 1854, April: „Madonna mit dem Christuskinde und St. Johannes“ (300 Napoleonsd’or); – 1861, März: „Heilige Familie“ (55 Napoleonsd’or); – 1866, October: „Raphael, die Fornarina malend“, vormals in der Sammlung Arthaber (auf Holz, 69 Centim. hoch und 55 Centim. breit); – 1867, März: „Magdalena“; – Mai: „Ein Genius“; – December: „Die Eitelkeit“ (250 fl.); – „Titian, seine Geliebte malend“ (600 fl.). Sein auf der Mailänder Ausstellung 1852 bewundertes Bild: „Venere abbraccia Amore“, von Antonio Fidanza angekauft, wurde nach einer Zeichnung von Rizzo von Carelli für den Jahrgang 1852 des von Canadelli in Mailand herausgegebenen „Album Esposizioni di belle arti“ in Kupfer gestochen. Das Bild jedoch hatte Schiavoni schon lange früher, nämlich im Jahre 1832, gemalt. Auf der Triester Ausstellung des Jahres 1864 erregte eine „Heilige Familie“ durch die Art ihrer Ausführung allgemeine Bewunderung. In Oel gemalt, glaubte man dennoch das zartest ausgeführte Miniaturbild vor sich zu sehen, mit solcher Feinheit und Glätte waren die Farben aufgetragen. Groß ist die Zahl der von Felix gemalten Bildnisse, da die Zartheit seines Pinsels vornehmlich Frauen denselben suchen ließ. Felix ist ein bedeutender Künstler, der, treu den alten Ueberlieferungen der Venetianer Schule, deren Meister er mit Gründlichkeit studirt und vornehmlich im Colorit in sich aufgenommen hat, die gegenwärtige Maler-Generation Italiens weit überragt. Jede Arbeit, und sei sie verfehlt, trägt das Gepräge des Künstlers an sich; im Colorit kommt ihm kein anderer Italiener der Gegenwart nach. S. lebt zu Venedig und ist Mitglied der dortigen Kunstakademie, wie auch der Akademie der bildenden Künste in Wien. – Seine beiden Töchter Karoline und Julie, Letztere eine vermälte Sernagiotto, sind gleichfalls Malerinen, und zwar malt Erstere Landschaften, Letztere Bildnisse und Historienstücke. Von beiden waren in der Jahres-Ausstellung 1846 in der k. k. Akademie der bildenden Künste zu St. Anna in Wien, von Karoline eine „Landschaft“, von Julie ein „Schlafendes Kind“ (Eigenthum des Herrn von Galvagni) zu sehen. Der Vater besitzt ein reiches, mit Kunstwerken anderer Meister aller Zeiten ausgestattetes Atelier. Als Dr. August Dietzmann, der langjährige Redacteur der einst so beliebten und stark verbreiteten „Leipziger Mode-Zeitung“, den berühmten Künstler in seinem Atelier zu Venedig besuchte, fiel ihm unter den Gemälden ein Bild auf, welches der alte Andreas Schiavoni gemalt und das ein unbeschreiblich reizendes junges, vor einem Tische sitzendes Weib, das Rosen – ißt, darstellt. Dietzmann war über die Schönheit des Weibes, nicht minder aber über ihre sonderbare Beschäftigung erstaunt. Als Schiavoni Dietzmann’s Erstaunen gewahr wurde, unterbrach er ihn in seiner Betrachtung mit den Worten: „Da Ihnen das Bild so sehr gefällt, will ich Ihnen eine Copie davon zeigen, die mein schönstes Werk ist“. [256] Er rief darnach eine alte Dienerin und sprach leise mit ihr. Sie entfernte sich, und als nach wenigen Minuten in die sich öffnende Thüre ein Mädchen trat, rief Schiavoni: „Da ist sie“. Dietzmann wandte sich um und erblickte ein junges Mädchen, das lebendige Ebenbild des Gemäldes, das er eben bewundert hatte. Staunend schaute er bald das Mädchen, bald den Künstler an, bis dieser anhub: „Das Mädchen da ist meine liebe Tochter und das Porträt meine Ahnfrau. Ich stamme direct von dem alten Andrea Schiavoni (gest. 1582) ab und will Ihnen auch die Geschichte jenes Bildes erzählen: Mein Urahn hatte sein ganzes Leben lang, trotz seinem Genie, mit Noth und Elend zu kämpfen. Er malte im Anfange Wirthshausschilder und dergleichen und keiner der großen Maler nahm sich seiner an. In seiner Noth tröstete ihn die Liebe der schönen Giacinta, eines Mädchens, das er eines Abends weinend am Rialto getroffen und das ihm gesagt hatte, daß es vater- und mutterlos in Venedig sei und hungere. – „Ich bin auch allein und hungere“, antwortete ihr Schiavoni; „so komme mit mir“. Sie folgte ihm und verließ ihn nicht wieder. Er trieb seine Kunst als Handwerk, konnte aber nie so viel gewinnen, um die Sorgen von seiner kleinen Wohnung fern zu halten, so daß er oftmals mit Giacinta hungerte, die ihm jedes Jahr ein Kind gab. Als acht Kinder Brot von ihm verlangten, schien ihm endlich die Hoffnung zu leuchten. Ein Kloster bestellte ein großes Gemälde bei ihm, an dem er mit unermüdlichem Fleiße arbeitete. Als dasselbe beendet war und abgeliefert wurde, war gerade ein Fest in der Kirche des Klosters, zu welchem halb Venedig strömte, um Blumen vor der Madonna niederzulegen. Nachdem alle Frommen sich entfernt hatten, trat Schiavoni zu den Mönchen und bat, sie möchten ihm etwas Geld für sein Bild geben. „Geld?“ antworteten sie, „Geld haben wir nicht, Meister, aber nehmt da von den Blumen, so viel Ihr wollt“. Verzweifelnd nahm der Maler zwei große Rosensträuße und eilte hinweg. Giacinta erwartete ihn mit den acht Kindern an der Thüre der kleinen Wohnung. „Das hat man mir statt des Geldes gegeben“, rief ihnen der Vater entgegen und warf ihnen die Blumen zu. „Rosen bringe ich Euch als Essen“. Und Giacinta zerpflückte die Rosen und legte jedem Kinde, Schiavoni und sich selbst ein Häufchen der Rosenblätter auf einem Teller vor. Es war das letzte Mahl der armen Giacinta. Am andern Tage erlag sie ihren langen Leiden und Schiavoni malte sie später aus der Erinnerung, wie sie Rosen ißt. Wie viele Thränen mögen ihm dabei über die Wangen gerollt sein! Zu seinem Glücke rief auch ihn der Tod bald ab und die acht Kinder mußten zusehen, wie sie allein ihren Weg durch die Welt fänden. Sein Geschlecht aber hat sich doch erhalten bis zu mir. Ich bewohne nun freilich einen Palast, male aber nicht wie der alte Schiavoni der so arm war. Bin ich nicht ärmer als er?“ So Felix Schiavoni, der Urenkel des berühmten Andreas, als dessen Nachkommen er sich selbst bekennt.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) L. Bd. (1868, erste Hälfte), Nr. 1304, S. 460: „Ein Besuch bei Felice Schiavoni“, von Dora d’Istria [ein drei Foliospalten langer Artikel, in welchem man alles Mögliche, nur fast nichts von Schiavoni anführt]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.) Bd. XV, S. 216. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von [257] Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 449. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. VII, S. 648, Nr. 2. – Kukuljević-Sakcinski (Iván), Slovník umjetnikah jugoslavenskih, d. i. Lexikon der südslavischen Künstler (Agram 1860, Ljud. Gaj, gr. 8°.) S. 411. – Gemme ď arti italiane (Milano, Venezia e Verona, Ripamonti-Carpano, 4°.) Anno VII (1854), p. 93. – Album esposizione di belle arti in Milano ed altre città ď Italia (Milano, C. Canadelli, 4°.) Anno XIV (1852), p. 117 [daselbst sein Gemälde: „Venere abbraccia Amore“]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 531, im Texte Nr. 1. – Kunst-Blatt (Stuttgart[WS 1], Cotta, 4°.) 1824, Nr. 16, S. 62. – Nordmann (Johannes), Salon (Wien, gr. 8°.) 1854, in der Beilage „Kunstblatt“ Nr. 7, in der Besprechung der April-Ausstellung von J. N. – L’Osservatore Triestino (kl. Fol.) 1864, No. 249, im Appendice. – Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien (8°.) 1820, S. 10, Nr. 3; 1824, S. 20, Nr. 93; 1826, S. 18, Nr. 134; 1837, S. 6, Nr. 60. – Monats-Verzeichnisse der Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins in Wien (8°.) 1854, April Nr. 64; 1861, März Nr. 12; 1866, October Nr. 60; 1867, März Nr. 39; Mai Nr. 93; December Nr. 33 u. 49. – Porträt. Holzschnittbildniß von C. Schw. in der Illustrirten Zeitung, 50. Bd. S. 461.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Suttgart.