BLKÖ:Seyfried, Joseph Ritter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Seykora
Band: 34 (1877), ab Seite: 188. (Quelle)
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Seyfried, Joseph Ritter (Schriftsteller, geb. in Wien 24. März 1780, gest. ebenda 28. Juni 1849). Ein Bruder [189] des Compositeurs Ignaz [S. 176]. Unterricht und später die wissenschaftliche Ausbildung erlangte er in Wien, wo er im Jahre 1801 die juridischen Studien beendet hatte. Während sein Bruder, der nachmals als Musicus rühmlich bekannte Ignaz S., dessen Lebensskizze voranging, sich ausschließlich der musikalischen Laufbahn zuwendete, sollte Joseph, wie es anfänglich bestimmt war, die staatsdienstliche Laufbahn betreten, als ein Zufall diese Absicht vereitelte. Ein naher Verwandter der Seyfried’schen Familie war der Kaufmann Zitterbarth, der im Jahre 1801 das Privilegium des neu erbauten Theaters an der Wien von dem damaligen Director Schikaneder [Bd. XXIX, S. 299] käuflich an sich gebracht. In Theatergeschäften wenig bewandert, wünschte er den jungen Seyfried als Secretär und Theaterdichter an seiner Seite zu haben. Vater und Sohn waren damit einverstanden und so eröffnete S. seine Laufbahn als Theaterdichter mit einer Uebersetzung von Mozart’s „Titus“, dem bald viele andere Werke, theils Originalarbeiten, zum größeren Theile aber Bearbeitungen und Uebersetzungen französischer, englischer und italienischer Dichterwerke folgten. Schon damals, wie noch heut, wendete sich der Geschmack des Publikums mit Vorliebe den französischen Operetten zu und so fand denn S. bald ein ergiebiges Feld für seine Uebersetzungsthätigkeit; deren nächste Früchte die bald beliebt gewordenen Operetten: „Die beiden Füchse“ – „Der Schatzgräber“ – „Pächter Robert“ u. s. w. waren. Die erste der genannten Operetten hatte einen so durchschlagenden Erfolg, daß sie bald ein Zugstück anderer Bühnen wurde und als sie in St. Petersburg gleichfalls mit entschiedenem Beifall aufgeführt worden, erhielt S. im Jahre 1804 einen ehrenvollen Ruf an das deutsche Hoftheater in St. Petersburg als Theaterdichter und Secretär unter Miric’s Direction. Die angenehmen Verhältnisse aber, in welchen er sich in Wien befand, bestimmten ihn, den sonst so vortheilhaften Antrag abzulehnen. Als dann Freiherr von Braun das Privilegium des Theaters an der Wien angekauft hatte, blieb Seyfried bis 1806 in seiner bisherigen Stellung; erst als eine Gesellschaft von Cavalieren die Leitung des genannten Theaters übernahm, gab S. seinen Posten an dieser Bühne, aber nicht auch seine bisherige Thätigkeit auf, indem er immer neue Arbeiten für dieselbe lieferte, von denen beispielsweise: „Die Vestalin“ – „Das befreite Jerusalem“ – „Moses“ – „Armida“ – „Die vornehmen Wirthe“ – „Johann von Paris“ – „Joronde“ – die biblischen Dramen „Saul“ und „David“ genannt seien, welche von Wien aus, wo sie zuerst aufgeführt wurden, die Runde über alle Bühnen der Monarchie und auch über mehrere des Auslandes machten. Bisher beschränkte sich S.’s Thätigkeit vornehmlich auf Geschäfte des Theater-Secretariats und die Bearbeitung fremder Opern für die Wiener Bühne. Im Jahre 1811 betrat er das journalistische Gebiet, auf welchem er bis an sein Lebensende thätig blieb. Als im Jahre 1811 Castelli, welcher bis dahin die zunächst das Theaterwesen behandelnde Zeitschrift „Thalia“ redigirt hatte, als Theaterdichter bei dem k. k. Hofoperntheater eingetreten war, übernahm Joseph S. die Redaction der „Thalia“ und führte sie durch zwei Jahre, bis ihm (1813) der Wiener Buchdrucker Strauß den Antrag machte, die Redaction des 1809 begründeten, anfänglich von Castelli, dann von Portenschlag redigirten „Sammler“ zu übernehmen, [190] eines Blattes, das wie etwa der französische „Voleur“ oder Pappe’s „Lesefrüchte“ in Hamburg vom literarischen Raube sein Dasein fristete und da es das Beste aus anderen Blättern oder aus neu erschienenen Werken, ohne Honorar zu bezahlen und häufig genug, ohne die Quelle anzugeben, brachte, sich ebenso billig und wenn der Redacteur einigermaßen Geschmack besaß, auch gut und leicht redigiren ließ. Seit dem Jahre 1813 führte S. die Redaction dieses Piratenblattes, im Jahre 1814 übernahm er noch jene des „Wanderer“ dazu. Doch besorgte er in der Zwischenzeit aushilfsweise auch die Redaction der „Vaterländischen Blätter“, dann des amtlichen Blattes „Wiener Zeitung“, welche bleibend zu übernehmen, ihm von den Ghelen’schen Erben im Jahre 1815 sogar angetragen worden sein soll. Da das Redigiren in der vormärzlichen Aera nicht viel Kopfzerbrechens machte und auch nicht zu viel Zeit in Anspruch nahm, so konnte S. im Jahre 1818, als Heusler die Direction des Theaters an der Wien übernahm, immerhin noch das Geschäft eines Theaterdichters dieser Bühne besorgen. In diesen Eigenschaften mehrere Jahre mit gleicher Arbeitslust und stetigem Erfolge thätig, richtete sich, als Graf Gallenberg im Jahre 1828 Pächter des k. k. Hof-Operntheaters wurde, dessen Augenmerk auf den gewandten und in Theatersachen wohlerfahrenen S., der nun auch in die ihm angebotene Stelle eines Kanzleidirectors am k. k. Hof-Operntheater eintrat. In dieser Stellung machte sich S. vornehmlich um die Organisirung einer deutschen Oper verdient. Zur Zusammenstellung der einzelnen Gesangskräfte unternahm er mit dem damaligen Capellmeister Franz Lachner eine Reise nach Deutschland, lernte die Künstler und Künstlerinen kennen und das Ergebniß der Bemühungen beider war eine deutsche Oper, in deren Personale sich die Sänger Holzmüller, Wild, Cramolini, Hauser, die Sängerin Ernst u. A. befanden. Als später auf den Grafen Gallenberg der Pächter Duport folgte, blieb S. in seiner Stellung und redigirte nebenbei den „Wanderer“, „Sammler“ und seit 1832 auch noch den „Jugendfreund“, eine ziemlich glückliche Nachahmung des Weiße’schen „Jugendfreundes“, dessen Redaction er aber – unvermögend so vielen Obliegenheiten zugleich nachzukommen – bald in die Hände des Dr. Hock [Bd. IX, S. 78] niederlegte. Im Jahre 1843, sich von allen Geschäften zurückziehend, übergab er auch die Redaction des „Wanderer“, welche er durch drei Jahrzehende geführt hatte, seinem Sohne Ferdinand. Die von S. gelieferten deutschen Bearbeitungen von Opern, Singspielen, Dramoletten u. dgl. m. erheben sich auf die ansehnliche Zahl von über 200; außerdem schrieb er mehrere Cantaten, unter diesen die oft gegebene, anläßlich der Rückkehr des Kaisers nach Abschluß des Preßburger Friedens geschriebene: „Die Rückkehr des Vaters“; verfaßte in den ereignißreichen Jahren 1805–1809 zahlreiche poetische und prosaische Artikel zur Belebung des Patriotismus, von deren ersteren die meisten in dem Castelli’schen Almanach „Selam“, der 1812 zum ersten Male erschien, enthalten sein dürften. Auch gab er im Jahre 1825 ein seiner Zeit beliebtes Hausbuch: „Heldenspiegel der österreichischen Armee“ (Wien, Mausberger), und im nämlichen Jahre die Volksschrift: „Der Gesellschafter im Volksgarten“ (Wien, Kaulfuß und Kramer) heraus. Ein Schlagfluß machte, im Alter von 69 Jahren, seinem Leben ein plötzliches [191] Ende. Aus seiner Ehe stammen vier Söhne, drei Töchter, unter Ersteren Ferdinand, dessen Lebensskizze S. 175 mitgetheilt wurde. Joseph Seyfried liegt auf dem Matzleinsdorfer Friedhofe begraben.

Allgemeine Theater-Zeitung. Von Ad. Bäuerle (Wien 4°.) 1849, Nr. 156, S. 624: „Telegraph von Wien“. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, kl. 8°.) XXVII. Jahrg. (1849), 1. Theil. S. 495, Nr. 148. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 29. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für das gebildete Publicum (Hildburghausen, bibliogr. Institut, gr. 8°.), Supplement Bd. V, S. 753.