BLKÖ:Tomori (Theodorovics), Anastasius

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 46 (1882), ab Seite: 110. (Quelle)
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Tomori (Theodorovics), Anastasius (ungarischer Schriftsteller, geb. zu Dunaföldvár im Jahre 1825). Sein Vater Theodor war Kaufmann, seine Mutter Katharina eine Schwester des ob seines Reichthums und seiner Kunstliebhaberei bekannten Nicolaus Baranowski, dessen Gemäldesammlung, über welche bei J. B. Wallishausser[WS 1] in Wien ein eigener 128 Seiten starker Katalog erschienen ist, daselbst im Laufe des Monats April 1855 versteigert wurde. Aus dem Hause ihres reichen Bruders folgte Katharina ihrem Gatten nach Ungarn. Als Letzterem mehrere Geschäftsunternehmungen mißglückten, stellte sich im Tomori’schen Hause Mangel ein, den die im Ueberfluß des Reichthums ausgewachsene Frau nie gekannt hatte. Da sie wegen der Wahl des Mannes mit ihrem Bruder sich überworfen, verschmähte sie es, sich an diesen um Hilfe in ihrer Noth zu wenden. Von energischem Charakter, ihrer Pflichten als Hausfrau und Mutter sich vollkommen bewußt, leitete sie selbst die Erziehung ihrer Kinder. Ihr Sohn Anastasius besuchte in seiner Geburtsstadt Dunaföldvár, dann in Stuhlweißenburg die Schulen und bildete sich in Pesth für den Ingenieurdienst heran, aus welchem er auch nach bestandenen strengen Prüfungen das Diplom erlangte. Schon als Student mit Unterrichtertheilen in den philosophischen Gegenständen beschäftigt, erwarb er sich acht Jahre hindurch als Privatlehrer seinen Lebensunterhalt, bis er im October 1853 auf den Lehrstuhl der Mathematik des reformirten Gymnasiums in Nagy-Körös berufen wurde. Nach dem Wunsche des Vaters sollte er bei dem Ingenieurdienste verbleiben, er entschied sich aber für das Lehramt und trat die ihm angetragene Stelle an. Während der ersten Ferien unternahm er einen Ausflug nach Wien und wollte bei dieser Gelegenheit die berühmte Gemäldesammlung seines Oheims mütterlicherseits Nicolaus Baranowski besichtigen. Nun ereignete sich folgende Scene. Als er in dem niegesehenen Hofraume sich zurecht zu finden suchte, gewahrte er in demselben eine alte Frau, an welche er sich mit den Worten wendete: „er wolle die Bildergalerie seines Oheims ansehen“. Das Mütterchen war ganz überrascht und führte den vermeintlichen Fremden zum Hausinspector, von welchem er die Auskunft erhielt: daß der plötzlich gestorbene Baranowski sein sehr ansehnliches Vermögen den Kindern seiner Schwester – Tomori’s im Jahre 1844 dahingeschiedener Mutter – hinterlassen habe, und daß man die Erben soeben von dem Ereignisse in Kenntniß setzen wolle. [111] Dieser unerwartete Todesfall bildete nun einen Wendepunkt in Tomori’s Leben. Der einfache Gymnasialprofessor war plötzlich Erbe von Hunderttausenden. Da sich die Hinterlassenschaft an mehreren Orten befand, mußte er, um die Erbschaftsangelegenheiten für sich und seine Geschwister zu ordnen, dem Lehramte entsagen. Er begab sich nun von Wien nach Hessen-Homburg, wo Baranowski meist gelebt und auch das Zeitliche gesegnet hatte. Dort ließ er seinem Oheim ein schönes Grabmal setzen, das oben in magyarischen, unten in deutschen Worten die Inschrift trägt: „Der Name Nicolaus Baranowski’s lebt länger im Angedenken seiner dankbaren Erben und Verehrer als auf diesem gebrechlichen Steine“. Tomori’s Ausscheiden aus dem Lehramte wurde von seinen Collegen, unter denen sich Arany [Bd. I, S. 58], Ladislaus Losonczi [Bd. XVI, S. 56], Franz Mentovich [Bd. XVII, S. 376] und Szilágyi befanden, sehr bedauert, und um ihm auch äußerlich zu bezeugen, wie sehr sie seinen Abgang empfänden, ließen ihm die Repräsentanten des Köröser Gymnasiums den Professorentitel als Ehrentitel. Noch vor seiner Ernennung zum Professor war er ein fleißiger Mitarbeiter an Journalen, und die zahlreichen meist kritischen Aufsätze, welche in den Zeitschriften mit der Chiffre 2 x 2 = 4 bezeichnet sind, stammen aus seiner Feder. Außerdem gab er 1852 eine gewählte Gedichtsammlung, welche Poesien von 108 ungarischen Poeten umfaßt, unter dem Titel: „Emlékkönyv“ heraus. Im Jahre 1854 begann er dann zum Behufe seiner Vorlesungen an der Köröser Schule mit der Veröffentlichung eines mathematischen Lehrbuches, von welchem nur das erste Heft unter dem Titel: „Elemi mennyiségtan“ (Pesth 1854, Landerer und Heckenast, 8°.) erschienen ist. Die Fortsetzung und Vollendung des auf zwölf Hefte berechneten Werkes unterblieb eben in Folge seines Austrittes aus dem Lehramte. Wenn er nun als reicher Erbe auch nicht mehr in der Literatur selbstthätig war, so trat er doch als freigebiger Förderer derselben auf. Noch im Jahre 1854 schrieb er einen Preis von 100 Ducaten für das beste, einen Stoff aus der ungarischen Geschichte behandelnde Drama aus. „Könyves király“ von Jókai [Bd. X, S. 246], „Bidbor és gyász“ von Hegedüs [Bd. VIII, S. 200] und „Brankovics György“ von Obernyik [Bd. XX, S. 461] waren die Früchte dieses Concurses. Als dann Karl Szász Sohn [Bd. XLI, S. 187] für seine Uebersetzungen englischer und französischer Dichter keinen Verleger finden konnte, ließ Tomori dieselben auf eigene Kosten in schöner Ausstattung erscheinen. Um auch die poetische Erzählung, in der seit langer Zeit die ungarische Literatur nichts Erhebliches aufzuweisen hatte, zu fördern, setzte er einen Preis von zwanzig Ducaten für die beste derartige Dichtung aus, welche in den Spalten der „Vasárnapi ujság“ veröffentlicht werden sollte. Den Preis gewann Franz Mentovich [Bd. XVII, S. 376] mit der Novelle „Idegen“. Im nämlichen Jahre ließ Tomori mit bedeutenden Geldopfern für das Unterhaltungsblatt „Hölgyfutár“ Moriz Than’s großes Oelgemälde: „Die Schlacht von Mohács“ als Kunstbeilage nachbilden, um dadurch dem Werke im Lande größtmögliche Verbreitung zu verschaffen und auch das patriotische Gefühl durch die Erinnerung an jenen Unglückstag Ungarns zu wecken. Ein Verehrer des Dichters Vörösmarty [112] that er Alles, ihm die letzten schweren Lebenslage zu erleichtern, und kaufte dann auch auf eigene Kosten das Grabgewölbe, in welchem die irdischen Reste des großen Poeten beigesetzt wurden. Um das Andenken an denselben zu verewigen, ließ er von dem Bildhauer Züllich Bronzebüsten Vörösmarty’s anfertigen, welche bald große Verbreitung fanden und die Gemächer ungarischer Patrioten, unter diesen besonders der Schriftsteller, schmückten. Im Sommer 1855 stellte Tomori den Antrag, dem Grafen Stephan Széchenyi zu Füred am Plattensee ein Denkmal zu errichten, und um mit gutem Beispiele voranzugehen, betraute er den schon genannten Bildhauer Züllich mit der Anfertigung des Modells. Seine Loge im Nationaltheater überließ er für die Zeit seiner oft längeren Abwesenheit von Pesth der Theatercasse zur Verfügung, unter der Bedingung, daß der jeweilige Ertrag zum Besten des Pensionsfondes verwendet werde, wodurch in kurzer Zeit eine ansehnliche Summe für denselben gewonnen wurde. Um an den Gymnasien den Eifer für die ungarische Sprache und Literatur zu beleben, setzte er für die Schüler mehrere Preise aus. Der ungarischen Akademie übersandte er eine Summe von 400 fl. mit der Bitte, diesen Betrag zur Herausgabe eines wissenschaftlichen Werkes, wie z. B. der Quellen der türkisch-ungarischen Geschichte, zu verwenden. Auf seine Veranlassung wurde die von dem geschickten Mechaniker Joseph Kliegl [Bd. XII, S. 97] erfundene Notencopirmaschine von dem ungarischen Nationalmuseum angekauft. Bei Gelegenheit eines ihm zu Ehren gegebenen Bankets leistete er das Versprechen: zur Erinnerung an den Dichter Joseph Katona [Bd. XI, S. 33], den Verfasser des „Bánk Bán“, des bisher besten ungarischen geschichtlichen Dramas, auf eigene Kosten demselben eine sieben Schuh hohe Bronzestatue errichten und in den Vorräumen des Theaters aufstellen zu lassen. In dem bekannten Wasserheilbade Gräfenberg, das sehr stark von Magyaren besucht wird, legte er eine magyarische Bibliothek an. Im Jahre 1858 meldeten ungarische und nach ihnen deutsche Journale, daß Tomori sich mit dem Gedanken trage, an der Berliner Universität einen Lehrstuhl für ungarische Sprache und Literatur zu gründen. Ob es in der That dazu gekommen, ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt.

Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.). Zweiter (den ersten ergänzender.) Band, S. 344. – Sárosi (Ludwig). Az én Album, d. i. Mein Album (Pesth 1859) S. 50.
Porträt. Unterschrift. Facsimile des Namenszuges „Tomori Anastasius“. Barabás 1857 (lith.). Reiffenstein und Rösch in Wien. kl. Fol.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: J. K. Wallishausser.