BLKÖ:Wagner, Camillo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wagner, Cäcilius
Band: 52 (1885), ab Seite: 91. (Quelle)
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10. Wagner, Camillo (Dichter und Novellist, geb. zu Frankenburg in Oberösterreich am 22. Juni 1813). Ein Sohn des herrschaftlichen Gerichtspflegers Joseph Wagner aus dessen Ehe mit einer Tochter des salzburgischen Landrichters Siegmund von Hartmann, brachte er bis zum neunten Jahre im elterlichen Hause unter der fürsorglichen Erziehung seiner vorzüglichen Mutter zu, bezog dann das Gymnasium in Linz, darauf jenes in Salzburg, zuletzt das Convict des Benedictinerstiftes zu Kremsmünster. Nachdem er die philosophischen Jahrgänge beendet hatte, widmete er sich dem Studium der Rechte an den Universitäten zu Wien, Innsbruck und Prag. Wunsch und Drang nach weiterer Ausbildung veranlaßten ihn, nach Abschluß der juridisch-politischen Studien nach Schemnitz in Ungarn zu gehen, wo er die berg- und forstakademischen Fächer hörte. In diese Jahre fällt eine Reihe größerer Ferial-Fußreisen, die er durch die meisten Provinzen der österreichischen Monarchie: Salzburg, Oberösterreich, Tirol, Krain, Kärnthen, Steiermark, Böhmen, Ungarn, durch die Lomdardie und Venedig und auch durch die Schweiz machte. Von der Schemnitzer Bergakademie kam er an die Berg- und Salinendirection zu Hall in Tirol, erhielt 1840 seine erste Anstellung als Bergoberamtsactuar zu Joachimsthal in Böhmen und wurde noch im selben Jahre Berggerichtsassessor in Steyr. 1847 befand er sich auf einer längeren Reise in Paris, London, Belgien, Holland, Norddeutschland. 1848 wählte ihn die Stadt Steyr zum Deputaten in das Frankfurter Parlament, in welchem er, als Mitglied des linken Centrums, bis zum Austritt der Oesterreicher im April 1849 verblieb. Im Jahre 1850 wurde er zum Landesgerichtsassessor in Salzburg, 1852 zum Landesgerichtsrathe in Hermannstadt in Siebenbürgen, 1854 zum Oberlandesgerichtsrathe [92] (Vicepräsident) am Landesgerichte daselbst, mit der selbständigen Leitung der Strafabtheilung, ernannt. Die bereits durch das Octoberdiplom vom Jahre 1860 geänderten staatsrechtlichen Verhältnisse der Länder der ungarischen Krone führten ihn im Jänner 1861 nach Wien zurück. Hier bis zur Auflösung des siebenbürgischen Senats am obersten Gerichtshofe als Aushilfsreferent verwendet, trat er mit allen in Ungarn und Siebenbürgen angestellt gewesenen deutschen Beamten in Disponibilität. Er fungirte dann durch dritthalb Jahre als Vorsitzender bei den Schlußverhandlungen am Criminalgerichte in Wien, bis er zum Oberlandesgerichtsrathe im Gremium des Wiener Oberlandesgerichtes ernannt wurde. Gegenwärtig bekleidet er den Rang eines Hofrathes. Wagner ist auf rechtswissenschaftlichem Gebiete mit seinem wahren Namen, auf schöngeistigem unter dem Pseudonym Karl Guntram schriftstellerisch thätig. Das von Dr. Franz Haimerl herausgegebene „Magazin für Rechts- und Staatswissenschaften“ brachte von ihm im II. Bande: „Umfang der berggerichtlichen Realgerichtsbarkeit“; – im III. Bande: „Zur Lehre der Nothwehr“; – im VI. Bande: „Ueber die Durchführung des Schadenersatzes (im weitesten Sinne) aus strafrechtlich verpönten Handlungen“. Von seinen schöngeistigen Arbeiten erschienen außer einigen kleineren Gedichten, welche der Schade’sche Musenalmanach brachte, und verschiedenen Aufsätzen, mit welchen er sich in früherer Zeit an der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“, insbesondere am ehemaligen Stuttgarter „Morgenblatt“ betheiligte, der Roman: „Drei Geschwister“, 3 Bände (Stuttgart 1847, Hallberger); – der humoristische Roman: „Schattenspiele“, 2 Bände (Wien 1853, Hartleben) und mehrere Novellen: „Felicitas“ (Wien 1873, Hartleben), „Aus den Bergen“ (Preisnovelle) im „Familienbuch des österreichischen Lloyd“, „Aus vergangenen Tagen“ und „Die Araberin“ in Hackländer’s „Hausblättern“; „Störfranzl“ und „Vom Senegal“ im „Buch der Welt“; „Emmerenzia“ im „Daheim“; „Ein Hochzeitstag“ in der „(Wiener) Neuen Illustrirten Zeitung“ u. a. Ferner gab er heraus die epische Dichtung „Sandwirth Hofer“ (Wien 1867, Hartleben). Sein Hauptwerk aber ist die historisch-epische Dichtung „Kaiser Karl der Fünfte“ (Wien 1865, Bartelmus, 8°., 472 S.). Der Dichter unternahm es, einen großen Lebensgang mit treuer Festhaltung der historischen Wahrheit wie in einem poetischen theatrum mundi durchzuführen; der Standpunkt, welchen der Kaiser seiner Zeit gegenüber einnahm, ist daher auch der des Dichters. Er wählte zum Metrum den vierfüßigen amphibrachischen Jambus, in Strophen von sieben Zeilen, von denen sechs gereimt, die siebente aber zur leichteren Anknüpfung der ununterbrochen sich abrollenden, mitunter reimchronikartigen Erzählung ungereimt ist. Das Buch fand weniger Verbreitung, als es jedenfalls durch den Reichthum von Anschauungen, durch die Plastik seiner Schilderungen, die fleißige und verständige Behandlung und durch den über manche Scene ergossenen poetischen[WS 1] Duft und die durchgehends geschickte Ausführung verdient hatte. Mit zwei im sechzehnten Jahrhundert erschienenen Versuchen in spanischer Sprache, Sempere’s „Carolea“ und Luis Çapata’s „Carlo-famoso“, hat das ganz originelle Buch Guntram’s nichts zu schaffen. Wir suchen den Schriftsteller und Dichter [93] Guntram, sowohl unter diesem Pseudonym, als unter seinem wahren Namen bei Heinrich Kurz, Franz Brümmer, Gottschall, Kehrein u. s. w. vergebens.

Deutscher Literaturkalender auf das Jahr 1884. Herausgegeben von Joseph Kürschner (Berlin und Stuttgart, Spemann, 32°.) VI. Jahrg., S. 277. – Laube (Heinrich). Das erste deutsche Parlament (Leipzig 1848, Weidmann, 8°.) Bd. III, S. 207. [Laube berichtet über die Rede Gagern’s, den Eintritt Oesterreichs in den Bund betreffend, mit dem geflügelten Worte: „Ich bin himmelweit entfernt von der Behauptung: Oesterreich dürfe nicht eintreten; ich behaupte nur: Oesterreich könne nicht, werde nicht eintreten“. Nun schreibt Laube weiter: „Unmittelbar nach Gagern sprachen zwei Oesterreicher von entgegengesetzten Standpunkten gegen Gagern. Arneth, welcher die Verfassung so erweitert sehen wollte, daß Oesterreich darin Platz habe: Camillo Wagner aus Steyr in Oberösterreich, der auch jetzt noch die Paragraphen zwei und drei für anwendbar hielt auf Oesterreich, der die Theorie unbekümmert um den nächsten Erfolg durchgeführt sehen wollte. Er gehörte zu den gebildetsten und talentvollsten Oesterreichern und empfahl seinen Stamm durch alle die liebenswürdigen Eigenschaften der Bescheidenheit, Innigkeit und Herzlichkeit, an welchen man in der Parteiwuth so leicht irre werden konnte. Ach, es war ein trauriges Schauspiel, solche gründlich deutsch gesinnte Männer hoffnungslos ringen zu sehen gegen das Unvermeidliche! Volksstämme, wie in Tirol, Salzburg, Ober- wie Niederösterreich und Deutschböhmen aus der engen Gemeinschaft gewiesen zu sehen, weil ihr Staat ein Großstaat geworden und so große Ansprüche zu erheben, so viel weitere Aufgaben zu erfüllen hatte. Alle diese österreichischen Debatten waren eine endlose Pein“.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: poeti-.