Das Buch der Biblischen Altertümer

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Autor: Pseudo-Philo
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Titel: Das Buch der Biblischen Altertümer
Untertitel:
aus: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel S. 735–861, S. 1315–1318
Herausgeber: Paul Rießler
Auflage:
Entstehungsdatum: 1. Jahrhundert n. Chr.
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Dr. B. Filser
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Erscheinungsort: Augsburg
Übersetzer: Paul Rießler
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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Inhaltsverzeichnis

[735]
44. Philo
Das Buch der Biblischen Altertümer


1. Kapitel: Von Adam bis Noe
1
Im Anfang der Welt ward Adam Vater dreier Söhne und einer Tochter

Kain, Noaba, Abel und Seth.

2
Nach Seths Geburt lebte Adam noch 700 Jahre

und wurde Vater von zwölf Söhnen und acht Töchtern.

3
Die Söhne hießen Aeliseel, Suris, Aelamiel, Brabal,

Naat, Zarama, Zasam, Maathal und Anath.

4
Seine Töchter hießen Phua, Jectas, Arebica,

Sipha, Tecia, Saba und Afin.

5
Seth lebte nach der Geburt des Enos noch 704 Jahre

und ward Vater dreier Söhne und dreier Töchter.

6
Seine Söhne hießen Elidia, Phonna und Matha

und seine Töchter Malida und Thila.

7
Enos lebte 180 Jahre und ward des Kainan Vater.

Nach Kainans Geburt lebte Enos noch 715 Jahre
und ward Vater zweier Söhne und einer Tochter.

8
Seine Söhne hießen Phoe und Thaal,

und die Tochter hieß Catennath.

9
Kainan lebte 520 Jahre

und ward des Malalech Vater.
Nach Malalechs Geburt lebte Kainan noch 730 Jahre
und ward Vater dreier Söhne und zweier Töchter.

10
Die Söhne hießen Athac, Socer und Lopha,

die Töchter Ama und Lena.

11
Malalech lebte 165 Jahre und ward Jareths Vater.

Nach Jareths Geburt lebte Malalech noch 730 Jahre
und ward Vater von sieben Söhnen und fünf Töchtern.

12
Die Söhne hießen Leta, Matha, Cethar,

Melie, Suriel, Lodo und Othim,

13
Jareth lebte 173 Jahre und ward Enochs Vater.

Nach Enochs Geburt lebte Jareth noch 800 Jahre
und ward Vater von vier Söhnen und zwei Töchtern.

14
Die Söhne hießen Lead, Anac, Soboac und Jectar,

die Töchter Tetzeco und Lesse.

[736]
15
Enoch lebte 165 Jahre und ward Matusalams Vater.

Nach Matusalams Geburt lebte Enoch noch 200 Jahre
und ward Vater von fünf Söhnen und drei Töchtern.

16
Enoch aber gefiel zu jener Zeit Gott,

und so ward er nicht mehr gefunden,
weil Gott ihn hinüberführte.

17
Seine Söhne hießen Anaz, Zeum, Achaun, Pheledi und Elith,

seine Töchter Theiz, Lephith und Leath.

18
Matusalam lebte 187 Jahre und ward Lamechs Vater.

Nach Lamechs Geburt lebte Matusalam noch 782 Jahre
und ward Vater zweier Söhne und zweier Töchter.

19
Die Söhne hießen Juab und Rapho,

die Töchter Aluma und Amuga.

20
Lamech lebte 182 Jahre und ward Vater eines Sohnes;

er nannte ihn nach seiner Geburt Noe, indem er sprach:
Dieses wird uns Ruhe verschaffen,
ebenso der Erde Ruhe vor denen, die auf ihr sind
und wegen derer sie,
eben infolge der Bosheit der Greueltaten, heimgesucht wird.
Nach Noes Geburt lebte Lamech noch 585 Jahre.

21
Und Noe lebte 300 Jahre und ward Vater dreier Söhne,
22
des Sem, Cham und des Japhet.


2. Kapitel: Von Kain bis Lamech
1
Kain aber wohnte unter Zittern auf der Erde,

gemäß der ihm von Gott auferlegten Strafe,
nachdem er seinen Bruder getötet hatte.
Sein Weib hieß Themech.

2
Kain erkannte sein Weib Themech;

sie empfing und gebar den Enoch.

3
Kain war fünfzehn Jahre alt, als er dies tat.

Von der Zeit an begann er, Städte zu bauen,
bis er sieben Städte gegründet hatte.
Dies sind die Namen der Städte:
Die erste Stadt hieß nach seinem Sohne Enoch.
Die zweite hieß Mauli,
die dritte Leeth, die vierte Teze,
die fünfte Jesca,
die sechste Celeth
und die siebte Jebbath.

4
Kain lebte nach Enochs Geburt noch 715 Jahre

und wurde Vater von drei Söhnen und zwei Töchtern.
Seine Söhne hießen Olad, Lizaph und Fosal,
seine Töchter Citha und Maac.
Kains Lebenszeit betrug 730 Jahre: darnach starb er.

5
Damals nahm sich Enoch ein Weib aus Seths Töchtern;

sie gebar ihm Irad, Cnuth und Madab.

[737]

Irad ward des Matusael Vater,
und Matusael der des Lamech.

6
Lamech aber nahm sich zwei Weiber;

die eine hieß Ada, die andere Sella.

7
Ada gebar den Jabal:

dies war der Vater aller derer,
die in Zelten wohnen und Herden weiden.
Dann gebar sie ihm den Jubal,
der anfing, allerlei Musikpsalmen zu lehren.

8
Zu jener Zeit, als die Erdbewohner begannen, Sündhaftes zu tun,

jeder an seines Nächsten Weibern, sie befleckend,
erzürnte sich Gott.
Man fing auch an, Harfen und Zithern,
überhaupt jedes Instrument des süßen Psalters zu spielen
und die Erde zu verderben.

9
Sella gebar nun Tubal, Misa und Thessa.

Dies ist der Tubal, der den Menschen die Künste in Blei, Zinn, Eisen,
Erz, Silber und Gold zeigte.
Damals begannen die Erdbewohner,
Bildwerke zu machen und sie anzubeten.

10
Lamech sprach zu seinen beiden Weibern Ada und Sella:

Vernehmet meine Stimme, Lamechs Weiber,
und horcht auf meinen Spruch:
„Ich habe Männer für mich umgebracht
und Säuglinge der Mutterbrust entrissen,
damit ich meinen Söhnen und den andern Erdbewohnern zeigte,
auf welche Art man Schlimmes tue.
Für Kain ward siebenfache Rache nur genommen,
für Lamech aber siebenundsiebzigfache.“


3. Kapitel: Die Sintflut
1
Als die Menschen begannen, sich auf Erden zu mehren,

wurden ihnen schöne Töchter geboren.
Da sahen die Gottessöhne,
daß die Menschentöchter sehr schön waren,
und nahmen sich davon nach ihrer Wahl Weiber.

2
Da sprach Gott:

„Nicht für immer soll mein Geist in all diesen richten,
weil sie fleischlich sind!
Ihre Jahre werden sich auf 120 belaufen.“
Darin legte er die Weltdauer fest.
Aber ihre Frevel nahmen in ihren Händen kein Ende.

3
Und Gott sah, daß bei allen Erdbewohnern

die Werke der Bosheit den Gipfel erreicht hatten
und, da sie allezeit Böses planten,
sprach er:
Ich will den Menschen

[738]

und alles, was auf Erden hervorsproßte, vernichten;
denn es reut mich, daß ich ihn gemacht habe.

4
Noe aber fand Gnade und Erbarmen vor dem Herrn,

ebenso seine Familie.
Noe, ein großer Mann und in seinem Geschlecht ohne Makel, gefiel dem Herrn.
Zu ihm sprach Gott:
Gekommen ist für alle Erdbewohner die Endzeit;
denn ihre Werke sind sehr schlimm.
Und nun mach dir eine Arche aus Zedernholz!
Und zwar sollst du sie so machen:
300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch!
Und in die Arche sollst du,
dein Weib, deine Söhne und deine Schwiegertöchter bei dir hineingehen!
Ich will dann meinen Bund mit dir schließen,
damit ich alle Erdbewohner vertilgen kann.
Von den reinen Tieren aber und den reinen Himmelsvögeln nimm je sieben auf,
je ein Männchen und ein Weibchen,
damit ihr Nachwuchs auf Erden dem Leben erhalten bleibe!
Von den unreinen Tieren und Vögeln nimm dir wenigstens je zwei mit,
je ein Männchen und ein Weibchen!
Zugleich nimm du für dich und jene etwas Nahrung mit!

5
Und Noe tat, was ihm Gott befahl.

Er ging in die Arche mit all seinen Söhnen bei ihm.
Nach sieben Tagen begann das Sintflutwasser sich auf der Erde zu zeigen.
An jenem Tage wurden alle Abgründe geöffnet,
ebenso eine große Quelle und des Himmels Schleusen,
und es regnete auf die Erde vierzig Tage und vierzig Nächte.

6
Es war damals das 1652. Jahr,

seitdem Gott Himmel und Erde gemacht hatte,
an dem Tag, wo die Erde samt ihren Bewohnern
wegen ihrer Werke Schlechtigkeit vernichtet wurde.

7
Während die Sintflut 140 Tage auf der Erde stand,

blieb einzig Noe übrig samt denen, die bei ihm in der Arche waren.
Als Gott an Noe dachte, ließ er das Wasser abnehmen.

8
Am 90. Tage ließ Gott die Erde sich abtrocknen.

Dann sprach er zu Noe:
Verlasse die Arche, du und alle andern bei dir!
Wachset und mehret euch dann auf Erden!
Da ging Noe aus der Arche,
er, seine Söhne und seine Schwiegertöchter
sowie alle Tiere, Schlangen und Vögel.
Und alles Vieh führte er mit sich, wie ihn Gott geheißen.
Dann baute Noe dem Herrn einen Altar,
nahm von allen reinen Tieren und Vögeln einige
und brachte sie als Brandopfer auf dem Altare dar,
und dem Herrn war es wie ein Beruhigungsgeruch angenehm.

9
Und Gott sprach:

Ich will die Erde nicht mehr des Menschen wegen verfluchen;

[739]

denn das Gebilde des menschlichen Herzens
hat von Jugend auf nachgelassen.
Deshalb will ich nicht abermals alles Lebende zusammen vertilgen,
so, wie ich es jetzt getan habe.
Wenn aber die Erdbewohner sündigen,
dann richte ich sie mit Hunger oder Schwert oder Feuer oder Pest;
auch wird es Erdbeben geben,
und sie werden in unbewohnte Gegenden zersprengt.
Die Erde aber vernichte ich nicht wieder durch eine Wasserflut.
Zu keiner Zeit wird Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze,
Sommer und Herbst, Tag und Nacht aufhören,
insoferne ich der Erdbewohner gedenke, bis die Zeiten erfüllt sind.

10
Sind aber die Jahre der Welt erfüllt,

dann leuchtet ein Licht und die Finsternis verschwindet,
und ich mache die Toten wieder lebendig
und richte die Schlafenden aus der Erden wieder auf.
Die Unterwelt bezahlt dann ihre Schuld,
und das Verderben gibt seine Hinterlage her,
auf daß ich jedem nach seinen Werken vergelte
und nach den Früchten seiner Pläne,
insoferne ich zwischen Geist und Fleisch scheide.
Dann ruht die Welt und der Tod verschwindet.
Die Unterwelt schließt ihren Mund,
und die Erde bleibt nicht ohne Ernte,
noch ist sie für ihre Bewohner unfruchtbar.
Und keiner, der in mir gerechtfertigt ist, bleibt unrein.
Dann ist eine andere Erde und ein anderer Himmel
die bleibende Wohnstatt.

11
Und Gott sprach weiter zu Noe und seinen Söhnen:

Fürwahr, ich schließe einen Bund mit euch und eurer Nachkommenschaft;
ich will die Erde nicht mehr durch eine Wasserflut vernichten.
Alles, was lebt und sich regt, soll euch zur Nahrung dienen;
jedoch Fleisch im Lebensblut sollt ihr nicht genießen.
Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch vergossen werden;
denn nach Gottes Bild ist der Mensch gemacht.
Ihr aber, wachset und mehret euch
und erfüllet die Erde, gleich der Menge der Fische, die sich in den Fluten mehren!
Und Gott sprach:
Das ist mein Bund, den ich zwischen mir und euch schloß:
Wenn ich den Himmel mit Wolken überziehe,
dann erscheint mein Bogen in der Wolke.
Er dient dann zur Erinnerung an den Bund
zwischen mir und euch und allen andern Erdbewohnern.


4. Kapitel: Sems, Chams und Japhets Nachkommen
1
Noes Söhne, die aus der Arche gingen, waren Sem, Cham und Japhet.
2
Japhets Söhne waren (Gomer), Magog, Madai, Nidiazec, Tubal, Moc (Mosoc) und Teras (Tiras).
[740]

[Die Söhne Gomers sind As] Cenez, Riphath und Thogorma
[und die Söhne Javans sind] Elisa, Dessin (Tharsis),
Cethin, Tudant (Dodanim).
Gomers Söhne sind Thelez, Lud, Deberlet.
Magogs Söhne sind Cesse und Thipha,
Pharuta, Ammiel,
Phimei, Goloza, Samanach.
Dudens (Madais) Söhne sind Sallus, Pheluciti, Phallita.
Tubals Söhne sind Phanatanova und Eteva.
Des Tiras Söhne sind Maac, Tabel,
Ballana, Samplameac, Elaz.
Des Mellec (Mosoch) Söhne sind Amboradat, Urach, Bosara.
Des [As] Cenez Söhne sind Jubal, Zaraddana, Anac.
Des Heri (Riphat) Söhne sind Phuddet,
Doad, Dephad, Zeath, Enoc.
Togormas Söhne sind Abiud,
Saphat, Asapli, Zephtir.
Elisas Söhne sind Etzaac, Zenez,
Mastisa, Rira.
Des Zepti (Cettim) Söhne sind Macziel, Temna, Aela, Phinon.
Des Tessis (Tharsis) Söhne sind Mcceul, Loon, Zelataban.
Des Duodennin (Dodanim) Söhne sind Itheb, Beath, Pheuech.

3
Das sind die, die zerstreut wurden,

und die Land bei den Persern und den Medern bewohnten,
sowie die Inseln im Meere.
Und Phenech, Duodenis Sohn, stieg hinauf
und ließ Meerschiffe bauen.
Damals wurde der dritte Teil der Erde verteilt.

4
Domereth (Gomer) und seine Söhne nahmen Ladech.

Magog und die seinigen Degal,
Madam (Madai) und die seinigen Besto,
Juban (Javan) und die seinigen Ceel,
Tubal und die seinigen Pheed,
Misech (Mosoch) und die seinigen Nepthi,
(T)iras und seine Söhne Roo,
Duodennut (Askenaz) und seine Söhne Goda,
Riphath und seine Söhne Bosarra,
Torgoma und die seinigen Fud,
Elisa und die seinigen Thabola,
Thesis (Tharsis) und die seinigen Thaan,
Dudennin (Dodanim) und seine Söhne Caruba.

5
Damals begannen sie, die Erde zu bebauen und anzusäen.

Und als die Erde dürstete, schrieen ihre Bewohner zum Herrn.
Da erhörte er sie und ließ reichlichen Regen fallen.
Als der Regen auf die Erde fiel,
erschien in der Wolke ein Bogen.
Als die Erdbewohner das Gedächtnis des Bundes sahen,
fielen sie auf ihr Antlitz nieder und opferten,

[741]

indem sie dem Herrn Brandopfer darbrachten.

6
Chams Söhne sind Chus, Mestra (Misraim), Phuni (Put) und Chanaan.

Des Chus Söhne sind Saba und (Hevila), Sabatha, Regma und Sabatacha.
Und Regmas Söhne und Saba und Tudan.
Phunis (Put) Söhne sind Effun, Tenus, Zeleu, Felup, Geluc und Lephuc.
Chanaans Söhne sind Sidona, Endain,
Racin, Simmin,
Uruin, Nenugin, Amathin, Nephin,
Telaz, Elat und Cusim.

7
Chus aber ward des Nembroth (Nimrod) Vater;

dieser begann, vor dem Herrn hochmütig zu werden.
Mestram (Misraim) aber ward der Vater der Ludin, Inenugin (Megimin),
Labin, Latuin (Patrosim) und Ceslun (Kasluchim),
woher die Philister und die Kappadozier kamen.

8
Damals begannen auch diese, Städte zu bauen.

Und das sind die Städte, die sie bauten: Sidon und seine Umgebung,
d. i. Resun, Beosa, Maza, Gerara, Askalon, Dabir, Camo,
Tellun, Lakis, Sodoma und Gomorrha, Adma und Seboim.

9
Des Sem Söhne sind Elam, Assur, Arphaxad, Lud und Aram.

Arams Söhne sind Us, Hul, Gether und Mas.
Arpharad ward Sales Vater und Sale der des Heber.
Dem Heber wurden zwei Söhne geboren.
Der eine hieß Phalech; denn in seinen Tagen ward die Erde geteilt.
Sein Bruder hieß Jectan.

10
Jectan ward der Vater von Elimodam, Salastra, Mazaam,

Rea, Dura, Uzia, Degla, Bal, Mimoel,
Sabth, Phin, Evilac und Jubab.
Phalechs Söhne sind Ragau, Rephut, Zepheram, Aculon,
Sachar, Siphaz, Nabi, Suri,
Seciur, Phalacus, Rapho,
Phalthia, Zaldephal, Zaphis, Arteman und Heliphas.
Das sind des Phalech Söhne und dies ihre Namen.
Sie nahmen sich Weiber aus Jectans Töchtern,
zeugten Söhne und erfüllten die Erde.

11
Ragau nahm sich ein Weib, Melcha, Ruths Tochter,

und sie gebar ihm Seruch.
Als der Tag der Geburt kam, sprach sie:
Von diesem da wird im vierten Geschlecht einer abstammen,
der über Höhen wohnen soll, vollkommen und rein genannt wird,
der ein Vater von Völkern ist, dessen Bund nicht aufgehoben wird,
und dessen Stamm sich in Ewigkeit mehrt.

12
Und Ragau lebte nach Seruchs Geburt noch 119 Jahre.

Er ward noch Vater von sieben Söhnen und fünf Töchtern.
Seine Söhne hießen Abiel, Obed, Salma, Dedasal, Zeneza,
Accur und Nephes.
Und seine Töchter hießen Cedema, Derisa,
Seipha, Pherita und Theila.

[742]
13
Seruch lebte 29 Jahre; da ward er Nachors Vater.

Und Seruch lebte nach der Geburt Nachors noch 65 Jahre
und ward Vater von vier Söhnen und drei Töchtern.
Die Söhne hießen Zela, Zoba, Dica und Phodde;
seine Töchter Thephila, Oda und Selipha.

14
Nachor lebte 34 Jahre; da ward er Tharas Vater.

Nach Tharas Geburt lebte Nachor noch 200 Jahre
und ward Vater von acht Söhnen und fünf Töchtern.
Die Söhne hießen Recap, Dediap, Berechap, Josac,
Sithal, Nisab, Nadab und Camoel,
seine Töchter Esca, Thipha, Bruna und Ceneta.

15
Thara lebte 70 Jahre;

da ward er der Vater Abrams, Nachors und Arans.
Aran ward Lots Vater.

16
Damals begannen die Erdbewohner, nach den Sternen zu schauen

und aus ihnen zu wahrsagen und Weissagungen zu fertigen
und ihre Söhne und Töchter durchs Feuer gehen zu lassen.
Seruch aber und seine Söhne wandelten nicht in ihren Wegen.

17
Dies sind Noes Geschlechter auf Erden, nach ihren Stämmen und Sprachen,

worin die Völker auf Erden nach der Flut geteilt wurden.


5. Kapitel: Musterung der Söhne Noes
1
Damals kamen Chams Söhne und setzten sich Nembroth zum Fürsten.

Japhets Söhne machten sich Phenech zum Führer.
Auch Sems Söhne kamen zusammen
und setzten sich Jectan zum Fürsten.

2
Als diese drei zusammenkamen, machten sie einen Plan,

um das Volk ihrer Anhänger zu beschauen und zu mustern.
Noch zu Noes Lebzeiten kamen sie alle zusammen
und wohnten einträchtig beieinander
und die Erde lag im Frieden.

3
Im 340. Jahr des Auszugs Noes aus der Arche,

nachdem Gott die Flut hatte vertrocknen lassen,
musterten die Fürsten ihr Volk.

4
Phenech, des Japhet Sohn, musterte als Erster Gomers Söhne:

alle, die unter dem Zepter ihrer Führer vorüberzogen,
beliefen sich auf 5800,
ebenso die Söhne Magogs auf 6200,
Madais Söhne auf 5700,
Tubals Söhne auf 9400,
Mosochs Söhne auf 5600,
des Tiras Söhne auf 12 300,
des Riphat Söhne auf 11 500,
Thogormas Söhne auf 14 400,
Elisas Söhne auf 14 900,
die Söhne des Tharsis auf 12100,
Cethins Söhne auf 17 300,
Doins (Dodanim) Söhne auf 17 700.

[743]

Die Zahl aller Wehrfähigen und Waffengegürteten
im Lager der Söhne Japhets
belief sich im Angesicht ihrer Führer auf 140 202, ohne Weiber und Kinder.
Japhets Gesamtzahl betrug 142 000.

5
Nembrath selbst und Chams Söhne zogen auch vorüber;

alle, die unter den Zeptern ihrer Führer vorüberzogen, beliefen sich auf 24 800,
Phuas Söhne auf 27 200, Kanaans Söhne auf 32 800,
Sobas Löhne auf 4300, Lebillas Söhne auf 22 300.
Satas Söhne auf 25 300, Remmas Söhne auf 30 600,
Sabacas Söhne auf 46 400.

6
Die Zahl aller Wehrfähigen und Waffengegürteten

im Lager der Söhne Chams
belief sich im Angesicht ihrer Führer auf 244 900, ohne Weiber und Kinder.
Sems Sohn Jectan musterte die Söhne Elams;
die Gesamtzahl derer, die unter den Zeptern ihrer Führer vorüberzogen belief sich auf 47 000,
die Gesamtzahl der Assursöhne,
die unter den Zeptern ihrer Führer vorüberzogen, dagegen auf 73 000,
die der Aramsöhne auf 87 000,
die der Söhne Luds auf 30 600,
die der Söhne Chams auf 73 000,
die der Söhne Aphaxads auf 114 600.
Ihre Gesamtzahl betrug 347 600.

7
Die Zahl der Lager bei den Söhnen Sems –

alle zogen gerüstet und kriegsmäßig einher –
betrug im Angesicht ihrer Führer neun, ohne Weiber und Kinder.

8
Dies sind die Geschlechter Noes, einzeln aufgeführt;

ihre Gesamtzahl beträgt 914 000.
Diese alle wurden noch zu Noes Lebzeiten gemustert,
in Anwesenheit Noes, fünfzig Jahre nach der Flut.
Die ganze Lebenszeit Noes betrug 950 Jahre; dann starb er.


6. Kapitel: Der Turmbau zu Babel
1
Damals bewohnten alle getrennt ihr eigenes Land;

hernach vereinigten sie sich und wohnten beisammen.
Später zogen sie von Osten fort
und fanden ein Gefilde im Lande Babel;
daselbst ließen sie sich nieder und sprachen zueinander:
Wir werden noch, jeder vom andern, losgetrennt werden
und uns in den letzten Zeiten bekämpfen.
Kommet also!
Wir wollen einen Turm bauen,
dessen Spitze bis zum Himmel reichen soll.
So wollen wir uns Namen und Ruhm auf Erden verschaffen.

2
Dann sprachen sie zueinander:

Laßt uns Ziegelsteine nehmen!
Dann wollen wir, jeder für sich,
unsere Namen auf die Steine schreiben
und sie im Feuer brennen.

[744]

Was vollständig gebrannt ist,
soll dann als Ziegelstein im Mörtel dienen.

3
Da nahmen sie, jeder seinen Stein,

abgesehen von zwölf Männern, die sie nicht nehmen wollten.
Sie hießen Abraham, Nachor, Lot, Ruge, Tenute, Zaba,
Armodat, Jobab, Esar, Abimael, Saba und Auphin.

4
Da packte sie das Volk des Landes,

führte sie zu seinen Fürsten und sprach:
Das sind die Männer, die unsere Beschlüsse übertreten
und nicht in unsern Wegen wandeln wollen.
Da fragten die Führer sie:
Warum wollt ihr nicht Ziegelsteine mit dem Volk des Landes legen?
Sie gaben zur Antwort:
Wir legen mit euch weder Ziegelsteine,
noch teilen wir eure Lust.
Wir kennen Einen Herrn,
und diesen beten wir an.
Und mögt ihr uns samt euren Ziegelsteinen ins Feuer legen,
so stimmen wir euch doch nicht zu.

5
Da sprachen die Führer voll Zorn:

Wie sie gesagt, so verfahret mit ihnen!
Willigen sie nicht ein, mit euch Ziegelsteine zu legen,
so verbrennt sie samt euren Steinen im Feuer!

6
Da sprach Jectan, der erste Fürst der Anführer:

Nicht so! Man gebe ihnen eine Frist von sieben Tagen!
Bereuen sie dann ihre üblen Entschlüsse
und wollen sie mit euch Steine legen,
dann mögen sie am Leben bleiben.
Geschieht dies aber nicht,
so sollen sie nach eurer Meinung verbrannt werden!
Er selbst aber suchte nur nach einem Anlaß,
wie er sie aus des Volkes Händen retten könnte;
denn er war von ihrem Stamm und diente Gott.

7
Nach diesen Worten nahm er sie zu sich

und schloß sie im Königsschlosse ein.
Hernach ließ der Fürst abends
fünfzig wehrfähige Männer zu sich rufen
und sprach zu ihnen:
Zieht hin
und holt in dieser Nacht die in meinem Hause eingesperrten Männer!
Dann beladet zehn Lasttiere mit Lebensmitteln für sie!
Die Männer selber aber führt zu mir!
Dann bringt ihre Lebensmittel mit den Lasttieren ins Gebirge,
und sorgt für sie daselbst!
Wisset aber, daß ich euch im Feuer verbrenne,
wenn jemand erfährt, was ich zu euch sprach!

8
Die Männer zogen fort und taten genau, wie der Fürst ihnen befohlen.

Sie führten also zuvor die Männer bei Nacht aus seinem Haus herbei,

[745]

nahmen die Lebensmittel, beluden damit die Lasttiere
und führten sie ins Gebirge nach seinem Befehl.

9
Da rief der Fürst jene zwölf Männer zu sich und sprach zu ihnen:

Habt Vertrauen! Fürchtet euch nicht!
Ihr müht nicht sterben.
Mächtig ist ja Gott, auf den ihr vertrauet;
deshalb seid in ihm standhaft!
Er wird euch ja befreien und retten.
Nun befahl ich fünfzig Männern
sie sollten euch samt Lebensmitteln aus meinem Haus hinausführen.
So gehet denn ins Gebirge und haltet euch in einem Tal auf!
Ich gebe euch noch fünfzig andere Männer mit,
die euch bis dorthin begleiten sollen.
Nun gehet und verberget euch dort in einem Tal,
wo ihr ein aus Felsen fließendes Wasser zum Trinken habt,
und haltet euch dreißig Tage auf,
bis sich des Volkes Ingrimm im Lande legt,
und bis Gott über dieses einen Zorn losläßt
und es auseinanderreißt!
Ich weiß nämlich,
daß der von ihnen ungerecht gefaßte Beschluss nicht ausgeführt wird;
denn ihr Planen ist eitel.
Nach Verlauf von sieben Tagen werden sie euch freilich suchen;
ich aber sage dann zu ihnen:
Sie sind fort;
sie flohen bei Nacht nach Sprengung ihrer Kerkertüre;
ich schickte daraufhin hundert Männer zu ihrer Verfolgung ab.
Auf diese Weise bringe ich sie von ihrem augenblicklichen Zorn ab.

10
Da gaben ihm elf Männer zur Antwort:

Deine Sklaven haben Gnade vor deinen Augen gefunden,
daß wir aus den Händen dieser Übermütigen befreit werden.

11
Abram allein schwieg.

Da fragte ihn der Fürst:
Warum antwortest du mir nichts, Abram, Diener Gottes?
Da erwiderte Abram:
Gesetzt, ich flüchtete mich heute ins Gebirge
und entginge so dem Feuer,
dann können aus den Bergen wilde Tiere kommen
und uns verzehren,
oder die Nahrungsmittel gehen uns aus,
und wir sterben Hungers;
dann sieht es aus,
als ob wir, auf der Flucht vor dem Volk des Landes,
in unsern Sünden umgekommen wären.
Nun aber lebt der, auf den ich vertraue.
Ich lasse mich nicht aus dem Ort bringen,
wohin man mich verbrachte.
Und sollte ich irgendeine Sünde auf mir haben,

[746]

daß ich ihretwegen hinweggerafft würde,
so geschehe Gottes Wille!
Da sprach zu ihm der Fürst:
Dein Blut komme über dein Haupt,
willst du nicht mit jenen fortziehen!
Willst du aber, so kannst du befreit werden.
Wenn du aber zurückbleiben willst,
dann bleibe eben, wie du willst!
Da sprach Abram: Ich gehe nicht fort; ich bleibe hier.

12
Da entließ der Fürst jene elf Männer

und sandte weitere fünfzig mit ihnen,
denen er anbefahl:
Wartet auch ihr im Gebirge fünfzehn Tage
mit jenen vorausgesandten Fünfzig!
Hernach kehret zurück und saget:
„Wir fanden sie nicht“,
geradeso, wie ich jenen Ersten gesagt habe.
Wisset, daß im Feuer verbrannt wird,
wer irgendeinem meiner Befehle zuwiderhandelt!
Nach dem Abzug der Männer nahm er den Abram
und schloß ihn wieder an dem frühern Orte ein.

13
Nach sieben Tagen versammelte sich das Volk und sprach zu seinem Fürsten:

Gib uns die Männer heraus,
die nicht mit uns das gleiche wollten!
Wir wollen sie verbrennen.
Und sie schickten Führer hin, die sie herführen sollten.
Da fanden sie niemand mehr außer Abram.
Da kamen sie alle zu ihren Fürsten und sprachen:
„Die Männer, die ihr einschlosset, sind geflohen.
So entrannen sie dem, was wir beschlossen.“

14
Da sprachen Phenech und Nebroth zu Jectan:

Wo sind die Männer, die du einschlossest?
Er sprach:
Sie brachen in der Nacht aus.
Da sandte ich hundert Männer ab, die sie suchen sollten.
Ich gab den Befehl,
daß man sie, falls man sie fände, nicht bloß verbrennen,
sondern auch ihre Leiber den Vögeln geben und sie so vernichten sollte.

15
Da sprachen sie zu ihm:

So wollen wir den, der allein noch da ist, verbrennen.
Sie nahmen Abram, führten ihn zu ihrem Fürsten und fragten ihn:
Wo sind die, die bei dir waren?
Da sprach er:
Ich hatte in der Nacht einen tiefen Schlaf;
als ich aufwachte, fand ich sie nicht mehr vor.

16
Daraufhin packten sie ihn,

erbauten einen Ofen, zündeten ihn an
und legten Ziegelsteine zum Gebranntwerden in den Ofen.

[747]

Dann ergriff der Fürst Jectan, im Herzen gerührt, Abram
und warf ihn zu den Ziegelsteinen in den Ofen.

17
Da ließ Gott ein großes Erdbeben entstehen,

und das Feuer ergoß sich aus dem Ofen,
brach in Flammen und Feuerfunken aus
und verbrannte alle um den Ofen herum.
Derer, die an jenem Tage verbrannten,
waren es insgesamt 83 500.
Dagegen hatte Abram nicht den geringsten Schaden
durch Verbrennung erlitten.

18
Nun stieg Abram aus dem Ofen

und warf den Feuerofen um.
So ward Abram gerettet.
Er ging nun zu den elf Männern
und erzählte ihnen alles Vorgefallene.
Da stiegen sie mit ihm vom Gebirge
und freuten sich im Namen des Herrn,
und niemand begegnete ihnen
und erschreckte sie an jenem Tag.
Jenen Ort hießen sie nach Abram,
und zwar in chaldäischer Sprache Deli, d. i. Gott.


7. Kapitel: Völkerzerstreuung
1
Nach diesen Vorfällen ließ das Volk des Landes

trotzdem nicht von seinen schlimmen Plänen.
Sie kamen abermals zu ihren Fürsten und sagten:
Das Volk soll nie überwunden werden.
Laßt uns zusammenkommen und uns eine Stadt bauen
sowie einen Turm, der niemals verschwinden soll!

2
Als sie nun zu bauen begannen,

sah Gott die Stadt und den Turm,
den die Menschenkinder bauten,
und er sprach:
Fürwahr, es ist Ein Volk und Eine Sprache;
doch das, was sie zu bauen unternehmen, kann die Erde nicht ertragen.
noch der Himmel es sehen und dulden.
Werden sie jetzt aber nicht daran gehindert,
so werden sie sich an alles wagen, was sie sich vornehmen.

3
Deshalb will ich ihre Sprache teilen

und sie in alle Welt zerstreuen,
daß keiner mehr den andern kennt
und keiner die Sprache seines Nächsten versteht.
Ich werde sie den Felsen überliefern,
und sie werden sich Hütten aus Stoppeln von Stroh erbauen
und sich Höhlen ausgraben und darin wie wilde Tiere hausen.
Und so werden sie vor meinem Angesicht zu allen Zeiten bleiben,
daß sie niemals wieder solches aushecken.

[748]

Ich werde sie wie Wassertropfen erachten
und sie mit Speichel vergleichen.
Für die einen kommt das Ende im Wasser,
und die andern werden durch Durst ausgetrocknet.

4
Vor allen diesen werde ich meinen Diener Abram erwählen,

ihn aus ihrem Gebiet entfernen
und in das Land führen, worauf mein Auge von Anbeginn blickte,
als vor meinem Angesicht alle Erdbewohner sündigten.
Als ich das Wasser der Sintflut herbeiführte,
vernichtete ich jenes Land nicht, sondern bewahrte es davor.
Darin brachen nicht die Quellen meines Zornes auf;
noch kam darin das Wasser meiner Vernichtung.
Dort nämlich will ich meinen Diener Abram wohnen lassen,
meinen Bund mit ihm schließen und seinen Stamm segnen,
und ich werde ihm für ewig zum Schutzgott sein.

5
Und Gott teilte die Zungen der Völker,

die das Land bewohnten,
als sie mit dem Turmbau begannen,
und änderte ihr Aussehen.
Und keiner erkannte mehr seinen Bruder,
noch verstand irgendeiner die Sprache seines Nächsten.
Wenn die Bauleute ihren Knechten
die Beischaffung von Steinen befahlen,
dann brachten diese Wasser herbei,
und wenn sie Wasser verlangten, so brachten sie Stroh.
So wurde ihr Vorhaben unterbunden,
und sie hörten mit dem Bau der Stadt auf;
dann zerstreute sie der Herr von dort
über die Oberfläche der ganzen Erde.
Deshalb nannte man jenen Ort „Verwirrung“,
weil Gott daselbst ihre Sprache verwirrte
und sie von da über die Oberfläche der ganzen Erde zerstreute.


8. Kapitel: Von Abraham bis zum ägyptischen Joseph
1
Abram zog nun von dort fort und ließ sich im Lande Kanaan nieder;

er nahm dabei seinen Brudersohn Lot und sein Weib Sarai mit.
Da aber Sarai unfruchtbar war und keine Leibesfrucht hatte,
nahm Abram seine Magd Hagar, und sie gebar ihm Ismael.
Ismael ward Vater von zwölf Söhnen.

2
Damals trennte sich Lot von Abram

und ließ sich in Sodom nieder;
Abram aber wohnte im Lande Kanaan.
Sodoms Männer waren sehr schlimme Leute und sehr große Sünder.

3
Da erschien Gott dem Abram und sprach:

Ich gebe deinem Stamm dies Land;
du aber sollst Abraham heißen,
und dein Weib Sarai nunmehr Sara.

[749]

Ich verleihe dir aus ihr eine ewige Nachkommenschaft
und schließe mit dir meinen Bund.
Und Abraham erkannte sein Weib Sara;
sie empfing und gebar Isaak.

4
Isaak nahm sich ein Weib aus Mesopotamien,

eine Tochter Batuels;
sie empfing und gebar Esau und Jakob.

5
Esau nahm sich zu Weibern Judin, Bereus Tochter,

Basemat, Elons Tochter, Elibema, Anans Tochter,
und Manem, die Tochter Samaels.
Und sie (Basemat) gebar ihm Adeliphan.
Adeliphans Söhne sind Temar, Omor, Sepphor;
Getan, Tenaz und Amalech.
Judin gebar Tenacis, Jeruebemas, Bassemen und Rugil.
Rugils Söhne sind Naizar und Samaza.
Elibema gebar Auz, Jollam und Coro.
Manem gebar Tenetde und Thenatela.

6
Jakob nahm sich zu Weibern

des Assyrers Laban Töchter Lia und Rachel;
er hatte auch zwei Nebenweiber Bala und Zelpha.
Lia gebar ihm Ruben, Simeon, Levi,
Juda, Isachar, Zabulon und ihre Schwester Dina.
Rachel gebar Joseph und Benjamin.
Bala gebar Dan und Nephtalim,
und Zelpha gebar Gad und Asser.
Jakob hatte zwölf Söhne und eine Tochter.

7
Jakob wohnte im Lande Kanaan;

da raubte der Choriter Sichem, Emors Sohn,
seine Tochter Dina und schwächte sie.
Da kamen Jakobs Söhne Simeon und Levi,
schlugen ihre ganze Stadt mit dem Schwert,
nahmen ihre Schwester Dina mit
und zogen von dort weg.

8
Hernach heiratete sie Job

und zeugte aus ihr vierzehn Söhne und sechs Töchter,
d. h. sieben Söhne und drei Töchter,
ehe er mit Leiden geschlagen worden war,
und nachher sieben Söhne und drei Töchter, als er wieder gesundet war.
Sie hießen Eliphac, Erinoe,
Diasat, Philias, Diffar, Zellud und Thelon
und seine Töchter Meru, Litaz und Zeli.
Wie die älteren, so hießen auch die jüngern.

9
Jakob und seine zwölf Söhne wohnten also im Land Kanaan.

Sie haßten ihren Bruder Joseph,
den sie nach Ägypten an Petephres,
den Obersten der Köche Pharaos, auslieferten.
Er verbrachte bei diesem vierzehn Jahre.

[750]
10
Da sah Ägyptens König einen Traum,

und man erzählte ihm von Joseph,
und dieser deutete ihm die Träume.
Nachdem er ihm die Träume gedeutet,
machte ihn Pharao zum Fürsten über ganz Ägypterland.
Zu jener Zeit kam eine Hungersnot über die ganze Erde,
wie Joseph vorausgesehen hatte.
Da zogen seine Brüder hinab,
Nahrungsmittel in Ägypten zu kaufen,
weil es nur noch in Ägypten Nahrungsmittel gab.
Da erkannte Joseph seine Brüder
und gab sich ihnen zu erkennen;
doch behandelte er sie nicht schlimm.
Er sandte hin und ließ seinen Vater aus dem Lande Kanaan rufen,
und er kam zu ihm herab.

11
Und das sind die Namen der Israeliten,

die mit Jakob nach Ägypten, jeder mit seiner Familie, hinabzogen.
Rubens Söhne sind Enoch und Phallud, Esrom und Carmin,
Simeons Söhne Namuel, Jamin, Dot und Jachin,
sowie Saul, einer Kanaaniterin Sohn.
Levis Söhne sind Gerson, Caat und Merari,
Judas Söhne Auna, Selon, Phares und Zerami,
Isachars Söhne Tola und Phua, Job und Sombram,
Zabulons Söhne Sarelon und Jaillil.
Ihre Schwester Dina gebar vierzehn Söhne und sechs Töchter.
Dies sind Lias Nachkommen, die sie Jakob gebar.
Alle Seelen der Söhne und der Töchter beliefen sich auf zweiundsiebzig.

12
Dans Söhne waren Usi,

Neptalims Söhne aber Betaal, Neemmu, Surem und Optisariel.
Dies sind Ballas Nachkommen, die sie Jakob gebar.
Alle Seelen betrugen acht.

13
Gads Söhne sind Sariel, Sua, Bisui, Mophat und Sar;

ihre Schwester, Seriebels Tochter, war Melchiel.
Dies sind Zelphas, des Jakobsweibes, Nachkommen, die sie ihm gebar.
Die Zahl aller Seelen der Söhne und Töchter betrug zehn.

14
Josephs Söhne waren Ephraim und Manasses.

Benjamin war der Vater von Gela, Esbel,
Abocmephec und Utundeus.
Die Zahl der Seelen, die Rachel dem Jakob gebar, betrug vierzehn.
Sie zogen nun nach Ägypten und wohnten dort 210 Jahre.


9. Kapitel: Die ägyptische Bedrückung. Mosis Geburt
1
Nach Josephs Hingang mehrten sich die Söhne Israels

und wuchsen gewaltig an.
Da stand ein anderer König in Ägypten auf,
der von Joseph nichts wußte,
und sprach zum Volke:

[751]

Dieses Volk vergrößerte sich mehr als wir.
Kommet, lasset uns dagegen einen Plan schmieden,
daß es sich nicht weiter vermehre!
Und Ägyptens König befahl seinem Volke insgesamt:
Werfet in den Fluß jeden Sohn,
der den Hebräern geboren wird;
die Mädchen aber lasset leben!
Da erwiderten die Ägypter ihrem König:
Wir wollen ihre Knäblein töten,
ihre Mädchen aber leben lassen,
damit wir sie mit unsern Sklaven verheiraten können;
dann wird alles, was aus ihnen geboren wird,
Sklave werden und uns dienen.
Dies aber erschien vor dem Herrn als das Schlimmste.

2
Da versammelten die Volksältesten das Volk mit Wehklagen,

und sie klagten voller Trauer also:
Fehlgeburten erleiden unserer Weiber Körper;
unsere Frucht wird unsern Feinden ausgeliefert,
und nun schwinden wir dahin.
Aber laßt uns eine Verfügung für uns treffen,
daß sich kein Mann mehr einem Weibe nähere,
damit nicht ihre Leibesfrucht befleckt würde
und unsere Glieder den Götzen dienten!
Es ist ja besser, kinderlos zu sterben,
bis daß wir wissen, was Gott tun wird.

3
Da erwiderte Amram:

Eher wird die Welt vernichtet
und fällt das unermeßliche Weltall zusammen
oder berührt das Herz der Abgründe die Sterne,
als daß das Geschlecht der Söhne Israels vermindert wird.
Erfüllt wird der Bund, den Gott schloß,
als er zu Abraham sprach:
Deine Nachkommen werden in einem Land, das ihnen nicht gehört, wohnen;
dann werden sie in Sklaverei kommen und 400 Jahre gepeinigt werden.
Nun sind es seit der Zeit, wo Gottes Wort an Abraham erging,
350 Jahre.
Seit der Zeit aber, wo wir in Ägypten Sklaven geworden,
sind es 130 Jahre.

4
Deshalb beruhige ich mich jetzt nicht bei eurem Beschluß;

ich nehme vielmehr mein Weib,
gehe zu ihm und erzeuge Söhne,
damit wir auf Erden zahlreich werden.
Gott verharrt ja nicht in seinem Zorn,
noch vergißt er für immer sein Volk,
noch wirft er Israels Geschlecht für nichts auf den Boden,
noch hat er vergeblich mit unsern Vätern einen Bund geschlossen;
ja, als wir noch nicht waren,
sprach Gott schon davon.

[752]
5
Deshalb gehe ich jetzt hin

und nehme mein Weib;
niemals aber folge ich dem Befehl des Königs.
Und ist dies recht in euren Augen,
dann laßt uns alle so tun!
Wenn unsere Weiber empfangen,
dann werden sie nicht als schwanger erkannt,
bis drei Monate vorüber sind,
ähnlich wie es unserer Mutter Thamar erging.
Denn ihr Sinn stand nicht auf Unzucht;
sie wollte eben nicht aus den Israeliten ausscheiden,
und so dachte sie:
Es ist besser für mich,
wenn ich mich mit meinem Schwiegervater abgebe und dann sterbe,
als wenn ich mich mit den Heiden vermische.
Und so verbarg sie ihre Leibesfrucht bis zum dritten Monat.
Dann wurde sie erkannt.
Auf dem Gang zur Hinrichtung aber beschloß sie, zu sagen:
Von dem Besitzer dieses Stabes, dieses Ringes und des Schaffells
habe ich empfangen.
Und ihr Vorhaben rettete sie aus aller Gefahr.

6
Nun laßt uns ebenso tun!

Wenn dann die Zeit zum Gebären kommt,
wollen wir, wenn es möglich ist, unsere Leibesfrucht aussetzen.
Wer weiß, ob nicht Gott dazu veranlaßt wird,
uns aus unserer Erniedrigung zu retten?

7
Und der Plan, den Amram ausgedacht hatte, gefiel vor Gott.

Und Gott sprach:
Weil Amrams Gedanke mir wohlgefällt,
und weil er nicht meinen,
zwischen mir und seinen Ahnen geschlossenen Bund mißachtet,
deshalb soll das von ihm Abstammende mir ewig dienen,
und durch ihn will ich im Hause Jakobs Wunder wirken
und meinem Volk durch ihn Zeichen und Wunder tun,
die ich keinem andern getan.
Und ich will mich an ihnen verherrlichen
und ihnen meine Wege zeigen.

8
Ich, Gott, will für ihn meine Leuchte,

die bei ihm bleiben soll, anzünden
und ihm meinen Bund, den noch niemand sah, zeigen
und ihm meine Erhabenheit kundtun
sowie meine gerechten Gerichte
und ihm ein ewiges Licht leuchten lassen.
Denn ich dachte schon in alten Tagen an ihn,
indem ich sprach:
„Mein Geist wird nicht für immer bei diesen Menschen ein Mittler sein;
denn sie sind Fleisch.
Und ihre Tage sollen nur noch 120 Jahre sein.“

[753]
9
Da ging Amram aus dem Stamm Levi weg

und heiratete ein Weib aus seinem Stamm.
Und als er sie geheiratet,
ahmten ihm die andern nach und heirateten.
Und so besaß er einen Sohn und eine Tochter;
sie hießen Aaron und Maria.

10
Und der Geist Gottes kam bei Nacht über Maria,

und sie schaute ein Traumgesicht.
Da erzählte sie es am andern Morgen ihren Eltern
und sprach:
Ich schaute in dieser Nacht;
da stand ein Mann in einem Linnengewand da und sprach zu mir:
Geh und sag deinen Eltern:
„Das, was aus euch geboren wird,
wird man ins Wasser bringen;
denn Wasser wird dadurch vertrocknen.
Ich werde durch ihn Zeichen tun und mein Volk erretten,
und er selbst wird die Führung darüber allezeit haben.“
Nachdem Maria ihren Traum erzählt,
schenkten ihr die Eltern keinen Glauben.

11
Das Wort des ägyptischen Königs lag aber schwer auf den Israeliten,

und sie wurden beim Ziegelmachen gebeugt und geknechtet.

12
Jochabed aber empfing von Amram

und verbarg es an ihrem Leib drei Monate;
doch länger konnte sie es nicht verbergen,
weil Ägyptens König Ortsaufseher eingesetzt hatte;
diese sollten, wenn die Hebräerinnen gebaren,
sogleich ihre Knäblein in den Fluß werfen.
Sie nahm nun ihr Kind,
fertigte dafür ein Kästchen aus Fichtenrinde
und setzte das Kästchen in den Fluß.

13
Der Knabe selbst war in Gottes Bund geboren,

und zwar im Bunde seines Fleisches.

14
Nach seiner Aussetzung kamen alle Ältesten zusammen,

zankten mit Amram und sprachen:
Sagten wir nicht:
Es ist für uns besser, kinderlos zu sterben,
als daß unsere Leibesfrucht ins Wasser geworfen wird?
Doch Amram hörte nicht auf ihre Worte.

15
Da kam des Pharao Tochter herab,

im Fluß zu baden,
gemäß dem, was sie in Träumen geschaut.
Ihre Mägde sahen nun das Kästchen;
da sandte sie eine hin,
nahm es dann in Empfang und öffnete es.
Als sie nun den Knaben sah
und das Bundeszeichen, d. i. den Bund an seinem Fleisch bemerkte,

[754]

sagte sie:
„Dies ist eines der hebräischen Kinder.“

16
Und sie nahm ihn mit

und zog ihn auf.
So wurde er ihr Sohn,
und sie nannte ihn Moyses;
seine Mutter aber hieß ihn Melchiel.
Als das Kind erzogen war,
wurde es berühmter als alle Menschen,
und Gott befreite durch ihn die Israeliten,
so, wie er verheißen hatte.


10. Kapitel: Der Auszug aus Ägypten
1
Nach dem Tode des ägyptischen Königs erhob sich ein anderer König

und bedrückte das ganze Volk Israel.
Jene aber riefen zum Herrn,
und er erhörte sie.
Und er sandte Moses
und befreite sie aus dem Ägypterland.
Gott schickte auch zehn Plagen darüber
und schlug es.
Dies waren die Plagen:
Blut und Frösche, Hagel und Viehseuchen,
Heuschrecken und Mücken,
undurchdringliche Finsternis
und Hinsterben der Erstgeborenen.

2
Als sie von dort ausgezogen waren,

wurde das Herz der Ägypter noch mehr verhärtet,
und sie machten sich an ihre Verfolgung.
Da trafen sie auf jene am Ufer des Toten Meeres.
Da schrieen die Israeliten zu ihrem Herrn
und sprachen zu Moses also:
Nun ist die Zeit unseres Untergangs gekommen;
das Meer ist vor uns,
die Menge der Feinde hinter uns
und wir in der Mitte.
Hat uns deshalb Gott herausgeführt
oder sind das die Bündnisse,
die er mit unsern Vätern schloß,
indem er sprach:
„Eurer Nachkommenschaft gebe ich das Land, das ihr bewohnet,“
daß er jetzt nach seinem Gutdünken an uns handelt?

3
Da teilten die Israeliten ihre Ansichten in drei Gruppen,

im Hinblick auf die fürchterliche Lage.
Die Stämme Ruben, Isachar, Zabulon und Simeon sprachen:
Kommet! Wir wollen uns ins Meer stürzen!
Es ist doch besser, im Wasser zu sterben,
als von den Feinden niedergemacht zu werden.

[755]

Die Stämme Gad, Asser, Dan und Nephtalim aber sagten:
Nein! Laßt uns vielmehr mit ihnen zurückkehren
und wenn sie uns das Leben schenken wollen,
dann wollen wir ihnen dienen.
Die Stämme Levi, Juda, Joseph und Benjamin jedoch sprachen:
Nein! Wir wollen vielmehr zu den Waffen greifen
und mit ihnen kämpfen:
Gott wird ja mit uns sein.

4
Da rief auch Moses zum Herrn und sprach:

Herr, unserer Väter Gott!
Hast du denn nicht zu mir gesagt:
Geh hin und sag den Liasöhnen:
„Es hat mich Gott zu euch gesandt.“
Nun sieh! Du hast dein Volk bis an das Meeresufer herangeführt,
und jetzt verfolgen es die Feinde.
Jetzt, Herr, sei deines Namens eingedenk!

5
Da sprach Gott:

Weil du zu mir gerufen hast,
nimm deinen Stab
und schlag das Meer!
Dann trocknet dieses aus.
Als Moses all dies tat, bedrohte Gott das Meer,
und das Meer ward trocken.
Die Wassermassen standen still,
die Tiefen der Erde zeigten sich,
und die Grundfesten der bewohnten Erde wurden entblößt
durch das fürchterliche Brausen
und den Zornhauch meines Herrn.

6
Und so zog Israel mitten im Meer auf dem Trocknen hindurch.

Als die Ägypter es sahen, machten sie sich zu ihrer Verfolgung auf.
Gott aber verhärtete ihren Sinn,
und so wussten sie nicht, daß sie das Meer betraten.
Während nun die Ägypter im Meer waren,
befahl Gott wiederum dem Meer
und sprach zu Moses: Schlag noch einmal das Meer!
Und er tat so.
Da befahl der Herr dem Meer,
und es kehrte in seine Bahnen zurück
und bedeute die Ägypter samt ihren Wagen und Reitern.

7
Dann führte er sein Volk in die Wüste.

Vierzig Jahre ließ er vom Himmel Brot regnen,
brachte ihnen Wachteln vom Meer her
und ließ für sie einen Brunnen entstehen,
der ihnen nachfolgte.
Und in einer Wolkensäule leitete er sie bei Tag,
und bei Nacht leuchtete er ihnen in einer Feuersäule.


[756]
11. Kapitel: Gesetzgebung am Berge Sinai
1
Im dritten Monat des Auszugs der Israeliten aus Ägypten

kamen sie in die Wüste Sina.
Und Gott gedachte seiner Worte und sprach:
Ich will der Welt ein Licht geben
und unbewohnbare Gegenden erleuchten,
meinen Bund mit den Menschenkindern schließen
und mein Volk über alle Völker verherrlichen;
ich gebe ihm etwas ewig Erhabenes,
das ihm zum Licht, den Gottlosen aber zur Strafe dienen wird.

2
Und er sprach zu Moses:

Siehe, ich rufe dich morgen.
Sei bereit und sag meinem Volk:
„Drei Tage lang soll kein Mann zu einem Weib gehen!“
Am dritten Tag will ich zu dir und zu ihnen sprechen.
Danach sollst du zu mir heraufsteigen.
Ich lege dann dir meine Worte in den Mund
und du sollst mein Volk aufklären
über das, was ich in deine Hände lege,
das ewige Gesetz,
und nach ihm werde ich den Erdkreis richten.
Dies nämlich wird zum Zeugnis dienen:
Wenn die Menschen sagen:
„Wir kannten dich nicht,
und deshalb dienten wir dir nicht,“
so werde ich sie trotzdem heimsuchen,
eben weil sie mein Gesetz nicht kannten.

3
Moses tat, wie Gott ihm befahl,

heiligte die Stämme und sprach zu ihnen:
Haltet euch auf den dritten Tag bereit!
Denn nach drei Tagen schließt der Herr seinen Bund mit euch.
Und so heiligten sich die Stämme.

4
Am dritten Tag aber gab es dröhnende Töne und Blitzglanz,

und kräftig ertönte der Schall der Instrumente.
Furcht ergriff das ganze Volk, das im Lager war.
Und Moses führte die Stämme Gott entgegen.

5
Da brannten die Berge im Feuer, die Erde zitterte,

und die Hügel wurden durcheinander geworfen,
die Berge umgedreht und die Tiefen erbrausten;
alles Bewohnte wurde gerüttelt;
die Himmel rollten zusammen;
die Wolken zogen Wasser;
Feuerflammen erglühten;
Donner und Blitze gab es in Menge;
Winde und Stürme tosten;
die Gestirne kamen zusammen,
und die Engel liefen voraus,

[757]

bis Gott das Gesetz des ewigen Bundes den Israeliten gab
und ewige Gesetze verlieh, die sie nicht überschreiten sollten.

6
Da redete der Herr zu seinem Volk alle diese Worte und sprach:

Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Ägypterland herausgeführt,
aus dem Haus der Sklaverei.
Du sollst dir keine geschnitzten Götter machen,
noch irgendwelches Scheusal von Sonne oder Mond
oder von irgendwelchen Himmelszierden anfertigen,
noch ein Abbild von irgend etwas auf Erden machen,
noch von dem, was in den Gewässern oder auf der Erde kriecht.
Ich bin der Herr, dein Gott, ein eifernder Gott,
der die Sünden der Schlafenden an den lebenden Söhnen der Gottlosen heimsucht,
falls sie in ihrer Eltern Wegen wandeln,
und zwar bis ins dritte und vierte Glied,
und der Erbarmen an tausend Gliedern bei denen übt,
die mich lieben und meine Gebote halten.

7
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht eitel nennen,

damit nicht meine Wege vereitelt werden!
Der Herr verabscheut nämlich den,
der seinen Namen eitel nennt.

8
Halte den Sabbat! Heilige ihn!

An sechs Tagen sollst du Arbeiten verrichten!
Der siebte Tag ist aber der Sabbat des Herrn.
Du sollst an ihm keine Arbeit verrichten,
weder du, noch alle deine Arbeiter,
außer, daß du an ihm den Herrn lobest in der Gemeinde der Älteren
und den Mächtigen verherrlichest auf dem Lehrstuhl der Alten!
In sechs Tagen nämlich machte der Herr Himmel, Erde und Meer
und alles, was darin ist, den ganzen Erdkreis,
die unbewohnbare Wüste
und alles, was tätig ist, sowie des Himmels gesamte Ordnung.
Und Gott ruhte am siebten Tag.
Deshalb heiligte Gott den siebten Tag, weil er an ihm ruhte.

9
Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben und sie fürchten!

Dann wird dein Licht aufleuchten,
und ich gebiete dem Himmel, daß er dir seinen Regen gibt,
und die Erde bringt dann schnell ihre Frucht hervor.
Du wirst lange leben,
und ich wohne in deinem Land
und du wirst nicht ohne Kinder sein,
weil es deinem Stamm nicht an Einwohnern fehlen wird.

10
Du sollst nicht ehebrechen;

denn deine Feinde trieben mit dir keine Buhlerei;
vielmehr zogest du mit erhobener Hand heraus!

11
Du sollst nicht töten,

weil dich deine Feinde vergewaltigten, um dich zu töten,
du aber ihren Tod sahest!

[758]
12
Du sollst kein falscher Zeuge sein,

indem du gegen deinen Nächsten falsches Zeugnis ablegst,
damit nicht deine Wächter auch gegen dich falsches Zeugnis ablegen!

13
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, noch seinen Besitz,

damit nicht andere dein Land begehren!

14
Als der Herr zu reden aufhörte,

fürchtete sich das Volk recht;
sie sahen den Berg in Feuerfackeln brennen
und sprachen zu Moses:
Sprich du für uns!
Gott soll nicht mit uns sprechen,
damit wir nicht sterben müssen!
Heute wissen wir ja,
daß Gott mit einem Menschen von Mund zu Mund so sprechen kann,
daß der Mensch dabei noch am Leben bleibt.
Und jetzt haben wir wirklich erfahren,
daß die Erde unter Zittern Gottes Stimme ertrug.
Da sprach Moses zu ihnen: Fürchtet euch nicht!
Deshalb kam Gott zu eurer Prüfung,
damit ihr in euch die Furcht vor ihm aufnehmet,
auf daß ihr nicht sündiget.

15
Und das ganze Volk stand von ferne;

Moses aber ging zum Nebel hin,
obwohl er wußte, daß darin Gott war.
Und Gott erklärte ihm seine Gerechtigkeit und seine Gerichte.
Und er behielt ihn vierzig Tage und vierzig Nächte bei sich.
Daselbst trug er ihm vieles auf
und zeigte ihm das Lebensholz,
wovon er etwas abschnitt, mitnahm
und nach Mara brachte.
Davon ward das Marawasser süß.
Es folgte ihnen vierzig Jahre in der Wüste nach
und stieg mit ihnen aufs Gebirge hinauf und in die Täler hinab.
Auch gab er ihm Vorschriften über das Zelt, die Lade des Herrn,
das Brand- und Rauchopfer, die Ordnung des Tisches,
den Leuchter, das Becken und sein Gestell,
über das Schulterkleid, das Brustschild
und die sehr kostbaren Steine,
damit es die Israeliten so anfertigen sollten.
Er zeigte ihm ihr Vorbild,
daß er es nach dem geschauten Muster anfertige.
Er sprach zu ihm:
Mach mir ein Heiligtum!
Dann bleibt meiner Herrlichkeit Zelt bei euch.


12. Kapitel: Das goldene Kalb
1
Und Moses stieg herab.

Und weil er mit unsichtbarem Licht übergossen war,

[759]

war er ja an den Ort gekommen,
wo das Sonnen- und Mondlicht ist,
so übertraf seines Angesichtes Licht den Glanz der Sonne und des Mondes;
er selber aber wußte nichts davon.
Als er nun zu den Israeliten hinabstieg,
sahen sie ihn zwar, aber erkannten ihn nicht.
Erst als er redete, erkannten sie ihn.
Es war ähnlich, wie in Ägypten,
als Joseph seine Brüder erkannte, sie ihn aber nicht.
Als aber später Moses wußte,
daß sein Antlitz glänzend geworden war,
machte er sich einen Schleier, um sein Angesicht zu bedecken.

2
Während er aber auf dem Berg war,

ward das Herz der Stämme verderbt;
sie kamen bei Aaron zusammen und sprachen:
Mach uns Götter, daß wir ihnen dienen,
gleichwie auch die andern Völker solche haben!
Denn dieser Moses, durch den vor uns Wunder geschahen,
ist uns entrissen.
Da sprach Aaron zu ihnen: Seid ruhig!
Moses wird ja wieder kommen, uns Recht bringen,
uns das Gesetz erläutern,
Gottes Herrlichkeit aus seinem Mund erklären
und unserm Volk Rechtssatzungen aufstellen.

3
Als er ihnen dies sagte,

horchten sie nicht auf ihn,
damit das Wort erfüllt würde,
was ausgesprochen ward zu jener Zeit,
wo das Volk durch den Turmbau sündigte,
als Gott sprach: „Wenn ich ihnen nicht wehre,
dann nehmen sie sich alles, in noch schlimmerm Maß heraus,
was sie zu tun sich vorgenommen.“
Aaron aber voller Furcht,
weil die Stämme sehr kriegerisch taten, sprach zu ihnen:
Bringt uns die Ringe eurer Weiber!
Da baten die Männer, jeder sein Weib, darum,
und diese gaben sie sogleich her.
Dann tat man sie ins Feuer.
Da wurden sie zu einer Figur gemacht,
und ein gegossenes Kalb kam dabei heraus.

4
Da sprach Gott zu Moses:

Geh schnell von hier weg!
Denn das Volk ist verderbt
und hat meine Wege, die ich ihm vorschrieb, übertreten.
Was dann, wenn die Verheißungen, die ich euren Vätern machte,
als ich ihnen sagte:
„Euren Nachkommen gebe ich dies Land, worin ihr wohnet“,
schon erfüllt wären?

[760]

Noch zog es nicht in das Land ein,
und schon hat es mich verlassen,
während es noch das Gesetz bei sich hat.
Deshalb weiß ich auch, daß sie noch größere Frevel verüben,
wenn sie in jenes Land einziehen.
Deshalb will ich sie auch jetzt verlassen;
aber ich will mich wieder mit ihnen aussöhnen,
auf daß mir ein Haus bei ihnen gebaut werde.
Aber auch dies wird wieder eingerissen werden,
weil sie sich an mir versündigen.
Und das Menschengeschlecht wird mir wie ein Tropfen am Wassereimer sein
und wie Speichel dünken.

5
Da stieg Moses eilends hinab.

Er sah das Kalb und blickte dann auf die Tafeln;
da bemerkte er, daß sie nicht mehr beschrieben waren.
Daraufhin zerbrach er sie schleunig.
Seine Hände öffneten sich,
und er ward einem erstgebärenden Weibe gleich,
das in seinen Schmerzen die Hände auf die Brust preßt
und keine Kraft besitzt, die sein Gebären unterstützen würde.

6
Nach einer Stunde sprach er zu sich selber:

Bitternis herrscht nicht für immer vor;
noch behält stets das Schlechte die Oberhand.
Nun will ich mich erheben und meine Lenden stärken;
haben sie irgendwie gesündigt,
dann ist nicht grundlos, was mir oben erzählt ward.

7
Dann erhob er sich, zertrümmerte das Kalb,

warf es ins Wasser
und gab es dem Volke zu trinken.
Hatte einer den Wunsch nach Anfertigung des Kalbes gehabt,
dann fiel ihm seine Zunge ab;
hatte er aber nur aus Furcht zugestimmt,
dann leuchtete sein Antlitz.

8
Hierauf stieg Moses auf den Berg und bat den Herrn:

Du bist Gott, der du diesen Weinberg gepflanzt,
seine Wurzeln in die Tiefe dringen
und seine Zweige bis zu deinem höchsten Sitz hast reichen lassen.
Bedenk doch jetzt,
daß dieser Weinberg seine Frucht brachte, ohne seinen Bebauer zu kennen!
Zürnest du nun über diesen Weinberg,
entwurzelst du ihn aus der Tiefe,
entfernst du seine Zweige von deinem höchsten und ewigen Sitze
und lässest du sie verdorren,
dann kommt niemals mehr die Tiefe, ihn zu nähren,
noch dein Thron,
deinen Weinberg, den du verbranntest, zu erquicken.

9
Du bist ja selbst alles Licht

und hast dein Haus mit Edelsteinen, Gold, Gewürzen und Jaspis geschmückt

[761]

und es mit balsamischen Hölzern, Zimmt,
Myrrhenwurzeln und Kostwurz besprengt
und es mit verschiedenen Speisen und süßen Getränken gesättigt.
Erbarmst du dich also nicht deines Weinberges,
dann ist, Herr, alles vergeblich gewesen,
und du hast niemanden, der dich verherrlicht.
Denn, pflanztest du auch einen andern Weinberg,
so würde dieser dir nicht mehr trauen,
weil du den früheren zerstörtest.
Ziehst du dich nämlich von der Welt zurück,
wer sollte dann für dich das tun, was du als Gott verheißen hast?
Nun möge sich dein Zorn an dem Weinberg mäßigen,
mehr wegen dessen, was von dir vorausgesagt ward,
als wegen dessen, was noch zu sagen wäre!
Laß deine Arbeit nicht vergeblich sein,
noch dein Erbteil herabwürdigen!

10
Da sprach Gott zu ihm:

Ich bin auf deine Worte hin mitleidig geworden.
Haue dir daher zwei Steintafeln aus,
an dem Ort, wo du die vorigen hast!
Schreib darauf nochmals die Satzungen, die auf den ersten waren!


13. Kapitel: Die Stiftshütte
1
Da tat Moses eilends alles, was ihm Gott befohlen hatte.

Er stieg hinab und fertigte die Tafeln,
sowie das Zelt und seine Geräte, die Lade, den Leuchter, den Tisch
und den Brandopferaltar, das Schulterkleid, die Brustplatte, die Edelsteine
und das Becken, die Gestühle
und alles andere, was ihm gezeigt worden war.
Dann machte er sämtliche Priestergewänder,
die Gürtel und die übrigen Stücke,
den Kopfbund, die Goldplatte und die heilige Krone;
er bereitete auch das Priestersalböl,
und den Priester selber weihte er.
Nachdem alles fertig war,
bedeckte all das eine Wolke.

2
Dann rief Moses zum Herrn,

und Gott sprach mit ihm vom Zelt aus:
Das ist das Gesetz des Altares,
wie ihr mir opfern und für eure Seelen beten sollet.
Was nun das betrifft, was ihr mir opfern sollt,
so opfert vom Vieh ein Kalb, ein Schaf und eine Ziege,
von den Vögeln aber eine Turteltaube und eine andere Taube!

3
Und wenn in eurem Land der Aussatz ausbricht,

dann nehme man zur Reinigung des Aussätzigen zwei lebende junge Tiere,
sowie Zedernholz, Hysop und Scharlach
und gehe zum Priester!

[762]

Dieser soll das eine töten und das andere aufbewahren
und den Aussätzigen behandeln genau nach dem,
was ich in meinem Gesetz befahl!

4
Und im Verlauf der Zeiten sollt ihr mich am Festtag heiligen!

Am Fest der ungesäuerten Brote sollt ihr euch vor mir ergötzen
und Brot vor mir aufstellen,
indem ihr ein Fest zur Erinnerung an euren ägyptischen Auszug feiert!

5
Am Wochenfest sollt ihr vor mir Brot aufstellen

und mir eine Gabe für eure Früchte darbringen!

6
Das Trompetenfest soll eine Gabe für eure Wächter sein.

Weil ich die Schöpfung voraussah,
sollt ihr der ganzen Welt gedenken!
Beim Jahresbeginn werde ich,
wenn ihr ihn anmeldet,
die Zahl der Toten und Geborenen
sowie das Fasten um Gnade anerkennen.
Ihr sollt mir nämlich für eure Seelen fasten,
auf daß eurer Väter Verheißungen in Erfüllung gehen können!

7
Feiert mir auch das Laubhüttenfest!

Holt mir köstliche Baumfrüchte
und Zweige von Palmen, Weiden, Zedern und Myrrhen!
Dann will ich mit Regen die ganze Erde bedenken;
auch wird das Maß der Jahreszeiten festgesetzt.
Dann ordne ich auch die Gestirne
und gebe den Wolken Befehle;
alsdann erbrausen die Winde,
fliegen die Blitze und Donnerwirbel ertönen.
Dies wird zum ewigen Zeichen sein.
Auch spenden die Nächte den Tau,
wie ich nach der Sintflut gesagt.

8
Damals gab er über Noes Lebensjahre Aufschluß und sprach zu ihm:

Dies sind die Jahre, die ich nach den Wochen einteilte,
wo ich die Menschenstadt heimsuchte;
damals zeigte ich ihnen den Ort der Entstehung,
sowie die Schlange.
Und er sprach:
Das ist der Ort, worüber ich den Erstgeschaffenen also belehrte.
Wenn du nicht mein Gebot übertrittst,
dann ist dir alles untertan.
Jener aber übertrat meine Wege.
Er ließ sich von seinem Weibe beraten;
diese aber ward von der Schlange verführt.
Damals ward auch der Tod für die Menschengeschlechter bestimmt.

9
Und der Herr zeigte ihm noch die Wege zum Paradies mit den Worten:

Dies sind die Wege, die den Menschen verlorengingen,
insoferne sie nicht darauf wandelten, weil sie sich an mir versündigten.

10
Dann gab ihm der Herr Anweisungen über die Rettung der Seelen des Volkes;

er sprach: Wenn sie auf meinen Wegen wandeln,

[763]

dann verlasse ich sie nicht,
vielmehr erbarme ich mich ihrer immer wieder
und segne ihre Nachkommen.
Und die Erde wird schnell ihre Frucht geben
und der Regen ihnen zum Gewinn sein
und nicht unfruchtbar machen.
Ich weiß aber wohl, daß sie ihre Wege verderben werden;
dann aber verlasse ich sie;
denn sie vergessen die Bündnisse, die ich mit ihren Vätern schloß;
ich will sie aber nicht für immer vergessen.
Sie selbst sehen es dann in den jüngsten Tagen ein,
daß ihre Nachkommenschaft um ihrer Sünden willen verlassen wurde;
denn ich bin getreu in meinen Wegen.


14. Kapitel: Volkszählung
1
Dann sprach Gott zu ihm:

Fang an, mein Volk von zwanzig Jahren bis zu vierzig zu mustern,
damit ich euren Stämmen zeigen kann,
wieviel ich ihren Vätern im fremden Land versprach!
Denn ein Fünfzigstel von ihnen führte ich aus dem Land Ägypten;
neunundvierzig Teile aber starben im Ägypterland.

2
Während du sie aufstellst und musterst,

schreib ihre Namen auf,
bis ich alles erfülle, was ich ihren Vätern versprach,
und bis ich sie in ihr Land sicher einführe!
Denn ich schwäche kein Wort von dem ab,
was ich ihnen zusicherte:
„Eure Nachkommen werden an Menge den Sternen des Himmels gleichen!
In beschränkter Zahl ziehen sie in das Land;
aber in kurzer Zeit werden sie zahllos sein.

3
Da stieg Moses herab und zählte sie,

und die Volkszählung ergab 604 550.
Dabei zählte er Levis Leute nicht mit,
weil ihm so befohlen war;
vielmehr zählte er bloß die über fünfzig Jahren.
Ihre Zahl betrug 47 300.
Dann zählte er die unter zwanzig Jahren;
ihre Zahl belief sich auf 850 850.
Hierauf musterte er den Stamm Levi,
und seine Gesamtzahl betrug 120 290 620 200 900.

4
Und Moses meldete ihre Zahl Gott.

Da sprach Gott zu ihm:
Dies sind die Worte, die ich zu ihren Vätern im Ägypterland sprach;
ich setzte eine Zahl fest,
eben 210 Jahre, bis sie all meine Wunder sahen.
Und die Gesamtzahl belief sich auf 910 295 Männer,
ohne die Weiber.

[764]

Ich ließ aber sterben die ganze Menge derer,
die mir keinen Glauben schenkten.
So blieb von ihnen nur noch der fünfzigste Teil übrig,
und diesen weihte ich mir.
Deshalb gebiete ich dem Geschlecht meines Volkes,
daß es mir von seinen Früchten den Zehnten gebe,
damit es vor mir zur Erinnerung daran diene,
wieviel Leiden ich ihnen abgenommen habe.

5
Als Moses nach seinem Herabstieg dies dem Volke meldete,

weinten und trauerten sie und blieben zwei Jahre in der Wüste.


15. Kapitel: Die Kundschafter
1
Da sandte Moses zwölf Männer als Kundschafter

zur Erforschung des Landes aus;
so war es ihm nämlich befohlen worden.
Nachdem diese hinaufgezogen und das Land besichtigt hatten,
kehrten sie zu ihm zurück.
Sie brachten Früchte von den Erzeugnissen des Landes mit,
verwirrten aber das Herz des Volkes, indem sie sprachen:
Ihr könnt das Land nicht in Besitz nehmen;
denn es ist von seinen Machthabern mit Eisenriegeln verschlossen.

2
Zwei von den zwölf Männern aber sprachen nicht so, sondern sagten:

Wenn hartes Eisen Gestirne überwinden
oder wenn Waffen Blitze besiegen,
oder wenn Donnerschläge von Vögeln verhindert werden können,
dann können auch jene dem Herrn Widerstand leisten.
Die hatten nämlich beim Hinaufziehen gesehen,
wie Blitze aus den Gestirnen aufleuchteten,
und wie Donnerschläge ihnen gleichzeitig folgten.

5
Dies sind ihre Namen:

Caleb, des Jephone Sohn und Enkel Beris, des Sohnes Batuels
und Enkels Galiphas,
des Sohnes Zenens und Enkels Selimuns,
des Sohnes Helons und Enkels Judas.
Der Zweite war Jesus, Naues Sohn und Enkel Eliphats,
der Sohn Gals und Enkels Nepheliens, des Sohnes Emons
und Enkels Sauls,
des Sohnes Dabras und Enkels Ephraims, des Josephsohnes.

4
Aber das Volk hörte nicht auf dieser beiden Stimme;

vielmehr ward es sehr bestürzt und sprach:
Sind das die Worte, die Gott zu uns sprach:
„Ich führe euch in ein Land, das von Milch und Honig fließt?“
Will er uns jetzt zum Hinaufziehen veranlassen,
damit wir dem Schwert verfallen
und unsere Weiber in Gefangenschaft geraten?

5
Nach diesen Worten erschien plötzlich Gottes Herrlichkeit,

und er sprach zu Moses:
Verharrt das Volk dabei, mich nicht anzuhören?

[765]

Der Plan, der von mir ausging, wird ja doch nicht vereitelt.
Ich aber sende den Engel meines Zornes gegen sie,
daß er ihre Leiber in der Wüste mit Feuer vernichte.
Und ich verbiete meinen Engeln, die sie behüten,
für sie zu beten;
denn ich schließe ihre Seelen in die Kammern der Finsternis ein
und sage meinen Dienern, ihren Vätern:
„Das ist die Nachkommenschaft, von der ich sagte:
Eure Nachkommenschaft kommt in ein Land, das ihr nicht gehört;
denn ich richte das Volk, dem es dienen wird.“
Und ich erfüllte meine Worte, ließ ihre Feinde hinschwinden
und unterwarf Engel ihren Füßen;
ich machte eine Wolke zur Bedeckung ihres Hauptes
und befahl dem Meer,
und vor ihrem Angesicht wurden Abgründe zerrissen,
und Wassermauern erhoben sich.

6
Nichts Derartiges ist geschehen seit dem Tag, wo ich sprach:

„Es sollen sich unter dem Himmel die Gewässer an einem Ort sammeln“
bis zu dem Tag, wo ich sie herausführte.
Ich tötete ihre Feinde und führte jene vor mir her bis zum Berg Sina.
Dann neigte ich die Himmel
und stieg herab, meinem Volk eine Leuchte anzuzünden
und allen Geschöpfen Schranken zu setzen.
Ich lehrte sie, wie sie mir Heiligtümer fertigen sollten,
daß ich darin wohnen könnte;
sie selbst aber verließen mich
und schenkten meinen Worten keinen Glauben,
und so schwand ihr Verstand dahin.
Und jetzt kommen Tage;
da werde ich ihnen tun, wie sie es wünschten.
Ich werde ihre Leiber in die Wüste hin werfen.

7
Da sprach Moses:

Habe ich vielleicht,
bevor du Samen zur Bildung eines Menschen auf Erden nahmest,
seine Wege bestimmt?
Deshalb möge uns jetzt deine Barmherzigkeit bis zum Ende ertragen
und für lange Zeit deine Güte!


16. Kapitel: Kore
1
In jener Zeit gab er ihm Vorschriften über die Säume.

Da erhob sich Kore mit zweihundert Mann, und sie sprachen:
Was für ein unerträgliches Gesetz wird uns auferlegt?

2
Da zürnte Gott und sprach:

Ich gab der Erde Befehl,
und sie gab mir den Menschen.
Ihm wurden zuerst zwei Söhne geboren.

[766]

Da stand der ältere auf
und tötete den jüngern,
und die Erde verschluckte schleunigst sein Blut.
Ich aber vertrieb Kain,
verfluchte die Erde und sprach zu Sion:
Du sollst nicht wieder Blut trinken.
Und jetzt sind der Menschen Gedanken schwer verderbt.

3
Nun befehle ich der Erde,

und diese soll Leib und Seele gleicherweise verschlucken.
Ihre Wohnung ist dann in der Finsternis und im Verderben;
sie werden nicht sterben, sondern dahinsiechen,
bis ich der Welt wieder gedenke und die Erde erneuere.
Dann werden sie sterben und nicht mehr weiter leben;
ihr Leben wird ihnen aus allen andern Menschen heraus
entrissen werden.
Die Hölle wird sie nicht mehr ausspeien;
die Verderbnis wird sich ihrer nicht mehr erinnern,
und ihr Ausgang gleicht dem jener Völker, von denen ich sagte:
„Ich will mich ihrer nicht mehr erinnern“,
d. i. des Lagers der Ägypter und des Volkes,
das ich durch die Sintflut vernichtete.
Und die Erde wird sie verschlingen;
ich aber will nichts weiter mehr mit ihnen zu tun haben.

4
Während Moses all diese Worte dem Volke vortrug,

blieben Kore und seine Leute immer noch ungläubig.
Auch ließ Kore seine sieben Söhne herbeiholen,
die nicht mit ihm bei der Beratung gewesen waren.

5
Aber sie ließen ihm sagen:

Wie ein Maler kein kunstvolles Bild vorweisen kann,
wenn er nicht zuvor unterrichtet ward,
so werden auch wir, die wir des Allmächtigen Gesetz empfingen,
das uns seine Wege lehrt,
diese nur betreten, um auf ihnen weiter zu wandeln.
Nicht der Vater hat uns gezeugt,
sondern der Allmächtige hat uns gebildet.
Wandeln wir jetzt auf seinen Wegen,
dann werden wir seine Kinder sein.
Willst du aber ungläubig bleiben,
dann wandle deinen Weg!
Und sie gingen nicht zu ihm hinauf.

6
Darnach öffnete sich vor ihnen die Erde.

Da sandten seine Söhne zu ihm und ließen sagen:
Wenn dein unsinniges Verhalten noch fortdauert,
wer kann dir dann am Tag deines Unterganges helfen?
Er aber hörte nicht auf sie.
Da öffnete die Erde ihren Mund
und verschlang sie samt ihren Familien.
Viermal wurde die Grundlage der Erde erschüttert,

[767]

um Menschen zu verschlingen, wie ihr geboten ward.
Hernach stöhnte Kore und seine Rotte,
bis das Erdgewölbe wiederhergestellt sein würde.

7
Die Volksgemeinden aber sprachen zu Moses:

Wir können nicht an diesem Platze bleiben,
wo Kore mit seinen Männern verschlungen wurde.
Und jener sprach zu ihnen:
Nehmet eure Zelte aus ihrem Umkreis weg,
damit ihr nicht an ihren Sünden teilnehmet!
Und sie taten so.


17. Kapitel: Aarons Stab
1
Damals ward das Priestergeschlecht durch die Auserwählung eines Stammes bestimmt.

Es ward nämlich zu Moses gesagt:
Nimm für die zwölf Stämme ebensoviele Stäbe
und leg sie ins Zelt!
Dann blüht der Stab dessen,
zu dem meine Herrlichkeit sprechen wird,
und ich mache dem Murren meines Volkes ein Ende.

2
Moses tat so und legte zwölf Stäbe nieder;

da schlug Aarons Stab aus, trieb Blüten
und brachte Mandelsamen hervor.

3
Dies glich dem, was Israel tat,

solange er in Mesopotamien bei dem Syrer Laban war.
Als er Mandelstäbe nahm
und sie in die Tränkrinnen legte,
kamen die Tiere zum Trinken;
da wurden sie durch die entrindeten Stäbe geteilt
und warfen weiße, gesprenkelte und mehrfarbige Jungen.

4
Deshalb glich die Volksgemeinde einer Schafherde,

und wie die Tiere den Mandelstäben entsprechend warfen,
so wurde auch das Priestertum durch Mandelstäbe bestimmt.


18. Kapitel: Balaam
1
Zu jener Zeit schlug Moses die Amoriterkönige Seon und Og

und gab ihr ganzes Land seinem Volk zum Erbbesitz,
und es ließ sich darin nieder.

2
Balak aber war König von Moab, das ihm gegenüber wohnte.

Weil er sich recht fürchtete,
schickte er zu dem Traumdeuter Balaam, Beors Sohn,
der in Mesopotamien wohnte,
und ließ ihm sagen:
Ich weiß noch,
wie unter meines Vaters Epher Regierung
du die Amoriter, die ihn angriffen, verfluchtest,
und wie sie ihm ausgeliefert wurden.

[768]

Nun komm und verfluch dieses Volk,
weil es zahlreicher ist als wir!
Dann will ich dir überaus große Ehren geben.

3
Da sprach Balaam:

Fürwahr, dies dünkt Balak gut;
aber er weiß nicht,
daß Gottes Plan nicht so wie des Menschen Plan ist.
Er weiß auch nicht,
daß der uns verliehene Geist nur für eine Zeit uns gegeben ist;
unsere Wege aber sind nicht recht,
wenn es Gott nicht will.
So wartet nun hier!
Ich will sehen, was der Herr in dieser Nacht mir sagt.

4
Da fragte ihn Gott bei Nacht:

Wer sind die Männer, die zu dir kamen?
Da sprach Balaam:
Wozu versuchst du, Herr, das Menschengeschlecht?
Diese können ja nicht standhalten,
weil du mehr als sie weißt,
all das, was in der Welt geschieht, bevor du sie nur gründetest.
Nun erleuchte deinen Diener,
ob es recht ist, daß er mit ihnen ziehe!

5
Da sprach er zu ihm:

Habe ich nicht zu Abraham in einem Gesicht von diesem Volk gesagt:
„Dein Samen wird sein wie die Sterne des Himmels,“
als ich ihn über das Firmament erhob
und ihm alle Ordnungen der Gestirne zeigte.
Er brachte ihn auch herbei, ihn auf dem Altar zurechtzumachen;
doch gab ich ihn seinem Vater zurück.
Weil er nicht widersprochen hatte,
so ward seine Opfergabe in meinem Angesicht wohlgefällig,
und ich erwählte jene um seines Blutes willen.
Dann erklärte ich den Engeln genau das Werk.
Sagte ich nicht von ihm:
Abraham werde ich alles, was ich tue, offenbaren?

6
Als Jakob im Staub

mit dem über den Lobgesängen stehenden Engel kämpfte,
entließ er ihn nicht eher, als bis er ihn segnete.
Und da denkst du daran, mit jenen fortzuziehen,
um die von mir Erwählten zu verfluchen?
Wenn du sie verfluchst,
wo ist dann der, der dich segnet?

7
Da erhob sich Balaam in der Frühe und sprach:

Zieht eures Weges!
Denn Gott will nicht, daß ich mit euch komme.
Da zogen sie fort
und berichteten Balak, was ihnen von Balaam aufgetragen war.

[769]

Da sandte Balak andere Männer zu Balaam und ließ sagen:
Ich weiß, daß Gott den Menschen gnädig gesinnt wird,
wenn du Gott Brandopfer darbringst.
Nun bitte nochmals deinen Herrn
und frage ihn, wieviel Brandopfer er haben möchte!
Würde er vielleicht für meine Not gnädig gestimmt,
so sollst du deinen Lohn erhalten,
und auch Gott würde seine Opfergaben bekommen.

8
Da sprach Balaam zu ihnen:

Fürwahr, Ephers Sohn ist töricht.
Er weiß nicht, daß er im Totenkreis wohnt.
Wartet nun diese Nacht noch!
Ich will sehen, was mir Gott sagt.
Da sprach Gott zu ihm:
Geh mit ihnen!
Deine Reise nämlich wird zum Anstoß gereichen
und Balak selber ins Verderben geraten.
Da erhob er sich in der Frühe und reiste mit ihnen.

9
Auf der Reise kam seine Eselin in die Wüste,

und sie sah einen Engel,
und dieser öffnete Balaam die Augen,
so daß er den Engel schaute.
Da verehrte er ihn und warf sich zu Boden.
Da sprach der Engel:
Geh eilends hin!
Denn was du sagst, wird ihm zuteil werden.

10
So kam er ins Land Moab;

da erbaute er einen Altar und brachte Opfer dar.
Als er aber einen Teil des Volkes sah,
blieb Gottes Geist nicht mehr in ihm.
Er trug nun seinen Spruch vor und sprach:
Komm! Stürze dich in das Feuer dieser Menschen!
Nun kann ich Feuer, das vom Wasser ausgelöscht wird, nicht aushalten.
Wer könnte denn vollends Feuer ertragen,
das Wasser verschluckt?
Dann sprach er zu ihm:
Es ist leichter,
zu jeglicher Höhe Grundfesten emporzuheben,
das Sonnenlicht auszulöschen
und das Mondlicht zu verfinstern,
als des Allmächtigen Pflanzung zu entwurzeln
oder seinen Weinberg zu vernichten.
Balak selbst aber wußte es nicht;
denn sein Sinn war aufgebläht,
damit sein Verderben herbeieile,

11
Ich sehe ja das Erbteil, das mir der Allmächtige bei Nacht zeigte;

es kommen noch Tage,
wo sich Moab wundern wird über das, was ihm zustößt,

[770]

weil Balak mit Geschenken den Allmächtigen überreden
und mit Geld einen Beschluss abkaufen wollte.
Mußtest du nicht danach fragen,
was er gegen Pharao und dessen Land gesandt hat,
weil er sie in Sklaverei bringen wollte?
Ja, es ist ein Weinstock,
der vielbegehrten Schatten spendet,
und der begehrt wird, weil er nicht welkt.
Sollte aber jemand denken,
der Allmächtige habe vergeblich gewirkt
oder habe sie unnötig auserwählt –
fürwahr, ich sehe jetzt das Heil der Rettung zu ihnen kommen.
Ich muß mit meiner Stimme Laut zurückhalten
und kann nicht sagen, was ich mit meinen Augen sehe;
denn mir ist nur wenig zurückgeblieben
vom heiligen Geiste, der in mir wohnte.
Denn ich weiß, daß ich meine Lebenstage verloren habe,
weil ich mich von Balak überreden ließ.

12
Ich sehe jetzt dieses Volkes unveräußerliche Wohnstätte;

sein Licht glänzt mehr als der Glanz der Blitze,
und sein Lauf ist leichter als der von Pfeilen.
Es kommt die Zeit, wo Moab seufzt,
und wo die Diener des Kamosch geschwächt werden,
eben solche, die das gegen sie planten.
Ich aber knirsche dann mit den Zähnen, weil ich verführt ward
und dem zuwiderhandelte,
was mir nachts gesagt wurde.
Meine Weissagung aber bleibt offenkundig,
und meine Worte leben weiter.
Weise und Verständige werden sich meiner Worte erinnern;
denn ich ging ins Verderben,
als ich fluchte,
und ward doch nicht gesegnet,
obschon ich segnete.
Nach diesen Worten schwieg er.
Da sprach Balak:
Dein Gott brachte dich um meine vielen Geschenke.

13
Da sprach zu ihm Balaam:

Komm! Wir wollen überlegen, was du ihnen tun kannst.
Suche die herrlichsten Weiber bei euch und in Midian aus
und stelle sie nackt und mit Gold und Edelsteinen geschmückt vor sie hin!
Wenn sie diese sehen, dann pflegen sie Umgang mit ihnen,
und so sündigen sie gegen ihren Herrn und fallen in eure Hände.
Auf andere Weise kannst du sie nicht bezwingen.

14
Nach diesen Worten wandte sich Balaam ab

und kehrte an seinen Ort zurück.
Hernach ward das Volk durch Moabs Töchter verführt;
es tat nämlich Balak alles, was ihm Balaam angeraten hatte.


[771]
19. Kapitel: Mosis Abschied und Tod
1
Zu jener Zeit schlug Moses die Völker,

verteilte ihre Beute dem Volk
und begann, ihnen die Gesetzesworte zu erklären,
die Gott ihnen am Horeb verkündete.

2
Er sprach zu ihnen:

Ich lege mich jetzt zu meinen Vätern schlafen
und gehe zu meinem Volk.
Ich weiß aber, daß ihr meine Anordnungen verlassen werdet
und daß dann Gott euch zürnt,
euch und euer Land verläßt
und über euch eure Hasser bringt,
und daß diese euch beherrschen,
jedoch nicht bis zum Ende,
weil er seines mit euren Vätern geschlossenen Bundes eingedenk sein wird.

3
Dann werdet ihr mit euren Kindern

und allen euren andern Nachkommen aufstehen
und euch nach meinem Todestag erkundigen und bei euch denken:
Wer gibt uns einen Hirten wie Moses,
den Söhnen Israels einen solchen Richter,
der zu jeder Zeit für unsere Sünden betet
und für unsere Missetaten erhört wird?

4
Ich aber bezeuge euch heute vor Himmel und Erde, –

denn der Himmel wird dies vernehmen
und die Erde mit ihren Ohren hören, –
daß Gott das Ende der Welt offenbart,
damit er mit euch über seine hohen Plätze übereinkomme
und bei euch ein ewiges Licht anzünde.
Erinnert euch, ihr Frevler,
wie ich mit euch redete und ihr zur Antwort gabet:
„Alles, was Gott zu uns geredet, wollen wir hören und tun;
begehen wir aber eine Übertretung
oder verderben wir unsere Wege,
dann sollst du einen Zeugen wider uns aufrufen,
daß er uns vernichte!“

5
Wisset ihr noch, daß ihr vierzig Jahre Engelsbrot gegessen habt?

Nun aber segne ich eure Stämme, bevor mein Ende kommt.
Ihr aber, denkt an meine Mühe, die ich mit euch hatte,
seit ihr aus Ägypten heraufgezogen seid!

6
Nach diesen Worten sprach Gott zu ihm noch ein drittes Mal:

Du gehst jetzt bei deinen Vätern schlafen;
dann aber steht dies Volk auf und sucht mich;
es vergißt nämlich mein Gesetz, worin ich es erleuchtete,
und so vergesse ich sie auch eine Zeitlang.

7
Dir aber will ich das Land zeigen, bevor du stirbst;

aber in dieser Welt ziehst du nicht dort ein,

[772]

damit du nicht die Schnitzbilder sehen mußt,
womit man dieses Volk zu täuschen und zu betrügen beginnt.
Ich zeige dir die Stätte,
worin es mir 8(7) 40 Jahre dienen wird.
Hernach wird es in die Hände seiner Feinde ausgeliefert,
und diese werden es vernichten und Fremde es einschließen.
An jenem Tag ist es dann, wie damals,
wo ich die Bundestafeln zerbrach,
die ich dir am Horeb fertigte.
Als jene sündigten, flog von ihnen das Geschriebene weg.
Es war des vierten Monats siebzehnter Tag.

8
Moses stieg nun auf den Berg Horeb, wie ihm Gott befohlen,

und betete also:
Ich habe meine Lebenszeit erfüllt
und hundertzwanzig Jahre erreicht.
Nun bitte ich dich:
Dein Erbarmen mit deinem Volk
und dein Mitleid mit deinem Erbteil möge, Herr, fortdauern
und deine Langmut an deinem Orte
dem auserwählten Geschlecht gegenüber,
weil du es vor allen geliebt hast!

9
Du weißt, daß ich ein Schafhirte war,

und als ich die Herde in der Wüste weidete,
führte ich sie bis zu deinem Berge Horeb.
Da sah ich zum ersten Mal deinen feurigen Engel im Dornbusch;
du aber ließest mir aus dem Dornbusch zurufen.
Da fürchtete ich mich und neigte mein Angesicht.
Hierauf sandtest du mich zu ihnen
und befreitest sie aus Ägypten;
ihre Feinde aber versenktest du im Wasser;
jenen aber gabst du ein Gesetz und Satzungen, wonach sie leben sollten.
Wer ist aber der Mensch,
der sich nicht wider dich versündigt?
Wie kann dein Erbteil feststehen,
wenn du dich nicht ihrer erbarmst?
Oder wer wird jetzt ohne Sünde geboren?
Du sollst sie schon zur rechten Zeit züchtigen, aber nicht im Zorn.

10
Da zeigte ihm der Herr das Land mit allem darin und sprach:

Das ist das Land, das ich meinem Volke geben werde.
Er zeigte ihm auch den Ort,
wo die Wolken das Wasser zur Bewässerung der ganzen Erde aufnehmen,
den Ort, wo der Fluß sein Wasser erhält, das Land Ägypten
und am Firmament die Stelle,
von wo das heilige Land allein zu trinken bekommt.
Dann zeigte er ihm den Ort,
von wo das Manna auf sein Volk herabregnete,
bis zu Pfaden des Paradieses.

[773]

Er zeigte ihm auch die Maße des Heiligtums, die Zahl der Opfer
und die Zeichen, wodurch man den Himmel zu betrachten beginnt,
und er sprach:
Das sind die Dinge, die dem Menschengeschlecht
wegen seiner Sünden verwehrt sind.

11
Nun wird dein Stab, wodurch die Zeichen geschahen,

zum Zeugnis zwischen mir und meinem Volke dienen.
Sündigen sie, dann zürne ich ihnen;
aber ich denke dann an deinen Stab
und verschone sie nach deiner Barmherzigkeit.
So dient dein Stab meinem Angesicht alle Tage zur Erinnerung
und ist dem Bogen gleich, womit ich den Bund mit Noe schloß,
als er die Arche verließ, indem ich sagte:
Ich setze meinen Bogen in die Wolke,
und er wird mir zum Zeichen zwischen mir und den Menschen dienen,
auf daß nicht wieder eine Sintflut über die ganze Erde komme.

12
Dich aber nehme ich von hier weg

und lasse dich bei deinen Vätern schlafen;
ich verleihe dir Ruhe in deinem Todesschlaf
und bestatte dich im Frieden.
Alle Engel werden dich beklagen
und die Himmelsscharen mittrauern.
Niemand, weder Engel noch Mensch,
wird um dein Grab wissen,
worin du begraben wirst;
du sollst aber darin ruhen, bis ich die Welt heimsuche.
Dann erwecke ich dich und deine Väter aus der Erde,
worin ihr schlafet.
Alsdann kommet ihr zugleich
und bewohnet eine unvergängliche Wohnung,
die nicht der Zeit unterworfen ist.

13
Dieser Himmel aber wird vor mir wie ein fließender Nebel sein

und wie der gestrige Tag, wenn er vorüber ist.
Wenn ich komme, den Erdkreis heimzusuchen,
dann befehle ich den Jahren und gebiete den Zeiten,
und sie werden abgekürzt werden.
Die Gestirne beeilen sich,
das Sonnenlicht eilt dem Untergang zu,
und das Mondlicht scheint nicht weiter mehr,
weil ich euch aus dem Schlafe schnell erwecken werde,
damit alle, die leben können, an der Heiligkeit Ort wohnen,
den ich dir zeigte.

14
Moses sprach:

Dürfte ich jetzt von dir, Herr,
nach der Menge deiner Barmherzigkeit etwas erflehen,
so zürne mir nicht, sondern zeige mir,
wieviel Zeit schon vorüberging
und wieviel noch übrig ist!

[774]
15
Da sprach er zu ihm:

Ein Augenblick,
eine Handvoll,
ein flüchtiger Blick
und ein Tropfen aus einem Becher.
Und die Zeit hat alles ausgefüllt.
Denn viereinhalb sind schon vorüber, zweieinhalb noch übrig.

16
Als Moses dies vernahm,

ward er mit Einsicht erfüllt
und sein Antlitz veränderte sich in Herrlichkeit.
So starb er in Herrlichkeit nach des Herrn Mund
und er bestattete ihn, wie er es ihm versprochen hatte.
Und die Engel trauerten über seinen Tod
und Blitze, Flammen und Pfeile gingen ihm allzumal voraus.
An jenem Tage gab es keinen Lobgesang der Scharen
wegen Mosis Hingang.
Es gab auch keinen ähnlichen Tag mehr,
seitdem Gott den Menschen auf Erden machte,
noch gibt es einen solchen in Ewigkeit mehr,
daß um Menschen willen der Lobgesang der Engel zurückstehen mußte;
denn er liebte ihn sehr und bestattete ihn eigenhändig auf einem hohen Ort
und im Licht der ganzen Welt.


20. Kapitel: Josue
1
In jener Zeit schloß Gott einen Bund mit Naues Sohn Josue,

der von den Kundschaftern übrigblieb;
denn die Bestimmung war gegen sie ergangen,
daß sie das Land nicht sehen sollten,
weil sie davon übel geredet hatten.
Deshalb starb auch jenes Geschlecht.

2
Da sprach Gott zu Josue, Naues Sohn:

Was trauerst du und warum hegst du vergebliche Hoffnung,
insofern du denkst, Moses lebe noch?
Darum wartest du vergeblich; denn Moses ist gestorben.
Nimm seiner Weisheit Gewänder und bekleide dich damit
und gürte deine Lenden mit seines Wissens Gürtel!
Dann wirst du umgewandelt und ein anderer Mann werden.
Sprach ich nicht zu deinen Gunsten mit meinem Diener Moses also:
„Dieser wird nach dir mein Volk führen,
und in seine Hand gebe ich dann die Könige der Amoriter“?

3
Da nahm Josue die Gewänder der Weisheit

und bekleidete sich damit;
dann gürtete er mit dem Gürtel der Einsicht seine Lenden.
Und als er sich damit bekleidete, ward sein Geist entzündet
und sein Sinn bewegt,
und er sprach zum Volk:

[775]

Das erste Geschlecht ist jetzt in der Wüste gestorben,
weil es seinem Gott ungehorsam war.
Ihr Führer alle, wisset nun, daß eure Pfade recht sind,
wenn ihr in eures Gottes Wegen wandelt!

4
Schenkt ihr aber seiner Stimme kein Gehör,

werdet ihr vielmehr euren Vätern ähnlich,
dann werden eure Werke verderbt
und ihr selbst vernichtet werden,
und euer Name verschwindet vom Erdboden.
Wo bleiben dann die Worte, die Gott zu euren Vätern sprach?
Wenn auch die Heidenvölker vielleicht so sagen:
„Gott hat versagt, weil er sein Volk nicht befreite,“
so müssen sie doch anerkennen,
daß er sich andere Völker auserwählte,
für die er große Wunder wirkte
und so kommen sie zur Einsicht,
daß der Allmächtige keinerlei Rücksicht nimmt.
Weil aber ihr durch Überhebung sündigtet,
so nahm er deshalb seine Kraft von euch
und ließ euch Sklaven werden.
Nun erhebt euch und nehmt euren Willen zusammen,
daß ihr in eures Herrn Wegen wandelt!
Dann wird er euch führen.

5
Da sagten zu ihm die Scharen:

Wir wissen heute noch gut,
was in Mosis Tagen Eldad und Medad weissagten:
„Nach Mosis Hingang
wird des Moses Führerschaft dem Nauesohn Josue übertragen werden.
Und Moses wurde nicht eifersüchtig,
sondern freute sich, als er sie hörte.
Von da an glaubten alle Scharen,
daß du ihre Führung übernähmest
und ihnen das Land in Frieden verteilen würdest.
Gäbe es nun auch einen Streit,
so sei doch mutig und stark;
denn du allein bist in Israel der Führer!

6
Als dies Josue hörte,

dachte er daran, nach Jericho Kundschafter zu senden.
Und er berief Kenez und seinen Brüder Seenamias, zwei Söhne Kalebs,
und sprach zu ihnen:
Ich und euer Vater wurden durch Moses in der Wüste fortgeschickt,
und so zogen wir mit den andern zehn Männern herauf.
Jene aber redeten bei ihrer Rückkehr übel vom Land
und machten des Volkes Herz schlaff.
Da wurden sie selbst vernichtet
und der Mut des Volkes mit ihnen.
Ich aber und euer Vater haben allein des Herrn Wort erfüllt.
Nun sehet! Wir leben noch heute.

[776]

Nun sende ich euch, Jerichos Gebiet in Augenschein zu nehmen.
Ahmt eurem Vater nach, damit auch ihr am Leben bleibet!

7
Da zogen sie hinauf,

eroberten die Stadt und verbrannten sie.

8
Nach Mosis Tod fiel kein Manna mehr auf die Israeliten herab;

da begannen sie, von des Landes Früchten zu essen.
Das sind die drei Dinge, die Gott seinem Volke wegen dreier Menschen gab:
Den Brunnen des Wassers von Mara für Maria,
die Wolkensäule für Aaron und das Manna für Moses.
Als diese drei nicht mehr waren, wurden diese drei Gaben jenen entzogen.

9
Das Volk aber und Jesus kämpften gegen die Amoriter.

Im Verlauf des Kampfes wider ihre Feinde wurden in Josues Tagen
insgesamt 39 Könige, die im Lande wohnten, vernichtet.
Das Land verloste Josue dem Volk, jedem Stamm nach den Losen,
wie ihm befohlen ward,

10
Da kam Kaleb zu ihm und sprach:

Du weißt, daß wir beide durchs Los von Moses abgesandt wurden,
mit den Kundschaftern zu ziehen,
und daß wir des Herrn Wort erfüllten;
wir leben noch.
Ist es dir nun genehm,
dann soll meinem Sohn Kenez
als Los das Gebiet der drei Türme gegeben werden.
Und Josue willfahrte ihm und tat so.


21. Kapitel: Josues Gebet
1
Als Josue alt und hochbetagt geworden war,

sprach Gott zu ihm:
Du bist nun alt und hochbetagt,
das Land aber ist sehr umfangreich,
und niemand ist da, der es verteilen könnte.
Nach deinem Hingang aber mischt sich dieses Volk mit des Landes Einwohnern
und wird durch fremde Götter verführt werden.
Dann aber verlasse ich sie,
wie ich es in meiner Rede an Moses feierlich erklärt habe.
Erkläre aber auch du es ihnen feierlich, bevor du stirbst!

2
Da sprach Josue:

Du weißt besser als alle, Herr,
was des Meeres Herz bewegt,
bevor es zornig wird;
du hast die Sternbilder erforscht,
die Gestirne gezählt und den Regen bestellt.
Du kennst den Geist aller Geschlechter,
bevor sie geboren werden.
Nun schenk, Herr, deinem Volk
ein weises Herz und einen klugen Sinn!
Wenn du dann deinem Erbteil jene Anordnungen gibst,

[777]

so werden sie nicht mehr vor dir sündigen,
und du wirst ihnen nicht mehr zürnen.

3
Sind das nicht die Worte, die ich vor dir, Herr, sprach,

als Achar von dem Banngut stahl
und das Volk dir ausgeliefert ward?
Da bat ich dich und sprach vor dir:
Wäre es, Herr, nicht für uns besser,
wenn auch wir im Roten Meer gestorben wären,
worin du unsere Feinde versenktest?
Oder lieber in der Wüste, wie unsere Väter,
als daß wir in der Amoriter Hände fallen,
um für immer vertilgt zu werden?

4
Gilt noch für uns das Wort:

„Nichts Schlimmes wird euch zuteil?“
Wenn unser Ende in den Tod ausläuft,
dann lebst du doch weiter,
der du vor der Welt und nach der Welt bist.
Während kein Mensch aussinnen kann,
wie man ein Geschlecht vor das andere zu stellen vermag,
sagt er: „Gott vernichtet das Volk, das er sich erwählte“.
Wenn wir in der Unterwelt sein werden,
wirst du da durch dein Wort uns lebendig machen?
Nun laß deiner Erbarmungen Fülle mit deinem Volk Geduld haben,
und erwähle für dein Erbteil einen Mann,
der über dein Volk herrschen kann, er und sein Geschlecht!

5
Sagte nicht im Hinblick auf ihn unser Vater Jakob:

„Nicht soll es an einem Fürsten für Juda fehlen,
noch an einem Führer aus seinen Lenden“?
Nun bestätige die vorhin gesprochenen Worte,
daß der Erde Völker lernen, du seiest ewig!

6
Er fügte noch hinzu:

Herr! Tage kommen, wo Israels Haus einer brütenden Taube gleicht,
die ihre Jungen ins Nest legt
und sie nicht verlässt, noch ihren Platz vergisst.
So werden sich auch diese von ihren Taten wenden
und das Heil, das ihnen geboren wird, erkämpfen.

7
Josue stieg nun nach Galgala hinab

und baute aus gewaltigen Steinen einen Altar;
er brachte kein Eisen daran,
wie Moses befohlen hatte.
Dann stellte er große Steine auf den Berg Gebal,
strich sie weiß an
und schrieb darauf sehr deutlich die Gesetzesworte.
Dann versammelte er das ganze Volk
und las ihm alle Gesetzesworte vor.

8
Dann stieg er mit ihm herab

und brachte auf dem Altar Mahlopfer dar.
Sie sangen viele Loblieder;

[778]

dann nahmen sie des Herrn Bundeslade aus dem Zelt
und Pauken, Reigen, Harfen, Zithern und Psaltern
und sonstige wohltönende Instrumente.

9
Und die Priester zogen mit den Leviten vor der Lade hinauf

und frohlockten in Psalmen.
Dann stellten sie die Lade vor den Altar
und brachten darauf sehr viele Mahlopfer dar,
und das ganze Haus Israel sang einhellig mit lauter Stimme:
„Es hat der Herr erfüllt, was er zu unsern Vätern sprach:
Ich gebe eurem Stamm ein Land,
das da von Milch und Honig fließt.“
Er führte uns in unsrer Feinde Land
und machte diese völlig mutlos
und gab sie so in unsere Hand.
Er ist ja selbst der Gott,
der unsern Vätern in geheimen Seelenort gesagt:
„Es tat Gott alles, was er uns verheißen hat.“
Jetzt wissen wir, daß Gott all die Gesetzesworte bestätigte,
die er zu uns am Horeb sprach.
Wenn seine Wege unser Herz bewahrt,
dann geht’s uns gut,
desgleichen unsern Söhnen, die da nach uns kommen.

10
Dann segnete sie Josue und sprach:

Der Herr gebe euch ein Herz, das allezeit in ihm verbleibt,
und wenn ihr nicht von seinem Namen lasset,
dann bleibt des Herrn Bund mit euch bestehen.
Er wird nicht vernichtet werden;
vielmehr wird dann Gottes Wohnung bei euch aufgebaut,
wie er gesagt,
als er euch in sein Erbteil mit Freude und Frohlocken sandte.


22. Kapitel: Der unrechte Altar; Silos Heiligtum
1
Hernach vernahm Josue mit ganz Israel,

daß die Söhne Rubens und Gads sowie der halbe Stamm Manasse,
die in der Nähe des Jordans wohnten,
sich einen Altar erbaut, Opfer darauf darbrächten
und beim Altar Priester angestellt hätten.
Da wurden alle Scharen sehr bestürzt.
Darauf kamen jene zu ihnen nach Silo.

2
Da sprachen Jesus und alle Ältesten zu ihnen:

Was für Dinge geschahen bei euch,
während wir uns noch nicht in unserm Land häuslich eingerichtet haben?
Sind das nicht die Worte,
die Moses zu euch in der Wüste sprach:
„Sehet zu, daß ihr nicht beim Einzug in euer Land eure Taten verderbet
und das ganze Volk verderbt macht?“
Warum haben denn unsere Feinde Überfluß,
wenn nicht deshalb,

[779]

weil ihr eure Wege verderbet und jegliche Verwirrung anrichtet?
Deshalb versammeln sie sich gegen uns
und überwältigen uns.

3
Da sprachen die Söhne Rubens, Gads und Halbmanasses

zu Josue und dem gesamten Volke Israel:
Fürwahr, jetzt hat Gott die menschliche Leibesfrucht vermehrt
und ein Licht aufgestellt, daß man das, was im Finstern ist, sieht;
denn er kennt das, was in des Abgrunds Dunkelheiten ist,
und bei ihm bleibt das Licht.
Nun weiß der Herr, unser Väter Gott,
daß keiner von uns, noch wir selber jenes in böser Absicht taten,
vielmehr nur für unsere Nachkommen,
damit sich nicht ihr Herz vom Herrn, unserm Gott trenne,
und daß sie nicht zu uns sagen:
Nun haben unsere Brüder jenseits des Jordans einen Altar,
worauf sie Gaben darbringen;
wir dagegen haben an diesem Ort keinen Altar.
So wollen wir vom Herrn, unserm Gott, weggehen;
denn unser Gott hat sich von unsern Wegen so weit entfernt,
daß wir ihm nicht mehr dienen können.

4
Und da sagten wir nun unter uns:

Laßt uns einen Altar bauen,
damit sie fernerhin Lust haben, den Herrn aufzusuchen!
Wahrhaftig! Hier stehen von uns einige da,
die gut wissen, daß wir eure Brüder sind;
wir stehen unschuldig vor euch da.
Tuet daher, was dem Herrn wohlgefällt!

5
Da sprach Jesus:

Ist nicht der Herr, unser König, wichtiger, als tausend Opfer?
Warum lehrtet ihr nicht eure Söhne des Herrn Worte,
die ihr von uns hörtet?
Befleißigten sich eure Söhne der Betrachtung des Gesetzes des Herrn,
so könnten ihre Sinne nicht durch einen handgemachten Altar verführt werden.
Oder wißt ihr nicht, daß des Volkes Sinn verführt wurde,
so daß es sich Götzenbilder machte,
als es in der Wüste kurze Zeit verwaist war,
weil Moses zum Empfang der Tafeln hinaufgestiegen war?
Und wäre nicht die Barmherzigkeit des Gottes eurer Väter unser Schützer gewesen,
dann wären alle Synagogen sagenhaft geworden
und offenkundig alle Sünden des Volkes wegen eurer Torheit.

6
Geht deshalb jetzt hin, stürzt die von euch erbauten Altäre um,

und lehrt eure Söhne das Gesetz!
Sie sollen es Tag und Nacht betrachten,
damit der Herr ihnen für alle Lebenszeit
zum Zeugnis und zum Richter diene!
Gott wird Zeuge und Richter zwischen mir und euch, meinem und eurem Herzen sein.
Tatet ihr es in Arglist, dann soll sie an euch gestraft werden,
weil ihr eure Brüder vernichten wollt.

[780]

Tatet ihr es aber in Unwissenheit, wie ihr sagtet,
so wird euch Gott wegen eurer Söhne barmherzig sein.
Da sprach das ganze Volk: Amen! Amen!

7
Dann opferte Jesus für sie

und für das ganze übrige Volk Israel tausend Widder zur Entschuldigung,
und sie beteten für sie.
Dann entließ er sie im Frieden.
Sie gingen hin, zerstörten das Heiligtum,
fasteten und weinten, sie und ihre Söhne;
dann beteten sie und sprachen:
Du unserer Väter Gott, Erforscher aller Menschenherzen!
Du weißt,
daß unsere Wege nicht in Schlechtigkeit vor dir betreten wurden,
und daß wir nicht von unseren Wegen abirrten,
daß wir vielmehr dir alle dienten;
denn wir sind deiner Hände Werk.
Nun denke doch an deinen Bund mit deiner Diener Söhnen!

8
Hernach stieg Jesus nach Galgala hinauf;

da nahm er das Zelt des Herrn, die Bundeslade und all ihre Geräte,
brachte sie nach Silo
und legte dort die Kundgebung und die Wahrheit (Urim und Tummim) nieder.
Damals belehrte der Priester Eleazar, der dem Altar diente,
alle, die aus dem Volk zur Befragung des Herrn kamen,
durch die Kundgebung;
denn dadurch wurde ihnen Belehrung zuteil.
Für den neuen Altar zu Galgala aber bestimmte Jesus
bis auf diesen Tag
die Brandopfer, die jährlich von den Israeliten dargebracht wurden.

9
Bis nämlich das Haus des Herrn in Jerusalem erbaut wurde,

und bis als auf dem neuen Altar geopfert werden konnte,
ward das Volk nicht daran gehindert, auf jenem zu opfern,
weil in Silo die Wahrheit und die Kundgebung alles offenbarte.
Und bis die Lade durch Salomo ins Heiligtum Gottes gestellt wurde,
opferten sie daselbst bis auf jenen Tag.
Eleazar, des Priesters Aaron Sohn,
diente damals zu Silo.


29. Kapitel: Josues letzte Rede
1
Josue, Naues Sohn, ordnete nun das Volk

und verteilte darunter das Land,
ein machtvoller Mann.
Als aber Israels Feinde im Land waren,
näherten sich des Josue Tage dem Tode.
Da sandte er hin
und ließ ganz Israel im ganzen Lande samt Weibern und Kinder zusammenrufen
und sprach zu ihnen:
Versammelt euch vor der Bundeslade des Herrn zu Silo!
Dann will ich euch vor meinem Tod noch ein Vermächtnis geben.

[781]
2
Da versammelten sich alle Scharen am 16. Tag des dritten Monats

vor dem Herrn in Silo, mit Weibern und Kindern,
und Josue sprach zu ihnen:
Hör, Israel!
Ich übergebe euch den Bund dieses Gesetzes,
das der Herr euren Vätern am Horeb gab.
Haltet deshalb diese Nacht hier aus
und vernehmet, was Gott zu mir über euch spricht!

3
Als nun die Scharen in jener Nacht warteten,

erschien der Herr dem Josue in einem Gesicht und sprach:
Gemäß diesen Worten will ich zu diesem Volk reden.

4
Da erhob sich Josue am frühen Morgen,

versammelte das ganze Volk und sprach zu ihm:
So spricht der Herr:
Es war ein Fels, woraus ich euren Vater hieb,
und jenes Felsen Einschneiden brachte zwei Männer,
Abraham und Nachor, hervor,
und aus jenes Ortes Splitter wurden zwei Weiber, Sara und Melcha, geboren.
Und sie wohnten jenseits des Stromes beisammen.
Abraham heiratete Sara und Nachor die Melcha.

5
Als nun die Einwohner des Landes verführt wurden,

jeder nach seiner Einbildung,
da glaubte mir Abraham
und ward nicht mit ihnen verführt.
Ich entriß ihn auch der Flamme, nahm ihn
und führte ihn ins ganze Land Kanaan;
da sagte ich zu ihm in einer Erscheinung:
Ich werde deinem Stamme dieses Land geben.
Er sprach zu mir:
Nun gabest du mir ein Weib;
aber dies ist unfruchtbar.
Wie kann ich vom verschlossenen Mutterschoß etwas erhalten?

6
Da sprach ich zu ihm:

Nimm für mich ein dreijähriges Kalb,
eine Turteltaube und eine andere Taube!
Da nahm er diese, wie ich ihn hieß.
Dann ließ ich über ihn einen Schlaf kommen, umgab ihn mit Schrecken
und zeigte vor ihm den Feuerort,
worin die Werke derer Sühne finden,
die Böses gegen mich verüben,
und Feuerfackeln, wodurch die Gerechten, die an mich glaubten, erleuchtet werden.

7
Ich sprach zu ihm:

Diese sollen zum Zeugnis zwischen mir und dir dienen,
daß ich dir aus dem verschlossenen Mutterschoß Nachkommen schenke!
Ich mache dich der Taube ähnlich,
weil du für mich die Stadt annahmest,
mit deren Bau deine Söhne vor meinem Antlitz beginnen werden.
Der Turteltaube ähnlich mache ich die Propheten, die aus dir entstammen.

[782]

Dem Widder ähnlich mache ich die Weisen,
die aus dir entstammen und deine Söhne erleuchten.
Dem Kalb ähnlich mache ich die Menge der Völker,
die durch dich vermehrt werden.
Der Ziege ähnlich mache ich die Weiber,
deren Mutterschutz ich zum Gebären öffne.
Diese dienen zum Zeugnis zwischen uns dafür,
daß ich meine Worte nicht brechen werde.

8
Und so schenkte ich ihm den Isaak;

ich bildete ihn im Mutterschoße
und befahl diesem,
ihn mir schnell im siebten Monat zurückzugeben;
deshalb bleibt das Kind eines jeden Weibes am Leben,
das im siebten Monat geboren hat,
weil ich über jenen meine Herrlichkeit ausrief
und ihm die neue Welt zeigte.

9
Dem Isaak schenkte ich Jakob und Esau;

dem Esau gab ich das Land Seïr zum Besitz;
Jakob aber und seine Söhne zogen nach Ägypten hinab.
Und die Ägypter bedrückten eure Väter, wie ihr wißt;
da gedachte ich eurer Väter
und sandte meinen Freund Moses
und befreite sie von dort
und schlug ihre Feinde nieder.

10
Ich brachte sie mit hocherhobener Hand heraus

und führte sie durchs Rote Meer;
ich legte eine Wolke unter ihre Füße
und führte sie durch die Tiefe zum Berg Sina;
da neigte ich die Himmel,
ließ die Feuerflamme gefrieren,
verstopfte die Quellen der Tiefe,
hemmte der Sterne Lauf,
bändigte die Donnerschläge,
unterdrückte des Windes Masse,
schalt die Menge der Wolken,
hielt ihre Bewegungen an
und hemmte den Sturm der Scharen,
daß ich meinen Bund nicht verderbte,
weil bei meinem Herabsteigen alles in Bewegung kam
und sich alles bei meiner Ankunft regte.
Ich ließ aber nicht zu,
daß mein Volk zerstreut würde;
vielmehr gab ich ihm mein Gesetz
und erleuchtete sie, daß sie lebten,
wenn sie es befolgten,
alt würden und nicht stürben.

11
Ich führte euch in dieses Land

und gab euch Weinberge;

[783]

ihr bewohnet Städte, die ihr nicht gebaut,
und so erfüllte ich meinen Bund,
den ich mit euren Vätern schloß.

12
Wenn ihr auf eure Väter höret,

dann schenke ich euch für immer meine Neigung
und beschirme euch;
eure Feinde greifen euch dann nicht mehr an,
und euer Land wird auf dem ganzen Erdkreis genannt,
und euer Stamm wird erlesen sein mitten unter den Völkern, die sprechen:
„Fürwahr! Ein getreues Volk!
Weil sie dem Herrn glaubten,
deshalb befreite sie der Herr und pflanzte sie ein.
Deshalb pflanze ich euch ein
wie einen vielbegehrten Weinberg;
ich leite euch wie eine liebe Herde
und gebiete dem Regen und dem Tau,
daß sie euch in euren Lebenstagen sättigen.

13
Am Ende aber fällt das Los eines jeglichen von euch

auf das ewige Leben,
für euch und euren Stamm;
ich nehme eure Seelen auf
und bewahre sie im Frieden,
bis die Zeit der Welt erfüllt ist;
dann gebe ich euch euren Vätern zurück
und eure Väter euch,
und sie selbst erfahren dann durch euch,
daß ich euch nicht vergeblich auserwählte.“
Das sind die Worte, die der Herr zu mir in dieser Nacht sprach.
Da antworteten alle Scharen und sprachen:
Der Herr ist unser Gott, und ihm allein wollen wir dienen!
Nun veranstalten die Stämme an jenem Tag ein Mahl
und eine Erneuerung davon für achtundzwanzig Tage.


24. Kapitel: Josues Abschied und Tod
1
Nach jenen Tagen versammelte Naues Sohn Josue nochmals alle Scharen

und sprach zu ihnen:
Jetzt hat der Herr euch heute seinen Willen kundgetan.
Ich bezeugte euch bei Himmel und Erde,
daß ihr dem Herrn zum eigenen Volke werdet,
wenn ihr dem Herrn beständig dienet.
Wollt ihr ihm aber nicht dienen,
wollt ihr lieber den Göttern der Amoriter gehorchen,
in deren Land ihr wohnet,
dann sagt es heute vor dem Herrn und ziehet ab!
Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.

2
Da erhoben die Stämme ihre Stimme

und sprachen unter Tränen:

[784]

Vielleicht läßt sich Gott herab;
es ist ja besser für uns,
in der Furcht vor ihm zu sterben,
als von der Erde vernichtet zu werden.

3
Da segnete Naues Sohn Josue die Stämme,

küßte sie und sprach zu ihnen:
Mögen eure Worte vor unserm Herrn Erbarmen finden,
und möge er seinen Engel senden und euch behüten!
Denket an mich nach meinem Tod,
sowie an des Herrn Freund Moses!
Mögen von euch nicht des Bundes Worte weichen, die er an euch alle Tage richtete!
Dann entließ er sie,
und sie zogen, jeder in seinen Erbbesitz.

4
Josue legte sich aber auf sein Bett zurück,

ließ des Priesters Eleazar Sohn Phinees rufen
und sprach zu ihm:
Schon sehe ich mit meinen Augen dieses Volkes Übertretung,
womit sie abzufallen beginnen.
Du aber stärke deine Hände in der Zeit, wo du bei ihnen bist!
Dann küßte er ihn, seinen Vater und seine Söhne,
segnete ihn und sprach:
Der Herr, eurer Väter Gott, leite eure Wege und die Wege dieses Volkes!

5
Als er seine Unterredung mit ihnen beendet hatte,

zog er seine Füße in das Bett
und entschlief zu seinen Vätern.
Da legten seine Söhne ihre Hände auf seine Augen.

6
Und ganz Israel versammelte sich, ihn zu begraben,

und sie trauerten um ihn mit großer Trauer
und sprachen also in ihrer Trauerklage:
Beklaget das Gefieder dieses leichtbeschwingten Adlers,
dieweil er uns davongeflogen,
und klaget um des Jungleu Kraft,
dieweil er sich vor uns verborgen hat!
Wer geht und meldet’s Moses, dem Gerechten,
daß wir in vierzig Jahren einen Führer hatten,
gerade so, wie er gewesen?
Dann beendeten sie ihre Trauerklage
und begruben ihn mit ihren Händen auf dem Gebirge Ephraim;
hernach kehrten sie, jeder in sein Zelt, zurück.
Nach Josues Tod hatte das Land Israel Ruhe.


25. Kapitel: Kenez
1
Da versuchten die Philister mit den Israeliten zu kämpfen.

Da fragten diese den Herrn:
Sollen wir hinaufziehen und gegen die Philister kämpfen?
Da sprach Gott zu ihnen:
Wenn ihr mit reinem Herzen hinaufziehen könnt, dann kämpfet!

[785]

Ist aber euer Herz befleckt, dann zieht nicht hinauf!
Da fragten sie weiter:
Wie wissen wir, ob jedes Herz im Volk gerecht ist?
Da sprach Gott zu ihnen:
Werfet über eure Stämme die Lose
und wen in jedem Stamm das Los trifft, den stellet besonders!
Dann werdet ihr wissen,
wessen Herz rein und wessen Herz befleckt ist.

2
Da sprach das Volk:

Lasset uns zuerst über uns einen Fürsten aufstellen
und dann die Lose werfen!
Da sprach der Engel des Herrn:
Stellet einen Vorgesetzten auf!
Da sagte das Volk:
Wen sollen wir zum Führer machen, der es wert ist, Herr?
Da sprach des Herrn Engel:
Werfet das Los über den Stamm Kaleb!
Wer durch das Los bezeichnet wird, soll euch anführen!
Da warfen sie das Los über den Stamm Kaleb,
und das Los fiel auf Kenez.
Da stellten sie ihn als Fürsten in Israel auf.

3
Hierauf sprach Kenez zum Volk:

Führet mir eure Stämme herbei
und vernehmet des Herrn Wort!
Da versammelten sich die Scharen,
und Kenez sprach zu ihnen:
Wisset ihr, wie oft euch des Herrn Freund Moses befohlen hat,
ihr sollet das Gesetz weder rechts noch links übertreten?
Aber auch Josue, der nach ihm Führer war, hat das gleiche euch befohlen.
Nun vernahmen wir aus des Herrn Mund,
daß euer Herz befleckt ist,
und der Herr befahl uns,
das Los über eure Stämme zu werfen,
damit wir wissen,
wessen Herz vom Herrn, unserm Gott, abgefallen ist.
Wird nicht über das Volk die Zornrut kommen?
Ich kündige euch aber an,
daß nicht heil davon kommt,
wen immer in meinem Haus das Sündenlos trifft;
er wird vielmehr im Feuer verbrannt werden.
Da sprach das Volk:
Du hast einen guten Rat zum Ausführen gegeben.

4
Da ließ er die Stämme vor sich kommen,

und es fanden sich vom Stamme Juda 345 Mann,
vom Stamme Ruben 560, von Simeon 775, von Levi 150,
von Isachar 665, von Zabulon 545, von Gad 380,
von Asser 665, von Manasse 480, von Ephraim 448 und von Benjamin 267.
Die Gesamtzahl der vom Sündenlos Betroffenen betrug 6110.

[786]

Kenez führte alle diese weg und schloß sie ins Gefängnis ein,
bis bekannt wurde, was mit ihnen geschehen sollte.

5
Und Kenez sprach:

Sagte nicht von diesen Moses, des Herrn Freund:
Unter euch ist eine kräftige Wurzel,
die Galle und Bitterkeit hervorbringt?
Nun sei der Herr gepriesen,
der alle Gesinnungen für Menschen enthüllte
und nicht duldete,
daß sein Volk durch ihre nichtsnutzigen Werke verdorben würde!
Bringet also die Erklärung und die Wahrheit (Urim und Tummim) hieher,
rufet den Priester Eleazar herbei,
und lasset uns durch ihn den Herrn befragen!

6
Da beteten Kenez und Eleazar

sowie alle Ältesten mit der ganzen Gemeinde einmütig und sprachen:
Herr, Gott unserer Väter!
Enthülle deinen Dienern doch die Wahrheit!
Wir werden ja als solche nun erfunden,
die keinen Glauben jenen Wundern schenken,
die du an unsern Vätern wirktest,
seitdem du diese aus Ägypterland herausgebracht,
bis auf diesen Tag.
Da antwortete der Herr:
Befraget zuerst die Herausgegriffenen!
Sie sollen ihre arglistig begangenen Werke eingestehen
und dann im Feuer verbrannt werden!

7
Da ließ sie Kenez herbeiführen und sprach zu ihnen:

Ihr wisset ja,
wie Achan ein Bekenntnis ablegte,
als ihn das Los traf
und wie er alles, was er getan, bekannte.
Nun bekennet auch ihr uns eure frevlerischen Gedanken!
Wer weiß, ob nicht, wenn ihr uns die Wahrheit saget
und müsset ihr auch sterben,
sich dennoch Gott eurer erbarmt,
wenn er die Toten wieder lebendig macht?

8
Da sprach zu ihm einer von ihnen, Elas mit Namen:

Kommt nicht der Feuertod für uns herbei?
Trotzdem sage ich dir, mein Herr:
Es gibt nicht ähnliche Gedanken,
wie wir sie nichtswürdigerweise hatten.
Willst du aber offen die Wahrheit erforschen,
so frage einzeln die Männer jedes Stammes!
Dann kann jeder der Umstehenden die Verschiedenheit ihrer Sünden erfahren.

9
Da befragte Kenez die aus seinem Stamm,

und sie sagten ihm:
Wir wollten ein Kalb machen,
ähnlich dem in der Wüste verfertigten.

[787]

Dann befragte er die Männer aus Rubens Stamm,
und sie sprachen:
Wir wollten den Göttern der Landesbewohner opfern.
Dann befragte er die Männer aus Levis Stamm,
und sie sprachen:
Wir wollten erproben, ob das Zelt heilig wäre.
Dann befragte er den Rest des Stammes Isachar,
und sie sprachen:
Wir wollten durch die Dämonen der Idole Fragen stellen,
um zu sehen,
ob sie klar offenbaren können.
Dann befragte er die Männer vom Stamme Zabulon, und sie sprachen:
Wir wollten unserer Kinder Fleisch essen und erfahren,
ob Gott um diese Sorge trägt.
Dann befragte er den Rest des Stammes Dan,
und sie sprachen:
Die Amoriter lehrten uns das, was sie selbst trieben,
damit wir es unsern Söhnen lehrten.
Und das ward unter des Elas Zelt versteckt,
der dir sagte, du sollest uns befragen.
Sende also hin, und du wirst es finden!
Da sandte Kenez hin und fand es.

10
Dann befragte er den Rest des Stammes Gad

und sie sprachen:
Wir trieben gegenseitig mit unsern Weibern Ehebruch.
Dann befragte er die Männer vom Stamme Asser
und sie sprachen:
Wir fanden sieben goldene Bilder,
die bei den Amoritern heilige Nymphen hießen;
wir nahmen sie samt den ihnen aufgelegten Edelsteinen weg
und versteckten sie.
Jetzt sind sie unter dem Gipfel des Berges von Sichem untergebracht.
Sende hin und du wirst sie finden!
Da sandte Kenez Männer hin
und sie holten sie von dort.

11
Das sind die Nymphen,

die, wenn sie angerufen werden,
den Amoritern zu jeder Stunde ihre Werke zeigten.
Dies sind nämlich die,
die von sieben bösen Männern nach der Flut aufgefunden wurden,
und diese hießen (Cham), Chanaan, Phut, Selat, Nembrot, Elat und Desuat.
Es gibt wohl nichts Ähnliches mehr an künstlerischer Bildhauerarbeit
oder an hervorragender bunter Bemalung auf der Welt.
Sie waren aber aneinander genagelt
und befestigt im Heiligtum der Idole.
Jene Edelsteine stammten aus dem Land Havila.
Darunter war ein Kristall und ein Smaragd,
und sie wiesen die Form eines gravierten Kelches auf;

[788]

ein anderer davon war oben graviert,
wieder ein anderer wie ein Chrysopras gezeichnet,
und seine Skulptur gab einen solchen Widerschein,
wie wenn sie die Flüssigkeit einer darunterliegenden Wassertiefe aufzeigte.

12
Dies sind die Edelsteine,

die die Amoriter in ihren Heiligtümern hatten.
Ihr Wert war unberechenbar.
Denn die, die bei Nacht eintraten,
benötigten kein Lampenlicht;
so leuchtete das den Steinen eigentümliche Licht.
Unter ihnen aber leuchtete am meisten jener hervor,
der, nach Art eines gravierten Kelches geformt,
mit Pinseln gereinigt wurde;
denn war einer der Amoriter erblindet,
so ging er hin und legte seine Augen auf ihn;
dann erlangte er das Gesicht wieder.
Als nun Kenez diese fand,
legte er sie beiseite
und verwahrte sie,
bis er wußte, was mit ihnen geschehen sollte.

13
Hernach befragte er den Rest des Stammes Manasse,

und sie sagten:
Wir entweihten nur die Sabbate des Herrn.
Dann befragte er den Rest des Stammes Ephraim,
und sie sprachen:
Wir wollen unsere Söhne und Töchter durchs Feuer gehen lassen,
um zu erfahren, ob das, was gesagt worden war, offenbar würde.
Dann befragte er den Rest des Stammes Benjamin,
und sie sagten:
Wir wollten in dieser Zeit das Gesetzbuch prüfen,
ob Gott wirklich das, was darin stand, geschrieben,
oder ob Moses dies von sich selber gelehrt hätte.


26. Kapitel: Gottes Anordnungen an Kenez
1
Kenez nahm alle diese Aussagen auf,

schrieb sie in ein Buch
und las es dem Herrn vor.
Da sprach Gott zu ihm:
Nimm die Männer und alles bei ihnen Vorgefundene samt all den Ihrigen
und verbringe sie in das Bett des Baches Phison
und verbrenne sie, damit mein Zorn von ihnen weiche!

2
Da sagte Kenez:

Sollen wir auch diese Edelsteine verbrennen
oder sie dir weihen, weil es bei uns nichts Ähnliches gibt?
Da sprach Gott zu ihm:
Nähme Gott etwas in seinem Namen von einem Banngut an,
was würde dann der Mensch tun?

[789]

Nimm deshalb jetzt diese Edelsteine und alles Vorgefundene,
sowohl Bücher, als Menschen!
Wenn du dann die Leute aufstellst,
so lege diese Steine mit den Büchern besonders,
weil sie das Feuer nicht verzehren kann!
Später zeige ich dir, wie du sie vernichten kannst.
Aber die Leute mit all dem bei ihnen Vorgefundenen sollst du verbrennen!
Versammle alle Scharen und sprich zu ihnen:
So geschieht jedem Mann, dessen Herz von seinem Gotte läßt.

3
Hat nun das Feuer jene Menschen verzehrt,

dann lege die Bücher und die Edelsteine,
die weder durch Feuer verbrannt noch durch Eisen zerschlagen
noch durch Wasser vernichtet werden können,
auf den Berggipfel neben den neuen Altar!
Dann gebiete ich einer Wolke,
daß sie Tau nehme und ihn auf die Bücher gieße
und ihren Schriftinhalt vernichte;
denn sie können durch kein anderes Wasser zerstört werden,
als durch eines, das niemals Menschen gedient hat.
Dann sende ich meinen Blitz
und er verbrennt jene Bücher.

4
Betreffs der Edelsteine gebiete ich meinem Engel,

daß er sie nehme und in die Meerestiefe werfe;
dann gebiete ich der Tiefe,
sie solle sie verschlucken;
denn sie dürfen nicht länger in der Welt bleiben,
weil sie durch die Amoriteridole entweiht sind.
Einem andern Engel aber gebiete ich,
mir zwölf Steine von jenem Ort zu bringen,
von wo jene sieben stammen.
Findest du sie dann auf dem Berggipfel, wo er jene niederlegte,
dann nimm sie und lege sie auf das Schulterkleid
gegenüber den zwölf Steinen, die Moses in der Wüste darauf gelegt hatte!
Weihe sie auf der Brustplatte entsprechend den zwölf Stämmen!
Sprich nicht:
Wie soll ich wissen, welchen Stein ich auf einen Stamm legen soll?
Ich nenne dir ja den Namen des Stammes nach dem Namen des Steines,
und beides wirst du eingegraben finden.

5
Da ging Kenez hin,

nahm alles Vorgefundene mit sich sowie die Leute,
versammelte alle Scharen bei sich und sprach zu ihnen:
Ihr schautet alle Wunder, die uns Gott zeigte,
bis auf diesen Tag
und als wir nach all denen sahen,
die hinterlistig Übles gegen den Herrn und Israel geplant,
machte sie uns Gott nach ihren Werken kund.
Verflucht sei der Mensch, der Ähnliches unter euch, Brüder, zu tun plant!
Da antwortete das ganze Volk: Amen! Amen!

[790]

Nach diesen Worten verbrannte er alle jene Menschen im Feuer,
ebenso alles bei ihnen Vorgefundene, mit Ausnahme der Edelsteine.

6
Dann wollte Kenez probieren,

ob man die Steine verbrennen könne,
und warf sie ins Feuer.
Alsbald aber, nachdem sie ins Feuer gefallen waren,
erlosch dieses.
Da nahm Kenez ein Eisen, um sie zu zertrümmern;
aber, als das Schwert sie berührte,
löste sich sein Eisen los.
Dann wollte er zuletzt die Bücher durch Wasser vernichten;
das Wasser aber gerann, als es auf sie floß.
Wie nun Kenez dies sah, sprach er:
Gepriesen sei Gott,
der solche Machttaten für die Menschenkinder vollbringt!
Er machte den Erstgebildeten, Adam, und zeigte ihm alles.
Als aber Adam sündigte,
nahm er ihm all dies weg,
damit er es nicht dem Menschengeschlecht zeigte
und dies darin es zur Meisterschaft brächte.

7
Nach diesen Worten nahm er die Bücher und die Steine

und legte sie auf die Spitze des Berges neben den neuen Altar hin,
wie ihn der Herr hieß.
Dann nahm er ein Mahlopfer
und brachte als Brandopfer auf dem neuen Altar 2000 Opfer dar,
indem er sie alle als Brandopfer auflegte.
An jenem Tag veranstalteten sie ein großes Mahl,
er und das ganze Volk in Eintracht.

8
Und Gott tat noch in der gleichen Nacht,

wie er zu Kenez gesagt hatte;
denn er befahl einer Wolke,
vom Eis des Paradieses Tau zu nehmen
und ihn auf die Bücher auszugießen
und diese so zu vernichten.
Dann kam ein Engel und verbrannte sie.
Ein anderer Engel aber nahm die Edelsteine,
warf sie in das Herz des Meeres
und gebot der Tiefe, sie zu verschlucken.
Ein weiterer Engel brachte zwölf Steine herbei
und legte sie neben jenen Ort,
von wo er jene sieben weggenommen hatte.
Und er grub darin die Namen der Stämme ein.

9
Als sich Kenez in der Frühe erhob,

fand er diese zwölf Steine auf dem Berggipfel,
wo er selbst jene sieben niedergelegt hatte.
Ihre Gravierung zeigte Augenform.

10
Der erste Stein, worauf der Name des Stammes Ruben geschrieben war,

glich dem Sardius.

[791]

Der zweite Stein war mit einem Zahn (Elfenbein) graviert,
und darauf stand der Name des Simeonstammes eingegraben;
man konnte an ihm die Ähnlichkeit mit einem Topas bemerken.
Auf dem dritten Stein war der Name des Levistammes eingraviert;
er glich einem Smaragd.
Der vierte Stein hieß Kristall,
worauf der Name des Stammes Juda eingraviert war;
er glich einem Karfunkel.
Der fünfte Stein war grün;
auf ihm war der Stamm Isachar eingraviert;
er hatte die Farbe eines Saphirs.
Des sechsten Steins Gravierung war die eines Chrysopras,
mit verschiedenen Besonderheiten versehen;
darauf war geschrieben: Stamm Zabulon;
ihm glich der Jaspisstein.

11
Des siebten Steins Gravierung leuchtete und glänzte inwendig,

wie wenn das Wasser der Tiefe darin eingeschlossen wäre,
und darauf stand der Name des Stammes Dan;
der Stein glich dem Luchsstein.
Der achte Stein war mit einem Diamant graviert
und darauf stand der Name des Stammes Naphtali;
er glich einem Amethyst.
Des neunten Steines Gravierung war eingebohrt
und er stammte vom Ophirgebirge;
und darauf stand der Stamm Gad:
ihm glich der Achat.
Des zehnten Steines Gravierung war ausgehöhlt;
er glich dem Themanstein;
darauf stand der Stamm Asser;
auch der Chrysolith glich ihm.
Der elfte Stein war vom Libanon ausgesucht;
darauf stand der Name des Stammes Joseph;
ihm glich der Beryll.
Der zwölfte Stein war an der Sionshöhe gebrochen;
darauf stand der Stamm Benjamin;
ihm glich der Onyx.

12
Gott sprach nun zu Kenez:

Nimm diese Steine
und leg sie in die Bundeslade des Herrn
samt den Bundestafeln, die ich Moses am Horeb gab!
Sie sollen dort bei ihnen verbleiben,
bis Jaël auftritt,
der in meinem Namen ein Haus bauen soll.
Dann wird er sie vor mich auf die zwei Kerube legen,
wo sie vor meinem Angesicht zur Erinnerung an das Haus Israel dienen.

13
Sind aber meines Volkes Sünden voll

und beginnen die Feinde, sich seines Hauses zu bemächtigen,
dann nehme ich diese Steine und die früheren samt den Tafeln

[792]

und bringe sie an den Ort zurück,
von wo sie zu Anbeginn hergeholt wurden.
Dort bleiben sie, bis ich mich der Welt erinnere
und die Erdbewohner heimsuche.
Dann hole ich diese und noch andere,
zahlreicher und kostbarer, als sie,
von dem Ort, den noch kein Auge gesehen,
wovon noch kein Ohr gehört
und der noch in keines Menschen Sinn gekommen ist
bis Gleiches an der Welt geschieht,
und dann benötigen die Gerechten nicht mehr
des Sonnenlichtes noch des Mondenscheines;
denn dann ist das Licht der Edelsteine ihr Licht.

14
Da erhob sich Kenez und sprach:

Wieviel Gutes tat Gott den Menschen!
Wegen ihrer Sünden aber wurden sie um all das betrogen.
Nun aber weiß ich heute, daß das Menschengeschlecht schwach ist
und daß sein Leben für nichts erachtet wird.

15
Nach diesen Worten nahm er die Steine

von dem Ort, wo sie lagen;
als er sie wegnahm,
ergoß es sich über sie wie Sonnenlicht,
und von ihrem Glanze strahlte die Erde.
Da legte sie Kenez in der Bundeslade des Herrn bei den Tafeln nieder,
wie ihm befohlen ward,
und da sind sie bis auf den heutigen Tag.


27. Kapitel: Des Kenez Sieg
1
Dann bewaffnete er vom Volk 3000 Mann,

zog hinauf, die Amoriter zu bekämpfen,
und erschlug am ersten Tag 800 000 Mann;
am zweiten Tag tötete er 500 000.

2
Am dritten Tag aber redeten Männer aus dem Volk Übles wider Kenez;

sie sagten:
Kenez hat jetzt allein mit seinem Weib und seinen Nebenweibern im Haus zu tun,
während er uns in den Kampf schicken will,
damit wir vor unsern Feinden aufgerieben würden.

3
Als dies des Kenez Diener hörten, meldeten sie es ihm.

Da gab er dem Obersten über Fünfzig den Befehl,
er solle ihm siebenunddreißig
von jenen, die seine Verleumder waren, vorführen;
Dann schloß er sie in das Gefängnis ein.

4
Sie hießen Le, Uz, Betul, Ephal, Dealma, Anaph, Desac,

Besac, Gethel, Anael, Anazim, Noac, Cehec, Boac,
Obal, Jabal, Enat, Beat, Zelut, Ephor, Ezet, Desaph,
Abidan, Esar, Moab, Duzal, Azat, Phelac, Igat,
Zophal, Eli, Esor, Ecar, Zebat, Sebat, Nesach und Zerc.

[793]

Als sie der Oberst über Fünfzig nach des Kenez Befehl eingesperrt hatte,
sprach Kenez:
Verleiht der Herr durch meine Hände Sieg seinem Volk,
dann bestrafe ich diese Männer.

5
Nach diesen Worten befahl Kenez dem Obersten über Fünfzig:

Geh hin und wähle aus meinen Dienern dreihundert Mann aus
und ebensoviel Pferde!
Niemand im Volk soll die Stunde kennen,
wann ich zum Kampf ausziehe!
Nur in der Stunde, wo ich es dir sage,
rüste die Männer aus,
daß sie für die Nacht bereit stehen!

6
Kenez sandte nun Kundschafter aus, zu sehen,

wo die Hauptmasse des Amoriterlagers sei.
Die Boten gingen, beobachteten und sahen,
daß sich die Hauptmasse des Amoriterlagers in den Felsen aufhielt,
zum Kampf mit Israel entschlossen.
Die Boten kehrten zurück und machten dementsprechend Meldung.
Da erhob sich Kenez mit dreihundert Reitern in der Nacht,
nahm eine Trompete in seine Hand
und begann mit den dreihundert Leuten hinabzuziehen.
Als er sich dem Amoriterlager näherte, sagte er zu seinen Dienern:
Bleibt hier stehen!
Ich will allein zur Besichtigung des Amoriterlagers hinabgehen.
Wenn ich blase, dann kommt herab!
Wenn nicht, dann erwartet mich hier!

7
So stieg Kenez allein hinab.

Bevor er hinabging, betete er und sprach:
Herr, Gott unserer Väter!
Du zeigtest deinem Diener deine Wunder,
die du bereitgestellt,
um in den letzten Tagen sie an deinem Bund zu tun.
Nun sende deinem Diener eines deiner Wunderzeichen!
Dann greif ich deine Feinde an,
daß sie erkennen, so wie alle Völker, aber auch dein Volk,
daß nicht durch Kriegerscharen Menge,
noch durch der Reiter Stärke je der Herr Befreiung wirkt,
wenn sie des Sieges Zeichen sehen,
das du an mir am heutigen Tage wirken wirst.
Ich zieh mein Schwert jetzt aus der Scheide
und es erglänzt im Amoriterlager.
Wenn dann die Amoriter merken, dass ich Kenez bin,
so weiß ich, daß du sie in meine Hände gibst.
Wenn sie mich aber nicht erkennen,
dagegen mich für jemand anders halten,
dann weiß ich auch, daß du mich nicht erhörst,
vielmehr mich meinen Feinden übergibst.
Doch möge Er sein Erbteil nicht durch meinen Tod vernichten!

[794]
8
Da zog er hin, nachdem er gebetet hatte.

Nun hörte er die Menge der Amoriter sprechen:
Auf! Wir wollen Israel angreifen.
Wir wissen ja, daß unsere heiligen Nymphen dort bei ihnen sind
und sie in unsere Hände liefern werden.

9
Da erhob sich Kenez;

denn der Geist des Herrn erfüllte ihn.
Und er zog sein Schwert aus der Scheide.
Da blitzte sein Glanz den Amoritern entgegen,
wie ein scharfer Blitzstrahl;
bei seinem Anblick riefen sie:
Ist das nicht des Kenez Schwert,
das uns so viel Verwundete lieferte?
Gerechtfertigt ist das Wort, das wir sprachen:
„Die heiligen Nymphen überliefern sie in unsere Hände.“
Jetzt soll am heutigen Tag ein Mahl für die Amoriter stattfinden,
wenn unser Feind uns ausgeliefert ist.
Nun also auf! Jeder gürte sich mit seinem Schwert!
Dann beginnt mit dem Kampf!

10
Als Kenez ihre Worte hörte,

ward er vom Geist der Stärke erfüllt
und in einen andern Mann umgewandelt.
So zog er zum Amoriterlager hinab
und begann, sie niederzuschlagen.
Der Herr aber sandte vor ihm den Engel Ingethel her;
der über das Verborgene gesetzt ist und unsichtbar wirkt,
(und einen andern), den Engel der Stärke, der ihm half.
Und Ingethel schlug die Amoriter mit Blindheit,
so daß jeder beim Anblick seines Nächsten glaubte,
es sei sein Gegner,
und sie sich gegenseitig umbrachten.
Und der Engel Zeruel, der über die Stärke gesetzt ist,
hielt des Kenez Arme,
damit sie ihn nicht bemerkten.
Und Kenez erschlug von den Amoritern 45 000 Mann
und sie selber erschlugen sich gegenseitig,
und so fielen weitere 45 000.

11
Als Kenez eine große Menge getötet hatte,

wollte er seine Hand vom Schwerte lösen;
denn der Schwertgriff klebte an,
so daß er sich nicht loslösen ließ.
Seine Rechte hatte des Schwertes Stärke in sich aufgenommen.
Der Überrest der Amoriter floh in das Gebirge.
Aber Kenez versuchte,
wie er seine Hand loslösen könnte
und als er mit den Augen umherblickte,
sah er einen Amoriter auf der Flucht;
er packte ihn und sprach zu ihm:

[795]

Ich weiß, daß die Amoriter klug sind.
Nun zeig mir,
wie ich meine Hand von diesem Schwert loslösen kann!
Dann lasse ich dich gehen.
Da sprach der Amoriter:
Geh hin und nimm einen hebräischen Mann
und töte ihn!
Dann halte deine Hand hin,
solange sein Blut noch warm ist,
und fang sein Blut auf!
Dann wird deine Hand losgelöst.
Da sprach Kenez:
Es lebt der Herr.
Hättest du gesagt: „Nimm einen Amoriter!“,
dann hätte ich einen genommen und dich heil entlassen.
Weil du aber sprachest „einen Hebräer,“
um deinen Hass zu zeigen,
so ist dein Mund gegen dich selbst
und ich tue an dir, wie du gesagt.
Nach diesen Worten tötete ihn Kenez.
Als sein Blut noch warm war,
hielt er seine Hand hin und
fing es in seiner Hand auf,
und sie ward losgelöst.

12
Dann ging Kenez weg,

zog seine Gewänder aus,
ging in einen Fluß,
badete, stieg wieder heraus,
wechselte seine Kleider
und kehrte zu seinen Dienern zurück.
Nun hatte der Herr über sie einen schweren Schlaf in der Nacht kommen lassen;
sie schliefen und merkten nichts von all dem,
was Kenez getan hatte.
Da kam Kenez und weckte sie vom Schlafe auf;
da sahen sie auf und schauten ihn an.
Da war ein Gefilde voll Leichen,
und staunend sahen sie einander an.
Da sprach Kenez zu ihnen:
Was wundert ihr euch?
Sind denn des Herrn Wege gleich eines Menschen Weg?
Bei den Menschen gilt ja die Masse viel,
aber bei Gott das, was er beschließt.
Wenn deshalb Gott diesem Volk durch meine Hände Sieg schaffen wollte,
was staunt ihr da?
Auf! Steht auf
und umgürtet euch insgesamt mit euren Schwertern!
Dann wollen wir zu unsern Brüdern heimgehen.

13
Als ganz Israel den durch des Kenez Hände errungenen Sieg vernahm,
[796]

gingen alle Scharen einträchtig ihm entgegen und riefen:
Gepriesen ist der Herr, der dich zum Führer über sein Volk bestellte
und zeigte, daß das, was er zu dir sprach, zuverlässig ist.
Was wir durchs Wort vernahmen,
sehen wir jetzt mit Augen;
denn das Werk des Gotteswortes ist offenkundig.

14
Da sprach Kenez zu ihnen:

Fraget jetzt eure Brüder
und laßt euch von ihnen sagen,
wie viele es waren, die sich mit mir im Kampfe mühten!
Da sagten die Männer bei ihm:
So wahr der Herr lebt!
Wir kämpften nicht;
ja, wir wußten nicht einmal etwas davon;
erst als wir aufwachten,
sahen wir das Feld voll Leichen.
Da antwortete das Volk:
Jetzt wissen wir, daß der Herr es war, der beschloß,
seinem Volke Sieg zu verschaffen.
Er braucht nicht Massen, sondern Heiligkeit.

15
Da sprach Kenez zum Obersten über Fünfzig, der jene Männer eingesperrt hatte:

Führe jene Männer hierher, daß wir ihre Worte vernehmen!
Als er sie vorgeführt hatte, sprach Kenez zu ihnen:
Sagt mir: Was bemerktet ihr an mir,
daß ihr unterm Volke murrtet?
Sie sprachen:
Warum fragst du uns?
Laß uns jetzt verbrennen!
Wir sterben aber nicht für diese Sünde, die wir jetzt bekannten,
sondern für die frühere, worin jene Männer verstrickt waren,
die in ihren Sünden verbrannt wurden.
Wir stimmten ja damals ihrer Sünde bei, indem wir sagten:
„Vielleicht bemerkt uns das Volk nicht;
dann wollen wir dem Volk entschlüpfen.“
Nun sind wir richtig unserer Sünden überführt worden,
indem wir auf deine Verleumdung verfielen.
Da sprach Kenez:
Wenn ihr gegen euch zeuget,
wie kann ich mich eurer erbarmen?
Und Kenez befahl, sie zu verbrennen;
ihre Asche ließ er an den Platz hinwerfen,
wo man die Masse der Sünder verbrannt hatte,
nämlich in den Bach Phison.

16
Kenez regierte sein Volk 57 Jahre,

und Furcht lag auf all seinen Feinden seine ganze Zeit hindurch.


[797]
28. Kapitel: Des Kenez Tod
1
Als des Kenez Tage, wo er sterben sollte, näherkamen,

ließ er alle rufen, auch die zwei Propheten Jabis und Phinees
und Phinees, des Priesters Eleazar Sohn,
und sprach zu ihnen:
Der Herr zeigte mir alle seine Wunderwerke,
die er für sein Volk in den letzten Tagen bereit hält.

2
Jetzt will ich meinen Bund mit euch heute schließen,

damit ihr den Herrn, euren Gott, nach meinem Hingang nicht verlasset.
Ihr sahet ja alle Wunder an den Sündern
und hörtet ihre Erklärungen,
indem sie freiwillig ihre Sünden bekannten,
und sahet, wie der Herr, unser Gott, sie vernichtete,
weil sie seinen Bund übertreten hatten.
Deshalb verschonet jetzt eure Hausgenossen und eure Söhne
und verbleibet in den Wegen des Herrn, eures Gottes,
auf daß nicht der Herr sein Erbteil vernichte!

3
Da sprach Phinees, des Priesters Eleazar Sohn:

Wenn Kenez, der Führer, die Propheten, das Volk und die Ältesten mich heißen,
dann will ich ein Wort aussprechen,
das ich von meinem Vater vor seinem Tode hörte,
und den Befehl, den er mir gab, nicht verschweigen,
als seine Seele aufgenommen ward.
Da sprachen der Führer Kenez und die Propheten:
Phinees soll sprechen!
Soll jemand vor dem Priester sprechen,
der des Herrn, unseres Gottes, Gebote hütet,
zumal wenn aus seinem Munde Wahrheit ausgeht
und aus seinem Herzen ein leuchtend Licht?

4
Da sprach Phinees:

Mein Vater trug mir bei seinem Sterben auf:
Sag dies den Israeliten, wenn sie sich versammeln:
Der Herr erschien mir vor drei Tagen bei Nacht im Schlaf und sprach zu mir:
Du sahest es, aber auch dein Vater vor dir,
wieviel ich für mein Volk tat.
Nach eurem Tod aber erhebt sich dieses Volk
und verderbt seine Wege,
indem es von meinen Geboten zurücktritt;
dann werde ich über sie unwillig und zornig werden.
Ich gedenke dann noch jener Zeit,
die vor der Welt war,
eben damals, wo es keine Menschen gab, noch Sünde,
als ich sprach:
Die Welt soll werden und die darin Kommenden mich loben;
ich will auch einen großen Weinberg anlegen
und von ihm ein Gewächs auswählen und es einpflanzen;

[798]

ich will es dann nach meinem Namen nennen,
und es wird mein für immer sein.
Mag ich aber auch alles tun, was ich versprach,
so wird meine Pflanzung, die meinen Namen trägt,
trotzdem nichts von mir wissen wollen,
sondern ihre Frucht verderben und mir ihre Frucht nicht geben.
Das ist es, was mein Vater auftrug, diesem Volk zu sagen.

5
Da erhob Kenez seine Stimme

einmütig mit den Ältesten und dem ganzen Volk;
sie weinten heftig
und klagten bis zum Abend und sprachen:
Wird der Hirte seine Herde grundlos vernichten,
wenn sie sich nicht gegen ihn versündigte?
Und sollte er selbst nicht nach der Fülle seines Erbarmens verschonen,
da er soviel an uns getan?

6
Während sie so da saßen,

überkam der heilige Geist den Kenez,
ließ sich auf ihn nieder
und entrückte seinen Geist;
da begann er zu weissagen und sprach:
Jetzt sehe ich, was ich nicht gehofft,
und schaue, was ich nicht gekannt.
Höret jetzt, ihr Bewohner des Landes,
wie die darin Lebenden vor mir weissagten,
als sie diese Stunde sahen,
eben bevor das Land verderbt wird,
damit ihr die vorausbestimmten Weissagungen erkennet,
ihr alle, die ihr darin wohnet!

7
Ich schaue jetzt Flammen, die nicht brennen,

und höre Wasserquellen, aus dem Schlaf erweckt und grundlos.
Weder sehe ich Bergesgipfel,
noch des Firmamentes Baldachin,
sondern alles nur unwirklich und unscheinbar,
was nirgends einen Platz hat.
Obgleich mein Auge nicht erkannte, was es sah,
so wird doch mein Herz entdecken, was es bedeutet.

8
Von der Flamme, die ich sah, aber nicht brennend,

stieg ein Funke auf
und breitete sich gewissermaßen unter dem Himmel aus,
und das Ausgebreitete glich einem schildförmigen Spinngewebe.
Als dies ausgebreitet wurde, sah ich,
wie aus jener Quellader etwas hervorbrach
gleich einem sprudelnden Schaum.
Und dies änderte sich selbst in eine Art Firmament um.
Zwischen den beiden Firmamenten, dem höhern und dem niedern,
kamen aus dem Licht eines unsichtbaren Ortes
menschenähnliche Gestalten
und diese wandelten hin und her.

[799]

Da sprach eine Stimme:
Dies wird den Menschen zum Firmament dienen,
und sie werden 7000 Jahre darauf wohnen.

9
Das untere Firmament war ein Pflaster;

das höhere war von Schaum.
Die aus dem Licht des unsichtbaren Ortes Hervorgehenden sind seine Bewohner.
Der Name jenes Menschen aber ist (Adam).
Versündigt er sich aber gegen mich und ist seine Zeit erfüllt,
dann wird der Funke ausgelöscht, die Quelle hört auf,
und sie werden verändert werden.

10
Als Kenez diese Worte gesprochen hatte,

wachte er auf,
und sein Sinn kehrte in ihn zurück.
Er selber aber wußte nicht, was er gesagt,
noch was er gesehen hatte.
Nur dies sagte er dem Volk:
Wenn so die Ruhe der Gerechten nach dem Tode ist,
dann ist es besser für sie, der vergänglichen Welt abzusterben,
als ihre Sünde zu sehen.
Nach diesen Worten starb Kenez
und entschlief zu seinen Vätern.
Das Volk betrauerte ihn dreißig Tage.


29. Kapitel: Zebul
1
Dann setzte das Volk zu seinem Führer den Zebul ein.

Er versammelte in jener Zeit die Scharen und sprach zu ihnen:
Wir alle kennen die Mühe, die Kenez mit uns in seinem Leben hatte.
Hätte er Söhne gehabt, so müßten jetzt diese dem Volke vorstehen.
Da aber nur Töchter übrig sind,
so sollen diese ein größeres Erbteil unterm Volk bekommen,
weil ihr Vater es verschmähte, ihnen etwas zu geben;
denn er wollte nicht habsüchtig und begehrlich gescholten werden.
Da sprach das Volk: Tue alles nach deinen Gutdünken!

2
Nun hatte Kenez drei Töchter;

sie hießen Ethema, die Erstgeborene,
Pheila, die Zweite,
und Zelpha, die Dritte.
Zebul gab nun der Erstgeborenen alles,
was im Umkreis des Phönizierlandes lag;
der Zweiten gab er den Ölgarten von Akkaron
und der Dritten alles bebaute Land um Asdod herum.
Dann gab er ihnen Männer,
der Erstgeborenen den Elisephan,
der Zweiten den Odiel
und der Dritten den Doel.

3
In jenen Tagen stellte Zebul einen Schatzkasten für den Herrn auf

und sprach zum Volk:

[800]

Will jemand dem Herrn Gold oder Silber opfern,
dann bringe er es in den Schatzkasten des Herrn nach Silo,
außer es habe jemand von den Idolen etwas,
das er den Schatzkästen des Herrn weihen wollte!
Denn der Herr wünscht keine Scheusale als Weihegeschenke,
auf daß ihr nicht die Gemeinde des Herrn verwirret.
Es genügt ja an dem Zorn in der Vergangenheit.
Da brachten alle Scharen,
Männer wie Weiber,
das, was ihr Herz ihnen eingab, Gold und Silber.
Alles, was herbeigebracht ward, wurde gewogen;
es waren 20 Talente Gold und 250 Talente Silber.

4
Zebul richtete das Volk fünfundzwanzig Jahre.

Als er seine Zeit erfüllt hatte,
ließ er die Scharen zusammenrufen und sprach:
Nun gehe ich sterben.
Betrachtet die Zeugnisse, die euch unsere Vorgänger gaben!
Euer Herz aber gleiche nicht den Meeresfluten!
Aber wie die Meeresflut nichts anderes kennt,
als nur das, was im Meer ist,
so denke auch euer Herz an nichts anderes,
als allein an das, was im Gesetz ist!
Darauf entschlief Zebul zu seinen Vätern
und ward in seines Vaters Grab bestattet.


30. Kapitel: Sisara und Debora
1
Nun hatten die Israeliten niemand,

den sie sich zum Richter über sie aufstellen konnten.
Da wankte ihr Herz, und sie vergaßen das Versprechen;
dann übertraten sie die Wege,
die ihnen Moses und Josue, des Herrn Diener, anbefohlen hatten,
ließen sich von den Töchtern der Amoriter verführen
und dienten deren Göttern.

2
Da ward der Herr über sie zornig,

sandte seinen Engel und ließ sagen:
Ein einziges Volk wählte ich aus allen Stämmen der Erde
und sagte, meine Herrlichkeit solle bei ihm in dieser Welt verbleiben.
Dann sandte ich zu ihm meinen Diener Moses,
der meine Unübertrefflichkeit und meine Satzungen verkünden sollte;
es übertrat aber meine Wege.
Jetzt aber erwecke ich seine Feinde,
die es überwältigen werden;
alsdann sagen alle Scharen:
„Weil wir Gottes Wege
und die unserer Väter übertraten,
deshalb kam dies über uns.“

[801]

Dann soll ein Weib über sie herrschen
und sie vierzig Jahre erleuchten.

3
Darnach erweckte der Herr gegen sie Jabin, den König von Asor.

Er begann mit dem Angriff auf sie.
Als Anführer seiner Kriegsmacht hatte er den Sisara,
der acht eiserne Wagen besaß.
So kam er aufs Gebirge Ephraim
und griff das Volk an.
Da fürchtete sich Israel vor ihm gar sehr,
und das Volk konnte in all den Tagen Sisaras nicht standhalten.

4
Als nun Israel sehr gedemütigt war,

versammelten sich alle Israeliten einträchtig auf dem Gebirge Juda
und sprachen:
Wir konnten sagen, wir wären glücklicher als alle andern Völker.
Nun sind wir aber so vor allen Völkern gedemütigt,
daß wir nicht mehr in unserm Lande wohnen können.
Unsere Feinde beherrschen uns.
Wer hat nun all das uns angetan?
Nicht unsere Sünden,
insofern wir den Herrn unserer Väter verließen
und in dem, was uns nichts nutzte, wandelten?
Kommt jetzt! Laßt uns sieben Tage fasten,
Männer, wie Weiber, vom Ältesten bis zum Säugling!
Wer weiß, ob sich nicht Gott seines Erbteils wieder erbarmt
und die Pflanzung seines Weinbergs nicht vernichtet!

5
Als die Stämme, sieben Tage in Bußgewändern dasitzend, gefastet hatten,

sandte ihnen Gott am siebten Tag Debora, die zu ihnen sprach:
Kann ein Schaf, das geschlachtet werden soll,
beim Anblick seines Schlächters etwas sagen,
wenn der Schlächter schweigt,
da er sich mehr als einmal darüber ärgerte?
Nun seid ihr als Herde vor unserm Herrn geboren.
Er führte euch in Wolkenhöhen,
gab Engel unter eure Füße,
verlieh euch ein Gesetz,
wies euch durch Propheten an,
züchtigte euch durch Herrscher,
zeigte euch nicht wenig Wunder
und befahl euretwegen den Lichtern,
daß sie an den angewiesenen Örtern stille standen.
Und als eure Feinde kamen,
regnete es vernichtend Hagelsteine über sie.
Moses und Josue und Zebul gaben euch Vorschriften;
aber ihr hörtet nicht darauf.

6
Solange jene lebten,

zeigtet ihr euch als Diener eures Gottes;
als sie starben,
starb auch euer Herz.

[802]

Ihr glichet einem ins Feuer gelegten Eisen,
das durch die Flammen geschmolzen, wie zu Wasser ward;
kommt es aber aus dem Feuer,
dann kehrt es zu seiner alten Härte zurück;
so auch ihr.
Solange eure Mahner euch brennen,
zeiget ihr die entsprechende Handlungsweise;
sind sie aber gestorben,
dann vergesset ihr alles.

7
Nun wird der Herr am heutigen Tag euch wieder gnädig sein,

aber nicht euretwegen,
sondern wegen seines Bundes, den er mit euren Vätern schloß,
und wegen des Eides, den er geschworen,
daß er euch nicht für immer verlassen wolle.
Wisset also,
daß ihr nach meinem Hingang in den letzten Tagen
wieder zu sündigen anfangen werdet!
Deshalb will der Herr an euch Wunderbares tun
und eure Feinde euch ausliefern.
Denn eure Väter sind tot;
Gott aber, der ihnen den Bund gab, ist das Leben.


31. Kapitel: Sisaras Tod
1
Dann sandte Debora hin,

rief Barak und sprach zu ihm:
Steh auf!
Umgürte deine Lenden wie ein Mann
und zieh hinab und greife Sisara an!
Ich sehe ja die Gestirne in ihrer Ordnung gestört
und sich für uns zum Kampfe rüsten.
Ich sehe auch die Blitze,
in ihrem Lauf sonst unbeweglich, aufbrechen,
die Wagenräder derer zu hemmen,
die sich der Macht Sisaras rühmen, der sagt:
Ich will hinabziehen,
mit meinem starken Arme Israel angreifen,
ihre Beute unter meine Knechte verteilen
und ihre schönen Weiber mir zu Nebenfrauen nehmen.
Deshalb sprach der Herr von ihm,
es soll eines schwachen Weibes Arm ihn bezwingen,
und Mädchen sollen seine Beute nehmen,
und er selbst soll auch in eines Weibes Hände fallen.

2
Als Debora, das Volk und Barak den Feinden entgegenzogen,

verwirrte der Herr sogleich die Läufe seiner Gestirne und sprach zu ihnen:
Gehet eilends hin!
Denn eure Feinde greifen euch an.

[803]

Verwirret ihre Arme und brechet ihres Herzens Kraft!
Ich kam ja, daß mein Volk obsiege.
Hat auch mein Volk gesündigt,
so will ich mich doch seiner erbarmen.
Nach diesen Worten zogen die Sterne aus,
wie sie geheißen waren,
und verbrannten ihre Feinde.
Die Zahl der Verbrannten, die in einer Stunde umkamen,
betrug 997 000 Mann.
Den Sisara aber vernichteten sie nicht,
weil es ihnen so befohlen war.

3
Sisara floh auf einem Pferde, sich zu retten;

da schmückte sich Jael, des Kiniters Heber Weib,
und ging ihm entgegen.
Das Weib war aber sehr schön.
Als sie ihn erblickte, sagte sie zu ihm:
Tritt ein, nimm Speise und schlaf bis zum Abend!
Dann schicke ich meine Knechte mit dir;
denn ich bin sicher,
daß du meiner gedenkst und mich belohnst.
Da trat Sisara ein.
Als er Rosen auf das Lager gestreut sah, sprach er zu Jael:
Wenn ich entkomme, gehe ich zu meiner Mutter,
und Jael soll mein Weib werden.

4
Hernach dürstete es Sisara, und er sagte zu Jael:

Reich mir ein wenig Wasser!
Denn ich bin aufgelöst,
und meine Seele brennt noch von den Flammen, die ich bei den Sternen sah.
Da sagte Jael zu ihm:
Ruhe ein wenig!
Dann magst du trinken.

5
Als nun Sisara eingeschlafen war,

ging Jael zum Vieh und molk hier Milch.
Beim Melken sprach sie:
Herr, denke jetzt daran!
Als du die Erde unter jeden Stamm und jegliches Geschlecht verteiltest,
hast du nicht Israel alleinig auserwählt
und es mit keinem andern Tier verglichen,
als mit dem Widder, der die Herde führt und leitet?
Schau darum her und sieh,
wie Sisara in seinem Herzen dachte:
„Ich ziehe hin und züchtige des Höchsten Herde.“
Nun will ich von der Milch der Tiere nehmen,
mit denen du dein Volk verglichest,
und diese ihm zu trinken geben,
und hat er sie getrunken, soll er ganz entkräftet werden.
Dann werde ich ihn töten.

[804]

Dies aber sei das Zeichen,
das du mir geben möchtest, Herr:
Es soll bei meinem Eintritt Sisara erwachen
und alsbald so mich bitten:
„Gib Wasser mir zu trinken!“
Dann weiß ich:
Erhört ist mein Gebet.

6
Als Jael zurückkam,

wachte Sisara bei ihrem Eintritt auf
und sprach zu ihr:
Gib mir zu trinken!
Ich bin ganz ausgebrannt, und meine Seele glüht.
Da nahm Jael Wein,
mischte ihn mit Milch
und gab ihn zu trinken.
Und er trank und schlief weiter.

7
Da nahm Jael einen Pfahl in ihre Hand

und trat zu ihm mit den Worten:
Wenn der Herr mir dies Zeichen gibt,
dann weiß ich, daß Sisara in meine Hände fallen wird.
Ich werfe ihn jetzt auf den Boden aus dem Bett, worin er schläft,
und merkt er es nicht,
dann weiß ich, daß er ausgeliefert ist.
Da nahm Jael den Sisara
und wälzte ihn von seinem Bett auf den Boden herab;
er aber merkte es nicht,
weil er ganz entkräftet war.
Da sprach Jael:
Herr, stärke heute meinen Arm um deinetwillen
und wegen deines Volks und derer, die auf dich hoffen!
Da nahm Jael einen Pfahl,
setzte ihn an seine Schläfe
und schlug ihn mit dem Hammer durch.
Als Sisara zum Sterben kam,
sprach er zu Jael:
O Jael, Schmerz hat mich befallen;
ich sterbe wie ein Weib.
Da sprach Jael zu ihm:
Geh hin
und brüste dich bei deinem Vater in der Hölle
und sag ihm,
du seiest in die Hände eines Weibes gefallen!
Also tat sie an ihm und tötete ihn;
dann legte sie seinen Leichnam hin,
bis Barak zurückkehrte.

8
Sisaras Mutter Themech aber hatte zu ihren Freundinnen gesandt

und sagen lassen:
Kommt! Wir wollen gemeinsam meinem Sohn entgegenziehen;

[805]

dann könnt ihr der Hebräer Töchter sehen,
die mein Sohn sich als seine Nebenweiber herbeibringt.

9
Barak aber kehrte von Sisaras Verfolgung zurück

und war darüber sehr betrübt,
daß er ihn nicht gefunden hatte.
Da ging ihm Jael entgegen und sprach:
Komm und tritt ein, du Gesegneter des Herrn!
Ich liefere dir deinen Feind aus,
den du bei der Verfolgung nicht fandest.
Da trat Barak ein und fand Sisara tot.
Da sprach er:
Gepriesen sei der Herr, der seinen Geist gesandt und der gesprochen:
„In eines Weibes Hand wird Sisara ausgeliefert.“
Nach diesen Worten nahm er dem Sisara das Haupt weg,
sandte es seiner Mutter und ließ ihr sagen:
„Empfange deinen Sohn, den du beutebeladen erwartest!“


32. Kapitel: Das Deboralied
1
Da sangen Debora, Barak, Abinoams Sohn, und das ganze Volk

an jenem Tag dem Herrn ein Loblied und sprachen:
„Fürwahr, vom hohen Himmel hat der Herr uns seine Herrlichkeit gezeigt,
wie er an früheren Orten tat,
indem er seine Stimme sandte,
der Menschen Sprachen zu verwirren,
und unser Volk erwählte
und aus dem Feuer unsern Vater Abraham befreite
und ihn vor allen seinen Brüdern auserwählte
und ihn beschützte vor dem Feuer
und ihn befreite von des Turmbaus Ziegelsteinen
und einen Sohn ihm gab im höchsten Alter
und ihn aus unfruchtbarem Mutterschoße werden ließ.
Und alle Engel wurden seinetwegen eifersüchtig,
und neidig waren ihm der Heerscharen Führer.

2
Und als sie gegen ihn so eiferten,

sprach Gott zu ihm:
Nun schlachte deine Leibesfrucht für mich
und bringe mir als Opfer das,
was dir von mir gegeben ward!
Und Abraham ging sogleich, ohne sich zu weigern.
Und als er hinzog, sagte er zu seinem Sohn:
Jetzt bring ich dich, mein Sohn, zum Opfer dar;
ich geb dich in die Hände dessen,
der dich mir gab, zurück.

3
Da sprach der Sohn zum Vater:

Hör doch, mein Vater!

[806]

Man nimmt ein Lämmchen aus den Herden
als Gabe für den Herrn zum süßen Wohlgeruch
und für des Menschen Sünden sind zur Tötung Tiere nur bestimmt;
der Mensch dagegen ist bestimmt,
die Welt sich anzueignen.
Wie sagst du da zu mir:
Komm, mach ein sicheres Leben dir zu eigen
und eine Zeit ganz unermeßlich?
Wie nun, wenn ich nicht in der Welt zum Zweck geboren bin,
um dem, der mich gemacht,
zum Schlachtopfer gebracht zu werden?
Es soll mein Segen doch den aller Menschen übertreffen;
es soll ja Ähnliches nichts geben.
Da sollen die Geschlechter an mir lernen,
die Völker durch mich einsehen,
daß sich der Herr herbeiläßt,
als Opfer seiner würdig, eine Menschenseele anzunehmen?

4
Als nun der Vater seinen Sohn auf den Altar verbrachte

und ihm die Füße band, um ihn zu schlachten,
da ließ gar eilends der Allmächtige
die Stimme von der Höhe her ertönen:
Töt doch nicht deinen Sohn,
noch wolle deine Leibesfrucht vernichten!
Ich zeigte jetzt, daß ich auch denen,
die mich nicht kennen, wohl erscheinen kann,
und ich verschloß den Mund so denen,
die gegen dich stets übel reden.
Doch wird dein Andenken vor mir beständig sein;
dein Name und der deines Sohnes werden ewig währen.

5
Er gab dem Isaak dann zwei Söhne,

auch diese aus verschlossenem Mutterschoß.
Es war drei Jahre ihre Mutter schon verheiratet.
Und also wird kein anderes Weib es haben,
noch irgendeine Frau sich rühmen können.
Im dritten Jahre wurden ihr zwei Söhne ja geboren,
Jakob und Esau.
Den Jakob liebte Gott;
den Esau aber haßte er um seiner Taten willen.

6
Im Greisenalter segnete sein Vater Jakob

und sandte ihn nach Mesopotamien.
Daselbst erzeugte er zwölf Söhne,
und diese zogen nach Ägypten
und ließen sich da nieder.

7
Als ihre Feinde sie gar schlimm behandelten,

da schrie das Volk zum Herrn,
und ihr Gebet ward dann erhört.
Er führte sie von dort heraus
und brachte sie zum Berge Sinai,

[807]

gab ihnen da die Grundlagen der Einsicht,
die er seit Anbeginn der Welt schon vorbereitet.
Da ward das Fundament erschüttert.
In Scharen flogen hin in ihrem Lauf die Blitze;
die Winde tönten aus den Vorratskammern;
die Erde ward in ihrem Grund erschüttert;
die Berge und die Felsen zitterten in ihren Wurzeln;
die Wolken gaben ihre Wasser gegen Feuerflammen,
daß sie die Welt nicht ganz verbrannten.

8
Da ward die Tiefe aufgeweckt aus ihren Quellen,

und alle Meeresströme flossen da in eins zusammen.
Das Paradies ließ seiner Früchte Wohlgeruch verströmen;
die Zedern Libanons bewegten sich von ihren Wurzeln;
des Feldes Tiere wurden aufgeschreckt in ihren Waldlagern,
und alle seine andern Werke kamen allzumal zusammen,
den Herrn zu schauen,
wie er nun seinen Bund den Söhnen Israels verlieh.
Und alles, was da der Allmächtige gesagt,
das hielt er auch;
zum Zeugen nahm er seinen Liebling Moses.

9
Und als er starb,

wies er das Firmament ihm an
und zeigte ihm die Zeugen,
die wir jetzt haben, mit den Worten:
„Es seien Zeugen zwischen mir und dir
und meinem Volk der Himmel, den du jetzt betreten hast,
die Erde, worauf du bisher gewandelt!
Denn Sonne, Mond und Sterne sollen eure Diener sein.“

10
Als Josue des Volkes Leitung übernahm,

geschah es, daß am Tage, wo der Feind angriff,
der Abend kam,
der Kampf jedoch noch weiter währte.
Da sprach zur Sonne und zum Monde Josue:
Ihr Diener, die ihr seid gemacht
für die Vermittlung zwischen dem Allmächtigen und seinen Söhnen,
jetzt geht der Kampf noch immer weiter,
und da vergeßt ihr eure Pflichten?
Steht also heute still
und leuchtet seinen Söhnen
und machet dunkel seinen Feinden!
Sie taten so.

11
Dann hatte sich in diesen Tagen Sisara erhoben,

euch ganz zu knechten.
Da schrieen wir zu unserm Herrn,
und er gebot den Sternen mit den Worten:
Verlasset eure Ordnungen!
Verbrennet meine Feinde,
auf daß sie meine Macht erkennen!

[808]

Die Sterne stiegen da herab, ihr Lager umzustürzen.
Sie schützten uns gar mühelos.

12
Lasst uns mit Lobgesängen drum nicht aufhören;

noch schweige unser Mund,
wenn’s seine Wunder zu berichten gilt!
Er hat sich ja der neuen und der älteren Versprechen wohl erinnert
und seine Rettermacht uns klar gezeigt.
Deshalb wird bei den Weibern Jael hoch gepriesen,
weil sie allein das gute Ende brachte;
sie tötete mit eigenen Händen Sisara.

13
Erheb dich, Erde! Geht, ihr Himmel und ihr Blitze!

Ihr Engel und ihr Scharen, geht!
Ja geht und kündet es den Vätern in den Seelenkammern:
Nicht die geringste der Verheißungen vergaß je der Allmächtige,
sie, die er uns mit diesen Worten gab:
„Ich will an euren Söhnen viele Wunder tun.“
Jetzt weiß man auch seit diesem Tag:
„Sagt Gott den Menschen, daß er etwas tue,
dann wird er dieses auch vollbringen.“

14
Mag man auch mit dem Lobgesange zögern,

dann singe du, Debora!
Es wach des heiligen Geistes Gnade in dir auf!
Fang an, des Herren Werke laut zu loben,
weil nimmermehr ein solcher Tag erscheint,
durch den die Sterne künden
und Israels Feinde überwältigen,
so, wie es ihnen ward befohlen.
Wenn Israel von dieser Stunde ab in irgendwelche Not gerät,
so ruf es jene Zeugen an, zugleich mit ihren Dienern!
Sie sollen als Gesandte zu dem Allerhöchsten gehen,
und dieser wird dann in Erinnerung an jenen Tag
Befreiung seinem Bund gewähren.

15
Und du, Debora, fange an,

zu künden, was du auf dem Felde sahest,
wie da in Sicherheit die Stämme wandelten,
weil die Gestirne für sie kämpften!
Freu, Land, dich über deine Einwohner!
In dir ist ja das Wissen um den Herrn,
der seine Feste in dir baute.
Mit Recht nahm Gott
vom Erstgeschaffenen um deinetwillen eine Rippe;
er wußte, daß aus seiner Rippe Israel geboren wurde.
Zum Zeugnis dient ja deine Schöpfung
für das, was seinem Volk der Herr getan.

16
Verweilet doch, ihr Tagesstunden!

Wollt nicht so eilen,
daß wir erzählen, was nur unser Sinn kann vorbringen!
Denn eine Nacht steht uns bevor.

[809]

Sie gleicht der Nacht, worin die Erstgeburt Ägyptens Gott geschlagen,
um seines Erstgeborenen willen.

17
Dann höre ich mit meinem Lobgesange auf,

dieweil die Zeit für sein Gericht bereitet wird.
Jetzt sing ich ihm, als ob die Schöpfung neu geschaffen würde.
Das Volk soll dieser Rettung sich erinnern!
Sie soll zum Zeugnis ihnen dienen!
Das Meer mit seiner Tiefe sei auch Zeuge!
Denn nicht allein hat Gott
es vor dem Angesichte unserer Väter ausgetrocknet;
er hat die Sterne auch aus ihren Ordnungen gerissen
und unsere Feinde überwältigt. –

18
Als Debora ihren Sang beendigt hatte,

ging sie mit dem Volk einhellig nach Silo.
Da brachten sie Opfer und Brandopfer dar
und bliesen auf den großen Trompeten.
Als sie sangen und die Opfer darbrachten,
sprach Debora:
Dies wird ein Zeugnis der Trompeten sein
zwischen den Sternen und ihrem Herrn.


33. Kapitel: Deboras Abschied und Tod
1
Debora ging von dort hinab

und richtete Israel vierzig Jahre.
Als ihr Todestag herankam,
ließ sie alle Stämme versammeln und sprach zu ihnen:
Höret mich an, ihr meine Stämme!
Ich vermahne euch als Gottesweib
und belehre euch als Angehörige des weiblichen Geschlechtes.
Schenket mir Gehör als eurer Mutter
und horchet auf meine Worte als die einer Sterbenden!

2
Ich gehe jetzt, zu sterben,

auf den Weg alles Fleisches, den auch ihr betreten werdet.
Richtet nur euer Herz auf den Herrn, euren Gott, in eurem Leben,
weil ihr nach eurem Tod eure Lebensform nicht mehr bereuen könnt!

3
Denn der Tod ist jetzt schon bestimmt und fertig;

das Maß, die Zeit und die Jahre geben nur ihr Anvertrautes zurück.
Wolltet ihr in der Unterwelt nach eurem Tode Böses tun,
so werdet ihr es nicht vermögen.
Denn die Lust zum Sündigen hört auf,
und der böse Trieb verliert seine Macht.
Und die Unterwelt gibt das ihr Überantwortete nicht mehr heraus,
außer wenn es von dem, der es ihr anvertraute, zurückgefordert wird.
Nun also, meine Söhne, höret auf meine Stimme!
Solange ihr noch das Leben und das Licht des Gesetzes besitzet,
solange macht eure Wege gerade!

4
Nach diesen Worten der Debora

erhoben alle Scharen einhellig ihre Stimme und riefen:

[810]

Mutter, du stirbst und verlässest jetzt deine Söhne.
Wem empfiehlst du sie an?
Bete doch für uns,
und nach deinem Hingang sei für immer deine Seele unser eingedenk!

5
Da sprach Debora zum Volke:

Solange der Mensch lebt,
kann er für sich und seine Kinder beten;
nach seinem Ende aber kann er weder Fürsprache einlegen,
noch sich an irgend jemand erinnern.
Hoffet deshalb nicht auf eure Väter!
Sie nützen euch nichts, wenn ihr ihnen nicht gleichet.
Dann aber gleicht eure Ähnlichkeit des Himmels Sternen,
die sich zu dieser Zeit an euch offenbarten.

6
Da starb Debora und entschlief zu ihren Vätern:

sie ward in ihrer Väter Stadt begraben,
und die Scharen betrauerten sie siebzig Tage.
In ihrer Trauer sprachen sie diese Worte:
Eine Mutter ging aus Israel dahin;
eine Heilige hatte die Leitung in Jakobs Haus gehabt.
Sie machte ein starkes Gehege um ihr Geschlecht,
und ihr Geschlecht wird sie vermissen.
Nach ihrem Tode hatte das Land sieben Jahre Ruhe.


34. Kapitel: Der Zauberer Aod
1
In jener Zeit kam ein gewisser Aod von Madians Priestern herauf;

er war ein Zauberer und sprach also zu Israel:
Wozu befaßt ihr euch mit eurem Gesetz?
Kommt! Ich zeige euch etwas, was eurem Gesetze fehlt.
Da sprach das Volk:
Was kannst du uns zeigen, das unser Gesetz nicht hat?
Er sagte zum Volke:
Habt ihr wohl schon die Sonne bei Nacht gesehen?
Sie sagten: Nein.
Da sprach er: Wenn ihr wollt, dann zeige ich sie euch.
Alsdann erkennet ihr, daß unsere Götter Macht besitzen
und ihre Diener nicht betrügen.
Da sagten sie zu ihm: Zeige es!

2
Da ging er weg und hantierte mit seinen Zaubermitteln,

indem er den Engeln, die der Zauberei vorstanden, Befehle gab;
denn er opferte ihnen seit langer Zeit.

3
Den Engeln wurde nämlich etwas gezeigt,

bevor sie gerichtet wurden,
und sie hätten die unermeßliche Welt verderben können;
aber weil sie sündigten,
behielten die Engel nicht länger die Macht hierzu.

[811]

Denn als sie gerichtet wurden,
verblieb ihnen ihre Macht nicht restlos.
Damit wirken nun die, die den Menschen bei Zaubereien dienen,
bis das unermeßliche Zeitalter kommt.

4
In jener Zeit zeigte nun Aod dem Volk die Sonne bei Nacht.

Da riefen die Scharen voll Staunen:
Wieviel vermögen der Madianiter Götter?
Und wir wußten es nicht.

5
Und Gott ließ es den Engeln zu,

weil er Israel erproben wollte, wie es jetzt in Sünden wäre.
So gelang ihr Werk, und das Volk Israel ward betrogen.
Es begann nun, den Göttern der Madianiter zu dienen.
Da sprach Gott: Ich überliefere sie jetzt den Händen der Madianiter,
weil sie sich von diesen betrügen ließen.
So übergab er sie ihren Händen,
und die Madianiter begannen, sie zu knechten.


35. Kapitel: Gedeons Berufung
1
Gedeon war der Sohn des Joas

und der stärkste Mann unter all seinen Brüdern.
Als es Sommer war, ging er ins Gebirge, Garben auszuklopfen;
denn er flüchtete sich vor den einfallenden Madianitern.
Da begegnete ihm des Herrn Engel
und sprach zu ihm:
Woher? Wohin?

2
Er sprach zu ihm:

Was fragst du mich, woher ich komme?
Bedrängnis ist rings um mich;
Israel ist ja in Not geraten.
Es ist den Händen der Madianiter ausgeliefert.
Wo bleiben nun die Wunder, wovon unsere Väter erzählten, indem sie sagten:
„Der Herr hat Israel allein aus allen Erdenvölkern erwählt“?
Eben hat er uns ausgeliefert und die Verheißungen vergessen,
die er unsern Vätern machte.
Wir wollten ja lieber einmal den Tod erleiden,
als daß dein Volk die Zeit über so gestraft wird.

3
Da sprach zu ihm des Herrn Engel:

Ihr wurdet nicht grundlos ausgeliefert;
eure eigenen Betrügereien verschafften euch dies.
Weil ihr die vom Herrn empfangenen Verheißungen fahren ließet,
kamen über euch diese Übel.
Ihr dachtet nicht mehr an Gottes Gebote, die eure Vorfahren euch überlieferten.
Deshalb erregtet ihr eures Gottes Mißfallen.
Doch will er sich eurer so erbarmen,
wie sich noch niemand des Geschlechtes Israel erbarmte,
aber nicht euretwegen, sondern um der Entschlafenen willen.

[812]
4
Nun komm! Ich sende dich hin,

und du befreist Israel aus der Madianiter Gewalt.
Denn dies sagt der Herr:
Ist auch Israel nicht gerecht,
so sind die Madianiter gleichfalls Sünder.
Ich kenne ja die Sünde meines Volkes;
aber ich will sie ihm verzeihen
und erst später seine Ungerechtigkeiten rügen;
an den Madianitern aber nehme ich schon in der Gegenwart Rache.

5
Da sprach Gedeon:

Wer bin ich und was ist mein Vaterhaus,
daß ich gegen die Madianiter in den Kampf ziehen soll?
Da sprach zu ihm der Engel:
Glaubst du vielleicht, Gottes Weg sei wie der Weg der Menschen?
Die Menschen befassen sich mit weltlichem Ruhm und Reichtum,
Gott aber mit dem Rechten und Guten und mit Demut.
Geh jetzt und umgürte deine Lenden!
Der Herr wird mit dir sein.
Dich erwählte er ja,
daß du an seinen Feinden Rache nähmest, wie er dich geheißen hat.

6
Da sprach Gedeon zu ihm:

Mein Herr, werde nicht unwillig, wenn ich ein Wort sage!
Moses, aller Propheten Erster, erbat sich vom Herrn ein Zeichen,
und es ward ihm gegeben.
Mir nun, der ich nichts bin,
als daß mich der Herr zufällig erwählte,
gebe er auch ein Zeichen, damit ich weiß, daß ich geführt werde!

7
Da sprach des Herrn Engel zu ihm:

Lauf hin und hol mir Wasser aus jener Grube!
Gieß es auf diesen Felsen!
Dann gebe ich dir ein Zeichen.
Da ging er hin und holte es, wie er ihn hieß.
Da sprach der Engel zu ihm:
Bevor du Wasser auf den Felsen gießest,
bitte um das, was aus ihm werden soll, Blut oder Feuer,
oder daß es nicht überall gesehen werde!
Da sprach Gedeon:
Es werde halb Blut und halb Feuer!
Dann goß Gedeon Wasser auf den Felsen.
Nachdem er es ausgegossen,
wurde die eine Hälfte eine Flamme, die andere Blut
und beides, d. h. Feuer und Blut, mischte sich.
Weder löschte das Blut das Feuer aus,
noch verzehrte das Feuer das Blut.
Als Gedeon dies sah,
bat er noch um andere Zeichen,
und sie wurden ihm gewährt.
Finden sie sich nicht im Richterbuch aufgezeichnet?


[813]
36. Kapitel: Gedeons Sieg über Madian
1
Gedeon nahm nun dreihundert Mann, zog aus

und kam an den Rand des Madianiterlagers;
da hörte er einen zum andern sagen:
Ihr werdet eine unberechenbare Verwirrung erleben
durch Gedeons Schwert, das über uns kommt;
denn Gott gibt das Madianiterlager in seine Hände,
und er beginnt uns zu vernichten,
selbst die Mütter mit den Kindern;
denn unsere Sünden sind voll.
Auch unsere Götter zeigten es uns an;
wir glaubten ihnen aber nicht.
Jetzt auf! Retten wir unser Leben und fliehen wir!

2
Sobald Gedeon diese Worte hörte,

ward er mit dem Geist des Herrn angetan,
und also gestärkt sprach er zu den dreihundert Männern:
Auf! Jeder von euch umgürte sich sein Schwert!
Denn die Madianiter sind unsern Händen überliefert.
Da gingen mit ihm die Männer hinab.
So griff er an und begann den Kampf.
Sie bliesen in die Trompeten
und schrien zugleich:
„Das Schwert des Herrn ist über uns.“
Da erschlugen sie von den Madianitern ungefähr 120 000 Mann,
und die übrigen Madianiter flohen.

3
Dann kam Gedeon,

versammelte das Volk Israel
und sprach zu ihm:
Der Herr sandte mich, euren Kampf auszufechten,
und so zog ich aus, wie er mich hieß.
Jetzt habe ich die eine Bitte an euch:
Wendet euer Antlitz nicht ab!
Und gebt mir jeder von euch die goldenen Armbänder an euren Armen!
Da breitete Gedeon sein Unterkleid aus,
und sie legten alle ihre Armbänder hinein.
Als alles gewogen wurde,
belief sich sein Gewicht auf zwölf Talente.

4
Gedeon nahm sie

und machte daraus Götzenbilder, die er anbetete.
Da sprach Gott:
Es gibt nur einen Grund,
daß ich Gedeon nicht bei Lebzeiten züchtige;
er zerstörte nämlich den Baalsaltar,
wobei alles sagte: Baal räche sich selbst!
Strafe ich ihn nun, weil er sich jetzt gegen mich versündigte,
so sagt man: Nicht Gott züchtigte ihn,
sondern Baal, weil er sich früher an ihm versündigte.

[814]

Deshalb soll Gedeon in schönem Alter sterben,
damit sie nichts zu reden haben.
Aber später, wenn Gedeon tot ist,
will ich ihn noch einmal bestrafen,
weil er sich an mir vergangen hat.
So starb Gedeon in schönem Alter
und ward in seiner Stadt begraben.


37. Kapitel: Abimelech
1
Er hatte nur einen Sohn von einem Nebenweib;

er hieß Abimelech.
Dieser tötete alle seine Brüder,
weil er Führer des Volkes sein wollte.

[Ein Blatt verloren]
2
Da kamen alle Bäume des Feldes beim Feigenbaum zusammen

und sprachen:
Komm; sei du unser König!
Da sprach der Feigenbaum:
Bin ich für eine Königsherrschaft geboren
oder für eine Herrschaft über die Bäume?
Oder ward ich zu dem Zweck gepflanzt,
daß ich euer König sei?
So wenig ich nun euer König sein kann,
so wenig kann Abimelech für seine Herrschaft Bestand erlangen.
Dann kamen alle Bäume zum Weinstock und sprachen:
Komm; sei du unser König!
Da sprach der Weinstock:
Ich ward gepflanzt,
um den Menschen des Weines Süßigkeit zu spenden,
und ich werde gepflegt,
um ihnen meine Frucht zu liefern.
Aber wie ich nicht euer König sein kann,
so wird Abimelechs Blut von euch gefordert werden.
Dann kamen die Bäume zum Apfelbaum und sprachen:
Komm; sei du unser König!
Er sprach:
Ich bin geheißen, den Menschen wohlschmeckende Früchte zu liefern;
deshalb kann ich nicht euer König sein;
Abimelech aber wird durch Steine sterben.

3
Da kamen die Bäume zum Dornbusch und sprachen:

Komm; sei du unser König!
Da sprach der Dornbusch:
Als der Dorn heranwuchs,
da leuchtete die Wahrheit in Form eines Dorns hervor.
Und als der Erstgeschaffene zum Tod verurteilt ward,
ward die Erde dazu verurteilt, Dornen und Disteln zu tragen.
Als die Wahrheit den Moses erleuchtete,
erleuchtete sie ihn durch einen Dornbusch.

[815]

Nun wird auch durch mich von euch die Wahrheit vernommen werden.
Sagtet ihr nämlich aufrichtig zum Dornbusch,
er solle in Wirklichkeit euer König sein,
dann lasset euch in seinem Schatten nieder!
Geschah es aber nur heuchlerisch,
dann gehe Feuer aus und verzehre und fresse die Bäume des Feldes!
Denn dann war der Apfelbaum ein Richter
und der Feigenbaum das Volk und der Weinstock der Henker.

4
Dann ist (der Dornbusch) unter euch,

wie Abimelech, der seine Brüder ungerecht erschlug
und über euch herrschen wollte.
Ist Abimelech derer wert, die er beherrschen will,
dann sei er wie der Dornbusch,
der die Toren im Volk rügen soll!
Da ging vom Dornbusch Feuer aus
und verbrannte die Bäume auf dem Felde.

5
Hernach regierte Abimelech über das Volk ein Jahr und sechs Monate;

dann starb er, als auf ihn ein Weib einen halben Mühlstein warf.

[Eine Lücke]


38. Kapitel: Jair
1
Dann richtete Jair Israel zweiundzwanzig Jahre.

Dieser baute dem Baal einen Altar
und verführte das Volk mit den Worten:
„Wer dem Baal nicht opfert, muß sterben.“
Als nun das ganze Volk opferte,
wollten allein sieben Männer nicht opfern;
sie hießen: Dephal, Abiesdrel, Getalibal,
Selami, Assur, Jonadeli und Memiel.

2
Diese sprachen zu Jair:

Wir sind eingedenk der Gebote,
die unsere Vorfahren und unsere Mutter Debora uns gaben mit den Worten:
Sehet zu, daß ihr euer Herz weder rechts noch links abbiegen lasset!
Befasset euch vielmehr mit dem Gesetz des Herrn Tag und Nacht!
Warum verdirbst du nun des Herrn Volk
und verführst es mit den Worten:
„Baal ist Gott;
ihn wollen wir anbeten?“
Nun! Ist er Gott, wie du sagst,
dann rede er wie Gott
und wir werden ihm opfern.

3
Da sprach Jair:

Verbrennet diese; denn sie lästern Baal!
Da packten seine Knechte sie, um sie zu verbrennen.
Wie sie nun sie ins Feuer warfen,
ging der Engel Nataniel aus, der dem Feuer vorsteht,
löschte das Feuer
und verbrannte des Jair Knechte;

[816]

den sieben Männern aber verhalf er so zur Flucht[,]
daß niemand vom Volk sie sah:
denn er schlug das Volk mit Blindheit.

4
Als Jair an den Ort kam,

ward auch er vom Feuer ergriffen;
bevor er aber verbrannte,
sprach des Herrn Engel zu ihm:
Höre das Wort des Herrn, bevor du stirbst!
Dies spricht der Herr:
Ich holte dich aus Ägypterland
und setzte dich zum Fürsten über mein Volk.
Du aber erhobest dich,
verderbtest meinen Bund und verführtest sie;
du versuchtest, meine Diener zu verbrennen,
weil sie dich zur Rede stellten.
Diese wurden von vergänglichem Feuer angegriffen;
jetzt aber sind sie durch ein lebendiges Feuer erquickt
und befinden sich in Freiheit.
Du aber mußt sterben, spricht der Herr,
und in dem Feuer, worin du stirbst, verbleiben.
Hernach verbrannte es ihn
und es kam bis zur Baalssäule, die es vernichtete,
und es verbrannte den Baal samt den umherstehenden Scharen,
an tausend Mann.


39. Kapitel: Jephta
1
Darnach kamen die Ammoniter

und begannen, Israel anzugreifen.
Sie nahmen viele ihrer Städte ein.
Als nun die Scharen arg in Not waren,
versammelten sie sich in Masphat,
wobei sie zueinander sagten:
Jetzt erleben wir, daß uns eine Bedrängnis umfängt,
und dabei ist der Herr von uns gegangen
und ist nicht mehr bei uns;
unsere Feinde nahmen unsere Städte ein,
und kein Führer ist da, der vor uns ein- und auszieht.
Laßt uns also sehen, wen wir über uns setzen könnten,
damit er unsere Kämpfe ausfechte!

2
Nun war der Galaadite Jephta sehr stark,

und weil er auf seine Brüder eifersüchtig war,
hatten sie ihn aus seinem Land vertrieben.
So hatte er sich im Lande Tobi niedergelassen.
Und Flüchtlinge kamen bei ihm zusammen und blieben bei ihm.

3
Als nun Israel angegriffen wurde,

kamen sie zu Jephta im Land Tobi
und sprachen zu ihm:
Komm; regiere das Volk!

[817]

Denn wer weiß,
ob du nicht deshalb für diese Tage aufbewahrt bliebest,
oder ob du nicht deswegen dich von deinen Brüdern trenntest,
damit du in dieser Zeit deinem Volk vorständest?

4
Da sprach Jephta zu ihnen:

Kehrt also nach dem Hass die Liebe zurück,
oder überwindet die Zeit alle Dinge?
Ihr vertriebet mich ja aus meinem Land und Vaterhaus.
Jetzt kommet ihr zu mir, da ihr in Not seid?
Da sprachen sie zu ihm:
Wenn sich unserer Väter Gott nicht mehr unserer Sünden erinnerte,
sondern uns befreite, trotzdem wir gegen ihn gesündigt,
und er uns unsern Feinden ausgeliefert
und wir von ihnen bedrückt waren,
was willst denn du, Sterblicher,
dich der Ungerechtigkeiten, die bei uns vorkamen, erinnern,
und zwar gerade in der Zeit unserer Trübsal?
Deshalb gefalle es dir nicht so, Herr!

5
Da sprach Jephta:

Gott kann unsere Sünden vergessen,
weil er Zeit und Ort hat,
wo er von seiner Langmut ausruhen kann;
er ist ja Gott.
Ich bin ein Sterblicher, aus Erde gemacht.
Wohin soll ich zurückkehren und wohin meinen Grimm werfen
und die Unbill, womit ihr mich beleidigtet?
Da sprach das Volk zu ihm:
Dich belehre die Taube, der Israel gleicht!
Nimmt man ihr auch ihre Jungen,
so verlässt sie doch nicht ihren Platz;
sie mißachtet vielmehr ihre Unbill und vergißt sie,
als ob sie in Meerestiefe läge.

6
Da erhob sich Jephta, zog mit ihnen,

versammelte das ganze Volk und sprach zu ihm:
Ihr wisset:
Solange unsere Führer lebten,
mahnten sie uns zur Befolgung unseres Gesetzes.
Ammon und seine Söhne aber lenkten das Volk von seinem Weg ab,
worauf es wandelte;
sie dienten fremden Göttern, die sie verderben sollten.
Jetzt aber richtet euer Herz auf das Gesetz des Herrn, eures Gottes,
und laßt uns ihn einmütig anflehen!
Dann wollen wir so gegen unsere Feinde kämpfen,
voll Vertrauen und Hoffnung auf den Herrn,
daß er uns nicht für immer ausliefern werde.
Sind unsere Sünden auch überreichlich,
so füllt seine Barmherzigkeit trotzdem die ganze Erde an.

[818]
7
Da betete einmütig das Volk,

Männer und Weiber, Kinder und Säuglinge.
Und betend sprachen sie:
Wende dich, Herr, zu dem Volk, das du erwählt,
und verdirb nicht den Weinberg, den deine Rechte gepflanzt!
Dies Volk sei vor dir ein Erbe, das du von Anfang an besaßest,
das du immer bevorzugtest, wofür du Wohnsitze schufest
und das du in das von dir eidlich zugesicherte Land einführtest!
Überliefere uns nicht denen, die dich hassen, Herr!

8
Da bereute Gott seinen Zorn

und machte Jephtas Geist stark.
Und er sandte einen Boten zum Ammoniterkönig Getal
und ließ sagen:
Warum quälst du unser Land und nahmst meine Städte weg?
Oder warum peinigst du uns?
Dir befahl Israels Gott nicht,
du sollest die Bewohner des Landes vernichten.
Gib mir jetzt meine Städte zurück!
Dann läßt mein Zorn von dir ab.
Wenn nicht, dann wisse,
daß ich gegen dich ziehe, dir das Vergangene vergelte
und dir deine Bosheiten auf dein Haupt zurückgebe!
Oder weiß ich vielleicht nicht,
wie heimtückisch ihr in der Wüste dem Volk Israel gegenüber waret?
Jephtas Gesandte richteten diese Aufträge dem Ammoniterkönig aus.

9
Da sprach Getal:

Glaubte Israel,
es könne das, was es vom Amoriterlande nahm, behalten?
Deshalb meldet:
Ihr sollt wissen,
daß ich jetzt von dir die übrigen Städte hole,
dir deine Bosheit vergelte
und die von dir geschädigten Amoriter räche!
Da ließ Jephta nochmals dem Ammoniterkönig melden:
Ich weiß bestimmt:
Gott führte dich hieher, daß ich dich vernichten kann,
wenn du nicht von der Ungerechtigkeit ablässest,
womit du Israel quälst;
deshalb komme ich zu dir und zeige mich dir.
Denn nicht die Götter sind es, wie ihr sagt,
die euch euren Besitz verliehen.
Weil ihr euch aber durch Steine verführen ließet,
so kommt zur Strafe Feuer über euch.

10
Der Ammoniterkönig wollte aber nicht auf Jephta hören.

So erhob sich Jephta und bewaffnete das ganze Volk
zum Auszug und zur Kampfbereitschaft,
wobei er sagte:
Werden die Ammoniter in meine Hände gegeben und kehre ich zurück[,]

[819]

dann wird alles, was mir zuerst entgegenkommt,
ein Brandopfer für den Herrn werden.

11
Da ward der Herr sehr zornig und sprach:

Jephta gelobte mir
all das, was ihm zuerst begegnete, zu opfern.
Wenn nun zuerst dem Jephta ein Hund begegnet,
wird mir dann ein Hund geopfert?
Jetzt soll des Jephta Gelübde seine Erstgeburt
d. i. seine Leibesfrucht und sein Gebet seine einzige Tochter treffen.
Ich aber rette mein Volk in dieser Zeit,
nicht seinetwegen, sondern wegen des von Israel verrichteten Gebetes.


40. Kapitel: Jephtas Tochter
1
Da zog Jephta aus und griff die Ammoniter an.

Da gab sie der Herr in seine Hände
und er eroberte von ihnen sechzig Städte.
Und Jephta kehrte heil zurück.
Da kamen ihm die Frauen in Chören entgegen.
Er aber besaß eine einzige Tochter,
und diese zog als erste in den Chören ihrem Vater entgegen.
Jephta sah sie;
da ward er entsetzt und rief:
Mit Recht trägst du den Namen Seïla,
daß du zum Opfer dargebracht werdest.
Wer legt jetzt mein Herz auf die Wage
und auf die Wagschale meine Seele?
Ich möchte hintreten und sehen,
ob das eine das andere überwiegt,
die Freude, die mir zuteil geworden,
oder das Leid, das mich trifft?
Ich öffnete ja meinen Mund in einem Gelübdegesang dem Herrn;
deshalb kann ich es nicht mehr zurücknehmen.

2
Da sprach seine Tochter Seila zu ihm:

Wer könnte sich zu Tod betrüben,
wenn er das Volk in Freiheit sieht?
Oder weißt du nicht mehr,
was in unserer Väter Tagen geschah,
als der Vater seinen Sohn als Brandopfer hinlegte,
und als dieser ihm nicht widersprach,
sondern frohlockend einwilligte?
Der geopfert ward, war bereit
und der Opfernde voller Freude.

3
Erklär doch jetzt nicht für nichtig, was du gelobtest,

sondern gewähr mir eine Bitte!
Ich richte an dich vor meinem Sterben eine sehr kleine Bitte:
Ich bitte um die Erlaubnis,
bevor ich meine Seele hingebe,

[820]

in die Berge gehen,
die Hügel durchwandern
und die Felsen durchschreiten zu dürfen,
ich und meine jungfräulichen Gespielinnen.
Ich will bei ihnen meine Tränen strömen lassen
und meine Jugend betrauern.
Des Gefildes Bäume sollen mich beweinen
und die wilden Tiere mich beklagen!
Ich bin ja nicht darüber bekümmert, daß ich sterben muß,
noch kränkt es mich, dass ich meine Seele hingeben soll,
sondern weil mein Vater zu rasch mit seinem Gelübde war.
Bringe ich mich nicht freiwillig zum Opfer dar,
so fürchte ich, mein Tod würde nicht wohlgefällig sein,
oder ich würde vergeblich meine Seele verlieren.
Dies will ich den Bergen erzählen
und dann zurückkehren.
Da sprach ihr Vater: Ziehe hin!

4
Da zog Jephtas Tochter Seïla mit ihren jungfräulichen Gespielinnen fort.

Dann ging sie hin und erzählte es den Weisen im Volk.
Niemand aber konnte auf ihre Rede Bescheid geben.
Dann ging sie auf das Gebirge Stelac.
Da dachte der Herr bei Nacht an sie und sprach:
Ich sperrte die Zunge der Weisen meines Volkes vor diesem Geschlecht ab,
daß sie der Jephtatochter nicht Bescheid geben konnten,
damit mein Wort erfüllt würde
und nicht zunichte würde mein Plan, den ich ersann.
Ich sah, daß sie weiser ist als ihr Vater,
und eine Jungfrau klüger als alle Weisen hier.
Jetzt soll ihr Leben auf ihr Begehren hingegeben werden
und ihr Tod soll allzeit kostbar vor meinem Angesicht sein
und bei ihrem Hingang soll sie in ihrer Mutter Schoß kommen.

5
Als nun Jephtas Tochter auf das Gebirge Stelac kam,

begann sie zu weinen.
Dies ist ihr Klagelied,
worin sie sich beklagte und beweinte,
bevor sie hinging;
sie sprach:
Ihr Berge, hört mein Klagelied!
Ihr Hügel, schauet meiner Augen Tränen,
und Zeugen meines Seelenleides sollt ihr Felsen sein!
Fürwahr, wie werde ich getadelt!
Doch nicht vergeblich soll mein Leben hingegeben sein!
Zieht, meine Worte, in den Himmel!
Laßt, meine Tränen, in das Firmament euch schreiben!
Nicht zwang der Vater seine Tochter,
die er als Opfergabe gelobt.
Es mög sein Herrscher hören.

[821]

von einer einzigen Tochter,
die da als Opfergabe ward versprochen!

6
Ich ward mit meinem Brautbett nicht erfreut

und nicht mit meinen Hochzeitskränzen überdeckt.
Nicht wurde ich mit Pracht in meiner Jungfernschaft bekleidet,
noch braucht ich Moschus für den Wohlgeruch,
noch labt sich meine Seele
am Salböl, das man mir bereitet hätte.
O meine Mutter!
Vergeblich hast du deine Einzige geboren
und sie zur Welt gebracht.
Mein Brautbett ist die Unterwelt.
Gießt aus das Ölgemisch, das du für mich bereitet!
Das weiße Kleid, von meiner Mutter mir gewoben, soll die Motte fressen!
Der Kranz, den meine Amme flocht, soll bald verwelken!
Die Hülle, die sie wob aus blauem und aus rotem Purpur,
die sollen Würmer fressen!
Wenn die jungfräulichen Gespielinnen von mir erzählen,
dann sollen sie in Seufzern mich gar manchen Tag beklagen!

7
Ihr Bäume, neiget eure Zweige!

Beklaget meine Jugend!
Kommt aus den Wäldern her, ihr Tiere
und jammert über meine Jungfrauschaft!
Denn meine Jahre sind verkürzt
und meine Lebenstage altern in der Finsternis.

8
Nach diesen Worten kehrte Seïla zu ihrem Vater zurück.

Da tat er alles, was er gelobt hatte,
und brachte Brandopfer dar.
Da kamen alle Jungfrauen Israels herbei,
begruben die Jephtatochter und betrauerten sie.
Auch die Söhne Israels veranstalteten eine große Trauer
und bestimmten für den vierzehnten Tag dieses Monats,
daß sie jedes Jahr zusammenkämen
und vier Tage die Jephtatochter beklagten.
Ihr Grabmal benannten sie nach ihrem Namen Seïla.

9
Jephta richtete die Israeliten zehn Jahre lang;

dann starb er und ward bei seinen Vätern begraben.


41. Kapitel: Der Richter Abdon und Elon
1
Nach ihm erhob sich Moab.

Richter in Israel aber wurde Addo, des Elech Sohn, von Praton;
er richtete die Israeliten acht Jahre.
In seinen Tagen sandte Moabs König Boten an ihn
und ließ sagen:
Du weißt, daß Israel meine Städte nahm.
Gib sie mir jetzt wieder zurück!

[822]

Da sprach Addo:
Seid ihr nicht durch das, was den Ammonitern zustieß, belehrt,
falls nicht Moabs Sünden voll sind?
Dann sandte Addo hin, nahm vom Volk 20 000 Mann,
zog nach Moab, griff sie an und tötete von ihnen 45 000 Mann;
die übrigen aber flohen vor ihm.
Addo kehrte heil zurück
und brachte seinem Herrn Brandopfer und Opfergaben dar;
dann starb er und ward in seiner Stadt Ephrata begraben.

2
In jener Zeit wählte das Volk den Elon

und setzte ihn über sich als Richter ein.
Er richtete Israel zwanzig Jahre.
In seinen Tagen griffen sie die Philister an
und nahmen diesen zwölf Städte weg.
Dann starb Elon und ward in seiner Stadt begraben.

3
Die Israeliten aber vergaßen den Herrn, ihren Gott,

und dienten den Göttern der Landesbewohner;
deshalb wurden sie den Philistern ausgeliefert
und dienten diesen vierzig Jahre.


42. Kapitel: Samsons Eltern
1
Da war ein Mann aus dem Stamme Dan.

Er hieß Manue, der Sohn des Edoc und Enkel des Odo,
des Sohnes Eridens und Enkels Phadesurs, des Sohnes des Dema
und Enkels des Susi, des Dansohnes.
Er hatte ein Weib, namens Eluma, Remacs Tochter.
Sie war unfruchtbar und schenkte ihm darum kein Kind.
Täglich sprach ihr Gatte Manue zu ihr:
Der Herr hat deinen Mutterschoß verschlossen,
so daß du nicht gebären kannst.
Gib mich frei, daß ich ein anderes Weib nehme,
damit ich nicht ohne Leibesfrucht absterbe!
Sie sprach:
Gott hat nicht mich, sondern dich verschlossen,
daß ich nicht gebären,
noch dir Frucht bringen kann.
Da sprach er zu ihr:
Es mache das Gesetz unsere Prüfung offenkundig!

2
Und da sie täglich stritten

und sich beide recht betrübten,
weil sie ohne Leibesfrucht waren,
stieg in einer Nacht das Weib auf das Dach hinauf
und betete also:
Herr, du alles Fleisches Gott!
Ach, tu mir kund, ob meinem Manne oder mir es nicht verliehen ist,
Söhne zu erzeugen!
Oder wem es ist versagt oder wem verliehen,
Leibesfrucht hervorzubringen!

[823]

Dann möge das, dem es versagt ist, über seine Sünden seufzen,
dieweil es ohne Leibesfrucht verbleibt!
Oder ist uns beiden es versagt,
dann offenbare uns auch dies,
damit wir, unsere Sünde tragend, vor dir schweigen!

3
Da erhörte der Herr ihr Rufen

und sandte ihr in der Frühe seinen Engel,
und dieser sprach zu ihr:
Du bist unfruchtbar, die du nicht gebierst,
und du bist der Mutterschoß,
der verhindert, Leibesfrucht hervorzubringen.
Aber jetzt vernahm der Herr dein Rufen,
achtete auf deine Tränen
und öffnete deinen Mutterschoß.
Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären,
und ihn Samson heißen;
denn er soll dem Herrn geweiht sein.
Gib aber acht,
daß er nicht von irgendeiner Frucht des Weinbergs etwas koste,
noch irgend etwas Unreines genieße!
Denn, wie Er selbst sagte,
soll er Israel aus der Philister Hand erretten.
Nachdem der Engel des Herrn diese Worte gesprochen,
schied er von ihr.

4
Sie kam nun zu ihrem Mann ins Haus

und sprachen zu ihm:
Ich lege meine Hand auf meinen Mund
und schweige alle meine Tage vor dir;
denn ich rühmte mich grundlos
und glaubte deinem Worte nicht.
Des Herrn Engel nämlich kam heute zu mir,
offenbarte mir und sagte:
Eluma, du bist unfruchtbar;
aber du wirst empfangen und einen Sohn gebären.

5
Manue aber schenkte seinem Weibe keinen Glauben.

Und er ging, von Traurigkeit erfüllt, aufs Dach hinauf,
betete und sprach:
Ich bin nicht würdig,
die Zeichen und Wunder, die Gott uns tat, zu vernehmen
oder seines Gesandten Antlitz zu schauen.

6
Während er diese Worte sprach,

kam des Herrn Engel abermals zu seinem Weib;
sie war aber auf dem Felde und Manue zu Haus.
Da sprach der Engel zu ihr:
Lauf und ruf deinen Mann!
Denn Gott hält ihn für würdig, meine Stimme zu hören.

7
Da lief das Weib und rief ihren Mann.

Und dieser eilte zu dem Engel voll Eifer auf das Feld.

[824]

Dieser sprach zu ihm:
Geh zu deinem Weib und tue schleunigst all das!
Da sprach jener zu ihm:
Sieh zu, Herr, daß sich dein Wort an deinem Diener erfülle!
Jener sprach: Es sei so!

8
Da sprach Manue zu ihm:

Wenn ich imstande wäre,
möchte ich dich überreden,
mein Haus zu betreten und bei mir Brot zu essen.
Wisse auch, daß ich dir bei deinem Weggang Geschenke mitgeben möchte!
Die sollst du mitnehmen,
um dem Herrn, deinem Gott, ein Opfer darzubringen!
Da sprach der Engel zu ihm:
Ich betrete weder mit dir dein Haus,
noch esse ich dein Brot, noch nehme ich deine Gaben an.
Willst du nämlich ein Opfer von dem, was nicht dein, darbringen,
so kann ich dir nicht willfährig sein.

9
Da baute Manue auf dem Felsen einen Altar

und brachte Opfer und Brandopfer dar.
Nachdem er die Fleischstücke zerstückelt und auf den Altar gelegt,
streckte der Engel seine Hand aus
und rührte daran mit seines Stabes Spitze.
Da ging Feuer vom Felsen aus
und verzehrte die Brandopfer und die andern Opfer.
Und der Engel erhob sich vor ihm mit der Feuerflamme.

10
Da fielen Manue und sein Weib bei diesem Anblick auf ihr Antlitz nieder

und sprachen: Wir müssen sicherlich sterben;
denn wir sahen den Herrn von Angesicht zu Angesicht.
Es war nicht genug, daß ich ihn sah;
ich frage ihn auch noch nach seinem Namen,
wußte ich doch nicht, daß er ein Diener Gottes war.
Der Engel, der gekommen war, hieß Phadael.


43. Kapitel: Samson
1
Im Verlauf jener Tage empfing Eluma

und gebar einen Sohn;
sie nannte ihn Samson,
und der Herr war mit ihm.
Als er heranzuwachsen begann,
griff er die Philister an.
Von den Philistern aber nahm er sich auch ein Weib.
Aber dieses verbrannten die Philister;
denn sie waren von Samson gewaltig bedrückt worden.

2
Dann ereiferte sich Samson gegen Azot;

da schlossen sie ihn ein,
versperrten ringsum die Stadt
und sprachen:

[825]

Jetzt ist unser Feind in unsere Hände geliefert.
Laßt uns zusammenkommen und uns gegenseitig helfen!
Als sich Samson vom Schlaf erhob
und die Stadt verschlossen sah, sprach er:
Nun haben mich diese Flöhe in ihrer Stadt eingeschlossen.
Jetzt aber wird der Herr mit mir sein;
ich schreite durch ihre Tore und greife sie an.

3
So ging er hin und legte seine Linke unter die Torschwelle,

rüttelte und nahm das Mauertor weg.
Den einen Teil hielt er in der Rechten als Schild,
den andern legte er auf die Schulter
und trug ihn fort.
Da er kein Schwert hatte,
und tötete 25 000 Mann.
Und alles, was zum Tor gehörte, hob er auf
und setzte es auf einen Berg.

4
Von dem Löwen, den er tötete,

und von dem Eselskinnbacken, womit er die Philister schlug,
und von den, wie von selbst an seinen Armen zerrissenen, Stricken
und den Füchsen, die er fing,
ist darüber nicht im Richterbuch geschrieben?

5
Dann ging Samson in die Philisterstadt Gerar hinab.

Dort sah er eine Dirne namens Dalila;
durch sie ward er verführt und heiratete sie.
Da sprach Gott:
Jetzt ward Samson durch seine Augen verführt,
vergaß die machtvollen Taten, die ich mit ihm vollbrachte,
vermischte sich mit den Philistertöchtern
und betrachtete nicht meinen Diener Joseph,
der im fremdem Land war und eine Krone seiner Brüder wurde,
weil er sein Geschlecht nicht betrüben wollte.
Samson aber kommt jetzt durch seine Begierlichkeit zu Fall;
seine Vermischung gereicht ihm zum Verderben.
Ich liefere ihn seinen Feinden aus, und sie blenden ihn;
aber in seiner Todesstunde gedenke ich seiner
und räche ihn noch einmal an den Philistern.

6
Hernach ward ihm sein Weib aufsäßig und sprach zu ihm:

Erkläre mir deine Kraft und die Quelle deiner Stärke!
Dann erst weiß ich, daß du mich liebst.
Als nun Samson sie dreimal getäuscht
und sie ihm täglich lästiger ward,
offenbarte er ihr das vierte Mal sein Herz.
Da machte sie ihn trunken.
Als er eingeschlafen war,
rief sie einen Scherer herbei,
und dieser schnitt ihm die sieben Locken seines Hauptes ab.
Da wich von ihm seine Stärke, wie er selbst es so gesagt hatte.

[826]

Da rief sie die Philister herbei,
und diese schlugen Samson nieder;
dann blendeten sie ihn und warfen ihn ins Gefängnis.

7
Da geschah es am Tage ihres Gelages,

daß sie Samson herbeiriefen, ihn zu verspotten.
Da betete er, zwischen zwei Säulen angebunden, also:
Herr, Gott meiner Väter!
Erhöre mich noch dieses eine Mal
und stärke mich, daß ich zugleich mit diesen Philistern sterbe!
Denn das Gesicht, das jene mir genommen,
ward mir von dir freigebig einst geschenkt.
Dann sprach Samson noch:
Zieh hin, meine Seele, sei nicht traurig!
Stirb, Leib;
beweine dich nicht selbst!
Dann ergriff er die beiden Säulen des Hauses
und schüttelte sie.
Da fiel das Haus ein und alles, was darin war,
und erschlug alles in seinem Umkreis.
Ihre Zahl betrug 40 000 Männer und Weiber.
Da kamen Samsons Brüder mit seinem ganzen Vaterhaus herab,
holten ihn und begruben ihn in seines Vaters Grab.
Er hatte zwanzig Jahre lang Israel gerichtet.


44. Kapitel: Michas
1
In jenen Tagen gab es keinen Führer in Israel;

jeder tat, was ihm beliebte.

2
In jener Zeit erhob sich Michas, der Sohn der Dedila, der Mutter des Heliu.

Er besaß tausend Drachmen Gold,
vier Barren geschmolzenen Goldes und vierzig Didrachmen Silber.
Da sprach zu ihm seine Mutter Dedila:
Hör, mein Sohn, auf meine Stimme!
Dann machst du dir noch vor deinem Tod einen Namen.
Nimm dies Gold, schmelz es ein,
mach dir Idole!
Diese sollen dir als Götter dienen,
und du sollst ihr Priester sein!

3
Wer durch sie Fragen stellen will, muß dann zu dir kommen,

und du erteilst ihm Antwort.
In deinem Haus soll ein Altar sein und eine Säule,
und von dem Gold, das du noch hast,
kaufe dir Weihrauch für das Räuchern
und Schafe zum Opfern!
Wer ein Opfer darbringen will,
soll für die Schafe sieben Didrachmen geben
und will er Weihrauch verbrennen,
dann eine Didrachme Silbervollgewicht!

[827]

„Priester“ soll dein Name sein;
auch sollst du „Verehrer der Götter“ heißen.

4
Da sprach Michas zu ihr:

Mutter! Du gibst mir einen guten Rat.
Jetzt soll dein Name mehr gelten als der meine,
und in den letzten Zeiten werde all das dir angerechnet!

5
Dann ging Michas hin

und tat ganz so, wie ihn seine Mutter geheißen.
Er schnitzte und machte für sich Bildwerke von drei Knaben und von Kälbern,
von einem Löwen, einem Adler, einem Drachen und einer Taube.
Alle nun, die sich verführen ließen, kamen zu ihm.
Wollten sie etwas über die Gattin erfahren,
dann fragten sie ihn durch die Taube,
wenn über Söhne,
dann durch die Bilder der Knaben[,]
wenn über Reichtum,
dann durch das Adlerbild,
wenn über Stärke,
dann durch das Bild des Löwen,
wenn über Knaben und Mädchen,
dann durch die Bilder der Kälber
und wenn über die Länge der Tage,
dann durch das Drachenbild.
so war sein Vergehen vielgestaltig
und seine Gottlosigkeit verschmitzt.

6
Als jetzt die Israeliten vom Herrn abfielen, sprach der Herr:

Ich will die Erde völlig vernichten
und das ganze Menschengeschlecht vertilgen.
Als ich ja auf dem Berge Sina Hocherhabenes verlieh,
zeigte ich mich den Israeliten im Sturmwind,
und ich sagte,
sie sollten sich keine Idole machen.
Da willigten sie ein, keine Götzenbilder anzufertigen.
Dann befahl ich ihnen, meinen Namen nicht eitel zu nennen,
und sie entschlossen sich, meinen Namen nicht eitel zu nennen.
Dann befahl ich ihnen, den Sabbattag zu halten,
und sie stimmten mir zu, sich zu heiligen.
Ich sagte ihnen, sie sollten Vater und Mutter ehren,
und sie versprachen, es zu tun.
Ich gebot ihnen, nicht zu stehlen,
und sie willigten ein.
Ich befahl ihnen, keinen Mord zu begehen,
und sie nahmen den Vorschlag an, es nicht zu tun.
Ich verbot ihnen, Ehebruch zu treiben,
und sie weigerten sich nicht.
Ich befahl ihnen, kein falsches Zeugnis abzulegen;
auch sollten sie das Weib des Nächsten nicht begehren,
noch sein Haus, noch seinen Besitz,

[828]

und sie nahmen den Vorschlag an.

7
Und nun, obgleich ich ihnen sagte, sie sollen keine Idole machen,

machten sie doch diese Götterbilder,
die aus einem Mißverständnis bei der Benennung der Abbilder entstanden.
So ward dadurch alles verdorben.
Sterbliche ja machten sie, und das Feuer diente ihrem Guß.
Menschenkunst schuf sie, und Hände fertigten sie,
und Menschensinn erfand sie.
Diese nahmen sie nun auf und benutzten meinen Namen eitel,
indem sie den Bildwerken meinen Namen gaben.
Und am Sabbat, den sie zum Halten empfangen hatten,
machten sie davon Scheusale.
Ich sagte zu ihnen, sie sollten Vater und Mutter lieben;
da verunehrten sie mich, ihren Schöpfer.
Weil ich ihnen sagte, sie sollen nicht stehlen,
so handeln sie in ihrem Sinn diebisch mit den Bildwerken.
Weil ich sagte, sie sollen nicht töten,
so töten sie, wenn sie verführen.
Da ich ihnen Ehebruch verbot,
so treiben sie Ehebruch mit ihrer Eifersucht.
Und weil sie es vorzogen, falsches Zeugnis abzulegen,
so empfingen sie von denen, die sie vertrieben, falsches Zeugnis
und begehrten fremde Weiber.

8
Deshalb entsetze ich mich über das Menschengeschlecht,

und damit ich meine Geschöpfe vernichte,
sollen die Sterbenden zahlreicher als die Neugeborenen sein;
denn Jakobs Haus ist durch Missetaten befleckt,
und Israels Gottlosigkeit ist groß geworden.


(Eine Lücke)


Ich kann nicht den ganzen Stamm Benjamin vernichten;
denn sie selbst wurden zuerst von Michas verführt.
Aber das Volk Israel soll nicht ungestraft bleiben;
aber es soll ihnen zum steten Ärgernis für alle Geschlechter dienen.

9
Den Michas überliefere ich dem Feuer.

Und seine Mutter soll vor seinen Augen lebend auf Erden verwesen,
und Würmer sollen aus ihrem Leibe kommen.
Und wenn sie sich gegenseitig aussprechen,
dann soll jene sprechen wie eine Mutter, die ihren Sohn tadelt:
„Was für eine Sünde hast du getan?“
Und er soll antworten, wie ein Sohn, der auf seine Mutter hört
und sich dabei verschlagen benimmt:
„Und du hast noch eine größere Missetat begangen.“
Und das Taubenbild, das er machte, soll ihm die Augen auskratzen
und das Adlerbild Feuer aus den Flügeln gießen;

[829]

die von ihm gefertigten Knabenbildwerke sollen ihm die Seiten aufreißen
und das angefertigte Löwenbild ihn mächtig martern.

10
So will ich nicht allein dem Michas tun,

sondern allen, die gegen mich sündigen.
Jetzt soll das Menschengeschlecht wissen,
daß sie mich nicht mit ihren Erfindungen reizen dürfen.
Aber nicht bloß den Anfertigern von Idolen wird Strafe zuteil,
sondern jedem Menschen, und zwar so,
daß er darin gestraft wird,
worin er gesündigt hat.
Lügen sie vor meinem Angesicht,
so gebiete ich dem Himmel,
daß er sie um den Regen betrügt.
Begehrt jemand seines Nächsten Habe,
dann gebiete ich dem Tod,
daß er ihm seine Leibesfrucht nimmt.
Richten sie falsch in meinem Namen,
dann erhöre ich ihre Gebete nicht.
Trennt sich dann die Seele vom Leib, so sollen sie sagen:
Laßt uns nicht über das Erlittene trauern!
Wir wollen annehmen, was wir ausgesonnen haben.


45. Kapitel: Benjamins Schmach
1
In jener Zeit kam einer aus den Stamm Levi nach Gabaon.

Die Sonne ging eben unter, als er dort zu bleiben wünschte.
Wie er nun daselbst einkehren wollte,
wehrten es ihm die Einwohner.
Da sagte er zu seinem Knecht:
Komm und führ das Maultier!
Wir wollen in die Stadt Noba gehen.
Vielleicht läßt man uns dort einkehren.
So kam er dorthin
und ließ sich auf der Straße der Stadt nieder;
doch niemand sprach zu ihm: Geh in mein Hans!

2
Nun war dort ein gewisser Levite namens Bethac.

Als er ihn erblickte, sprach er zu ihm:
Bist du nicht Beel aus meinem Stamm?
Er sagte: Ja.
Da sprach er zu ihm:
Kennst du nicht die Schlechtigkeit der Einwohner dieser Stadt?
Wer riet dir, hierher zu ziehen?
Geh eilends von hier fort
und tritt in mein Haus, worin ich wohne,
und bleibe heute da!
Möge der Herr ihren Sinn vor uns verschließen,
wie er die Sodomiten vor Lot absperrte!
Da betrat er die Stadt und blieb in jener Nacht dort.

[830]
3
Da kamen alle Einwohner der Stadt zusammen

und sagten zu Bethac:
Führ die heraus, die heute zu dir kamen!
Wenn nicht, dann verbrennen wir dich und sie.
Da ging er zu ihnen hinaus und sprach zu ihnen:
Sind es nicht unsere Brüder?
Lasset uns nichts Schlimmes mit ihnen treiben,
damit sich nicht unsere Sünden für uns mehren!
Da sprachen jene:
Niemals war es der Fall,
daß Zugewanderte den Einheimischen Vorschriften machen.
Und sie wandten Gewalt an, drangen ein,
rissen ihn und sein Nebenweib heraus und jagten ihn fort.
Den Mann ließen sie gehen;
aber sein Nebenweib mißbrauchten sie, bis sie starb;
denn sie hatte sich einst an ihrem Mann verfehlt,
indem sie mit Amalekitern sündigte.
Deshalb gab sie Gott, der Herr, in die Hände der Sünder.

4
Als es Morgen wurde, ging Bethac hinaus

und fand sein Nebenweib tot.
Da lud er sie auf das Maultier,
ging eilends fort und kam nach Gades.
Dann nahm er ihren Leichnam, zerteilte ihn,
schickte die Teile bei den zwölf Stämmen umher und ließ sagen:
Dies ward mir in der Stadt Noba angetan:

5
Es erhoben sich gegen mich die Einwohner, mich zu töten.

Da nahmen sie mein Nebenweib und töteten sie,
während sie mich einschlossen.
Beliebt es euch, hierzu zu schweigen,
so wird der Herr richten.
Wollt ihr es aber bestrafen,
dann hilft euch der Herr.
Da wurden alle Männer der zwölf Stämme bestürzt,
versammelten sich in Silo
und sprachen zueinander:
Wenn solche Missetat in Israel geschah,
kann da Israel ruhig bleiben?

6
Der Herr aber sprach zum Widersacher:

Siehst du, wie dies törichte Volk verwirrt ist in dem Land,
worin sie sterben müssen?
Wie schlau stellte es doch Michas an,
daß er das Volk damit verführte,
d. h. durch die Taube, den Adler
und durch Bilder von Menschen und Kälbern
und durch die eines Löwen und eines Drachen?
Damals aber eiferten sie nicht dagegen.
Deshalb sei ihr Beschluß vergeblich
und ihr Herz bestürzt,

[831]

damit die, die das Böse zuließen,
ebenso vernichtet werden wie die Übeltäter!


46. Kapitel: Israels Niederlage
1
Und als es Morgen ward,

wurden Israels Scharen verwirrt und sagten:
Laßt uns hinaufziehen
und die verübte Missetat untersuchen,
damit die Sündenschuld von uns genommen werde!
Dann sagten sie:
Laßt uns zuerst den Herrn befragen,
und suchen wir zu erfahren,
ob er unsere Brüder in unsere Hände gibt!
Wenn nicht, dann wollen wir uns beruhigen!
Da sprach Phinees zu ihnen:
Laßt uns die Erklärung und die Wahrheit (Urim und Tummim) herbeiholen!
Da gab der Herr ihnen zur Antwort:
Ziehet hinauf!
Denn ich gebe sie in eure Hände.
Aber er täuschte sie, um sein Wort zu erfüllen.

2
Da zogen sie in den Kampf.

Sie kamen zu der Stadt Benjamins,
sandten Boten hin und ließen sagen:
Übergib uns die Männer, die diese Schandtaten begingen!
Dann verschonen wir euch,
vergelten aber jedem seine Schlechtigkeit.
Benjamins Volk aber verhärtete sein Herz
und sprach zum Volke Israel:
Warum sollen wir euch unsere Brüder ausliefern?
Schonet ihrer, dann kämpfen wir nicht gegen euch!
Und Benjamins Volk zog den Israeliten entgegen und verfolgte sie.
Da erlitten die Israeliten eine Niederlage vor ihnen,
und sie schlugen davon 45 000 nieder.

3
Da ward das Herz der Volksscharen überaus bestürzt.

Sie kamen klagend und weinend nach Silo und riefen:
Der Herr hat uns im Angesicht der Einwohner Nobas ausgeliefert.
Laßt uns jetzt den Herrn befragen,
wer unter uns gesündigt habe!
So befragten sie den Herrn.
Er sprach zu ihnen:
Wollt ihr, dann zieht hinauf und kämpft!
Sie werden dann euren Händen überliefert,
und dann wird euch auch gesagt,
weshalb ihr vor ihnen eine Niederlage erlitten habt!
Da zogen sie anderntags hinauf, jene anzugreifen[.]
Die Benjaminiten aber kamen heraus,
schlugen Israel in die Flucht und töteten 46 000 Mann.

[832]
4
Da ward der Volksscharen Herz ganz mutlos, und sie sprachen:

Wollte Gott sein Volk täuschen?
Oder fügte er es so wegen der verübten Missetat,
daß Unschuldige gleicherweise wie Übeltäter fallen?
Nach diesen Worten fielen sie vor des Herrn Bundeslade nieder,
zerrissen ihre Gewänder
und legten Staub auf ihre Häupter,
sie sowohl als des Priesters Eleazar Sohn Phinees,

5
der betete und sprach:

Was für eine Täuschung ist das, womit du, Herr, uns täuschtest?
Dünkt es dir recht, was Benjamins Söhne getan,
warum sagtest du es uns dann nicht,
daß wir es erwogen hätten?
Gefiel es dir aber nicht,
warum ließest du dann zu, daß wir vor ihnen eine Niederlage erlitten?


47. Kapitel: Benjamins Niederlage
1
Phinees sprach weiter:

Gott unserer Väter!
Hör meine Stimme
und vermelde deinem Knechte heute,
ob Recht vor dir geschah
oder ob vielleicht das Volk sündigte
und du ihre Missetat vertilgen wolltest,
so daß du bei uns die züchtigest,
die sich an dir vergingen?
Ich denke nämlich an meine Jugendzeit zurück,
wo Jambri in deines Dieners Moses Tagen sündigte.
Damals drang ich hinein, in meiner Seele eifernd,
und beseitigte beide durch mein Schwert.
Da wollten die Übrigen gegen mich aufstehen und mich töten.
Du aber sandtest deinen Engel
und erschlugst von ihnen 24 000 Mann;
mich aber rettetest du aus ihren Händen.

2
Jetzt aber sandtest du die elf Stämme

und ließest sie hierher kommen, indem du sagtest:
Wohlan! Schlagt sie nieder!
Sie zogen hin; da wurden sie ausgeliefert.
Jetzt sagen sie,
die Offenbarungen deiner Wahrheit seien vor dir lügenhaft.
Nun, Herr, unserer Väter Gott!
Verbirg dich nicht vor deinem Diener,
sondern künd uns,
weshalb du an uns diese Unbilligkeit verübtest?

3
Als der Herr sah, wie andächtig Phinees vor ihm betete,

sprach er zu ihm:

[833]

Ich schwöre bei mir, spricht der Herr,
daß ich auf deine Worte hin trotzdem deiner nicht gedächte,
noch dir heute Bescheid gäbe,
wenn ich nicht geschworen hätte.
Jetzt meld dem Volk:
Haltet und höret des Herrn Wort!

4
Dies sagt der Herr:

Mitten im Wald war ein mächtiger Löwe,
dem alle Tiere den Wald anvertrauten,
er solle ihn durch seine Stärke behüten,
damit nicht zufällig andere Tiere kämen
und ihn verwüsteten.
Während nun der Löwe ihn behütete,
kamen aus einem andern Walde wilde Tiere,
fraßen alle Jungen der Tiere auf
und vernichteten so ihre Leibesfrucht.
Der Löwe sah es und schwieg.
Die Tiere aber fühlten sich in Sicherheit,
weil sie den Wald dem Löwen anvertraut hatten,
und so wußten sie nicht, daß ihre Jungen dahin waren.

5
Nach einiger Zeit erhob sich das kleinste der Tiere,

die dem Löwen den Wald anvertraut hatten,
und fraß das kleinste der Jungen eines andern, sehr schlimmen Tieres auf.
Da erhob der Löwe ein Gebrüll
und verwirrte alle Tiere des Waldes;
da kämpften sie miteinander,
und jedes griff das nächste an.

6
Als viele Tiere vernichtet waren,

sah ein anderes Junges aus dem andern großen Wald den Löwen
und fragte:
Hast du nicht soviele Tiere vernichtet?
Was für eine Schlechtigkeit ist dies?
Als zuerst so viele Tiere und ihre Jungen
ungerecht durch andere wilde Tiere vernichtet wurden
und als die Tiere zur Abwehr hätten aufgerufen werden sollen,
beim Anblick ihrer grundlos vernichteten Leibesfrucht,
da schwiegest du und redetest nicht.
Jetzt aber ging das Junge eines sehr schlimmen Tieres zugrunde.
Da brachtest du den ganzen Wald in Aufruhr,
so daß sich alle Tiere gegenseitig auffraßen
und der Wald vermindert wurde.
Jetzt hättest du zuallererst vernichtet werden sollen,
damit so das Übrige gerettet würde.
Als dies die Jungen der Tiere hörten,
töteten sie den ersten Löwen
und setzten einen jungen an seine Stelle,
und so war ihm der Rest der Tiere untertan.

[834]
7
Michas trat auf

und bereicherte uns durch das, was er und seine Mutter tat.
Es waren üble und sehr schlimme Dinge,
wie sie niemand vor ihnen ausdachte;
aber in seiner Arglist machte er Schnitzbilder,
dergleichen nicht mehr bis auf diesen Tag verfertigt wurden.
Aber niemand eiferte dagegen,
sondern ihr alle ließet euch verführen
und sahet zu, wie eure Leibesfrucht verderbt wurde.
Aber ihr schwieget wie jener üble Löwe.

8
Als ihr aber sahet,

wie das sündige Nebenweib dieses Mannes starb,
da wurdet ihr alle erregt, kamt zu mir und fragtet:
Gibst du die Benjaminiten in unsere Hand?
Da täuschte ich euch und sagte: Ja.
Jetzt vernichtete ich die, die damals schwiegen,
und also strafe ich alle, die schlimm handeln.

9
Da erhob sich einmütig das ganze Volk und zog aus.

Die Benjaminiten aber zogen ihnen entgegen in der Meinung,
sie könnten sie, wie früher, besiegen;
aber sie wußten nicht, daß bei ihnen die Bosheit voll war.
Als sie nun wieder wie das erste Mal kamen und sie verfolgten,
floh das Volk vor ihnen, um ihnen Platz zu machen.
Da erhoben sie sich aus dem Hinterhalt,
und die Benjaminiten gerieten in ihre Mitte.

10
Da wandten sich die Fliehenden um,

und so wurden die Männer der Stadt Noba getötet,
Männer wie Weiber, 85 000 Mann.
Die Israeliten verbrannten die Stadt,
und die gemachte Beute ward ganz durch das Schwert vernichtet.
Von den Benjaminiten blieben nur 600 Mann übrig;
sie waren geflohen und wurden nicht mehr im Kampfe befunden.
Da kehrte das ganze Volk nach Silo zurück,
samt Phinees, dem Sohn des Priesters Eleazar.

11
Dies sind die vom Stamme Benjamin Übriggebliebenen.

Die Stammfürsten der zehn Familien hießen
von der ersten Familie Ezbaile, Zieb, Balac, Reindebac und Belloch,
von der zweiten Familie Nethac, Zenip, Phenoch, Demech und Geresaraz,
von der dritten Jerimuth, Beloth, Amibel, Genuth, Nephuth und Phienna,
von der vierten Gemuph, Eliel, Gemoth, Soleph, Raphaph und Dosso,
von der fünften Anuel, Code, Fretan, Remmon, Peccan und Nabath,
von der sechsten Rephaz, Sephet, Araphaz, Metach, Adhoc und Balinac,
von der siebten Benin, Mephiz, Araph, Ruimel, Belon, Jaal und Abac,
und von der (8. 9. und) zehnten Enophlasa, Melec, Meturia und Meac.
Der andern übriggebliebenen Stammesfürsten waren es sechzig.
In jener Zeit tat der Herr an Michas und seiner Mutter alles, was er angedroht hatte.
Michas wurde durch Feuer vernichtet
und seine Mutter verweste, wie es der Herr von ihnen sagte.


[835]
48. Kapitel: Schluß der Richterzeit
1
In jener Zeit legte sich Phinees zum Sterben nieder.

Der Herr sprach zu ihm:
Du überschrittest einhundertzwanzig Jahre,
die jedem Menschen bestimmt waren.
Erheb dich jetzt, geh von hinnen
und laß dich auf dem Berge Danabe nieder
und wohn daselbst sehr viele Jahre!
Ich befehle meinem Adler, daß er dich dort ernähre,
und du sollst nicht mehr zu den Menschen herabsteigen,
bis die Zeit kommt.
Du sollst in der Zeit erprobt werden.
Dann sollst du den Himmel verschließen,
und auf dein Wort hin soll er wieder geöffnet werden.
Darnach wirst du in den Ort erhoben,
wohin auch deine Vorfahren erhoben wurden.
Dort verbleibst du, bis ich mich der Welt erinnere.
Dann führe ich euch herbei,
und ihr sollt verkosten, was der Tod ist.

2
Da stieg Phinees hinauf

und tat ganz, wie ihm der Herr befahl.
In den Tagen, wo er ihn zum Priester bestellte,
hatte er ihn in Silo gesalbt.

3
Zur Zeit seines Hinaufsteigens feierten die Israeliten Pascha.

Da befahlen sie den Benjaminiten:
Ziehet hinauf und holet euch mit Gewalt Weiber!
Denn wir dürfen euch unsere Töchter nicht geben.
Wir schwuren es ja zur Zeit unseres Zornes.
Und doch sollte kein Stamm aus Israel ausgerottet werden.
Da zogen die Benjaminiten hinauf, raubten sich Weiber,
erbauten sich Gabaon und begannen, darin zu wohnen.

4
Inzwischen hatten die Israeliten Ruhe;

sie hatten aber in jenen Tagen keinen Führer,
und jeder tat, wie ihm beliebte.

5
Dies sind die Gebote, Satzungen, Zeugnisse und Offenbarungen,

die in den Tagen der Richter Israels ergingen,
bevor ein König über sie herrschte.


49. Kapitel: Samuels Eltern
1
In jener Zeit begannen die Israeliten den Herrn zu befragen,

und sie sprachen: Laßt uns alle das Los werfen,
um zu sehen, wer der sei,
der unser Führer, wie Kenez, sein könnte!
Vielleicht finden wir einen Menschen, der uns aus unserer Not befreit;
denn es ist unzuträglich, daß das Volk ohne Führer sei.

2
Da warfen sie das Los, fanden aber niemanden.

Da wurden die Volksscharen sehr betrübt und sprachen:

[836]

Das Volk ist nicht würdig, vom Herrn erlöst zu werden;
denn er gibt uns keinen Bescheid.
Laßt uns jetzt das Los noch über die Stämme werfen,
ob vielleicht Gott durch die Menge versöhnt wird!
Wir wissen ja, daß er sich durch seine Teuren versöhnen läßt.
So warfen sie das Los über die Stämme;
doch traf keinen Stamm das Los.
Da sprach Israel:
Laßt uns jemand aus uns selber erwählen;
denn wir sind in Not!
Wir wissen ja, daß Gott sein Volk verabscheut
und seine Seele sich vor uns entsetzt.

3
Da sagte ein gewisser Nethez zum Volk:

Nicht Er haßt uns,
sondern wir selbst machten uns verhaßt,
so daß uns Gott verließ.
Deshalb wollen wir ihn auch nicht im Tod verlassen,
sondern zu ihm fliehen.
Wir wandelten ja auf schlimmen Pfaden
und kannten unsern Schöpfer nicht.
Deshalb wird auch unser Vorhaben vergeblich sein.
Ich weiß ja, daß uns Gott nicht für immer verstößt,
noch für allezeit sein Volk haßt.
Deshalb ermannet euch,
laßt uns jetzt beten und das Los über die Städte werfen!
Denn mögen auch unsere Sünden groß und viel sein,
so versagt doch sein Erbarmen nicht.

4
Da warfen sie das Los über die Städte,

und das Los fiel auf Ramathaim.
Da sprach das Volk:
Ist Ramathaim gerechter als alle andern Städte Israels,
daß Er es so aus allen Städten auserwählte?
Dann sagte einer zum andern:
Laßt uns in der Stadt selbst, die durchs Los herauskam,
das Los über die Männer werfen
und sehen, wen der Herr aus ihr erwählt!

5
Da warfen sie das Los über die Männer,

und es traf niemanden anders als Elchana.
Auf ihn flog das Los zu,
und so ergriff ihn das Volk und sprach:
Komm und sei unser Führer!
Da sprach Elchana zum Volk:
Ich kann nicht über dieses Volk Führer werden,
aber auch nicht entscheiden,
wer euch ein Führer sein könnte.
Fanden mich aber meine Sünden heraus,
so daß das Los auf mich zuflog,
dann töte ich mich selbst,

[837]

damit ihr nicht mit mir in Berührung kommet.
Es ist ja besser:
Ich sterbe für meine Sünden allein,
als daß ich des Volkes Druck trage.

6
Als das Volk sah,

daß Elchana nicht gewillt war, die Führerschaft zu übernehmen,
betete es abermals zum Herrn und sprach:
Herr, Gott Israels!
Warum verließest du dein Volk, den Feinden zum Triumph,
und setztest zur Zeit der Not dein Erbteil hintan?
Siehe! Auch der durchs Los Getroffene hat deine Gebote nicht erfüllt.
Nur der Umstand, daß auf ihn das Los zuflog,
ließ uns glauben, wir hätten einen Führer.
Nun kämpft auch er gegen das Los an.
Wen sollen wir jetzt fordern
oder zu wem fliehen?
Wo ist unsere Ruhestätte?
Sind die Verheißungen richtig,
die du unsern Vätern gabst, indem du sprachst:
„Ich mache eure Nachkommenschaft zahlreich“,
dann wäre es doch besser gewesen,
du sagtest uns:
„Ich will eure Nachkommenschaft vernichten,“
als daß du keine Rücksicht auf unsern Ursprung mehr nimmst.

7
Da sprach Gott zu ihnen:

Wollte ich euch nach euren Missetaten vergelten,
dann hätte ich euer Geschlecht gar nicht beachten dürfen.
Aber was kann ich tun, da ihr nun einmal meinen Namen traget?
Wisset, daß Elchana, auf den das Los fiel,
nicht die Führerschaft bei euch übernehmen kann;
vielmehr wird sein Sohn, der ihm geboren wird,
euch Führer und Prophet sein.
Von ihm an fehlt es euch nicht mehr an Führern für viele Jahre.

8
Da sprach das Volk:

Herr! Elchana hat zehn Söhne.
Wer von ihnen wird Führer oder Prophet sein?
Da sprach Gott:
Keiner der Phenennasöhne kann das Volk führen,
sondern nur der Sohn der Unfruchtbaren, die ich ihm zum Weibe gab,
wird vor mir Prophet sein.
Ich werde ihn lieben, wie ich Isaak liebte,
und sein Name bleibt vor mir immerdar.
Da sprach das Volk:
Vielleicht gedenkt jetzt Gott unser
und rettet uns aus der Hasser Hand.
An jenem Tage brachten sie Mahlopfer dar
und feierten nach ihren Ordnungen.


[838]
50. Kapitel: Annas Gebet
1
Elchana hatte zwei Weiber;

die eine hieß Anna und die andere Phenenna.
Phenenna hatte Söhne, Anna dagegen keine.
So schmähte Phenenna sie und sprach:
Was frommt es dir, daß dich dein Mann Elchana liebt,
da du ein dürrer Baum bist?
Ich weiß weiterhin, daß er mich liebt;
denn er ergötzt sich beim Anblick meiner Söhne,
die ihn gleich einer Ölbaumpflanzung umstehen.

2
So machte sie ihr täglich solche Vorwürfe,

und Anna wurde recht betrübt,
fürchtete sie doch Gott von Jugend an.
Nun kam der gute Tag des Pascha heran.
Da ging ihr Mann zum Opfer hinauf.
Phenenna aber verhöhnte Anna mit den Worten:
Ein Weib ist nicht wirklich geliebt,
wenn nur ihr Mann sie oder ihre Schönheit liebt.
Anna rühme sich nicht ihrer Schönheit!
Wer sich rühmen will,
der rühme sich, wenn er seine Nachkommen vor sich sieht!
Findet sich bei Weibern keine Leibesfrucht vor,
dann ist die Liebe wertlos.
Was nützte es Rachel, daß Jakob sie liebte?
Wäre ihr keine Leibesfrucht geschenkt worden,
dann wäre ihre Liebe vergeblich gewesen.
Als dies Anna hörte,
ward ihre Seele mutlos und ihre Augen flossen in Tränen.

3
Da sah sie ihr Mann und fragte:

Warum bist du traurig? Warum issest du nicht?
Warum bricht dein Herz in dir?
Ist nicht dein Benehmen besser als Phenennas zehn Söhne?
Anna hörte auf ihn.
Dann erhob sie sich, nachdem sie gegessen,
und begab sich nach Silo
in des Herrn Haus, wo der Priester Heli saß;
ihn hatte Phinees, der Sohn des Priesters Eleazar, wie ihm befohlen ward, eingesetzt.

4
Anna betete und sprach:

Herr! Hast du nicht die Herzen der Geschlechter insgesamt gesehen,
bevor du nur die Welt gebildet hast?
Wo wird ein offener Mutterschoß geboren
oder wo stirbt ein geschlossener ab,
wenn du’s nicht willst?
Es steige mein Gebet jetzt vor dein Angesicht,
daß ich nicht leer von hier weggehe!
Du kennst mein Herz, wie ich vor deinem Angesichte wandelte
seit meiner Jugend Tagen.

[839]
5
Anna aber wollte nicht laut, wie sonst die Menschen, beten.

Sie dachte nämlich:
Vielleicht bin ich nicht würdig, erhört zu werden;
dann könnte mich Phenenna nur noch mehr aushöhnen,
so, wie sie täglich spricht:
Wo ist dein Gott, auf den du vertraust?
Ich aber weiß,
daß nicht reich ist, die viele Söhne hat,
noch arm, die wenige besitzt,
sondern daß die reich ist,
die Überfluss an Ergebung in Gottes Willen besitzt.
Wer weiß, daß ich betete, wird ja lästern,
wenn er erfährt, daß ich mit meinem Gebet nicht erhört wurde.
Doch habe ich dann nicht bloß einen Zeugen in meiner eignen Seele;
meine Tränen werden auch Gehilfinnen meiner Gebete sein.

6
Während sie betete,

sah der Priester Heli, daß sie sich innerlich abhärmte
und sich wie betrunken benahm.
Da sprach er zu ihr:
Geh und bring deinen Weinrausch vom Altar fort!
Da sprach sie:
Ist mein Gebet so gehört worden,
daß man mich betrunken heißen könnte?
Wahrhaftig, ich bin von Schmerzen trunken;
ich trank ja meinen Tränenbecher aus.

7
Da sprach der Priester Heli zu ihr:

Erzähle mir deinen Schimpf!
Da sprach sie zu ihm:
Ich bin Elchanas Weib.
Weil Gott meinen Mutterschoß fest verschloß,
betete ich vor ihm,
daß ich nicht aus dieser Welt zu ihm ohne Frucht gehen
und nicht sterben müsse, ohne mein Abbild zurückzulassen.
Da sprach der Priester Heli zu ihr:
Geh hin; denn ich weist, worum du betetest!
Dein Gebet ist erhört.

8
Der Priester Heli wollte ihr aber nicht sagen,

es sei bestimmt, daß ein Prophet aus ihr geboren würde;
er selbst hatte es ja gehört, als der Herr von jenem sprach.
Anna begab sich nun heim
und ward in ihrem Schmerz besänftigt.
Sie erzählte aber niemandem von ihrem Gebet.


51. Kapitel: Samuels Geburt
1
Im Verlauf jener Tage empfing sie

und gebar einen Sohn.
Sie nannte seinen Namen Samuel, was „Starker“ heißt,

[840]

entsprechend dem, wie Gott seinen Namen bei seiner Vorherverkündigung nannte.
Anna saß nun da und stillte das Kind,
bis es zwei Jahre alt wurde.
Nach seiner Entwöhnung ging sie mit ihm hinauf, mit Gaben in den Händen;
der Knabe aber war sehr schön
und der Herr war mit ihm.

2
Da stellte ihn Anna dem Heli vor und sprach zu ihm:

Dies ist der, den ich gewünscht und um den ich gebetet habe.
Da sprach Heli zu ihr:
Nicht du allein hast gebetet, sondern auch das Volk betete um ihn.
Nicht ward er von dir allein erfleht;
vielmehr war er den Stämmen schon früher verheißen worden.
Durch ihn ward dein Mutterschoß gerechtfertigt,
so daß du den Stämmen einen Propheten schenken
und die Milch deiner Brust zu einer Quelle der zwölf Stämme machen darfst.

3
Als Anna dies vernahm, sprach sie:

Herbei zu meiner Rede, all ihr Völker!
Vernehmet all ihr Reiche, was ich sage!
Mein Mund ward mir geöffnet, daß ich spreche,
und meinen Lippen ward befohlen,
daß ich den Herrn lobpreise.
So träufle, meine Brust! Vermelde deine Zeugnisse!
Denn dir ist anbefohlen, Milch zu spenden.
Es tritt ja der von dir Getränkte auf;
durch seine Worte wird das Volk erleuchtet.
Er weist den Völkern Grenzen an;
sein Horn wird hoch erhoben werden.

4
Deswegen sprech ich offen meine Worte aus;

aus mir entspringt ja das Gesetz des Herrn,
und alle Menschen finden dann die Wahrheit.
O sprecht nicht in der Eile Übermütiges!
Laßt nicht aus eurem Mund vermessene Worte kommen!
Erfreut euch vielmehr an dem Ruhm,
daß jetzt ein Licht entsteht,
woraus die Weisheit wird geboren!
Dann heißen reich nicht die, die viel besitzen,
noch heißen „Mutter“ die, die viel Geburten hatten.
Gesättigt ward die Unfruchtbare;
die aber viele Kinder hatte, wurde kinderlos.

5
Es nimmt der Herr das Leben nach Gerechtigkeit,

und nach Barmherzigkeit schenkt er es wieder.
In dieser Welt gibt’s Sünder.
Die Frommen läßt er leben, wenn er will;
die Sünder aber sperrt er in die Finsternis.
Sein Licht gewährt er den Gerechten;
doch wenn die Sünder sterben, dann vergehen sie.
Wenn die Gerechten sich zum Schlafe niederlegen,
dann werden sie gerettet werden.

[841]

Und so bleibt jegliches Gericht bestehen,
bis der sich offenbart, der dieses abhält.

6
Ja, Anna, rede, rede!

Woll doch nicht schweigen!
Preis, Tochter Bathuels,
die Wunder, die der Herr an dir getan!
Was ist doch Anna, daß gar ein Prophet aus ihr ersteht?
Was ist die Tochter Bathuels, daß sie ein Licht den Völkern schenkt?
Erheb auch du dich, Elchana,
und gürte deine Lenden!
Lobpreis des Herren Zeichen!
Von deinem Sohne prophezeite Asaph in der Wüste:
„Moses und Aaron unter seinen Priestern
und Samuel dabei.“
Fürwahr, das Wort hat sich erfüllt
und eingetroffen ist die Weissagung.
Und dies bleibt so,
bis daß man dem Gesalbten Kraft verleiht,
bis daß zu seinem Königsthrone Macht zuwächst.
Dann stehe hier mein Sohn als Diener,
bis er zum Lichte diesem Volke wird!

7
Sie gingen von da weg und zogen mit Frohsinn fort,

im Herzen sich freuend und jubelnd
über all die Ehre, die ihnen Gott erwies.
Das Volk aber zog einmütig nach Silo,
mit Pauken und Reigen, Zithern und Harfen
und kamen zum Priester Heli
und übergaben ihm Samuel.
Sie stellten ihn vor das Angesicht des Herrn,
salbten ihn und sprachen:
Es lebe der Prophet im Volk
und sei für lange Zeit ein Licht für dieses Volk!


52. Kapitel: Elis Söhne
1
Samuel aber war sehr jung

und wußte noch nichts von diesen Vorgängen.
Als er vor dem Herrn diente,
begannen die beiden Helisöhne,
die in den Wegen ihrer Väter wandelten,
übel am Volk zu handeln,
und begingen zahlreiche Sünden.
Sie wohnten neben Bethacs Haus.
Als die Volksscharen zum Opfern zusammenkamen,
erschienen Ophni und Phinees und reizten das Volk zum Zorn,
indem sie Geweihtes wegnahmen,
bevor die heiligen Gaben dem Herrn dargebracht wurden.

[842]
2
Dies gefiel weder dem Herrn,

noch dem Volk, noch ihrem Vater.
Und ihr Vater sprach zu ihnen:
Was für ein Gerücht höre ich über euch?
Wisset ihr nicht, daß ich die Stelle von Phinees übertragen erhielt?
Vergeuden wir nun das Empfangene,
was sagen wir dann,
wenn er, der es anvertraute, wieder danach fragt
und uns für das Anvertraute straft?
Machet jetzt eure Wege gerade
und wandelt auf guten Pfaden!
Dann haben eure Ämter Bestand.
Weigert ihr euch aber
und enthaltet ihr euch nicht eurer schlimmen Pläne,
dann vernichtet ihr euch selber,
und das Priesteramt wird zunichte
und das Geweihte für nichts erachtet.
Dann sagt man:
Für nichts ist Aarons Stab erblüht;
in Nichts sank seine Blüte hin.

3
Macht, ihr Söhne, gut, was ihr gefehlt,

wenn ihr es könnt!
Dann beten für euch die Männer,
gegen die ihr euch verfehltet.
Wollt ihr aber nicht,
sondern verharret ihr in euren Missetaten,
dann bleibe ich schuldlos
und bedauere es nicht,
wenn ich euren Todestag hören müßte,
bevor ich stürbe.
Sollte aber auch dies eintreffen,
so bin ich doch über die Schuld klar
und sollte ich auch darüber unglücklich werden,
so werdet ihr trotzdem umkommen.

4
Seine Söhne aber hörten nicht auf ihn;

denn der Herr hatte über sie das Urteil gefällt,
daß sie sterben müßten, weil sie gesündigt hatten.
Denn, als ihr Vater zu ihnen sagte:
Bereuet euren schlechten Wandel!,
sagten jene:
Wenn wir einmal alt sind, dann bereuen wir.
Deshalb war es den Mahnungen ihres Vaters nicht gegeben,
daß sie zur Reue kamen;
denn sie waren immer widerspenstig gewesen
und hatten sehr schlimm gehandelt dadurch,
daß sie Israel beraubten.
Aber der Herr war über Heli unwillig.


[843]
53. Kapitel: Samuels Berufung
1
Samuel aber diente vor dem Herrn;

er wußte aber nicht, was Aussprüche des Herrn waren.
Er hatte nämlich noch nichts von Herrnsprüchen gehört;
denn er war erst acht Jahre alt.

2
Als nun Gott Israels gedachte,

wollte er Samuel seine Worte offenbaren.
Samuel schlief im Tempel des Herrn.
Als Gott ihn anrief,
dachte er zuerst und sprach:
Samuel ist jung,
obgleich er vor meinem Angesicht beliebt ist;
er hörte aber bis jetzt weder die Stimme des Herrn,
noch war er für die Ansprache des Herrn gefestigt;
trotzdem gleicht er meinem Diener Moses.
Aber, als ich zu Moses sprach, war dieser achtzig Jahre alt,
und Samuel ist erst acht.
Und Moses Herz erschrak, als er das erste Feuer sah.
Sieht nun Samuel das Feuer, wie kann er es aushalten?
Deshalb soll jetzt mein Sprechen mit ihm dem eines Menschen
und nicht dem Gottes gleichen.
Versteht er dies, dann will ich als Gott zu ihm reden.

3
Da rief ihn mitten in der Nacht eine Stimme vom Himmel an.

Samuel erwachte
und hielt sie für des Priesters Heli Stimme;
er lief zu ihm und sprach:
Warum wecktest du mich, Vater?
Ich bekam ja Angst; denn du riefest mich noch nie bei Nacht.
Da sprach Heli: Wehe mir!
Täuschte ein unreiner Geist meinen Sohn Samuel?
Er sprach zu ihm:
Geh schlafen! Ich rief dich nicht.
Doch sag mir das, wenn du es noch weißt:
Wie oft schrie der, der dich rief?
Er sprach: Zweimal.
Da sprach Heli zu ihm:
Sag: Wessen Stimme vernahmst du, mein Sohn?
Er sprach: Die deinige;
deshalb lief ich zu dir.

4
Da sprach Heli zu ihm:

Ich bemerke bei dir das Zeichen,
das die Leute von heute an bis in Ewigkeit haben werden:
Ruft jemand zweimal den andern bei Nacht oder am Mittag,
dann sollen sie wissen,
daß es ein böser Geist.
Ruft er aber dreimal, dann weiß ich:
Es ist ein Engel.

[844]
5
Da ging Samuel hin

und schlief weiter.
Da hörte er zum zweitenmal vom Himmel eine Stimme.
Er stand auf, lief zu Heli und fragte:
Was rief mich?
Ich hörte ja meines Vaters Elchana Stimme.
Da merkte Heli, daß Gott ihn zu rufen begann.
Und Heli sagte:
Bei den zwei Rufen, womit Gott dich rief,
glich er deinem Vater und deinem Meister;
jetzt aber beim dritten Mal spricht er als Gott.

6
Dann sagte er ihm:

Mit deinem rechten Ohr höre,
nicht aber mit dem linken!
Der Priester Phinees gab uns nämlich die Anweisung:
Das rechte Ohr hört den Herrn bei Nacht,
das linke den Engel.
Hörst du deshalb auf dem rechten Ohr, so sprich:
„Rede, was du willst! Denn ich höre.
Du hast mich ja gebildet.“
Hörst du aber auf dem linken,
dann komm und melde es mir!
Da ging Samuel hin
und schlief weiter, wie ihn Heli geheißen hatte.

7
Da redete der Herr zum drittenmal,

und Samuel ward das rechte Ohr erfüllt.
Und als er merkte,
daß seines Vaters Stimme zu ihm herabgekommen war,
wandte sich Samuel auf die andere Seite und sagte:
Wenn ich fähig bin, dann sprich!
Du weißt ja mehr von mir.

8
Da sprach Gott zu ihm:

Ich erleuchtete Israels Haus in Ägypten
und erwählte mir damals meinen Diener Moses zum Propheten;
ich wirkte durch ihn Wunder für mein Volk
und rächte mich an meinen Feinden, wie ich wollte;
ich führte mein Volk in die Wüste
und erleuchtete es, als es scheute.

9
Da erhob sich ein Stamm gegen den andern, mit den Worten:

Warum sind die Priester allein heilig?
Ich aber wollte sie nicht vernichten,
sondern sprach zu ihnen:
Gebt mir jeder seinen Stab!
Den, dessen Stab blühte, erwählte ich für das Priestertum.
Als nun alle aus mein Geheiß die Stäbe hergaben,
befahl ich der Erde im Zelt,
es solle Aarons Stab blühen,

[845]

damit sein Geschlecht für allezeit offenkundig würde:
Und jetzt vermehrten die, die blühten, meine Heiligtümer.

10
Deshalb kommen Tage, wo ich die damalige Blüte zertrete,

und wo ich ihnen entgegentrete,
weil sie das Gebot übertreten,
das ich meinem Diener Moses mit den Worten gab:
begegnest du einem Nest,
dann sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen!
Deshalb trifft es sie, daß die Mutter mit den Kindern
und die Väter mit den Söhnen zugrunde gehen.

11
Als Samuel diese Worte hörte,

ward sein Herz entkräftet, und er sprach:
Muß meiner Jugend solches zustoßen,
daß ich den Untergang meines Erziehers weissagen muß?
Ward ich denn nicht auf meiner Mutter Bitte hin geschenkt?
Wer nahm mich auf?
Wie betreute Er mich damit, Schlimmes zu künden?

12
Als Samuel in der Frühe aufstand,

wollte er es Heli nicht melden.
Da sprach Heli zu ihm:
Höre jetzt, mein Sohn!
Vor deiner Geburt schon versprach Gott Israel,
er werde dich ihnen senden,
und du würdest ein Prophet werden.
Als nun deine Mutter hieher kam und betete,
weil sie nicht wußte, was geschehen war,
sprach ich zu ihr:
Geh hin! Denn was aus dir geboren wird,
soll mir ein Sohn werden.
So sagte ich zu deiner Mutter
und so leitete der Herr deinen Weg.
Mußt du nun deinen Erzieher tadeln, so verbirg nichts –
so wahr der Herr lebt – von dem, was du gehört!

13
Da fürchtete sich Samuel

und meldete ihm alles, was er gehört hatte.
Da sprach jener:
Kann das Geschöpf dem Schöpfer etwas erwidern?
So kann auch ich nichts erwidern,
wenn er wegnehmen will, was er gegeben hat,
der getreue Geber, der allein Heilige, der geweissagt hat.
Ich stehe ja unter seiner Gewalt.


54. Kapitel: Elis Tod
1
In jenen Tagen versammelten die Philister ihre Streitkräfte zum Angriff gegen Israel.

Da zogen die Israeliten zum Kampfe wider sie aus.
Beim ersten Zusammenstoß aber erlitt das Volk Israel eine Niederlage.
Da sprachen sie:

[846]

Laßt uns die Bundeslade des Herrn holen!
Vielleicht kämpft er mit uns.
In ihr liegen ja des Herrn Zeugnisse,
die er unsern Vätern am Horeb gab.

2
So zog die Lade mit ihnen hinauf.

Als sie ins Lager kam, ließ der Herr donnern und sprach:
Diese Stunde gleicht der in der Wüste,
wo sie die Lade ohne mein Geheiß mitnahmen,
wo es ihnen aber zum Untergang gereichte.
Also wird auch in dieser Stunde das Volk hinsinken
und die Lade genommen werden,
damit ich die Feinde meines Volkes wegen der Lade züchtigen
und mein Volk wegen seiner Sünden rügen kann.

3
Als die Lade in die Schlacht kam,

zogen die Philister den Israeliten entgegen und schlugen sie.
Dort war nämlich ein gewisser Philister Goliath;
dieser kam eben zur Lade,
die des Heli Söhne Ophni und Phinees samt dem Kissohn Saul hielten.
Da packte sie Goliath mit der Linken
und erschlug Ophni und Phinees.

4
Saul aber konnte ihm entfliehen,

weil er leichtfüßig war;
er zerriß seine Gewänder
und streute Asche auf sein Haupt.
So kam er zum Priester Heli.
Und Heli sprach zu ihm:
Meld mir! Was geschah im Lager?
Da sprach Saul zu ihm:
Was fragst du mich danach?
Das Volk ist ja besiegt, und Gott hat Israel verlassen.
Die Priester wurden mit dem Schwert erschlagen;
die Lade aber ward den Philistern ausgeliefert.

5
Als Heli von der Wegnahme der Lade hörte, sprach er:

Samuel weissagte von mir und meinen Söhnen,
wir würden zusammen sterben;
von der Lade aber sprach er damals nicht.
Jetzt sind die Zeugnisse den Feinden ausgeliefert.
Was kann ich da noch sagen?
Israel geht wirklich durch die Wahrheit zugrunde;
denn die Rechtssatzungen sind ihm jetzt genommen.
Und Heli gebärdete sich ganz verzweifelt,
und so fiel er vom Stuhl.
So starben an einem Tag Heli und seine Söhne Ophni und Phinees.
Das Weib des einen von des Heli Söhnen saß eben in Geburtswehen da.
Als sie dies vernahm, löste sich ihr ganzes Inneres.
Da sprach die Hebamme zu ihr:
Sei guter Dinge!
Laß deine Seele nicht schwach werden!

[847]

Dir ist ja ein Sohn geboren.
Da sprach das Weib zu ihr:
Jetzt ist ein Mensch geboren und vier sterben,
d. i. der Vater, die zwei Söhne und die Schwiegertochter.
Und sie nannte seinen Namen: Wo ist der Ruhm?
Sie sagte:
Verloren ging in Israel Gottes Ruhm;
die Lade des Herrn ist ja genommen.
Nach diesen Worten gab sie den Geist auf.


55. Kapitel: Rückgabe der Bundeslade
1
Samuel wußte von all dem nichts;

denn Gott hatte ihn drei Tage vor der Schlacht fortgeschickt,
indem er zu ihm sprach:
Geh hin und beschaue den Ort von Arimatha!
Dort soll deine Wohnung sein.
Als Samuel hörte, was Israel zugestoßen war,
kam er, bat den Herrn und sprach:
Vergebens ward mir Kenntnis vorenthalten,
da ich den Untergang meines Volkes ansehen muß.
Nun fürchte ich, es möchten meine Tage im Leide altern
und meine Jahre in Kummer enden.
Was nützt mir noch mein Leben,
da die Lade des Herrn nicht mehr bei mir ist?

2
Da sprach Gott zu ihm:

Sei nicht traurig, Samuel!
Die Lade ist zwar weggenommen;
aber ich bringe sie wieder zurück.
Ich vertilge auch die, die sie wegnahmen,
und räche mein Volk an seinen Feinden.
Da sprach Samuel:
Was sollen wir tun, die wir jetzt sterben müssen,
wenn du nach deiner Langmut die Rache ausübst?
Da sprach Gott zu ihm:
Bevor du stirbst,
schaust du die Vernichtung, die ich über meine Feinde bringe.
Die Philister gehen dabei durch Skorpione
und allerhand ekelhafte Kriechtiere zugrund.

3
Die Philister nun stellten die erbeutete Lade des Herrn

in den Tempel ihres Gottes Dagon.
Als sie aber kamen,
Dagon über ihren Auszug zu befragen,
fanden sie ihn auf dem Gesicht liegen
und Hände und Füße vor der Lade.
Da gingen sie hin und kreuzigten in aller Frühe seine Priester.
Am andern Tag fanden sie es wie am Tag zuvor.
Da wurden bei ihnen noch zahlreichere Hinrichtungen vorgenommen.

[848]
4
Da versammelten sich die Philister in Akkaron

und sprachen zueinander:
Wir sehen, daß bei uns ein großer Verlust eintritt
und unsere Leibesfrucht zugrunde geht;
denn die gegen uns gesandten Schlangen
vernichten die Schwangeren, Säuglinge und Stillenden.
Dann sprachen sie:
Laßt uns sehen, weshalb des Herrn Hand so schwer auf uns liegt!
Ist es wegen der Lade?
Täglich wird ja unser Gott auf dem Gesicht vor der Lade liegend gefunden.
Die Priester hätten wir dann vergeblich,
das eine und das andere Mal, umgebracht.

5
Da sprachen die Weisen der Philister:

Jetzt können wir darüber Gewißheit erlangen,
ob der Herr es war, der wegen seiner Lade uns das Verderben sandte,
oder ob ein zufälliges Leiden uns eine Zeitlang trog.

6
Weil jetzt alle Schwangeren und Säuglinge sterben,

die Stillenden kinderlos werden
und die Säuglinge zugrunde gehen,
so wollen wir Milchkühe holen,
sie an einen Wagen zu spannen,
die Lade darauf setzen und die Kälber einsperren.
Ziehen nun die Kühe fort,
ohne sich nach ihren Kälbern umzuwenden,
dann wissen wir,
daß wir dies der Lade wegen erlitten.
Wollen sie aber nicht fortziehen,
und verlangen sie nach den Kälbern,
dann wissen wir,
daß die Zeit unseres Untergangs für uns gekommen ist.

7
Da sprachen einige der Weisen und Zauberer:

Versucht es nicht hier,
sondern laßt uns die Kühe
an den Anfang der drei Wege bei Akkaron hinführen!
Der mittlere Weg führt gerade auf Akkaron zu,
der rechts nach Judäa und der links nach Samaria.
Stellet nun die Kühe mit der Lade auf den mittleren Weg!
Ziehen sie dann rechts nach Judäa, so wissen wir,
daß wirklich der Gott der Judäer uns zugrunde richtete.
Ziehen sie aber auf den beiden andern dahin, dann wissen wir,
daß uns ein hartes Mißgeschick traf,
weil wir unsere Götter verleugneten.

8
Die Philister nahmen nun Milchkühe,

spannten sie an einen neuen Wagen,
setzten die Lade darauf
und führten sie an den Anfang der drei Wege;
ihre Kälber aber sperrten sie zu Hause ein.

[849]

Da brüllten die Kühe
und suchten ihre Kälber,
zogen aber auf dem Wege rechts nach Judäa.
Da wußten sie,
daß sie der Lade wegen zugrunde gerichtet wurden.

9
Und Philister versammelten sich alle

und brachten die Lade nach Silo mit Pauken, Flöten und Reigen zurück.
Und wegen der Giftschlangen, die unter ihnen verheerend gewirkt,
machten sie goldene Sessel und weihten die Lade.

10
Bei dieser Heimsuchung betrug die Zahl der gestorbenen Schwangeren 75 000,

die der Säuglinge 65 000,
die der Stillenden 55 000
und die der Männer 25 000.
Und das Land hatte sieben Jahre Ruhe.


56. Kapitel: Israels Verlangen nach einem König
1
In jener Zeit verlangten die Israeliten nach einem König.

So kamen sie bei Samuel zusammen und sagten:
Du bist jetzt alt geworden,
und deine Söhne wandeln nicht auf des Herrn Wegen.
Setze deshalb über uns einen König, der uns richte!
Denn erfüllt ist das Wort,
das Moses zu unsern Vätern in der Wüste sprach:
„Setze als Fürsten über dich einen deiner Brüder ein!“

2
Als Samuel vom Königtum hörte,

ward er in seinem Herzen sehr betrübt und sprach:
Jetzt sehe ich,
daß für euch noch nicht die Zeit immerwährenden Königtums gekommen ist,
noch die der Errichtung eines Hauses für den Herrn, unsern Gott;
denn dies Verlangen nach einem König ist verfrüht.
Wollte dies wirklich der Herr,
so dünkt es mir doch, daß ein König nicht zur Verfügung steht.

3
Da sprach der Herr zu ihm:

Sei nicht betrübt!
Ich sende ihnen einen König, der sie zugrunde richtet
und der selbst später zugrunde geht.
Nun aber soll der, der morgen um die sechste Stunde zu dir kommt,
über sie König sein!

4
Am andern Tag kam des Kis Sohn Saul vom Gebirge Ephraim;

er war auf der Suche nach seines Vaters Eseln.
Als er nach Arimatha kam, trat er ein,
weil er Samuel nach den Eseln fragen wollte.
Dieser wandelte gerade neben der Höhe auf und ab.
Da fragte ihn Saul: Wo ist der Seher?
Damals hieß der Prophet ja Seher.
Da sprach Samuel zu ihm: Ich bin der Seher.
Er fragte:

[850]

Kannst du mir etwas über meines Vaters Esel sagen?
Sie gingen nämlich verloren.

5
Da sagte Samuel zu ihm:

Kehr heute bei mir ein!
Morgen sag ich dir, was du zu erfragen kamst.
Dann sprach Samuel zum Herrn:
Leite, Herr, dein Volk und künde mir, was du darüber planst!
Und Saul kehrte an jenem Tag bei Samuel ein.
Als er sich in der Frühe erhob,
sprach Samuel zu ihm: Wisse,
daß dich der Herr zum Fürsten über sein Volk jetzt erwählt hat!
Er leitet deine Wege, und deine Zeit wird bestimmt werden.

6
Da sprach Saul zu Samuel:

Wer bin ich, und was ist mein Vaterhaus,
daß mein Herr zu mir also spricht?
Ich verstehe ja nicht, was du sagst; denn ich bin jung.
Da sprach Samuel zu Saul:
Wer läßt deinen Auftrag bis zu dem Ende dauern, daß du alt wirst?
Doch beachte,
daß deine Worte denen eines Propheten namens Jeremias gleichen!
Nach Sauls Weggang kamen an jenem Tag die Volksscharen zu Samuel
und sprachen:
Gib uns einen König, wie du uns versprachest!
Da sagte er zu ihnen: Der König kommt zu euch nach drei Tagen.
Da kam Saul.
Und alle die Zeichen, die Samuel ihm angegeben hatte, begegneten ihm.
Ist das nicht im Buch der Könige beschrieben?


57. Kapitel: Saul König
1
Da sandte Samuel hin,

versammelte das ganze Volk und sprach zu ihm:
Wahrhaftig! Ihr und euer König seid hier.
Ich aber bleibe bei euch, wie mir Gott befohlen hat.

2
Deshalb sage ich euch vor eurem König,

wie mein Herr Moses, Gottes Diener, zu euren Vätern in der Wüste sprach,
als sich die Rotte Kore gegen ihn erhob:
„Ihr wisset, daß ich von euch nichts annahm,
noch irgendeinem von euch Schaden zufügte“,
wie sie aber damals logen und sagten: „Du hast etwas genommen“
und wie daraufhin die Erde sie verschlang.

3
Jetzt antwortet, vor dem Herrn und seinem Gesalbten,

ihr, die der Herr noch nicht strafte,
ob ihr deswegen einen König verlanget,
weil ich euch schlecht behandelte!
Der Herr soll euer Zeuge sein!
Geht aber jetzt das Wort des Herrn in Erfüllung,
dann bin ich mit meinem Vaterhaus frei.

[851]
4
Da sprachen die Volksscharen:

Wir sind deine Diener, und unser König ist mit uns.
Weil wir unwürdig sind,
von einem Propheten gerichtet zu werden,
so sagten wir:
Setz einen König über uns, daß er uns richte!
Und alle Volksscharen weinten,
desgleichen der König, unter großen Klagen und sprachen:
Es lebe der Prophet Samuel!
Und als der König eingesetzt war, brachten sie dem Herrn Opfer dar.

5
Dann kämpfte Saul mit den Philistern ein Jahr,

und der Kampf war sehr günstig.


58. Kapitel: Sauls Kampf mit Amalek
1
Damals sprach der Herr zu Samuel:

Geh hin und sprich zu Saul:
Du wurdest abgesandt, Amalek zu vernichten,
damit in Erfüllung gingen die Worte, die mein Diener Moses sprach:
„Ich will Amaleks Namen von der Erde tilgen“,
wie ich in meinem Grimm gesprochen.
Vergiß aber nicht,
jedes Lebewesen bei ihnen zu vertilgen, wie dir befohlen ist!

2
Da zog Saul fort und griff Amalek an.

Er ließ aber Amaleks König Agag am Leben,
weil er ihm gesagt hatte:
„Ich will dir verborgene Schätze zeigen.“
Deshalb verschonte er ihn, ließ ihn am Leben
und brachte ihn nach Arimatha.

3
Da sprach Gott zu Samuel:

Sahest du, wie der König in einem Augenblick durch Geld bestochen ward
und den Amalekiterkönig samt seinem Weib am Leben ließ?
Und nun gestatte,
daß Agag mit seinem Weib in dieser Nacht zusammenkomme!
Ihn selber aber töte morgen!
Doch sein Weib soll man pflegen,
bis sie einen Sohn gebiert!
Dann soll auch sie sterben!
Ihr Sohn wird dann Saul zum Anstoß werden.
Du aber, erhebe dich morgen früh und töte Agag!
Denn Sauls Sünde ist vor meinem Antlitz immerdar aufgezeichnet.

4
Als sich Samuel in der Frühe erhoben hatte,

ging ihm Saul entgegen und sprach zu ihm:
Der Herr gab uns nach seinem Wort unsere Feinde in die Hände.
Da sprach Samuel zu Saul:
Wen kränkte Israel?
Vor der Zeit, wo ein König darüber herrschen sollte,
verlangte es dich zum König.

[852]

Du warst nun gesandt, den Willen des Herrn zu erfüllen;
aber du übertratest ihn.
Deshalb muß der durch dich am Leben Gelassene jetzt sterben;
er kann dir nicht mehr die Schätze zeigen,
die nach seinen Worten versteckt sind.
Und der von ihm abstammen wird, soll dir zum Anstoß werden!
Und Samuel kam zu Agag mit einem Schwert und tötete ihn.
Dann kehrte er in sein Haus zurück.


59. Kapitel: Davids Salbung
1
Da sprach der Herr zu ihm:

Geh hin und salb den, den ich dir nennen werde!
Die Zeit ist ja erfüllt, wo seine Königsherrschaft kommen soll.
Da sprach Samuel:
Willst du jetzt Sauls Königtum vernichten?
Er sagte: Ja.

2
Da zog Samuel nach Bethel

und versammelte die Ältesten sowie Jesse und seine Söhne.
Da kam Jesses Erstgeborener Eliab,
und Samuel sprach:
Das ist der Heilige, der Gesalbte des Herrn.
Da sprach der Herr zu ihm:
Wo bleibt dein Schauen?
Was sah dein Herz?
Sagtest nicht du zu Saul: „Ich bin der Seher?“
Weshalb weißt du nicht, wen du salben sollst?
Laß dir jetzt diese Zurechtweisung genügen!
Such nun den allerjüngsten Hirten und salb ihn!

3
Da sprach Samuel:

Höre, Jesse!
Laß jetzt deinen Sohn von der Herde weg holen!
Ihn hat ja Gott erwählt.
Da sandte Jesse hin und ließ David holen.
Und Samuel salbte ihn mitten unter seinen Brüdern,
und der Herr war seit jenem Tag mit ihm.

4
Da begann David diesen Psalm zu singen und sprach:

„Bis an der Erden Enden
heb ich zu jubeln an
und stimme einen Lobgesang für alle Ewigkeiten an:
Damals, als Abel seine Schafe als der Erste weidete,
war wohlgefälliger sein Opfer als das seines Bruders.
Sein Bruder nun erschlug ihn voller Eifersucht.
Mir aber ging’s nicht so,
dieweil mich Gott behütete
und seinen Engeln, seinen Wächtern mich zu schützen gab;
denn meine Brüder waren auf mich eifersüchtig.
Der Vater und die Mutter wollten nichts von mir.

[853]

Als der Prophet erschien,
da riefen sie mich nicht,
und als die Rede von des Herrn Gesalbten war,
vergaßen sie mich ganz.
Gott aber nahte sich mit seiner Rechten mir erbarmungsvoll;
deswegen höre ich nie in meinem Leben mit Lobgesängen auf.“

5
Während David also sang,

raubten ein wilder Löwe aus dem Wald
und eine Bärin aus den Bergen die Rinder Davids.
Da sprach David:
Dies sei mir Zeichen glücklichen Anfangs meiner Schlachtensiege!
Ich gehe ihnen nach,
befreie das Geraubte und töte jene.
Und David ging ihnen nach,
nahm Steine aus dem Wald und tötete sie.
Da sprach Gott zu ihm:
Durch deine Steine lieferte ich dir diese wilden Tiere aus.
Dies soll dir aber ein Zeichen sein,
daß du später mit Steinen den Feind meines Volkes töten wirst.


60. Kapitel: Sauls Schwermut
1
Damals ward des Herrn Geist von Saul genommen,

und ein böser Geist bedrückte ihn.
Da ließ Saul den David holen,
und dieser sang auf der Zither bei Nacht einen Psalm.
Dies ist der Psalm, den er für Saul sang,
damit der böse Geist von ihm weiche:

2
„Bevor die Welt ward,

war Finsternis und Schweigen.
Es redete das Schweigen;
die Finsternis erschien.
Da ward dein Name geschaffen
gerade beim Zusammenziehen der Ausdehnung,
die oben Himmel hieß und unten Erde.
Da ward dem obern Teil befohlen,
er soll zur rechten Zeit jetzt regnen lassen.
Der untere ward geheißen,
all den Geschaffenen Nahrung zu besorgen.
Hernach ward eurer Geister Schar gemacht.

3
Nun sei nicht lästig jetzt,

du, eine Art von zweiter Schöpfung!
Wenn nicht, denk an die Hölle,
worin du weiltest!
Ist’s dir noch nicht genug, zu hören,
daß ich durch das, was vor dir tönt, so vielen singe?

[854]

Oder weißt du’s nicht,
daß eure Schöpfung aus dem Widerhall im Chaos einst erschaffen ward?
Doch schelten soll dich jetzt der neue Mutterschoß,
aus welchem ich geboren ward,
von dem nach einiger Zeit aus meinen Lenden einer wird geboren,
der euch bezwingt.“
Solange David sang,
verschonte der Geist den Saul.


61. Kapitel: David und Goliath
1
Hernach kamen die Philister, mit Israel zu kämpfen.

David aber kehrte in die Wüste zur Hut der Schafe zurück.
Da begegneten ihm Madianiter
und wollten seine Schafe rauben.
Er aber ging zu ihnen,
griff sie an und tötete von ihnen 15 000 Mann.
Das ist der erste Kampf, den David in der Wüste ausfocht.

2
Da kam ein Mann aus dem Philisterlager namens Goliath.

Er wandte sich gegen Saul und Israel und sprach:
Flohest du nicht, Israel, vor mir,
als ich euch die Lade wegnahm
und eure Priester erschlug?
Jetzt, da du ein Königreich bist,
steigst du wie ein Mann und König herab und greifst uns an?
Wenn nicht, dann komme ich zu dir, nehme dich gefangen
und lasse dein Volk unsern Göttern dienen.
Als Saul und Israel dies hörten, fürchteten sie sich überaus.
Da sprach der Philister:
Nach der Zahl der Tage, wo Israel in der Wüste beim Gesetzesempfang fastete,
will ich sie vierzig Tage schmähen
und dann mit ihnen kämpfen.

3
Als die vierzig Tage um waren,

kam David, dem Kampf seiner Brüder zuzuschauen.
Da hörte er die Worte des Philisters und sprach:
Ist das die Zeit, wovon mir Gott sprach:
„Ich überliefere den Feind meines Volkes in deine Hände durch Steine?“

4
Saul hörte diese Worte.

Da ließ er ihn holen und sprach:
Was für eine Rede hieltest du an das Volk?
Da sprach David: Fürchte dich nicht, König!
Ich kämpfe mit dem Philister,
und Gott nimmt dann Haß und Schmach von Israel weg.

5
Dann ging David hin, nahm sieben Steine

und schrieb darauf die Namen seiner Väter
Abraham, Isaak und Jakob, Moses und Aaron,
den seinigen und den Namen des Allerhöchsten.
Da sandte Gott den Engel Cerviel, der über die Stärke gesetzt ist.

[855]
6
Dann zog David gegen Goliath und sprach zu ihm:

Vernimm ein Wort, bevor du stirbst!
Waren nicht Schwestern die beiden Weiber,
von denen du und ich geboren sind?
Deine Mutter war Orpha und die meinige Ruth.
Orpha wählte sich die Philistergötter und folgte ihnen;
Ruth aber wählte sich die Wege des Allerhöchsten
und wandelte darauf.
Du und deine Brüder sind von Orpha geboren.
Nun kommst du heute, Israel zu vernichten;
ich aber, der ich mit dir verwandt bin, komme,
mein Volk zu rächen.
Auch deine drei Brüder fallen nach deinem Tod in meine Hände.
Dann saget eurer Mutter:
Der Sohn deiner Schwester hat unser nicht geschont.

7
Da legte David einen Stein in die Schleuder

und durchbohrte dem Philister die Stirne.
Dann lief er zu ihm hin, zog sein Schwert aus der Scheide
und nahm ihm seinen Kopf.
Als Goliath noch am Leben war, sprach er zu ihm:
Töte mich schnell und frohlocke!

8
Da sprach David zu ihm:

Bevor du stirbst, öffne deine Augen und sieh,
wer dich geschlagen hat und getötet!
Da schaute der Philister und sah den Engel;
dann sagte er:
Nicht du bringst mir den Tod,
sondern der, der bei dir war
und dessen Aussehen nicht das eines Menschen ist.
Dann nahm ihm David seinen Kopf.

9
Des Herrn Engel richtete nun Davids Antlitz auf,

so daß ihn niemand erkannte.
Als Saul den David sah,
fragte er ihn, wer er wäre;
denn er erkannte ihn nicht.


62. Kapitel: Sauls Neid. Jonathans Freundschaft
1
Hernach ward Saul auf David eifersüchtig

und suchte ihn zu töten.
Da schlossen David und Sauls Sohn Jonathan
einen Bund miteinander.
Als David bemerkte,
daß Saul ihn töten wollte,
floh er nach Arimatha;
aber Saul folgte ihm.

2
Der Geist aber blieb bei Saul,

und so weissagte er:

[856]

Was läßt du dich, Saul, verführen
oder wen verfolgst du vergeblich?
Die Zeit deines Königtums ist um.
Geh an deinen Ort!
Du wirst ja sterben, und David wird König.
Sterbet nicht ihr, du und dein Sohn, zugleich?
Dann erscheint Davids Königtum.
Da ging der Geist von Saul weg,
und dieser wußte nicht, was er geweissagt hatte.

3
David aber kam zu Jonathan und sprach zu ihm:

Komm! Wir wollen einen Bund schließen,
bevor wir voneinander getrennt werden.
Dein Vater Saul sucht mich ja ungerecht zu töten.
Seitdem er weiß, daß du mich liebst,
sagt er dir nicht mehr, was er über dich denkt.

4
Deshalb haßt er mich, weil du mich liebst;

ich solle nicht an seiner Statt König werden.
Erwies ich ihm auch alles Gute,
dann erweist er mir nur Schlimmes.
Ich erschlug den Goliath auf des Allerhöchsten Geheiß.
Nun sieh, was für ein Ende er mir bereitet!
Er beschloß, mein Vaterhaus zu vernichten.
Möchte doch das Urteil der Wahrheit ins Gewicht fallen,
damit die Menge der Weisen den Beschluß vernimmt!

5
Jetzt fürchte ich, er möchte mich töten

und dann um meinetwillen sein eignes Leben verlieren.
Denn gerechtes Blut vergießt er niemals ungestraft.
Warum erduldete meine Seele Verfolgung?
Ich bin doch der jüngste meiner Brüder und ein Schafhirte.
Warum schwebe ich in Todesgefahr?
Ich bin gerecht und ohne Schuld.
Warum haßt mich dein Vater?
Aber meines Vaters Gerechtigkeit verhelfe mir,
daß ich nicht in deines Vaters Hände falle!
Ich bin ja ein Jüngling und noch recht jung;
deshalb beneidet mich Saul grundlos.

6
Hätte ich ihn beleidigt,

so wollte ich ihn um Verzeihung meiner Verfehlungen bitten.
Denn wenn Gott Sünden vergibt,
um wieviel mehr sollte es dein Vater, der Fleisch und Blut ist?
Ich wandelte in seinem Haus mit einem tadellosen Herzen;
ja wie ein schneller Adler flog ich vor seinem Antlitz dahin.
Ich legte meine Hände an die Harfe
und pries ihn mit Lobliedern;
er aber hegte den Gedanken, mich zu töten.
Gleich einem Sperling, der vor dem Habicht flieht,
floh ich vor ihm.

7
Wem aber sagte ich dies oder erzählte das, was ich erduldete,
[857]

außer dir und deiner Schwester Melchol?
Laßt uns beide gegenseitig in der Wahrheit wandeln!

8
O Bruder! Es wäre besser gewesen,

ich wäre in der Schlacht getötet worden,
als daß ich in die Hände deines Vaters fiele.“
In der Schlacht blickten meine Augen überall umher,
daß ich ihn vor seinen Feinden beschützen konnte.
O mein Bruder Jonathan!
Höre meine Worte
und ist an mir ein Falsch, dann weise mich zurecht!

9
Da sprach Jonathan zu David:

Komm zu mir, mein Bruder David!
Ich will von deiner Gerechtigkeit reden.
Meine Seele schwindet in Trauer um dich dahin,
weil wir jetzt voneinander getrennt werden.
Unsere Sünden veranlaßten dies,
daß wir voneinander geschieden werden;
aber wir wollen uns weder bei Tag noch Nacht vergessen,
solange wir leben,
und wenn der Tod uns trennt,
dann weiß ich, daß sich unsere Seelen wieder erkennen werden.
Dein ist ja das Königtum in dieser Welt,
und mit dir beginnt das Reich, das seinerzeit kommt.

10
Gleich der Trennung eines Kindes von der Mutterbrust

wird unsere Trennung sein.
Zeugen seien Himmel und Erde für das, was wir unter uns besprochen!
Laßt uns nun zusammen weinen
und unsere Tränen in ein Gefäß bergen
und das Gefäß der Erde übergeben!
Es soll uns zum Zeugnis dienen!

11
Da weinten sie gar heftig zusammen

und küßten sich gegenseitig.
Jonathan aber fürchtete sich
und sprach zu David: Bruder!
Wir wollen des zwischen uns geschlossenen Bundes eingedenk bleiben
sowie des in unserm Herzen abgelegten Eides!
Sterbe ich früher als du,
und kommst du zur Königsherrschaft, wie der Herr versprach,
dann gedenke nicht des Zornes meines Vaters,
sondern des zwischen mir und dir geschlossenen Bündnisses!
Denke auch nicht an den Haß,
womit dich mein Vater grundlos verfolgte,
sondern an meine Liebe, die ich dir schenkte!
Denke auch nicht daran, daß dir gegenüber mein Vater undankbar war,
sondern erinnere dich des Tisches, woran wir gemeinsam aßen!
Halte auch im Gedächtnis nicht die Eifersucht fest,
die er gegen dich so schlimm gehegt,
sondern nur die Aufrichtigkeit, die zwischen mir und dir herrscht!

[858]

Denk auch nicht an die Lüge, die Saul aussprach,
sondern an die Eidschwüre, die wir gegenseitig ablegten!
Da küßten sie sich gegenseitig.
Hernach ging David in die Wüste,
während Jonathan die Stadt betrat.


63. Kapitel: Samuels Tod
1
Zu jener Zeit pflegten die Priester in Noba

die heiligen Gaben des Herrn zu entweihen
und die Erstlingsgaben beim Volke verächtlich zu machen.
Da ward Gott unwillig und sprach:
Ich will die Einwohner von Noba vertilgen;
denn sie wandeln in den Wegen der Helisöhne.

2
Zu jener Zeit kam der Syrer Doëg zu Saul

und sprach zu ihm:
Weißt du, daß sich der Priester Abimelek mit David beriet,
ihm ein Schwert gab und ihn unbehelligt entließ?
Da berief Saul den Abimelek und sprach zu ihm:
Du mußt sterben;
denn du schmiedest mit meinem Feind einen Plan.
Und Saul tötete den Abimelek und sein väterliches Haus,
so daß aus seinem Stamm nur sein Sohn Abiathar verschont blieb.
Dieser ging zu David und meldete ihm alles Vorgefallene.

3
Und Gott sprach zu ihm:

In dem Jahre, wo Saul zu regieren begann,
und wo sich Jonathan verging und er ihn töten wollte,
stand das Volk auf und hinderte ihn daran.
Jetzt aber wurden 385 Priester getötet;
er schwieg und sagte nichts.
Deshalb kommen die Tage schnell herbei,
wo ich sie ihren Feinden ausliefere;
dann fallen sie verwundet hin, sie und ihr König.

4
Und von dem Syrer Doëg sprach der Herr:

Eilends kommen die Tage,
wo ein feuriger Wurm in seine Zunge kommt
und ihn hinschwinden macht.
Dann ist seine Wohnung bei Jair im unauslöschlichen Feuer.

5
Ist nicht alles, was Saul tat,

und der Rest seiner Reden und Davids Verfolgung durch ihn
im Buche der Könige Israels aufgezeichnet?

6
Danach starb Samuel.

Da kam ganz Israel zusammen,
betrauerte und begrub ihn.


64. Kapitel: Saul und die Hexe von Endor
1
Da dachte Saul:

Ich will die Zauberer aus dem Land Israel entfernen;
dann denken sie an mich nach meinem Hingang.

[859]

Und Saul vertrieb alle Zauberer aus dem Land.
Da sprach Gott:
Saul vertrieb nicht aus Furcht vor mir die Zauberer aus dem Land;
er will sich vielmehr nur einen Namen machen.
Ja, zu den von ihm Vertriebenen soll auch er gehen
und eine Weissagung von ihnen erhalten;
er hat ja keine Propheten.

2
Da sprachen die Philister zueinander:

Der Prophet Samuel ist gestorben.
Wer betet nun für Israel?
David, der für sie kämpfte, ist jetzt Sauls Feind
und nicht mehr bei ihnen.
Nun also laßt uns hinziehen,
sie angreifen und unserer Väter Blut rächen!
Da versammelten sich die Philister
und zogen zum Kampf heran.

3
Als aber Saul sah,

daß Samuel tot und David nicht bei ihm war,
wurden seine Hände schlaff.
Da befragte er den Herrn;
aber dieser hörte nicht auf ihn.
Da suchte er nach Propheten;
aber es zeigte sich keiner.
Da sprach Saul zum Volk:
Laßt uns irgendeinen Zauberer suchen
und durch ihn erfragen, was ich im Sinne habe!
Da sagte das Volk zu ihm:
Da ist ein Weib namens Sedecla, die Tochter des Madianiten Debiu,
der das Volk Israel durch Zaubereien verführte.
Sie wohnt in Endor.

4
Da zog Saul seine geringen Gewänder an,

ging zu ihr mit zwei Männern bei Nacht
und sprach zu ihr:
Laß mir Samuel emporsteigen!
Sie sprach: Ich fürchte den König Saul.
Da sprach Saul zu ihr:
Du wirst von Saul deshalb keinen Schaden erleiden.
Und Saul dachte bei sich:
Als ich König in Israel war,
wußten die Heiden, daß ich Saul war,
wenn sie mich auch nicht sahen.
Dann fragte Saul das Weib:
Sahest du schon einmal den Saul?
Sie sagte: Ja.
Da ging Saul hinaus, weinte und sprach:
Jetzt weiß ich, daß sich mein Aussehen veränderte
und meines Königtums Glanz von mir wich.

[860]
5
Als nun das Weib Samuel heraufsteigen sah,

erblickte sie auch Saul bei ihm.
Da rief sie aus: Du bist Saul.
Warum hast du mich getäuscht?
Er sprach zu ihr: Fürchte dich nicht!
Sag: Was sahest du?
Sie sprach:
Seit vierzig Jahren lasse ich für die Philister Tote heraufsteigen:
aber eine solche Erscheinung zeigte sich noch nie;
nie wird es eine solche geben.

6
Da sprach Saul zu ihr:

Welche Gestalt hat er?
Sie sagte: Du fragst mich über Göttliche.
Seine Gestalt ist nicht die von Menschen.
Er selbst ist in ein weißes Gewand gehüllt und trägt einen Mantel,
und zwei Engel geleiten ihn.
Da erinnerte sich Saul des Mantels,
den Samuel bei Lebzeiten zerrissen hatte.
Da schlug er seine Hände zusammen und warf sich auf den Boden.

7
Da sprach Samuel zu ihm:

Warum störst du mich in meiner Ruhe,
daß du mich heraufsteigen lässest?
Ich glaubte, die Zeit sei für mich gekommen,
wo ich den Lohn meiner Werke empfinge.
Rühme dich aber nicht, König, noch du, Weib!
Ihr holtet mich ja nicht herauf,
sondern der Befehl, den Gott mir zu meinen Lebzeiten gab,
ich solle kommen und dir künden,
daß du dich schon das zweite Mal
in nachlässiger Weise gegen Gott versündigtest.
Deshalb wurden meine Gebeine
nach meinem Tod noch in der Ruhe gestört,
damit ich dich sprechen könnte
und daß ich, obwohl tot, doch so angehört würde,
als ob ich noch lebte.

8
Morgen also, werdet ihr, du und deine Söhne, bei mir sein,

wenn das Volk in die Hände der Philister ausgeliefert ist!
Weil dein Inneres durch Eifersucht erregt war,
deshalb soll das, was dein ist, dir genommen werden.
Als Saul die Worte Samuels vernahm,
ward er ohnmächtig und sprach:
Ich gehe hin, mit meinen Söhnen zu sterben,
wenn mein Untergang die Sühne für meine Sünden ist.
Dann erhob sich Saul und ging von dannen.


65. Kapitel: Sauls Tod
1
Nun griffen die Philister die Israeliten an,

und Saul zog in den Kampf.

[861]

Da floh Israel vor den Philistern.
Als Saul sah, daß die Schlacht heftig tobte,
sprach er bei sich:
Was bemühst du dich um dein Leben,
da doch Samuel dir samt deinen Söhnen den Tod ankündigte?

2
Da sprach Saul zu seinem Waffenträger:

Nimm dein Schwert und töte mich,
bevor die Philister kommen
und mit mir Mißbrauch treiben!
Sein Waffenträger wollte aber nicht seine Hände an ihn legen.

3
Da lehnte er sich selbst auf sein Schwert,

konnte aber den Tod nicht finden.
Nun blickte er hinter sich und sah einen Mann herlaufen.
Er rief ihn an und sprach:
Nimm mein Schwert und töte mich!
Mein Leben ist ja noch in mir.

4
Und er kam, ihn zu töten.

Da sprach Saul zu ihm:
Bevor du mich tötest, melde mir, wer du bist.
Da sagte er zu ihm:
Ich bin Edab, der Sohn des Amalekiterkönigs Agag.
Da sprach Saul:
Jetzt erfüllen sich an mir Samuels Worte, die lauteten:
„Der von Agag abstammt,
wird zum Falle dir gereichen.“

5
Geh aber hin und sage David:

„Ich habe deinen Feind getötet!“
Und sag ihm noch:
„Gedenke nimmer meines Hasses,
noch meiner Ungerechtigkeit!“


Erläuterungen

[1315]
44. Zu Philo

Das Buch stammt nicht von Philo aus Alexandrien. Es enthält eine Darstellung der alttestam. Geschichte bis zu Sauls Tod. So bildet es eine Ergänzung zum 1. Chronikbuch, das in seinem erzählenden Teil mit Sauls Tod beginnt. Der Verfasser will nur erbauen und besonders den Glauben an die göttliche Vorsehung stärken. Er weiß viel von Träumen, Weissagungen, Visionen und Engelserscheinungen zu berichten. Den Opfern und dem Tempeldienst legt er keinen besondern Wert bei. Das Priestergesetz und das Buch Levitikus sind nicht verwertet. Dazu kommt die Abneigung gegen die damaligen Priester (53, 9) und die besondere Beachtung der Edelsteine (26, 10 ff Jos. Bell Jud. II 8, 6). Dies alles spricht für essenischen Ursprung. Das Buch enthält viele alte jüdische Überlieferungen (s. M. R. James, The Biblical Antiquities of Philo 1917 IA, L. Cohn in Jewish Quarterly Review X 1898 An apocryphal work ascribed to Philo of Alexandria).

  • 1: 1 s. Gen 5, 4 ff.
  • 2: 1 s. Gen 4, 14 ff.
  • 3: 1 s. Gen 6, 1 ff.
  • 4: 1 s. Gen 10, 2 ff. 2 Nidiazech steht für Javan. Dieses rätselhafte Wort liest sich von rückwärts chezaidin, und dieses Wort mit aramäischer Pluralendung klingt auffällig an chasid „fromm“ an. Dies wieder erinnert an die Chasidäer der Makkabäerzeit (1 Mak 7, 13; 2 Mak 14, 6), die Vorläufer der Pharisäer. Wenn sie hier in versteckter Weise an die Stelle Javans, der Heidengriechen, gesetzt werden, so sollen sie damit als gleich minderwertig wie diese bezeichnet werden. Dies wieder erklärt sich nur aus einer Zeit heftiger Polemik der religiösen Parteien. Als Gegner der Pharisäer kommen nur die Sadduzäer und die Essener in Betracht. Erstere aber, als Partei des Priesteradels, sind hier ausgeschlossen, weil in dem Buch dem Tempel und Tempeldienst keine besondere Wichtigkeit beigelegt wird. Somit blieben nur die Essener übrig, und dies stimmt zu den andern Beobachtungen (s. Einl.). Die eingeklammerten Namen bringen die richtige Form. Gomer saß nach Jub 9, 8 nördlich vom Tanais-Don; bei Homer sitzen die Kimmerier-Gomer am Nordostrand des Schwarzen Meeres. Im 7. Jahrhundert v. Chr. erhielt Kappadozien den Namen Gamir von den eingefallenen Kimmeriern. Josephus Ant. I 6, 1 sieht in Gomer die Galater, die „einst Gomarenser hießen“. Magog wohnte nach Jub 9, 8 südlich von Gomer bis zum Asowschen Meer. Hier saßen tatsächlich[1316] die Amadoker mit ihrer Hauptstadt Amadoka am Südabhang der Amadokischen Berge, d. i. der Hügel von Charkow. Josephus l. c. sieht in ihnen mit Recht Skythen. Madai ist Medien. Nidiazec = Javan sind die jonischen Griechen Kleinasiens s. Jub 9, 10. Tubal saßen nach Jub 9, 11 am Schwarzen Meer = Tibarener, die in assyrischer Zeit in Kappadozien, später in den Gebirgen am Schwarzen Meer wohnten. Ihre Nachbarn früher und später waren die Moscher = Mosoch; nach Jub 9, 13 saßen sie in Mösien, wo es einen Fluß Moschius gab. Tiras besiedelte nach Jub 9, 13 die vier großen Inseln im Mittelmeer, näherhin im Mare Libycum, Korsika, Sardinien, Sizilien und Malta oder die italische Halbinsel; es sind dies die Tyrrhener; nach Josephus aber sind sie Thrazier. Gomers erster Sohn ist Ascenez; er bedeutet die Skythen, assyrisch Asguza. Sie drangen später bis Phrygien vor und gaben der Landschaft Askania und den beiden askanischen Seen in Phrygien und Bithynien ihren Namen. Riphat erinnert an die rhipäischen Berge oder die Karpathen s. Jub 8, 12. 16; nach Josephus ist es Paphlagonien. Thogarma nach Syncellus Armenien, nach Jos. Phrygien. Javans erster Sohn ist Elisa; es ist dies wohl Alasia = Cypern. Auch Insel und Stadt Eleussa ganz nahe der silicischen Küste, ferner eine zweite Insel Eleusa bei Rhodus und die griechische Landschaft Elis erinnern daran. Tharsis bezeichnet die Stadt Tharsus, „eine der ältesten Städte der Welt“ (Nonnus), von Argivern gegründet, später auch das spanische Tartessus. Cethin bedeutet Kittim = Cypern mit seiner Stadt Kition, und die cilicische Landschaft Ketis. Dodanim sind die Darden, die im Chittiterheer 1343 neben den Javan vorkommen, oder die Dardanier, die in der Landschaft Troas mit der Stadt Dardanos bei den Dardanellen wohnten. Dardanos galt als Urenkel des Japetos (= Japhet). Gomers weitere Söhne sind Thelez, viell. die Tyni, Lud = die Lydier und Deberlet, viell. die Bebryker. Magogs Söhne sind Cesse = Saken, Thipa = Tapurier, Pharuta = Argippäer, Ammiel = Arimaspen, Phimei = Rhymmer, Goloza = Skoloten, Samanach = Sagarauken. Madais Söhne sind Sallus = die Stadt Phellus, Pheluciti = die Stadt Plakia in Mysien, Phallita = die Stadt Phaselis in Lycien. Tabals Söhne sind Phanatanova = die pontische Landschaft Phanaroea, Eteva viell. der wichtige galatische Handelsplatz Tavium. Des Tiras Söhne sind Maac, viell. Dalmatien, Tabel die sardin. Stadt Tibula, Ballana die Balearen, Samplameac viell. die ital. Landschaft Samnium, Elaz viell. Elis oder Hellas. Des Mosoch Söhne sind Amboradat = die Ambreuten am Schwarzen Meer, Urach die tolchischen Coraxi, Bosara die benachbarten Byzeres. Des Askenaz Söhne sind Jubal = Olbia, Zaraddana = das bithyn. Sandarake, Anac = die phryg. Landschaft Askania. Riphats Söhne sind Phuddet = die Bodiner im europä. Sarmatien, Doad die Amadoker, Dephad die Saboeer, Zeat die Tanaiten, Enoe die sarmat. Stadt Niconium. Togarmas Söhne sind Abiud, die phryg. Appianer, Saphat die pisid. Stadt Saporda, Asapli die phryg. Stadt Silbion, Zephtir die Pisidier. Elisas Söhne sind Etzaac, die cilic. Stadt Korakesium, Zenez die cilic. Stadt Salinus, Mastisa die cilic. Stadt Magarsa, Rira der mys. Fluß Hyria. Kittims Söhne sind Macziel, die phryg. Stadt Akmonia, Temna der phryg. Fluß Timbros, Aela die Stadt Kelenae und Phinon die Stadt Apamea. Des Tarsis Söhne sind Meccul, die Stadt Mallos, Loon die cilic. Ebene Alëion, Zelataban die cilic. Stadt Sarpedan. Des Dodanim Söhne sind Itteb,[1317] der mys. Berg Ida und Beath die Stadt Pityia, Phenech die Phönizier s. V. 3. 6 Chus = Äthiopien, Misraim Ägypten, Put das afrikan. Weihrauchland am Roten Meer. Kanaan Palästina. Des Chus Söhne sind Saba, die Sabäer, Tudan Dedan in Süd- und Nordarabien. Puts Söhne sind Effun, die Punier, Tinos die afrikan. Landschaft Tenesis bei Adule, Zeleu, der Hauptmarkt des Gewürzhandels Mosylon, Telup die Aduliten, Gelue die Catadupi an den großen Katarakten, Lephuc der afrikan. Stamm der Colobi. Kanaans Söhne sind Sidon, die bekannte Hafenstadt, Endain (nach Gen 10, 15–18) die Amoriter, Racin die Arkiter, Simmim die Siniter, Urucin die Arvaditer, Nenugin die Girgasiter, Amathin die Hamatiter, Nephin die Chiviter, Telaz die Semariter, Elat die Chittiter, Cusim die Jebusiter. 7 s. Gen 10, 8. Misraim Ägypten, Ludin die Luditer, Inenugin die Anamiter, Labin die Lehabiter, Latuin die Naphtuchiter, Petrosonoin die Patrositer oder Oberägypter, Ceslun die Kasluchiter. 8 Resun viell. Marathus, Beosa Berythus, Maza das philistä. Gaza, Gerar bei Gaza, die Philisterstadt Askalon, Dabir in Juda, Camo viell. Kaene am Orontes, Tellun viell. Akkaron, Lakis in Juda, ferner die bekannten Städte am Toten Meer. 9 s. Gen 10, 22 f. 10 s. Gen 10, 26 ff Almodad, Seleph, Chasarmavet, Jerach, Hadoram, Usal, Dikla, Obal, Abimael, Seba, Ophir, Chavila, Jobab. Phalechs, d. i. Pelegs Söhne sind unbekannt ausser Ragan = Reu Gen 11, 18. 11 Abraham. 12 Nach Gen 11, 21 noch 207 Jahre. 13 Nach Gen 11, 22 war Serug 30 Jahre alt und lebte noch 200 Jahre. 14 Nach Gen 11, 24 war Nachor 29 Jahre alt und lebte noch 119 Jahre.
  • 5: 1 Nimrod.
  • 7: 1 s. Gen 11, 1 ff. 3 vgl. Is 40, 15.
  • 8: 1 s. Gen 12, 5; 25, 12. 2 s. Gen 13, 2 ff. 3 s. Gen 13, 14; 17, 3 ff. 21, 2 f. 4 s. Gen 25, 20 ff. 5 s. Gen 26, 3 ff; 36 , 1 ff. 6 s. Gen 35, 22 ff. 8 Auch in Iobs Testament erzählt. 9 s. Gen 37, 1 ff. 10–14 s. Gen 41, 1 ff. 11 s. Gen 46, 8 ff.
  • 9: 1 s. Ex 1, 1 ff. 13 die Beschneidung. Moses kam beschnitten auf die Welt. 16 Nach Syncell und Cedrenus hieß er Melchias, nach Clemens Alex. Joacim.
  • 10: 2 s. Ex 14, 8 ff. 3 Die Dreiteilung geht auf das Deboralied Ri 5, 15 f zurück. 7 s. 1 Kor. 10, 4 und Philo 11, 15. Diese Ansicht vom wandernden Brunnen beruht auf der Deutung von Num 21, 16 ff.
  • 11: 1 s. Ex 19, 1 ff. Licht = Gesetz. 6 s. Ex 20, 1 ff. 6 Schlafende = Tote. 8 Kein Wort vom Tempeldienst. 12 Wächter=Engel. 15 Das Wasser wanderte mit.
  • 12: 1 s. Ex 34, 29ff. 2 s. Ex 32, 1 ff. 1 Kor 10, 1 8 Thron = Himmel mit Regen. 9 Haus = Paradies. Kostwurz auch im Jub 16, 24.
  • 13: 1 s. Ex 34, 1 ff. 3 s. Lev 14, 1 ff. 2–7 enthalten das Zeremonialgesetz. 6 Wächter = Engel. 8 Menschenstadt = Babel. Ort = Paradies.
  • 14: 1 s. Num 1, 2 ff. 4 Der fünfzigste Teil beträgt 182 059.
  • 15: 5 Engel = Schutzgeister Ägyptens; Exodus.
  • 16: 1 s. Num 16, 1 ff. 2 Bei Jerusalem lag sonach die Stätte des Brudermordes.
  • 17: 1 s. Num 17, 1 ff.
  • 18: 1 s. Num 21, 1 ff. 22, 1 ff. 6 s. Ps 22, 4. 10 s. Num 23, 24. 13 s. Num 31, 16. 10 Weinberg = Israel. 11 Simonie.
  • 19: 2 s. Dt 31, 37 ff. 7 s. Dt 32, 52; 34, 4. 10 s. Dt 34, 1. 11 Mosis Stab vielleicht die Milchstraße. 15 Vielleicht ist 4½ = 4500, 2½ 2500, zusammen 7000 Jahre vgl. 28, 8. 16 s. Dt 34, 6.
  • 20: 6 s. Jos. 2, 1 ff. 10 s. Jos. 14, 6 ff.
  • 21: 1 s. Jos. 23, 1 ff 5 s. Gen 49, 10. 7 s. Jos. 8, 30.
  • 22: 1 s. Jos. 22, 1 ff. 3 s. Jos. 22, 21 ff.
  • 23: 1 s. Jos. 24, 1 ff. 5 s. Gen 15, 1 ff 5 Flamme, worin ihn Nimrod der Sage nach verbrennen wollte. 7 Stadt = Jerusalem.
  • 24: 1 s. Dt 4, 26 ff. Jos. 24, 15. 4 s. Gen 49, 33; 46, 4. 6 s. Jos. 24, 30.
  • 25: 2 Im A. T. (Jos. 15, 17; Ri 1, 13 u. a.) ist Kenaz der Vater des Kaleb und des Otniel, ebenso bei Jos. Ant. V[1318] 3, 3. Bei Philo treten Kenaz und Zebul an die Stelle von Otniel, Ehud und Samgar als Richter im A. T. 5 s. Dt. 29,18. 11 Havila, das bekannte Goldland des A. T.
  • 26:1 ein Phisonbach in Kanaan s. 27, 15. 9 s. Zach 3, 9 10 s. Ex 28, 17 ff. 12 Jael = Salomo. 13 s. Is 64, 4 ff; 1 Kor 2, 9; Is 60, 19 f.
  • 28:6 s. Ez 8, 1 ff.
  • 29:2 s. Num 36, 1 ff.
  • 30:2 s. Ri 2, 1. 3 s. Ri 4, 1 ff. 5 Engel = die Schutzgeister Ägyptens s. 15, 5.
  • 31:3 s. Ri 4,17. 6 s. Ri 4, 19. 8 s. Ri 5, 28. 9 s. Ri 4, 22.
  • 32 s. Ri 5, 1 ff. Dieses Deboralied weicht völlig von dem des A. T. ab. 3 Sicheres Leben = Leben im Himmel.
  • 35:1 s. Ri 6, 11 ff.
  • 36:1 s. Ri 7, 11 ff. 3 s. Ri 8, 24.
  • 37:1 s. Ri 9, 5. 2 Eine Lücke, s. Ri 9, 7 ff.
  • 38:1 s. Ri 10,3.
  • 39:1 s. Ri 10,17 f. 2 s. Ri 11, 1 ff. 8 s. Ri 11, 14. 10 s. Ri 11, 31.
  • 40:1 s. Ri 11, 34. 5 Ein ergreifendes Klagelied, das im A. T. fehlt. 8 s. Ri 11, 39 f 9 s. Ri 12, 7.
  • 41:1 s. Ri 12, 12. 2 s. Ri 12, 11.
  • 42:1 s. Ri 13, 9. 3 s. Ri 13, 4 ff. 6 s. Ri 13, 2. 8 s. Ri 13, 15. 9 s. Ri 13, 19 ff.
  • 43:1 s. Ri 13, 24; 15, 6. 2 s. Ri 16, 1. 6 s. Ri 16, 6 ff.
  • 44:1 s. Ri 17, 6 ff. 7 Eifersucht = Götzenbilder s. Ez 8, 3. 5.
  • 45:1 s. Ri 19, 1 ff. Nob unmittelbar nördlich bei Jerusalem. 6 Der Widersacher = Satan. 8 s. Ri 20, 13 ff.
  • 47:1 s. Num 25, 14 Zimri. 11 Die Namen stammen aus 1 Chr. 8, 1 ff.
  • 48:1 Phinees mit Elias gleichgesetzt, alte jüdische Tradition s. 1 Kg 17, 4. 3 s. Ri 21, 16 ff.
  • 49:4 Die Geburts- und Heimatsstadt Samuels.
  • 50:1 s. 1 Sam 1, 2 ff. Ps 128, 3. 3 s. 1 Sam 1, 8 ff.
  • 51:1 s. 1 Sam 1, 20 ff. 3 s. 1 Sam 2, 1 f. 6 s. Ps 99, 6.
  • 52:1 s. 1 Sam 2, 11 ff.
  • 53:1 s. 1 Sam 3, 1 ff. 10 s. Dt 22, 26. 11 s. 1 Sam 3, 15 ff. 13 s. Is 29, 16.
  • 54:1 s. 1 Sam 4, 1 ff.
  • 55:1 s. 1 Sam 5, 2 ff. 6 s. 1 Sam 6, 7 ff.
  • 56:1 s. 1 Sam 8, 4 f Dt 17, 15. 3 s. 1 Sam 9, 15. 4 s. 1 Sam 9, 1 ff.
  • 57:1 s. 1 Sam 12, 1 ff.
  • 58:1 s. 1 Sam 15, 3 ff Ex 17, 14.
  • 59:1 s. 1 Sam 16, 4 ff. wörtl. „heiligte“ statt „versammelte“: gds und kds verwechselt. 4 Ps 61, 2. 5 s. 1 Sam 17, 34.
  • 60:1 1 Sam 16, 14 ff. 2 Die Schöpfung galt dem spätern Judentum als eine Art Zusammenziehung. 3 Die bösen Geister galten als am 2. Tag erschaffen. Der Messias.
  • 61:1 s. 1 Sam 17,15. 2 s. 1 Sam 17, 4 ff. 6 Ruth 1, 14. 7 s. 1 Sam 17, 49.
  • 62:2 s. 1 Sam 19, 28. 3 s. 1 Sam 20, 1 ff. 11 s. 1 Sam 20, 41 f.
  • 63:1 s. 1 Sam 22 ff. 3 s. 1 Sam 31, 1 ff.
  • 64:1 s. 1 Sam 28, 3 ff.
  • 65:1 s. 1 Sam 31, 1 ff. 3 s. 2 Sam. 1, 7.