Der Teufel in der Oberlausitz

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Teufel in der Oberlausitz
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 251–255
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[251]
844) Der Teufel in der Oberlausitz.
Preusker Bd. I. S. 179. sq.

Viele Orte beider Lausitzen haben Namen und Spuren vom Teufel. Einst wollte er von der Landskrone einen Stein auf die Peterskirche zu Görlitz schleudern, allein eine höhere Macht lähmte seine Rechte, er ließ ihn auf dem Wege dahin bei Biesig fallen und man sieht die Eindrücke der glühenden Teufelskralle noch daran. Ein anderer Stein, vom Teufel nach der Kirche zu Ludwigsdorf geschleudert, fiel ebenfalls weit vom Ziele nieder, man kann ihn bei Hennersdorf noch liegen sehen.[1] Auf dem Gipfel des Todtensteins bei Königshayn hat er seine Krallen eingedrückt. Auf dem Hochsteine daselbst hat er gesessen und sich die Kleider geflickt. Man sah noch vor 1807 die Vertiefung, wo er gesessen, und andere kleinere, wo der Zwirnknaul und anderes Nähzeug gelegen, alle diese Löcher aber wurden im genannten Jahre bei Aufrichtung von Stangen zu Messungen unkenntlich. Beim Bau der Bautzner großen Mühle hat er wacker mitgeholfen, sich aber dafür einen Mahlgang reservirt (s. oben Nr. 742). Bei Arnsdorf ist im Busche ein Ruhestein des Teufels. Zwischen Gröditz und Weicha am Löbauer Wasser in der sogenannten Stala ist in einem Felsen ein Teufelskeller, welcher bis unter den Altar in Görlitz fortgehen soll. Da der Teufel von einem Geistlichen unter den Altar gebannt ward, so entschlüpfte er durch diesen Gang[2].

Zwischen Plischkowitz und Kleinbautzen findet man einen aus drei Steinmassen bestehenden alten altarförmigen Felsen, welcher ein etwas irreguläres, von Osten nach Westen zu 6 Ellen langes und 9 Ellen breites Viereck bildet, jedoch von der durch und durch gehenden ungefähr eine Elle weiten Spaltung in zwei Theile getrennt wird; an der östlichen Seite [252] dieses sogenannten Teufelssteins bemerkt man einige Stufen, und an einem wahrscheinlich sonst oben darauf gewesenen, bei der Zerstörung dieses Altars in jene Kluft geworfenen 5 Ellen langen, 4 Ellen breiten und ¾ Ellen dicken Steine sind zwei ovalrunde beckenförmige, sehr glatt ausgehöhlte Vertiefungen eingehauen, die für Eindrücke des Teufels gehalten werden. Nach der Volkssage rühren diese Eingrabungen davon her, daß der Teufel auf diesem Steine seine Hosen ausbesserte, welche er einst von einem listigen Müller, mit dem er ein Bündniß gemacht, auf ein Mühlrad verlockt, beschädigt hatte, und hier seine Scheere, Nadel und Fingerhut niederlegte. Nach einem andern Berichte hätte hier einmal ein Riese gesessen, der so groß war, daß er von da blos einen Schritt nach Klein-Saubernitz nöthig hatte, seine Füße reichten gerade bis zu dem großen Teiche, der jetzt aber besäet ist, wo er sich dieselben wusch, seine Pfeife zündete er sich bei der Gleierschen Windmühle an, auch schleuderte er einen großen ovalen Stein, der noch vorhanden ist, bis zu jenem Saubernitz, wo auch noch der Eindruck seiner Fußtapfen zu sehen ist.

Auch bei Kamenz giebt es einen solchen Teufelsstein, eine Stunde von der Stadt und gegen 500 Schritte östlich von der Senftenberger Straße. Dieser gegen 10 Ellen hohe Granitblock diente nicht blos zu einer Grenzscheide, sondern jedenfalls auch zum Opferaltare, und hatte eine fast froschartige Gestalt. Da wo er jetzt zum Theil abgesprengt ist, befand sich früher eine kesselartige Aushöhlung von mehreren kleinen Löchern umgeben. Man erzählt, daß, als das erste Gotteshaus in Camenz erbaut werden sollte, der Teufel den Baumeister zu verführen gesucht und ihm angelegen habe, jenen Fels dazu mit zu benutzen, weshalb er ihn auch zur bestimmten Stunde an Ort und Stelle schaffen wolle, allein der Teufel hatte seine Kraft überschätzt. Er legte zwar eine große Kette um den Stein, wovon als Eindruck noch jetzt an der östlichen Seite längs des untern Theils des Steins eine Vertiefung läuft, und hob ihn in die Höhe, allein er [253] marterte sich vergeblich damit ab, denn als mit dem Schlage 12 Uhr der Mitternacht des bestimmten Tages es ihm noch nicht gelungen war, ließ er ihn aus Verdruß wieder umfallen, so daß er noch jetzt ganz schief, nach Biela zu hoch, nach Camenz zu geneigt liegt, und fuhr auf und davon. In einigen, noch vor 50 Jahren neben dem Steine vorhanden gewesenen tiefen Gruben, Erdkessel oder Teufelsgruben genannt, hat der Teufel zuweilen gekocht, und man hat dann in der Tiefe der Löcher es einem Hirsebrei gleich plappern hören, doch ist es gefährlich gewesen, Steine hinabzuwerfen. Ein Paar Hirtenknaben aus Biela, welche einst ihr Vieh daselbst hüteten, und den Teufel necken wollten, warfen Steinchen in seinen Brei, doch hat er dies sehr übel genommen, denn drei große schwarze Raben sind auf sie zugeflogen, und haben sie und ihr Vieh, welches später lange Zeit Blut statt Milch gegeben hat, mit Flügeln und Schnäbeln so übel zugerichtet, daß sie zur eiligsten Flucht in’s Dorf genöthigt wurden; darauf ist es lange Zeit den Hirten verboten gewesen, in der Nähe des Steines zu hüten.[3] Auch dem Bauer, welcher das Obere des Steines absprengte, ist dies theuer zu stehen gekommen, denn seitdem hat er wenig gesunde Stunden mehr auf der Welt und von allen Bädern, die er besucht, keinen Nutzen gehabt. Daß Schätze, eine ganze Braupfanne voll Gold unter diesem Steine liegen, wird in der Umgegend als gewiß versichert, denn man hat sie oft brennen sehen, auch zuweilen Geld dabei gefunden. Doch aber soll das Nachgraben darnach sehr gefährlich sein, da man den Zauberspruch nicht kennt, wodurch der den Schatz bewachende Geist zu bannen ist, wie es denn auch denen, welche es versuchten, gewöhnlich schlecht bekommen sein soll. Einst versuchten beherzte Leute aus den obengenannten umliegenden Dörfern zur Hebung des Schatzes den Stein zu [254] untergraben. Doch obwohl es an einem schönen Vormittage geschah, ist doch plötzlich ein furchtbares Wetter mit Sturm und Gewitter entstanden, und ein herbeispringender Mann von verdächtigem Aussehen rief ihnen zu: „seht Ihr Verwegenen denn nicht, daß Eure Dörfer in hellen Flammen stehen?“ Erschrocken aufblickend haben die Arbeiter auch wirklich nichts als Rauch und Flammen gesehen, und sind sogleich nach ihren Orten geeilt. Doch dort angelangt, hat die Sonne freundlich geschienen, und ist nichts von einer Feuersbrunst zu bemerken gewesen, dadurch aber die Lust wiederum nachzugraben allen Umwohnenden auf immer vergangen.

Einst war der Teufel auf dem Wege, um Kneschki, d. h. kleine Herren, Junker auszusähen. Als er nun von der Bautzner Gegend aus über Wittichenau, Hoyerswerda und Senftenberg kam, um in der Niederlausitz seine Saat fortzusetzen, verlor er bei dem Dorfe Skoda bei Senftenberg einen solchen Kneschk. Aergerlich sagte er: to je skoda (das ist Schade)! weil er den Junker hatte für die Niederlausitz aufsparen wollen, wo es noch an solchen mangelte, und davon hat dann jenes Dorf den Namen erhalten.

Von Schwepnitz aus, nordwestlich in der Haide befindet sich eine kleine, kaum bemerkbare Anhöhe, der Teufelsberg oder das Teufelskanapee genannt. Dieses soll der Fleck sein, auf welchen der Teufel, als er vom Himmel herab gestürzt wurde, fiel, den er alljährlich an dem Tage, wo es geschah, besucht, und daselbst seine Ruhe pflegt, da man ihn denn ganz genau im damaligen Costüm mit zerbrochener Krone und zersplittertem Scepter schauen kann.[4]

Ueberhaupt giebt es noch in Sachsen viele Ortsnamen, die auf Teufelssagen anspielen, so einen Teufelsberg zwischen der Stadt Colditz und dem Dorfe Lastau, ein Teufelsgehau, eine Crottendorfer Amtswaldung zwischen Rittersgrün und [255] Wiesenthal mit dem Teufelsbrunnen, den Hauptquell des Erbisbaches, einen Teufelsgrund hinter Wehlen in der sächs. Schweiz, einen anderen am Hartenberge bei Roßwein, eine Teufelskluft oder die Prinzenhöhle, wo von Mosen und Schönfels sich 1455 mit dem Prinzen Ernst versteckt hatten, eine Teufelsmühle bei Pirna unter dem Wilischberge, einen Teufelsstein 1½ Stunde von Johann Georgenstadt am Schwarzwasser, eine Teufelswand bei Unterblauenthal; Teusdorf bei Syhra ohnweit Frohburg heißt in Urkunden Teufelsdorf; zwischen Geithayn und Colditz nördlich von der Mark Ottenhain liegt ein Teufelsgrund, in welchem das in Urkunden erwähnte Teufelsdorf gestanden haben soll; den Teufelsgraben bei Coselitz kennen wir aus unsern Sagen, bei Pirna liegt ein Gut, Kleinseidewitz, das die Hölle genannt wird, denselben Namen führt ein einzelnliegendes Wirthshaus zwischen Schönau und Wiesenburg an der Mulde, die Hölle heißt ein Thal bei Johnsdorf und dem Oybin, einen Höllengrund finden wir bei Hinterhermsdorf in der sächsischen Schweiz, und bei Oberpöbel im Amte Altenberg, einen Teufels- oder Höllengrund bei Rittersgrün, Höllenstegen heißt ein[WS 1] entlegener Theil von Posseck bei Oelsnitz, sonst giebt es noch einen Höllhammer bei Klingenthal, ein Höllhaus im Amte Schellenberg, ein Höllkruken, Amtsgut unter Lauterbach bei Oelsnitz, zwei Höllenmühlen, eine bei Augustusburg, die andere bei Rochsburg, eine Höllenwiese bei Blauenthal, einen Teufelssee hinter Arensfeld etc.


  1. S. Büschings Volkssagen S. 177. Grosser, Merkw., Th. V. S. 12. Görlitz. Wegweiser 1832. Nr. 16. Richter im Dresdner Mercur 1830. Nr. 141. Funke’s Leben der Görlitzer Past. Primarii S. 117 sq. s. a. d. Görlitz. Wegweiser 1833. S. 309. sq.
  2. S. Gräve a. a. O. S. 194. 176. 197.
  3. Nach Gräve S. 106 soll der Teufel alle Mal am Vorabend der Walpurgisnacht hier sein Nachtmahl halten, sich von höllischen Geistern bedienen lassen, und nachdem er sich für den Walpurgisabend mit Speise und Trank gestärkt und der Ruhe gepflegt hat, dann seine Reise fortsetzen.
  4. S. Gräve S. 145, der auch S. 165 sq. den Ursprung der allerdings nicht in unsere Sammlung mehr gehörigen Sagen von dem Teufelswehr und der Teufelsstube zu Wehrau mittheilt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: heißte in