Der schwedische Krieg

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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Der schwedische Krieg
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 344–358
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
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[344]
189. Der schwedische Krieg.

1563 den 14. Mai hat Ein Rath zu Lübeck die Bürger zu Sich beschieden, und ihnen durch den Burgemeister Ambrosius Meyer anzeigen und zu Gemüth führen lassen: mit welch großer Tyrannei wider Gott, Recht und alle Billigkeit der König zu Schweden gegen die Stadt trotziglich gehandelt: wie er den gemeinen Kaufmann mit ungewöhnlichen Zöllen und vielen neuen Auflagen beschwert, und die Lübschen Schiffe und Güter ungewarnt, in stehendem Frieden und wider alle Vermuthung, mit Gewalt genommen hätte. Alles das hätte die Stadt weder an ihm noch seinen Vorfahren verschuldet: er sei auch durch Eines Raths Legaten genugsam ersucht, und man hätte sich zu allen billigen Mitteln und Wegen ganz hoch erboten; aber weniger als nichts beschaffen können. So habe denn Ein Rath bei der Kön. Majestät zu Dänemark um Arrestirung der Schiffe und Güter angehalten, die von den Schweden den Lübschen genommen und nach dort gebracht würden; der König aber habe mit ihnen getagt und sich auch vieler Gewalt und Hinterlist beklagt, womit der Schwede sowohl den Dänen als der Stadt nachgetrachtet: er sähe sich genöthigt, darüber eine Fehde zu beginnen, und wollten sie sich mit ihm verbinden, so solle ihnen widerfahren was Recht sei.

[345] Auf diesen Vortrag des Burgemeisters ist die ganze Gemeinde betrübt geworden, daß sie hören mußte, wie die gute Stadt für viele Wohlthat und große Unkosten von dem Schweden nichts denn Undank und eitel Tyrannei genieße; weil aber die Natur und alle Rechte lehrten, daß man der Gewalt wehren solle, befahl die Gemeinde Einem Rath zu thun, was Er für das Beste und Dienlichste hielte; sie wollten Ihm darin unter des lieben Gotts Hülfe mit Leib und Gut treulichen Beistand leisten.

Alsbald hat Ein Rath sehr herrliche Kravelen, die stolz waren, und etliche Jachten und Pinken in Stand gesetzt, und die Trommel schlagen lassen, und Kriegsknechte und Bootsleute angenommen.

Dann schrieb er an die Städte und begehrte ihren Beistand, oder daß sie doch den Handel mit Schweden abschaffen möchten. Die von Hamburg aber sagten nein; die Wismarschen sprachen: sie müßten’s mit ihrem Landesherrn halten; die übrigen antworteten nicht und thaten auch nichts.

Nun lagen einige dänische Schiffe bei Bornholm, und die Leute waren Pfingsttag den 30. Mai ans Land und zur Kirche gegangen; den Schweden war noch nicht abgesagt. Da kömmt der schwedische Admiral unvermutheter Weise, nimmt drei Schiffe, darunter den dänischen Admiral, die Fortuna, und bringt sie nach Schweden. [346] Da ließ König Erich den Hauptleuten, Schiffern und Büchsenschützen Platten scheeren, und machte sie so zu Thoren.

Dennoch rührten sich die Dänen nicht, sondern lagen ruhig bei Kopenhagen. Während dessen kamen nun 35 lübsche Schiffe, groß und klein von der Narwa, und gedachten die Flotte bei Bornholm zu treffen; da aber die schwedischen Beuteschiffe auch lübische und dänische Flaggen geführt, fielen sie diesen in die Hände, und kamen nur zum kleinsten Theil davon.

Darauf war es zu spät, daß die Dänen und Lübecker nach Öland liefen mit Raub und Brand. Auch des Königs Kriegsvolk richtete wenig aus, weil die Zufuhr fehlte. Er hatte drei Regimenter Landsknechte werben lassen, jedes von 20 Fähnlein; die liefen zu hunderten täglich durch Lübeck mit ihren Weibern, und hatten kleine Säugekinder in Stühle gebunden, die sie auf dem Rücken trugen; das Volk fraß im Lande Holstein alles auf, daß theure Zeit wurde. Nun aber, da sie keine Zufuhr hatten, starben ihrer etliche tausend. Da wurde wohl wahr, was der alte Herzog von Braunschweig zu einem ehrlichen Mann von Lübeck gesagt: „Wird der König nicht zu Lande sein Bestes thun und die von Lübeck zur See nach ihrem Verstande regieren und machen lassen: so wird sie die Sucht dermaßen zusammen rühren, daß sie es fühlen werden.“ In Summa: der Krieg [347] zwischen beiden Königen ist nicht ernstlich gemeint gewesen, in Betracht, daß sie zweier Geschwister Kinder waren; zudem soll die alte Königin den dänischen Admiral angesprochen, und wie er ablaufen wollen, zu ihm gesagt haben: er sollte dergestalt kriegen, daß sein Herr ein König in Dänemark und der andere ein König in Schweden bleiben möge; und hat ihm damit eine große güldene Kette über den Hals geworfen.

Endlich am 7. August lief die vereinigte Flotte von Kopenhagen ab nach Bornholm. Unterweges traf sie einen lübschen Schiffer, der hatte von den Fischern verkundschaftet, daß in Calmarsund an der dänischen Seite 28 schwedische Schiffe nebst zwei Galeeren und einer Jacht lägen. Auch kam der Lübschen alte Pinke, die bei Danzig ein schwedisch Schiff genommen, die Kaufgesellen aber losgelassen hatte.

So kam die Flotte am 3. September auch in den Calmarsund. Die Lübschen setzten auf Gutachten des dänischen Admirals ein Fähnlein Knechte mit zwei Stücken Geschütz ans Land; desgleichen ließen die Dänen sieben Fähnlein fliegen, raubten und brannten auf vier Meilen Weges im Lande herum. Endlich zeigten sich 11 schwedische Schiffe unter Nordodden, die bei den Jungfern daselbst noch 13 Hauptschiffe im Hinterhalt liegen hatten. Da rüstete sich alles aufs beste zum Treffen und war willig zum Streit; aber der dänische Admiral hat nicht [348] entern wollen. Deßhalb schickten die Lübschen ihren Fähndrich mit einem Schiffer Peter Holste, und ließen fragen: wie sie das verstehen sollten? Der Admiral sprach: er hätte auch ernstlich angreifen und entern wollen, und zu dem Zweck auch Schüsse gethan; aber die andern Schiffe hörten oder sähen nicht; und mit denen, die er bei sich hätte, könnte er nichts machen; ohnehin sei seiner Krone an seinem Admiralschiff viel gelegen. Der Fähndrich antwortete: es wäre in der Armade so manches gute Schiff, und darum, wenn auch eins zu Boden ginge, die ganze Flotte noch nicht verloren: weil der Feind mit Hülfe des Allmächtigen heut in ihren Händen stünde, sollte er doch, ihrem früheren Beschluß nach, angreifen; er würde ohne allen Zweifel Ruhm, Preis und Ehre einlegen.

Darauf hat sich denn der Admiral etwas näher zu den Lübschen gethan; deren gemeines Gesinde schrie nun: daß man zu entern anfangen sollte. Da reffte der Schwede seine Topsegel und zog ab: der Däne aber that deßgleichen, und mußten die Lübschen mit sonderlichen Schmerzen und scheelen Augen unverrichteter Sachen dem Admiral folgen.

Des andern Tages, den 12. September, sahen die Lübschen die Feinde auf Öland segeln, fast zerstreut und weit von einander: sie thaten also ihre Anmahnungsschüsse; dessenungeachtet nahm der dänische Admiral seinen [349] Curs auf Gottland. Muß also wohl wahr sein, was man zu sagen pflegt: wenn ein dänisch Kind zur Taufe kömmt und dem leidigen Teufel absagen soll, so entsagt der Junge gleich im Anfang der Stadt Lübeck und ihren Einwohnern, daß er ihr Feind leben und sterben wolle. Haben danach nichts weiter verrichtet, und sind am 4. November malcontent von einander geschieden und nach Hause gegangen.

1564 im Vorjahr rüsteten die Lübischen abermals zehn gewaltige Kravelen aus samt etlichen Jachten und Pinken, alle mit Geschütz und Volk wohl besetzt; auch die Dänen machten 30 Schiffe, klein und groß, fertig, die was besser waren, als im vergangenen Jahr. Herr Friedrich Knevel und Herr Johann Kampferbeck waren der Lübschen Hauptleute.

Nun schickte der Schwede in einer kleinen Schute fünf Befehlshaber mit mehreren tausend Thalern ab, womit die Hauptleute, die zu Rostock, Stralsund und Greifswald den Winter über gelegen und die Hungerharke gezogen, flugs Kriegsvolk annehmen sollten: er wollte dann mit aller Gewalt kommen und sie herüber holen. An diese Schute machte sich eine kleine lübsche Pinke, und scharmutzierte so lange, bis die Schweden sich ergeben mußten: Einer, Claus Reimers, der aus Lübeck war und von Einem Rath viel Gutes genossen, sprang sogleich ins Wasser und versoff sich; die andern vier schickte Herr [350] Knevel an den dänischen König. Dann wurde Einer, der in dänischem Sold gestanden, auf vier Räder gelegt; die übrigen gab der König den Lübschen wieder.

Am 30. Mai kam die Flotte nun an die schwedischen Scheeren: da lief der Schwede mit 40 gewaltigen Schiffen heraus und hatte Wind und Sonne und Wetter alles zu Gunsten. Die Dänen und Lübschen aber boten ihm dennoch das Haupt, und so ging ein Kampf an, wie er in der Ostsee bisher nicht gesehn. Der Schwede hatte namentlich ein großes Schiff, daran der König und sein Vater etliche Jahr gebaut: zehn Fuß länger als die Petrikirche zu Lübeck, 700 Mann stark, mit 140 gegossenen Stücken, darunter 8 ganze Kartaunen. Das hieß Makeloes, und trug den Mars schön gemahlt als Zeichen; und Hauptmann war Herr Jakob Bagge, der Deutschen großer Feind. Dieß Schiff nun lief voran, und die andern, auch schöne große Schiffe, folgten ihm der Reihe nach: und alsbald begann ein Schießen und Stürmen, wie es nie gehört war; das dauerte bis der Abend sie auseinander brachte: da nahmen die Schweden den Wich.

Aber als den 31. Mai die Sonne aufging, liefen sie wieder vor dem Wind auf die Dänen und die Lübschen los, in der Hoffnung, die Frühkost mit ihnen zu essen; denn Herr Jakob hatte sich hochgemessen, mit den Lübschen Maitag zu halten, hütete sich aber nicht davor, daß er selber Maigraf werden sollte.

[351] Nun hatten am Abend vorher der dänische Admiral, die Fortuna, mit den lübschen, welcher Engel hieß, sich verbunden, daß sie diesen Tag nicht mit Schießen verlieren, sondern den großen schwedischen Mars Makeloes gleich entern wollten. Aber der fing alsbald fürchterlich an zu schießen und ließ sich nicht nahe kommen, dergestalt daß der Däne wieder ablegen und die Löcher stopfen müssen.

Da ging zum Glück der Wind um, daß unsre Schiffe den Luff krigten; und alsbald griff der Engel, wiewohl er gegen den Schweden nur als eine Schute zu achten war, tapfer an, und ihm folgte eins der kleinsten lübischen Schiffe, das Henning Krage führte. Dieser kam dem Schweden vor das Rohrgatt, und verwirrte sich mit seiner Takelage so, daß er nicht wieder los kommen konnte, besann sich aber schnell, ließ all sein Geschütz auf eine Seite bringen und schoß dem großen Mars durch den Spiegel, daß sein Geschütz aus der Ordnung kam, und an dreihundert Büchsenschützen verdorben wurden.

Wie das der Lübsche Admiral sah, der noch im vollen Feuer mit dem Makeloes war, ließ er alsbald Feuer hinein werfen, fiel mit seinen Leuten an Bord, pflanzte das Lübsche Fähnlein auf und machte nieder, was sich zur Wehre setzte. Da dankten Herr Jakob und sein Leutnant dem lieben Gott, daß sie ihr Leben behalten und ihren Maitag im lübschen Admiral feiern durften.

[352] Kaum aber war das Geld und Gut zum Theil geborgen, als das Feuer um sich griff und der Mars mit greulichem Spektakel gen Himmel flog. Die Fahnen wurden zu Lübeck auf’s Rathhaus, in die Jakobikirche und in die Schiffergesellschaft gehängt.

1565 den 18. Mai sind 18 lübsche Schiffe, klein und groß, wohlgerüstet nach Kopenhagen abgelaufen: als sie aber in den Öresund kamen, fanden sie des Königs Schiffe gar unfertig, wiewohl er an Einen Rath geschrieben, daß er sich verwundre, wo die Lübschen blieben. Als nun am Himmelfahrtstag die Hauptleute zu Land zogen, wollte der Constabel aus dem Engel ihnen zu Ehren ein Feuerwerk machen, und darüber verbrannte das ganze herrliche Schiff. Die Leute retteten sich mit Mühe; mancher holte auch sonst noch allerlei, obgleich sich wegen des starken Geschützes nicht leicht jemand nähern durfte.

Inmittels lief der Schwede mit 36 Orlogsschiffen aus und segelte geradezu auf Travemünde, wo die Lübschen ein großes Schiff von 400 Last, den Morian, bauen ließen. Die zwei oder drei Pinken, welche in See waren und aufpassen sollten, trieben Mauserei und dachten an den Schweden nicht; auf dem Blockhause war zwar gutes Geschütz, doch hatte es nur 3 Mann Besatzung und wenig Büchsenpulver. Die Travemünder aber gaben sich alsbald auf die Flucht und fuhren mit ihrer Armut in Böten davon, samt dem Vogt. Dennoch wagte sich ein [353] Büchsenschütze hervor, sammelte was in den Häusern an Pulver zu finden war, und ließ in Eil Einem Rath ansagen. Da kam denn bald Kraut und Loth genug, samt etlichen großen Feldschlangen; denn in Lübeck hatte jede Straße ein eigen Geschütz gießen lassen. Der Morian brachte aber seins auf eine Seite, und so wurden die Schweden dermaßen abgewiesen, daß sie unverrichteter Sachen davon ziehen müssen.

Den 4. Juni danach trafen die Verbündeten den Schweden zwischen Fehmern und Buck. Der dänische Admiral, Herr Olof Trull, griff sogleich an, wiewohl ihn die lübschen Hauptleute warnten, daß er sich nicht verruchlosen sondern verharren sollte, bis die Schiffe alle zusammen wären; und daß thaten sie wohl dreimal. Aber Herr Olof war feurig, da er den Feind vor Augen sah; der hatte jedoch an seinem Admiral lange Bäume zu beiden Seiten ausgesteckt, daß man nicht entern sollte. Dazu krigte er durch eine Gewitterwolke den Luff; und auf dem dänischen Christoffer brach Feuer aus. So kamen sie wieder aus einander, Herr Olof ging nach Kopenhagen, um sein Schiff zu bessern; unterweges sprang ihm eine Wunde am Arm auf, und er blutete sich todt. Die andern Schiffe liefen dem Schweden bis gegen Abend nach; in der Nacht drehte sich der Wind, und alles ward zerstreut.

Indessen wurden die Flotten gestärkt: die Dänen [354] hatten 22 Schiffe, und die Lübschen 14 mit dem großen Morian, aber ohne die Pinken, die ab- und zu liefen als Tidenbringer.

So trafen sie am 7. Juli zwischen Rügen und Bornholm auf den Schweden, und machten einen herrlichen Schlachtplan, der jedoch im Streit selber von beiden Theilen vergessen und nicht befolgt wurde. Denn der Schwede fiel mit aller Gewalt auf den dänischen Admiral und nahm ihn weg, ob es gleich ein wohlbesegelt Schiff von 400 Lasten, und mit 200 Stücken besetzt war, sich auch, als es nach Schweden gebracht ward, noch 400 Leute darauf befanden.

Danach kamen dem Lübschen Admiral fünf Schweden auf den Leib; aber wiewohl von den 14 Lübschen Schiffen 5 in den Wind kniffen, fanden sich doch ehrliebende Leute genug, die ihre Pflicht thaten. So nahmen sie den Feinden ein großes Schiff weg und steckten es an; der Admiral selbst nahm den großen goldenen Löwen, der aber, nachdem er ausgebeutet war, aufbrannte; mehr andre wurden in den Grund geschossen. Auch von den Dänen nahm Silvester Frank, der ein englisches Schiff von 60 Lasten führte, den großen S. Jürgen von 130 Last. Als aber die Schweden in hellen Haufen zustürzten, ließ Franken Schiff von ihm ab; er selbst blieb jedoch mit 4 Bootsleuten und 8 Landsknechten an Bord. Die faßten Muth und vernagelten dem schwedischen Volk die Luken, [355] daß es nicht aufkommen konnte, und liefen dann, als wären sie Schweden, unter die andern Schiffe; bis sie zur Nacht sich wegstehlen konnten, und nach Kopenhagen kamen: da ward ihnen gut gelohnt.

Aber es waren auf beiden Seiten über 5000 Mann umgekommen; und danach kam eine greuliche Pest. Nachdem nun die Verbündeten nach Kriegsgebrauch fünf Tage zwischen Hiddensöe und Bornholm gewartet, ob die Schweden Lust hätten, wieder anzufangen: liefen die Lübschen nach Hause, um ihre Schiffe auszubessern, und der Kranken und Verwundeten zu pflegen. Unter denen waren auch Hauptmann Henrich König von Schöppenstedt und der Fähndrich Friedrich von Senftenberg, deren Epitaphium in der Petrikirche zu sehn. Ein Rath aber hielt strenges Gericht über die „Knip in den Wind.“

Im Frühjahr 1566 schickten die Lübschen abermals 11 große Orlogsschiffe in den Sund; die führte Herr Bartel Tinnappel nebst Herrn Johann Kampferbeck und Cord Wolters. Sie trafen am 26. Juni auf den Schweden zwischen Öland und Gottland und schossen tapfer auf ihn los; aber zum Stich kam’s nicht. Nun war der dänische Unteradmiral todtgeschossen und sollte auf Gottland stattlich begraben werden, wiewohl die Lübschen es widerriethen, weil dort eine böse Reede wäre, auch der Statthalter von Wißby, Niels Bille, wahrscheuen ließ. Als nun die Dänen mit dem Todten am Lande waren, [356] und den Leichenschmaus hielten, kam in der Nacht ein großer Sturm, der die Schiffe auf den Strand jagte; da verdarben von den Dänen das Admiralschiff Samson, der Unteradmiral Hannibal, der Crabate, Flores, Mauritius, Harkelos, Papegoye, Kokerhuek, die Sonne und Herrn Alf seine Pinke; von den Lübschen aber der Oberadmiral Morian, der Unteradmiral Josua, und ein Proviantschiff, das Meerweib; Herr Tinnappel selbst ertrank.

Aber der König und die Stadt ließen alsbald neue Schiffe bauen, darunter zwei von 800 Lasten auf der lübschen Lastadie, die als Admiräle dienen sollten; das Holz ließ der König aus des Abts von Reinfeld Waldung nehmen, welche von den Zimmerleuten tapfer gemustert ward.

Im Vorjahr 1567 war das Lübsche Schiff, der Adler, fertig. Die Länge betrug 112, die Breite 25, der Kiel 62 Ellen. Es ging 9 Ellen tief und hatte über Wasser noch 27 E. Höhe. Die Schanze war 36 E. hoch und hatte 6 Böden und 3 Gemächer. Der Hauptmast war 60 E. lang und 6 E. dick, die große Stange 30 E. lang, die große Raa 59 E., und waren 7 Marssen, aus denen man sich wehren konnte. Das große Tau war 24 Daumen dick, und 180 Faden lang; ihm folgten 6, die abwärts kleiner wurden. Das Pflichtanker wog 17 SPfund, das andre 14, das dritte 12, das vierte 1½, und durch den großen Ring konnte man eine Hamburger Tonne [357] stecken. Das Garn zu allen Tauen wog 1138 Centner. Der Krahn konnte über 20 SPfund heben. In der Küche waren 2 Kessel, deren einer 5, der andre 4 Tonnen Fleisch faßte. Das Schiff konnte 1000 Last, und das Boot 10 tragen. Zu den Segeln kamen 116 Rollen Podagels, jede von 30 Ellen. Zwei Engel trugen den doppelten Adler im goldnen Schilde. Von gegossenen Stücken hatte das Schiff 8 Kartaunen zu 40 Pfund Eisen, 6 halbe zu 20 Pfund, 26 Feldschlangen zu 8–10 Pfund, 4 halbe Schlangen zu 5 Pfund, 8 Quartierschlangen zu 2½ Pfund. Von eisernen, geschmiedeten Geschütz: 28 eiserne Büchsen mit 56 Kammern zu 10–30 Pfund Stein, 10 kleine Steinstücke mit 20 Kammern zu 3 Pfund, 10 Dreiquartiersschlangen mit 20 Kammern zu 5 Pfund Eisen, 40 Barsen mit 80 Kammern zu 1 Pfund Eisen. An Handgewehr 46 lange Feldhaken zu ¼ Pfund Blei, 40 lange Röhre, 100 lange Spieße, 100 halbe Spieße, 100 Knebelspieße; alles ohne der Landsknechte Gewehr. An Kraut und Loth führte es 6000 eiserne Kugeln, 300 Feuerkugeln und Kettenkugeln, 1000 steinerne Löthe, 10 Last Kraut, 1 Last Hagel oder Schrot. An Leuten hatte es 120 Büchsenschützen, 400 Seefahrer, die das Schiff regierten, 1 Fähnlein Landsknechte, 500 stark, wohlstaffiert, zum Entern und Schlagen. Als das Schiff von 1567 bis 70 zum Krieg segelte, ward das Volk täglich mit 2½½ Last Bier und 7–9 Tonnen Fleisch gespeist; davon hatte es 4 Mahlzeiten. [358] In die Erbsen kamen 36 Seiten Speck klein und groß, und in den Grapen 1 Tonne Erbsen, an Fischtagen 1 Tonne Rothscher. In die Herrenkajüte kam 1 Faß und 1 Tonne Bier, und einen um den andern Tag in die oberste Kajüte 1 Faß Bier für die Schiffer und Steuerleute. In der Küche waren 25 Personen.

Aber die Schweden ließen sich nicht finden.

Die letzte Planke des Adlers liegt als Admiraltisch im Rathskeller.

Bemerkungen

[398] (Nach Privataufzeichnung.) S. 345 Kravelen – mittelgroße Kriegsschiffe mit 4 Masten; Jachten – Schnellsegler; Pinken – scharfgebaute Dreimaster. 348 reffte – band ein. 351 Luff – Windseite, die Seite, von wo der Wind herkömmt. 354 Tidenbringer – Boten. 356 Pflichtanker – Hauptanker. 337 Podagels – das stärkste Segeltuch.