Die Abbassiden − 7. Gesang

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Autor: August Graf von Platen
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Titel: Die Abbassiden − 7. Gesang
Untertitel:
aus: Gesammelte Werke des Grafen August von Platen, Band 4 von 5
Herausgeber: Einführung von Karl Goedeke
Auflage:
Entstehungsdatum: 1828−1830
Erscheinungsdatum: 1847
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
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[288]

  Siebenter Gesang.


Unterdeß erwartete lang vergeblich
Ihren Freund die Königin Selmira:
Ordnen ließ sie ein verschwenderisch Gastmahl,
Um den Großen ihres Reichs den theuern

5
Sohn des Harun Alraschid zu zeigen;

Doch es fehlt der Gast. Selmira sendet
Frau’n und Diener aus mit Fackelbränden,
Die den Fremdling durch des weiten Gartens
Schattige Lauben und Terrassen suchten.

10
Endlich wurden jene Thongefäße,

Vom Matrosenvolk zurückgelassen,
Bei der Quelle wahrgenommen; offen
Stand die Seitenthür des Parks, und Behrams
Flüchtiges Fahrzeug war hinweggesegelt.

15
Daß er selbst verrätrisch eingeschlichen,

Daß er weggeschleppt den Abbassiden
Schien Gewißheit. Eilig ward der Fürstin
Diese Schreckenspost verkündet. Plötzlich
Ueberrascht von ihrem Schmerze, stand sie

20
Wie versteinert; doch die Herrscher kleidet

Selbstbewußter Sinn, und wo den armen,
Niedern Erdensohn ergreift Verzweiflung,
Ziemt’s dem Mächtigen, seiner mächtigen Mittel
Eingedenk, Verhängtes abzuwehren:

25
So verstrickt im Netz ein Vogel leicht sich,

Das der Löwe leicht zerreißt. Selmira
Brach in solche Worte schnell gefaßt aus:
Auf! Im Nu verfolgt die Hochverräter!
Auf! und rüstet meine ganze Flotte!

30
Schleunig wandle durch die Stadt ein Herold,

Anzuflehn des Volkes ganze Jugend!
Was an Mannschaft auf der sandigen Rhede,

[289]

Was im sichern Haven weilt, besteige,

35
Eure Königin voran, die Schiffe!

Sprach’s und vom Pallaste ging ein lautes
Rufen durch die Palmenstadt, die Schläfer
Fuhren aus dem Schlummer auf, von Fackeln
Leuchtete rings der Strand, das Volksgewimmel

40
Füllte tosend mit Geschrei den Steindamm.

Ohne Zaudern stieg die schöne Fürstin
Selbst hinunter, noch im Schmucke schimmernd,
Den sie angelegt, dem Fest zu Liebe:
Ein Juwelendiadem in ihren

45
Ueppigen schwarzen Locken, trat sie mutig

Als Beschleunigerin der trägen Arbeit
Auf’s Verdeck des segelfertigen Schiffes.

Endlich zieht an Bord das ungeheure
Ankertau das junge Volk mit frohem

50
Wechselsang. Der Königin zum Lobe

Scholl der Hymnus und zum Trotz den Feinden.

Weiten Vorsprungs war das Magierfahrzeug
Auf der glatten Fläche hingesegelt;
Doch Selmira’s mastenreiche Schiffe

55
Glitten schneller durch die Flut, und Behram,

Eh’ in’s Meer versank die nächste Sonne,
Sah verfolgt sich und gemach umzingelt.
Keine Rettung, rief er aus, erspäh’ ich;

60
Aber doch ein Mittel bleibt. Den Jüngling

Bindet los, und vom Verdeck hinunter
Schleudert ihn in’s dunkle Bad! Der Salzflut
Sei geweiht dieß Opfer; mög’ ein andres
Sühnen einst die Majestät des Feuers!

65
So befahl er, seine Schaar gehorchte:

Assurs Bande lösend strebt das Schiffsvolk,

[290]

Ihn ergreifend, über Bord zu schleudern;
Doch verächtlich stößt der Abbasside
Seine Henker weg, und leichten Schwunges

70
Springt er selbst in’s wallende Meer hinunter.

Jene steuern weiter; als der Jüngling
Wieder aufgetaucht, versucht er schwimmend
Nach dem Ufer sich zu retten, welches
Zwar entfernt, doch nicht zu sehr entfernt war.

75
Aber allgemach versagt die Kraft ihm.


Sieh, da ward die gute Fee Melinda
Des dem Assad einst gegebnen Wortes
Eingedenk, den Bruder ihm zu schützen,
Sollte je die höchste Not bedrohn ihn.

80
Einen Delphin sendet ihm Melinda,

Welcher lustig durch die Purpurwogen
Schien zu scherzen um den müden Jüngling.
Assur schlingt den Arm um ihn, der Delphin
Rauscht der Küste zu. Sobald die Brandung

85
Tosen hört der edle Sohn des Harun,

Läßt er los des Fisches riesigen Nacken,
Bis zum Uferkies gemächlich schwimmend.
Eine kleine Felsenbucht erreicht er,
Wo mit halbgestürzten Säulengängen

90
Stand ein Landhaus, dessen morsche Halle

Dürftigen Fischern nun zum Aufenthalte
Dienen muß. In’s Meer hinaus gefahren
Waren diese, keine Menschenseele
Findet Assur. Sein Gewand an eine

95
Säule hängend, um ’s zu trocknen, legt er

Schlafbedürftig in den nächsten Kahn sich,
Der, geknüpft an einen knotigen Oelbaum,
Ueberschattet war von dessen Zweigen.

Unterdessen, wie man oft im Norden

100
Schwanenhälsige Schlitten pfeilgeschwind sieht

[291]

Gleiten über’s Schneegefild und lustig
Glöckchen wehn hört um den Hals der Pferde −
Zog heran in unaufhaltsam raschem
Zuge, mit Triumphgeschlei, mit wilder

105
Festmusik Selmira’s rüstige Flotte.

Während Behrams Steuermann im Nacken
Schon zu fühlen wähnt der Feinde Bugspriet,
Ruft dem Sohne Schehriars die Fürstin
Vom Verdeck zu diese stolzen Worte:

110
Hochverräter, der du mein Vertrauen

Schnöd gemißbraucht, meiner Gnade Hohn sprichst!
Gieb heraus das Opfer, das du rücklings
Uns entführt, den jungen Abbassiden
Ueberliefere meiner Schaar, wofern dir

115
Samt den Deinen, theuer ist das Leben!


Ihr versetzte drauf der listige Behram:
Wär’ es möglich, daß du solchen Argwohn
Gegen mich, o Königin, von dem du
Dank erwarten darfst und Hülfe, nährtest?

120
Auf! Herüber sende deine Krieger!

Findet sich auf meinem Schiff der Flüchtling,
Gern das Haubt dann biet’ ich dar dem Henker;
Doch bewährt sich meiner Rede Wahrheit,
Ziehen laß uns dann in Frieden, halte

125
Dein gegebenes Wort, ich hielt das meine!


Augenblicks das Magierschiff besetzen
Läßt die Königin durch ihre Mannen:
Eifrig suchend steigen vom Verdeck sie
Mit den Fackeln bis zum untern Schiffsraum;

130
Doch sie finden keine Spur des Prinzen.

Wiederum durchspäht und immer wieder
Jeden Winkel ihre bange Sorgfalt,
Immer fruchtlos! Grimmig dann verlassen

[292]

Zwar das Schiff sie; doch von allen Seiten

135
Stecken sie’s in Brand mit ihren Fackeln.

Prasselnd kracht es und die Flamme lodert,
Mast und Segelwerk verzehrend, hoch auf.
Schmerzbewegt erblickt von fern Selmira
Diesen Brand, und fühlt die schönste Hoffnung

140
Ihres Herzens auch zur Asche werden.

Aber bald besiegen Groll und Rache
Jedes sanftere Schmerzgefühl der Liebe;
Mächtig gegen ihre Schaar beginnt sie:
Mögen schuldlos am Verschwinden Assurs

145
Jene Bösewichter sein, so büßen

Nur mit Recht sie jede frühere Schandthat!
Doch des Menschenopfers blutige Gräuel,
Die der Herr und sein Prophet verabscheut,
Sollen länger nicht bestehn! O meine

150
Segler, jetzo gilt’s zu segeln, jetzo

Gilt’s mit Muth zu kämpfen, meine Kämpfer!
Auf! Es folge mir die ganze Flotte
Nach der Magierstadt, um auszurotten
Jenen schnöden Götzendienst auf ewig,

155
Um den Wütrich, der mit ehernem Zepter

Dort gebeut, zu stürzen! Auf! Es lebt noch
Abdorrachman’s Tochter Diwisade,
Jenes angemaßten Thrones Erbin:
Wieder soll sie ihn besteigen, dankend

160
Mir, der Herrscherin, und euch, den Helden!


So die Fürstin unter lautem Beifall.
Schleunig wendet sich die ganze Flotte,
Wie im Herbst ein Schwalbenzug, gen Mittag.
Diesen Augenblick benützte Behram:

165
Aus dem brennenden Schiffe springt in’s Boot er,

Samt den Seinen, die mit kräftigen Rudern
Emsig streben nach der nächsten Küste.

[293]

Diese wurde bald erreicht, sie steigen
Froh an’s Land, und eine Fischerwohnung

170
Sehn sie lehnen sich an alte Mauern:

Jener nahn sie sich. Es war indessen
Nacht geworden, eine sichere Zuflucht
Sucht die Schaar; sie finden leer die Wohnung,
Doch sie schüren Feuer, einige Krüge

175
Weins entdeckt in einem Winkel Behram,

Und es zechen ohne Wirth die Gäste.
Aber nachbarlich und solche Nachbarn
Nicht vermutend, schlief Mohadi’s Enkel,
Wenige Schritte nur entfernt, im Nachen.

180
Als er Lärm vernimmt, erwacht er; schleunig

Rafft er seine Kleider auf; ein gastlich
Licht gewahrt er aus der Hütte schimmern,
Dieses lockt ihn, pochend einzutreten.
Schon das Wort des Grußes auf der Lippe,

185
Steht er mitten unter Feinden plötzlich,

Denen kaum er wunderbar entronnen.

Wie ein Knabe, der im Meer die frischen
Glieder badet, wenn er unversehens
Auf der Seekastanie stets bewegte,

190
Spitzige Stachel tritt, im Nu zurückfährt,

Blaß vor Schrecken, also that es Assur.
Aber Behrams scharfes Auge hatte
Schon erspäht die unverhoffte Beute:
Sohn des Harun aus dem Stamm des Abbas,

195
Rief er aus, willkommen! Unsere Götter

Sind gewaltiger, als der Gott Muhammeds!
Ihnen, scheint es, sind Kalifensöhne
Zwar ein seltnes, doch gefälliges Opfer,
Dem sie nun und nimmermehr entsagen!

200
Komm, empfange meinen starken Handschlag!

Theil’ als Gastfreund unser Fest, und deine

[294]

Rechte fest in meiner, mit der Linken
Nimm aus meiner Linken diesen Becher!
Dieses rufend, hält er ihn und reicht ihm

205
Dar den Wein; doch scheint die süße Labung

Gift dem Jüngling, welcher trinkt und zittert,
Halb noch ungewiß, ob Wirklichkeit ihn,
Oder ein böser Traum die Seele peinigt.
Während dessen kehrten heim die Fischer,

210
Zwei den Fang und zwei die Netze tragend.

Aber zögernd standen, offenen Mundes,
Auf der Schwelle da die Junggesellen,
Solcher Freunde nicht gewärtig. Behram
Rief entgegen ihnen: Heil der Mahlzeit,

215
Die den Hungrigen bringt zur rechten Frist ihr!

Fürchtet nichts, ihr Männer! Eure Hütte,
Räumt sie gastlich uns für diese Nacht ein,
Theilt mit uns, was euer Netz erobert:
Dann, sobald der nächste Morgen anbricht,

220
Werd’ ein Führer uns der Kundigen Einer,

Um den Weg in’s Magierland zu finden.
Reichlich, Freunde, werd’ ich euch belohnen!

Spricht’s, und willig drauf genehmigen Jene;
Assur aber ruft sie an: Geliebte,

225
Werte Männer! Mit Gewalt und Unrecht

Halten diese Räuber mich gefesselt.
Rettet mich! Und wenn zu schwach ihr selbst seid
Gegen diesen Haufen, eilt dem nächsten
Flecken zu, der nächsten Stadt, um Hülfe

230
Mir zu schaffen; Schirm verdient die Unschuld!


Aber schnell darauf versetzte Behram:
Hütet euch, Verbrechern euch zur Brustwehr
Aufzuwerfen! Schuldig ist der Jüngling,
Meuchelmords und alles Bösen schuldig.

[295]

235
Wolltet ihr ihn retten, was vermöchtet

Gegen uns ihr Wenigen? Bis zur Stadt ihr
Eure Botschaft brächtet, wären lange
Wir hinweggezogen: Nein! Bereitet
Uns ein Mahl, bereitet uns ein Lager,

240
Andere Sorgen überlaßt der Vorsicht!

Spricht’s, und schweigend unterziehn die Fischer
Seinem Wort sich. Drauf, am nächsten Morgen,
Führt die ganze Schaar der Kundigen Einer
Durch’s Gebirg, dem fernen Magierland zu.

245
Aber wenden wir den Blick zurück nun

Nach der Not, in der befand sich Assad,
Welcher schwimmend zwischen kantigen Klippen
Schwebte zwischen Tod und Leben. Jeden
Augenblick droht ihm der Fels Zerschmettrung,

250
Dessen schneidende, durch die Flut zerfress’ne,

Scharfe Spitzen hindern jede Landung.
Aber, droht der tückische Fels Gefahr ihm,
Mehr Gefahr noch droht das uferlose
Tiefe Bett des Oceans; die Beute

255
Doppelter Drangsal, wählt der hoffende Jüngling

Schmerzensvolleren, aber ungewissern
Untergang. So wählt ein wunder Krieger,
Statt des Todes, den Natur herbeiführt,
Oft Verstümmelung durch die Hand des Arztes,

260
Die vielleicht ein qualenvolleres Ende,

Doch der Rettung Möglichkeit zugleich beut.
Rings umschwimmt das kleine Felseneiland
Spähend Assad, und zuletzt entdeckt er
Ein Gestrüpp von immergrünen Eichen,

265
Dessen wehende Zweige nach der Flut sich

Senkten windbewegt. Mit raschem Sprunge
Faßt er einen starken Ast und schwingt sich
Auf den Fels. Der Insel flachen Gipfel

[296]

Bald erreicht er kletternd ihn und mühsam.

270
Aber ach! Wozu so vieler Arbeit

Schweiß und Kampf? Auf einer schmalen Klippe
Steht er hoffnungslos, er sieht das weite
Blaue Meer und hört es mächtig branden!
Doch er sieht kein Menschenschiff. Das Eiland

275
Bietet nichts, als wilde Myrten, nirgend

War ein Obdach, nirgend eine Quelle,
Während schonungslos die Sonnenpfeile
Seine Scheitel treffen, seine Fersen
Ihm der heiße Boden sengt, und dennoch

280
Schwellt noch Hoffnung seinen jungen Busen.

Sieh, da tritt, indem er sinnend wandelt,
Ihm in’s Aug’ ein hohes, kreidiges Felsstück;
Aber, als er näher tritt, erkennt er
Statt des Steins ein weißes, ungeheures

285
Ei, das Ei des Vogel Rocks. Verwundert

Staunt er’s an, und will’s zuletzt zerschlagen,
Nahrung d’raus zu saugen. Plötzlich aber
Fällt ein keckes Wagestück in seine
Stets erfinderische, wache Seele.

290
Horch, und kaum war sein Gedank’ im Werden,

Als er über sich ein lautes Schwirren
Hört, und eine Wolke schien den Himmel
Einzuschleiern! doch der Vogel Rock war’s,
Der die mächtigen Riesenfittige senkte.

295
Assad wirft zu Boden sich, der Vogel

Setzt sich brütend auf das Ei. Bedächtig
Kriecht heran der athemlose Jüngling:
Mit dem seidenen Gürtel knüpft er fest sich
An die Klau’n des Flügelungeheuers.

300
Dieses hebt sich über eine Weile

Leicht empor und schneidet durch den Aether:
Eine lustige Reise für den Vogel,
Eine bange für den Sohn des Harun

[297]

Ueber’s Meer und über Länderstrecken.

305
Endlich schwebt das Ungetüm in langen

Kreisen über einer Schlucht, es neigt sich
Allgemach, und dann berührt’s den Boden.
Mit der letzten Kraft ermannt sich Assad,
Leise lösend seine seidne Binde.

310
Doch der Vogel hascht sich eine Beute,

Die er ausgespäht von oben; wieder
Schwingt er hoch sich dann und war verschwunden.

Seiner kaum bewußt und totenähnlich
Lag der Jüngling, bis ein tiefer Schlaf ihn

315
Ueberfällt, der ihn erquickt und rettet.

Doch der Ort, wohin der Vogel trug ihn,
War das tiefe Thal der Diamanten,
Durch der Felsenwände jähsten Abfall
Unzugänglich jedem Erdensohne.

320
Nur mit List beraubt der Mensch und spärlich

Diese Thalschlucht ihrer Schätze. Große
Klumpen Fleisches wälzen vom Gebirge
Jährlich nieder in’s Gethal die Hirten:
Diese Beute lockt das Raubgevögel,

325
Die empor sie fischen; doch am Fleische

Bleiben einzelne Diamanten kleben:
Lärmend jagen dann die Junggesellen
Jenen Thieren ihren reichen Fang ab.

Dieß das Thal, in dem erwachend Assad

330
Um sich blickt; er sieht die wundervollen.

Prächtigen Steine, deren Werts er kundig.
Mit den schönsten füllt er froh die beiden
Aermel an; doch abermals erkennt er
Einer fruchtlos angestrebten Rettung

335
Wahnversuch. Die schroffen Wände bilden

Einen Kerker um den Sohn des Harun.

[298]

Nahrung spendet ein Johannisbrodbaum
Kärglich ihm, der aus dem Felsen aufsproß;
Hülfe sieht er nirgend. Traurig setzt er

340
Unter’n Schatten sich, und fährt verzweifelnd

Mit der Rechten nach der Stirn; da blitzet
Ihm in’s Aug’ der schöne Ring Melinda’s.
Konnt’ ich dich, so ruft er aus, vergessen,
Mächtiger Talisman der holden Göttin?

345
Ewige Kurzsicht ist das Loos des Menschen!

Während hier ich nach Juwelen suchte,
Trug den schönsten ich am eignen Finger,
Der allein mich retten kann! Zu sparen
Bis zum Augenblick der höchsten Not ihn,

350
So befahl die Geberin des Ringes,

Und ich that’s; jetzt aber schlägt die Stunde
Seiner Kraft und Wirksamkeit! − Er sprach es,
Während mächtig Diwisadens Bildniß
Ihm erwacht und seines Bruders Assur.

355
Um den Zeigefinger dreht den Ring er:

Möcht’ ich rasch und augenblicks, so ruft er,
Stehn am Thor der Magierstadt! Er hatte
Kaum vollendet, als er stand am Thore.