Eine Orangenblüthe

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Textdaten
Autor: Mathilde Feldern-Rolf
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Titel: Eine Orangenblüthe
Untertitel:
aus: Thalia: Taschenbuch für das Jahr 1844. Hrsg.: Joh. Nep. Vogl.
Herausgeber:
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Erscheinungsdatum: 1844
Verlag: In Commission bei Jacob Dirnböck.
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Erscheinungsort: Wien
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[1]
Eine Orangenblüthe.




Von
Mathilde Feldern-Rolf.

Vor ungefähr zwanzig Jahren war es, daß in einer mondhellen Nacht auf der Piazzetta di S. Marco auf der zweiten Stufe von der Säule des geflügelten Löwen eine weibliche Gestalt zusammengekrümmt saß. – Ein weißes Tuch verhüllte Haupt und Brust, die Arme waren auf die Knie, der Kopf in die Hände gestützt, – so saß das Geschöpf regungslos und starrte hin gegen den Dogenpallast.

Nur wenige Vorübergehende bemerkten die Gestalt, und die sie bemerkten, kümmerten sich nicht darum, – entweder weil sie schon seit einer Woche daran gewöhnt waren sie Nachts dort sitzen zu sehen, – oder weil der Platz, welchen das Weib gewählt hatte, wie bekannt, zu jenen von jedem echten Venezianer gemiedensten gehörte, da zur Zeit der Republik zwischen den beiden Säulen des geflügelten Löwen und des heil. Theodor der Richtplatz war.

Auf dem Glockenthurme schlug es zwei Uhr, ein junger Bursche, der schon lange im Schatten unter den Bogengängen [2] des Pallastes auf und nieder geschlichen war, trat jetzt hervor und ging rasch auf das Weib zu, – faßte es an der einen Hand und zog sie empor, – indem er mitleidig sprach:

Angela! – folg mir, er kommt heute nicht mehr.“

„Er wird kommen, Tita, – ich sah ihn vor einer Stunde schon mit der Signora über die Piazzetta schreiten. – Dort steht auch seine Gondel.“

„Nun so gehe heute nach Hause, ohne ihn nochmals gesehen zu haben. – Es ist schon später als gewöhnlich. Base Cecca wird daheim ängstlich auf dich warten. Komme, Angela!

So sprach der Bursche in schmeichelndem Tone, das Mädchen aber schüttelte verneinend den Kopf, setzte sich wieder auf die Stufe und nahm dieselbe Stellung wie früher ein. Tita sah, daß sie in ihr gewöhnliches Träumen versank, und da er keine Antwort auf seine Fragen und auf sein Flehen erhielt, warf er sich seufzend neben dem Mädchen auf die Steine, und lehnte geduldig abwartend seinen dunklen Lockenkopf an die Säule.

„Dort kommt er, dort kommt er!“ flüsterte plötzlich Angela, richtete sich empor, stellte sich hinter die Säule, so daß die an der Seite des Dogenpallastes Vorübergehenden sie nicht bemerken konnten, und starrte auf eine Dame und einen Herrn, welche laut plaudernd und lachend aus dem Caffè dei Leoni kamen, dem Canal grande zuschritten und an der Ecke des Pallastes eine Gondel bestiegen, die pfeilschnell verschwand.

[3] Tita hatte ohne sich zu erheben, zu dem Mädchen aufgeblickt, jetzt frug er wehmüthig:

„Nun, Angela, bist du jetzt zufrieden?“

Das Mädchen nickte stumm ein Ja, wischte sich mit der Hand ein paar große schwere Thränen aus den langen dunklen Wimpern, stieg langsam die Stufen des Säulen-Sockels herab , und ließ sich ohne Widerstreben von Tita an der Loggietta del Campanile vorüber nach Hause führen.




Wenige Tage später an einem sonnigen Morgen trat ein auffallend schöner aber sehr bleicher junger Mann aus der Pforte des armenischen Klosters St. Lazarus. – Er trug ein Portefeuille unter dem einen Arm, eine Schreibtafel in der Hand, ging langsam – denn er hinkte unmerklich – eine kleine Strecke, und notirte sich einiges während dem Gehen. – Plötzlich blickte er auf, sah eine Gondel, winkte dem einen der müßig am Ufer sitzenden Gondoliere, rief: „nach dem Pallast Mocenigo!“ und schritt hinab, um das Fahrzeug zu besteigen. – Aber schon den einen Fuß in der Gondel, blickte er dem jungen Burschen in das Gesicht und sprach erstaunt.

„Wie! du bist es, Tita! – ei, ich habe dich lange nicht gesehen.“

„Milord kommen nicht mehr in die Gegend, wo meine Gondel steht, und haben, wie ich höre, eine andere, jene des alten Coppo gemiethet.“

[4] „Ja, ja, du hast recht. – Wie kommst du heute hierher, Tita?“

Der Bursche schwieg, auf des Engländers wiederholte Frage erwiederte er endlich zögernd:

„Ich führte meine kleine Base Angela herüber, sie ging in einen der Gärten, um Blumen zu holen, da sie für die Gräfin Albrizzi heute zu einem Feste mehrere Kränze binden muß. – Dort kommt sie so eben,“ fügte Tita hinzu, gab seinen Gefährten ein Zeichen und stieß vom Ufer ab.

„Nu! und willst du die Kleine allein am Ufer zurücklassen?“ frug der Lord.

„Ich werde sie später abholen,“ sprach der Gondoliere, „ich denke mir, es könnte Euer Herrlichkeit unangenehm sein, die kleine Angela zu sehen.“

„Unangenehm! weshalb? fahre zurück und hole das arme Kind, ich sehe es durch die Jalousien, die Kleine steht ganz verwundert am Ufer, und weiß deine Abfahrt sich nicht zu erklären.“

Tita zögerte noch einige Augenblicke.

„Zurück! sage ich!“ rief der Engländer, und der Gondoliere gehorchte. – Der Lord setzte sich auf die Bank, nahm sein Portefeuille, blätterte darin hin und her, und überlas einige Stellen. – Während dieser Zeit hatte die Gondel sich wieder dem Ufer genähert. Angela rief ihrem Vetter Vorwürfe zu, er reichte ihr aber die Hand, und sie sprang flink in das Fahrzeug. – Da bog er sich zu ihrem Ohr herab und flüsterte rasch:

„Fassung, Muth, Angela! – Milord sitzt d’rin.“

[5] „Santa Madonna!“ rief leise das Mädchen, und ließ den Korb mit den Blumen und allem duftenden Inhalt, welchen sie in der Schürze trug, zu Boden fallen. Die Gondel stieß abermals vom Ufer ab, die Gondoliere ruderten tüchtig, Angela raffte ihre Blumen auf, sammelte sie wieder in den Korb, wendete sich aber nicht, um nicht in das Gondelhäuschen blicken zu müssen. Da faßte eine Hand von rückwärts plötzlich die ihre, ohne sich umzusehen ließ sie sich in der gedeckten Raum führen, und saß im nächsten Augenblicke neben dem Lord.

Angela! warum diesen Trotz? wenn wir uns auch nicht mehr lieben, so brauchst du mich deshalb doch nicht zu fliehen. – Schlag die Augen auf, – blicke mich an, Kleine. – Lächle doch ein wenig, das steht dir weit hübscher als dieses Schmollen.“

Das Mädchen wendete das Köpfchen ab, um ihre Thränen zu verbergen, der Lord lachte laut auf, nannte sie scherzend „einen kleinen verdammt maliciösen Trotzkopf!“ lehnte sich zurück, und blätterte wieder in seinen Papieren.

Einige Minuten später hielt die Gondel unweit des dunklen altersgrauen Pallastes Mocenigo, der Lord sprang empor und sah noch einige Augenblicke auf das sitzende Mädchen, dann sprach er:

Angela! was reichtest du mir sonst jeden Morgen mit freundlichem Blick und Worte?“

Angela beugte sich schweigend nach dem Korbe mit Blumen, der zu ihren Füßen stand, nahm eine Orangenblüthe, und reichte sie dem Engländer halblaut sprechend: –

[6] „– Glücklichen Tag , mein Gordon!“

Der Lord nahm die Blüthe, steckte sie in sein Knopfloch, drückte dem Mädchen die Hand, warf dem jungen Gondoliere mit flüchtigem Gruße ein Geldstück hin, sprang aus, und verschwand in dem Pallaste.

„Nun, Angela! was hat er dir gesagt?“ frug neugierig Tita, und steckte den Kopf unter das Dach der Gondel.

„Nichts und doch Alles!“ erwiederte das Mädchen mit einem seltsamen kalten Lächeln, „ich fordere nicht mehr von ihm, er hat mich geliebt, und die Erinnerung daran genügt mir.“




In einem der hohen mit verbleichten Tapeten geschmückten Zimmer des Pallastes Mocenigo, saß vor einem schwerfälligen schnörkelreichen Schreibtische der junge Engländer. – Der helle Kerzenschein des vor ihm stehenden Armleuchters fiel auf ein Papierheft, das mit „Don Juan“ überschrieben. – Gordon stützte den linken Arm auf den Tisch, das Kinn in der Hand und starrte gegenüber an die halbdunkle Zimmerdecke. Das Schwellen der Ader auf des Lords von weichen Locken umringelter freien Stirne, das Funkeln der dunklen Augen verkündete, daß Gestalten und Bilder in immer deutlicheren Umrissen an ihm vorüber schwebten. – So saß er lange und regungslos, bis gleich heraufbeschworenen Geistern sie ihn alle umstanden in bunten wunderlichen Reizen, deren Schöpfer, Herr und Meister er war. – Begeistert [7] langte er nach der Feder, – da ertönte ein kreischendes Geschrei aus einem der anstoßenden Gemächer, Gordon warf unwillig die Feder aus der Hand, und fuhr vom Lehnstuhl empor. – Er klingelte und sein getreuer Kammerdiener erschien.

Fletcher, was gibt’s, ist die Fornarina wieder da?“

„Ja Milord! Sie bringen das Geschöpf nicht los , – wenn sie zu einer Thür Margarita Cogni hinaus jagen, so kommt sie zur andern herein.“

„Ich will aber von ihr befreit sein, ich will sie nicht mehr sehen; – das wilde heftige Weib ist mir widerlich. – Warum gab es Lärm, – was ist es?“

„Euer Lordschaft, die Fornarina begegnete im Corridor die hübsche Angela, und hätte ich nicht der Margarita das Messer entrissen, sie würde die arme Kleine durchstochen haben.“

„Es ist ein Teufel von einem Weibe, war es doch auch sie, welche die kleine Angela aus dem Hause brachte. – Was will das Kind? man sagte mir, Angela sei seit einiger Zeit wahnwitzig.“

„Das scheint mir kaum, Milord, – sie sieht zwar sehr bleich aus, doch spricht sie nicht verwirrt. Sie läßt Euer Lordschaft nur um wenige Augenblicke Gehör bitten. – Eine wichtige Nachricht, so sagt sie wenigstens, führt sie hierher, auch behauptet sie dieselbe nur Euer Lordschaft selbst mittheilen zu können.“

„Wichtig,“ wiederholte der Lord lächelnd, „ich kenne [8] diese wichtigen Geheimnisse der Frauen. – Lasse Angela kommen, Fletcher.“

Das Mädchen trat ein, sie senkte grüßend das Köpfchen und sprach ohne die Augen aufzuschlagen.

„Milord, Ihr besuchtet vor einiger Zeit täglich früh Morgens das Kloster St. Lazarus.“

„Ja allerdings.“

„Seit einigen Wochen nicht mehr.“

„Ganz recht, als ich dich in der Gondel traf, war ich zum letzten Male dort. – Du hast – – –“

„Nichts von mir, Milord, dazu ist jetzt keine Zeit. Was thatet Ihr drüben im Kloster der Armenier?“

„Welch ein Inquisitionsgeist der Vermummten aus der Glanzperiode des Dogenpallastes ist in dich gefahren, Kleine? – Du fragst mich aus wie ein Senator des großen Raths. – So wisse denn, ich übersetzte dort Einiges aus hochwichtigen Urkunden der Vorzeit, und einen Brief des Apostel Paulus an die Corinther.“

„Ich weiß, Milord, Ihr seid sehr gelehrt. – Doch hier handelt es sich darum, ob Ihr niemals in der Nähe des Klostergartens eine junge Dame spracht?“

„Und wenn es so wäre?“

„Dann, Milord, würde ich Euch bitten, heute Abends nicht mehr den Pallast Mocenigo zu verlassen.“

„In einer halben Stunde verfüge ich mich in eine Abendgesellschaft.“

„Geht nicht, Milord, es droht Euch Gefahr!“

„Im Salon der liebenswürdigen Madame Benzoni?“

[9] „Nein, in Eurer Gondel.“

„Der alte Coppo und Paolo sind treu.“

„Nicht Eure Gondoliers. – Der Bräutigam jener Euch bekannten jungen Dame und der Gatte Mariannens führen einen bösen Anschlag gegen Euch im Sinne.“

Marianna’s Gatte, – und gewiß sie selbst. – So habe ich nicht schon genug der Qual an der Verfolgung dieses tollen Weibes der Margarita Cogni, muß sich denn jede Liebe zu mir in Haß und Rache verwandeln?!“

„Nicht jede, Milord!“ sprach in einem traurigen wehmuthsvollen Tone Angela, und schlug die schönen dunklen Augen auf, – doch als fühlte sie Reue über diese Worte, fuhr sie rasch fort: „Nochmals geht nicht, Milord, bleibt heute daheim!“

„Danke für die Warnung, schönes Kind, doch ich werde in einer halben Stunde die Gondel besteigen, – ich verlasse mich auf mein gutes Glück und meine Gewandtheit. – Sollte mich unter Wegs ein Abenteuer treffen, so gibt es Stoff zu einer Erzählung in der Soiree. – Woher weißt du von der Gefahr?“

„Wenn Ihr, Milord, meinen Rath nicht befolgen wollt, so ist es auch unnöthig mehr darüber zu sprechen . – Was nun auch immer geschehen mag, Ihr wisset jetzt, Milord, woher der Anschlag kam. – Gute Nacht!“

„Und hiermit ist deine Mittheilung zu Ende?“

„Ja, Milord!“

„Ein Bote muß Botenlohn bekommen, nimm diese Guinee, kleine Angela.“

[10] Das Mädchen erröthete, stieß des Lords Hand verächtlich zurück, und sprach sehr ernst:

Gordon! ich habe niemals Gold von dir genommen. – Gute Nacht.“

„Ein sonderbares Geschöpf!“ murmelte der Lord, als Angela das Zimmer verlassen hatte, trat an das offene Fenster und sah in die dunkle Regennacht hinaus.

Im Vorsaale stand Fletcher, über einen Stuhl hing des Lords weißer Mantel, nebenan lag sein Hut, – beides bereit, wenn er ausgehe.

William!“ sprach Angela, „Ihr waret stets gut und freundlich mit mir, gebt mir auf kurze Frist Eures Gebieters Hut und Mantel.“

„Wozu, Angela?“

„Fragt nicht und gebt mir Beides.“

„Unmöglich Kind, Milord wird sogleich ausgehen. – Die Gondel steht schon seit einer Stunde bereit.“

„Eben deshalb!“

„Ah Milord klingelt. – Geduldet Euch einige Augenblicke hier im Vorsaale, Angela, – ich komme sogleich wieder.“

Fletcher eilte in des Lords Schreibzimmer, er fand ihn noch am offenen Fenster.

William, ist die Fornarina fort?“

„Ja, Milord, ich drohte ihr sie in den Kanal werfen zu lassen, wenn sie sich nicht gutwillig entferne.“

Fletcher, meinen Hut und Mantel, das Gewitter hat die Luft abgefühlt, es gießt Ströme vom schwarzen [11] Himmel herab. – Halt! was sind das für zwei Gestalten dort an der Gondel?! – es ist weder Coppo noch Paolo. – Fletcher, komme näher, vielleicht kannst du etwas deutlicher unterscheiden. – Was ist das! – Da unten trete ich aus dem Thor! – es ist mein weißer Mantel. – Ha! hat Shelley recht!? – man sieht auch zuweilen doppelt! – Vor Kurzem sah man mich am hellen Tage zu London im Regentpark, während ich hier unter bestäubten Pergamenten und Folianten im Archiv der Armenier herumwühlte. – Fletcher! die Gestalt steigt in die Gondel. – Das sind nicht meine Gondoliere! – Ein Schrei! die Gestalt sinkt! – ein Mord, Fletcher, ein Mord!“

„Jesus! – Angela!“ schrie William und stürzte aus dem Zimmer.

Fünf Minuten später umgaben alle Diener aus dem Pallaste Mocenigo mit Fackeln die Gondel, – die Mörder waren entflohen. – Coppo und Paolo lagen gebunden und geknebelt am Boden des Fahrzeuges. – Der Lord stürzte aus dem Pallaste und rief:

„Wo ist Angela?!“

Fletcher antwortete nicht, sondern winkte, und man hob die in den weißen Mantel gehüllte Gestalt aus der Gondel, und legte sie auf die Stufen zu des Lords Füßen hin.

„Sie wußte es, Milord, und ging für Sie in den Tod.“

Angela, Angela!“ rief der junge Mann und kniete sich neben dem Mädchen hin. „Fletcher, sie lebt noch. – Geschwinde eilet, einen Arzt! – Meine liebe Angela!“

Angela richtete sich mühsam empor, nahm einen kleinen [12] Strauß Orangenblüthen von ihrer Brust, reichte ihn dem Geliebten und flüsterte matt:

„Glückliche Tage, mein Gordon!“

Ein mildes freundliches Lächeln glitt über ihre Lippen, ihr Kopf sank auf die Stufen zurück, – Angela war todt.

Am folgenden Abende traf Lord Byron in der Conversation der geistreichen Gräfin Albrizzi zum ersten Male die anmuthvolle Therese Guiccoli, geborne Gräfin Gamba. – Angela wurde auf Jahre vergessen.




Wenige Wochen vor seinem Tode, als Byron in Seraglio, seine Wohnung zu Missolonghi, an einem Sommerabend allein saß, – und unter seinen Schriften einiges suchte[WS 1], da fand er eine getrocknete Orangenblüthe unter den Papieren. – Er war bewegt, – hielt die Blüthe einige Zeit in seiner flachen Hand, betrachtete sie und sprach wehmüthig:

Angela! du allein hast mich wahrhaft uneigennützig und treu geliebt.“

Er drückte seine schöne edle Stirne in die Hände und blieb einige Minuten so sitzen. – Tita, der venetianische Gondoliere, nun seit Jahren des Lords Lieblingsdiener, trat ein. Byron stand auf und ging an das Fenster. – – Tita aber hatte bemerkt, sein Gebieter habe – geweint.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: uchte, wahrscheinlich Buchstabenausfall, s ergänzt