Geschichte der Pfarrei Sachsen bei Ansbach und der zugehörigen Orte/Kriegsläufte

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Volkskundliches Georg Rusam
Geschichte der Pfarrei Sachsen bei Ansbach und der zugehörigen Orte
Inhaltsverzeichnis
Die Dorfgemeinden »
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
| IX. Kriegsläufte

1. Die Türkenkriege

 Wie schon wiederholt berührt wurde, hatte das deutsche Volk in früherer Zeit immer wieder mit den Türken zu tun. Diese brachen über Bulgarien und Ungarn stets aufs neue in deutsches Land herein, nach Österreich, auch Steiermark und Kärnten. Äußerst groß war die Gefahr, daß sie noch weiter nach Deutschland eindrangen und wie einst die Hunnen alles verwüsteten, die Leute hinmordeten oder in die Sklaverei fortschleppten. Darum waren die deutschen Heere immer wieder genötigt, zum Kampf gegen den Erbfeind der Christenheit auszuziehen. In der Reformationszeit war es Kaiser Karl V., der wiederholt das deutsche Volk zum Krieg aufbieten mußte. Eben deshalb konnte er auch nicht so gegen die Evangelischen vorgehen, wie er es wollte, sondern mußte ihnen Ruhe und Frieden gewähren. Denn er brauchte zum Krieg auch die evangelischen Reichsstände; und gerade seine Erblande Österreich, Steiermark usw. waren am ersten und am meisten bedroht.

 Das Reich mußte zum Krieg auch oftmals die sogenannte Türkensteuer, eine allgemeine Reichssteuer, bewilligen. Von der Kirche wurden mehrfach Bußtage und Bittgottesdienste angeordnet. Im Jahre 1542 wurde sogar die „Türkenglocke“ eingeführt, von der schon die Rede war, d. h. jeden Mittag um 12 Uhr sollte überall in Deutschland die Betglocke läuten, damit die Leute Gott um Schutz und Hilfe gegen die Türkennot anriefen. Die Glocke läutet heute noch, obwohl die Türkengefahr längst geschwunden ist und niemand mehr die Bestimmung der 12-Uhr-Glocke kennt. Von den Behörden wurden zeitweise alle Tänze und weltlichen Vergnügungen verboten, auch Sammlungen für die Türkenkämpfer angeordnet.

 Am schwersten drohte die Türkengefahr nach dem Dreißigjährigen Kriege, als Deutschland furchtbar geschwächt darniederlag. Im Jahre 1663 hatte man bei uns so schwere Sorge vor einem Türkeneinfall, daß der markgräfliche Hof bereits Vorbereitungen traf, von Ansbach wegzuziehen und alle wertvollen Gegenstände in Sicherheit zu bringen. Alle Tänze, öffentliche und private Musik, „Üppigkeiten, Schreien und Jauchzen auf den Gassen oder anderswo“ wurde strengstens untersagt. Doch ging damals die Gefahr wieder vorüber. Aber 20 Jahre später, 1683, drangen die Türken doch bis Wien vor und belagerten die Hauptstadt des deutschen Kaisers. Mit Mühe hatte sich der kaiserliche Hof nach Passau retten können. Größte Bedrängnis mußte aber die Stadt Wien viele Wochen hindurch ausstehen gegen| die heftigen Anstürme der Türken, bis endlich ein starkes Heer aus dem Reich und aus Polen heranrückte und die Stadt befreite. Wäre es damals den Türken gelungen, Wien zu erobern, so wäre ihnen ganz Deutschland offengestanden, und nicht zum letzten wäre unser Frankenland ihrem Wüten und Morden zum Opfer gefallen.

 Auch 1683 hatte der Markgraf den Befehl zu „bußfertigem und gottseligem Leben, zum Besuch der Gottesdienste und Betstunden“ usw. ergehen lassen. Als dann die Türken zurückgeschlagen und am 2. September 1686 auch die ungarische Hauptstadt Ofen (jetzt Budapest genannt) ihren Händen entrissen worden war, wurde eine allgemeine Danksagung in den Kirchen gehalten. Hievon ist noch im ältesten Kirchenbuch von Sachsen ein Vermerk zu finden.

 Nur langsam sind dann in der Folgezeit die Anstürme der Türken gegen das Deutsche Reich zum Stillstand gekommen.


2. Die Einfälle der Franzosen

 Schon im Dreißigjährigen Kriege hatten die Franzosen Partei ergriffen und ihre Soldaten in Deutschland kämpfen lassen, und zwar auf Seite der Schweden, obwohl sie selbst zur katholischen Kirche gehörten. Es ist auch das ein Beweis dafür, daß dieser Krieg in seiner zweiten Hälfte kein Glaubenskrieg mehr war, sondern nur noch ein Kampf um die Macht, um Beute und Eroberungen. Frankreich hat denn auch aus dem Kriege ein schönes Stück deutsches Land als Siegesbeute heimgebracht.

 Aber das genügte dem französischen König Ludwig XIV. noch lange nicht. Er begann seine berüchtigten Raubkriege zu führen, um noch weiteres Land von Deutschland loszureißen. Im Jahre 1688 fielen seine Soldaten in die Pfalz ein und verwüsteten dieses schöne Land in furchtbarster Weise. Er wollte aus dem Land eine Wüste machen, um so für immer von Deutschland getrennt zu sein. Seine Mordbrenner griffen auch auf das rechte Rheinufer über und ließen dort eine Reihe von Städten in Flammen aufgehen, darunter Heidelberg mit seinem herrlichen Schlosse. Eine besonders verwegene Schar unter dem Führer Feuquieres machte sogar einen Vorstoß über Württemberg bis herein ins Frankenland. Im November 1688 kam sie über Mergentheim, Crailsheim und Rothenburg nach Ansbach, überall schwere Kontributionen einhebend und, wo man ihnen nicht willfahrte, alles niederbrennend. Auch Ansbach mußte 10000 fl. als Brandschatzung erlegen. Über den weiteren Verlauf des Streifzuges erzählt uns das Kirchenbuch von Sachsen: „Am Sonntag, den 18. November, ist zu Mittag der Franzos in das nürnbergische Gebiet dahier| eingebrochen, gesengt und gebrennt hier in Sachsen an die 30 Zimmer (Gebäude); der Gottesdienst blieb ganz unterwegs, die Leute liefen alle davon; Kirche und Pfarrhaus blieben verschont (vermutlich weil sie ansbachisch waren); der Feind blieb über Nacht, zog am Montag weiter.“ – Die Festung Lichtenau wurde von Feuquieres zur Übergabe aufgefordert. Aber diesmal hielt sich der Ort anders als im Dreißigjährigen Kriege. Der Amtspfleger, Rittmeister v. Haller, soll das französische Schreiben mit den Worten zurückgeschickt haben: „Sagt eurem Herrn, ich verstehe nicht französisch; auf gut deutsch will ich ihm antworten, meine Antwort aber mit Pulver und Blei schreiben.“ Um dem Feind keinen Stützpunkt vor der Festung zu lassen, hatte er die Kirche und andere Gebäude in Lichtenau niederzureißen befohlen. Dann ließ er unausgesetzt scharf auf den Feind feuern und vertrieb ihn bald von Lichtenau. In der Nähe von Boxbrunn wurde vor etlichen Jahren bei Grabungen am „Franzosenholz“ eine 10 Pfund schwere Kanonenkugel gefunden; sie ist wahrscheinlich 1688 von Lichtenau aus auf die Franzosen hinausgeschossen worden, da diese dort im Walde ein Lager bezogen hatten. Von Lichtenau zog Feuquieres weiter nach Immeldorf, wo er die Pfarrscheune niederbrannte; auch andere Ortschaften sollen noch von ihm heimgesucht worden sein. Über Weißenburg, Donauwörth und Ulm wandte er sich dann wieder rückwärts zum Rhein, mit reicher Beute beladen. Dabei zählte die Truppe nur etwa 1000 Reiter und einige hundert Fußsoldaten. Aber das ganze Land war von deutschen Truppen entblößt, und bis das kaiserliche Heer am Rhein erschien, verging eine lange Zeit. Es eilte dem Kaiser auch gar nicht, da er ja in seiner Hofburg zu Wien weitab vom Kriegsschauplatz sicher saß und überhaupt für die Not des Reiches wenig Mitgefühl aufbrachte.

 Noch lange fort und immer wieder drohte Gefahr von den Franzosen, weshalb wiederholt Bußtage angeordnet wurden. Im Kirchenbuch von Sachsen lesen wir z. B.: „1689, den 29. November, hat man hier angefangen, Abend Betstunden zu halten um 4 Uhr wider den Franzosen, welcher der Zeit den 20 jährigen Stillstand mit dem Kaiser und dem römischen (römisch-deutschen) Reich gebrochen.“ Eine Folge der französischen Raubkriege war es auch, daß viele evangelische Pfarrer aus der Pfalz vertrieben wurden. So kam 1711 ein Sohn des damaligen Pfarrers von Sachsen, namens Dietrich, flüchtig aus Flehingen und fand mit seinem Weibe in Hirschbronn eine vorläufige Unterkunft.

 Nach Beginn der französischen Revolution im Jahre 1789 flohen viele Bürgerliche und Adelige aus Frankreich, um ihr Leben zu retten. Auch in Ansbach ließen sich 79 eine Zeitlang nieder. Als dann| die französischen Heere 1796 den Rhein überschritten, erschienen auch zahlreiche deutsche Flüchtlinge aus der Gegend am Rhein, im ganzen über 2000. Da Ansbach als preußisches Gebiet damals im Frieden mit Frankreich lebte, konnten die Flüchtlinge bei uns sicher sein. Dagegen mußte Nürnberg sowie das übrige deutsche Land die Schrecken des Krieges durchkosten. Auch in das Gebiet um Lichtenau drang am 25. August 1796 eine Abteilung französischer Reiter in der Stärke von 25 Mann ein und begehrte Quartier. Aber Lichtenau verschloß seine Tore. Nach einiger Zeit hörte man ein „fürchterliches Klagegeschrei“ aus Sachsen, Volkersdorf und Rutzendorf, vernahm auch Flintenschüsse. Aber die Leute in den Dörfern wehrten sich mit Dreschflegeln, Heu- und Mistgabeln und anderem, und verjagten die Franzosen. So eilig ritten diese nach Ansbach davon, daß sie in Sachsen, wo sie lagern wollten, sogar Karabiner und Futtersäcke liegen ließen, die sie allerdings am andern Tage wieder holten.

 Das Jahr 1800 brachte für die Nürnberger Orte lange und starke Einquartierung, während die ehemals markgräflichen, jetzt preußischen Orte wegen der Neutralität Preußens verschont blieben. Umgekehrt hatten die letztgenannten Orte im Jahre 1805 und 1806 schwer unter dem Durchzug und unter der Besetzung der Franzosen zu leiden. Hierüber ist schon auf S. 136 näher berichtet worden.


3. Die Kämpfe zur Befreiung und Einigung Deutschlands

 Im Jahre 1806 legte Kaiser Franz II. die deutsche Kaiserkrone nieder und behielt nur noch den Titel eines Kaisers von Österreich. Das alte Deutsche Reich, das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“, wie sein voller Name lautete, nahm damit ein Ende. Es gab fortan nur noch eine bunte Reihe von einzelnen deutschen Staaten und freien Reichsstädten. Der größte Staat war Preußen, das unter Friedrich dem Großen (1740–1786) mächtig emporgestiegen war. Die übrigen deutschen Gebiete standen teils unmittelbar unter Napoleons Herrschaft, teils hatten sie sich unter seinem Protektorat zu einem Rheinbund zusammenschließen müssen. Daß aber Deutschland nicht völlig auseinanderfiel, sondern daß der Gedanke der Zusammengehörigkeit weiterlebte und mit der Zeit immer mehr erstarkte, war ungewollt das Verdienst des französischen Kaisers. Denn der ungeheure Druck, den dieser Gewaltmensch auf das deutsche Volk ausübte, die Knechtschaft, unter der er ganz Deutschland seufzen ließ, bewirkte mehr als alles andere, daß sich die durch so viele Landesgrenzen getrennten Deutschen wieder als Glieder eines großen Volkes,| als „Deutsche“ fühlen lernten. Die gemeinsame Not schloß das Volk innerlich zusammen.

 Zunächst galt es, das Joch Napoleons wieder abzuschütteln. Es mußte der große Freiheitskrieg von 1813 und 1814 geführt werden. Napoleon hatte es gewagt, im Jahre 1812 gegen Rußland mit einem ungeheuren Heere zu Felde zu ziehen; aber der russische Widerstand einerseits und die furchtbare Winterkälte anderseits gaben seinem Heere den Todesstoß. Was nicht auf den Eisfeldern Rußlands verblutete oder von Frost und Hunger dahingerafft wurde, mußte in wilder Flucht heimwärtskehren. „Mit Mann, mit Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen“, wie es in einem Liede heißt. Auch aus Bayern hatten 30000 Soldaten dem Rufe des Franzosenkaisers folgen müssen, viele gewiß auch aus unserer Gegend; aber nur wenige konnten den Heimweg finden. Und nun stand Deutschland auf, und im Bunde mit Österreich und Rußland begann es seinen heldenhaften Freiheitsskampf. Bald in Preußen, bald in Sachsen und Böhmen wurde gekämpft, bis es am 16.–19. Oktober 1813 zur großen Völkerschlacht bei Leipzig kam, wo endlich unter heißestem Ringen Napoleon entscheidend aufs Haupt geschlagen wurde. Bayern hatte sich schon am 8. Oktober von Napoleon losgesagt, kam aber nicht mehr recht zur Schlacht bei Leipzig. Dafür trat es dem flüchtenden Heere bei Hanau am Main entgegen, freilich ohne den französischen Kaiser ernstlich aufhalten zu können. Es zogen dann die siegreichen Heere nach Frankreich hinein, wo sie nach mehreren Schlachten am 31. März 1814 ihren Einzug in Paris halten durften. Noch ein zweiter Freiheitskrieg wurde 1815 notwendig, als der in die Verbannung geschickte Kaiser Napoleon noch einmal zurückkehrte; doch ein rascher Sieg der verbündeten Heere bei Waterloo in Belgien am 18. Juni 1815 und ein zweiter Einzug in Paris machte seiner Herrlichkeit bald ein Ende. Auf der Insel Helena in Atlantischen Meere mußte er einsam seine letzten Lebensjahre verbringen.

 Durch den Kampf um die Freiheit war das Einheitsbewußtsein des deutschen Volkes mächtig gewachsen. Es blieb auch in der Folgezeit lebendig, obwohl die deutsche Kleinstaaterei fortbestehen blieb und der Einheitswille besonders von Österreich aus heftig bekämpft wurde. Es wurde trotz allem 1833 der deutsche Zollverein gegründet, und 1848 trat die erste deutsche Nationalversammlung in Frankfurt zusammen. Zu einer wirklichen Einigung fehlte freilich noch vieles. Vor allem stand der Gegensatz zwischen Preußen und Österreich hindernd im Wege. Ein friedlicher Ausgleich erwies sich auf die Dauer ebenso als unmöglich wie eine gedeihliche Zusammenarbeit der beiden Mächte. Es mußte schließlich eine kriegerische Auseinandersetzung erfolgen, wie sie dann 1866 vor sich ging.| Durch den Sieg der Preußen bei Königgrätz in Böhmen am 3. Juli wurde Österreich gezwungen, zurückzutreten. Bayern hatte sich auf die Seite Österreichs gestellt und in Unterfranken vergebens gegen die preußischen Truppen gekämpft. Da Preußen bei den Friedensverhandlungen Maß zu halten verstand, war es dem damaligen preußischen Minister Bismarck möglich, zuletzt alle deutschen Staaten mit Ausnahme von Österreich in dem Norddeutschen Bunde zusammenzuschließen und so die Einigung Deutschlands mächtig zu fördern.

 Doch erst der Deutsch–Französische Krieg von 1870/71 brachte die vom Volk ersehnte bessere Einigung unter einem neuen deutschen Kaiser. Frankreich hatte wieder einen Napoleon als Kaiser bekommen; aber dessen Herrschaft stand auf sehr schwachen Füßen, weshalb er durch einen siegreichen Krieg gegen Deutschland seinen Thron zu festigen hoffte. Die Stimmung des französischen Volkes kam ihm entgegen, da man auf Preußens Erfolge längst eifersüchtig geworden war und die Einigung Deutschlands um jeden Preis zu hintertreiben trachtete. Aber der Einheitsgedanke war schon so mächtig geworden, daß nach Frankreichs Kriegserklärung das ganze deutsche Volk einmütig aufstand und den Franzosen bei Weißenburg, Wörth, Metz und vor allem in der umfassenden Schlacht bei Sedan am 1. und 2. September 1870 die gebührende Antwort gab. Paris wurde daraufhin vier Monate lang belagert und mußte am 28. Januar 1871 kapitulieren, worauf wieder der Einzug in Paris erfolgte. Die bayerischen Truppen haben sich vor allem vor Sedan (bei Bazeilles), dann in den Kämpfen um Orleans (2.–4. Dezember) ausgezeichnet. Noch während des Krieges einigten sich die deutschen Fürsten dahin, daß sie dem Könige von Preußen, Wilhelm I., die deutsche Kaiserkrone anboten. In dem Königsschlosse zu Versailles bei Paris wurde am 18. Januar 1871 das neue Deutsche Reich unter einem neuen Kaiser proklamiert. Durch den Friedensschluß mit Frankreich wurde auch das uralt deutsche Land Elsaß mit einem Teil von Lothringen dem Reiche wieder einverleibt und damit der Raub wieder gutgemacht, mit dem einst König Ludwig XIV. sich diese Gebiete angeeignet hatte.

 Auf zwei Gedenktafeln im Kirchenarchiv zu Sachsen ist ein Teil der Kriegsteilnehmer von 1870/71 verzeichnet. Ihre Namen sollen hier folgen:

 Aus Sachsen: Peter Flier, Friedrich Meier, Leonhard Meier, Johann Jakob Oder, Friedrich Ziegler.

 Aus Neukirchen: Andreas Helmreich, Peter Helmreich, Georg Käpplinger, Georg Kernstock.

|  Aus Hirschbronn: Simon Buchinger, Georg Luger, Johann Ott, Michael Pirner (dieser wurde vermißt).

 Aus Alberndorf: Georg Kallert.

 Aus Steinbach: Johann Andörfer, Michael Leidel, Johann Wießmeier.

 Aus den anderen Pfarrorten sind keine Verzeichnisse vorhanden.


4. Der Weltkrieg und seine Folgen

 Das neue Deutsche Reich nahm in den Jahren von 1871–1914 einen ungeheuren Aufstieg. Fabriken entstanden in fast unübersehbarer Menge, die Städte breiteten sich gewaltig aus, Kolonien wurden in Togo, Kamerun, Südwestafrika, Ostafrika, Neuguinea und auf den Inseln des Stillen Ozeans erworben, Kunst und Wissenschaft blühten, der deutsche Handel befuhr alle Meere der Welt, die Lebenshaltung der Bevölkerung hob sich zusehends. Aber eben dieser Aufstieg erregte den Neid der anderen Völker, zumal ihnen die deutsche Konkurrenz schwer zu schaffen machte. Aus dem Konkurrenzneid erwuchs langsam der Wille, Deutschlands Macht und Blüte wieder zu zerstören und das deutsche Volk wieder in die frühere Ohnmacht und Zerrissenheit zurückzustürzen. Es begann die bekannte Einkreisung Deutschlands. England war es voran, das Frankreich und Belgien, Rußland und Serbien zu einem festen Bunde zusammenzubringen wußte und überdies noch eine Reihe kleinerer Staaten auf seine Seite zu ziehen verstand. Es bedurfte nur eines Funkens, um den schrecklichsten aller Kriege zum Ausbruch zu bringen; und dieser Funke war die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Serajewo durch serbische Fanatiker.

 Es ist hier unmöglich, diesen langen Krieg von fast 41/2 Jahren auch nur einigermaßen darzustellen; es können nur seine Grundzüge berührt werden. Auf Deutschlands Seite hätte infolge des abgeschlossenen Dreibundes noch Österreich und Italien stehen sollen, doch ersteres erfüllte allein seine Pflicht. Italien stand zunächst als neutral abseits und ging im Jahre darauf zu den Feinden über. Dagegen schlossen sich Bulgarien und die Türkei an Deutschland an. Trotz der ungeheuren feindlichen Übermacht hat das deutsche Heer mit seinen Verbündeten Unglaubliches in der Zeit vom August 1914 bis November 1918 geleistet. Belgien wurde fast ganz besetzt, tief hinein nach Frankreich wurde die Front vorgetragen; die Russen wurden von Hindenburg bei Tannenberg vernichtend geschlagen und dann weit über Polen und die Ostseeprovinzen zurückgedrängt; Rumänien| und die Ukraine wurden genommen, Serbien und ein Teil des Balkan erobert, ein gutes Stück von Oberitalien besetzt. Überall waren die deutschen Regimenter siegreich. Aber der Feinde waren zu viele, zumal als auch noch Nordamerika in den Krieg eingriff. Und dann gebrach es bei uns an den nötigen Rohstoffen zur Herstellung des Kriegsmaterials und nicht zum letzten auch an den erforderlichen Lebensmitteln. So stockte immer wieder der siegreiche Vormarsch unserer Truppen, sie mußten sich auf den verlustreichen und nervenzermürbenden Stellungskrieg einstellen. Langsam mußte zuletzt da und dort die Front zurückgenommen werden. Dennoch wäre es gewiß, wenn nicht zum Siege, so doch zu einem erträglichen Frieden gekommen, wenn man auf deutscher Seite nicht versäumt hätte, die Flotte, die sich in der Schlacht am Skagerrak so rühmlich hervorgetan hatte, rechtzeitig in ihrer vollen Schlagkraft einzusetzen und ebenso die Unterseeboote, die gleichfalls Großes geleistet hatten, zur vollen Wirksamkeit zu bringen. Auch hätte in der Heimat nicht Streik und Meuterei geduldet werden dürfen, die beide schließlich zu dem bekannten „Dolchstoß in den Rücken der Front“ führten. So mußte sich das deutsche Heer mit blutendem Herzen zu jenem Waffenstillstand bequemen, den es im Vertrauen auf die Zusicherungen des amerikanischen Präsidenten Wilson in den bekannten 14 Punkten abschloß. Aber dann brach am 9. November 1918 die Revolution in Deutschland aus und lieferte damit das deutsche Volk der schonungslosen Willkür der Feinde aus. Jeder Widerstand gegen die feindlichen Forderungen war unmöglich gemacht; Deutschland mußte den von seinen Gegnern ohne Anhören der deutschen Regierung diktierten schmachvollen Frieden von Versailles unterschreiben.
.
 Unerhört waren die Friedensbedingungen. Elsaß-Lothringen fiel an Frankreich, Eupen und Malmedy an Belgien, ein Teil von Holstein an Dänemark, Posen und ein Teil von Westpreußen, dazu später noch Ostoberschlesien an Polen, das Memelland an Litauen, das Hultschiner Ländchen an die Tschechei. Sämtliche Kolonien wurden weggenommen und als „Mandate“ an die Siegerstaaten England und Frankreich verteilt. Das ganze Heer mußte aufgelöst werden bis auf einen kleinen Rest von 100000 Mann, der als Söldnerheer bestehen bleiben durfte. Alle Festungen mußten geschleift, alles Kriegsmaterial bis zur letzten Patrone abgeliefert, alle Fabriken, die zur Erzeugung von Kriegsmaterial dienen konnten, umgestellt werden. Riesige Mengen an Vieh, Kohlen und anderen Produkten waren abzuliefern. Eine breite Zone an den Grenzen Deutschlands durfte weder mit Militär belegt noch sonstwie kriegsmäßig behandelt werden. Eine ungeheure, in ihrer Höhe gar nicht begrenzte, von vornherein unerschwingliche Kriegsschuld sollte an die Feinde bezahlt werden.| Von anderen zahllosen Verpflichtungen gar nicht zu reden. Und zu alledem mußte Deutschland noch das Bekenntnis unterschreiben, daß es allein an dem Kriege schuld gewesen sei. – Österreich wurde überhaupt aufgeteilt. Südtirol und ein gutes Stück Land am Adriatischen Meer mit Triest fiel an Italien; Kroatien und Slawonien mit Bosnien kam an Serbien, Siebenbürgen an Rumänien. Aus dem Rest wurden drei selbständige Länder gemacht: Deutschösterreich, Ungarn und die Tschechoslowakei.

 Schrecklich waren die weiteren Folgen des Krieges. Es trat zunächst die furchtbare Geldentwertung ein, die man mit dem Namen „Inflation“ bezeichnet, wobei die Ersparnisse des Volkes zum größten Teil verlorengingen und weithin Not und Entbehrung einkehrten. Nach der Inflation folgte eine vorübergehende Scheinblüte der Produktion mit Hilfe großer Anleihen im Auslande, und hernach eine von Jahr zu Jahr zunehmende Arbeitslosigkeit, die zuletzt fast sieben Millionen arbeitswillige Hände feiern ließ. Es waren untragbare Zustände entstanden, die zu meistern der damaligen marxistischen Regierung unmöglich war.

 Eine Änderung brachte erst die nationalsozialistische Revolution im Jahre 1933 und der Übergang der Reichsregierung an Adolf Hitler, der am 30. Januar das Reichskanzleramt übernahm. Nunmehr wurde eine Fessel des Versailler Vertrags nach der andern wieder zerbrochen. Deutschland trat am 14. Oktober 1933 aus dem Völkerbund aus, der doch nur eine Einrichtung der Siegerstaaten zur Niederhaltung des deutschen Volkes war. Es wurden Gesetze zur Ordnung und Wiederbelebung der nationalen Arbeit und damit zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit erlassen. Am 1. März 1935 durfte das Saarland wieder ins Reich zurückkehren; am 16. März des gleichen Jahres wurde die allgemeine Wehrpflicht aufs neue eingeführt. Es folgte 1936 am 7. März die Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit im Rheingebiet, 1938 am 13. März die Wiedervereinigung von Österreich mit dem Deutschen Reiche und dazu am 1. Oktober die Befreiung des sudetendeutschen Landes vom tschechischen Joch und sein Anschluß an das Reich. Am 22. März 1939 wurde das Memelland rückgegliedert, nachdem wenige Tage vorher (16. März) das Protektorat Böhmen und Mähren errichtet worden war. Unterm 1. September 1939 geschah die Wiedervereinigung Danzigs mit Deutschland und hernach im Gefolge des siegreichen Krieges gegen Polen die Errichtung der teils alten, teils neuen Grenze des Deutschen Reiches im Osten.

 Gegenwärtig muß Deutschland in einem neuen Kriege stehen, den England und Frankreich gegen das Deutsche Reich erklärt haben. Es ist auch das eine Folge des Weltkrieges in seiner letzten Auswirkung.| Der Krieg sollte nach dem Willen der Feinde dazu dienen, das Versailler Diktat wieder aufzurichten und womöglich noch furchtbarer zu gestalten. Daß dieser Vernichtungswille nicht zum Ziele komme, dafür kämpft aufs neue das deutsche Volk. Es kämpft um sein Daseins- und Lebensrecht. Es hat bis zur Stunde siegreich gekämpft und darf hoffen, zum vollen Siege hindurchzudringen.
*

 Nachstehend seien noch die Namen der im Weltkrieg gefallenen und vermißten Krieger, nach den derzeitigen Pfarrorten ausgeschieden, angeführt mit beigesetztem Todestag:

 Sachsen
Lederer Georg, lediger Arbeiter, 2. 11. 1914.
Stützer Friedrich, led. Gütlerssohn, Schreinergehilfe, 9. 11. 1914.
Häßlein Friedrich, led. Metzger, Obermatrose, 9. 5. 1915.
Neubert Friedrich, led. Gastwirtssohn, 20. 5. 1915.
Bickel Johann, led. Wirtssohn, 21. 6. 1915.
Bickel Konrad, led. Bäckergehilfe, Bruder des vorigen, 4. 10. 1917.
Schmidt Johann, led. Gütlers- und Steinbrecherssohn, 11. 3. 1916.
Schmidt Friedrich, led. Dienstknecht, Bruder des vorigen, 25. 9. 1916.
Vogelhuber Georg, led. Gütlerssohn, Schuhmacher, 23. 6. 1916.
Hagelauer Georg, verh. Gütler und Arbeiter, 3. 9. 1916.
Lehr Georg, led. Dienstknecht, 11. 6. 1916.
Wirth Johann, verh. Gütler, 4. 12. 1914.
Schindler Leonhard, led. Gütlerssohn, 16. 7. 1917.
Ullherr Thomas, verh. Schuhmachermeister, 2. 8. 1917.
Buchrucker Hermann, led. Pfarrerssohn, Student, 18. 8. 1917.
Buchrucker Fritz, led. Pfarrerssohn, Student, 10. 8. 1918.
Vogelhuber Georg, led. Maurers- und Büttnerssohn, 29. 8. 1917.
Oberhäußer Heinrich, led. Hauptlehrerssohn, Unterseebootssteuermann, 15. 3. 1918.
Schweizer Georg, led. Schiffskoch, 7. 4. 1918.
Schropp Friedrich, led. Oberstationsmeisterssohn, Schreiner, 15. 7. 1918.
Geyer Georg, led. Metzgermeisterssohn, 18. 10. 1918.

 Milmersdorf
Schmidt Simon, verh. Gütler, 31. 7. 1915.
Popp Johann, led. Bauernsohn (adoptiert), 15. 9. 1916.

 Volkersdorf
Erkenbrecher Karl, verh. Taglöhner, 10. 5. 1915.

Kronberger Johann, led. Gütlerssohn, 20. 5. 1916.
| Stützer Friedrich, led. Landwirtssohn, 16. 8. 1917.

Schmidt Michael, led. Gütlerssohn, 12. 12. 1917.
Kittel Johann, led. Gütlerssohn, 28. 3. 1918.

 Rutzendorf
Rudelsberger Johann, led. Gastwirtssohn, 23. 9. 1914.
Führhäuser Georg, led. Gastwirtssohn, Stiefbruder des vorigen, 4. 3. 1915.

 Neukirchen
Bogendörfer Georg, verh. Gütler und Schäfer, 21. 9. 1917.
Eschenbacher Michael, led. Bauernsohn, Schreiner, 4. 9. 1916.
Schwab Johann, led. Bauernsohn, 4. 7. 1918.
Schwab Johann, led. Bauernsohn, 1. 7. 1918.

 Hirschbronn
Arnold Georg, led. Bauernsohn, 15. 9. 1915.

 Alberndorf
Hamberger Johann, led. Gütlerssohn, 28. 11. 1914.
Vogelhuber Johann, led. Bauernsohn, 4. 10. 1917.
Heubeck Georg, led. Bauernsohn, 22. 10. 1918.

 Steinbach
Andörfer Johann, led. Gütlertzsohn, 12. 4. 1915.
Keim Johann, led. Bahnarbeiterssohn, 15. 12. 1917.
Blank Friedrich, verh. Gütler, 5. 8. 1916.

 Ratzenwinden
Schwab Andreas, verh. Bauer, 8. 10. 1915.
Schwab Michael, led. Bauernsohn, Bruder des vorigen, 17. 9. 1916.

 Steinhof
Fischer Johann, verh. Gütler, 15. 7. 1918.

 Oberrammersdorf
Wurzinger Georg, led. Bauernsohn, 14. 11. 1914.
Körner Johann, verh. Bauer, 1. 7. 1916.
Messerer Johann, led. Bauernsohn, 3. 12. 1916.
Meier Johann, verh. Bauer, 22. 7. 1918.

 Unterrottmannsdorf
Haspel Michael, led. Gütlerssohn, 16. 11. 1914.
Röttenbacher Konrad, led. Zimmermannssohn, 23. 2. 1916.
Kollert Georg, verh. Gütler, 4. 6. 1917.

|  Zandt

Haberecker Georg, led. Bauernsohn, 16. 8. 1914.
Vogel Johann, led. Bauernsohn, Stiefbruder des vorigen, 22. 10. 1916.
Barthel Georg, verh. Gütler, 24. 10. 1914.
Schletterer Georg, led. Gütlerssohn, 23. 6. 1916.


 Auf dem Kirchhof in Sachsen ist ein würdiges Denkmal für die Gefallenen und Vermißten errichtet worden. Es wurde am 26. Oktober 1919 eingeweiht und trägt auf einer Steinsäule die Namen der Kriegsopfer. Bis 1936 wurde jeweils am Todestage der Kriegsopfer abends die große Glocke auf dem Turm in Sachsen zu ihrem Gedenken geläutet, nachdem am Sonntag zuvor ihre Namen von der Kanzel verkündigt wurden.


« Volkskundliches Georg Rusam
Geschichte der Pfarrei Sachsen bei Ansbach und der zugehörigen Orte
Die Dorfgemeinden »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).