RE:Amphilochos 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 19381940
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Amphilochos (Ἀμφίλοχος). 1) Sohn des Amphiaraos, ein diesem im Namen wie im Wesen überaus ähnlicher, ursprünglich mit ihm wohl identischer (Bethe Theb. Heldenlieder 56, 16) griechischer Heros, Held und Seher zugleich, dessen Kulte, Orakel, Sagen sich vom äussersten Osten bis zum fernsten Westen der Mittelmeerländer verfolgen lassen.

A. Im Mutterlande.

a) Kulte: 1) In Oropos, im Heiligtum des Amphiaraos, Paus. I 34, 3; Inschrift aus dem Amphiareion: Ἐφημ. ἀρχ. 1885, 155. 2) In Athen ein Altar, Paus. I 34, 3; ἥρως πατρὸς Ἀμφίλοχος, attische Inschrift bei Sittl XXVI. Progr. d. Wagnerschen Kunstinstituts, Würzburg 1893. 3) In Sparta ein Heroon, Paus. III 15, 8.

b) Sagen: Die mutterländischen Sagen des A. sind an den thebanischen Kreis angeschlossen, haben sich aber neben denen des mächtigeren väterlichen Doppelgängers nicht entwickeln können. Er ist der Sohn des Amphiaraos und der Eriphyle (Od. XV 248); an ihn sind die Lebensregeln gerichtet (Ἀμφίλοχ’ ἥρως), von denen ein durch Klearch ἐν βʹ περὶ παροιμιῶν (Athen. VII 317a) überliefertes Fragment vom Karystier Antigonos (παραδοξ. συναγ. 25) als homerisch citiert, von Theognis 213 und Pindar (Boeckh vol. II 2, 650) benützt ist (dazu Bergk PLG⁴ II 139). Vgl. Welcker Ep. Cyklus II² 324, 8. Bethe Theb. Heldenl. 56, 16. Dies Gedicht (Ἀμφιάρεω ἐξέλασις?) lässt den A. als ältesten oder einzigen Sohn des Amphiaraos erscheinen. Später tritt er gegen Alkmaion zurück, an dem der Mord ihrer Mutter Eriphyle haftet, während A. ein reiner Seher blieb. Doch unterstützte er nach Apollod. III 7, 5, 1 (vgl. III 6, 2, 6) den Bruder beim Muttermorde ‚nach einigen‘. Vgl. Accius Epigoni frg. 4 Ribb. (nach Sophokles). Welcker Griech. Trag. I 270. 273. Die etruskischen Aschenkisten (Brunn-Körte Urne Etrusche II 73–78, Taf. 26. 27) sind schwerlich mit Recht auf diese Sagenwendung bezogen. Am Kriege der Epigonen gegen Theben nimmt A. Teil nach beiden Versionen, Schol. Il. IV 404 und Apollod. III 7, 2, 1; vgl. Pindar Pyth. VIII 40. Paus. II 20, 5 (Epigonenstatuen in Argos).

B. In Asien.

a) Kult und Orakel in Mallos in Kilikien, Paus. I 34, 3. Plut. de def. orac. 45. Clemens Alex. Strom. I 144 S. Lykophr. 444. Alexander d. Gr. opfert hier dem A., Strab. XIV 676. Arrian. Anab. II 5, 8.[1939]

b) Sagen: In den asiatischen Sagen ist A. dem troischen Sagenkreise angeschlossen. Daher erscheint er unter den Freiern der Helena (Apollod. III 10, 8, 2) und den Helden des hölzernen Pferdes (Quint. Smyrn. XII 323, wohl einem alten Epos entsprechend). Reicher ausgebildet sind die asiatischen Wandersagen des A. Aus der Hypothesis des kyklischen Epos der Νόστοι in Proklos Chrestomathie, der freilich nicht unbedingt zu trauen ist (Bethe Herm. XXVI 593), und dem aus demselben Handbuche wie diese stammenden Apollodor (Epitoma Vaticana ed. R. Wagner 1891, XXI 25; frg. Sabbait. Rh. Mus. XLVI 174, 3, daher Schol. Dionys. Perieg. 850. Tzetz. ad Lyc. 1047. 427. 980) und Quint. Smyrn. XIV 360ff. ergiebt sich, dass Kalchas und u. a. auch A. nach Zerstörung Troias unter Zurücklassung ihrer Schiffe zu Fuss nach Klaros gekommen seien, dass dort Kalchas von Mopsos im Seherwettstreit überwunden und gestorben, A. aber mit Mopsos vereint nach Pamphylien und Kilikien gezogen sei. Vgl. Strab. XIV 642. 675f. Dass Kalchas, A. u. a. von Troia zu Fuss abmarschiert seien, berichtete auch Theopomp (frg. 112 = Schol. B Il. II 135), und schon Kallinos in der Mitte des 7. Jhdts. kennt dieselbe Sage, da er nach Strab. XIV 668 erzählt hat, Kalchas sei in Klaros gestorben, seine Mannen aber seien mit Mopsos nach Pamphylien und Kilikien gegangen. Mithin ist diese Geschichte eine einheitliche und älter als jener Elegiker. Da sie nun in einer bekannten und lange erhaltenen Quelle so gestanden haben muss, folgt, dass sie einem Epos und zwar höchst wahrscheinlich den Νόστοι (vgl. Proklos) angehört. Vgl. Immisch Jahrb. f. Philol. Suppl. XVII 160. Wahrscheinlich liegt der Schluss dieses Gedichtes bei Lykophron 439ff. (vgl. Euphorion frg. 50 Mein.) nebst Schol. 440 (vgl. Tzetzes) und bei Strabon XIV 675f. vor, da hier die Schicksale des A. und Mopsos in Kilikien, was für die Νόστοι zu fordern ist, gegeben werden, und Lykophron sie unter den Νόστοι der Helden von Troia anführt (vgl. v. 426ff.). Danach ging A., nachdem er mit Mopsos ein Reich in Kilikien begründet, nach Argos, kehrte jedoch bald zurück und geriet mit Mopsos, der ihm keinen Teil mehr an der kilikischen Herrschaft gestatten wollte, in einen für beide tötlichen Kampf (vgl. Apollod. Epit. Vatic. XXIII 6). Auf der Walstatt bei Mallos, wo beide beerdigt sind, trennt die Gräber der Todfeinde der Turm Μάγαρσος (s. Genethliacon Gottingense 37f.). Vgl. Lukian. Alexand. 29; Deor. concil. 12. Neben dieser Sagengestaltung liefen noch mehrere Versionen. In einem hesiodischen Gedichte (der Μελαμποδία? frg. 196 Rz.) wurde A. von Apollon in Soloi erschlagen (durch naheliegende Combination mit frg. 188 bei Strabon XIV 642 über den Seherwettstreit des Mopsos und Kalchas verbunden), nach anderen im Ἀλήιον πεδίον, nach anderen in Syrien (Strabon XIV 676, dessen Zusatz ἀπιόντα διὰ τὴν ἔριν nur auf den Streit des A. mit Mopsos bezogen werden kann, so dass die Vermutung sich aufdrängt, A. habe nach diesen Versionen den Mopsos getötet und sei deshalb der Rache Apollons, des göttlichen Vaters desselben, verfallen). Eine weitere Sagenform wäre aus Herodot VII 91 (οἱ Πάμφυλοι οὗτοί εἰσι τῶν [1940] ἐκ Τροίης ἀποσκεδασθέντων ἅμα Ἀμφιλόχῳ καὶ Κάλχαντι) in Vergleichung mit der Nachricht Strabons XIV 675, dass nach Sophokles (frg. 181) der Seherwettkampf zwischen Kalchas und Mopsos in Pamphylien stattgefunden habe (vgl. Strab. XII 570), zu erschliessen, wenn man nicht bei Herodot eine kleine Ungenauigkeit des Ausdrucks annimmt und seine Angabe mit der Version der Nosten identificiert. Der Kampf des A. und ΜΟΨΟΣ wohl dargestellt auf dem ionischen παραπέτασμα des 4. Jhdts., in einem Grabe der Krim gefunden: Compte-rendu (Pétersbourg) 1878/9 T. IV, Text S. 123ff.

Als Gründungen des A. galten Mallos in Kilikien (mit Mopsos zusammen, s. die angeführten Stellen) und Poseideion auf der Grenze von Kilikien und Syrien (Herod. III 91). Vgl. Cic. de div. I 88.

C. Im Westen.

a) Zu den Καλλαϊκοί (Gallaeci) an der Nordwestecke Spaniens sollen Teukros und A. nach dem troischen Kriege gekommen sein, letzterer hier gestorben und dem Volke den Namen Ἀμφίλοχοι (s. d.) gegeben haben, Strab. III 157. Iust. (Trog. Pomp.) XLIV 3. b) An der Ostküste des ambrakischen Meerbusens liegt Ἄργος Ἀμφιλοχικόν, dessen Umwohner Ἀμφίλοχοι heissen, ihr κτίστης ist A., natürlich der bekannte Sohn des Amphiaraos. Diesen meinen offenbar Hekataios bei Strabon VI 271 (= frg. 72) und Thukydides II 68, der wie andere (s. Strab. X 462) den A. nach seiner Rückkehr aus Troia und unzufrieden mit den Verhältnissen seiner Heimat dies Land besiedeln lässt. Vgl. Skymn. 457. Paus. II 18, 5. Steph. Byz. s. Ἀμφίλοχοι. Das Epos Ἀλκμαιωνίς dagegen, dem Ephoros frg. 28 bei Strabon VII 325 = X 462 folgt (s. Immisch Jahrb. f. Philol. Suppl. XVII 182ff.), hatte auch die Gründung von Ἄργος Ἀμφιλοχικόν auf seinen Helden Alkmaion übertragen. Schliesslich wurde A. zum Sohne des Alkmaion. Dass A. in Aitolien orakle, sagt Aristides Asklep. VII 45 Jebb.

Literatur

Litteratur: Eckermann Melampus 114ff. Immisch Jahrb. f. Philol. Suppl. XVII.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 71
Pauly-Wissowa S I, 0071.jpg
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S. 1938, 17 zum Art. Amphilochos Nr. 1:

Ἀμφίλοχος von Argos, Sohn des Amphiaraos, Freier der Helena; Berl. Papyrusfrg. der Hesiod-Kataloge B 16, S.-Ber. Akad. Berl. 1900, 841; vgl. Nachtrag zu Alkmaion Nr. 1.