RE:Andernach

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 99–100
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Andernach am linken Rheinufer (Regbz. Koblenz), mit altem Namen, keltischen Ursprungs (Holder Altcelt. Sprachsch. I 163. III 638): Antunnacum, o. Bd. I S. 2643. Hier war eines der von Drusus d. Ä. ums J. 12 v. Chr. zum Schutz der Rheinlinie und als Stützpunkt für [100] die Unternehmungen im jenseitigen Germanien angelegten Erdkastelle. Dieses Kastell hat noch um die Mitte des 1. Jhdts. n. Chr. bestanden, welcher Zeit der Grabstein eines Soldaten der Cohors Raetorum natione Montanus, CIL XIII 7684 (vgl. o. Bd. IV S. 329), angehört. Das Standlager war aber aufgegeben, als (im J. 83 n. Chr.) die befestigte Grenze wieder über den Rhein hinaus vorgerückt war. Die bei dem Lager gelegene, ältere Ortschaft wurde in der Spätzeit, nicht vor der zweiten Hälfte des 3. Jhdts. mit Ringmauer und Türmen umwehrt (Lehner Bonn. Jahrb. CVII 1—36 mit 3 Tafeln), wie am Rhein Boppard, Remagen (vgl. Bd. I A S. 804f), Neuß und landeinwärts in Gallien zahlreiche bis dahin offene Städte und Ortschaften (vgl. Art. Icorigium, o. Bd. IX S. 855f. Lehner Bonn. Jahrb. CXIV/CXV 212). CIL XIII 2, 1 p. 487 mit den Inschriften 7680—7690. Von diesen ist 7680 der Epona geweiht (s. o. Bd. VI S. 230. 234), 7682 dem Mercurius und 7683 dem Mercurius mit Rosmerta (s. Bd. I A S. 1131f.), sie beweisen also keltische Gesittung der Einwohner. Dagegen ist die vermeintliche Weihinschrift der Sirona, Bonn. Jahrb. XCIII 201f., eine Grabschrift = CIL XIII 7686, und die Inschrift Brambach CIRhen. 684 = CIL XIII 7681, welche ein Soldat ex c(l)asse Germanica P(ia) F(ideli) D(omitiana), d. h. der Rheinflotte, Matribus suis geweiht hat, ist mit demselben Recht unter die Inschriften des Brohltales einzureihen, wie 7714. 7722. 7723, vgl. 7705, auch 7697. 7698. 7701 = Brambach CIRhen. (alle unter A.) 675-680. 685. Demnach ist A. als Station der Rheinflotte o. Bd. III S. 2645 zu streichen (ebenso Brohl, s. Art. Brohltal und Saxanus). CIL XIII 7683a ist die Inschrift eines Bauwerkes vom J. 202 n. Chr. Unter den wenigen Grabschriften 7685ff. sind zwei frühchristliche, 7689f. Bonn. Jahrb. LXV 8. XCI 11f. CXXI 20f. Lehner Führer durch die antike Abt. Prov.-Mus. Bonn (1915) 85f. 88ff. (Ansiedlung der älteren Steinzeit auf dem Martinsberg bei A. ebd. 4–6. Fränkische Grabfunde ebd. 225ff., vgl. zu CIL XIII 7686. 7688). Kiepert FOA XXV Do.