RE:Antisthenes 10

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 25382545
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10) Sohn des Antisthenes von Athen und einer thrakischen Sclavin (Diog. Laert. VI 1. II 31. Sen. de const. 18, 5. Suid.; als Phrygierin wird die Mutter, wohl nach der Anekdote Diog. Laert. VI 1, irrtümlich bezeichnet von Plut. de exil. 17; dagegen scheint Clem. Strom. I 15 p. 354 Pott., der ihn selbst Phrygier nennt, ihn mit Diogenes von Sinope zu verwechseln, so wie Eustathios zu Il. VI p. 495 auf ihn überträgt, was Diog. Laert. IV 46 u. a. vielmehr von Bion von Borysthenes erzählen). Zur chronologischen Bestimmung dienen folgende Anhaltspunkte (vgl. Chappuis Antisthène, Paris 1854, 172. Adolf Müller De A. Cynici vita et scriptis, Marburg 1860, 20. Blass Att. Bereds. II 305). Nach einer Anekdote Diog. Laert. VI 1 hätte A. bei Tanagra mitgefochten; es kann nur das Gefecht vom J. 426 v. Chr. (Thuk. III 91) gemeint sein. Sodann soll er den Gorgias, der zuerst 427 nach Athen kam, gehört und bereits vor seiner Verbindung mit Sokrates als Sophist und Rhetor gewirkt haben (Diog. Laert. Suid.: ἀπὸ ῥητόρων φιλόσοφος Σωκρατικός. Hermippos bei Diog. VI 2. Hieron. c. Iovin. II 14). Auch mit andern in dieser Zeit berühmten Sophisten stand er in Beziehungen, so hatte er nach Xenophon symp. 4, 62f. Kallias mit Prodikos und Hippias bekannt gemacht. Überhaupt erscheint er im xenophontischen Gespräch, welches Ol. 89, 3 = 422 spielt (K. F. Hermann De temp. Conv. Xenophontei, Ind. schol. Gotting. 1844/45) bereits als gereifter Mann. Und damit stimmt wohl überein, dass nicht blos Platon Soph. 251 b (3. Jahrzehnt des 4. Jhdts.?) mit den Worten [2539] τῶν γερόντων τοῖς ὀψιμαθέσιν (vielleicht auch Theait. 202 d κατεγήρασαν πρὶν εὑρόντες) auf ihn deutet, sondern schon in Isokrates Helena 1. 2 (die man sich nicht weit von Platons Euthydem, d. h. Anfang des 2. Jahrzehnts, entfernt denken kann) es in Beziehung auf ihn heisst: καταγεγηράκασιν οἱ μὲν οὐ φάσκοντες οἷόν τ‘ εἶναι ψευδῆ λέγειν ... τίς ἐστιν οὕτως ὀψιμαθὴς κτλ., wonach auch die ähnlichen Anspielungen in Platons Euthydem kaum anders gedeutet werden können (vgl. K. Urban Über die Erwähnungen des A. i. d. platonischen Schriften, Königsb. 1882, 9. P. Natorp Philol. L 616, 64). Demnach muss A. beträchtlich älter als Platon, Isokrates und Xenophon gewesen, also kaum später als 450 geboren und, da Plutarch Lyk. 30 einen auf die Schlacht bei Leuktra bezüglichen Ausspruch von ihm erwähnt und Diodoros XV 76 ihn unter den Ol. 103, 3 (366) lebenden Berühmtheiten aufführt, über 80 Jahre alt geworden sein (Eudokia in Villois. Anecd. gr. I 56, wonach er ἑβδομηκοντοέτης gestorben wäre, kommt als Gegenzeugnis kaum in Betracht). Schon das Gesagte lässt erkennen, dass A. von der „Sophistik“ ausgegangen ist. In der That lassen Einflüsse des Protagoras (Diog. Laert. IX 53. Plat. Euthyd. 286 c. Isokr. Hel. 2), Gorgias (F. Dümmler Akademika, Giessen 1889, 193ff. Müller a. a. O. 39, 7. Natorp Philos. Monatshefte XXVI 467), Prodikos (Welcker Kl. Schr. II 482f. F. Dümmler a. a. O. 158. 274. Kaibel Herm. XXV 588f.), Hippias (F. Dümmler 256ff.) sich wahrscheinlich machen. Doch wurde er von der moralischen Lehre und der eigenartigen Lebensführung des Sokrates ergriffen und zählte fortan zu seinen treusten Anhängern (Xen. mem. III 11, 17; symp. 4, 43. 44. 8, 4f. Diog. Laert. VI 2). Platon nennt ihn (Phaidon 59 b) unter den an seinem Sterbetage um Sokrates Versammelten (unglaubwürdig dagegen ist, was Diog. Laert. VI 9. 10 berichtet). Ohne Zweifel bald nach dem Tode des Meisters eröffnete A. seine Schule in dem ursprünglich für νόθοι wie er bestimmten Gymnasion Kynosarges (Diog. Laert. 13. Suid.), dessen Patron Herakles auch zum Schutzheiligen der von ihm ausgegangenen philosophischen Secte der Kyniker wurde (Iulian or. VI 167 b c. Apulei. Florid. IV 22; Apol. c. 22 [Hildebr. II 98. 495]. Krische Forschungen 244. J. Bernays Lucian u. d. Kyniker, Berl. 1879, 91. F. Dümmler Antisthenica, Berl. 1882, 23. Ern. Weber Leipz. Stud. X 237. Zeller Phil. d. Gr. II a⁴, 307, 4). Zwar soll A. wenig Schüler gefunden haben wegen der rauhen Behandlung, die er ihnen zuteil werden liess (Diog. Laert. 4, wozu Göttling Ges. Abh. I 256 und 21); doch harmoniert damit nicht wohl das Lob des Theopomp (Diog. 14) und des Xenophon (15, vgl. symp. 4, 61), auch lässt die erbitterte Polemik Platons auf eine zeitweilig nicht ungefährliche Concurrenz schliessen. Selbst als nichtvollbürtig vom öffentlichen Leben Athens ausgeschlossen, dabei von Haus aus ärmlich und bedürfnislos (Xen. symp. 3, 8. 4, 34ff.), wandte sich A. mit der Predigt sittenstrenger Genügsamkeit vorzugsweise an die ‚Armen und Verkürzten‘; mit Recht ist der Kynismus die ‚Philosophie des griechischen Proletariats‘ genannt worden (Göttling a. a. O. Bernays Lucian 23ff.; vgl. die ansprechende Schilderung bei Zeller 317ff. 332ff.). [2540] Doch ist es, namentlich nach der xenophontischen Darstellung, nicht glaublich, dass A. nicht blos, wie schon Sokrates, die Tracht des niedern Volks, den Tribon (den man als einziges Kleidungsstück, doch zum Schutze gegen die Kälte verdoppelt, trug, Diog. Laert. 6. 8. 13. 22. 105), angenommen, sondern durch Stab und Ranzen das Bettlercostüm vervollständigt und überhaupt als Bettler gelebt habe (was ebd. 38. 46. 49 glaubhafter von Diogenes berichtet wird). Wenigstens wohnte er (nach Xen. 4, 38) noch nicht geradezu auf der Strasse. Auch schliesst man aus Diog. Laert. 9 (was noch sicherer aus Platon und Isokrates folgt, s. o. zu Hel. und Euthyd.), dass er nicht verschmähte, für seinen Unterricht Honorar zu nehmen. Am schärfsten zeichnet ihn, obgleich als Gegner, Platon, der, wie schon von Schleiermacher (in den Einleitungen und Anmerkungen zu seiner Übersetzung Platons) im einzelnen richtig erkannt, von neuern Gelehrten über und über bewiesen worden ist, in einer Reihe von Schriften gegen A., ohne ihn zu nennen, zu Felde zieht, einige (Theait. Euthyd. Kratyl., wohl auch Hipp. I und II, Ion, Euthyphr.) hauptsächlich seiner Bekämpfung widmet (vgl. ausser den Erklärern Platons und den Hauptwerken zur Geschichte der alten Philosophie A. W. Winckelmann A. fragmenta, Zür. 1842, 35, 1. K. Barlen A. und Plato, Neuwied 1881. K. Urban a. a. O. F. Dümmler Antisthenica, 1882. E. Weber Leipz. Stud. X, 1887. F. Dümmler Akademika, 1889, wozu ausführliche Recensionen von Zeller Arch. f. Gesch. d. Philos. IV 124 und Natorp Philos. Monatsh. XXVI 458ff. P. Meyer Quaestiones Platonicae I, M.-Gladbach 1889. K. Joël Der echte und der xenophontische Sokrates I, 1893). Weniger deutlich sind die Spuren einer litterarischen Fehde zwischen A. und Aristippos (F. Dümmler Akad. 169ff.). Xenophon hingegen lässt (besonders im symp.) nicht blos die Schroffheiten seiner Persönlichkeit in sehr gemildertem Lichte erscheinen, sondern stellt ihn mit unverkennbarer Absichtlichkeit als den wahren Erben des sokratischen Geistes dar und verrät auch sonst vielfach seinen Einfluss; eine weitgehende Abhängigkeit seiner Darstellung des Sokrates in den apomn. von A. sucht Joël in dem genannten Werke zu erweisen; nach Dümmler (Akademika Kap. VI) wäre namentlich die angeblich sokratische Theologie (mem. I 4. IV 3) ihm entlehnt (was Natorp a. a. O. 465 annimmt, Zeller u. a. bestreiten; Joël nimmt eine vermittelnde Stellung ein). Feindlich zu A. stellt sich auch Isokrates (XIII 1, nach H. Usener Quaestiones Anaximeneae 12. F. Ueberweg Philol. XXVII 175ff. C. Reinhardt De Isocratis aemulis, Bonn 1873, 25 [anders Blass Att. Bereds. II 21ff.]; desgl. Hel. in., nach Spengel Abh. d. Münch. Ak. 1853 VII 755. Usener, Ueberweg, Reinhardt a. O. Winckelmann 21. Müller 18, 2. Urban 9. Natorp Philol. L 616, 64. Blass 24; ad Nicocl. 89, nach Dümmler Ak. 64f.; Paneg. 188, was ohne Zweifel antwortet auf A.s Schrift πρὸς τὸν Ἰσοκράτους Ἀμάρτυρον, Diog. Laert. VI 15; vgl. Spengel a. a. O. Sauppe Orat. Att. II 167. 199. Müller 36. Reinhardt 3. 27. Usener Rh. Mus. XXXV 144. Blass Att. Bereds. II 201ff.; ebenda über die Parteinahme des A. für Lysias gegen Isokrates, [2541] worauf der Schrifttitel bei Diog. a. a. O. περὶ τῶν δικογράφων ἢ Λυσίας καὶ Ἰσοκράτης [so nach Sauppes einleuchtender Emendation] zu deuten ist). Diese Stimmung des Isokrates gegen A. kann um so weniger Wunder nehmen, als dieser seinerseits die Rhetoren überhaupt, selbst den eigenen Lehrer Gorgias (Athen. V 220 d), nicht geschont, auch die Ideale und Heroen der athenischen Demokratie einer wohl nicht minder schroffen und in ziemlich verwandtem Geiste gehaltenen Kritik wie Platon unterzogen hatte (Athen. V 220 c). Wenig Wahrscheinlichkeit hat die von v. Wilamowitz (Unters. I 220) angenommene Deutung von Aristoph. Eccles. 366. 806 auf unsern Philosophen; mit mehr Recht vermutet Reinhardt (26) Anspielungen auf ihn im Plutos. Durch sorgsame Verfolgung aller dieser Wechselbeziehungen ist uns A., obgleich seine umfassende schriftstellerische Thätigkeit für uns bis auf dürftige Reste verloren ist, in den letzten Jahrzehnten bedeutend näher gerückt. Entsprechend seiner Mittelstellung zwischen den Sophisten und Sokrates zeigten auch seine Schriften teils mehr rhetorischen teils philosophischen Charakter (Hieron. c. Iov. II 14 innumerabiles eius libros, quos alios philosophico alios rhetorico genere conscripsit; Diog. Laert. VI 1 hebt übrigens das ῥητορiκὸν εἶδος gerade an den philosophischen Gesprächen hervor; Beispiele von Paronomasie stellt Müller 26, 2 zusammen, Metaphern und Fabeleinkleidungen des A. führt Arist. rhet. III 4, 1407 a 9; polit. III 13, 1284 a 15 an; weitere Zeugnisse über seinen Stilcharakter bei Müller 27. Mullach Fragm. philos. Gr. II 268. Zeller 282, 6; von den Neuern handelt darüber am eingehendsten Blass 304ff.). Dass von den philosophischen Schriften jedenfalls die berühmtesten, wenn nicht alle, Gespräche (aber nicht ausschließlich sokratische) waren, ergiebt sich aus den Zeugnissen Diog. Laert. II 64. III 35. VI 1. Athen. X 507 a. V 220 d, wie den Fragmenten Epict. diss. IV 5, 20. Athen. V 216 b. Phrynichos bei Phot. bibl. c. 158 bezeichnet zwei Hauptwerke (Κῦρος und περὶ Ὀδυσσείας, doch s. weiter u.) ausdrücklich als echt; gewiss ohne damit alle übrigen für unecht erklären zu wollen. Unbestimmter giebt Panaitios bei Diog. Laert. II 64 ‚die sokratischen Dialoge‘ des A. als echt an; womit es nicht streitet, wenn Persaios (ebd. 61) ‚den kleinen Kyros, den kleineren Herakles und den Alkibiades‘ als durch Pasiphon untergeschoben betrachtet (Genaueres weiter u.). Über die beiden erhalten Declamationen Αἴας und Ὀδυσσεύς Sauppe Orat. Att. II 167, auch bei Winckelmann und Mullach abgedruckt) sind die Acten wohl noch nicht geschlossen; überwiegend hält man sie meist noch (wie Foss De Gorgia Leontino, Halle 1828, 94 und danach Sauppe, neuerdings Radermacher Rh. Mus. XLVII 569ff.) für apokryph; doch ist Blass 310ff. entschieden für ihre Echtheit eingetreten. Sicher unecht ist der unter den Briefen der Sokratiker (herausgegeben von J. C. Orelli, Leipz. 1815) überlieferte Brief des A. an Aristippos (auch bei Winckelmann und Mullach). Das jedenfalls von den alexandrinischen Bibliothekaren aufgestellte Verzeichnis der den Alten bekannten Schriften des A. bei Diog. Laert. VI 15–18 führt die Titel von etwa 74 Werken auf, die nach sachlichen Rücksichten auf 10 τόμοι – [2542] Rollen nach Birt ant. Buchwesen 25ff. 449, Bände (Pergamentcodices) nach Ritschl Die alexandr. Bibliotheken 135 = Opusc. I 111 – verteilt sind: I enthält die rhetorischen Schriften (darunter einen Αἴας und einen Ὀδυσσεύς, desgleichen die beiden oben erwähnten, auf Lysias und Isokrates bezüglichen Streitschriften), II–VII die philosophischen (in nicht streng durchgeführter Untereinteilung, indem die ethischen und politischen sämtlich in II–V, die dialektischen in VI und VII stehen, von den physischen dagegen eine Nummer in II vor den ethischen, die übrigen in VII zwischen den dialektischen), VIII und IX eine Reihe von Tractaten zur (allegorischen) Homerauslegung (VIII allgemeine, einleitende Schriften und solche zur Ilias, IX zur Odyssee), X noch einen Nachtrag ethisch-politischer Schriften (unter diesen die von Persaios angezweifelten, woraus Susemihl Jahrb. f. Philol. CXXXI 1887, 207 mit Unrecht schliesst, dass sämtliche Schriften dieses Tomos anerkannt unecht oder verdächtig gewesen seien; s. F. Dümmler Akad. 14ff.). Sorgfältig bespricht den ganzen Katalog Müller 34ff., den Mullach 270ff. ausschreibt; vgl. K. F. Hermann Ztschr. f. Alt.-Wiss. 1834, 103. Winckelmann 12ff. (wozu Osann Jahrb. f. wiss. Kritik 1842, 2, 609ff.). Birt 449, 2; die Homerschriften insbesondere Dümmler Antisth. 16. P. Hagen Quaest. Dioneae, Kiel 1887, 46. Weber Leipz. Stud. X 110f. 226ff. 249. 262. Zeller 331. Die Fragmente hat Winckelmann gesammelt, den wiederum Mullach lediglich reproduciert. Zu einzelnen Schriften:

  • Ἀλήθεια (Müller 36. Dümmler Ant. 60. Natorp Forschungen zur Gesch. d. Erkenntnisproblems im Altertum, Berl. 1884, 12f. 59; Arch. f. Gesch. d. Philos. III 349).
  • Ἀρχέλαος (Bernays Phokion, Berl. 1881, 36. 114ff. Zeller 57, 6, anders 282, 1. Dümmler Ant. 8ff.; Akad. Kap. I gegen Susemihl a. O. Maass Herm. XXII 591, 1. P. Hagen Philol. L 381ff.).
  • Ἀσπασία (Natorp Philol. LI 492ff.).
  • Περὶ ἐλευθερίας καὶ δουλείας (Zeller 323, 5. Weber Leipz. Stud. X 92).
  • Ἐρωτικός (Dümmler Akad. 42).
  • Ἡρακλῆς (Bücheler Rh. Mus. XXVII 450. Dümmler Ant. 6, 1. 14; Ak. 153. 190. 197. 241; Philol. L 288ff. Hagen Qu. Dion. 41. Kaibel Herm. XXV 581ff. Weber a. a. O. 140. 200. 238ff. 252, 1. Zeller 307, 4; nach allen Zeugnissen galt nur ein Herakles als echt, offenbar der des 4. Tomos).
  • Περὶ Θεόγνιδος (Bergk PLG II³ 497 Anm. Dümmler Akad. 197f.; vgl. unten zum Protreptikos).
  • Κῦρος (Barlen 2. Urban 2. Dümmler Ant. 6, 1. Weber 92. 94. 131. 201. Keil Herm. XXIII 356, 2. Joël 500; nach Athen. V 220 b ἐν θατέρῳ τῶν Κύρων galten zwei Dialoge dieses Titels für echt, doch wohl die des 4. und 5. Tomos: waren diese beide, nach Birt a. a. O., von grösserem Umfang, so war der μικρὸς Κῦρος – nicht ἐλάσσων! –, den Persaios beanstandete, von beiden verschieden, also wohl einer von den zwei im 10. Tomos aufgeführten; auch Phrynichos a. a. O. ist danach vielleicht zu lesen: Ἀ. μετὰ τῶν γνησίων αὐτοῦ δύο λόγων περὶ Κύρου [überl. τοῦ π. Κ.] καὶ τοῦ περὶ Ὀδυσσείας; das Citat Cic. ad Att. XII 38 Κῦρος δ’ ε’ ist durchaus unsicher, s. Birt).
  • Περὶ τοῦ μανθάνειν (Dümmler Akad. 197f.).
  • Μενέξενος (ders. 27).
  • Περὶ ὀνομάτων χρήσεως (Weber 139).
  • Πολιτικός (ὁ πολιτικὸς αὐτοῦ διάλογος citiert Ath. [2543] V 220 d, der Katalog hat dafür Περὶ νόμου ἢ περὶ πολιτείας. Dümmler Ant. 8; Akad. 10. Zeller 325, 5).
  • Προτρεπτικός (so im Sing. Athen. und zweimal Pollux; im Katalog Προτρεπτικὸς α’ β’ γ’, Περὶ Θεόγνιδος δ’ ε’, also fünf Protreptici; so auch Diog. Laert. VI 1 ἐν τοῖς Προτρεπτικοῖς. Winckelmann 21. Müller 18, 2. Dümmler Akad. 65ff. Weber 200. Joël 52. 373. 416. 506).
  • Σάθων (Hauptstreitschrift gegen Platon nach Diog. Laert. III 35. Ath. V 220 d. XI 507 a. Birt 449, 2. Dümmler Ant. 62; Akad. 202. 209).
  • Φυσικός (Philod. de piet. c. 7 ἐν τῷ Φυσικῷ, danach Cic. nat. deor. I 32 in eo libro qui Physicus inscribitur; im Katalog: Περὶ φύσεως α’ β’, daneben Ἐρώτημα περὶ φύσεως α’ β’. Krische Forsch. 234ff. Müller 41. Dümmler Akad. 151. Zeller 291, 2. 294, 1. 329, 1).
  • Φυσιογνωμικός (Dümmler Akad. 209).

Der Μαγικός, den Suidas erwähnt, findet sich nicht im Katalog und gehört wohl eher dem Rhodier, die Diog. Laert. IX 15 erwähnte Auslegung des Herakleitos dem VI 19 genannten und von dem unsrigen unterschiedenen Herakliteer an. Von den versteckten Beziehungen auf A. bei Platon finden sich die wichtigsten, zugleich gesichertsten, in den Dialogen

  • Theaitetos (152 e u. a. Dümmler Ant. 36f. 60. Natorp Arch. f. G. d. Ph. III 347, 1; 155 e Winckelmann 36. Blass Att. Bereds. II 307. Dümmler Ant. 51. Natorp Forsch. 195ff. Zeller 288, 2. 297, 1; 161 c ff. Bonitz Plat. Stud.³ 52, 5. Dümmler Ant. 58ff. Natorp Forsch. 10ff.; Arch. III 348ff. Zeller 301, 1; 169 b Winckelmann a. O. Dümmler Akad. 153; 174 a. 175 d. 176 c Winckelmann. Teichmüller Litt. Fehden II 343. Dümmler Ant. 13. Zeller 289, 2; 187ff. Dümmler Ant. 45; insbesondere 191 c ff. Ders. 47. Natorp Forsch. 198, 1 [dagegen Zeller 300, 2]; 201 c ff. Schleiermacher. Brandis. Susemihl. Bonitz 88, ders. zu Arist. metaph. VIII 3, 1043 b, 23. Urban 14f. Zeller 294, 1 [dagegen Barlen 4. 14. Meyer a. a. O., gegen den wiederum Zeller Arch. IV 130]; weiteres bei Urban 3. Wohlrab Prolegomena seiner Ausg. des Theaitetos², Lips. 1891, 50; vgl. auch G. Grote Plato and the other companions of Socrates, London 1865, III 520).
  • Euthydemos (Diog. Laert. IX 53; vgl. Isokr. X 2. Arist. metaph. 1024 b 33. 1043 b 18; top. 104 b 20 und die oben zum Sathon bemerkten Stellen. Grote 521ff. Dümmler Ant. 59. 62; Akad. 189. Urban 7. Natorp Arch. IV 350. Zeller 296, 2. 301, 3. 477, 4. 531, 2. Joël 52. 370ff. 388. 416. 442).
  • Kratylos (Schleiermacher. Hermann Gesch. u. Syst. d. plat. Philos. 479. 496. 657. Winckelmann 48. Usener Quaest. Anaxim. 13. Reinhardt 27. Dümmler Exerc. gramm. spec., Bonn 1881, 51–61; Ant. 27. 37f. 60; Akad. 129ff. 148. 152. 193. Natorp Arch. III 351; dagegen Brandis. Susemihl. Barlen 9. Meyer und besonders Zeller 294, 1, doch vgl. 302, 1; teilweise dagegen auch Urban 21).
  • Phaidon (Mullach 266, 79. Dümmler Akad. 90ff. 199ff. 203. Natorp Forsch. 199; Arch. III 524ff.).
  • Politeia (372 d Zeller 325, 5. 893. Dümmler Ant. 3f.; Akad. 67f.; Proleg. zu Platons Staat, Basel 1891, 62. Weber Leipz. Stud. X 137, 2; 378 d Urban 28. Dümmler Ant. 24; 475ff., besonders 479 a Dümmler Ant. 40ff. 49. Weber 193, 2 [dagegen Zeller 296, 2]; [2544] 505 b Dümmler Ant. 12. Zeller 313, 6; 535 c Dümmler Ant. 34; 568 a Ders. Akad. 16; 583ff., vgl. Phileb. 44ff. Zeller 288, 2. 308, 1. Dümmler Akad. 168. Urban 27 [anders Hirzel Unters. zu Ciceros philos. Schriften I 141ff.; Herm. XIV 356f. Natorp Forsch. 200ff.; Arch. III 521; Die Ethika des Demokritos, Marb. 1893, 157ff]; zum 10. Buch Usener nach Dümmler Ant. 26, 2. Dümmler ebenda 24ff. Weber 231f.).
  • Sophistes (246ff. Dümmler Ant. 51ff. Natorp Forsch. 195ff. Zeller 297, 1 [anders Schleiermacher. Brandis. Hermann. Hirzel Unters. I 146ff. D. Peipers Unters. üb. d. Syst. Platons 679; Ontologia Platonica 247. Urban 11]; 251 b. 252 c. 259 c. d Tennemann. Schleiermacher. Grote 521. Urban 19. Dümmler Ant. 49. Zeller 288, 2. 293, 1).
  • Philebos (14 c. 15 d. 17 a Zeller 293, 1 u. a., doch scheint A. hier nicht mehr A. selbst sondern seine Schule im Auge zu haben).

Fernere Beziehungen hat, im einzelnen gewiss zu weitgehend, Joël in dem obengenannten Werke in der Apologie (S. 481ff. 503), im Protagoras (357ff. 444; dagegen Dümmler Philol. Wochenschr. 1893, 198), im Charmides (487ff.), Hipp. I (441ff., vgl. Dümmler Akad. 184. 203), Hipp. II (403f., vgl. Dümmler Ant. 31ff.; Akad. 56), Alkib. I (496f.), Politeia Buch I (393ff.; dagegen ebenfalls Dümmler Philol. Wochenschr. a. a. O.) zu erweisen gesucht. Auch der ps.-platonische Kleitophon richtet sich gegen A. nach Hagen Philol. L 381ff. Joël 373. 393ff. 481ff. A.s Stellung zu Sokrates war nach allem, was wir vermuten können, eine völlig freie; er nahm sich ohne Zweifel gleich Platon die Erlaubnis, auch wo er Sokrates redend einführte, seine eigene Philosophie, nicht die des Sokrates vorzutragen. Auch wenn Xenophon von dieser Philosophie manches annimmt und damit seinen Sokrates schmückt, so ist das kein Beweis ihrer reinen Übereinstimmung mit dem Sokrates der Geschichte; Platon jedenfalls fand sie vom sokratischen Geist unendlich weit entfernt (so urteilt namentlich Dümmler Akad. 155, im ganzen auch Joël 503f. 511). In der That enthält am auffälligsten seine Dialektik, bei näherer Prüfung aber selbst seine Ethik, seine rationalistische Theologie, vollends seine allegorische Homerauslegung sophistische Bestandteile. Aber auch dem Einfluss der monistischen Naturphilosophie der älteren griechischen Speculation, die in Diogenes von Apollonia mächtig wiederaufgelebt war, vermochte er sich allem Anschein nach nicht zu entziehen. Somit ist er nicht blos in der Ethik, sondern auch in seiner naturalistisch-mythologischen Theologie der Vorläufer der Stoa, auf die durch seine Vermittlung alle jene Nachwirkungen der vorsokratischen Zeit ebenso wie die gewisser Elemente der Sokratik sich fortpflanzten. Darin hauptsächlich ist, abgesehen von ihrem allgemeinern, kulturgeschichtlichen Interesse, die Bedeutung der kynischen Philosophie zu sehen, die im übrigen (da sich im einzelnen nicht feststellen lässt, wieviel dem A., wieviel erst seinen Nachfolgern angehört] in einem besondern Artikel zusammenhängend dargestellt werden soll. Der berühmteste Schüler des A. war Diogenes von Sinope (über das Verhältnis beider Dümmler Ant. 75f.). Erst seit ihm scheint der Sectenname der ,Kyniker‘ für die Nachfolger des A. allgemein üblich geworden zu sein; Arist. [2545] metaph. 1043 b 24 bezeichnet sie einfach als ‚Antistheneer‘, obwohl er den Beinamen ὁ Κύων für A. kennt (rhet. III 1411 a 24). Die nähern Angaben über das Lebensende des A. (Diog. Laert. VI 18. Iulian. or. VI 181 a. Schol. zu Lucian Paras. 57. Suid. Eudokia in Villois. Anecd. 56) sind wenig zuverlässig. Zeller Philos. d. Gr. II a⁴, 281ff. Grote Plato III 504ff.