RE:Cornelius 182

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 1364–1365
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182) Cossus Cornelius Lentulus. a) Name. Κόσσος Κορνήλιος Γν. υἱ. Λέντουλος Dio ind. l. LV; Κόσσος [Κ]ο[ρ]νήλιος Λεντύλος CIG II 2943; Cossus Cornelius Lentulus CIL V 3257; Cossus Cornelius CIL I² p. 69 = VI 10395 (Fasti min. XIII). VI 8738; Κορνήλιος Κόσσος Dio LV 28, 4; ||[Corne¦lius CIL Ι² p. 70 Fasti Arval.; Cossus Cn. f. Lentulus Münzen Babelon I 430 nr. 79; Cossus Lentulus Cassiod. Münzen Babelon nr. 80; Lentulus Chronogr. a. 354. Fasti Hydat. Chron. Pasch, (vgl. CIL I² p. 164); Cossus CIL VI 1439. Vell. II 116, 2. Sen. ep. XII 1, 15. Flor. II 31. Oros. VI 21, 18. Cossus war ohne Zweifel das Praenomen des C. (vgl. Klebs Prosop. I 451 nr. 1124), nicht, wie früher allgemein angenommen wurde, sein Cognomen; dass er nach seinem Siege über die Gaetuler den Beinamen Gaetulicus angenommen habe, ist unwahrscheinlich (s. u.).

b) Leben. C. war wohl der Sohn des Cn. Lentulus coa. 18 v. Chr. (Nr. 180). Im J. 736 = 18 v. Chr. oder kurz danach prägte er als IIIvir monetalis Denare mit den Porträts des Augustus (cos. XI) und des Agrippa (cos. ter., als engere Zeitgrenzen sind anzusehen die Erteilung der tribunicischen Gewalt an Agrippa, 736 = 18 [vgl. Borghesi Oeuvr. V 300. Mommsen St.-R. II³ 830, 3], und Agrippas Tod, 742 = 12; Babelon I 430 nr. 79f. II 78 nr. 234f. 557 nr. 4. Cohen I² 121 nr. 418. 177 nr. 1; die Münzen wurden von Traian restituiert, Babelon II 575 nr. 17f.). Im J. 753 = 1 v. Chr. war C. Consul ordinarius mit L. Calpurnius Piso augur (die Belegstellen s. o.). Im J. 5/6 n. Chr. unternahm er als Proconsul von Africa zur Unterstützung des Königs Iuba von Mauretanien einen Feldzug gegen die Musulamier und Gaetuler und nötigte sie ihre Plünderungszüge einzustellen, nahm ihnen auch einen Teil ihres Gebietes ab; zum Lohne erhielt er die ornamenta triumphalia (Vell. II 116, 2. Flor. II 31. Dio LV 28, 3. 4 [zum J. 6]. Oros. VI 21, 18; irrig las man früher Tac. ann. IV 44 triumphalia de Gaetulis, s. o. Nr. 180; über den Feldzug vgl. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserz. I 209. Mommsen R. G. V 629. 638. Cagnat L’armée Rom. d’Afr. 1ff. 6f. Pallu de Lessert [1365] Fast. d. prov. Afr. I 88ff.). Zur Erinnerung an den Sieg gab er seinem (jüngeren) Sohne (s. u.) den Beinamen Gaetulicus (Vell. a. a. O.; nach Florus und Dio hätte schon C. selbst das Cognomen Gaetulicus angenommen; doch wird er nirgends mit diesem genannt). C. dürfte der Lentulus sein, der im J. 31 einen Senatsbeschluss gegen die Belangung kaiserlicher Statthalter während ihrer Amtsführung veranlasste (Dig. XLVIII 2, 12 pr.; an Lentulus augur Nr. 181 ist wohl nicht zu denken, da dieser damals kaum mehr am Leben war; eher käme etwa der ältere Sohn des C. in Betracht). Tiberius ernannte Gossus zum Praefectus urbi (Sen. ep. XII 1, 15) an Stelle des L. Aelius Lamia, als dieser Ende 33 starb (s. o. Bd. I S. 522 Nr. 76). Borghesi Oeuvr. IX 260 identificiert den Stadtpraefecten Cossus mit dem Sohne des C., Cossus Lentulus cos. 25 (Nr. 183); dagegen weist Klebs a. a. O. darauf hin, dass Cossus Vorgänger, L. Piso pontifex (o. Bd. III S. 1397) und Lamia, erst lange nach dem Consulate zu dieser angesehensten senatorischen Stellung gelangten. Sein Nachfolger, L. Piso cos. 27, wurde allerdings schon im neunten Jahre nach seinem Consulate Praefectus urbi (s. o. Bd. III S. 1384); dennoch wird man annehmen dürfen, dass Tiberius die Stadtpraefectur damals eher einem älteren Manne als einem jungen Consular übertragen haben wird. Seneca sagt von Cossus, er sei ein vir gravis, moderatus gewesen, aber so sehr dem Trunke ergeben, dass er einst, in tiefen Weinschlaf versunken, aus dem Senate fortgebracht werden musste. Dennoch genoss er das besondere Vertrauen des Kaisers und missbrauchte es nie (Sen. a. a. O.). Er starb wahrscheinlich im J. 36 (in diesem finden wir schon L. Piso als Stadtpraefecten, s. o.). C. ist mit den Cossi gemeint, die Augustus unter den Vornehmsten seiner Zeit nennt (Sen. de clem. 19, 10, auf Vorgänge aus den J. 16–13 v. Chr. bezüglich); als Bezeichnung für einen hochadeligen Mann wird Cossus auch Iuven. III 184. VIII 21 gebraucht (dagegen hat der Erbschleicher Cossus Iuven. X 202 mit den Cossi Lentuli nichts zu thun). C. Söhne waren Cossus Lentulus cos. 25 (Nr. 183) und Cn. Lentulus Gaetulicus cos. 26 (Nr. 220); er wird noch genannt in der Genealogie seines Urenkels M. Iunius Silanus Lutatius Catulus (CIL VI 1439, vgl. die Stammtafel der Lentuler S. 1359f.). Dem Freigelassenen L. Cornelius Primigenius Cossi [n(ostri)] libert. ist die Grabschrift CIL VI 16287 gesetzt (der Freigelassene konnte natürlich nicht das exclusive Praenomen Cossus führen, vgl. Klebs Prosopogr. I 453 nr. 1129; der Vorname L. dürfte auf den Grossvater des C. zurückgehen).