RE:Dareios 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 22052211
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3) D. III., persischer König, Sohn des Arsanes (so Diod.; ‚Arsames‘ im ptolemaeischen Kanon, bei Syncell. 392 und Joh. Antiochen. frg. 38. 39. Euseb. bei Hieron. ad ann. 1652; ,Armusames‘ Sync. 486 D.; Asamus Exc. Lat. Barb. 32 a, I 209 Sch.) von seiner Schwester und Gattin Sisygambis, Enkel des Ostanes, eines Sohnes des D. Nothos (Diod. XVII 5, 5. Plut. Artox. 1. 5. 22); die Überlieferung bei Aelian. v. h. XII 43, er sei Sclave gewesen, ist ganz unsinnig, ebenso Strabons Angabe falsch (XV 736), dass er nicht aus königlichem Geblüt stammte. Den Beinamen Codomannus, der recht zweifelhaft ist und mit Unrecht in die Handbücher aufgenommen wurde (A. D. Mordtmann ZDMG XIX 411), giebt ihmallein Iustin X 3, 3ff., die Bezeichnung Midus (Meder) in den Exc. Lat. Barb. I 209 Sch. ist irrtümlich. Er wurde ungefähr 380 v. Chr. geboren, da er nach Arrian. anab. III 22, 6 bei seinem Tode gegen 50 Jahre alt war. Nach einer Anspielung Plutarchs (de Alexandri Magni fortuna I 2) soll er zuerst ἀστάνδης (königlicher Courier) gewesen sein. Sicherer ist, dass er sich in einem Kampfe mit den Kadusiern auszeichnete und einen feindlichen Vorkämpfer erlegte; zum Lohne für diese That, welche ihm hohes Ansehen verschaffte, wurde er zum Satrapen von Armenien ernannt (Diod. XVII 6, 1. Iustin a. a. O.). Als Bagoas den Artaxerxes Ochos, dann dessen Sohn und Nachfolger Arses und die übrigen männlichen Mitglieder der königlichen Familie durch Gift beseitigt hatte, erhob er den mit ihm befreundeten D., in dem er jedesfalls ein gefügiges Werkzeug zu finden hoffte, auf den Thron (Diod. XVII 5, 5. Arrian. anab. II 14, 5. Curt. VI 3. 12. Strab. XV 736). Diod. XVII 6, 2 setzt die Erhebung des D. in dieselbe Zeit wie den Antritt Alexanders; auch Euseb. (Vers. Arm. ad a. Abr. 1681) lässt beide Könige in demselben Jahre die Regierung übernehmen (dagegen bei Hieron. ad a. 1682 D. ein Jahr später antreten). Der ptolemaeische Kanon zählt als sein erstes Jahr das 413. Jahr Nabonassars (vom 15. November 336 ab), Eusebius 336 (Vers. Arm.) oder 335 (Hieron.); die Regierungsdauer, die ihm gegeben wird, schwankt zwischen 6 (Euseb. Vers. Arm. und Hieron. Syncell. 486. Exc. Lat. Barb. Euseb. chron. I 70. 127 Sch. Series regum 29 Sch.) und 5 Jahren (Babylonische Tafel bei Ed. Meyer Forsch. II zu 457. Liber chronicorum bei Frick Chron. min. I 432). Die genaueste Angabe bietet wahrscheinlich Joh. Antiochenus frg. 38: 6 Jahre 2 Monate (dementsprechend Hippolyt. ad frg. 136 bei Frick Chr. min. I 451, das D. im siebenten Jahre seiner Regierung von Alexander getötet ward); wenn Manetho bei Syncell. 145 und der ptolemaeische Kanon 4 Jahre rechnen, so hängt dies mit dem Datum der Eroberung Ägyptens durch Alexander zusammen. Am wahrscheinlichsten ist D.s Erhebung in den Mai 336 zu setzen (Unger Chronol. des Manetho 342); dagegen bestimmt sie Judeich {Kleinasiat. Stud. 304) auf Ende 336 oder Anfang 335, Ed. Meyer (brieflich, jetzt Forsch. II 488. [2206] 502) auf ca. December 336, Niese (Gesch. der griech. und makedon. Staaten I 50), was ganz unmöglich ist, auf Mitte 335 (ebenso Justi Grundriss d. iran. Philol. II 468). D. entledigte sich bald des Bagoas, welcher auch nach seinem Leben getrachtet haben soll (Diod. XVII 5, 6. Curt. VI 10. Joh. Antioch. frg. 38. 39).

D. ist unter dem Einfluss der Überlieferung des Altertums, wie sie in der grösstenteils aus Kleitarch stammenden, rhetorisch und sentimental gefärbten Erzählung des Curtius vorliegt (vgl. Kaerst Forschungen zur Geschichte Alexanders d. Gr. 83), auch von den Neueren viel zu günstig beurteilt worden. Dies gilt besonders für Droysen Gesch. des Hellenismus² I 1, 65. 180, dann auch für Schäfer Demosthenes² III 111. Justi Grundriss d. iran. Philol. II 469 und Maspero Hist. ancienne des peuples de l’Orient classique III 808. Diese Auffassung muss als falsch angesehen werden: bezeichnend ist, dass Grote (Hist. of Greece² XII 9) trotz seines Widerwillens gegen Alexander D. durchaus nicht hoch stellt und ihn (V² 96) mit Xerxes vergleicht; und Nöldeke (Aufs. z. pers. Gesch. 81) hat in durchaus richtiger Weise hervorgehoben, dass D. ein ganz gewöhnlicher orientalischer Despot gewesen ist, der weder durch seinen Charakter noch durch Begabung sich auszeichnete (so auch Beloch Gr. Gesch. II 606). Diese Ansicht wird durchaus von unserer besten Überlieferung, wie sie in Arrians Anabasis vorliegt, bestätigt, welche D. in nichts weniger als günstigen Farben schildert. Wenn Arrian III 22, 2 sagt, dass D. in der Kriegführung schlaff und ohne Einsicht gewesen sei, so wird dies durch die Ereignisse bestätigt; aber auch die folgende Bemerkung Arrians, D. habe gar keine Gelegenheit gehabt, seinen Unterthanen etwas Übles zu thun, da er von allem Anfang an in Bedrängnis gewesen sei – und man dürfe ihm daher dies nicht als Verdienst anrechnen –, trifft zu. Schon die Art seines Aufkommens mit Hülfe des Bagoas, den er bald aus dem Wege räumte, wirft kein günstiges Licht auf ihn, wenn auch die bei Arrian II 14. 5 gegen ihn erhobene Beschuldigung, er habe gemeinsam mit jenem Arses beseitigt, eine Übertreibung ist. Dass er milder Natur gewesen sei, steht nur bei Curtius (III 2, 17. 8, 5. V 10. 14); allein sein Benehmen gegen Charidemos (Diod. XVII 30, 2ff. Curt. III 2. 1ff., von Niese a. a. O. I 71 mit Unrecht in Zweifel gezogen) contrastiert stark dagegen und zeigt, dass er sich von sinnlosen Wutanfällen hinreissen liess. Zu dem günstigen Urteil über ihn scheint auch die mehrfach überlieferte (bei Arrian. IV 20, 1 unter den λεγόμενα, dann Plut. Alex. 30; de fort. Alex. II 6. Curt. IV 10, 25ff., etwas verändert Caryst. Perg. frg. 5) pathetische Geschichte beigetragen zu haben, wie er auf die Nachricht von dem Tode seiner in der Gefangenschaft gestorbenen Frau hin den Segen der Götter auf Alexander, der sie gut behandelt hatte, herabfleht (von E. Pridik De Alexandri Magni epistularum commercio 51ff. auf Kallisthenes zurückgeführt); viel sicherer ist es aber, dass er seinen Gegner mit den gewöhnlichen Mitteln orientalischer Tücke bekämpfte: er trat (Arrian. I 25. 1ff.) mit dem Lynkesten Alexander wegen dessen Anschlags auf den König in Verbindung (Curtius III 5, 16 Bericht, dass D. [2207] einen Preis auf Alexanders Kopf gesetzt habe, gehört wohl hierher) und suchte die Hellenen in dessen Heer zum Verrat an dem König zu bewegen (Curt. IV 10, 16). Man hat D.s Liebe zu Weib und Kind hervorgehoben (Droysen a. a. O. I² 309); allein ob es nötig war, sie und seine Mutter in das Feldlager mitzunehmen, ist trotz Curtius Versicherung (III 8, 12), es sei dies more patrio geschehen, zweifelhaft, und es ist nicht zu vergessen, dass auch D.s 360 Kebsweiber sich in seiner Begleitung befanden (Curt. III 3, 24. Dikaiarch. frg. 18). Über den Zug Alexanders s. Alexandros o. Bd. I S. 1412ff.; hier werden nur jene Punkte hervorgehoben, bei denen die persönliche Beteiligung des D. hervortritt und die zu seiner Charakterisierung beitragen. Den Operationen, welche den Feldzug von Seiten Makedoniens in Kleinasien eröffneten und die schon zu Lebzeiten Philipps begonnen hatten (Judeich Kleinasiat. Studien 302ff.), scheint D. wenig Beachtung geschenkt zu haben (Diod. XVII 7, 1. Droysen a. a. O. I² 1, 182ff.); er hoffte sie nach der hergebrachten Art der persischen Politik dadurch zu paralysieren, dass er mit den Hellenen in Verbindung trat und dieselben durch Bestechungsgelder zu gewinnen suchte (Arrian. II 14, 5. 6. Plut. de fort. Alex. 13. Schäfer a. O. III² 114ff.); namentlich fand er an Demosthenes einen entschiedenen Parteigänger (Schäfer a. a. O.). Es wird zwar von persischen Rüstungen berichtet (Diod. XVII 7, 2), allein das Ergebnis war zunächst ein geringfügiges, da Memnon für seinen Feldzug in der Troas (335) nur 5000 Söldner zur Verfügung hatte (Diod. a. a. O.). Allerdings sammelte sich im Frühjahr 334 in Vorderasien ein bedeutendes Heer (Droysen a. O. 12 1, 185), das aber an dem Mangel litt, dass an seiner Spitze kein Oberbefehlshaber stand; die Niederlage desselben am Granikos und die bedeutsamen Fortschritte Alexanders an der Westküste Kleinasiens vermochten noch immer nicht den König aus seiner Zurückhaltung herauszurütteln, der seine ganze Hoffnung auf die allerdings bedeutende Feldherrenbegabung des Memnon und auf die von letzterem befehligte Flotte gesetzt zu haben scheint (Arrian. II 1, 1. Diod. XVII 23, 6. 29, 1). Der Tod dieses Feldherrn bezeichnet für den persisch-makedonischen Krieg auch insofern eine Wendung, als D. sich genötigt sah, sich in eigener Person an ihm zu beteiligen und den Oberbefehl gegen Alexander zu übernehmen (Diod. XVII 30). Dass D. von strategischer Begabung gewesen sei, um auch einem geringeren Feldherrn, als Alexander es war, entgegenzutreten, kann nicht behauptet werden, es fehlten ihm die notwendigsten Vorbedingungen zur Rolle des Feldherrn, Festigkeit und Mut, und er unterschätzte den Gegner trotz dessen vorausgegangener Erfolge. Am besten wäre es natürlich gewesen, wenn D. 333 die kappadokisch-kilikischen Pässe und später die kilikisch-syrischen Pässe (vgl. über beide K. J. Neumann Jahrb. f. Philol. CXXVII 535ff. Heberdey und Wilhelm Denkschr. Akad. Wien XLIV, VI 24) verteidigt hätte, welche Alexander ohne grosse Mühe gewann (Arrian. II 4, 3ff. 5, 1. 6, 2, dazu Grote a. O. XI² 437ff.). Als er Alexander nach Kilikien entgegenrückte, glaubte er, letzterer würde in der Ebene keine Schlacht wagen (Diod. {{Seite|2208 XVII 32, 3): trotz des Widerratens eines makedonischen Überläufers Amyntas, der Alexander und dessen Art genau kannte, liess er sich durch das Zureden seiner Höflinge, die prahlten, die persische Reiterei werde die Makedonen zertreten, bewegen, die Stellung bei Sochoi, welche seiner Übermacht freie Entfaltung gestattet hätte, aufzugeben (Arrian. II 6, 3ff. Plut. Alex. 20, etwas anders Curt. III 8, 1ff.) und gegen Issos vorzurücken, wo das Terrain für ihn viel ungünstiger war (Arrian. II 6, 6. 7, 3). Das anerkennende Urteil, welches Beloch (a. a. O. II 634. 635) über D.s Vorgehen äussert, steht in Widerspruch mit der Ansicht des Ptolemaios (jedesfalls von Arrian. a. a. O. zu Grunde gelegt), der gewiss als competenter Kenner der militärischen Verhältnisse gelten darf; vgl. übrigens jetzt die ausschlaggebenden Bemerkungen von Bauer Jahreshefte des österr. archäol. Instituts II 1899, 121ff. und Delbrück Gesch. d. Kriegskunst I 168ff. Zudem versäumte D. bei seiner Aufstellung die Besetzung des Strandpasses (Bauer a. a. O. 125). Was D.s Verhalten in der Schlacht von Issos anlangt, so stimmt die schönfärbende Überlieferung (Curt. III 11, 11. Iustin XI 9, 9) mit unserer Hauptquelle Arrian. II 11, 4 und mit Diod. XVII 34, 7. 37, 1 darin überein, dass D. das Zeichen zur Flucht gab, durch welches die Schlacht entschieden ward (Grote a. O. XI² 446); er liess seinen Wagen und seine Waffen zurück, welche dem Sieger in die Hände fielen (Arrian. II 11, 5. 6. Curt. a. a. O. Plut. Alex. 20). Die Tradition über den Zweikampf zwischen D. und Alexander (Chares bei Plut. a. a. O. und de fort. Alex. II 9) muss gegenüber einem urkundlichen Zeugnis Alexanders selbst zurücktreten (E. Pridik a. a. O. 57ff.). Es war nach dieser entschiedenen Niederlage ein Zeichen merkwürdigen Hochmuts und eines völligen Verkennens der Lage, wenn D. sich herabliess, in einem Schreiben Alexander Freundschaft und Bündnis anzutragen und sich dafür die Freilassung seiner gefangenen Angehörigen ausbedang (Arrian. II 14, 1ff., die Echtheit dieses und des folgenden Schreibens scheint mir zur Genüge erwiesen durch E. Pridik a. O. 39ff. 55ff.); sein späterer Versuch, Alexander durch grössere Zugeständnisse zu versöhnen (Arrian. II 25, 1ff.), zeigt wenigstens von einer richtigeren Erkenntnis der Dinge, musste aber naturgemäss scheitern. Es ist bezeichnend, dass sich D. die ganze folgende Zeit, während Alexander seinen Zug durch Phoenikien bis Ägypten fortsetzte und sich in diesem Lande häuslich einrichtete, ruhig verhielt und keinen energischen Versuch machte, den Gegner im Rücken zu beunruhigen (darüber Grote XI² 477. Niese a. O. I 89, etwas abweichend Beloch a. a. O. II 644), sondern wartete, bis derselbe im Frühjahr 331 wieder Ägypten verliess. D. soll sich anfangs darüber nicht klar gewesen sein, ob es besser wäre, den Kampf in Mesopotamien aufzunehmen oder sich nach den östlichen Provinzen zurückzuziehen (Curt. IV 9, 1). Allerdings rüstete er dann eifrig und brachte ein gewaltiges Heer zusammen (Arrian. III 8, 3ff. Diod. XVII 53. Curt. IV 9. 1ff.); allein auch jetzt beging er in merkwürdiger Lässigkeit den Fehler, Alexander ganz gemächlich den Euphrat, der von einer ungenügenden [2209] Truppenmacht gedeckt war (Arrian. III 7, 1ff. Curt. IV 9, 12), und den Tigris, dessen schwierig zu bewerkstelligender Übergang überhaupt nicht verteidigt wurde (Arrian. III 7, 5, nach Diod. XVII 55 Schuld des Mazaios), passieren zu lassen. Es ist anzuerkennen, dass der Platz bei Gaugamela, welchen D. besetzt hielt, für die Entfaltung seiner Massen und die Verwendung der Reiterei gut gewählt war; D. verdankte dies dem Rat seiner Freunde (Arrian. III 8, 7). Für die Schlagfertigkeit seiner Truppen war es von schlimmer Folge, dass sie der König aus Furcht vor einem Überfall die ganze Nacht vor der Schlacht unter den Waffen stehen liess, so dass die Leute ermüdet in den Kampf gingen (Arrian. III 11, 1. 2). Auch bei Gaugamela liess es D. an der gewöhnlichsten soldatischen Tugend fehlen. Unsere geringere Überlieferung meldet zwar (Curt. IV 15, 24ff. 30), D., auf welchen Alexander eindrang, habe bei dem sich um seinen Wagen entspinnenden Kampf zum Schwerte gegriffen, um sich zu verteidigen, sei aber in die Flucht der übrigen mitgerissen worden, was dann (Diod. XVII 60. Iustin XI 14, 3) zu einem förmlichen Zweikampf der beiden Könige erweitert wurde, allein Arrian (III 14, 3) weiss nichts davon, sondern nach ihm war D. wieder der erste, der bei dem Einbruch der feindlichen Schlachtlinie die Flucht ergriff (damit stimmt Plut. Alex. 33, dazu Grote XI² 487). Auch diesmal wurden sein Wagen und seine Waffen Beute der Feinde, während er eiligst weiterfloh (Arrian. III 15, 5. 16, 1. Plut. Alex. 33), ohne sich um das Los seines geschlagenen Heeres zu kümmern. Erst in Medien machte er Halt (Arrian. III 16, 1f. Diod. XVII 64, 1, während Curt. V 1, 3 ihn schon in Arbela sich aufhalten lässt); er blieb in Ekbatana, während Alexander gegen Babylon und Susa zog und im Winter 331 auf 330, nachdem er die Königspaläste von Persepolis verbrannt hatte, in Persien längere Rast hielt. Die geringere Überlieferung (Diod. XVII 64, 1ff. 65, 5. Curt. V 1, 3ff.) meldet von neuen Rüstungen, die er anordnete, und von grossartigen Plänen zur Fortsetzung des Krieges; allein dies ist nach der Erzählung Arrians (III 19, 1ff.) dahin einzuschränken, dass D. an keinen heroischen Widerstand dachte, sondern sein Verhalten nach Alexanders Vorgehen einrichtete: wenn dieser nicht über Susa vorrückte, so hatte er die Absicht, selbst in Medien zu bleiben, wenn aber Alexander sich gegen ihn wandte, sich nach Parthien und Hyrkanien, nötigenfalls nach Baktrien zu flüchten und Alexander die Verfolgung durch Verwüstung der dazwischen liegenden Landschaften unmöglich zu machen. Ob er wirklich die Absicht hatte, Alexander in Medien eine Schlacht zu liefern, wie letzterem gemeldet ward, und dies nur aufgab, weil der versprochene Zuzug der Kadusier und der Skythen ausblieb (Arrian. III 19, 3ff.), steht dahin; Thatsache ist, dass sich D. bei Alexanders Herannahen mit einer ganz geringen Macht, die zum Widerstand nicht hinreichte, auf die Flucht machte (Arrian. ebd. 4. 5. Diod. XVII 73, 2, dagegen giebt ihm Curt. V 8, 3 mehr Truppen). Das folgende besteht darin, dass Alexander in märchenhafter Eile dem D., der einen Vorsprung von einer Woche hatte, nachsetzte (Arrian. III 20, 1ff.), von Ekbatana nach Rhagai und, nachdem er dort fünf [2210] Tage gerastet hatte, durch die ,kaspischen Thore‘ nach Parthien. Unterdes hatten der Chiliarch der Reiterei Nabarzanes und die Satrapen Bessos und Barsaentes D. gefangen genommen; sie führten ihn gefesselt auf einem Wagen mit sich, Bessos war an seiner Statt von dem grössten Teil der begleitenden Truppen die Gewalt übergeben worden (Arrian. III 21, 1ff. 4). Die Verschworenen hatten die Absicht, D. an Alexander auszuliefern, um eine Belohnung zu erhalten, wenn er ihnen aber nicht nachfolge, ein Heer zusammenzubringen und den Krieg weiter zu führen. Alexander setzte, nur von seinen schnellsten Leuten begleitet, die Verfolgung durch Tag und Nacht trotz der Erschöpfung seiner Mannschaft fort; endlich am sechsten Tag seit seinem Aufbruch von Rhagai erreichte er die Colonne der Feinde, welche sogleich floh (Arrian. III 21, 9). D. war, als Alexander schon nahte, von Nabarzanes und Barsaentes durchbohrt worden; er starb noch, bevor er Alexander sehen konnte (Arrian. ebd. 10. 22, 2, Hekatombaion im Archontat des Aristophon, Juli 330; vgl. auch das neu entdeckte Bruchstück der parischen Marmorchronik Z. 7. Athen. Mitt. XXII 1897, 192. Ed. Meyer Forsch. II 493. 502). Über den Ort seines Todes s. A. D. Mordtmann S.-Ber. Akad. München 1865 I 521ff. und Spiegel Erân. Altertumskunde II 533. D. hatte manche von seinen Fehlern durch sein trauriges Ende und den Verrat, den seine Untergebenen an ihm verübten, gesühnt; das Mitgefühl mit diesem erschütternden Umschwung mag zu der romanhaften Ausschmückung beigetragen haben, welche seine letzten Tage später fanden (besonders Curt. V 8, 1ff. Diod. XVII 73, 4. Plut. Alex. 43. Iustin XI 15, 1ff.) und welcher auch die neuere Geschichtschreibung (Droysen a. a. O. I² 1, 372ff.) zum Schaden der Sache folgte (vgl. die richtige Beurteilung bei Niese a. a. O. I 101). Alexander liess D.s Leichnam eine königliche Bestattung zu teil werden (Arrian. III 22, 1. 6. Diod. XVII 73, 3. Plut. Alex. 43. Iustin XI 15, 15. Plin. n. h. XXXVI 132). D. wurde neben den Gräbern seiner Ahnen beigesetzt (Nöldeke a. O. 138); wahrscheinlich ist das bei Stolze Persepolis Pl. 73 abgebildete Grab in Nakš-i-Rustem das seinige (Justi Iran. Namenbuch 79).

D. war mit Stateira vermählt, die durch die Schlacht von Issos in Alexanders Gefangenschaft geriet und in derselben vor der Schlacht von Gaugamela starb; ihren Namen nennt nur Plut. Alex. 30. Von seinen Töchtern wurde später eine, die bald Barsine, bald Stateira heisst, Alexanders Gattin (Droysen a. O. I² 2, 243), eine andere Drypetis zu gleicher Zeit Hephaistions Frau (Arrian. VII 4. 5. Diod. XVII 107, 6).

Abbildungen: Auf Münzen bei Babelon Les Perses Achéménides, Text XVII. Pl. II 16—17. VI 16. IX 17—19. XXX 15-18 und Maspero a. O. III 804. Ideale Portraits auf dem Mosaik der sog. Alexanderschlacht (Schlacht bei Issos) Museo Borbonico VIII Taf. 36. 40 und auf unteritalischen Vasenbildern, s. Heydemann Alexander d. Gr. und Dareios Kodomannos auf unteritalischen Vasenbildern (8. Hallisches Winckelmannsprogramm 1883).

Litteratur: Grote History of Greece² XI 376ff. XII 1ff. Schäfer Demosthenes² III 111ff. 152ff. [2211] Holm Gesch. Griechenlands III 349ff. F. Justi Gesch. des alten Persiens 139ff.; Grundriss d. iran. Philol. II 468ff. Spiegel Erân. Altertumskunde II 490ff. Nöldeke Aufsätze z. pers. Gesch. 81ff. Droysen Gesch. des Hellenismus² I 1, 64ff. Niese Gesch. der griech. und makedon. Staaten seit der Schlacht bei Chaeronea I 49ff. Beloch Griech. Gesch. II 606. 634ff. Maspero Hist. ancienne des peuples de l’Orient classique III 807ff.