RE:Euthydemos 13

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 1504–1505
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13) Euthydemos, Sophist aus Chios (wie Plat. Euthyd. 271 C. 288 B, wiewohl etwas zweifelnd, angibt), anscheinend älter als Sokrates, mit dem ihn Platon in dem nach ihm benannten Dialoge zusammenführt, wanderte mit seinem Bruder Dionysodoros nach Thurioi aus. Von da verbannt, trat er lehrend in verschiedenen Städten Altgriechenlands, wiederholt auch in Athen auf (ebd. 273 E). Platon hat beide Brüder im Euthydemos als lächerliche Figuren verewigt und dabei diese Notizen überliefert. Da er aber beide offenbar als Masken (hauptsächlich oder allein für Antisthenes, s. d.) gebraucht (was Bruns D. lit. Porträt, 259ff. vergebens bestreitet), spätere Angaben aber (Athen. XI 506 B. Sext. Emp. adv. math. VII 13, 48 — wo der Name E. ausgegefallen — und 64) ihre Kenntnis nur aus Platons Dialog zu schöpfen scheinen, so entstand der Zweifel, ob man es überhaupt mit geschichtlichen Personen zu tun habe. ,Wahrscheinlich nicht einmal recht geschichtlich‘ fand sie schon Schleiermacher in der Einl. z. Übers. des Hipp. maior; für ganz erdichtet hielt sie Grote Platon I 536, was selbst Teichmüller Lit. Fehden I 27ff. zu weit zu gehen schien; neuerdings aber kommt Joël Sokr. I 370ff. darauf zurück. Daß E. auch Plat. Crat. 386 D genannt wird, entscheidet nicht, denn Platon scheint sich gerade dort auf seinen Dialog Euthydemos zurückzubeziehen (Natorp Arch. f. Gesch. der Philos. III 351; Platons Ideenlehre 121. Joël 372). Aber Aristoteles erwähnt den E. zweimal (soph. el. 20, 177 b 12; rhet. II 24, 1401 a 27) so, daß an Platons Dialog nicht gedacht werden kann (Joël denkt an eine Figur aus einem Gespräch des Antisthenes, die Xen. [1505] mem. IV 2ff. absichtlich, um an Antisthenes zu erinnern, aufgenommen, Platon durch seinen E. persifliert habe; aber der E. des Xenophon ist mit dem des Platonischen Dialogs ganz unvereinbar, und die weiteren Kombinationen, durch welche Joël beide doch zusammenzwingen will, entziehen sich jeder möglichen Kontrolle). Somit wird es wohl dabei bleiben, daß ein Sophist E. existiert hat, von welchem verfängliche Fragen wie die von Aristoteles ihm zugeschriebenen überliefert wurden und den Platon als Maske für die karikierte Sokratik des Antisthenes mit derselben Freiheit verwendet hat, wie z. B. den Herakliteer Kratylos im gleichnamigen Dialog, zu welchem der historische Kratylos nicht mehr als den Namen und einige allgemeinste Züge geliefert hat. Auch Dionysodoros wird durch Xen. mem. III 1, 1 als Strategiker (vgl. Plat. Euthyd. 273 C) bestätigt. Welcker (Rh. Mus. I 1833, 54) vermutet vielleicht richtig, daß erst Platon die Rolle des Sophisten auch auf Dionysodoros, die des Strategikers auf E. übertragen hat (was auch Susemihl Genet. Entw. 141 annimmt; die Beziehung auf Antisthenes hat auch hier schon Schleiermacher, zu Euth. 271 C, erkannt). Winckelmann Proleg. in Plat, Euthyd. XXIVff. Bonitz Plat. Studien³ 133, 26. Zeller Philos. d. Gr. I b⁵ 1068, 4. 1117, 1.