RE:Hyperion 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,1 (1914), Sp. 287–288
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2) Im Gegensatz zu Homer trennt Hesiod H. und Helios als zwei verschiedene Personen: H. ist der Vater des Helios und gehört zu den Titanen. Uranos und Gaia zeugten die Paare Okeanos und Tethys, Koios und Phoibe, H. und Theia, Kronos und Rhea, ferner Kreios, Iapetos, Themis und Mnemosyne. H. und Theia zeugten dann Helios, Selene und Eos, Hesiod. theog. 134ff. 371ff. Dieses theogonische System fand weite Anerkennung. Es kehrt mit einigen Zusätzen wieder bei Apollod. I 2 nebst I 8. Orph. frg. 95, vgl. frg. 38ff. Hyg. fab. praef., ist aber, soweit H. als Sohn des Uranos und der Ge, und als Vater von Helios, Selene und Eos in Betracht kommt, schon anerkannt in Hom. hymn. XXXI 2ff. Wenn Hom. Od. XII 176 vereinzelt von Helios Ὑπεριονίδης (in demselben Buch viermal Helios Ὑπερίων) spricht, so hat diese Namensform hier entweder keine patronymische Bedeutung (Usener Götternamen 20ff.) oder der Vers ist in dieser Form nicht ursprünglich. Wer aber seit Hesiod. theog. 1011 von Helios Ὑπεριονίδης spricht (Hom. hymn. V 74. Stesichor. frg. 8. Pind. Ol. VII 39. Nikand. ther. 679, vgl. Sol Hyperionius: Avien. 396), hat dies als ,Sohn des Hyperion‘ verstanden. H. ist der Vater des Helios z. B. bei Hom. hymn. V 26. XXVIII 13. Mimnerm. frg. 12, 11. Eumel. frg. 2. Ovid. met IV 192. 241. Serv. Verg. Aen. IV [288] 119 u. a. Nur für den Namen der Gattin des H. und Mutter des Helios bestehen verschiedene Versionen; sie heißt entweder Theia (Hesiod. Apollod. Orph. a. a. O. Pind. Isthm. V 1 nebst Schol. Iulian. or. IV 136 C; Zitat der Heriodstelle bei Schol. Apoll. Rhod. IV 54. Schol. Eurip. Phoin. 175. Etym. M. s. Ὑπερίων) oder Euryphaessa (Hom. hymn. XXXI 2) oder Aithra (Hyg. fab. praef.), vgl. o. Bd. VIII S. 77. In dem Götterkatalog bei Arnob. IV 14, vgl. IV 22, wird der zweite Helios als Sohn des Zeus und der Hyperione bezeichnet, während die Kataloge bei Cic. nat deor. III 54 and Ampel. 9 ihn als Sohn des H. aufführen. Bei Diod. V 66f. findet sich eine Ausdeutung des Hesiodischen Titanensystems, nach welcher H., der Sohn des Uranos und der Ge oder eines Kureten und der Μήτηρ Τιταία der erste Astronom war und deshalb der Vater von Sonne, Mond u. a. genannt wurde; andere wertlose Andeutungen bei Cornut. 17 im Anschluß an Empedokles, Etym. M. s. Κοῖος. Nach einem anderen Titanensystem bei Diod. III 57 sind die Eltern der Titanen Uranos und Titaia-Ge, von ihren Kindern heiraten sich Basileia = Meter μεγάλη und H., ihre Kinder sind Helios und Selene; aus Neid über diese εὐτεκνία verschwören sich die übrigen Titanen, töten den H., werfen den Helios in den Eridanos, und veranlassen den Selbstmord der Selene, aber durch ihre Freveltat zugleich auch den späteren Kult von Helios, Selene und Meter. In einer Inschrift von Imbros aus römischer Zeit, IG XII 8, 74: {{Polytonisch|θεοὶ μεγάλοι, θεοὶ δθνατοὶ ἰσχθροὶ καὶ Κασμεῖλε ἄναξ πάτ[ρι]οι Κοῖος Κρεῖος Ὑπερείων Εἰάπετος Κρόνος} sind die Hesiodischen Titanen-Namen den Kabiren beigelegt gemäß der auch sonst bezeugten Gleichsetzung von Titanen und Kabiren (Phot. s. Κάβειροι. CIG 3538), vgl. Bloch bei Roscher Myth. Lex. II 2533. Auf den Gegensatz zwischen dem Homerischen Helios H. und dem Hesiodischen Helios, Sohn des H„ haben schon die alten Grammatiker hingewiesen, vgl. Schol. Hom. Od. I 8; Il. VIII 480; einige gaben Hesiod recht und erklärten die Form H. für eine patronymische Bildung wie Ὑπεριονίδης, gekürzt aus Ὑπεριονίων, vgl. Eustath. Hom. Il. 1190, 5; Od. 1338, 36. 1710, 45.