RE:Tarquitius 7

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV A,2 (1932), Sp. [IV_A,2 2392]–2394
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7) Tarquitius Priscus schrieb über etruskische Disziplin und galt als Autorität auf diesem Gebiete. Plin. n. h. nennt ihn im Quellenverzeichnis zu B. II ex ... Caecina, qui de Etrusca disciplina scripsit, Tarquitio qui item; gleichlautend im Verzeichnis zu XI. Doch zeigt Münzer Beitr. zur Quellenkritik des Plinius 244ff., daß er nicht direkt benutzt ist und II 148. 199 nicht aus ihm stammen (gegen Schmeißer De Etrusca disc., Bresl. 1872, 14). Genauere Angaben macht Macrobius. Er spricht Sat. III 7, 2 davon, daß ein Widder von ungewöhnlicher Farbe Glück für den König bedeute (dieser Satz auch bei Serv. Ecl. 4, 43; gemeinsame Quelle Aelius Donatus? S. o. Bd. XIV S. 186), und fährt fort: est super hoc liber Tarquitii transscriptus ex ostentorio Tusco (folgt wörtliches Zitat). Ähnlich heißt es III 20, 3 Tarquitius autem Priscus in ostentario arborario sic ait. Begegnet uns hier T. als Übersetzer etruskischer Texte, so zeigt ihn Lact. div. inst. I 10, 2 hune {Aesculapium) Tarquitius de illustribus viris disserens ait incertis parentibus natum im Banne euhemeristischer Gedanken; es ist eine ähnliche Klitterung, wie wir sie bei Nigidius finden. Der bei Fest. 340. 4 L. für die Erklärung von ratitus quadrans [2393] genannte Tarqui... (hinter ihm ist Oppius zitiert), wird wohl derselbe sein, ohne daß vielleicht daraus auf ein besonderes glossographisches Werk zu schließen ist. Sein Werk (oder doch sein Name) hat sich lange erhalten; wenigstens redet Ammian. XXV 2, 7 zum J. 363 von Etrusci haruspices (die nach dem Erscheinen eines Meteors davor warnen, ein Unternehmen zu beginnen) ... ex Tarquitianis libris in titulo de rebus divinis id relatum esse monstrantes, und Lyd. de ostent. 2 S. 7, 6 W. behauptet, ihn benutzt zu haben (wohl nur Renommierzitat).

Daraus durfte man schließen, daß er einer der ältesten und wichtigsten Vermittler etruskischer Weisheit an die Römer war. Nun kam in Tarquinii eine verstümmelte Inschrift zutage, die Bormann AEM XI 94 besprach (CIL XI 3370 = Dess. 2924 mit Add. CLXXX); dazu kam später noch ein kleiner Rest einer zweiten ähnlicher Art = CIL XI 7566 S. 1337, erörtert von Bormann österr. Jahresh. II 129. Hier ist nur itio m. ... erhalten; von Belang ist im folgenden n]umina Arus und ven]erandum discipuli[nae (?), ferner carminibus edidit. In der anderen könnte man in Z. 1 fulgu]rales di[sciplinas ergänzen; in Z. 3 steht discipulii ... Hieraus scheint sich zu ergeben, daß ein Mann in Tarquinii, von dessen Namen Etruscus und von dessen Titel trib. mil. erhalten ist, einigen um die Übertragung etruskischer Lehren nach Rom verdienten Männern Denkmäler errichtete. Das war anscheinend in der Kaiserzeit; die größere Inschrift, die allein eine Datierung aus Schriftcharakter und Stil gestatten könnte, ist verschwunden, scheint aber nach den eigenen Angaben Bormanns, der sie am liebsten gegen Ende der Republik ansetzen möchte, in keiner Weise über etwa den Anfang der Kaiserzeit hinaufzuweisen. Sie stammt also schwerlich aus einer Zeit, in der der Zusammenhang mit Etruskischem noch unmittelbar lebendig war. Für T. selbst bestand aber dieser Zusammenhang noch, und man hat sogar versucht in den Fragmenten einen engen Anschluß an etruskische Texte nachzuweisen. Schon Bormann glaubte (unter dem Einfluß von carminibus edidit) eine Verbindung von Senaren und Kurzversen, also etwas den Horazischen Epoden ähnliches zu finden (während Buecheler AEM XI 99 an trochäische Septenare dachte, die im Laufe der Zeit stark verändert seien). Er setzte dabei eine Veränderung von T.s Wortlaut voraus, die anzunehmen wir kein Recht haben, und eine unmögliche Versifizierung. So richtig Thulin Italische sakrale Poesie und Prosa 1. 70; er selbst zieht die Agramer Mumienbinden heran und findet in den Fragmenten eine in zwei- und dreiwortige Kola gegliederte Prosa mit metrischen Klauseln (ebenso kürzer in Die etrusk. Disziplin HI [Oöteb. 19091 76). Ich kann davon nichts anerkennen; allerdings schließt das Fragment bei Macr. III 7, 2 mit einem Trimeter (in claritate laetioremque efficit), der aber zufällig sein dürfte wie so viele. Im zweiten Fragment ergeben sich bei der Aufzählung der einzelnen Pflanzen Kola ganz von selbst, ohne daß eine Absicht des T. oder besonders enger Anschluß an etruskische Texte vorzuliegen braucht. T. wird ein älterer Zeitgenosse [2394] des A. Caecina sein (o. Bd. III S. 1237). Er könnte noch am Leben gewesen sein, als Verg. Catal. 7, 3 ihn neben Selius und Varro als Vertreter der scholasticorum natio madens pingui nannte (wo natürlich kein anderer gemeint ist). Der Name T. ist besonders in Veii häufig; dort eine Tarquitia Prisca CIL XI 3840. Identität mit C. T. Priscus Nr. 8 ist möglich; vgl. auch Nr. 9. Haupt Opusc. II 152. Teuffel I⁶ 299. Schanz I⁴ 601.