ADB:Dietrichstein, Adam Freiherr von

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Artikel „Dietrichstein, Adam Freiherr von“ von Heinrich Ritter von Zeißberg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 197–198, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dietrichstein,_Adam_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 11:36 Uhr UTC)
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Dietrichstein: Adam Freiherr v. D., der Ahnherr der jüngeren nikolsburgischen oder fürstlichen Linie des Hollenburg-Finkensteinischen Zweiges seines Hauses, Sohn Sigmunds v. D., des Lieblings Kaiser Maximilians I., und der Barbara v. Rottal, geb. am 17. Oct. 1527 zu Graz, † 1590, kam 1547 als Page an König Ferdinands I. Hof. 1548 wurde er Truchseß, dann Mundschenk und 1553 wirklicher Kammerherr im Hofhalt des Erzherzogs Maximilian, Erbprinzen und nachmaligen Kaisers, dessen besondere Zuneigung und unbeschränktes Vertrauen er sich als Mann von vieler Begabung, feinen Sitten und Würde im Benehmen bleibend erwarb. Trotzdem hing er fest und eifrig der katholischen Lehre an, während seine beiden Brüder Karl und Sigmund Georg sich zur protestantischen bekannten. 1548 begleitete D. im Auftrage Ferdinands den Erzherzog Maximilian nach Spanien zum Beilager der Infantin Maria und kehrte mit ihm 1550 nach Deutschland und 1551 noch einmal nach Spanien zurück. 1552 treffen wir ihn bei Kaiser Karl in Innsbruck und bei König Ferdinand in Graz und 1555 auf dem Reichstage zu Augsburg. Auch war D. eifrig beflissen, das Zerwürfniß zwischen dem Erbprinzen und seinem kaiserlichen Vater zu beseitigen. 1556 geleitete er Maximilian und dessen Gemahlin nach den Niederlanden. Als Oberststall-, bald hernach als Obersthofmeister gehörte D. seit 1560 dem Hofstaate der letzteren an. Auf dem im Monat Juni d. J. vom Erzherzog zu Wien gehaltenen prächtigen Turnier erschien er als einer der tapfersten Kämpfer in glänzendem Schmucke, in ganz silbernem Küraß, Schild und Helm. 1561 ward er von der Infantin Maria, damals bereits Königin in Böhmen, mit einem geheimen Auftrage und gelegentlich desselben auch von seinem königlichen Herrn mit jener so schwierigen und leider fruchtlosen Sendung an Pius IV. betraut, um in einem geheimen Consistorium zur Verhütung größeren Unheils die Gestattung des Laienkelches in den österreichischen Ländern zu erwirken. 1562 verwendeten ihn Ferdinand und Maximilian als Abgesandten an die Kurfürsten wegen der römischen Königswahl. Da dem König in diesem Jahre ein Erzherzog (Friedrich) geboren wurde, stand D. demselben als Pathe. 1563 übertrug ihm Maximilian das in politischer Beziehung wichtige Geschäft, seine beiden Söhne Rudolf und Ernst an den spanischen Hof zu bringen und sowol dort ihre Erziehung zu leiten, als auch dem österreichischen Gesandtschaftsposten vorzustehen. Anfangs vereinigte D. in seiner Person blos den Ajo der beiden Prinzen und den kaiserlichen Orator, aber noch Kaiser Ferdinand [198] ernannte ihn kurz vor seinem Lebensende zu seinem Gesandten, auch führte er später den Titel eines Obersthofmeisters der beiden Erzherzoge. Die Sendung nach Madrid erfolgte 1563, und von dieser Zeit datirt die Herstellung des durch Maximilians Hinneigung zum Protestantismus gestörten freundschaftlichen Verhältnisses zwischen ihm und Philipp, an dessen Befestigung jetzt Maximilian um so eifriger arbeitete, als ihm eine Verbindung seiner ältesten Tochter Anna mit Don Carlos, dem spanischen Thronerben, am Herzen lag. D. betrieb in Madrid auch diese Angelegenheit, und da dem Kaiser an der genauen Kenntniß der persönlichen Eigenschaften seines künftigen Schwiegersohnes sehr viel lag, so gab sich sein Gesandter alle mögliche Mühe, sie ihm zu verschaffen. Diesem Umstande verdanken wir einige Briefe Dietrichstein’s, „unstreitig die genaueste und vollständigste aller bekannten Relationen“ über Don Carlos. Die Heirath kam bekanntlich nicht zu Stande, und nachdem der Prinz gestorben war, wirkte D. als Procurator der Vermählung Anna’s mit Philipp II. und ihrer Schwester Isabella mit Karl IX. von Frankreich. 1569 verlieh ihm König Philipp II. die reiche Comthurei von Alcaniz im Calatrava-Orden. 1571 brachte D. die Erzherzöge aus Spanien zurück (das Itinerar nach Dietrichstein’s Diarium in Res gestae gentis Dietrichst., 96 ss.). Er selbst aber ging noch einmal nach Spanien, welches Land er erst 1573 für immer verließ. 1572 gab ihm die Wahl Rudolfs zum König von Ungarn den Anlaß zu einer Denkschrift, in welcher er dessen Erbrecht auf die Stephanskrone darzulegen suchte und die er gleich einer ähnlichen aus Anlaß der Krönung Rudolfs zum König von Böhmen (1575) verfaßten Schrift dem letzteren zueignete. D. wohnte 1575 der Krönung Rudolfs zum römischen König als sein oberster Hofmeister bei, welche Würde er bis an sein Lebensende beibehielt. In demselben Jahre verlieh ihm Kaiser Maximilian die Herrschaft Nikolsburg, die er bei persönlicher Anwesenheit daselbst aus einem Lehen in Dietrichstein’s freies Eigenthum verwandelte. 1576 stand D. an des Kaisers Sterbebette. 1583 verliehen die ungarischen Stände ihm und seinem Sohne Maximilian den Incolat ihres Königreiches. 1588 wohnte D. dem Convent der Erzherzöge zu Prag bei, zu welchem die schlimme Lage des Erzherzogs Maximilian in Polen den Anlaß gab. Die letzten Jahre seines thätigen Lebens verbrachte D. auf seiner neuen Besitzung Nikolsburg, wo es ihm gelungen war, den Katholicismus wieder herzustellen, in eifrigem Verkehr mit gelehrten Freunden, wie dem Orientalisten Busbeck und dem Vorsteher der kaiserl. Hofbibliothek Blotius, der ihm 1576 den Katalog der Bibliothek widmete. D. † 15. Januar (nach Anderen 5. Februar) 1590. Aus der Ehe mit Margaretha, Don Antonio’s, des Vicekönigs von Sardinien Tochter aus dem herzoglichen Hause Cordona (nicht Cardona), mit welcher er sich 1555 vermählte, und durch welche er selbst mit dem königlichen Geblüt von Aragonien in verwandtschaftlicher Beziehung stand, hatte er 12 Kinder, 4 Töchter und 8 Söhne, von denen sich die ersteren, Maria 1554, Hippolyta 1556, Anna 1557 und Beatrix 1563 geboren, alle in die reichsten Häuser Madrids verehelichten. Von seinen Söhnen sind Sigmund, Max und Franz erwähnenswerth, Anton aber starb schon im zartesten Alter.

Res gestae gentis Dietrichsteinianae, T. I., Olomucii 1621. – F. A. Edler v. Benedikt, Die Fürsten v. Dietrichstein in: Schriften des historischen Vereins für Innerösterreich, 1. Heft. – Berichte des Freiherrn Adam v. Dietrichstein, österreichischen Gesandten am Hofe Philipps II., an den Kaiser Maximilian II. von 1563–68 in: M. Koch, Quellen zur Geschichte des Kaisers Maximilian II.