ADB:Lange, Nicolaus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Lange, Nicolaus“ von l. u. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 648–650, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lange,_Nicolaus&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 05:57 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Lange, Martin
Nächster>>>
Lange, Reinerus
Band 17 (1883), S. 648–650 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Mai 2014, suchen)
GND-Nummer 102549478
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|17|648|650|Lange, Nicolaus|l. u.|ADB:Lange, Nicolaus}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=102549478}}    

Lange: Nicolaus L., älterer Bruder des bekannten Pietisten Joachim Lange in Halle (s. o.), wurde geboren am 11. Novbr. 1659 zu Gardelegen, wo sein Vater, Moritz Lange, Mitglied des Rathes war. In Gardelegen war zuerst Abraham Hinkelmann (vgl. Bd. XII, S. 460) sein Lehrer; hernach kam er auf die Schule in Magdeburg und, nachdem er krankheitshalber ein Jahr zu Hause war, auf die Schule zu Halle. Von hier bezog er im J. 1680 die Universität Jena, um Theologie zu studiren. Von hier vertrieb ihn die Pest; er ging wieder nach Gardelegen, wo er seinen schon genannten Bruder unterrichtete. Im J. 1683 kam er nach Magdeburg zu Christian Scriver, bei dem er wohnte und unter dessen Leitung er zwei Jahre lang seine Studien fortsetzte. Scriver veranlaßte[WS 1] ihn, sich im Jahre 1685 nach Hamburg zu begeben, um bei Esdras Edzardi (vgl. Bd. V, S. 350) seine hebräischen Studien fortzusetzen. Hier blieb er mit einer längeren Unterbrechung sieben Jahre. Er traf hier Hinkelmann wieder, genoß außer dem Unterricht Edzardi’s auch den der Professoren Ankelmann und Placcius und ließ sich unter die Zahl der Candidaten aufnehmen. Mit den Häuptern der Pietisten trat er nun bald in engere Verbindung; bei Winckler wohnte er und auf Hinkelmann’s Empfehlung erhielt er die Stelle eines Montagspredigers zu St. Nicolai, die er als unordinirter Candidat zu versehen hatte. Er begann nun Sonntags Nachmittags Katechismusübungen zunächst mit wenigen auf seiner Stube zu halten, die hernach, [649] als der Zudrang zu denselben größer wurde, auf einem Saale in einem Privathause gehalten wurden. Eine Berufung zum Schiffsprediger, die er im Frühjahr 1686 erhielt, schlug er auf Scriver’s Rath aus. Er ward um diese Zeit mit Eberhard Zeller, einem früheren Prediger zu Göppingen in Württemberg, bekannt, der damals in Hamburg privatisirte, dann auch bei Winckler wohnte und dessen Kinder unterrichtete; dieser verband sich mit ihm zur Haltung der Katechismusübungen. In ähnlicher Weise wirkten zwei Laien, Gottlieb Benjamin Gleyner und ein gewisser Becman, diese beiden wol schon mit sichtlicher Hinneigung zu sectirerischem und antikirchlichem Wesen. Im Februar 1689 wurden alle vier, wegen der Conventikel, die sie hielten, in eine Untersuchung gezogen; es wurden abseiten der Gerichtsherren und des Ministeriums Verhöre mit ihnen angestellt; es war die Zeit der beginnenden pietistischen Streitigkeiten. L. wurde von seinem Amt als Montagsprediger removirt; selbst seine Freunde unter den Pastoren, z. B. Horbius und auch Winckler, waren damals durch Gerüchte, die von ihm gingen, an ihm irre geworden; doch hat letzterer später ihm gestanden, daß er sich von seiner Unschuld völlig überzeugt habe. Um diese Zeit machte ihm ein reicher Kaufmann den Vorschlag, ihn auf einer Reise nach Holland zu begleiten; um den Angriffen seiner Gegner sich eine Zeitlang zu entziehen, nahm er das Anerbieten an. Sie kamen über Emden und Utrecht nach Amsterdam, wo L. die Bekanntschaft von Gichtel (Bd. IX, S. 147) und Uberfeld machte; Gichtel’s Wesen stieß ihn sehr ab, namentlich waren ihm sein Eigensinn und seine Eitelkeit sehr zuwider. Im Haag lernte er auch Breckling (Bd. III, S. 278) kennen. Nach etwa sechsmonatlichem Aufenthalt in Holland ward die Rückreise über Bremen und Lüneburg unternommen. Bei seiner Rückkunft nach Hamburg fand er seine Angelegenheit um nichts gefördert; eine Eingabe an den Rath, ihn wieder in seine Stellung als Montagsprediger einzusetzen, um so seine Unschuld anzuerkennen, hatte keinen Erfolg gehabt, und man schien auf allen Seiten die Sache in die Länge zu ziehen. Da entschloß er sich denn auf den Rath seiner Freunde, Hamburg zu verlassen. Er begab sich im April 1692 nach Berlin, wo er von Spener freundlich aufgenommen wurde; er unterrichtete hier junge Leute, unter denen auch kurfürstliche Pagen waren, in den Grundsprachen der Bibel, um sie so zum eigenen Forschen in der Schrift tüchtiger zu machen. Auf Spener’s Empfehlung berief ihn der schwedische Gesandte in Wien Graf von Horn am 7. Novbr. 1693 (st. n.) zum Gesandtschaftsprediger. Nachdem er in Berlin ordinirt war, trat er am 1. Weihnachtstage sein Amt an. Als der Graf von Horn im J. 1695 seine Stelle in Wien aufgab, war auch für L., obwol er dort eine gesegnete und anerkannte Wirksamkeit hatte, dort kein Bleiben mehr, weil der Nachfolger seinen eigenen Prediger mitbrachte. Er begleitete zunächst den Grafen von Horn auf seine Güter nach Pommern. Am 15. Octbr. 1695 ernannte ihn das Berliner Consistorium zum Pastor prim. in Derenburg bei Halberstadt; von hier kam er im Jahre 1705 als Superintendent nach Brandenburg, wo er am 29. Mai (einem Mittwoch, nicht am 19.) 1720 plötzlich am Schlage starb. An allen diesen Orten hat L. mit großem Eifer in seinem Amte gewirkt und sich überall durch seinen keine Menschenfurcht kennenden Muth und sein selbstloses Wirken dankbare Anerkennung erworben. Das bekannte Morgenlied: „O Jesu, süßes Licht, nun ist die Nacht vergangen“, das ihm mitunter zugeschrieben wird, ist wohl nicht von ihm, sondern von seinem Bruder Joachim gedichtet. Unter den wenigen von ihm veröffentlichten Schriften ist die Vertheidigungsschrift, die er für sich und Zeller dem Hamburger Rath einreichte, und die nach seinem Fortgang von Hamburg 1692 gedruckt wurde, hervorzuheben.

Eine sehr interessante Lebensbeschreibung Lange’s aus der Feder seines brandenburger Collegen, des Archidiaconus Georg Christian Adler, findet sich [650] in: Erdmann Heinrich Graf Henckel, die letzten Stunden einiger der evangelischen Lehre zugethanen … Personen, 3. Thl., (2. Aufl., Halle 1726), S. 87 bis 278. – Vgl. ferner Rotermund zum Jöcher, Bd. III, Sp. 1235. Lexikon der hamburgischen Schriftsteller, Bd. IV, S. 317–319; an diesen beiden Stellen sind auch seine Schriften genannt. – Geffcken, Johann Winkler und die hamburgische Kirche in seiner Zeit, Hamburg 1861, an mehreren Stellen, z. B. S. 240 ff. – Fischer, Kirchenliederlexikon, 2. Hälfte, S. 184.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: verananlaßte