ADB:Morgenstern, Christian

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Artikel „Morgenstern, Christian (Ernst Bernhard)“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 474–478, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Morgenstern,_Christian&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 03:50 Uhr UTC)
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Morgenstern: Christian (Ernst Bernhard) M., Landschaftsmaler, geboren am 29. September 1805 zu Hamburg, † am 27. Februar 1867 in München. Seine Kindheit und Jugend fiel in die Zeit der schwersten Bedrängnisse. Der Vater Karl Heinrich M. nährte die zahlreiche Familie durch ein kleines Krämergeschäft, daneben betrieb er auch Miniaturmalerei. Unsägliche Noth und Schrecken brachte der durch Marschall Davoust verhängte Belagerungszustand, der Hunderte von armen Bürgern aus der Stadt jagte, die obdachlos, ohne Aufnahme in Altona zu erhalten, mitten im strengsten Winter umherirrend, vor den Wällen und Thoren den Tod fanden. Morgenstern’s Familie wurde nur durch vieles Flehen und Bitten einflußreicher Verwandten gerettet. Inmitten dieses heillosen Wirrsals starb der unglückliche, längst schon kränkelnde Vater an einer beim Wachtdienst erlittenen Erkältung. Die Kinder mußten untergebracht werden; vor dem Handwerk rettete den schwächlichen Christian seine unabweisbare Vorliebe zum Zeichnen und Malen. So wurde der ganz verlassene Junge mit dem Tusch- und Malkasten des Vaters, seinem einzigen Erbstück, zu dem Maler Cornelius Suhr (s. A. D. B. XXXVII, 139) gebracht, welcher das infolge der Continentalsperre nicht mehr nahrhafte Geschäft der Zuckerbäckerei mit artistischen Beschäftigungen vertauschte, eine Spielkartenfabrik und Steindruckerei etablirte, in welcher M. die nachmals so culturhistorisch berühmt gewordenen Veduten, Trachten und Kostümfiguren des auch als Maler wohlbekannten Christoffer Suhr colorirte. Dieser hatte ein „Panorama von Hamburg“ construirt, womit er, seine „Ansichten“ fortwährend erweiternd und vermehrend, 1818 ganz Deutschland durchzog. So kam der junge M., der überall, wie ein Knecht beim Aufbau der Bude Hand anlegen, neue Aufnahmen und Packdienste um geringen Lohn bei schlechter Behandlung leisten mußte, in die Welt: er sah Aachen, Köln, Dresden, Berlin und Königsberg. Konnte er doch nebenbei manches zeichnen und malen! Eine neue Kunstreise führte ihn auf zwei Jahre nach Rußland (1822). Sechs Monate weilten sie in Moskau, wo M. confirmirt wurde, eine ähnliche Frist zu Petersburg; hier gewann er die besondere Gunst des damaligen Centralgouverneurs, des Fürsten Miloradowitsch, welcher ihm einen Erlaubnißschein ausstellte, überall in Rußland unbehindert zu zeichnen: dadurch sammelte der Künstler die verschiedensten Ansichten und Skizzen, die später in Privatbesitz kamen, aber beim Brande Hamburgs 1842 verkohlten.

Ernstere und gründliche Schulung fand M. erst bei Siegfried Bendixen, [475] in dessen Malerschule damals Otto und Erwin Speckter und der Lübecker Karl Julius Milde (s. A. D. B. XXI, 737) weilten; hier wurde er gleichfalls mit Felix Baron v. Rumohr bekannt, an welchem M. einen wahren Freund und Protector gewann. Von anregenden Elementen umgeben und gefördert, erwarb M. mit einem „Eichen am Sumpf“ betitelten Bilde das Averhoff-Stipendium, welches ihm ermöglichte, zuerst in Holstein auf Ruhmor’s Besitzung Trenkhorst und dann in Norwegen gründliche Studien zu betreiben. Mit diesen im Ränzchen kehrte er von langer Wanderung 1827 nach Kopenhagen zurück, um an der Akademie 1828 seine vollständige Ausbildung bei Lundt und Möller zu erreichen. Mehrere Bestellungen des Königs und Kronprinzen von Dänemark machten neuen Muth. Ende December 1828 schloß sich diese erfahrungsreiche Lehrzeit. Nach längerem Schwanken über den Ort seiner folgenden Thätigkeit entschloß er sich auf Bendixen’s und Rumohr’s Rath, sein Glück in München zu suchen. Im Januar 1830 kam M., wieder das Ränzchen am Rücken, einen hoffnungsvollen Frühling im Herzen und einen ganzen Dukaten in der Tasche, in die von norddeutschen Künstlern so freudig und verheißungsvoll begrüßte bairische Hauptstadt. Dabei geleitete ihn freilich auch die sichere Aussicht, das Averhoff’sche Stipendium noch ein weiteres Jahr genießen zu können. Mit dieser Hülfe unternahm M. den ersten Ausflug nach Berchtesgaden, Salzburg, Golling, Lofer, nachdem er sich durch ein Bild „Partie aus der Lüneburger-Heide“ im Kunstverein introducirt hatte (dasselbe kam in Besitz des Baron v. Freiberg); eine Wiederholung seiner früheren (1827) an ein Moor gelagerten „Eichen“ erwarb der auch als Maler bekannte General Heideck (s. A. D. B. XI, 295), wodurch ihm neue Gönner und Freunde erwuchsen, darunter die Maler H. Bürkel und Heinlein, Eugen Neureuther, der Dresdener Heinrich Crola (s. A. D. B. XLVI, 563), der treue Daniel Fohr nebst dem schon in Kopenhagen engverbundenen Norweger Knud Baade (s. A. D. B. XLVI, 150). Am meisten fühlte sich M. angeregt von Karl Rottmann, welcher 1835 aus dem sonnigen Süden nach München kam, obwol beide gleich ideal angehaucht und begeistert in ihren artistischen Bestrebungen als parallele Naturen sich nie durchkreuzten: jeder dieser Dioskuren ging selbständig, neidlos und unbeirrt auf eigener Bahn nach den höchsten Zielen weiter. Rottmann (s. A. D. B. XXIX, 395) schwelgte im rhythmischen Schwung des in Farben und Linien dahinfließenden Wohllauts, während M. die elementare Gewalt der Natur in ihrer realistischen Erscheinung festhielt und stimmungsvoll zur Sprache brachte: jeder in seiner Weise ein feuriger, wohlberedter Dichter. Dem classischen Rottmann gegenüber lehnte sich M. an die Niederländer mit ihren weithin gestreckten und von reichbewegten Wolkenzügen übersponnenen Ebenen und Seeküsten. Seine Bilder mit den Motiven aus der Lüneburger Haide und auch der nächsten flachen Umgebung Münchens hatten den Reiz der Neuheit und öffneten in „Neu-Athen“ den Blick für die nahe liegende Schönheit. Erst die Norddeutschen Albert Zimmermann mit seinen Brüdern, Morgenstern, Stange (s. A. D. B. XXXV, 439), Langko leiteten von Polling und dem bald darauf entdeckten Dachau den Blick nach der altbairischen Alpenkette und begannen den landschaftlichen Päan für die Berge, in welchen Adolf Lier, Eduard Schleich und seine Freunde einstimmten. Während die neue „Malerschule von Dachau“ sich mit Adalbert Stifter’s Feinblick in das entzückende Detail der Moore und Wälder vertieften, erschlossen die durch Dillis, Wagenbauer und Dorner schon vorbereiteten Landschafter die titanenhafte Grandiosität der Alpen mit ihren Dolomiten, Felsstürzen, den aus zerklüfteten Schluchten rauschenden Wasserfällen, die sie an ihre nordische Heimath erinnerten. Es war dasselbe jubelnde Entzücken, womit einstmals die Cimbern über die Kuppen und Schneefelder des Brenner fuhren!

[476] Mit staunender Freudigkeit durchstöberte M. die Bergriesen Baierns und Tirols, deren starre Felswände mit den sich durchdrängenden Wassern an Schweden und Norwegen gemahnten. Stand ja doch auch der nach Italien wandernde Ludwig Richter vor dem riesigen Watzmann, dessen Abbild er nach Rom mitnahm und dort zuerst auf die Leinwand bannte: den deutschen Riesenberg malte er als erstes Bild an der Tiber! Alle Eindrücke concentrirte auch M. in einer urweltlichen, von Tannen bekränzten und von tobenden Wassern durchbohrten Schlucht in ein Bild von entsprechender Klafter-Höhe und Breite, welches der Herzog von Cambridge nach Hannover und England entführte. M. hatte dazu einen gleich großen Carton gezeichnet – ein Beispiel, wie gewissenhaft damals diese Herren nach dem Vorgang der „Historienmaler“ ihre Stoffe bearbeiteten – er inscenirte ihn nachmals sogar in Farbe und verschenkte das Unicum an Daniel Fohr. Die gefeiertsten Schöpfungen unserer jüngsten Zeitgenossen würden heutzutage in den Augen dieser „alten Zöpfe“ kaum als flüchtige „Untermalung“ gelten. Die große „Landschaft aus dem nördlichen Deutschland mit der Fernsicht auf das Meer“ erregte schon die Aufmerksamkeit des Stuttgarter „Kunstblatts“ (1834, S. 206) und August Lewald’s schöngeistiger Zeitschrift „Panorama von München“ (1835 II, 32 ff.). Die Kunsthistoriker ließen M. nicht mehr aus den Augen, noch weniger die damals schon blühenden Kunsthandlungen „Wimmer“ und „Bolgiano“, welche nach Albion und Amerika seine Werke versendeten. M. wiederholte selbe zwar öfters, copirte sich aber niemals; es waren immer weitere Nachdichtungen in neuer Stimmung und Beleuchtung.

Seit 1836 erschloß sich für M. das heitere Elsaß. Die befreundete Familie des Generallieutenants v. Weber, deren Nichte Therese v. Weber (siehe A. D. B. XLI, 355) M. zu einer Malerin bildete, lud ihn auf ihr Gut in Rappoldsweiler. Hier gastete er auch bei der Familie Stubberg. Die „Felsige Haide bei S. Hippolyt am Fuße der Vogesen“ hatte es ihm angethan, daß er noch drei Mal in das gesegnete Land wiederkehrte und neue Stoffe für seine Schöpfungen sammelte, die durch kunstsinnige Briten rasch nacheinander erworben wurden, dazu eine „Fischerhütte am stillen Wasser unter mächtigen Bäumen“, ein „Mondaufgang an der Elbe bei Hamburg“ und ein „Waldausgang an der Lüneburger-Haide“. Letzteres Motiv radirte er in der schon bei Bendixen erlernten Technik („Brücke bei Feigum in Norwegen“ 1828; vgl. Andresen, Die deutschen Maler-Radirer des XIX. Jahrh., 1867. II, 221 bis 249 und Maillinger, Bilder-Chronik, 1876. II, 3254 ff.; die ganze Serie in der Münchener „Graphischen Sammlung“).

Alljährlich erweiterte M. durch neue Studienreisen das Territorium seiner Kunst, nach Tirol, den Bodensee und der Schweiz, dann 1839 den Rhein entlang nach Köln, weilte zu Düsseldorf, überwinterte in Hamburg bei seiner geliebten Mutter, kehrte im Frühling 1840 nach seiner zweiten Heimath München zurück, wo er mit dem mäcenirenden russischen Oberst Barischnikow verkehrte, der schon mehrere Bilder Morgenstern’s besaß und nun auch die Landschaft mit dem „Zemgrund“ aus dem Zillerthal (gleichfalls in eigener Radirung nachmals in Lützow’s Zeitschrift 1872, VII, 133 und in Farbenlithographie von Fr. Hohe vervielfältigt) erwarb; 1842 erfolgte Morgenstern’s Aufnahme als Ehrenmitglied der Münchener Akademie, welcher sich noch weitere Auszeichnungen von Berlin u. s. w. anreihten. Im Herbste begann mit Eduard Schleich und dem lustigen Jos. Petzl (s. A. D. B. XXV, 545 ff.) ein längerer Abstecher nach Venedig, welcher, wie es scheint, außer einem einzigen Bilde (1849), keine weitere Ausbeute ergab. Ende 1844 gründete M. ein längst ersehntes Heim mit Luise v. Lüneschloß aus Mannheim. [477] In den folgenden Jahren verlegte M., welcher sich in der Bayernstraße in nächster Nachbarschaft mit Bernhard Stange, Erich Correns (siehe A. D. B. XLI, 355), Steffan (1815–1905) und Anderen ein Atelier etablirt hatte, seine Sommerfrischen nach Murnau, Brannenburg und dem liebgewonnenen Starnbergersee, über dessen Spiegel jene zauberischen Mondnächte zogen, welche ihm die Erinnerungen an seine ausgedehnten norddeutschen Ebenen am Elbestrand und der Seeküste wachriefen. Zu den herrlichsten Leistungen begeisterte ihn ein Aufenthalt in Helgoland, wo ein gütiger Zufall alle die Schrecken des empörten Meeres in einem dreitägigen Seesturm mit Schiffbruch vor Augen führte, aber auch die majestätische Schönheit des in ruhiger Pracht gelagerten silbernen Wellenspieles. Was er daraus zurückbrachte mit den von unsäglicher Wirkung umflossenen Wolkenspielen der von Mondlicht und Nebelzügen verklärten, „Das Wrack“, „Piratenschloß“ betitelten Bildern, wozu sich noch die epische „Strandpartie“ mit den zerklüfteten, steilabfallenden Felsenmauern an der Westspitze dieser Insel gesellte (aus dem „König-Ludwig-Album“, lithographirt von J. G. Steffan), zählt zu den unvergänglichen Perlen seiner dichtenden, den Beschauer ganz gefangennehmenden Muse, welche freilich an Knud Baade einen congenialen Vorgänger hatte. Stange, E. Schleich, Lichtenheld, Lier und Jos. Schertel schlossen sich in erfreulicher Folge an und schwuren alle auf seine Palette, insbesondere als M. seit 1853 sein Sommerzelt in dem hochgelegenen, die weiteste Fernsicht beherrschenden Dachau aufgeschlagen hatte.

Alle Galerien wetteiferten um seine Werke: Berlin, Dresden, Frankfurt, Wien und München; letzteres besitzt in der Neuen Pinakothek einen „Seesturm“ (1836), eine Erinnerung „Aus dem Elsaß“ und die „Mondnacht in Partenkirchen“ (1864); die Schack-Galerie „Ansicht von Villafranca“, „Tasso’s Haus bei Sorrent“ (1861) und eine „Küste von Capri“ (1862).

Anbei folgt eine nur oberflächliche Auswahl seiner Werke: 1825 entstand die „Aussicht von den Hügeln der Hannoverschen Haide auf die Elbe bei Harburg“, 1826 und 1831 „Waldgegend mit alten Eichen an einem Moor“, 1827 Der Hongfoß (Wasserfall) im Amte Modum (Norwegen) für Prinz Christian von Dänemark (wiederholt für den Fürsten Thurn und Taxis in Regensburg), 1828 Partie am Ilsenstein im Harz; „Gegend bei Wigersund in Norwegen (für Prof. Lund) und „Norwegische Seeküste“ (für Prof. Möller in Kopenhagen), „Felsiger Saumweg in Norwegen“; 1830: Partie aus der Lüneburger Haide; Sumpf mit alten Eichen nach Sonnenuntergang; 1831: Isar bei Wolfrathshausen; Isarthal zwischen Tölz und Lengries; 1832: „Schiffbruch an der Norweg’schen Küste“; Erinnerungen aus Starnberg, Schliersee, an die Hamburger Rhede und „Seesturm“; 1833: Aussicht über den Bodensee bei Bregenz (Baron Lotzbeck); Wilde Gebirgsschlucht mit Bären; 1834: „Der Säntis und das Rheinthal“; Wasserfall in den Vogesen; „Mondaufgang an der Elbe“ (Baron Schweitzer; wiederholt 1842 und 45); Kieferwald in Norwegen; Eichen bei Königsdorf; 1836: Schloßruine und Städtchen Rappoldsweiler im Elsaß bei Abendnebel; Mühle im Thal; Frühling im Elsaß; 1838: Rheinfall bei Schaffhausen (Lithographie von Fr. Hohe 1839); Motive an der Isar und „am Fall“; 1843: Abenddämmerung; 1846: Vom Staffelsee; 1848: Waldinneres bei Starnberg; 1849: Mondaufgang über dem Meer bei Venedig; Hammerschmiede in Tirol; Stillupbach im Zillerthal; Wasserfall aus Tirol; „Morgen in Starnberg“, bei Murnau (Graf Rechberg); 1850: die Küstenbilder von Helgoland; an der Elbe; bei München; Sonnenuntergang; 1853: Herbstnachmittag am Fuß der Alpen bei Murnau; Steinbruch bei Polling und das Pollinger Moor; 1854: Große [478] Buchengruppe auf den Höhen Starnbergs (Fürst Thurn und Taxis und 1864 Dr. Lappenberg in Hamburg); 1854: Düne bei Helgoland; Baumgruppe bei Esting (Prinz Karl von Baiern) u. s. w. Kein Dichter oder Maler „reist Incognito“; was derselbe erblickt, kleidet sich in Schönheit; denn der „lustige Frühling weiß es gleich, wer Frühling ist in seinem Reich“ (Eichendorff). Das war auch Morgenstern’s Programm. Nur der Philister zählt nach Eisenbahnstationen und Bierkellern. „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den führt er durch die weite Welt.“ So hat M. in Nord und Süd überall nur das Schöne geschaut und mit seiner feinempfundenen, großzügigen Kunst festgehalten in der Freude seines edlen Herzens und zum Trost der verständigen Zeitgenossen und langen Nachwelt. Quid plura? Auf ein weiteres Aufzählen seiner Bilder kommt es hier nicht an, sondern auf das volle Erfassen seiner Eigenart und deren nachhaltige Wirkung. „Jeder Ton aus reiner Kehle“ kann nicht verhallen, möglicherweise überschrieen werden in der zeitweise mißtönigen Symphonie alles menschlichen Wechsels. Ein bloßes Abwägen mit Anderen bleibt immer vom Uebel.

Morgenstern’s Gattin starb am 8. Juni 1874. Sein einziger Sohn Karl M. (geboren am 14. September 1847) bildete sich unter Jos. Schertel, Th. Kotsch und Ed. Schleich; er bekleidet seit 1884 eine Professur an der Kunstschule zu Breslau.

Eine Ausstellung von Morgenstern’s Werken veranstaltete die National-Galerie Berlin 1881, ebenso 1905 die Graphische Sammlung in München am hundertsten Geburtstag des Künstlers, wobei auch das Grab im Südlichen Campo Santo im Blumenflor prangte und die Presse insgesammt in gebührender Weise des Künstlers gedachte.

Vgl. Raczynski 1840. II, 374; III, 234. – Hamburger Künstler-Lexikon. 1854, S. 171. – Die Nekrologe in Nr. 64 der Bayer. Zeitung v. 5. März 1867, Beil. 64 d. Allgemeinen Zeitung 1867, Kunstvereins-Bericht f. 1867, S. 65. – Fr. Pecht in Lützow’s Zeitschrift 1867. II, 80 und die „Erinnerungen an Morgenstern“ ebenda 1872. VII, 128–37. – C. A. Regnet, Münchener Künstlerbilder, 1871. II, 40–51. – Fr. Pecht, Gesch. d. Münchener Kunst, 1888. S. 162. – A. Rosenberg, 1894. III, 129. – Fr. v. Bötticher, 1898. II, 74 ff.