ADB:Schlick, Kaspar

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Artikel „Schlick, Kaspar“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 505–510, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schlick,_Kaspar&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 02:30 Uhr UTC)
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Schlick: Kaspar S., geboren vor 1400, † 1449, 5. Juli in Wien, Staatsmann. Die Herkunft und älteste Geschlechtsfolge der Schlick’s bleibt fraglich und lückenhaft. Den neuesten Untersuchungen zufolge dürften sie zunächst als „Slicher“ in der Gegend von Oelsnitz und Plauen (im heutigen Königreich Sachsen) heimathsässig gewesen sein. Die Urkunde von 1250 (Stiftbrief der Gebrüder Heinrich v. Plauen und Heinrich v. Gera für den deutschen Orden im deutschen Hause zu Plauen) verzeichnet als letzten der genannten Zeugen einen Godefried Slicher, der aber 1263 bereits als „Herr Godefried Slicheren“ auftaucht. Seit 1266 ist das Prädicat „von Lasan“ nachweisbar, das auf „Ober-Lasan“ zwischen Oelsnitz und Plauen, nicht aber, wie gemeinhin angenommen wurde, auf das egerländische Lasan (Lazan) zu beziehen wäre. Hiemit fiele ihre ursprüngliche Seßhaftigkeit im Egerlande. Die Schlick’s scheinen dann nach Adorf im Plauen’schen Bezirke übersiedelt zu sein, und von hier wandten sie sich theils nach Eger, theils nach Wunsiedel. Von den zu Eger seßhaft gewordenen Schlicken erscheint seit 1394 Heinrich in den Stadtbüchern von Eger als der Namhafteste, da er, ohne daß wir über den Sachverhalt näher unterrichtet sind, Gatte einer hochadeligen Italienerin, Konstanze, Tochter des Grafen v. Collalto, vormals Markgrafen v. Treviso, wurde. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne: Niklas, Kaspar, Matthäus, Heinrich und Franz hervor. Die Zukunft des Geschlechts begründete der Zweitgeborene, dessen Geburtsjahr fraglich bleibt, der aber vor seiner Mündigkeit bereits von der Stadt Eger abwesend gedacht werden muß, da er in den Losungsbüchern der Stadt nicht vorkommt. [506] Eberhard v. Windeck, sein Zeitgenosse, bezeichnet ihn ganz richtig als „Bürgerssohn von Eger“;“ niemand habe je gehört, daß eines Bürgers Sohn zu deutschen Landen so mächtig geworden. Ein zweiter, jüngerer Zeitgenosse, der Schützling und Vertraute des nachmals so mächtigen kaiserlichen Kanzlers, Enea Silvio, sagt von ihm in seiner Hist. Bohemiae (Cap. 53), wo von den bei König Sigismund’s Tode (1437, December) Anwesenden die Rede ist: „Unter diesen war der Vordermann Slick, Sohn einer italienischen Mutter, aus dem Geschlechte der Grafen v. Collalto im Gebiete von Treviso, und eines deutschen Vaters, Sprößling der Familie Lazan in Franken, von gewandtem Geiste, angenehmer Beredtsamkeit, ein Verehrer der Wissenschaft, zu allem, was immer er unternahm, geboren. Ihn hat Glück und Tüchtigkeit derart emporgehoben, daß er, was früher unerhört war, der Kanzlei dreier einander folgenden Cäsaren vorstand und einer von den Fürsten Schlesiens sich nicht weigerte, ihm seine Tochter zur Ehe zu geben. Sigismund verlieh ihm (S.) Eger und Elbogen und andere Städte in Franken, Albrecht (II.) in Ungarn Holitsch und Weißkirchen (s. darüber w. u.), Friedrich (III.) Gräz in Oesterreich (fraglich). In der That war er ein erfinderischer Geist, von besonderer Güte des Wesens, wodurch er befähigt wurde, bei so vielen in ihren Gewohnheiten grundverschiedenen Kaisern in gleicher Gunst zu bleiben. Wir (Aeneas Sylvius) genossen am Hofe König Friedrich’s seine Freundschaft, und was wir erreichten und was wir wissen, wie gering es auch ist, erlangten wir durch seinen Beistand. Die Zuwendung des Bisthums Triest, womit die übrigen Würden ihren Anfang nahmen, hat er zunächst veranlaßt. Er starb zu Wien am Schlagflusse und wurde neben seiner Gattin bei den Karmelitern bestattet“.

Ueber das Vorleben Schlick’s sind wir äußerst mangelhaft unterrichtet. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß er sich die wissenschaftliche Bildung, welche Enea Silvio betont, vor seinem Eintritt in die kaiserlichen Dienste (1416), zunächst vielleicht im Hause der Mutter und dann wahrscheinlich zu Bologna holte. Man setzt überdies die Studien Schlick’s in Italien mit der Person des den Collalto’s befreundeten, namhaften Kanonisten, Zabarella, eines der beiden Cardinallegaten Papst Johannes XXIII. am Constanzer Concil, in Verbindung, und diese Bekanntschaft konnte ganz gut dem jungen S. den Weg zum Könige als Protector der Kirchenversammlung ebnen. Den Zeitpunkt seines Eintrittes in die Dienste Kaiser Sigismund’s, des Luxemburgers, verzeichnet Eberhard Windeck ziemlich genau; er schreibt: „Kaspar Slik war zu dem Kaiser (Sigismund) kommen, da man schrieb tausend vierhundert und XVI Jahr“ und erwähnt, daß er in den Kanzleidiensten von dem Agramer Bischofe (Eberhard, 1410–1419), „einem von Ellenbogen (in Böhmen) oder Sulzbach (Ostfranken)“ unterwiesen wurde. Die Angabe, daß er in der Constanzer Kirchenversammlung die Rolle eines Warners vor der Verurtheilung Hussens gespielt, entbehrt jeder Begründung, wol aber eroberte K. S., der schöne, gebildete, beredte und lebenslustige Jüngling, alsbald die Gunst Sigismund’s, die von solchen Eigenschaften rasch gewonnen war, wie dies schon sein Wappenbrief vom 13. August 1416 für Heinrich und Kaspar, Vater und Sohn, beweist.

S. gab dem Könige das Geleite von Constanz nach Narbonne und Perpignan, woselbst die Unterhandlungen mit König Ferdinand von Arragon und dem einen der drei vom Concile abgesetzten Päpste (Benedict XIII. – de Luna) über die freiwillige Abdankung des Letzteren gepflogen wurden, zurück nach Narbonne, sodann nach Paris und London, Canterbury, zurück nach Calais und von hier über die Niederlande wieder an den Ort der Kirchenversammlung.

Die Hussitenkriege eröffneten eine bewegte, für das Emporkommen eines den Kanzleigeschäften und diplomatischen Aufgaben ganz gewachsenen Mannes, wie [507] ein solcher S. war, geeignete Zeit. Einen wesentlichen Antheil hatte dieser an der Heirath der einzigen Tochter und Erbin Sigismund’s, Elisabeth, mit Herzog Albrecht V. von Oesterreich, Markgrafen von Mähren, welche am 19. April 1422 in Wien vor sich ging. Hier wurde auch, am 16. Juli 1422 die Erhebung Schlick’s in den Reichsfreiherrnstand vollzogen. Seit 1427 begegnet uns in den Reichstagsacten der Name Schlick’s als Kanzler immer häufiger. Er blieb dem König Sigismund zur Seite, als dieser im September 1427 zu Griechisch-Weissenburg (Belgrad) weilte, 1428 (März) nach Tornau in Oberungarn, im August d. J. nach „Temesburg“ (Temesvár) reiste. 1429 im März und April finden wir ihn zu Preßburg, woselbst die wichtigen, aber erfolglosen Verhandlungen mit den Häuptern der Hussiten stattfanden. Von hier schrieb er (2. Juli) an den Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg über diese Angelegenheit. Auch die Geschäfte des allda im December 1429 stattgehabten deutschen Reichstages, in welchem Kaiser Sigismund über einen Landfrieden handelte, um freie Hand wider die Hussiten zu haben, liefen durch seine Hände. 1430 im Herbste befand sich S. auf dem Nürnberger Tage mit seinem Gebieter. Damals widmeten die Nürnberger dem Kanzler 40 und abermals 150 Gulden als „Erung“, und die Regensburger stellten sich auf dem neuen Convente zu Nürnberg (1431, Februar März) mit 20 Gulden rh. als Gabe an den Kanzler ein, der Geschenken nicht unzugänglich war. Im Spätjahre 1431 trat König Sigismund die lange aufgeschobene Romfahrt an; zunächst erschien er in Mailand, wo am 25. November die Krönung mit der Krone der Lombardei stattfand; hierauf bewegte sich der kaiserliche Hofstaat nach Mittelitalien und blieb in Siena volle neun Monate, zur Zeit als das unfruchtbare Bologneser Concil tagte. Sein Geleitsmann und Vertrauter, K. S., machte hier die Bekanntschaft einer schönen Frau, und dieses verbotene Liebesverhältniß bot nachmals seinem Schützling und Verehrer Enea Silvio Piccolomini (später Papst Pius II.) den Stoff zu dem bekannten erotischen Romane: „Amores Euryali et Lucretiae“, der, bald auch verdeutscht, dem „Kaspar Schlick, Herrn v. Neuburg (Skalitz)- Kaiserl. Kanzler etc.“ (Wien, 5. Juli 1444) vom Verfasser gewidmet erscheint, und in der Person des Euryalus Kaspar Schlick als beglückten Liebhaber der senesischen Ehefrau vorführt, welcher das Herz brach, als ihr Cavalier Siena verlassen mußte.

Das Jahr 1433, welches noch bis zum Mai Kaiser Sigismund in Siena verlebte, führt uns S. bereits als obersten Kanzler der kaiserlichen Kanzlei vor. 1431, den 21. August hatte ihm sein fürstlicher Gönner als mütterliches Erbe die Burg und Stadt Bassano (Passaun) verliehen, wodurch das vornehmste Prädicat Kaspar Schlick’s, Graf v. „Passaun“, seine Erklärung findet. Den 4. April 1433 sandte König Sigismund seinen Oberst-Kanzler mit dem Dalmatiner Talowec (Thallóczy), einem der Günstlinge Kaiser Sigismund’s unter den ungarischen Magnaten, an Papst Eugen IV., um mit diesem über die Angelegenheiten der Kaiserkrönung Rücksprache zu nehmen. Sie fand dann zu Rom den 31. Mai d. J. statt. Als Kaiser Sigismund nach einem beinahe zweijährigen Aufenthalte in Italien heimkehrte, ging die Hussitenfrage ihrer letzten Phase entgegen; den Verhandlungen mit der Basler Kirchenversammlung folgte 1434 die blutige Auseinandersetzung zwischen der mit den Katholiken sich verständigenden gemäßigten und der extremen Partei des hussitischen Böhmens, der Sieg der ersteren und die Wiederaufnahme des kirchlich-politischen Ausgleiches, der die Anerkennung des böhmischen Königthums Sigismund’s und den kirchlichen Frieden durch die sogenannten Basler Compactaten betraf. In diesen Angelegenheiten spielte S. als Vertrauensmann Sigismund’s eine wichtige Rolle. So gelang es seiner Geschicklichkeit, auf dem Prager Tage (21. September 1435) alle Schwierigkeiten zu ebnen. Die Stuhlweissenburger Verhandlungen liefen vorzugsweise [508] durch seine Hände. Bei dem Gelöbnisse Sigismund’s zu Gunsten des mit den Böhmen abgeschlossenen Vergleiches war er neben Erzherzog Albrecht von Oesterreich und dem Graner Primas anwesend. Als dann 1436 (Juni–August) Kaiser Sigismund zu Iglau verweilte, woselbst die böhmische Frage ihre endgültige Lösung fand, und es sich um die Herbeischaffung der von dem Luxemburger in Ungarn verwahrt gehaltenen Krone und Reichskleinodien handelte, wurde S. am 25. Juli dahin entsendet und kam den 10. August d. J. mit den ihm anvertrauten Abzeichen des böhmischen Königthums zurück. Als dann Kaiser Sigismund nach Prag zog, gab ihm S. dahin, sowie nach Kuttemberg und Eger das Geleite. Er blieb dem kränkelnden Herrscher zur Seite, als dieser den Weg nach Mähren einschlug, um noch Ungarn zu erreichen, und in Znaim von tödtlichem Siechthum befallen wurde. Sigismund ließ durch S. die Tochter und den Schwiegersohn zu sich entbieten; ihn und Hartung v. Kluks sandte er Ende November an die Stände Oesterreichs ab. Als der letzte Luxemburger starb (9. December 1437), war S. ein Zeuge des letzten Willens Sigismund’s und traf die nothwendigen Anordnungen nach dem Ableben des Herrschers. Er und seine Brüder hatten in Kaiser Sigismund den freigebigsten Gönner und befreundeten Gebieter verloren, der es weder an Ehren noch Vergabungen in der Form gewinnreicher Pfandschaften fehlen ließ. 1433 (18. Juli) ertheilte ihm der genannte Herrscher eine Wappenverbesserung, bald darauf (8. August) das große Palatinat (desgleichen auch an Heinrich und Matthäus S.), 1434, 27. Januar erlangten sämmtliche Brüder gleich ihm die Erhebung in den Freiherrnstand und eine der letzten Handlungen des verstorbenen Kaisers war (1437, 30. October) die Erhebung seines Oberkanzlers zum „Reichsgrafen“ von Passaun (Bassano). – Andrerseits hatte ihm Sigismund die Pflegschaft oder Burggrafschaft von Eger (1430, 1432, 1434) in Pfandbesitz verliehen, desgleichen Falkenau und (1434) insbesondere die Pfandherrschaften: Elbogen, Engelsberg, Schlackenwerth und Liechtenstadt im Egerlande, wodurch der Großgrundbesitz der Familie Schlick allhier begründet erscheint.

Damals war bereits S. verehelicht. Er heirathete 1437 Agnes, die Tochter des Herzogs Konrad „Kanthner“ von Oeles und Wohlau, die vor ihm, 1448 starb. Die angebliche zweite Ehe mit Therese „Gräfin“ Collalto ist eine müßige Erfindung (vgl. Grotefend, Stammtafeln schles. Fürsten, Breslau 1875, III. Th. S. 6).

Auch sein neuer Gebieter Albrecht V., als deutscher König der II. dieses Namens, war ihm bestgewogen, da er die Dienste Schlick’s hoch anschlug. Auf dem Prager Wahllandtage (26. December 1437) glänzte S. durch eine eindringliche und geschickt angelegte Rede; die Wahl des Habsburgers zum ungarischen (Januar) und zum deutschen Könige (Februar 1438) beschäftigte ihn vollauf. Zum Nürnberger Tage, 1. Juni, wurde er entboten, und im August, als es sich darum handelte, die Krone Böhmens wider die antihabsburgische Partei und den jagellonischen Nebenbuhler zu vertheidigen, fand sich S. mit den Elbogenern und Egerländern zu Prag ein. Ebenso war er bei der Friedenshandlung zu Breslau und Preßburg anwesend und an den Erklärungen der deutschen Krone, in Hinsicht der Neutralität dem Basler Concil und Papst Eugen IV. gegenüber wesentlich betheiligt. Die reichen Geldmittel des der Habsucht zuneigenden Kanzlers ermöglichten die pfandweise Erwerbung der großen Burgherrschaft „Weißkirchen“ oder Neuschloß, d. i. Skalitz im oberen Waagthale Ungarns. Die erstere Bezeichnung „Weißkirchen“ führte S. fortan in seinem Grafentitel neben dem Prädikate „Passaun“ (Bassano). Für 20000 Goldgulden, welche Kaiser Albrecht seinem Kanzler schuldete, war der Hubmeister Eiczinger eingestanden.

[509] Die letzte Phase des staatsmännischen Lebens Kaspar Schlick’s fällt in das erste Jahrzehent der Regierung des Habsburger Kaisers Friedrich III. (1440 bis 1449). Für seine Geltung und den Umstand, wie durch Gegeneinflüsse dieselbe später untergraben wurde, bietet die wichtigsten Aufschlüsse die Briefsammlung seines jüngeren Amtsgenossen und Freundes, Enea Silvio de P., welcher 1. November 1442 als königl. Secretär in die Kanzlei Friedrich’s eintrat. „Du weißt selbst am besten, wie viel beim Könige der ansehnliche Kaspar Schlick vermag; ist der mit Euch, so braucht Ihr Niemand Anderen zu fürchten“, – schrieb Enea Silvio an den Eugenianer Peter v. Noxeto. Dem Kurfürsten von Trier, Jakob, war es eben nicht gelungen, durch sein Reichskanzleramt den königlichen Kanzler S. zu verdrängen (1440). Ja, dieser erhielt nach der Rückkehr Friedrich’s aus Florenz (Spätjahr 1442) die Leitung der deutschen Geschäfte zugewiesen und lenkte sie immer mehr zu Gunsten der Sache des Papstthums. Auf dem Nürnberger Convente vom Jahre 1443 war S. der Stellvertreter Königs Friedrich, zu einer Zeit, da die Schwierigkeiten mit der Vormundschaft des Letztgenannten über Sigmund von Tirol und Ladislaus Posthumus von Oesterreich, Ungarn und Böhmen, und die Zwistigkeiten mit den Grafen von Cilli wuchsen. „Dich begehren die Sachen an der Etsch, die mit den Cilliern und die in Ungarn und Böhmen“, heißt es in dem Briefe Enea Silvio’s an den abwesenden Kanzler. S. war die Seele der Verhandlungen mit dem Wahlkönige der antihabsburgischen Partei in Ungarn, König Wladislaus II. von Polen. Im September 1445 begab er sich mit Ladislaus Gara und Ulrich Grafen v. Schaunburg nach Oedenburg, um den reichsten Magnaten Ungarns, Niklas Ujlaki, zur Reise nach Wien und zur Anerkennung des ungarischen Thronrechtes Ladislaus Posthumus’ zu bewegen. „Niemands Worte vermochten diesen so zu bewegen. als die Kaspar’s (Schlick’s)“ – heißt es in dem bezüglichen Schreiben Enea Silvio’s – „denn Ujlaki kannte seinen Einfluß aus den Zeiten Sigismund’s und Albrecht’s und seine Stellung ersten Ranges“. – S. war allerdings von dem Thron- und Bürgerkriege Ungarns selbst in Mitleidenschaft gezogen, da seine Herrschaft Skalitz (Weißkirchen) von dem räuberischen Gewaltherrn im Waagthale, Pongracz v. Berenth oder Sz. Miklós, hart mitgenommen wurde. Dies erhellt aus Schlick’s Schreiben vom Jahre 1444 an den Bischof von Großwardein. – Bei den Wiener Unterhandlungen (vom Herbste 1445) mit den ungarischen Magnaten über die Aenderung des Thronrechtes Ladislaus Posthumus’ tritt S. neben Graf Ulrich II. v. Cilli in den Vordergrund. Ebenso spielte er eine Hauptrolle bei dem Plane des Herzogs von Burgund, seinen Thronfolger, den Grafen von Charolais (Karl den Kühnen) mit Elisabeth, einer der beiden Schwestern Ladislaus Posthumus’, zu vermählen. S. scheint in dieser Richtung dem burgundischen Hofe weitgehende Zusagen gemacht zu haben, doch behauptete die polnische Werbung das Feld. 1446 wurde S. mit Graf Ulrich v. Cilli, Eiczinger u. a. an den Gubernator Hunyadi abgesendet, um ihn zum Rückzuge von Wien zu bewegen; er stand 1447 an der Spitze der königlichen Botschaft, welche nach Mailand abging. Ebenso hatte er im Frühjahr 1447, als der Korneuburger Landtag stattfand, im Namen des Habsburgers Friedrich über die Verhandlungen mit den Ungarn berichtet und die Weigerung des Königs, sein Mündel Ladislaus Posthumus den Oesterreichern auszuliefern, begründet.

S. hatte sich seit 1442, wie bereits oben angedeutet, in der deutschen Kirchenfrage dem Papalismus zugewendet. Das interessante „Fünfgespräch“, der Pentalogus Enea Silvio’s vom Jahre 1443, worin König Friedrich, Bischof Nikodem von Freising, Bischof Sylvester von Chiemsee, Kaspar S. und Enea Silvio redend eingeführt werden, fällt in diese Zeit der entschiedeneren [510] Wendung der Kirchenpolitik des Habsburgers und bietet dem Verfasser Gelegenheit, die Vielerfahrenheit des Staatsmannes S. zu rühmen.

Das Vertrauen Friedrich’s besaß S. nie in dem Grade wie das seiner beiden Vorgänger im Reiche. Immerhin behauptete er noch geraume Zeit seinen Einfluß. Seine Gegner, die „steiermärkische Weisheit“, wie Enea Silvio ironisch die Vertrauten des Habsburgers: Ungnad, Zebinger und Neidberg nennt, untergruben immer mehr Schlick’s Stellung. Enea Silvio erzählt in seinen Commentaren zu den „Aussprüchen und Thaten König Alfons“ eine charakteristische Hofgeschichte. Als Briefe Schlick’s aus Nürnberg, adressirt an einige ungarische Herren, in die Hände des Königs fielen, habe man diesem gerathen, sie zu öffnen, da man so auf die Spur verrätherischer Verbindungen kommen könne, Friedrich III. habe jedoch geantwortet: „Ich halte den Kaspar Schlick für einen braven Mann, der mir zugethan ist; irre ich mich, so ist’s mir lieber, daß sich einst der Irrthum selbst offenbare, als daß er durch Neugierde aufgedeckt werde.“ Sehr viel hat sich S. durch das Streben, seine Stellung, namentlich für seine Brüder, auszubeuten, geschadet. So bot er alles auf, um seinen Bruder Heinrich, als Eindringling in das Bisthum Freising, gegen Recht und Fug, in dieser Pfründe zu halten. Darum fiel er denn auch 1448 in Ungnade, die er nicht lange überlebte. Er starb zu Wien an einem Schlagflusse und wurde an der Seite seiner Gattin bei den Karmelitern beigesetzt. Seine Brüder genossen die Früchte der erfolgreichen Bestrebungen Kaspar’s, sein Haus emporzubringen. Ihn selbst überlebten ein Sohn, Sigismund, der – jeder persönlichen Bedeutung entbehrend – seit 1478 ohne Nachkommenschaft verschwindet, und eine Tochter, Konstanze, Gattin des böhmischen Adelsherrn Bohuslaw v. Schwanberg. Kaspar Schlick’s Leben und Wirken ermangelt noch immer einer monographischen Darstellung, die seiner geschichtlichen Bedeutung gerecht würde.

Eberh. Windecke, Kaiser Sigismund’s Buch (Mencken. scr. rer. germ. I). – Ebendorfer v. Haselbach, Chron. Austriae (Pez, scr. rer. a. II. Bd.) – Aeneas Sylvius Piccolomini, Epp. ad. familiares (vgl. Voigt im Archiv f. K. oe. Geschichtsquellen, XVI. Bd.) – Historia Friderici, Historia Bohemiae; de dictis et factis Alfonsi regis commentariorum libri IV und Pentalogus (abgedruckt in deutscher Uebersetzung bei Chmel, Geschichte Friedrich’s IV. S. 768 f.) – Archiv Ceskỳ, herausgeg. von Palacky, (II. Bd. S. 407 f. und VI. Bd. S. 548). – Urkundliche Beiträge zur Gesch. des Hussitenkrieges von 1419 ff. (Prag 1872, 1873.) – Deutsche Reichstagsacten IX. Band, König Sigismund (III. A.) – Chmel, Materialien zur österreich. Geschichte, 1., 2. Bd., Regesta chron. diplom. Friderici III. rom. imperat., Wien 1840. – Geschichte Kaiser Friedrich’s IV., II. Bd. (1440–1452). – Aschbach, Gesch. Kaiser Sigismund’s, 4 Bde. (1838–45). – Palacky, Gesch. Böhmens III., 1.–3. Abtheilung. – Voigt, Enea Silvio de Piccolomini, 3 Bände, (1856/63). – Bachmann, Die deutschen Könige und die kurfürstliche Neutralität (1438/47), Wien 1889 (Akad. d. Wissenschaften, Arch. f. oe. G., 75. Bd. und Sep.-Abdruck). – Wacek in der Zeitschr. des böhmischen Museums 1828. Vgl. Legis-Glückselig, Chronik von Böhmen II, 585 ff. („über die Schlicken“). – Pröckl, Eger und das Egerland I. (1845). – Gradl, Zeit und Herkunft der Schlicke (Mittheilungen des Vereins f. Gesch. der Deutschen in Böhmen, 1882, S. 347 f. und Die Chronik der Stadt Eger 1884). (Gradl’s Untersuchungen für die Anfänge der Schlick wichtig.)