ADB:Stolberg-Wernigerode, Christian Friedrich Graf zu

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Artikel „Stolberg-Wernigerode, Christian Friedrich Graf zu“ von Eduard Jacobs in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 387–391, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stolberg-Wernigerode,_Christian_Friedrich_Graf_zu&oldid=- (Version vom 23. November 2019, 01:12 Uhr UTC)
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Stolberg-Wernigerode: Christian Friedrich, regierender Graf zu St.-W., einziger Sohn Graf Henrich Ernst’s (s. u. S. 393) und der Prinzessin Christiane Anna Agnes von Anhalt-Cöthen, geboren auf Schloß Wernigerode am 8. Jan. 1746, † zu Peterswaldau in Schlesien am 26. Mai 1824. Mit gewissenhaftester Treue und Sorgfalt leitete und überwachte der Vater die Erziehung des dereinst zur Regierung berufenen Sohnes von den frühesten Anfängen an. Eine günstige Fügung ließ ihn in dem jungen Theologen Joh. Friedr. Schmid an der Stelle eines weniger geeigneten schon 1753 stellvertretend, dann seit 1754 für sich allein wirkend einen so geschickten als wahrhaft treuen und frommen Erzieher finden, der ihm nach achtjähriger Lehrthätigkeit später in geistlichen Stellungen bis zur Vermählung seiner letzten Tochter ein treuer geistlicher Rath und Seelsorger war. Mit fast entzückten Worten entläßt der bisherige Lehrer den stets folgsamen Zögling, als dieser im Frühjahr auf die noch unter dem tüchtigen Abt Steinmetz blühende Schule zu Kloster Berge bei Magdeburg zieht, begleitet von dem braven Hofmeister v. Aderkas, der, als ein echter Pietist, seinem Pflegling die denselben bis in seine späten Jahre auszeichnende gewissenhafte Eintheilung der Zeit zur Uebung macht. Von ihm und dem als Repetent bestellten jungen Juristen Fritsche begleitet bezieht er 1764 die Universität Halle. Da diese längst nicht mehr das warme Licht war, als welches sie unter einem A. H. Francke geleuchtet hatte, so zog Ch. F. im Juni 1767 gern nach dem benachbarten Leipzig, wo Wissenschaft und Kunst ihm mehr boten. Besonders zog ihn neben den rechts- und staatswissenschaftlichen Fachstudien der greise Gellert an. Auch die zeichnenden Künste pflegte er, wobei Oeser sein Lehrer war. Im 23. Lebensjahre war er encyklopädisch und dabei hinreichend gründlich vorbereitet, um von der empfangenden Thätigkeit zu einer wirkenden überzugehen. Gern hätte Preußens großer König den talentvollen jungen Grafen in seine Dienste gezogen, doch war dies nicht nach des Vaters Sinn. Einem längeren Schwanken inbetreff seiner Bestimmung wurde dadurch vorgebeugt, daß er bereits im October 1768 die Hand der damals zwanzigjährigen Gräfin Auguste (Eleonore), Tochter Graf Christoph Ludwig’s zu Stolberg-Stolberg und der Luise Charlotte geb. Gräfin zu Stolberg-Roßla erhielt. Eine zarte, liebliche Erscheinung und mit besonderen Gaben des Geistes und Gemüthes ausgestattet, an geistig-litterarischen Bedürfnissen fast unersättlich, war sie bei ihrer Tante von Hohenlohe zu Schrotzberg im Schwabenlande schlicht und einfach, aber trefflich und gründlich erzogen. Schon am 11. November 1769 wurde die Hochzeit auf Schloß Wernigerode gefeiert und einen Monat später der Marienhof zu Ilsenburg als Wohnsitz bezogen. In einfachen äußeren Verhältnissen erblühte hier ein innerlich reiches glückliches Familienleben, beglückt durch die Geburt von fünf Töchtern und zwei Söhnen, verschönt durch geistig-litterarische Anregung, insbesondere auch durch die Tonkunst. Dabei entfaltete der Erbgraf als Gehülfe seines Vaters eine anstrengende geschäftliche Thätigkeit.

Größere Verhältnisse gewann Ch. Friedrich’s Wirken und das Leben des Hauses, als seit October 1778 der bisherige Erbgraf durch des Vaters Ableben zur Regierung gelangte und mit den Seinigen nach Wernigerode übersiedelte. Besonders war die Pflege der Litteratur und Kunst, allermeist der Musik, in dem Maaße, wie es jetzt geschah, etwas Neues auf dem alten Schlosse und dieses Leben entfaltete sich nicht nur hier, sondern auch in dem benachbarten Halberstadt. Dort hatte nämlich Ch. F. als Domherr seit 1772 seine stricte Residenz zu halten begonnen und verlebte seitdem alljährlich Wochen und Monate daselbst meist mit seiner Familie. Mehr einen idyllischen Charakter hatten die Aufenthalte, die seit 1776 auf kürzere Zeit in Walbeck zu nehmen waren, wo der Graf die Stelle eines Propstes bekleidete. Eine gesteigerte Bedeutung gewann [388] seine Halberstädter Thätigkeit, als er nach v. Hardenberg’s Ableben von 1786 bis 1796 Dechant des Domstiftes war. Als solcher entfaltete er zunächst eine segensreiche Thätigkeit für Kirchen und Schulen und weckte in der Stadt ein reiches geistiges und künstlerisches Leben, das auch wieder bildend und fördernd auf die Seinigen zurückwirkte. In litterarischer Beziehung war der alte Freund des Hauses, der Dichter Gleim, ein Schüler Wernigerodes, Hauptförderer dieses Lebens, ferner Jacobi, Fischer, Cl. Schmidt, die Karschin u. a. Schmidt war der eigentliche gräfliche Hauspoet. Was Ch. F. für Halberstadt gewesen war, dafür zeugt aufs zuverlässigste ein Mann von ganz anderer Richtung, der Dichter v. Göckingk, der die ihm werthe Stadt bedauerte, als sie durch den Rücktritt Ch. Friedrich’s von seinem Dechantenamt den Wecker eines reichen geistigen Lebens verlor. Dieses blühte aber innerhalb des häuslichen Kreises fröhlich fort, wo die Eltern sich um die Wette bei der gründlichen Erziehung von vier Söhnen und vier Töchtern – ein Sohn und eine Tochter starben in zartem Alter – bemühten. Personen von reifem Urtheil und verschiedener Richtung kommen darin überein, daß die Erziehung aufs trefflichste gedieh. Gegenseitig aber priesen die Geschwister sich glücklich wegen des Paradieses ihrer Jugend, das ihnen im Frieden des Hauses erblühte. Und während der älteste Sohn als zukünftiger Regent eine so sorgfältige Ausbildung genoß, wie väterliche Liebe sie nur erdenken kann, zogen auch die übrigen Söhne und Töchter später hinaus als Zierden ihres Hauses, die letzteren als Frau v. Wylich zu Diersfort am Niederrhein, Frau v. Schönberg in Dresden, Merseburg, Berlin und Stettin, als Fürstin Reuß-Lobenstein in Ebersdorf und als Gräfin Dohna in Hermsdorf bei Dresden. Wernigerode aber war am Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur der Sitz eines reichen litterarischen und künstlerischen Lebens, sondern zur Zeit großen Abfalls und kalten Rationalismus auch der warme Heerd eines durchaus nicht engen aber gläubigen und positiven Christenthums. Und waren auch ein Lavater, Jung Stilling, der sich 1789 länger in Wernigerode aufhielt und den Grafen auch in Regierungsfragen mit großer Offenheit berieth, Urlsperger, Pfenninger, ein evangelischer Katholik wie J. Mich. Sailer, die eigentlichen Gesinnungsgenossen, so zog es nach Wernigerode auch Männer von Geist und Leben, die trotz anderer Richtung doch eine Wärme des Gefühls für christliche Lebensfragen nährten, wie einen Herder, Garve, Bonstetten, Gleim und seine Freunde, gelegentlich auch einen J. H. Voß. Und ein Klopstock und Claudius, die nie den wernigerödischen Boden betraten, waren dort ebenso geehrt und geliebt, wie sie sich dort geistig selbst zu Hause fühlten und Schloß Wernigerode als eine feste Burg deutsch-evangelischen Wesens hochhielten.

Sehen wir auf des Grafen persönliches Verhältniß zu seinem Jahrhundert, so erscheint er äußerlich und nach der formalen Seite ganz als ein Kind der nach dem ästhetisch und sittlich Schönen strebenden Zeit. Er entwarf selbst eine Sittentafel, die von seinen natürlichen Lebens- und Tugendidealen eine anziehende Vorstellung gibt. Ganz entsprechend nennen ihn daher auch Gleim und die Halberstädter Freunde mit dem Namen eines edlen Richardson’schen Tugendhelden und die Seinigen die Grandisonfamilie. Als Student öffnet er sein nach dem Idealen strebendes Herz zutrauensvoll einer aus dem englischen Deismus hervorgegangenen Vereinigung und kommt auch sechzehn Jahre später noch einmal auf diesen Traum zurück. Ein entschieden rationalistischer Wernigeröder feierte in ihm den leutseligen Herrn und wahrhaft edlen Menschenfreund. Aber nicht darin, nicht in der Bedingtheit durch den Geist seiner Zeit besteht die Bedeutung von Ch. Friedrich’s Persönlichkeit, sie besteht umgekehrt darin, daß er trotz jener scheinbar vollständigen Abhängigkeit von ihr doch durchaus [389] treu in den Bahnen seiner gläubigen Vorfahren wanderte. Gleichzeitig mit jener Sittentafel schreibt er auch eine christlich-evangelische Betrachtung über Luk. 19, 2 ff. (Zachäus) nieder, die ihn als einen gläubigen und demüthigen Christen von tiefer Sündenerkenntniß kennzeichnet. An der Wende beider Jahrhunderte weist er einen Geistlichen schriftlich mit großem Ernst auf eine in der Predigt bekundete rationalistische Abweichung von der evangelischen Abendmahlslehre hin und hegt die evangelische Heidenmission – so die eines Jäneke in Berlin – ganz so, wie sein Vater und Großvater es gethan. Und wenn er die durch jene unterbrochene Verbindung mit der Brüdergemeinde wieder anknüpfte und zu einer innigen gestaltete, so war das kein Verlassen des väterlichen Standpunkts, vielmehr war jene Unionsgemeinde nach einer gefährlichen Sichtungszeit zur rechten evangelischen Nüchternheit zurückgekehrt. Wie wenig die äußeren Schranken eines kirchlichen Bekenntnisses ihn an innigem christlich-brüderlichen Verkehr hinderten, bewies er den französischen Flüchtlingen gegenüber, an denen er die edelste Gastlichkeit, sogar durch Einräumung der Gelegenheit zu einem besonderen römisch-katholischen Gottesdienste auf Schloß Wernigerode übte, mehr noch an seinem Vetter Friedrich Leopold, mit dem er bis ans Ende im vertrautesten Verkehre blieb, obwol sein Uebertritt ihm ein Schwert in die Seele gebohrt hatte.

Nach keiner Richtung hat Ch. F. eine größere und erfolgreichere Thätigkeit entfaltet, als im Erziehungswesen. Schon als Erbgraf und mehr noch als regierender Graf besichtigte und prüfte er Stadt- und Landschulen, so oft er nur konnte und suchte sie zu heben. In den ersten Jahren unseres Jahrhunderts verkehrte er lebhaft mit dem im Schulfache bewanderten Theologen Joh. Ludw. Ewald, um den Unterricht und die Schulen in der Grafschaft Wernigerode zu verbessern. Er schloß sich den Grundsätzen Pestalozzi’s an und verbreitete dessen Elementarbücher, besonders das Buch für Mütter und die Anschauungslehre von den Zahlen- und Maaßverhältnissen. Noch in seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich regen Geistes mit einer Umgestaltung der Lateinschule und aller Schulen in Stadt und Grafschaft Wernigerode. Aber die Durchführung des wohldurchdachten Plans scheiterte an den unzulänglichen Geldmitteln. Jene pädagogischen Bestrebungen erweiterten sich aber auch zu Schöpfungen, die wir heuzutage unter die Begriffe Innere Mission und Sociale Frage zu bringen pflegen. Um dem für Geist und Leib verderblichen Bettelwesen zu steuern und den Gewerbfleiß und damit das allgemeine Volkswohl zu fördern, ging er seit 1791 mit allem Ernst an die Begründung eines Arbeitshauses in Wernigerode und von Industrieschulen hier und zu Ilsenburg. Auch bei diesen Stiftungen, die er in großherziger Weise durch Unterstützungen aus seinem Privatvermögen ins Leben rief, war das Gemeinnützigkeits- und Glückseligkeitsstreben der Zeit mit praktischem Christenthum gepaart. Im Zusammenhang hiermit steht auch die im J. 1797 erfolgte Begründung des wernigerödischen Intelligenzblatts, dessen Leitung zuerst dem Bibliothekar und Rath J. Lor. Benzler, dann dem Rath Wilhelmi, seit 1807/8 aber dem Archivar Delius anvertraut wurde und dessen Ueberschüsse dem Arbeitshause, seit 1807 aber dem Waisenhause zuflossen.

Fühlte Ch. F. sich berufen, im Schulwesen unmittelbar umgestaltend einzuwirken, so suchte er im Heiligthum der Kirche nur das Ueberkommene treu zu bewahren. Wegen dieses treuen Festhaltens am christlichen Bekenntniß kam es dahin, daß ein neues rationalistisches Geschlecht ihn gar nicht mehr verstand. Er trat daher behufs Gewinnung gläubiger Prediger und Lehrer mit Männern wie v. Meyer in Frankfurt a. M., Prof. Knapp in Halle und anderen vertrauenswürdigen Personen in und außerhalb seiner Familie, der Lehrer wegen auch mit schlichten frommen Leuten aus dem Volke in Verbindung.

[390] Wahrhaft bewundernswerth ist die Wohlthätigkeit und Gastfreundschaft, die er nicht nur an näher stehenden Vettern, sondern auch an sonstigen Bedrängten übte. Es war für ihn eine der bittersten Erfahrungen, daß seit der westfälischen Zeit die Verhältnisse ihn nöthigten, solchem Wohlthun Schranken zu setzen. Denn die Schläge des Geschicks hat er schwer empfinden müssen. Mit gutem Grunde nannte ihn der Halberstädter Freundeskreis noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts Stolberg oder Vater Stolberg den Glücklichen. Wenn dann finanzielle Sorgen ihn schwer zu drücken begannen, so trugen nichts weniger als Verschwendung oder ungeordnetes Wesen die Schuld, sondern soweit er bei der Verdoppelung der auf ihn überkommenen Schulden betheiligt war, bestand dies abgesehen von seiner großen Liberalität darin, daß er mehr zu einem guten Hausvater in engen Grenzen, als zur Verwaltung eines größeren Finanzwesens geeignet war. Dazu traten aber außerordentliche Umstände seit dem französisch-deutschen Kriege und der Fremdherrschaft. Die christliche Ergebung, mit welcher er dieses alles und nach dem Tilsiter Frieden den Verlust aller seiner Rechte trug, nöthigte einem Augenzeugen, wie der Hauptmann v. Zanthier es war, Bewunderung ab. Diese Ergebung war keine quietistische. Wie er schon 1802/3 zur Zeit der Regensburger Verhandlungen nachdrücklichst seine Ansprüche wegen der Verluste in den wallonischen Niederlanden geltend zu machen suchte, so ließ er seit Errichtung des Rheinbunds und des Königreichs Westfalen kein Mittel unversucht und scheute persönlich keine Mühe, um durch Bitten und Vorstellungen bei Napoleon, Jérôme und bei allen möglichen Machthabern die Stellung und Rechte seines Hauses soweit als irgend möglich zu retten und zu wahren. Erst als alle Mittel erschöpft waren und die Schwächen höheren Alters, besonders an den Augen, sich bereits fühlbar machten, verließ er am 15. Juni 1809 seine harzischen Stammlande, beauftragte seinen Sohn Henrich mit der Verwaltung in seinem Namen und zog sich vor dem seiner Natur durchaus widerstrebenden fremdherrlichen Wesen auf seine vom Grafen Promnitz geschenkten, 1765 ihm zugefallenen schlesischen Besitzungen zurück. Die Siege der Verbündeten gestatteten es ihm, im September 1814 zum unbeschreiblichen Jubel seiner Unterthanen an den Harz zurückzukehren. Aber seit dem Juli des nächsten Jahres nahm er wieder seinen Aufenthalt in Schlesien, führte jedoch nunmehr das Regiment selbst, aber durch die treuen und bewährten Hände seines Aeltesten, der diese Aufgabe mit großer Hingebung erfüllte. Bemerkenswerth ist der Eifer, mit dem er auch zur Zeit der Restauration und nachher alle Rechte seines Hauses zu wahren suchte, doch mit weiser Rücksicht auf die veränderte Zeit bei einzelnen Fragen. Durch den (besonders durch seinen Sohn Anton gräflicherseits bearbeiteten) Vergleich mit Preußen im J. 1822 wurde für diese Rechtsverhältnisse eine neue Grundlage geschaffen.

Dem Innern entsprechend war Ch. F. auch in seinem Aeußern eine schöne harmonische Erscheinung, wie das besonders nach einer von ihm selbst unter Oeser’s Leitung ausgeführten Radirung und auf seiner im J. 1797 von Schadow modellirten Gipsbüste hervortritt. Auch noch die Erscheinung des greisen Patriarchen, der im November 1818 mit vierzig bei ihm erschienenen Nachkommen und Schwiegerkindern das Fest seiner goldenen Hochzeit mit seiner Gemahlin feierte – letztere starb 1821 – nöthigte allen ernst gerichteten Personen Ehrfurcht ab. Er erlebte noch eine wesentliche Verbesserung der finanziellen Verhältnisse. Geistig aber bewahrte er bis an seinen Tod ein klares Verständniß.

Als einzige im Druck, doch nicht im Buchhandel erschienene Sonderschrift ist die von des Grafen Tochter Luise, Frau v. Schönberg, meist nach den Memorabilien ihrer Mutter verfaßte Schrift: Christian Friedrich, Graf zu Stolberg-Wernigerode und Auguste Eleonore (Glogau 1858) ein schätzenswerthes [391] Hülfsmittel. Für die früheste Zeit kommen die ebenfalls als Handschrift gedruckten Briefe und Journale der Fürstin Luise Ferdinande zu Anhalt-Cöthen in Betracht; für die westfäl. Zeit ein Aufsatz von Prof. A. Kleinschmidt in Jahrg. 1892 der Forschungen zur brandenb.-preuß. Geschichte. Meist beruht jedoch der vorstehende Auszug auf zwei größeren nach Quellen des fürstlichen Archivs und Hausacten gearbeiteten Aufsätzen.