ADB:Weber, Karl Friedrich

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Artikel „Weber, Karl Friedrich“ von Carl Haeberlin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 341–343, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weber,_Karl_Friedrich&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 06:04 Uhr UTC)
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Weber: Karl Friedrich W., Dr. phil., o. ö. Professor der classischen Philologie und Eloquenz, Director des philologischen Seminars in Marburg; geboren am 6. Mai 1794 zu Weimar, † am 11. October 1861 zu Marburg. Da Weber’s Vater, Georg Gottlieb W., Verfasser einer kritischen Geschichte der Augsburgischen Confession, Hofprediger, Oberconsistorialrath und Director des Waisenhauses in Weimar, bereits im Februar 1801 starb, so übernahm ein Landgeistlicher, der Pfarrer Rentsch in Taubach, Weber’s Erziehung bis zu seiner Confirmation im J. 1808. Von Michaelis dieses Jahres bis Pfingsten 1812 besuchte W. die Klosterschule Roßleben a. d. Unstrut, sodann bis Ostern 1814 das Gymnasium seiner Vaterstadt, wo ihm seine damaligen Lehrer Riemer, Hand und der Director Lenz Neigung zur altclassischen Litteratur einflößten. Trotzdem studirte W. anfangs in Jena ein Semester hindurch Rechtswissenschaft und Philosophie, ging aber schon Michaelis 1814 zur Philologie über, zu welchem Zwecke er von Weihnachten dieses Jahres bis Ostern 1815 wieder Hand’s Unterricht und Umgang in Weimar genoß. Darauf wandte er sich nach Leipzig, um Beck und Hermann zu hören, an deren Seminaren und Gesellschaften er theilnahm. Den Sommer 1817 studirte W. in Jena unter Eichstädt und Luden; er promovirte in Leipzig im Februar 1818. Im Mai dieses Jahres reiste er durch Süddeutschland über München, Wien, Triest, Venedig, Florenz und Mailand in die Schweiz. In Hofwyl bei Bern erhielt er im Herbst desselben Jahres einen Antrag des Herrn v. Fellenberg, an dessen Erziehungsinstitut als Lehrer der alten Sprachen und Geschichte zu wirken. Dort blieb er anderthalb Jahre, kehrte dann nach Weimar zurück, hauptsächlich um eine Ausgabe von Lucan’s Pharsalia vorzubereiten. Dieselbe erschien im folgenden Jahre bei Fleischer in Leipzig in zwei Bänden, deren zweiter auch eine an Ferd. Hand, nunmehr Professor in Jena, gerichtete Dissertatio de spuriis et male suspectis Lucani versibus enthält. Ein dritter Band kam erst 1831 heraus. Weber’s [342] Lucan war eine fleißige Arbeit, insbesondere berücksichtigte er seine Vorgänger, deren Anmerkungen er in einer Auswahl veröffentlichte. Ueberhaupt nahm Lucan Weber’s Interesse während seiner ersten Lehrjahre vorwiegend in Anspruch; nach sieben Jahren erschien wiederum eine zweibändige Ausgabe jenes Autors (Leipzig 1828–29), welche die erste ergänzte und, von Weber’s Zuthaten abgesehen, nichts weiter war als ein Abdruck des für verloren gehaltenen Corte’schen Commentars von 1724–1731. W. war auch später mehr ein sorgfältiger Sammler, Bearbeiter und Abwäger fremder Leistungen, als eigentlicher Pfadfinder und Bahnbrecher. Gleichzeitig mit dieser zweiten Lucanausgabe begann W. den angeblichen Hegesippus de bello Judaico zu bearbeiten; doch erschien das erste Specimen editionis erst in Marburg 1857, während das vollständige Werk 1864 von J. Caesar nach Weber’s Tode herausgegeben und ergänzt wurde. – Am 21. December 1820 wurde W. vom preußischen Ministerium zum Conrector am Stiftsgymnasium in Zeitz ernannt, welches Amt er zwei Monate später antrat. Hier verfaßte er als Programm von 1825 eine Prolusio in Lucani Pharsaliam. Ein trauriges Familienereigniß veranlaßte ihn, im Herbst 1826 einem Rufe der großherzoglich hessischen Regierung an das Darmstädter Gymnasium als Professor und Hauptlehrer der zweiten Classe zu folgen. Bei der Uebernahme des neuen Amtes hielt W. eine Rede de Sophoclis Antigone (Darmstadt 1826); außerdem schrieb er 1827 eine Abhandlung über Pericles’ Standrede im Thukydides; Von dem Unterrichte in der griechischen Sprache (Allg. Schulzeitung II, 1827); Andeutungen über den Werth der alten Sprachen (Progr. v. 1831); 1831–34 gab er ein Repertorium der classischen Alterthumswissenschaft und 1832 Carmina Boethii Graece conversa per Maximum Planudem heraus. – Nachdem durch den Tod das letzte Band von Weber’s erstem Familienleben zerrissen und W. durch das Hinscheiden seiner Freunde vereinsamt war, erhielt er zu gelegener Zeit, am 4. März 1835, den Antrag, das Directorat und erste Lehramt des neugegründeten kurfürstlichen Gymnasiums in Kassel zu übernehmen. Als Inauguralprogramm veröffentlichte er den ersten Theil seiner umfangreichen Abhandlung „De Latine scriptis quae Graeci veteres in linguam suam transtulerunt“; vollständig erschien dieselbe erst 1852; ein beredtes Zeugniß von Weber’s Bienenfleiße, aber wenig befriedigend durch den Mangel einer übersichtlichen Anordnung und die bloße Aufzählung von Namen in der ersten Hälfte.

In Kassel war für das höhere Schulwesen eine Krisis ausgebrochen, als W. dorthin kam. Staatsregierung und Stadtverwaltung lagen miteinander im Streit, weil die letztere die Rechte und Privilegien der alten, damals dem Verfall nahen, städtischen Gelehrtenschule zu Gunsten des neuen kurfürstlichen Gymnasiums in keiner Weise beeinträchtigen lassen wollte. Nach mehrjährigem Processiren kam es erst am 11. Januar 1840 zu einem definitiven Vergleich, wodurch beide Anstalten zu einer unter dem Namen Lyceum Fridericianum verschmolzen wurden. Weber’s Stellung war infolgedessen anfangs schwierig, da das Vertrauen zu der neuen Anstalt fehlte; doch blühte unter seiner Direction das Gymnasium wieder auf. Im Verein mit dem Oberbürgermeister Schomburg und dem Consistorialdirector Pfeiffer trug er durch seine Vermittlung wesentlich zu jenem Vergleiche bei; dafür erhielt er am 30. März 1841 das Ritterkreuz des kurhessischen Hausordens vom goldnen Löwen. Um dieselbe Zeit begann W. seine „Geschichte der städtischen Gelehrtenschule zu Cassel“ auszuarbeiten, die, zunächst in einzelnen Programmen veröffentlicht, als Ganzes 1846 erschien und dem Minister v. Hanstein gewidmet wurde. In der Hoffnung, den Rest seiner Tage in dem liebgewonnenen Schulamte zu Kassel verleben zu können, wurde W. allerdings getäuscht; denn am 10. September 1852 trat an ihn, den fast [343] Sechzigjährigen, die Aufforderung heran, die durch Theodor Bergk’s Weggang erledigte Marburger Professur für classische Philologie zu übernehmen. Wie sehr sich W. die Liebe seiner Collegen und Schüler erworben hatte, bewiesen diese beim Abschiede, wo sie ihm die Ausgabe der Oratores Attici von Baiter und Sauppe, einen silbernen Pocal und einen goldnen Siegelring schenkten. Auch in Marburg ward ihm bald persönliche Beliebtheit und Verehrung zu theil. Ein schweres Herz- und Gehirnleiden setzte am 11. October 1861 seinem Leben ein Ziel; der einzige Sohn war ihm im Tode vorangegangen. W. war zwei Mal verheirathet; die erste Ehe blieb kinderlos, aus der zweiten entsproßten noch vier Töchter, die mit der Wittwe den Vater überlebten. – Seine litterarische Thätigkeit setzte W. bis an sein Ende fort; unter den Gelegenheitsschriften, die er als Professor der Eloquenz zu liefern hatte, seien als die bedeutenderen, zum Theil auch selbständig erschienenen, hervorgehoben: „Dissertatio de agro et vino Falerno“ (1855); „Vitae M. Annaei Lucani collectae“ (1856—58); „Commentatio de academia literaria Atheniensium seculo secundo post Christum constituta“ (1858); „Incerti auctoris Carmen panegyricum in Calpurnium Pisonem“ (1859); „Aurelii Augustini Ars grammatica breviata“ (1861). Endlich gab J. Caesar in den Marburger „Indices lectionum“ von 1873–74 aus Weber’s Nachlaß eine Abhandlung „de M. Valerii Messalae qui dicitur libello de progenie Augusti“ heraus, worin W. nachwies, daß das betreffende Werk eine italienische Fälschung des XV. Jahrhunderts ist.

Vgl. Programm des Gymnasiums zu Darmstadt, 1827, S. 3. – Progr. des Kurfürstl. Gymn. zu Cassel (von F. A. Theobald), 1836, S. 29 bis 30; desgl. 1853, S. 40. – Marburger Prorectoratsprogr. von Fr. Matth. Claudius, 1861, S. 25–27 (Biographie von J. Caesar). – O. Gerland, Fortsetzung von Strieder-Justi, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrtengeschichte, Bd. 21 (2), 1866, S. 153–159.