BLKÖ:Bergenstamm, Alois Groppenberger Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 299. (Quelle)
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Bergenstamm, Alois Groppenberger Edler von (Alterthumsforscher, geb. zu Wien 1. Aug. 1754, gest. ebendaselbst 15. Febr. 1821). Er war der Sohn des landschaftlichen Obereinnehmers Johann Georg Groppenberger, studirte bei den Jesuiten, erhielt 1771 seine erste Anstellung bei der ständ. Registratur, 1790 den Secretärstitel, und wurde 1791 nebst seinen 3 Brüdern in den Adelstand erhoben. In seiner Liebe zur Alterthumskunde, insbesondere für die Vorzeit Wiens, begann er Urkunden, Siegel, Bücher und Handschriften zu sammeln, und war ganz der geeignete Mann, als ihm 1795 vom Abgeordneten-Collegium die Beschreibung aller innerhalb der Linien Wiens theils bestandenen, theils noch bestehenden, theils neugesetzten Mark- und Grundsteine übertragen wurde. 1800 wurde B. wirklicher ständischer Secretär, 1801 Secretär des Ritterstandes. Seine bedeutende Handschriften-, Urkunden- und Büchersammlung über das Land unter der Enns trat er unter Vorbehalt lebenslänglicher Benützung den Ständen als Eigenthum ab. In seinem angebornen Wohlthätigkeitstriebe, und um die Kenntniß des Landes durch seine an vielen interessanten Notizen reichen Schriften allgemein zu verbreiten, verband er mit der Herausgabe jeder derselben einen wohlthätigen Zweck. Er starb 67 Jahre alt nach langem Leiden allgemein betrauert. Seine Schriften, fast meistens nur Fragmente und der sichtenden Kritik und chronologischen Richtigkeit entbehrend, sind doch immer noch sehr schätzbar, und da sie aus guten Quellen geschöpft, ersparen sie Anderen Zeit, Mühe und große Auslagen. Bergenstamm gab heraus: „Geschichte des Dorfes St. Johann am Als oder Siechenals, heute Freygrund Thury“ (Wien 1802, Grund); – „Untersuchung ob das alte zwischen dem Burg- und Karnerthor gestandene Widmerthor das heutige wieder eröffnete Thor war“ (Wien 1802, Wallishausser); – „Geschichte und Merkwürdigkeiten der k. k. Hofburg“ (Wien 1802, Doll); – „Beilage zum Taschenbuche für 1805 bei J. V. Degen, das Schloss auf dem Leopoldsberge und die Entstehung der Stadt Wien betreffend“ (Wien 1805, Grund). Diese Schrift ist gegen einen Aufsatz des Professor Schultes im genannten Taschenbuche gerichtet; – „Briefe .... über den österreich. Fürsten- und Landesschild, über das Wappen der Stadt Wien, und über die zwei Ritter, welche über dem Eingange zur Rathkammer in dem Landhause zu Wien aufgestellt sind“ (diese sind im Brünner patriotischen Tageblatte des J. 1805 abgedruckt); – „Auf welchen Zeitpunct fällt der Ursprung der Schulen in Oesterreich und in Wien?“ (Wien 1806); – „Denkmal rühmlich erfüllter Bürgerpflichten in der Geschichte der Bürger und Einnahme Wiens“ (Wien 1806)[WS 1]; – „Materialien zur Geschichte der Landesvertheidigung, insbesondere der Landwehre bis auf die neuesten Zeiten“ (Wien 1809, Rehm); – „Geschichte des Dorfes Heiligenstatt, oder Heiligenstätten“ (Wien 1811, 2. Aufl., Kupfer und Wimmer); – „Ursprung und Geschichte der Kirche St. Salvator nächst dem Rathhause der k. k. Haupt- und Rezidenzstadt Wien“ (Wien 1812, Tendler); – „Geschichte des unteren Werds oder der heutigen Leopoldstadt“ (Wien 1812); – „Geschichte der Vorstädte und Freygründe Wiens vor dem Stubenthore, welche die Weissgärber, Erdberg, St. Marx und die Landstrasse enthält“ (Wien 1812); – „Geschichte des Klosters und Hospitals der ehrwürdigen barmherzigen Brüder in Wien“ (Wien 1814, Staatsdruckerei, 1. und 2. Aufl.); – „Geschichte der ersten Kirche in Wien dem heil. Rupert. ... geweiht“ (Wien 1816, A. Schmid, 2. Aufl.); – „Versuch einer Lebensgeschichte des ersten Herzoges in Oesterreich, Heinrich des II. Jasomirgott, mit den angehängten Nachrichten von der Burg Medelich (Medling) in Oesterreich“ (Wien 1819, [300] A. Schmid); – „Kirchliche Topographie von Oestreich ...“ (Wien 1819–20, A. Strauß, 2 Thle.). Dieses Werk ist von Bergenstamm, Vinc. Darnaut, und Alois Schützenberger zusammen herausgegeben worden; – „Beiträge zur Geschichte der alten Kirche Maria Stiegen in Wien“ (Wien 1821, A. Strauß). Diese Beiträge erschienen bald nachher berichtigt, mit Lebensnachrichten über den sel. Liguori, die Entstehung und Einführung des von ihm gestifteten in Oesterreich neu eingeführten Ordens der Redemtoristen vermehrt von F. H. Böckh; – „Geschichte des baaren und des repräsentativen Geldes“ (dieselbe ist in den vaterländischen Blättern abgedruckt). Auch gab B. vom J. 1808 bis incl. 1820 den „Kais. östr. Provinzial-Kalender“ (Wien A. Schmid), in letzterer Zeit in Verbindung mit Gottlieb von Leon heraus. Außerdem hat B. an mehreren von Andern herausgegebenen Werken mitgewirkt, und wesentliche Materialien dazu geliefert, und zwar zu folgenden: „Gesammelte Meinungen über die Geschichte der Säule Spinnerin am Kreuze;“ – „Geschichte der Belagerung Wiens durch den König Mathias von Ungarn in den Jahren 1484 und 1485;“ – „Geschichte der Stiftungen, Erziehungs- und Unterrichtsanstalten in Wien;“ – „Histor. topogr. Beschreibung der landesfürstlichen Stadt Baden.“ Alle vorbenannten Schriften von Geusau; – „Das genealogisch-historische Band in der Vermälung Sr. Majest. Franz des I. mit Maria Ludovica“ von Franz Wimmer und „Geschichte der k. k. Stadt Wienerisch-Neustadt“ von Alois Gleich. In Handschrift hat er folgende Arbeiten hinterlassen: „Erbämter, Hofämter, und alte Geschlechter. Ges. von Franz Paul von Zimmer, verm. durch Alois von Bergenstamm“; – „St. Stephan von Smitmer, mit Zusätzen, Anmerkungen und Urkunden vermehrt von A. v. B.“; – „Grabschriften in Wien 1805, 2 Thle.“; – „Geschichte des Edelsitzes St. Theobald oder des Freigrundes Windmühl und der bürgerl. Vorstadt Laimgrube“ (im Nachlasse befand sich noch ein zweites umfassenderes Manuscript, welches denselben Gegenstand behandelt); – „Frage ob nicht zu Herzogs Rudolphs IV. Zeiten der Alsbach nahe bei dem Burg- und Schottenthore geflossen sei?“; – „Die Minoriten oder minderen Conventual-Brüder des hl. Franz von Assisi in Wien“; – „Geschichte der Augustiner in Wien 1803“; – „Vade mecum oder Unterhaltungsstunden des Archivars W(illibald) L(eyrers) zu K(losterneuburg) in Erzählungen von Sitten, Gewohnheiten und anderen Sachen aus den Vorzeiten vermehrt von A. v. B.“; – „Ueber das in einem Diplome Herzog Rudolph des IV. vom J. 1360 aufgehobene Purkrecht“; – „Erla das erste Kloster im Lande u. d. E.“; – „Sammlung von Aufschriften auf Häusern, Säulen, Plätzen und Gassen in der Stadt Wien, vermehrt und mit geschichtl. Daten begleitet von A. v. B.“; – „Von dem Landhause in Wien“ (Materialien); – „Archival-Auszüge zum Behufe der Geschichte des Vaterlandes, 2 Bde.“; – „Matrikel von bürgerl. Geschlechtern“; – „Materialien zur Geschichte und Beschreibung der k. k. Burg“; – „Auszüge aus den Original-Stiftungsbriefen von Klöstern, Kirchen, Capellen und Pfarren“; – „Geschichte der Juden in Oestreich“; – „Gedanken über einen Wiener Pfennig“ und „Fortsetzung der Geschichte des reelen und repräsentativen Geldes.“ Auch befand sich in seinem Nachlasse eine bedeutende Sammlung von Daten, Belegen, Urkunden zur Geschichte einzelner Dörfer, Herrschaften, Pfarren, Schlösser, Burgen, Denkmäler des Landes Oesterreich. Die in neuerer Zeit durch den Alterthumsverein angeregten Bestrebungen, Alterthümer theils zu erforschen, theils auf Schonung der erforschten hinzuwirken, sie gründlich zu beschreiben u. d. m., waren die Veranlassung der ausführlichen Aufzeichnung von Bergenstamms gedruckten und in Handschrift hinterlassenen Arbeiten, da sie manches enthalten dürften, was der [301] Aufmerksamkeit des genannten Vereins würdig ist.

Hormayrs Archiv für Geschichte etc. (Wien, 4°.) 1822, S. 155. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 269.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Dessen Herausgeber ist nicht Bergenstamm, sondern Joseph Rossi, Vergleiche dazu den Artikel, Band 27, S. 80.