BLKÖ:Collin, Matthäus II. von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 2 (1857), ab Seite: 415. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Matthäus von Collin in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119298406, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Collin, Matthäus II. von|2|415|}}

Collin, Matthäus II. von (Dichter, geb. zu Wien 3. März 1779, gest. ebenda 23. November 1824). Neffe des Vorigen, Sohn Heinrichs I. und Bruder Heinrichs II. (siehe diese). Sein Talent entwickelte sich größtentheils unter der Leitung seines Bruders Heinrich Joseph und schon frühzeitig, in seinem 20. Jahre, dichtete er eine Oper: „Calthon und Colmal“. Mit vielem Eifer betrieb er das Studium der Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaft, und erlangte 1804 die juridische Doctorswürde an der Wiener Universität. 1808 wurde er Professor der Aesthetik und der Geschichte der Philosophie an der Universität zu Krakau, späterhin Professor der Geschichte der Philosophie an der Universität zu Wien und zugleich Hofconcipist im Finanz-Departement. Seit 1814 redigirte er die Wiener allgemeine Literatur-Zeitung, und gründete 1818 die (Wiener) „Jahrbücher der Literatur“, welche er mit vielen schätzbaren Aufsätzen bereicherte. Schon 1815 ernannte ihn der Kaiser zum Erzieher des Herzogs von Reichstadt, welchem ehrenvollen Berufe C. bis zu seinem Tode vorstand, und sich dabei die Liebe seines Zöglings erwarb. Außer oben erwähnter Oper gab er noch im Drucke heraus: „Bela’s Krieg mit dem Vater, ein historisches Schauspiel“ (Stuttgart 1808); – „Sammlung dramatischer Dichtungen, 4 Bde.“ (Pesth, 1815–17, Hartleben). Sie enthalten außer mehreren gelungenen Uebersetzungen, wie z. B. des Bank’schen Trauerspiels „Essex“, die Dramen: „Tod Friedrichs des Streitbaren“; – „Marius“; – „Die feindlichen Söhne“; – „Der Tod Heinrichs des Grausamen“; – „Butos“; – „Die Kunringer“. Ferner besorgte er die Herausgabe der sämmtlichen Schriften seines Bruders Heinrich und schrieb dessen Leben, wobei er den Charakter der Zeit, in welcher dieser lebte, historisch entwickelte. Nach seinem Tode erschienen: „Nachgelassene Gedichte. Ausgewählt und mit einem biographischen Vorworte begleitet von Jos. Hammer“, 2 Bde. (Wien 1827, Gerold, 12°., mit Portr.). Aufsätze und Gedichte von ihm finden sich in vielen Zeitschriften des In- u. Auslandes. Seine Absicht war, nach Shakspeare’s Muster eine Folgenreihe dramatischer Dichtungen zu geben, welche das Leben der letzten zwei Babenberger umfassen sollten. Diesen Plan, wie später einen zweiten, einen Cyclus geschichtlicher Balladen im Sylbenmaße des Nibelungenliedes zu vollenden, mußte er, da er als Erzieher eines Prinzen ganz diesem Berufe lebte, aufgeben. Von der Redaction der Wiener Jahrbücher trat er zurück, als er nicht Alles, was man von ihm als Redacteur verlangte, mit seiner Ueberzeugung vereinbar hielt. C. besaß einen ruhigen, festen, vortrefflichen Charakter. In Allem was er schrieb, zeigte sich mehr Geschmack, als lebendiger Beruf zur Dichtkunst. Doch finden sich darin zugleich erfreuliche Denkmale bescheidener, fruchtbringender Kritik und tiefen Studiums, in welcher Beziehung er unter den Kunstrichtern Deutschlands einen würdigen Rang behauptet. Seine letzte Arbeit war eine treffende Charakteristik von Fr. Schlegels sämmtlichen Werken. Auch ihn raffte der Tod in bester Manneskraft (im Alter von 45 Jahren) dahin; er hinterließ zwei Söhne und eine Tochter.Rosalie von (Schriftstellerin, geb. zu Wien 1776, gest. ?). Schwester des Obigen u. Heinrich Josephs II. Erhielt ihre [416] erste Bildung im väterlichen Hause und wurde später durch ihre genannten Brüder zur Pflege der schönen Wissenschaften angeleitet. Man hat von ihr: „Don Carvizales, Lustspiel in 4 Aufzügen, nach einer Novelle des Cervantes“ (Brünn 1823), dann Gedichte und Aufsätze in Wiener Taschenbüchern.

Den von Joseph von Hammer herausgegebenen 2 Bänden seines Nachlasses (Wien 1837, 8°.) hat der Herausgeber die biographische Skizze Collins vorangeschickt. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835) I. Bd. S. 571. – Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien 1827, 4°.) XVIII. Jahrg. Nr. 92, 93, S. 511. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau 1826, Voigt, 8°.) II. Jahrg. 1824, II. Bd. S. 1222. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) IV. Bd. S. 289. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) XI. Bd. Sp. 178. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1842, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 2. Abth. S. 995. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, Fr. Beck, 8°.) I. Bd. S. 120: „Ein Autograph“ [schildert eine Scene zwischen dem Herzog von Reichstadt und seinem Erzieher Collin]. – S. 141: „Ein Diner“ [darin werden Brentano, Collin, Schlegel, Schneller, Steigentesch und Werner redend vorgeführt, und jeder in Gräffers treffender Manier mit wenigen Zügen charakterisirt]. – Ueber Rosalia von Collin vergleiche: Schindel (C. W. O. August v.), Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts (Leipzig 1825, F. A. Brockhaus, 8°.) I. Bd. S. 101. u. III. Bd. S. 66. – Raßmann, Pantheon S. 52. – Desselben Gallerie S. 1, Forts. S. 7.