BLKÖ:Steigentesch, August Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 38 (1879), ab Seite: 7. (Quelle)
August Ernst von Steigentesch bei Wikisource
August Ernst von Steigentesch in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118913840, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Steigentesch, August Freiherr|38|7|}}

Steigentesch, August Freiherr (k. k. General-Major und dramatischer Dichter, geb. zu Hildesheim 12. Jänner 1774, gest. zu Wien am 30. December 1826). Die Steigentesch stammen aus der Schweiz, und aus Tirol. Augusts Großvater, Conrad [s. d. S. 13], war ein berühmter Schauspieler. Dessen Sohn Andreas stand in Diensten des Fürstbischofs von Hildesheim, wurde dann bei dem Kammergerichte in Wetzlar angestellt, im J. 1788 in den Reichsadelstand erhoben und starb als churmainzischer Directorialgesandter zu Regensburg. Dessen von J. F. von Goetz gezeichnetes und gestochenes Octavbildniß wird öfter als jenes des obigen August Freiherrn von S. angesehen. Des Andreas Sohn, August, talentbegabt und wißbegierig, erhielt von früher Jugend eine sorgfältige Erziehung. Als aber die Stürme im Westen Europas heraufzogen und die politischen Zustände Frankreichs zur Katastrophe kamen, deren Ende nicht abzusehen war, trat S., damals 15 Jahre alt, in österreichische Kriegsdienste, in welchen ihn die von seinem Vater in Wetzlar und Regensburg angeknüpften Verbindungen mit angesehenen und einflußreichen Wiener Familien die ersten Dienststufen in rascher Folge zurücklegen ließen. Seine ungewöhnliche Begabung veranlaßte bald seine Verwendung im diplomatischen Dienste, und so wurde er schon im Jahre 1804, damals 28 Jahre alt und bereits Stabsofficier, in diplomatischer Sendung an den damaligen Landgrafen von Hessen-Cassel geschickt; vor dem Ausbruche des Krieges im J. 1809 ging er an den königlich preußischen Hof, über welch letztere Mission Baron von Linden an das königlich-westphälische Ministerium des Aeußern in Cassel, ddo. Berlin 26. Juni 1809, in einer Steigentesch ziemlich compromittirenden Weise berichtet. Das merkwürdige Actenstück, welches Steigentesch viel Aerger verursachte, befindet sich im Urkundenbuch der „Lebensbilder aus dem Befreiungskriege“ abgedruckt. Der vorerwähnten Sendung an den preußischen [8] Hof folgte eine an den russischen. Zur Zeit des Wiener Congresses wurde S. dem Könige von Dänemark als General-Adjutant beigegeben und später als k. k. Gesandter an den dänischen Hof in Kopenhagen geschickt. Als, während S. diesen Posten bekleidete, die Correspondance inédite de Napoléon erschien, welche den vorerwähnten Bericht des Baron Linden enthielt, waren die in demselben mitgetheilten Enthüllungen über Steigentesch’s Verhalten in Königsberg im Jahre 1809 nichts weniger als darnach angethan, sein diplomatisches Talent besonders hoch anzuschlagen. Nahm doch Herr von Linden selbst keinen Anstand, in seinem Actenstücke ausdrücklich zu bekennen, daß er „dem Leichtsinn“ des damals in Königsberg befindlichen österreichischen Unterhandlers Obersten von Steigentesch die Mittheilung mehrerer wichtiger Details, welche er eben melde, verdanke. Man war damals der Meinung, daß S. sich auf seinem Posten nicht halten werde. S. selbst war über diese Mittheilungen nichts weniger denn erbaut. Man erwartete seine Antwort auf dieses Attentat auf seinen diplomatischen Tact. Sie unterblieb. Man will wissen, auf höheren Befehl. Indessen war der König von Dänemark, der ihm besonders wohl und auf seinem Posten behalten wollte, seinerseits thätig, die unangenehme Geschichte auszugleichen. Nachdem Steigentesch nach dem Feldzuge des Jahres 1809 aus der activen Armee ausgetreten war, beschäftigte er sich vorzugsweise mit seinen literarischen Arbeiten, ohne jedoch mindere Wichtigkeit den kriegerischen Begebenheiten jener Tage zuzuwenden. So nahm er denn die damals besonders wichtige Frage über Volksbewaffnung wieder auf, über welche er seine Ideen in seinem Aufsatze über „stehende Heere und Landwehr“ schon im Jahre 1807 in der von Archenholz herausgegebenen „Minerva“ veröffentlicht hatte. Als im Jahre 1813 in Oesterreich Alles zu den Waffen griff, kehrte auch Oberst Steigentesch in den Dienst der Armee zurück und wurde dem Feldmarschall Fürsten von Schwarzenberg als General-Adjutant beigegeben. In dieser Stellung erwarb er sich das Vertrauen Metternich’s, der sich nun seiner zu mehreren Missionen bediente. So schickte er ihn im Jahre 1814 nach Norwegen an den König von Schweden und später als bevollmächtigten Minister an den königlich dänischen Hof in Kopenhagen. Als dann während der hundert Tage Freiherr Senfft von Pilsach [Band XXXIV, S. 108] in die Schweiz entsendet worden war, um dieselbe für die Pläne der Alliirten zu gewinnen, wurde ihm, da dieses Land als die Hauptbasis der Operationslinie behandelt werden sollte, Freiherr von Steigentesch beigegeben. Damals erhielt S. in Würdigung seiner Verdienste von Kaiser Franz den Leopolds-Orden. Nach beendigtem Kriege erhielt er Befehl, den Kaiser Alexander, der ihm sehr wohl wollte – wie es Steigentesch überhaupt verstand, Alles für sich einzunehmen – nach St. Petersburg zu begleiten, von wo er nach jahrelangem Aufenthalt, wiederholt mit Orden als Zeichen der kaiserlichen Gunst geschmückt, nach Wien zurückkehrte. S. war mittlerweile zum General befördert und nach seiner Rückkehr zum wirklichen geheimen Rathe ernannt worden. Seiner angegriffenen Gesundheit wegen machte er nun eine Reise nach Frankreich und Italien und hielt sich nach seiner Rückkehr, [9] neuer Verwendung gewärtig, in Wien auf. Im Jahre 1823 schickte ihn der Kaiser nach Berlin, um dem Kronprinzen von Preußen zu seiner Vermählung die Glückwünsche des kaiserlichen Hofes zu überbringen; nach seiner Rückkehr von Berlin wohnte er dem Congreß von Verona bei. Indessen stellten sich die Symptome einer Wassersucht ein, welche er vergebens zu bekämpfen suchte, indem er, immer noch einer Verwendung gewärtig, die Kreise der höheren Wiener Gesellschaft besuchte. Als aber sein Leiden nicht weichen wollte, vielmehr immer größere Fortschritte machte, trat er in den Ruhestand über und lebte zurückgezogen von allen öffentlichen Geschäften. Durch eine ansehnliche Erbschaft, welche ihm von Seite seines älteren Bruders zugefallen war, befand sich S. in vollkommen unabhängiger Lage. Er lebte seinen literarischen Neigungen und gastronomischen Genüssen, welche letzteren eben sein oberwähntes Leiden, wozu er seiner großen und starken Körperbeschaffenheit nach incliniren mochte, vor der Zeit hervorgerufen haben dürften. Die Sommermonate brachte er meist auf seinem Landhause in Laa, einem zwischen Breitenfurth und Preßbaum in Wiens nächster Nähe, in anmuthigster Waldgegend gelegenen Dorfe, zu. Vor seiner letzten Reise nach Italien hatte er aber das Landhaus verkauft und lebte bis zu seinem Tode, der ihn im Alter von erst 52 Jahren dahinraffte, in Wien. Steigentesch war mit einem Fräulein von Zwierlein, welches er in Wetzlar kennen gelernt hatte, verheirathet. Aber diese wenig zierliche und ihn im Alter überragende Dame war nichts weniger als geeignet, das eheliche Glück eines Lebemannes, wie es S. war, zu begründen. Die Verbindung war auch nur von kurzer Dauer; es folgte mit beiderseitigem Einverständniß, ohne daß zu einer gerichtlichen Scheidung geschritten wurde, die Trennung. Die Frau zog sich auf ein Landgut zurück, wo sie S. von Zeit zu Zeit besuchte, und wo sie bis zu ihrem um 1816 erfolgten Tod lebte. Steigentesch, ebenso durch seine Talente, wie durch gefällige Umgangsformen, vielseitige einflußreiche Verbindungen und eine imposante äußere Erscheinung begünstigt, hatte rasch Carrière gemacht. Selbst ohne, oder doch ohne nennenswerthes Vermögen, hatte er sich durch Erbschaft und sein Glück im Spiel ein Capital erworben, und später davon eine Summe von 50.000 fl. auf Leibrenten angelegt. Außerdem hinterließ er ein schuldenfreies Vermögen von etwa 100.000 fl. Da er keine nahen Verwandten hatte, verschrieb er etwa die Hälfte dieser Summe einer Dame, Maria von Hügel, der Tochter seines vieljährigen Freundes, der mit ihm zugleich Commissarius in Regensburg war und mit dem er in den freundschaftlichsten Verhältnissen gestanden. Zum Testaments-Executor ernannte er seinen Freund, den Hofrath im Ministerium des Auswärtigen Andreas Florimund Grafen Mercy [Band XVII, S. 393, Nr. 1], dem er seinen wohl sortirten und ausgestatteten Keller und das silberne Tafelgeräth für 24 Personen vermachte. Einer in seinem Testamente als Verwandte bezeichneten Baronin von Langen, welche im Württemberg’schen lebte, legirte er die Summe von 5000 fl., zu welcher nach dem Ableben seines alten Kammerdieners eine gleich hohe Summe hinzukommen sollte. Auch hatte er in Siebenbürgen lebende Steigentesch bedacht, ohne jedoch anzugeben, ob sie mit ihm verwandt [10] seien oder nicht. Im Vorstehenden wurde der militärische und staatsmännische Lebenslauf des Mannes dargestellt, der aber auch nach anderer Seite Beachtung verdient, und zwar nach der schriftstellerischen, in welcher er in den deutschen Literaturgeschichten entweder gar nicht oder etwa nur dem Namen nach erwähnt und nichts weniger, als wie er es verdient, gewürdigt wird. Die Titel seiner Schriften folgen weiter unten. Laube, Menzel kennen ihn gar nicht, Gottschall nennt ihn nur, ohne Weiteres über ihn zu sagen. Und doch hat S. als Dichter, und zwar als dramatischer Dichter, Eigenschaften, die jedem Dramatiker zu wünschen, und Arbeiten geliefert, die noch heute ihren Werth behalten. In der Darstellung menschlicher Schwächen und Thorheiten, wie sie im bürgerlichen und gesellschaftlichen Leben nicht selten vorkommen, war er ungemein glücklich, und mit seiner feinen Charakteristik verband er eine reiche Erfindungsgabe. Die Handlung in seinen Lustspielen bewegt sich rasch und in angenehmer Mannigfaltigkeit, sein Dialog ist lebendig und geistvoll, dabei entfaltet er einen überaus glücklichen Humor und bedient sich einer feinen, correcten, durchgebildeten Sprache. Freilich nicht so fruchtbar wie Kotzebue, steht er durch Feinheit und Eleganz ihm weit voran und nimmt durch seine nicht gemachte, sondern natürliche Naivetät und herzliche Gemüthlichkeit sofort für sich ein. Man konnte ihn ohne Bedenken den feinsten und gebildetsten deutschen Lustspieldichter nennen, der in der Vereinigung der Vorzüge, welche seine Collegen nur einzeln besitzen, auch in der Gegenwart noch von keinem übertroffen, aber gegen alle Gebühr vernachlässigt ist. Seine Stücke, wie „Das Landleben“; – „Der Reukauf“; – seine köstlichen „Zeichen der Ehe“; – „Die Kleinigkeiten“; – „Der Briefwechsel“, sind Arbeiten, an deren Darstellung sich selbst unser durch die französischen Frivolitäten verwöhnter Magen noch heute ergötzen würde. Er war sich aber auch seiner dramatischen Aufgabe vollkommen bewußt, wie dieß seine Aufsätze „Ueber das deutsche Lustspiel“ und „Umrisse der Geschichte des Lustspiels“, welche in seinen vermischten Schriften abgedruckt sind, bezeugen. Wie eifert er darin, und ebenso mit Recht wie mit Sachkenntniß, über die Zerrbilder des Jammers und die weinerliche Kunst, mit welcher wir so lange im sogenannten bürgerlichen Schauspiel auf die Folter gespannt und mit Verhältnissen geplagt wurden, die meist nur im Hirn des Verfassers, aber nicht in der Wirklichkeit ihren Sitz haben. Verkehrte Sentimentalität und eine Caricatur der Gefühle zu bieten, ist nicht die Aufgabe des dramatischen Dichters, der vielmehr das Leben in seiner vollen Wahrheit erfassen und in künstlerischer Weise uns vorführen soll. Er spottete, wie einer seiner Biographen treffend schildert, zuweilen noch sehr beißend über die kraft- und saftlosen Bühnenephemeren, die sich unter den Händen der umdeutschenden Bearbeiter ganz widernatürlich aus Schmetterlingen an der Seine in schwerfällige Raupen an der Elbe, Spree und Donau umpuppen, und zürnte Müllnern, daß er, der allein noch ein wahrer Koch für französische Schüsseln sei, lieber Stachelnüsse auswerfe. In der Erzählung und im Roman zeigt sich Steigentesch wohl als tiefer Kenner des weiblichen Herzens, aber in seiner üppigen Phantasie laßt er sich öfter zu lüsternen Bildern, wie in seinem „Keratophoros“ oder in seiner „Maria“ hinreißen; jedoch nirgends [11] zeigt sich die frivole Absicht, zu reizen; der Stoff bringt es mit sich, aber er behandelt denselben mit Feinheit und bestrickender Anmuth. Er mochte dabei weniger aus innerem Triebe solche Stoffe wählen, als den leichtfertigen Franzosen gegenüber zeigen, was der Deutsche mit Zierlichkeit in der Gattung zu leisten vermöchte. Ob bei Steigentesch’s Ableben sich ein literarischer Nachlaß vorgefunden, ist nicht bekannt; von seinen Papieren wurden die diplomatischen an die Staatskanzlei, die übrigen an die Hofkriegsraths-Kanzlei, als das Forum, vor welchem seine Verlassenschaft abgehandelt worden, übergeben. Bei Lebzeiten zeigte er seinen Freunden mehr als ein Dutzend Entwürfe zu Lustspielen und dramatischen Arbeiten; darnach zu urtheilen und in Anbetracht der Leichtigkeit, mit der er schuf, sollte man glauben, daß er doch Manches hinterlassen habe.

Uebersicht der schriftstellerischen Arbeiten des Freiherrn von Steigentesch. a) Die poetischen und erzählenden. „Gedichte“ (Osnabrück 1799, Karl, 8°.). – Dieselben (Frankfurt a. M. 1805; 1808, Fr. Wilmans, mit Bildn.). – Vierte Auflage (Darmstadt 1823, Hoyer, mit 2 KK., 8°.). – „Erzählungen“ (Osnabrück 1802, Karl, 8°.). – „Loth, eine Erzählung“ (Osnabrück 1802, Blothe, 8°.). – „Ueber die Kunst, sein Glück zu machen. Epistel an einen Freund“ (ebd. 1802, 8°.). – „Die Gelehrsamkeit der Liebe“ (München 1805, mit 1 K.; ebd. 1809, Fleischmann, 8°.). – „Erzählungen“. Zwei Theile (Wien 1808, Geistinger, 8°.). – „Keratophoros. Ein Märchen in vier Gesängen. Mit Vignetten“ (München 1809, Fleischmann, 8°.). – „Taschenbuch für das Jahr 1811 zur Unterhaltung auf dem Lande“ (Wien, Geistinger mit KK., 12°.). – „Märchen“ (Leipzig 1813, Göschen; auch auf Velinpapier, 8°.). – „Maria. Ein Roman“. Zwei Theile (Gießen 1812; Darmstadt 1823, Hoyer, 8°, mit 2 KK.). – „Mittheilungen aus dem Tagebuche eines Reisenden in den Jahren 1821 und 1822“ (Leipzig 1824, Göschen, 8°.). Daß Steigentesch Verfasser dieses Werkes sei, ist wenig bekannt; in Kayser’s Bücher-Lexikon, wo bei Werken, deren Autoren sich auf den Titeln nicht genannt deren Namen meist in Klammern eingeschlossen angegeben sind, erscheint sein Name nicht. Doch ist seine Autorschaft dieses Buches unzweifelhaft. Es entstand aus diplomatischem Anlasse. Steigentesch war nämlich um 1823 zum Gesandten in Turin ernannt worden, hat aber diese Stelle nicht angetreten, da erst Graf Lützow [Bd. XVI, S. 148], dann aber Graf Senfft von Pilsach [Band XXXIV, S. 108] hingeschickt wurden. S. schildert nun seine Reise, welche über die Niederlande ging, von dort an die Gironde nach Bordeaux, wo sich der Kenner über die dortige Weinbehandlung ausläßt, über Toulouse, Montpellier, Nimes, Aix nach Marseille, dann über Toulon, die Hyères, Nizza, St. Remo, Savona u. s. w. nach Genua. Außer den geistvollen Sittenschilderungen ist das Buch auch reich an technologischen und statistischen Mittheilungen, welche darthun, daß der Verfasser nicht nur zu reisen, sondern auch zu schauen verstand. b) Die dramatischen Arbeiten. „Convenienz und Liebe. Ein Lustspiel in 2 Aufzügen“ (Osnabrück 1798, gr. 8°.). – „Die Freyer. Lustsp. in 4 Aufz.“ (ebd. 1798, Karl, 8°.). – „Dramatische Versuche“. Zwei Theile (ebd. 1798, Blothe, 8°.). – „Das Landleben. Lustsp. in 3 Aufz.“ (Leipzig 1803; neue Aufl. 1810, Hinrichs, 8°.). – „Der Reukauf. Lustsp.“ (Dortmund 1803 [Andrä in Leipzig], 8°.). – „Die Entdeckung. Lustsp.“ (Osnabrück 1798 [Krappe in Leipzig], 8°.). – „Der Schiffbruch oder die Erben. Lustsp.“ (Osnabrück, Blothe, 8°.). – „Die Versöhnung. Lustsp. in 3 Aufz.“ (Wetzlar 1795, 8°.). – „Lustspiele“. Drei Theile (Leipzig 1813, Göschen, 8°.). Erster Theil: „Das Lustspiel“; – „Die Zeichen der Ehe“; – „Kleinigkeiten“. – „Wer suchet, findet auch, was er nicht sucht“. – Zweiter Theil: „Man kann sich irren“; – „Verstand und Herz“; – „Die Abreise“; – „Mißverständnisse“. – Dritter Theil: „Die Verwandten“; – „Der Briefwechsel“; – „Die Entdeckung“. Noch bei seinen Lebzeiten veranstaltete S. eine Ausgabe seiner Werke unter dem Titel: „Gesammelte Schriften. Ausgabe letzter Hand“. Fünf Theile (Darmstadt 1819, Hoyer, 8°.) Erster Theil: „Gedichte und (ein) Märchen [Keratophoros]. – Zweiter [12] Theil: Lustspiele. I. Band: „Die Zeichen der Ehe, in 3 Aufz.“; – „Wer suchet, findet auch, was er nicht sucht, in 1 Aufz.“; – „Verstand und Herz, in 1 Aufz.“ – II. Band: „Der Briefwechsel, in 2 Aufz.“; – „Die Kleinigkeiten, in 1 Aufz.“; – „Die Abreise, in 1 Aufz.“. – Vierter Theil. „Maria“. Zwei Abtheilungen. – Fünfter Theil. „Erzählungen“ („Zwei Tage auf dem Lande“; – „Die Tugend“; – „Die Stufenfolge der Liebe“; – „Maria“; – „Sind sie verheirathet?“; – „Die Nebenbuhlerin“; – „Der Beruf“. – „Vermischte Aufsätze“ („Ein Wort über deutsche Literatur und Sprache“; – „Umrisse für die Geschichte des Lustspiels“; – „Deutsche Titel“; – „Ueber das deutsche Lustspiel“; – „Das Zeitwort“). Aus der Uebersicht der oben angeführten einzeln erschienenen Schriften ergibt sich, daß in diese Ausgabe der gesammelten Werke ein großer Theil seiner im Drucke erschienenen Werke nicht aufgenommen ist. Nach der „Oesterreichischen National-Encyklopädie“ wäre noch ein sechster Theil der „Gesammelten Schriften“ erschienen.
Steigentesch’s Lobgedicht auf Napoleon. Professor Krug erzählt in der „Leipziger Literatur-Zeitung“ folgende Episode aus S.’s Leben. Steigentesch war damals (1800) Major und Commandant eines leichten Infanterie-Bataillons. Mit vielen anderen seiner Waffengefährten theilte er die Bewunderung für Napoleon I. An einem Winterabende im genannten Jahre befand er sich in Gesellschaft, in welcher die Rede auch auf den damaligen Oberconsul Bonaparte kam, der eben im Zenith seines kriegerischen Ruhmes stand. Scherzweise wurde er aufgefordert, ein Lobgedicht auf Bonaparte zu machen, nach folgenden Endreimen: Knaster, Bein, Laster, Wein, Spritze, hinkt, Ritze, stinkt, Aderlässe, Zeus, Todesblässe, geuß, Lippen, Pegasus, Klippen, Wolkenguß, Atmosphäre, Strumpf, Megäre, Triumph. Steigentesch setzte sich sofort an den Tisch und schrieb aus dem Stegreif folgende Zeilen nieder: „Der Pascha, der vertieft in seiner Pfeife Knaster | Auf Spartas Trümmern hockt mit träg verschränktem Bein | Der große Petrowitsch, der von der Neu’rung Laster | Sein Volk zurückgeführt zu Knut’ und Branntewein | Der Duodeztyrann, der mit der lecken Spritze | Der Bonzenpolitik den Brand zu löschen hinkt | Der feile Britte, der aus jedes Berges Ritze | Sich Gold verschafft, das ihm nie nach der Quelle stinkt | St. Peter, der schon schwach durch manche Aderlässe | Doch noch mit Blitzen spielt, wie weiland Vater Zeus | Sie alle feiern dich durch ihre Todesblässe | Doch forderst du ein Lied, so komm du selbst und geuß | Ein Lied von Ossian auf deines Sängers Lippen | Wer folgte dir auch nach und trüg’ ihn Pegasus! | Wer, als dein eig’nes Heer, das über Fels und Klippen | Im Sturmgewoge folgt, gleich einem Wolkenguß | Dieß überfliegt, gestählt für jede Atmosphäre | Die Ströme ohne Schiff, die Alpen ohne Strumpf | Besiegt am Nil und Po der Tyrannei Megäre | Und dir entgegenschallt nun Orients Triumph.“ Bis auf die für einen k. k. Stabsofficier etwas gewagte Stelle zu Ende, wo Napoleon auch am Po die Megäre der Tyrannei besiegt, hat sich S. glücklich aus der Affaire gezogen. Hierzu sei noch bemerkt, daß dergleichen Reimspiele in jenen Tagen in gesellschaftlichen Kreisen sehr beliebt waren.
Quellen zur Biographie. Allgemeines Theater-Lexikon... Herausgegeben von K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig [o. J.], 8°.). Neue Ausgabe Bd. VI, S. 31. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1827, Nr. 29. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1827, Nr. 55. – Frankl (Ludwig August), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) I. Jahrg (1842), S. 33 und 208; II. Jahrg. 1843), S. 738: „Briefe von Steigentesch an den Grafen und die Gräfin von Purgstall“ [diese Briefe sind aus den Jahren 1805, 1807 und 1808]; III. Jahrg. (1844), S. 489: „Literarisch-artistische Silhouetten mit kritischer Beleuchtung“. Von K. A. Schimmer [läßt Steigentesch 1772 geboren sein]. – Goedeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen. (Hannover 1859, Ehlermann, 8°.), Bd. II, S. 1068, Nr. 630; Bd. III, S. 812, Nr. 404. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren, historische Novellen, Genrescenen, Fresken, Skizzen u. s. w. (Wien 1845, Fr. Beck, 8°.) Bd. I, S. 141: „Ein Diner“. [Gräffer führt uns in seiner bekannten lebendigen Manier eine Mahlzeit vor, an welcher Steigentesch, Brentano, M. von Collin, F. von Schlegel, Schneller und Z. Werner [13] theilnahmen. Es war vielleicht nicht so, konnte aber so gewesen sein.] – Kehrein (Joseph), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (Zürich u. s. w. 1871, Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 170. – Lebensbilder aus dem Befreiungskriege (Jena 1844, Friedr. Fromme, gr. 8°.). Zweite Auflage, zweite Abtheilung (Urkundenbuch), S. 39: „Die Absendung des Obersten Freiherrn von Steigentesch vom Schlachtfelde von Aspern an den König von Preußen nach Königsberg“. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.). Zweite Abtheilung Bd. X, S. 175. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 135 [nach dieser geb. 12. Jänner 1772]. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Hoffmann und Campe, 8°.) Bd. X, S. 268.
Porträt. Dasselbe befindet sich vor der zweiten und vierten Ausgabe seiner „Gedichte“.
Wappen. Quergetheilter Schild. Das obere blaue Feld ist von einem schrägerechten silbernen Balken durchschnitten; im unteren silbernen Felde sieht man auf grünem Boden drei nebeneinanderstehende grünbelaubte Bäume. Den Adel erhielt mit Diplom vom Jahre 1788 des Freiherrn August Vater Andreas, der damals Beisitzer des Kammergerichtes in Wetzlar war. Die Erhebung in den Freiherrenstand ist aus dem Jahre 1810, in welchem der General Steigentesch Besitzer der Herrschaft Birkenstein in Steiermark war, welche er aber kaum zwei Jahre besaß, denn schon im Juli 1812 ging sie durch Kauf an Christian Theodor Freiherrn von Forstern über.