BLKÖ:Feßler, Ignaz Aurel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 201. (Quelle)
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Feßler, Ignaz Aurel (Bischof und geistlicher Präses des evangel. Reichsconsistoriums in St. Petersburg, geb. zu Czurendorf in Ungarn 18. Mai 1756, gest. in St. Petersburg 15. Dec. 1839). Sein Vater Johann Georg hatte in der österr. Armee gedient, die Kriege [202] gegen die Pforte (1737–39) mitgemacht und nach erhaltenem Abschied zu Czurendorf einen herrschaftlichen Gasthof gepachtet. F. erhielt in der Taufe den Namen Ignatius, in Folge der Begeisterung seiner Mutter für den Stifter des Ordens der Gesellschaft Jesu. Den Namen Aurelius legte er sich selbst bei aus besonderer Vorliebe für den h. Augustin, der auch diesen Namen trug, und in dessen Meditationen er eine der seinigen ähnliche Geistesrichtung zu finden glaubte. Im Elternhause erhielt F. eine streng religiöse Erziehung. Die Mutter schärfte ihm ein, die Beispiele der Heiligen nachzuahmen und wiederholte ihm immer den Grundsatz: „daß alles Wissen nutzlos sei, wenn es nicht auch das Thun als nothwendige Folge nach sich zöge“. Als F.’s Vater seinen Pacht mit einem Dienste bei dem Weihbischofe Gann in Raab (1764) vertauschte, kam der Knabe auch dahin und erhielt den ersten Unterricht in der lateinischen Sprache; 1768 ging er nach Preßburg zu seinem Oheim Andreas, um die Ingenieurkunst zu lernen, aber als dieser als Geometer nach Croatien reisen mußte, kehrte F. nach Preßburg zurück. Damals bereits zeigte sich die mystische Richtung, welche F. in seinem Leben einschlug und die einen Hauptzug seines Charakters bildet; denn damals schon, erst 12 Jahre alt, verfaßte er ein Gebetbuch in lateinischer Sprache und widmete besondern Fleiß den katechetischen Uebungen. Im J. 1770 kam F. in die lateinische Schule nach Preßburg, im folgenden Jahre nach Raab zurück und trieb vorzugsweise Philologie unter der Leitung des kenntnißreichen Jesuiten Antonius Mancini. Dabei hielt er an dem Grundsätze der Mutter fest, nämlich an einer steten Vereinigung des Thuns mit dem Wissen und folgte auch ihrem Beispiele in einem bis auf’s Höchste getriebenen Wuchern mit der Zeit, was er sein ganzes Leben befolgte. Als er 1772 in den Orden der Gesellschaft Jesu eintreten wollte, wurde ihm seiner Jugend wegen – F. zählte 16 Jahre – der Eintritt versagt. Auf den Vorschlag seines mütterl. Oheims Georg Kneidinger, der philosoph. Lector im Kapuzinerkloster zu Ofen war, trat er 9. Juli 1773 als Noviz in den Orden der Kapuziner; am 9. Juli 1774 legte er das Ordensgelübde ab. Die Idee, ein Märtyrer für den Glauben zu werden, beschäftigte ihn damals oft. Im Kloster Besnijiö – zwei Stunden von Pesth – kasteite sich F. und lebte seinen Pflichten. Die Bekanntschaft mit dem Freiherrn Podmanizky, der auf seinem Schlosse unweit von dem Kloster lebte, gab F. Gelegenheit, die Bibliothek des Barons zu benützen. Fleury’s „Abhandlungen über die Kirchengeschichte“ und Muratori’s „Tractat von der wahren Andacht“ waren es, welche F.’s Gedankengängen eine andere Richtung gaben und seinen Muth, im Mönchstande auszuharren, brachen; mit dieser Zeit begann ein beständiger Kampf seines Glaubens mit seinem Denken, der durch das Erwachen des Geschlechtstriebes, nachdem er Hoffmannswaldau’s Gedichte gelesen, nur noch heftiger wurde. 1775 Anfangs September kam er in’s Kloster nach Großwardein, wo er scholastische Philosophie studirte und sich die Liebe der Domherrn und des Bischofs erwarb, die ihn reichlich mit Büchern beschenkten. 1776 kam er in’s Kloster Schwächat bei Wien und nun begannen seine trübsten Tage. Die mitgebrachten strengtheologischen Werke wurden ihm abgenommen, die Benützung der Klosterbibliothek ihm untersagt. In seiner Noth wendete sich F. im Jän. 1777 an Eybel (s. d. S. 118 d. Bds.), Professor des Kirchenrechtes in Wien, der ihm heimlich seine Schriften zu lesen gab. Schwere Klosterstrafen für kleine Vergehen reizten noch mehr sein [203] Gemüth. Am 29. Mai 1779 – 23 Jahre alt – erhielt F. die heiligen Weihen; aber in seinem Innern hatte er mit dem Stande, dem er angehörte, gebrochen. Aus einem Briefe an den Prälaten Stephan Rautenstrauch vom 20. Mai 1780 ersieht man, wie weit er mit seinem Zwiespalt gekommen. „Wer“, heißt es in diesem Brief, „das Evangelium gelesen, weiß, was nach dem Evangelium Christ, was Priester heißt. Der Christ folgt der Sittenlehre Jesu, den die Priester kreuzigen ließen“. Im Sept. 1781 kam F. in das Kloster nach Wien, um daselbst seine Studien zu vollenden. Da war es, daß er am 23. Febr. 1782 vom Guardian den Auftrag erhielt, einem Laienbruder in den unterirdischen Klostergefängnissen das heil. Sacrament zu reichen. Von dem was F. da gesehen, erstattete er in einem geheimen Schreiben Bericht an Se. Majestät Kaiser Joseph II. Diesem Schreiben folgte die Schrift: „Was ist der Kaiser“ (1782). [Alle Schriften F.’s folgen weiter unten in kleinerer Schrift nach ihrem Inhalt geordnet.] In Folge dessen fand eine strenge Untersuchung in allen Klöstern der Monarchie Statt. F. aber wurde angeklagt, das Gelübde der Armuth, des Gehorsams und der Keuschheit verletzt zu haben, und vor den Richterstuhl des Cardinal Migazzi gestellt. Sein Oheim Georg Kneidinger war unter seinen Anklägern. Nach überstandener Strafe besserte sich seine Lage nicht, bis über Verwendung Rautenstrauchs die Sache eine günstige Wendung nahm und F., nachdem dessen Unschuld dargethan worden, am 6. Februar 1784 zum Lector, am 11. Nov. zum ordentlichen Professor der orientalischen Sprachen und Hermeneutik des alten Testamentes in Lemberg ernannt wurde. Vorher noch wurde F. durch kaiserl. Decret aus dem Kapuziner-Orden entlassen. In Lemberg lag F. seinen wissenschaftlichen, philologischen Studien ob [siehe S. 206 c) F.’s philologische Schriften], las Spinoza, führte ein sehr eingezogenes Leben, zugleich begann er seine erste schöngeist. Arbeit, das Drama „Sidney“ [s. S. 205 b) F.’s schöngeist. Schriften], welches am 26. Jänn. 1788 in Lemberg aufgeführt ward und F. in solche Unannehmlichkeiten verwickelte, daß er vorzog, sich allen befürchteten Folgen durch die Flucht nach Schlesien zu entziehen, welche er am 2. Februar 1788 aus Lemberg ausführte. Am 6. Februar kam er nach Breslau und fand beim Buchhändler Korn gastliche Aufnahme. An eine Rückkehr war nicht zu denken. F. kam nun als Erzieher nach Wallisfurth zu dem regierenden Fürsten Schönaich-Carolath (2. Juli 1788). Eine Recension seines Drama’s „Sidney“, das seine Flucht veranlaßte, hatte den Fürsten auf F. aufmerksam gemacht. In diese Zeit fällt sein erster Roman „Marc Aurel“, der bis 1799 3 Auflagen erlebte. Im Jahre 1791 trat F. zur lutherischen Kirche über. Dem „Marc Aurel“ folgte: „Aristides und Themistokles“. Am 25. Jänn. 1792 schloß F. die Ehe mit einem Mädchen und dieser Schrift hatte zehnjährigen Kummer im Gefolge, denn erst 1802 erfolgte die gerichtliche Scheidung. Seine Stelle als Erzieher im Fürst Carolath’schen Hause verlor er aber bereits 1796, als ökonomische Verhältnisse den Fürsten zwangen, sämmtliche Hofbeamten darunter auch F. zu entlassen. F. war nun auf sich selbst angewiesen. Noch während seines Aufenthaltes im fürstlichen Hause hatte er den „Evergeten-Bund“ in Schlesien gestiftet, der später, politischer Tendenz verdächtig, aufgelöst wurde. Am 11. Jänn. 1797 begründete er zu Berlin die „Gesellschaft der Freunde der Humanität“. Aber seine Verhältnisse waren sehr mißlich, gegen den Druck der dringendsten Lebensbedürfnisse sicherte ihn eine zeitweilige Anstellung, welche ihm die preußischen [204] Minister von Schrötter und von Voß verliehen. Die hinlängliche Muße, die ihm sein Amt ließ, verwendete er zur Organisirung des Freimaurerthums, was ihm Anfeindungen von allen Seiten zuzog und zuletzt seinen Austritt aus allen Logen-Verbindungen (am 5. Sept. 1802) veranlaßte. Eine in jener Zeit unternommene Reise durch Deutschland brachte ihn mit den Koryphäen der Wissenschaft und Literatur in Verbindung u. A. mit Reimarus, Klopstock, Gleim, mit Tischbein, Jacobs, Schlichtegroll, mit Herder, Paulus, Schütz, Hufeland, Schelling, Schlegel, Tieck, Adelung und Maler Graf. Die Erinnerungen an jene Reise und insbesondere an seine Gespräche mit Herder hatten den tiefsten Eindruck auf F. gemacht und in sein späteres Denken und Anschauen bestimmend eingegriffen. Am 22. Nov. 1802 hatte er sich zum zweiten Male und diesmal glücklich mit Karoline Marie Wegeli, einer Fabrikantentochter aus Berlin, vermält. Unweit Berlin kaufte er 1803 ein kleines Freigut Kleinwall, aber als er den Gehalt, den ihm seine provisorische Stelle eintrug, wegen Auslösung derselben, verlor und die Kriegsjahre das kleine Erträgniß seiner theuer gekauften Besitzung sehr schmälerten, gerieth F. in eine sehr bedrängte Lage, das Gut mußte er verkaufen und nur die Ergebung, mit welcher seine Frau das traurige Loos mit ihm theilte, hielt ihn selbst aufrecht. Damals lebte F. von literarischen Arbeiten und in jene Zeit fallen die Romane: „Abälard und Heloise“; – „Theresia“; – „Bonaventura’s mystische Nächte“; – „Alonso oder der Wanderer nach Monserrat“ [siehe S. 205 b), F.’s schöngeistige Schriften]. Schon stieg seine Noth am höchsten, als seine vor Jahren bereits erschienenen philologisch-orientalischen Arbeiten 1810 seine Berufung als Professor der orientalischen Sprachen und Philosophie an die Alexander Newsky-Akademie zu St. Petersburg mit 2600 Rubeln Gehalt zur Folge hatten. Aber noch im nämlichen Jahre von einem seiner Collegen als Anhänger Fichte’s verdächtigt, bat F. um seine Entlassung und wurde mit gleichem Gehalt als Correspondent bei der Gesetzcommission angestellt. Zugleich blieb ihm die Wahl eines Aufenthaltsortes im Reiche frei. Im März 1811 zog F. nach Wolsk im Gouvernement Saratow, wo er die Aufsicht über ein von dem Collegienrath von Slobin gegründetes Erziehungs-Institut führte. In Folge von Einschränkungen, welche Slobin vornahm, verlor F. diese Nebenbeschäftigung und auf seinen Gehalt als Correspondent der Gesetzcommission beschränkt, zog er am 25. Februar 1813 mit seiner Familie nach Saratow. In die Zeit seines Aufenthaltes in Wolsk und Saratow fällt der Beginn der Abfassung seiner „Geschichte Ungarns“. Im J. 1815 traf aber den 60jährigen Mann die erschütternde Nachricht von der Einziehung seines Gehaltes. F. war nun wieder auf seinen literarischen Erwerb und auf Unterstützungen seiner Freunde in Petersburg, Freiberg in Sachsen, Pesth und Preßburg beschrankt. Eine glückliche Wendung nahm seine Lage erst, als er am 1. Sept. 1817 mit der Zahlung des ganzen rückständigen Gehaltes und die Zusicherung erhielt, denselben auch für die Folge zu beziehen. Im nämlichen Jahre erfuhr F. auch einen andern Beweis kaiserl. Huld, als sein Sohn in die adelige Pensionsanstalt zu Zarskoe-Selo kostenfrei aufgenommen wurde. Als endlich im J. 1818 der russ. Kaiser den evangelischen Glaubensgenossen gleiche Rechte mit den übrigen Confessionen ertheilte und ein evangelisches Reichsconsistorium mit einem weltlichen und geistlichen Präses errichtete, wurde F. im Nov. 1819 zum Bischof der evangelischen Kirche und zum geistlichen Präses des [205] evangel. Reichs-Consistoriums ernannt, welchen Posten er zwanzig Jahre bis an seinen Tod bekleidete, der ihn im Alter von 83 Jahren nach einem vielbewegten Leben seiner Thätigkeit entriß. (Unten folgen F.’s Schriften nach ihrem Inhalt und chronologisch geordnet, die Quellen über sein Leben und die Ansichten über ihn und seine Werke. Die mit einem * bezeichneten Werke enthalten reiche Beiträge zu seiner Selbstbiographie.)

I. Feßlers belletristische, religiöse, philologische, historische, autobiographische, Freimaurer-Werke und im Verein mit Andern redigirte Zeitschriften, a) Erste Schrift:Was ist der Kaiser? Verfaßt von einem Kapuziner, herausgegeben von Feßler“, 2 Hfte. (Wien 1782) [mit dieser verhängnißvollen Schrift eröffnete F. seine künftige literarische Thätigkeit, nahm den Kampf auf gegen den Stand, dessen Mitglied er selbst war und rief die für sein ganzes Leben entscheidende Wendung seiner Geschicke hervor].
b) F.’s schöngeistige Schriften:Sidney, ein Trauerspiel in fünf Aufzügen“ (Köln 1788, 8°.) [Vergl. Allg. Liter.-Zeitung 1788, II. Bd. S. 789. – Allg. deutsche Bibliothek LXXXVII. Bd. S. 214] erschien ohne F.’s Namen, angeblich zu Köln, doch eigentlich zu Breslau bei Korn. Die Handlung des Stückes war des wollüstigen und blutdürstigen Obersten Kirke schändliches Verfahren mit Lilla, der Geliebten Sidney’s, der er für einen einzigen Nachtbesuch das Leben des zum Tode verurtheilten Sidney versprochen hatte. ihn aber der Verrathenen und Mißbrauchten des Morgens aus dem Fenster aufgehängt zeigte. Die auf Jakob II. im Stücke gerichteten Stellen wurden von F.’s Feinden auf Joseph II. bezogen, F. in einen fiscalischen Proceß verwickelt, dem er sich durch die Flucht (2. Febr. 1788) entzog. – „Marc Aurel“, 4 Thle. 3. verb. Aufl. (Breslau 1799, gr. 8°.) die erste in 3 Bden. erschien ebenda 1790, die zweite in 4 Bden. 1791. [Vergl. darüber: Allg. Liter.-Zeitung 1791, I. Bd. Nr. 86, S. 683 u. f. – Allg. deutsche Bibliothek XCIV. Bd. S. 445; – CIII. Bd. S. 492; – CIV. Bd. S. 179. – Neue allg. deutsche Bibliothek IV. Bd. S. 379; – LV. Bd. S. 388.] F. versuchte darin das Problem zu lösen, wie nach psychologischen Gesetzen unter den gegebenen, nicht erdichteten Zeit- u. Nationalverhältnissen, ein Regent, wie Marc Aurel war, werden konnte und mußte. – „Aristides und Themistokles“, 2 Bde. (Berlin 1792, mit 2 Titelk. u. 2 Vign., gr. 8°.). [Vergl. darüber: Allg. Liter.-Zeitung 1793, II. Bd. Nr. 108, S. 124.] Analog dem Zwecke seines „Marc Aurel“ wollte F. mit Festhaltung ihrer historisch gegebenen Charaktere an ihnen entwickeln, wie in dieser Zeit und in einem solchen Volke, der Eine das Muster staatsbürgerlicher Rechtlichkeit und Vaterlandsliebe, der Andere das Vorbild selbstsüchtiger Politik werden konnte; dabei aber auch den beharrlichen Kampf zwischen der strengsten Gerechtigkeit u. schlauesten Staatsklugheit darstellen. – „Alexander der Eroberer“ (Berlin 1797, 8°.). – „Der Achaische Bund“ (Eb. 1798) [diese Fortsetzung von Barthelemy’s „Reise des jüngeren Anacharsis durch Griechenland“ erschien unter dem Titel: „Fortsetzung der in Anacharsis’ Reise enthaltenen Geschichte von Altgriechenland“, 2 Bde., von denen jeder einzeln unter den obigen Titeln ausgegeben wurde. Vergl. darüber: Allg. Liter.-Zeitung 1798, IV. Bd. Nr. 344, S. 395.] – „Attila, König der Hunnen“, neue verbess. (2.)Aufl. (Breslau 1806, gr. 8°.), die erste Aufl. (Bresl. 1794, gr. 8°., mit Titel u. 2 Vign.) [Vergl. darüber: Allg. Liter.-Zeitung 1795, II. Bd. Nr. 150, S. 433. – F.’s Bemerkungen darüber: Ebenda 1795, Intelligenzblatt Nr. 81, S. 646. – Neue allg. deutsche Bibliothek XXI. Bd. S. 396. – Oberdeutsche allg. Liter.-Zeitung 1795, I. Bd. 59. Stück, S. 963.] – „Mathias Corvinus, König der Hungern und Großherzog von Schlesien“, 2 Thle. 2. Aufl. (Breslau 1796, gr. 8°., mit 2 Titelk.) [Die erste Aufl. erschien 1793 ebenda. Vergl. darüber: Goth. gel. Zeitg. 1796, 88. Stück, S. 788. – Literarische Beilage zu den schlesischen Provinzialblättern 1793, 10. Stück, S. 303; 1794, 6. Stück, S. 176; 7. Stück, S. 209. – Neue allgem. deutsche Bibliothek XXV. Bd. S. 266.] – „Die drei großen Könige der Hungarn aus dem arpadischen Stamme (Stephan der Heilige, Ladislaus der Heilige und Kolomanus der Gelehrte)“ (Breslau 1808, mit K. u. Vign., gr. 8°.). [Vergl. darüber: Allg. Literat.-Zeitung 1809, I. Bd. S. 657.] Das obige Werk der „Attila“ und der „Mathias Corvinus“ erschienen auch zusammen unter dem Titel: „Gemälde aus den alten Zeiten der Hungarn“, 4 Bde. (Breslau 1808, gr. 8°.). – „Abälard und Heloise“, 2 Thle. (Berlin 1806, 8°., m. Titelk. u. Vign.). [Vergl. darüber: Allg. Liter.-Zeitung 1809, III. Bd. Nr. 334.] – „Bonaventura’s [206] mystische Nächte“ (Berlin 1807, 8°.). – „Theresia oder Mysterien des Lebens und der Liebe“, 2 Bde. (Breslau 1807, 8°., mit KK.). – „Alonso oder der Wanderer nach Montserrat aus Don Barcos Papieren“, 2 Thle. (Leipz. 1808, 8°., mit KK.). – „Der Groß-Hof und Staats-Epopt Lotario oder der Hofnarr“ (Berlin 1808, mit Titelk. u. Vign. 8°.). – „Der Nachtwächter Benedikt“ (Eb. 1809, 8“., m. KK.). Die fünf letztgenannten Schriften fallen in die Zeit von F.’s Aufenthalt in Kleinwall (1803–1808), wo die Kriegsereignisse die Einkünfte dieses kleinen Besitzes so schmälerten, daß F., der eine Frau und drei Kinder zu ernähren hatte, mit der bittersten Noth rang. F. selbst erklärte sie für bloße Spiele seiner Laune.
c) F.’s philologische Schriften: „Anthologia hebraica e sacris Hebraeorum libris deprompta adjecta versione latina et annotationibus“ (Leopoli 1787, gr. 4°.). – „Institutiones linguarum orientalium, Hebraicae, Chaldaicae, Syriacae et Arabicae, cum Chrestomathia arabica J. G. Eichhornii“, Pars prior (Vratisl. 1787) Pars posterior: „Institutiones linguae Chaldaicae et Arabicae complectens“ (Ebend. 1789). – L. A. Senecae Philosophi Opera omnia. Ad fidem LXIII librorum veterum, tum manuscriptorum, tum impressorum recensuerunt et cum adnotationibus Ign. Aur. Fessler et J. C. Ch. Fischer“ 3 Bde. (Vratisl. 1795, 8°.).
d) Feßlers religiöse und kirchliche Schriften: *„Ansichten von Religion und Kirchenthum“, 3 Thle. (Berlin 1805, gr. 8°.). [Vergl. darüber: Freimüthigen 1805, Nr. 228, 230, 233. – Neue Leipziger Literat.-Zeitung 1806, II. Bd. S. 977.] Behandelt in 25 Briefen die Religion überhaupt, das Christenthum überhaupt, die verschiedenen christlichen Secten und Parteien, den Werth und Zweck des Kirchenthums; auch über seine eigenen religiösen Ueberzeugungen und über seinen Uebertritt zur evangel. Kirche enthält es Ausschlüsse. – „De liturgia christianae ecclesiae“ (St. Petersburg 1809). – „Zwei Predigten gehalten in dem Saale der Brüdergemeinde in Sarepta“ (Ebd. 1816, gr. 8°.). – „Die Gesinnung Jesu Christi“ (Ebd. 1817, gr. 8°.). – „Christliche Reden. Ein Scherflein zur Erbauung der Gläubigen“, 2 Bde. (Riga 1822). – „Liturgisches Handbuch zum beliebigen Gebrauche evangelischer Liturgen und Gemeinden“ (Riga 1823), auch unter dem Titel: „Liturgische Versuche zur Erbauung der Gläubigen, sowohl geistlichen als weltlichen.
e) F.’s historische Schriften u. Autobiographien:Die alten und neuen Spanier. Ein Völkerspiegel“, 2 Thle. (Berlin 1810, gr. 8°.). Erschien auch unter d. Titel: „Versuch einer Geschichte der Spanier.“ – „Die Geschichten der Ungarn und deren Insaßen“, 10 Thle. (Leipz. 1815–1825, Brockhaus, 8°.) F. hat dazu seit 23 J. Materialien gesammelt. – „Geschichte der Entlassung des gewesenen Pastors in Saratow, K. Limmer. Aus den Original-Acten“ (Riga 1823). Das Ergebniß einer Untersuchung, womit F., seit November 1819 zum Bischof der evangelischen Glaubensgenossen in Rußland ernannt, beauftragt worden. Limmer hatte in dieser Angelegenheit den Weg der Oeffentlichkeit ergriffen. Obige Schrift F.’s ist die Antwort auf den von Limmer entstellten Sachverhalt. – *„Rückblicke auf meine 70 jährige Pilgerschaft, von Ign. Aurelius Feßler“, 2 Bde. (Breslau 1824–26, 8°.). Zweite Auflage herausgegeben und mit einem Vorworte eingeleitet von Prof. Friedr. Bülau (Leipzig 1851). Die erste Auflage ist auch in’s Holländische übersetzt von Willem van Volkom (Breda 1828, 8°.) Eine der interessantesten Autobiographien überhaupt, die es gibt. – *„Resultate seines Denkens und Erfahrens als Anhang zu seinen Rückblicken auf seine 70jährige Pilgerschaft“ (Breslau 1826, 8°.). – Was mit den „Documentirten Beiträgen zur Gelehrten-Geschichte Rußlands“ geworden, wozu F. (1813) den Plan entworfen und ihn auszuführen beabsichtigte, ist nicht bekannt.
f) F.’s Freimaurer-Schriften: *„Schriften über Freimaurerei“, 3 Bde. (Berlin und Freiburg 1801 u. f.), der 2. Bd. auch unter dem Titel: „Rückblicke auf die letzten sechs Jahre seiner Logenthätigkeit“, 2 Abthlgn., herausgeg. von Fr. Moßdorf (Dresden 1804), der 3. Bd. unter d. Titel: „Freimaurerische Briefe aus Kleinwall“ (1807, 8°.). – *„Aufschlüsse über den Evergeten-Bund in Schlesien, herausgeg. von Fr. Moßdorf“ (Freiberg 1804, 8°.). – Nicht im Drucke erschien F.’s: „Geschichte des Freimaurer-Ordens von den ältesten Zeiten bis zum J. 1802.“ Abschriften davon in 4 Foliobänden wurden durch ein Mitglied des Ordens, den Buchhändler Gerlach in Freiberg, [207] aber nur an Logen oder sehr verläßliche Brüder verkauft.
g) Im Verein mit Andern: Mit Friedr. Rambach gab F. mehrere Jahrgänge des „Berlinschen Archivs der Zeit und ihres Geschmacks“ heraus. – Mit J. G. Rhode (1801), dann mit Joh. Christian C. Fischer (1802 u. 3) und dann allein (1804 u. 5) gab er heraus: „Eunomia, eine Zeitschrift des neunzehnten Jahrhunderts“ (Berlin) Jahrg. 1801–1805. [Die interessanteren Beiträge dieses Blattes und sämmtliche Aufsätze F.’s zählt auf: Karl Heinrich Jördens in seinem „Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten“ (Leipzig 1806, Weidmann, gr. 8°.) II. Bd. S. 514 u. f..] – Das vollständigste Verzeichniß von F.’s früheren Schriften siehe: Meusel (J. Gg.), Das gelehrte Teutschland (Lemgo 1786, Meyer, 8°.) 5. Ausg. II. Bd. S. 312; IX. Bd. S. 335; XI. Bd. S. 218; XIII. Bd. S. 371; XVII. Bd. S. 562; XXII. Bd. 2. Abth. S. 124. – Vor dem verstümmelten, uncorrecten und unrechtmäßigen Nachdruck von „F.’s sämmtlichen Werken“ (Wien 1809–16) in 22 Bdn. ist nur zu warnen.
II. Biographien und Biographisches. Rhode (Johann Georg), Nachrichten von dem Leben J. A F.’s (ohne Angabe des J. u. O.). – Ersch (J. S.) u. Gruber (J. G.), Allg. Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 43. Thl. S. 266–285 [umfassende Biographie von Heinr. Döring]. – Jördens (Karl Heinr.), Lexikon deutscher Dichter u. Prosaisten (Leipzig 1806, Weidmann, gr. 8°.) I. Bd. S. 509 –517 und VI. Suppl. Bd. S. 89–93 [nach diesem geb. in Preßburg]. – Morgenblatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1807, Nr. 152 u. 153. – Dasselbe 1808, Nr. 201. – Dass. 1809, Nr. 187 [enthält Nachrichten von F.’s Lebensuniständen, seinen Ansichten über Religion und Kirchenthum und kritische Blicke auf mehrere seiner schöngeistigen Schriften von K. A. Böttiger]. – Annalen der Literatur und Kunst in dem östr. Kaiserthum (Wien, Doll, 4°.) Jahrg. 1809, Intelligenzblatt, November Sp. 210. – Allgem. geograph. Ephemeriden (Weimarer Industrie-Comptoir) 1811, Octoberheft, S. 258. – Allgem. Literaturzeitung 1817, Nr. 31. – Dieselbe 1818, Nr. 15: „Feßlers Lage in Rußland“, von Hauschild. – Zwickauer Erinnerungsblätter 1820, S. 49, 65, 81, 129 und 145. – v. Sydows Asträa. Taschenbuch für Freimaurer auf das J. 1824 S. 149 u. f. – Der Gesellschafter, herausg. von Gubitz (Berlin, 4°.) 1826, S. 387: „Feßler, ein Wunderthäter als Knabe.“ – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar Voigt, 8°.) XVII. Jahrg. (1839) II. Theil, S. 974. – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa (Wien 1848, 8°.) I. Bd. S. 87: „Kaiser Joseph, Feßler und die Kapuzinergräuel in Wien.“ – Dieselben im nämlichen Bande S. 151: „Joseph II. und Professor Feßler in Lemberg.“ – Europa, herausgeg. von Gustav Kühne[WS 1] (Leipzig, 4°.) 1850, S. 780: „Feßler als Kapuziner und als Mensch“ [nennt ihn richtig einen der merkwürdigsten Charaktere sowohl in psychologischer, als in literarischer und historischer Beziehung]. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) III. Bd. S. 80. – Lupin auf Illerfeld (Freih.), Biographie jetzt lebender oder im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts verstorbener Menschen (Stuttgart 1826, Cotta, gr. 8°.). – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 129 [nennt seinen Geburtsort: Czundorf, mit welchem Namen Czurendorf auch öfter erscheint]. – Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény[WS 2]. Második az elsőt kiegészítő kötet, d. i. Ungar. Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Band (Pesth 1858, Gyurian, 8°.) S. 80 [nach diesem geb. zu Zarandfalva im Wieselburger Comitate 1756, gest. zu St. Petersburg 15. Dec. 1839]. – Schlosser (F. C.), Geschichte des 18. Jahrh. u. des 19. bis zum Sturze des franz. Kaiserreichs (Heidelberg 1844) IV. Bd. (3. Auflage) S. 436 [in der Anmerkung]. – Bergmann (Joseph), Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des östr. Kaiserstaates vom XVI.–XIX. Jahrhund. (Wien 1844 u. f., Tendler, 4°.) II. Bd. S. 200 [daselbst heißt es ausdrücklich: „Von Feßler, der selbst aus der Gegend des Bodensees herstammte“; Feßler selbst ist in Ungarn geboren].
III. Ueber F.’s Schriften, seine Charakteristik als Schriftsteller, als Mensch. Einer von F.’s Biographen schreibt über ihn: „Ein Mensch wie Feßler, von diesen Talenten, von diesen Kenntnissen, der sich hinsichtlich seines Charakters mehr verrufen als gelobt wußte; der gleichsam ein Opfer seiner Ideen ward und sich vernachlässigt von Allen denen sah, die ihn aus seiner Lage reißen konnten, und dennoch sich nicht herabließ zu den Schreiern über die Lage der zeitlichen Dinge; der immerfort die Ideenhöhe behauptet, welche er erstiegen, ist wenn nicht ein liebenswürdiger, doch gewiß ein seltener Charakter.“ – Ein anderer Biograph charakterisirt F.: „Schwieriger als das Urtheil über F.’s literarische Erzeugnisse ist die richtige Auffassung seines [208] Charakters als Mensch. Daß ein so vielbewegtes Leben wie das seinige manchen Mißdeutungen ausgesetzt sein mußte, ist leicht erklärlich. Von Wenigen ganz gekannt, von Einzelnen theilweise verstanden, von Vielen zu Etwas gemacht, was er gar nicht war, stand F. unter seinen Zeitgenossen als eine räthselhafte Erscheinung da. ..… Wenige Schriftsteller haben in ihren Werken den Gang ihres geistigen Lebens so scharf abgemessen, so bestimmt gezeichnet, als F. Man fühlt bei seinen Schriften, daß er selbst alle Stufen durchgegangen sein mußte, des Glaubens, des Zweifels, des Wissens, daß er aber, nachdem der erste verloren war, von dem letzten nicht befriedigt, mit Besonnenheit seinen Verstand gefangen hielt, um in der Anschauung und Gefühlsreligion Befriedigung seiner Sehnsucht zu finden.“ – Horn (Fr.), Poesie und Beredsamkeit der Deutschen III. Bd. S. 434. – Gervinus (G. G.), Geschichte der deutschen Dichtung (Leipzig 1853, Engelmann, gr. 8°.) 4. Aufl. V. Thl. S. 325 ]reiht F. an Meißner an, von dem er sagt, daß er mit dem „Alcibiades“ die selbstgefälligen und unsäglich hohlen historischen Erzählungen, die sich noch ganz wie die Sachen des 17. Jahrhunderts in Geschichtgedichte und Gedichtgeschichten abtheilen lassen, je nachdem die Erdichtung oder die Geschichte vorherrscht, eröffnete. Auf seinem Wege ging J. A. Feßler, der 1790 mit dem „Marc Aurel“ seine Reihe von histor. Romanen eröffnete“]. – Eichhorn (Joh. Gf.), Geschichte der Literatur von ihrem Ursprunge bis auf die neuesten Zeiten (Göttingen 1805 u. f., gr. 8°.) IV. Bd. 2. Abtheil. S. 1104. [Spricht sich gegen den historischen Roman als eine Zwittergattung aus, welche der Heiligkeit der Geschichte viel zu nahe trete. So viele Wahrscheinlichkeit und Anmuth auch die Fiction ... in F.’s „Marc Aurel“ und in ähnlichen Halbromanen haben mag, so wäre doch zu wünschen, daß Geschichte und Roman geschieden blieben.“] – F. selbst urtheilt aber über seine Schriften wie folgt: „Meine Schriften sind durch die öffentliche Stimme der Kritik mehr gelobt als getadelt worden. … Ich wünschte, daß nie bloße Aesthetiker zur Beurtheilung übernommen hätten, was nur für den religiösen Philosophen einigen Werth haben konnte. Ich wünschte, daß meine Schriften Niemand zum Zeitvertreibe in die Hand genommen hätte, noch in Zukunft zum Zeitvertreibe in die Hand nehmen möge; denn nicht dazu, sondern zur Zeitbcnützung für mich und Andere, denen das Leben des Geistes, wie mir, hoher Ernst, nicht leichtsinniges Spiel ist, und die auf denselben Wegen, wie ich, irren und schwanken, sind sie geschrieben.“ Diese in den letzten Jahren seines Lebens ausgesprochene Ansicht F.’s über seine eigenen Arbeiten ist zu ihrer Beurtheilung nicht unwesentlich.
IV. F.’s Porträte. 1) Unterschrift: Dr. Fessler (F. Rosmäsler jun. 1820, Zwickau, b. Geb. Schumann, 4°.). – 2) Unterschrift: J. A. Fessler. Kleines Medaillonbild 32°. Ohne Angabe des Zeichners, Kupferstechers u. Ortes. Der Kopf im Profil nach rechts. – 3) Unterschrift: Fessler. Gemalt von Wasilief in Asien, gez. u. gest. von Rosmäsler in Dresd. 1826, 8°. – 4) Unterschrift: J. A. Fessler. Ohne Angabe d. Zeichn., Kupferst. u. Ortes. Im Medaillon. Der Kopf nach rechts. – 5) Kupferstich. Leipzig, Karl Geibel, 4°.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: August Kühne.
  2. Vorlage: Életrazj-gyüjtemény.