BLKÖ:Hölzl, Franz Seraphin Thomas

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 116. (Quelle)
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Hölzl, Franz Seraph. Thomas (Tonsetzer und Domcapellmeister, geb. zu Malaczka in Ungarn 14. März 1808). Daß Ungarn sein Geburtsland ist, ist mehr ein Zufall; seine Mutter von Wien befand sich eben zu Malaczka auf Besuch bei Freunden. H. ist der zweitälteste Sohn eines k. k. Beamten (sein älterer Bruder Joseph ist k. k. Sectionsrath bei der obersten General-Rechnungs-Controlsbehörde in Wien). Nach dem Wunsche seiner Eltern sollte er sich den Studien widmen und zu diesem Zwecke besuchte er auch das Piaristengymnasium in der Josephstadt, fühlte sich aber in der an diesem Gymnasium befindlichen Gesangschule, welche unter der Leitung des Ritters von Henneberg stand, weit behaglicher und wurde auch seiner schnellen Fortschritte wegen in kurzer Zeit schon auf dem Kirchenchore verwendet. Indem H.’s Neigung zur Musik eine stets vorherrschendere wurde, so gestatteten ihm die Eltern, sich ganz derselben widmen zu dürfen, und ließen ihn als Zögling in das vom Grafen Ferdinand Pallfy 1823 am k. k. priv. Theater an der Wien errichtete Musikinstitut eintreten, [117] dessen Director Ludwig Schwarzbök war und in welchem die Zöglinge Unterricht im Gesange, Violine, Violoncello, Fortepiano, Generalbasse und in der italienischen Sprache erhielten. Als aber dieses Institut, in welchem Graf Palffy junge Kräfte für die Oper oder für’s Orchester heranzubilden beabsichtigte, schon nach vier Jahren wieder aufgelöst wurde, ward H. nach überstandener Mutation in den damals vereinigten Theatern an der Wien und im k. k. Hof-Operntheater unter Barbaja im Chore verwendet. Aber schon nach ein paar Jahren verließ H. die theatralische Laufbahn, um seine Studien bei Erasmus Keßler und bei Ritter Ignaz von Seyffried zu vollenden. 1827 wurde H. Professor des Generalbasses beim Musikvereine „zur Bildung der Schulpräparanden für echte Kirchenmusik bei St. Anna“ und wirkte daselbst bis zum Jahre 1830, in welchem er eine Kunstreise nach Polen machte, dort beim Fürsten Heinrich Lubomirsky die Musikmeisterstelle annahm, welche er aber, nachdem die Revolution 1831 ausbrach, wieder aufgab und nach Wien zurückkehrte, wo er bald ein gesuchter Lehrer war. Bisher hatte H. mehrere Kirchencompositionen geschrieben, welche auf verschiedenen Chören zur Aufführung gelangten, darunter ein „Lauda Sion“, das in der Hofpfarre bei St. Augustin eine beifällige Aufnahme fand. Hölzl’s wahres künstlerisches Streben brachte ihn in freundschaftliche Berührung mit den Leitern der seiner Zeit berühmten Concert spirituels, Baron Lannoy, Karl Holz und Titze, deren ausübendes Mitglied H. auch bald wurde. Mit welcher Sorgfalt aber man damals bei Aufführungen zu Werke ging, erhellt aus der Thatsache, daß bei der Ouverture „Ali Baba“ von Cherubini Baron Lannoy die Triangl, Titze die Cinellen und Hölzl die große Trommel handhabten. 1841 vollendete H. das für ihn von Anton Ritter von Perger gedichtete Oratorium „Noah“ in zwei Abtheilungen, welches am 21. März im Saale des Conservatoriums zur Aufführung kam. Chor und Orchester waren das des k. k. Hof-Operntheaters, an deren Spitze Professor Georg Hellmesberger Vater [Bd. VIII, S. 284] stand. Das mit aller Liebe von Seite der mitwirkenden Künstler ausgeführte Werk wurde mit großem Beifalle aufgenommen. Da sich aber für H. ungeachtet dieser Erfolge dennoch keine Aussicht eröffnete, sich in Wien eine minder kümmerliche Existenz zu erringen, so nahm er den ihm von seinem Freunde Professor J. Fischhof [Bd. IV, S. 254] gestellten Antrag an, als artistischer Director des Musikvereins nach Innsbruck zu gehen. In kurzer Zeit fand H., der sein Amt mit Liebe und Eifer versah, in Innsbruck festen Boden, gewann Männer wie Dr. Schuler, Alois Flir [Bd. IV, S. 267], Böhm, Baumgarten, Dr. Stotter u. A. zu Freunden und wurde der Liebling der akademischen Jugend, welche er zu einer Liedertafel vereinte. Diese Liedertafel wurde bald allgemein beliebt, wo nur immer ihre Chöre ertönten, strömte das Volk herbei; ein neues ungekanntes Leben begann, und Hölzl wird mit Recht in seinem Ehrendiplome als erster Gründer der Liedertafel benannt, auch dürfte die Innsbrucker Liedertafel die erste im österreichischen Kaiserstaate gewesen sein. Als was aber dieser gesellige, völlig harmlose Verein in maßgebenden Kreisen angesehen wurde, erhellt aus einer von dem Grafen Sedlnitzky 1842 erlassenen Verfügung, [118] nach welcher, als behördlich angefragt ward, ob die Liedertafel zu gestatten sei, bedeutet wurde, daß sie wohl nicht zu verbieten, jedoch nur stillschweigend zu dulden sei. Im August 1843 erhielt H. den Ruf als Domcapellmeister nach Fünfkirchen in Ungarn. H. nahm denselben in der Voraussetzung an, daß ihm nun jene Mittel zu Gebote stehen würden, welche von einem gut fundirten Chore zu erwarten sind. Aber seine Erwartungen gingen nicht ganz in Erfüllung, und obgleich in Ungarn geboren, stellen sich ihm als „Fremden“ nicht geringe Hindernisse entgegen. Diese im Ganzen wenig erquicklichen Verhältnisse äußern jedoch auf H.’s Compositionstalent keine nachtheilige Wirkung, denn innerhalb der 19 Jahre (1843 bis 1862) seiner Wirksamkeit in Fünfkirchen hat H. eine nicht geringe Anzahl von Tonstücken für die Kirche, Kammer und den Gesang vollendet. In der Zwischenzeit, im Jahre 1844, folgte H. auch einer Einladung des Wiener Chorregentenvereins, die Aufführung seines Oratoriums, welche am 3. November g. J. unter Mitwirkung von 500 Personen und in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers im kais. großen Redoutensaale stattfand, persönlich zu dirigiren. Im Jahre 1832 erhielt H. anläßlich der Sr. Majestät dem Kaiser gewidmeten großen Messe (in D) die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft; das Werk selbst aber wird im kais. Hofmusikarchive aufbewahrt. H.’s (Kompositionen sind: Kirchliches: 6 solenne Messen, 17 kleine, 4 vocale für Männerstimmen, 6 vocale für gemischten Chor; 13 Graduale; 16 Offertorien (7 Hymnen-Offertorien für gemischten Chor und Orgel, Wien, bei Franz Glöggl); 1 großes Requiem für Männerstimmen und Orchester; 5 kleine Requiem; 3 Te Deum (in C, zur Vermälungsfeier Sr. Majestät, Wien, bei F. Glöggl); 6 Tantum ergo; 2 Veni sancte spiritus; 1 Ecce sacerdos; 14 Vesperpsalmen; 5 Vesperhymnen; 1 Hymne (Ave maris stella für Solo Sopran, Viola, Violoncello und Orgel, Wien, bei F. Glöggl). – Kammermusik: 7 Streichquartette: 1. D-dur (Wien, bei F. Glöggl), 2. E-moll (bei Demselben), 3. C-dur, 4, Fis-moll, 5. A-moll, 6. Es-dur, 7. F-moll; – 3 Quintetten: 1. F-moll, 2. B-dur, 3. G-dur; – 2 Sonaten für Fortepiano und Violine: 1. Es-dur (Wien, bei F. Glöggl), 2. G-moll, für Pianoforte allein, Gique, Scherzo; – 8 kleine charakteristische Stücke. – Für Gesang: „Herbstmelancholie“ (Wien, bei Spina); – „An Suleika“, 4 Lieder; – „Mühlenlieder“, 4 (bei F. Glöggl); – „Bilder aus der Schweitz“, 3 Lieder, Beilage zu Dr. August Schmidt’s „Wiener Musik-Zeitung“ 1841 (bei Spina); – „Lieder für die Jugend“; – „Waldstimmen“, 4 L.; – „Aus dem Kinderparadiese“, 4 L. (Wien, bei F. Glöggl); – „Der Negersclave“ (Pesth, bei Nor. Grinzweil); – „Das Kind in der Wolfsschlucht“ (Wien, bei Artaria); – „Der „Trompeter“; – „Das Wiederfinden“ (bei Spina); – „In die Ferne“; – „Trennungsklage“; – „Des Menschenherzens Ebbe und Fluth“; – „Die Flüchtende“; – für Männerchöre: „An die Freude“ (bei F. Glöggl); – Liedertafellied: „Die Zeit der Zöpfe ist vorüber“ (bei Demselben); – „Im Walde“; – „Laute Freude“; – „Deutscher Männer Festgesang“. – Für Orchester: 2 Concert-Ouvertüren; 1 Symphonie in Fis-moll; Oratorium: „Noah“, in 2 Abtheilungen; Oper: „Die Colonna“, romantische Oper in 3 Acten, schon 1847 vollendet und für das Theater an der Wien, wo sie zur Aufführung angenommen wurde, eingerichtet. Die Auflösung [119] der Oper des Theaters an der Wien vereitelte jedoch die Aufführung. H. ist Ehrenmitglied des Musikvereins zu Innsbruck, des Dom-Musikvereins und Mozarteums in Salzburg, des Günser Musikvereins und des Wiener Chorregentenvereins.

Monatschrift für Theater und Musik. Herausgegeben von Jos. Klemm (Wien, Wallishausser, 4°.) I. Jahrg. (1855), S. 264 [nach dieser geb. am 14. März 1808]. Fremdenblatt (Wien, 4°.) 1861. Nr. 341. – Allgemeine Theater-Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) 1844, Nr. 266. – Neue Wiener Musik-Zeitung, herausgeg. von Franz Glöggl, Jahrg. 1844, S. 44 [nach dieser geb. am 16. März 1808). – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien. 8°.) III. Jahrg. (1844), S. 1061. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für das gebildete Publikum (Hildburghausen, bibliogr. Institut, gr. 8°.) III. Suppl. Bd. S. 1473 [ganz unrichtige Mittheilungen, von denen nicht bestimmt anzugeben ist, ob sie auf Franz Seraph. H. oder auf den vorigen Gustav Hölzel [S. 113] passen, da sie sowohl in Bezug auf den Einen wie den Andern falsch und lückenhaft sind).