BLKÖ:Heinefetter, Clara

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 218. (Quelle)
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Heinefetter, Clara, später gewöhnlich Stöckl-Heinefetter[BN 1] (Sängerin, geb. zu Mainz 17. Februar 1816, gest. zu Wien im Irrenhause am 24. Februar 1857). Die jüngste von fünf Schwestern: Kathinka, Sabine[WS 1], Fatime, Eva und Clara, von denen auch die ersten zwei als Sängerinen eines bedeutenden Rufes sich erfreuten. Sie stammt von jüdischen Eltern, die Töchter waren ursprünglich Harfenmädchen und Clara verlebte ihre Jugend in Mainz; 1829 begleitete sie ihre Schwester Sabine nach Paris. Dort wurde die berühmte Malibran [219] auf Clara’s schöne Stimme aufmerksam, und Clara nahm nun fleißig Unterricht im Gesange. Mit ihrer Schwester kam sie 1831 nach Wien und machte daselbst ihren ersten theatralischen Versuch im Kärnthnerthor-Theater als Agathe im „Freischütz“, während ihre Schwester das Aennchen sang. Sie wurde nun im Hofoperntheater auf drei Jahre engagirt, während welcher Zeit sie sich unter Cicimara noch mehr im Gesange ausbildete und Rollen, wie den Pagen im „Johann von Paris“, die Irene in „Maurer und Schlosser“, den Romeo im „Montechi und Capuleti“ u. dgl. m. sang. Auch ihre Schwester war an dieser Bühne in festes Engagement getreten, hatte es aber in der Folge, nachdem sie sich mit Director Duport entzweit, verlassen. Clara blieb bis zum Jahre 1836 beim Hofoperntheater und sang neben den schon genannten Parthien: Die Gräfin Reuterholm in der „Ballnacht“, die Sara in der „Jüdin“, Camilla in „Zampa“, die Elvira in „Don Juan“, in welcher Oper mit ihr die Hasselt-Barth [s. d. S. 42] die Rolle der „Anna“ und die Lutzer jene der „Zerline“ sangen. 1836 folgte sie dem Rufe zu einem Gastspiele nach Berlin, wo ihr kräftiges, eine Capelle und Chor von 150 Individuen übertönendes Organ Spontini zur Bewunderung hinriß; Clara jedoch, die glänzendsten Anerbietungen ausschlagend, nahm eine Einladung nach Mannheim und dann nach Pesth an. In Pesth vermälte sie sich am 27. Juni 1837 mit Franz Stöckl, ersten Mimiker des Kärnthnerthor-Theaters in Wien und nannte sich seitdem Stöckl-Heinefetter. Seit 1837 sang sie abwechselnd in Wien, Pesth, Prag, Mannheim, Darmstadt, im Sommer 1840 im James-Theater zu London als Jessonda großen Triumph feiernd, und dann auch im Drurylane-Theater an 63 Abenden mit glänzendem Erfolge. Im Winter 1840/41 in Berlin; eröffnete am 8. Februar 1841 als „Jessonda“ ihren Gastrollen-Cyclus am kais. Hofoperntheater in Wien, sang dann wieder in Dresden, Hamburg, Prag, bis es im October 1843, da sie mit ihrer Schwester auf einen kurzen Besuch nach Wien kam, der Administration des Kärnthnerthor-Theaters gelang, sie auf vierthalb Jahre zu engagiren. Sie feierte nun große Erfolge als Lucretia in Donizetti’s „Lucretia Borgia“, als Zayda in Desselben „Dom Sebastian“. Am 1. April 1847 verließ sie diese Bühne, trat eine Kunstreise durch Deutschland an, sang in mehreren Städten und folgte ihrem Manne, als er 1849 die Direction des Linzer Theaters übernahm, nach Linz, wo sie einige Male sang. Die Geburt eines Kindes raubte ihr die Stimme; dazu gesellten sich die empfindlichen Verluste ihres Gatten, welche er als Director des Linzer Theaters erlitt; diese beiden Schläge des Schicksals trübten ihre Sinne, so daß sie endlich ganz dem Wahnsinne anheim fiel und 1855 in das Irrenhaus zu Wien gebracht werden mußte, wo sie nach zweijährigem Leiden der Tod davon erlöste. Außer den bereits genannten Parthien zählten noch zu ihren besten Rollen: Isoletta in der „Unbekannten“, die Königin in der „Schreiberwiese“, die Gräfin in der „Hochzeit des Figaro“, Leonore in Beethoven’s „Fidelio“, die Titelrolle in der „Norma“, die Kunigunde in Spohr’s „Faust“, die Alice im „Robert der Teufel“ und die Titelrolle in Gluck’sIphigenia“. Clara erinnerte in ihrem Auftreten an die heroische Gesangscelebrität Milder-Hauptmann [220] [s. d. S. 73], nur war sie mehr geschult als diese. Ihre Iphigenia zählte zu den großartigsten Leistungen des Gesanges; mit deutscher Kraft italienische Glut verbindend, riß sie mit ihren vollen Tönen die Zuhörer zur Begeisterung hin.

Gräffer (Franz), Jüdischer Plutarch oder biographisches Lexikon der markantesten Männer und Frauen jüdischer Abkunft u. s. w. (Wien 1848, 8°.) Zweites Alphabet oder zweiter Band, S. 76. – Wiener Theater-Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle, 51. Jahrg. (1857), Nr. 48: „Nekrolog“ – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden 1856, Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 367. [Daselbst heißt es im Artikel Sabine Heinefetter zu Ende: „Zwei Schwestern von ihr (nämlich der Sabine) Clara und Madame Stöckl-Heinefetter machten sich ebenfalls als gute Sängerinnen bekannt“; eine für ein Special-Lexikon der Musik sehr oberflächliche und unrichtige Notiz; nach dieser erscheinen Clara Heinefetter und die Stöckl-Heinefetter als zwei verschiedene Personen, da sie doch nur eine sind, denn die Stöckl-Heinefetter führt ja eben den Vornamen Clara. Auch wäre sie nach dieser Quelle am 23. Februar 1857 gestorben.] – Auch Dr. F. S. Gaßner in seinem „Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande“ (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 424, verfällt in den oben gerügten Irrthum. – Porträte. 1) Unterschrift: Klara Stöckl-Heinefetter, Mitglied des k. k. Hof-Operntheaters in Wien. A. H. Payne sc. Verlag der englischen Kunstanstalt von A. H. Payne in Leipzig, Stahlstich, 8°.); – 2) einen trefflichen Stahlstich nach einer Bleistiftzeichnung, welche im Besitze des Herausgebers dieses Lexikons ist, brachte auch seiner Zeit die Theater-Zeitung von Adolph Bäuerle. Auf diesen ist die Aehnlichkeit sehr groß.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Stöckl-Heinefetter, Clara, siehe: Heinefetter, Clara [Bd. VIII, S. 218].
    Als Nachtrag zu den Quellen seien hier noch angeführt: Seyfried (Ferdinand Ritter von), Rückschau in das Theaterleben Wiens seit den letzten fünfzig Jahren (Wien 1864, 8°.) S. 264. [Theilt uns die Pikanterie mit, daß die Sängerin, wenn sie in der Oper beschäftigt war, kein Hemd am Leibe tragen konnte!] – Die Bühne, Mittheilungen aus dem Gebiete der Musik- und Theaterwelt (Leipzig, Payne, 8°.). Erster (und einziger) Band. Seite 33: „Clara Stöckl-Heinefetter“. – Allgemeines Theater-Lexikon oder Encyklopädie alles Wissenswerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde u. s. w. Herausgegeben von K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. Neue Ausgabe (Altenburg und Leipzig, o. J., 8°.) Bd. IV, S. 203.
    Porträte. 1) Unterschrift: „Clara Stöckl-Heinefetter“, A. Dworzak sc. (4°.). – 2) Costümbild: „Mad. Stöckl-Heinefetter als Beatrice in den Ghibellinen“. Cajetan del., J. W. Zinke sc. (4°.). Stöckl-Heinefetter, Clara [Bd. 39, S. 90.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Sabine Heinefetter (Wikipedia).