BLKÖ:Hauptmann, Peter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hauptmann, Lorenz
Band: 8 (1862), ab Seite: 73. (Quelle)
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Hauptmann, Peter (Hofjuwelier und Bürger von Wien, geb. zu Wien 21. Februar 1763, gest. zu Ybbs im Armenhause 8. Februar 1858), und Milder-Hauptmann, Pauline Anna (Sängerin, geb. nach den meisten Quellen zu Pera in Constantinopel 20. April 1785, gest. zu Berlin 29. Mai 1838, nach der „Monatschrift für Theater und Musik“ aber geboren in Ungarn an der serbischen Grenze). Ersterer, welcher in den französischen Kriegsjahren unentgeltlich mehrere Ehrenämter bekleidet, als äußerer Rath, Stadtsequester, Commandant des zweiten Bürgerregiments die ersprießlichsten Dienste geleistet hat, und für seine mannigfaltigen Verdienste mit der mittleren goldenen Civil-Ehrenmedaille, der Salvator- und der silbernen Landesvertheidigungs-Medaille ausgezeichnet worden ist, war ein sehr reicher, dabei aber auch sehr gutmüthiger Mann, außerdem [74] von schöner äußerer Erscheinung, von Geist, Kenntnissen und Kunstsinn; in den Tagen seines Reichthumes unterhielt er ein ausgezeichnetes Haustheater im Trattnerhofe. Seine Gutmüthigkeit aber, indem er für Andere, und zwar für große Summen gut stand, brachte ihn an den Bettelstab. Um Tausende betrogen, verlor er sein ganzes Vermögen und befand sich seit 1. December 1847 im Armen-Versorgungshause zu Ybbs, wo er, 95 Jahre alt, an Altersschwäche starb. Noch mehr bekannt wurde sein Name, nachdem er 1810 die berühmte Sängerin Pauline Anna Milder, später unter dem Namen Milder-Hauptmann viel gerühmt, geheirathet. Pauline Anna war die Tochter eines österreichischen Cabinetscouriers, die früh ihren Vater verloren hatte, und da sie vermögenlos war, als Kammerjungfer in Dienste einer Gräfin trat, in welchen sie bis 1803 verblieb. Schikaneder, der sie zufällig einmal singen hörte, beredete sie, Gesangsunterricht zu nehmen. Sigismund Neukomm, Haydn’s Schüler, ertheilte ihr denselben zwei Jahre unentgeltlich, später war Salieri ihr Lehrer, durch dessen Vermittelung sie, da sie zuerst auf Schikaneder’s Bühne auf dem Theater an der Wien als Juno in Süßmayer’s „Spiegel von Arkadien“ aufgetreten war und sehr gefallen hatte, 1807 am Hoftheater nächst dem Kärnthnerthore engagirt wurde. Sie war bald die gefeierte Sängerin des Tages, die ersten Componisten suchten für ihre Stimme zu arbeiten; so schrieb Weigl die „Schweizerfamilie“, Beethoven die „Leonore“, Bernhard Klein die „Dido“, Cherubini seine „Faniska“ vorzüglich mit Berücksichtigung ihres Talentes. Seit sie sang, konnten die lange ruhenden Gluck’schen Opern, unter denen sie vornehmlich als Alceste in der „Iphigenia auf Tauris“ glänzte, wieder auf das Repertoire gebracht werden. 1809 sang sie vor Napoleon in Schönbrunn, der ihr Engagementsanträge für die Pariser Oper und die Ernennung zur Kammersängerin anbieten ließ, Anträge, welche sie damals, durch Familienverhältnisse an Wien gefesselt, ablehnte. 1810 vermälte sie sich mit Hauptmann, führte seitdem den Doppelnamen Milder-Hauptmann, legte aber nach getrennter Ehe den zweiten wieder ab. 1812 sang sie zum ersten Male in Berlin. Bleibend siedelte sie aber erst 1816 dahin über, wo sie bis 1829 so zu sagen die Seele der classischen Oper an der königlichen Bühne war, bis sie dieselbe nach 13jähriger Thätigkeit in Folge eines Zerwürfnisses mit Spontini, der aber eben ihr die glänzenden Erfolge seiner Opern verdankt, verließ. Nun sang sie in Petersburg, dann in Stockholm und Kopenhagen und in mehreren Städten des nördlichen Deutschlands, jedoch nur in Concerten. In Wien, wo sie die ersten Lorbern geerntet, nahm sie 1836 in einem Concerte Abschied von der Oeffentlichkeit und zog sich in’s Privatleben nach Berlin zurück. Daselbst war ihr Tod, der schon zwei Jahre später, als sie 53 Jahre alt war, erfolgte, noch ein öffentliches Ereigniß, so sehr hatte das Andenken ihres künstlerischen Glanzes im Publikum fortgelebt, freilich in einer politisch kaum bewegten Zeit, in der nie wiederkehrenden goldenen Aera der Schauspielkunst. Der Kreis der Rollen, in welchem sie sich bewegte, war etwa: Alceste, Armide, Iphigenia, Antigone in Sacchini’s „Oedip“, die Oberpriesterin in Spontini’s „Vestalin“, Statyra in „Olympia“, Lodoisca, Dido in B. Klein’s gleichnamiger Oper, Fidelio, Emmeline, Elvire in „Don [75] Juan“ und noch einige andere. Der Kreis, im Ganzen, war klein, aber in dem kleinen Kreise war sie groß. Für elegische, sentimentale Charaktere, ruhig declamatorische Rollen paßte sie schon ihrer colossalen, obwohl plastisch schönen Gestalt wegen, nicht; hingegen als Iphigenia, Armide, Statyra, vornehmlich aber als Alceste, wo die Gewalt ihrer mächtigen Stimme die Zuhörer erschütterte, war sie von unerreichter Wirkung. In der Blüthezeit besaß sie eine Stimme, wie keine deutsche Sängerin von gleicher Reinheit und Klangfülle. Da sie aber eine eigentlich künstlerische Ausbildung nie erhalten und den Wiener Dialect nie ganz abgelegt hatte, so fehlte ihrem Organe jede Biegsamkeit, ihrem Vortrage die richtige Declamation, ihrem Spiele der Adel und die Poesie. Das Dutzend Parthien, in welchen sie einzig in ihrer Art dastand, machte sie in Berlin zur Hauptstütze der antiken classischen Oper.

Ueber Peter Hauptmann: Wanderer (Wiener polit. Journal, Fol.) 1858, Nr. 33. – Presse (Wiener polit. Journal) 1858, 11. Februar. – Theater-Zeitung, redigirt von Adolph Bäuerle, 1858, Nr. 34. – Humorist, herausg. von M. G. Saphir, 1858, Nr. 34. – Ueber seine Gemalin, bekannt unter dem Doppelnamen Milder-Hauptmann: Album des königl. Schauspiels und der königl. Oper zu Berlin ... (Berlin 1858, Gustav Schauer, kl. 4°.) S. 51 [mit Porträt]. – Gaßner (F. S. Dr. ), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in Einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 613. – Monatschrift für Theater und Musik. Herausgegeben von Joseph Klemm (Wien, Wallishausser, 4°.) III. Jahrgang (1857), S. 192. – Porträte. 1) Unterschrift: Anna Milder-Hauptmann (Druck von W. Korn, Berlin, ohne Angabe des Zeichners und Lithographen, Verlag von Gustav Schauer, kl. 4°.); – 2) gestochen von Seybold (Wien, Spina, Fol.); – 3) nach Sigmund von Perger gest. von D. Weiß, Medaillonbild (Wien, Wallishausser, 8°.).