BLKÖ:Hermann, Benedict Franz Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hermann, Anton
Band: 8 (1862), ab Seite: 380. (Quelle)
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Hermann, Benedict Franz Johann (Montanist, Geolog, Mineralog und Technolog, russisch kaiserlicher Ober-Berghauptmann, geb. zu Marienhof im Judenburgerkreise in Steiermark 14. März 1755, gest. zu St. Petersburg 31. Jänner 1815). Sein Vater besaß eine kleine Landwirthschaft zu Murau in Steiermark, wo Benedict den ersten Unterricht auf der dortigen Stadtschule erhielt, später kam er nach Friesach, um im Dominikanerkloster daselbst die Humanitätsclassen zu hören, aber da er bei dem Pater Procurator des Klosters viel Krankenwärterdienste verrichten mußte, ging es mit den Studien nicht recht vorwärts. Benedict wurde sonach zur Erlernung der Salzwerkkunde nach Aussee geschickt und arbeitete daselbst im Praktischen des Salzwerkwesens, wie auch im Kanzleigeschäfte. In Letzterem widerfuhr ihm bei Abschrift eines wichtigen dringenden Actenstückes, das er bereits zu Ende geschrieben, das Unglück, es statt mit Streusand, mit Tinte zu überschütten. Die ungemessene Strenge seines Vorstehers fürchtend, hatte H. bald einen Entschluß gefaßt: er floh. Mit wenig Kupfergeld in der Tasche befand sich der Arme mit einem Male auf der Landstraße und nach einer beschwerlichen Wanderung, auf welcher er die Nächte über aus Furcht, entdeckt zu werden, im Freien zugebracht, erreichte er endlich das Vaterhaus. Während seines beinahe zweijährigen Aufenthaltes in Aussee war H. jedoch nicht müßig gewesen; er hatte sich einige mineralogische und metallurgische Kenntnisse und im Kanzleigeschäfte so viel Uebung erworben, daß er alsbald im Rentamt zu Murau Verwendung fand, wo er mit dem Vater des nachmals als Literator und Culturhistoriker bekannt gewordenen Dr. Franz Sartori einen Freundschaftsbund schloß, der fortdauerte, nachdem Hermann längst von seiner Heimat entfernt in der Fremde eine ersprießliche Thätigkeit entwickelt hatte. Als er in Kürze bei der fürstlich Schwarzenberg’schen Rechnungsrevision in Gratz eine Anstellung erhielt, benützte er die Gelegenheit zur Fortsetzung seiner unterbrochenen Ausbildung, besuchte die Vorlesungen an der Universität und lernte Sprachen. Darauf wieder nach Murau in’s Rentamt zurückversetzt, das er einige Zeit allein verwaltete, besuchte er zuweilen die Eisen- und Stahlwerke dieser Gegend und legte dabei den Grund zu jenem Wissen, in welchem er sich späterhin so hervorthat. Im Jahre 1777 kam er in die fürstlich Schwarzenberg’sche Buchhaltung nach Wien und erhielt, 22 Jahre alt, die Administration der fürstlichen Hauptcasse. Diese Stelle verließ er, nach zweijähriger Dienstleistung, indem er wegen vermeintlicher Zurücksetzung sich gekränkt fühlend, [381] um seine Entlassung bat. Auch während seines Aufenthaltes in Wien benützte er die Muße zu gründlichen Studien in der Physik, Mechanik, Naturgeschichte, Polizeiwissenschaft, in denen er sich unter Lehrern, wie Herbert [S. 351 d. Bds.], Walcher, Wels, Jacquin, tüchtig ausbilden konnte. Eine im Jahre 1781 durch verschiedene Gegenden Deutschlands, Italiens und Ungarns unternommene Reise, auf welcher er vorzugsweise die Berg- und Salzwerke, aber auch Manufacturen und Fabriken besuchte und Verbindungen mit den geschicktesten Fachmännern anknüpfte, erweiterte seinen Gesichtskreis und befestigte die bisher im Wege der Theorie gewonnenen Kenntnisse. Nach Wien zurückgekehrt, bat er für sich um Errichtung einer Lehrkanzel der Technologie an der Universität. Diese Bitte wurde ihm nicht gewährt, ihm jedoch gestattet, nachdem er eine gedruckte Abhandlung über die Einführung des Studiums der Technologie überreicht hatte, außerordentliche Vorlesungen über diesen Gegenstand zu halten. In dieser Zeit kam er auch mit Männern, wie Hofrath Born [Bd. II, S. 71], Bergrath Haidinger [Bd. VII, S. 206], Stütz, Director des k. k. Naturaliencabinets u. A. in nähere Berührung. Auch hatte er für die Beantwortung der von der ökonomischen Gesellschaft in Wien aufgegebenen Preisfrage über die Kenntniß des Mergels den ersten Preis und was noch mehr war, den Sieg über einen berühmten Oekonomen, der auch Preisbewerber war, erhalten, welcher Umstand seine Zuversicht in nicht geringem Maße erhöhte. Nun veröffentlichte er seine „Reisen durch Oesterreich ...“ (die Werke siehe weiter unten), welches Werk eine sehr freundliche Aufnahme fand, ihm aber auch, weil er darin eine Beschreibung des Stahlprocesses bei den fürstlich Schwarzenberg’schen Bergwerken in Steiermark in Aussicht stellte, nicht geringe Unannehmlichkeiten zuzog, indem ihn der damalige Dirigent der fürstlichen Kanzlei darüber gerichtlich belangte. Unmuthig über diesen Vorgang gab H. seine außerordentliche Professur in Wien auf und begab sich wieder auf Reisen, dieses Mal durch Mähren, Schlesien nach Westgalizien. Die Bekanntschaft mit einem Herrn von Karosi, der sich mineralogischer Forschungen halber in Mohila aufhielt, bildet einen Wendepunct in Hermann’s Leben. Bisher hatte er mit Entbehrungen aller Art zu kämpfen gehabt; hatte von dem kargen Ertrage seiner Schriften und Privatvorträge gelebt; nun eröffnete sich ihm eine bessere Aussicht. Die Bekanntschaft mit Karosi veranlaßte ihn nach Warschau und von da durch Kur- und Liefland nach St. Petersburg zu reisen, wo er Ende 1781 eintraf und eine sehr gute Aufnahme fand. Die kais. Akademie daselbst ernannte ihn alsbald zu ihrem Correspondenten mit Pension; eine Reise in die Krim, zu welcher ihn die Akademie in Vorschlag gebracht hatte, um die Gebirge dieser Halbinsel zu untersuchen, unterblieb in Folge der in dieser Zeit stattgehabten Staatsveränderung in Rußland; hingegen ertheilte die Kaiserin Katharina den Befehl, ihn in die uralischen Gebirge abzusenden, um eine Stahlfabrik daselbst anzulegen. 1783 trat er seine Reise an und kam 1784 nach St. Petersburg zurück. Dort reichte er sein Gutachten über die zu errichtende Stahlfabrik ein und wurde darauf zum Hofrath und Fabriksdirector ernannt. Als solcher trat er 1785 seine zweite Reise nach Sibirien an. Mit dieser Ernennung fällt seine Berufung als Domänen-Administrationsadjunct [382] nach Lemberg zusammen, welch’ letztere er aber unter den obwaltenden Umstanden ablehnte. Bis 1796 bekleidete H. seinen Posten, in der Zwischenzeit wiederholte Reisen nach den Kolywan’schen Bergwerken und nach St. Petersburg unternehmend. Im letztgenannten Jahre nahm er seinen bleibenden Aufenthalt in St. Petersburg, indem er schon lange vorher in Folge seiner angegriffenen Gesundheit um Enthebung von dem angestrengten Dienste gebeten hatte. In St. Petersburg wurde er 1798 zum Mitglied des Reichs-Bergcollegiums, 1799 auch zum Inspector der kais. Bergschule und Collegienrathe ernannt, und nachdem seine mineralogischen Reisen durch Sibirien im Drucke erschienen waren, zum Staatsrathe befördert, welch’ letzterer Titel bald in den eines Ober-Berghauptmannes des Kaiserreiches umgeändert wurde. Nachdem in einiger Zeit seine Ernennung zum Befehlshaber der Berghauptmannschaft Katharinenburg erfolgt war, begab er sich neuerdings nach Sibirien, wo er während einer fünfjährigen Amtsverwaltung der Stifter von vielen ungemein nützlichen, meist humanistischen Anstalten wurde. Im Jahre 1803 errichtete H. zu Katharinenburg auch die erste Buchdruckerei in ganz Sibirien, und das erste Werk, welches in russischer Sprache aus derselben hervorging, war eine Abhandlung über den Ertrag des russischen Bergbaues in klein Folio, welche später (1810) in deutscher Sprache zu St. Petersburg unter dem Titel: „Die Wichtigkeit des russischen Bergbaues“ erschien. Im Jahre 1807 wurde H. zum General-Bergintendanten ernannt und bekleidete dieses Amt bis an seinen Tod, indem er noch 1811 eine Reise nach Sibirien – seine fünfte – unternommen hatte, um bei mehreren montanistischen Einrichtungen persönlich die Oberleitung zu führen. Hermann hat viele selbstständige Fachschriften und noch mehrere Abhandlungen, letztere in deutscher und französischer Sprache, durch den Druck veröffentlicht. Erstere – darunter mehrere in nächster Beziehung auf den Kaiserstaat – sind in chronologischer Folge: „Ueber die Einführung des Studiums der Technologie“ (Wien 1781, 8°.); – „Reisen durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen u. s. w.“. 3 Bdchn. (1780–1783, 8°.); – „Beschreibung des Silberschmelzprocesses zu Neusohl in Ungarn“ (Wien 1781, 8°.); – „Beschreibung der Manipulation, vermittelst welcher der Brescianer Stahl verfertiget wird“ (Wien 1781, 8°.); – „Hofer’s Nachricht von dem in Toscana entdeckten natürlichen Sedativsalze, aus dem Italienischen übersetzt“ (Wien 1782, 8°.); – „Abriss der physikalischen Beschaffenheit der österreichischen Staaten“ (St. Petersburg und Leipzig 1783, 8°.); – „Buffon’s Geist oder Kern seiner Naturgeschichte, aus dem Französischen“ (ebd. 1783, 8°.); – „v. Hornek’s[WS 1] Bemerkungen über die österr. Staatsoekonomie. Ganz umgearbeitet und mit Anmerkungen versehen“ (Berlin und Stettin 1784, 8°.); – „Demest’s Briete über die Chemie, Probierkunst, Chrystallographie u. s. w., aus dem Französischen“ (St. Petersburg und Leipzig 1784, 8°.); – „Beiträge zur Physik, Mineralogie, Oekonomie u. s. w.“ 3 Bde. (Berlin und Stettin 1786–1788, 8°.); – „Ueber die Frage: Wie sind die verschiedenen Arten von Mergel oder Schlier am sichersten zu erkennen? Eine von der ökonomischen Societät in Wien 1781 gekrönte Preisschrift“ (Wien 1787); – „Versuch einer mineralogischen Beschreibung der uralischen Erzgebirge“. 2 Bde. (Berlin und Stettin 1789, 8°.); – „Statistische Schilderung von Russland“ (St. Petersburg und Leipzig 1790, 8°.); – „Naturgeschichte des Kupfers“. 1. Theil (St. Petersburg [383] 1793, 8°.); – „Ueber die Entstehung der Gebirge und ihre gegenwärtige Beschaffenheit“ (Leipzig 1797, 8°.); – „Sotschinennya o siberskich rudnikach i sawodach“, d. i. Abhandlungen von den sibirischen Berg- und Hüttenwerken. 3 Bde. (St. Petersburg 1797–1801, 4°.); – „Mineralogische Reisen in Sibirien von 1783 bis 1796“. 3 Bde. (ebd. 1798–1801, 4°. mit K. K.). Seine zerstreuten Aufsätze und Abhandlungen sind in den „Schriften der Berliner Gesellschaft naturforsch. Freunde“, in Pallas’ „Nordischen Beiträgen“, in Crell’s „Chemischen Annalen“, in den „Abhandlungen der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften“, und in den unter dem Titel: „Nova Acta Academiae Petropolitanae“ herausgegebenen Schriften der kais. Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg enthalten. Von diesen – welche Sartori’s Werk: „Oesterreichs Tibur“ vollständig aufzählt, sind bemerkenswerth die zwei Preisschriften: „Ueber den Unterschied zwischen Roh- und Frischeisen“, gekrönt von der kön. böhm. Gesellschaft der Wissensch. (1799), und „Ueber die beste Schmelzmethode der magnetischen, oft schwefelichten Eisenerze“, gekrönt von der ökon. Gesellschaft in St. Petersburg (1801). Hermann war seit dem Jahre 1787 mit Elisabeth Katharina, ältesten Tochter des geheimen Rathes und Ritters von Katschka, Gouverneurs der Kolywanischen Statthalterschaft, vermält, die ihm sieben Kinder gebar, von denen aber nur drei Söhne: Friedrich, Franz, Bernhard, und eine Tochter, Maria Charlotte, den Vater überlebten. H. war auch Ehrenmitglied der kais. Akademie der Naturforscher in St. Petersburg, der kön. Societät der Wissenschaften in Göttingen und Prag, der naturforsch. Gesellschaft in Berlin, der ökonom. Gesellschaften in Wien und St. Petersburg und der mineralogischen Societät in Jena.

Sartori (Franz Dr.), Oesterreichs Tibur oder Natur- und Kunstgemälde aus dem österreichischen Kaiserthume (Wien 1819, Doll, kl. 8°.) S. 351–372 [erscheint daselbst wie in den „Annalen“ als Hermann mit einem r und zwei n und ist nach diesem am 14. März 1755 geboren]. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat, begonnen von Armbruster, fortges. von Sartori (Wien, A. Strauß), Jahrg. 1814, S. 589. – Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien, Doll, 8°.) Jahrg. 1810, Bd. IV, S. 542–556 [nach diesem geb. am 14. Mai 1755]. – Steiermärkische Zeitschrift. Redigirt von Dr. G. F. Schreiner, Dr. Albert v. Muchar, A. Schrötter (Gratz 1842, 8°.) Neue Folge, 7. Jahrg. 1. Heft, S. 63 [nach dieser geb. 14. März 1755 und gest. 31. Jänner 1815]. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Brockhaus, 4°.) II. Section, 6. Theil, S. 261 [nach dieser wäre er bereits 1806 gestorben]. – Meusel (Johann Georg), Das gelehrte Teutschland, Bd. III, S. 141; Bd. XI, S. 343; Bd. XIV, S. 108. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 565 [nach dieser und der „Steiermärkischen Zeitschrift“ erscheint er als Herrmann mit zwei r und zwei n; nach dieser ist er am 14. März 1755 geboren]. – Porträt. Gestochen von Blaschke [auch vor Lichtenstern’s „Archiv für Geographie und Statistik“, Jahrg. 1802, und vor den allgemeinen geographischen Ephemeriden 1805, 7. Heft].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Hörnigk, Philipp Wilhelm Freiherr von (ADB).