BLKÖ:Hermann von Herrmannsthal, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 396. (Quelle)
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Hermann von Herrmannsthal, Franz[BN 1] (Dichter, geb. zu Wien 14. August 1799). Sohn eines kaiserlichen Staatsbeamten, legte er in Wien die rechtswissenschaftlichen Studien zurück. Darauf trat er in den Staatsdienst und zwar beim [397] Finanzfache ein, war um das Jahr 1830 Secretär bei der Cameral-Gefällen-Administration in Laibach, kam dann als Ministerial-Secretär in’s Finanzministerium nach Wien, wo er zur Zeit als Sectionsrath in Thätigkeit ist. Frühzeitig zur Poesie sich hinneigend, erschienen seine gesammelten poetischen Arbeiten unter dem Titel „Gedichte“ (Wien 1830, Gerold, 8°.); einige Jahre später folgte dieser freundlich aufgenommenen eine zweite Sammlung, betitelt: „Mein Lebenslauf in der Fremde“ (Freiburg im Breisgau 1837, Fr. Wagner, 8°.). Unmittelbar nach den Gedichten erschien sein erstes Drama: „Die Blutrache“ (1831), 16 Jahre später sein zweites „Ziani und seine Braut“ (1847), welches auch auf dem Wiener Hofburgtheater aufgeführt wurde, und wieder 13 Jahre später. 1860, gelangte das fünfactige Trauerspiel: „Der letzte Ravenswood“ nach Walter Scott’s „Braut von Lamermoor“, zur Darstellung, das ohne durchzugreifen, einen ehrenvollen Erfolg erlebte. H. war verheirathet und zwar seit 1834 mit einem Fräulein Amalie Oblak[BN 2], einer Advocatentochter aus Laibach, die durch ihre künstlerische Bildung hervorragte. Sie spielte ebenso meisterhaft den Flügel, als sie zeichnete und malte. In der Malerei war sie eine Schülerin des akademischen Malers Langus, ihre höhere Ausbildung aber hatte sie in Wien erhalten und in der That weisen ihr ihre Oelgemälde. theils Porträte, theils Copien von Werken großer Meister, eine ehrenvolle Stelle in der Kunst an. Eines ihrer schönsten Werke ist die Copie der heil. Justina, von Alessandro Buovicino, genannt il Moretto, ehemals dem Giovanni Antonio Licinio, genannt da Pordenone, zugeschrieben. Sie starb vor einigen Jahren in Wien. Als lyrischer Dichter zählt H. zu der Schule Platen’s und war einer der ersten in Oesterreich, welcher eine möglichst reine Form anstrebte. Im Drama gibt sich eben dasselbe feine Formtalent kund, aber es ist das lyrische Element in der Schönheit und im Gedankenreichthum der Sprache mehr vorherrschend, als das dramatische, welches in Gestaltung von Charakteren und in der lebensvollen Abwickelung von Geschehnissen sich kundgibt. Freunde des Dichters sprechen von mehreren Arbeiten, welche er im Pulte verschlossen hält.

Truska (Heliodor), Oesterreichisches Frühlings-Album 1854 (Wien, Braumüller, 4°.) [in wenigen – etwa 4 Exemplaren – sind biographische Daten über die österreichischen Dichter mitgetheilt, einem solchen entlehnt der Herausgeber das Geburtsdatum.] – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von S. Ebersberg, 1837, S. 1226. – Wiener Zeitung 1860, Nr. 18, S. 272. – Schmidl (Adolph), Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst (Wien, 4°.) IV. Jahrgang (1847), Nr. 122. – Oesterreichische Zeitung 1860, Nr. 16. – Presse, herausgegeben von Zang 1860, Nr. 19. – Iris (Gratzer Muster- und Modeblatt, schm. 4°.) 1851. Eine der Mainummern dieses Blattes enthält die geschriebene Silhouette Herrmannsthals von Cajetan Cerri, die den Dichter mit Worten treffend zeichnend, lautet: „Kleines artiges Männchen aus der alten guten Zeit, aber noch voll Lebhaftigkeit und Feuer, ovaler Kopf, spitze Adlernase, spärliches kurzes Haar, kleine funkelnde Augen, unruhiger Blick, rascher Gang, ausdrucksvolle Mimik, ungesuchte Kleidung, im Ganzen eine eigenthümliche angenehme Erscheinung; spricht wenig, aber mit Geist und Witz, und macht gerne einen Spaß mit; durch und durch Poet und namentlich Meister in der Form und in der Diction seiner orientalisch gehaltenen Lyrik; weniger Dramatiker, obwohl sein „Ziani und seine Braut“ (Löwe’s bekanntes Steckenpferd), herrliche Einzelnheiten bietet; ist nicht sehr productiv, wozu auch sein wichtiges und anstrengendes Amt im Finanzministerium beitragen mag, schwärmt für Hebbel, lebt zurückgezogen und glücklich und gehört zu jenen, Schriftstellern, die wie [398] Grillparzer, Deinhardstein, Bauernfeld u. A. ihre Erzeugnisse stets nur mit dem Zunamen unterzeichnen.“ – Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle, 1860, Nr. 15: Ueber Hermannsthal’s Trauerspiel „Ravenswood“ von Semlitsch. – Seidlitz (Julius), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) Bd. I, S. 105 [eines von jenen Urtheilen, worin nur der große Uebermuth des im Ganzen kleinen Seidlitz auffällt]. – Gottschall hat für Hermann von Herrmannsthal, wie für Halirsch keinen Platz in seiner Literaturgeschichte gefunden; ja wären die beiden in Berlin, Breslau oder in Hamburg ansässig gewesen, sie hätten die Hälfte von dem leisten können, was sie geleistet, dann hätten sie gewiß einen Platz in dem Werke bekommen. Ein Kritiker spricht über Herrmannsthal: „In H.’s Gedichten offenbart sich eine mehr als gewöhnliche Gewandtheit in Handhabung der Sprache, eine reiche Mannigfaltigkeit an Versmaßen und Reimstellungen; bei mäßiger Leidenschaft ein ausgesprochener Hang zur Beschaulichkeit, mehr Empfindung als Gestaltungsvermögen, eine regere Reflexion als Phantasie. Er predigt eine heitere Lebensweisheit, ist reich an zum Theil treffenden Sprüchen und zeigt sich überall, wo nicht primitiv sittliche Forderungen in Frage stehen, als ein durchaus versöhnliches Gemüth. Entschiedene Gattungen gelingen ihm wenig, weder das echte Lied, noch die Ballade.“ – Wappen. Der Adel wurde bereits seinem Vater, Ferdinand Hermann von Herrmannsthal, Vicehofbuchhalter des kaiserl. Hofkriegsrathes, in Anbetracht der um den Staat erworbenen Verdienste desselben mit Diplom vom 20. November 1820 verliehen. Das Wappen ist ein der Länge nach getheilter Schild, im rechten blauen Felde ist links ein hoher natürlicher Felsen, auf welchem ein wilder Mann (der Germanenfürst Hermann) steht mit breitem grünen Kranz um den Leib und einem kleineren um den Kopf, in der Rechten einen belaubten Fichtenbaum haltend, die Linke in die Seite gestützt. Rechts vom Felsen gewahrt man ein kleines Thal mit mehreren Häusern. Im linken goldenen Felde erscheint ein auf grünem Boden aufrecht stehender rother Löwe mit offenem Rachen, ausgeschlagener Zunge und übergeschlagenem Schweife. Auf der Mitte des Schildes erhebt sich ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm, aus dessen Krone der Löwe des linken Feldes hervorwächst. Die Helmdecken sind rechts blau und golden, links roth und golden.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hermann von Hermannsthal, Franz [s. d. Bd. VIII, S. 396]. Diente in den letzten Jahren als Sectionsrath im k. k. Finanzministerium. Mit Allerh. Entschließung vom 27. October 1864 wurde er in bleibenden Ruhestand versetzt. – Seine Tochter Theodora, die von ihrer Mutter Amalia Unterricht in der Malerei erhielt und dann zur höheren Ausbildung nach Venedig ging, hat im Jahre 1865 an der Akademie der schönen Künste in Venedig den Preis für Composition erhalten.
    Fremden-Blatt 1865, Nr. 212. [Bd. 14, S. 474.]
  2. Nachtrag zu den Quellen. Kukuljević-Sakcinski (Iván), Slovnik umjetnikah jugoslavenskih, d. i. Lexikon der südslavischen Künstler (Agram 1859, L. Gaj, gr. 8°.) S. 323. [Bd. 20, S. 466.]