BLKÖ:Hyrtl, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 464. (Quelle)
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HyrtI, Joseph[BN 1] [BN 2](Anatom und Naturforscher, geb. zu Eisenstadt in Ungarn 7. December 1811, nach einer handschriftlichen Mittheilung seines Bruders: 1810). Bruder des Kupferstechers Jacob H. [s. d. Vorigen]. Joseph, obgleich in Ungarn geboren, kam doch schon im Alter von zwei Jahren nach Wien, so daß die zufällige Geburt in Ungarn kaum geeignet sein dürfte, ihn, wie es der „Pester Lloyd“ thut, zum ungarischen Landsmann zu stempeln. Männer wie Hyrtl gehören der ganzen Welt an. In Wien wurde H. Sängerknabe an der k. k. Hofcapelle, womit die Aufnahme in das k. k. Convict verbunden war. Nach dem Austritt aus dem Convicte entschied sich H. in seiner Vorliebe für die Naturwissenschaft für das Studium der Medicin und in demselben namentlich für jenes der Anatomie. Schon im Jahre 1832, H. zählte damals 21 Jahre, wurde er unter Professor Berres [Bd. I, S. 333] Prosector an der Wiener Hochschule und arbeitete als solcher so fleißig an der Bereicherung des Wiener anatomischen Museums, daß er, nachdem er 1835 die medicinische Doctorwürde erlangt, 1837 zum Professor der Anatomie in Prag ernannt wurde. Im Jahre 1845 fand nach Berres’ Tode seine Berufung in gleicher Eigenschaft an die Wiener Hochschule, am 14. Mai 1847 seine Ernennung zum wirklichen Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften Statt. Auf diesen beiden, dem Lehramte und der Bereicherung der Wissenschaft gewidmeten Stellen ist H. noch zur Stunde thätig. Was H.’s wissenschaftliche, von den Fachgelehrten aller Länder anerkannte Leistungen betrifft, so ist es nicht möglich, in diesem Werke auch nur entfernt ein Bild von der Menge und Wichtigkeit derselben zu geben. Anfänglich befaßte sich H. mit der praktischen Chirurgie als Operateur und war der Erste, der die Operation des Schielens, eine Unterbindung der Iliaca in Frist von wenigen Minuten, ausführte. Bald aber verlegte er sich ausschließlich auf das Studium der Anatomie und begründete seinen Ruf durch die vergleichenden anatomischen Untersuchungen über das Gehörorgan (die Werke und zerstreut gedruckten wissensch. Abhandlungen folgen weiter unten). Noch bekannter wurde sein Name durch seine Leistungen als „Technischer Anatom“; seine vergleichend-anatomischen Arbeiten wurden von dem Musée Orfila in Paris erworben: seine „Mikroscopischen Injectionen der feinsten Blutgefäße“, nach einem von H. selbst erfundenen Verfahren, von den ersten medicinischen Schulen der Welt angekauft; und H. für eine von ihm ausgeführte Sammlung der wichtigsten anatomischen Präparate, welche in den Besitz der medicinischen Schule in Galata Serai gelangte, von dem Sultan Abdul Medjid in kaiserlicher Weise belohnt. Mit diesen in ihrer Art einzigen Präparaten Hand in Hand gingen H.’s wissenschaftliche Leistungen, unter denen sein „Handbuch der menschlichen Anatomie“, in sechs Jahren vier Auflagen erlebte und in die meisten gebildeten Sprachen des Continents übersetzt wurde, und sein „Handbuch der topographischen Anatomie“ in noch kürzerer Frist bereits drei Auflagen aufzuweisen hat. Ein anderes und nicht das kleinste Verdienst H.’s ist die von ihm bereits 1849 begonnene und seit dieser Zeit unausgesetzt auf das eifrigste betriebene Einrichtung eines Museums für vergleichende Anatomie, in welchem mehrere Tausende der seltensten, kostspieligsten und schönsten Präparate aufgestellt sind. Darunter [465] befindet sich auch das von Künstlern und Aerzten seiner Schönheit und Originalität wegen als Meisterstück und Curiosum angestaunte Präparat: Die im Skelett gearbeitete Gruppe des Laokoon. Hyrtl’s eigene sehr werthvolle Sammlung, an der er auch seit Jahren gearbeitet und wofür ihm 1847 eine hohe Summe angeboten ward, nebst seiner an den seltensten und kostbarsten Fachwerken reichen Bibliothek verbrannte in dem Hause Nr. 29 in der Jägerzeile, als am 28. November 1848 die Croaten diese Vorstadt erstürmten, bei welcher Gelegenheit dieses Haus in Flammen aufging. Obwohl Hyrtl’s Name längst im Auslande anerkannt und gefeiert war, so verdankte er im Vaterlande seine Erfolge weniger seinen bedeutenden Verdiensten, als dem Wohlwollen eines geistvollen Staatsmannes, des Fürsten Felix Schwarzenberg, der sich zufällig um die Wissenschaft, in welcher H. so Hervorragendes leistete, interessirte und dem H. privative Vorlesungen und Demonstrationen über Anatomie hielt. Nach dessen Tode trat ein jahrelanger Stillstand ein und im Vaterlande hörte man wenig von dem Anatomen Hyrtl, nur vom Auslande klang der Name des Gelehrten in ehrfurchtgebietender Weise herüber. Und in jüngster Zeit trat sein Name neuerdings helle in den Vordergrund, und zwar als seine Präparate aus der menschlichen und vergleichenden Anatomie auf der Londoner Industrieausstellung 1862, in der wissenschaftlichen Welt und auch überhaupt großes Aufsehen erregten. Aber schon früher und zwar in der Jahressitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 23. December 1861 wurde H. der Preis von 1861 für seine Forschungen im Bereiche der vergleichenden Anatomie zuerkannt. Einen ihm in jüngster Zeit in London gemachten Antrag, die Directorstelle eines der ausgezeichnetsten Museen in London anzunehmen, hat H. ebenso, wie schon früher mehrere andere Berufungen an auswärtige Universitäten abgelehnt, da es H. vorzieht, „in seinem Vaterlande zu wirken“. H.’s wissenschaftliche Arbeiten sind theils selbstständige Werke, theils in den Schriften der kaiserlichen Akademie und in anderen Fachwerken abgedruckte Abhandlungen. Die selbstständigen Werke sind: „Antiquitates anatomicae rariores, quibus origo, incrementa et status anatomes apud antiquissimae memoriae gentes historica fide illustrantur“ (Wien 1835, Beck, mit 3 Taf., 8°. maj.); – „Strena anatomica de novis pulmomum vasis in ophidiis nuperrime observatis, rerum gnaris oblata“ Prag 1837, gr. 4°.); – „Lehrbuch der Anatomie des Menschen mit Rücksicht auf physiologische Begründung und praktische Anwendung“ (Prag 1846; 2. Auflage Wien 1850; 3. Aufl. ebd. 1853; 4, verm. Aufl. ebd. 1855, gr. 8°.); dieses Werk H.’s wurde auf allen Universitäten als Lehrbuch angenommen und ist bereits in fünf Sprachen übersetzt; – „Lepidosiren paradoxa. Monographie“ (Prag 1845, Fol. mit 5 K. K.), ein Auszug davon in der „Isis“ 1845, S. 869; – „Vergleichend-anatomische Untersuchungen über das innere Gehörorgan des Menschen und der Säugethiere“ (Prag 1845, Fol. mit 9 Taf.); – „Handbuch der topographischen Anatomie und ihrer praktisch-medicinisch-chirurgischen Anwendungen“. 2 Bde. (Wien 1847, Wallishauser, gr. 8°.; 2. Aufl. ebd. 1853; 3. Aufl. 1857; 4. Aufl. 1860, Braumüller, gr. 8°.); – „Ueber Selbststeuerung des Herzens. Ein Beitrag zur Mechanik der Aortenklappen“ (ebd. 1855, Braumüller, gr. 8°.); – „Handbuch der praktischen Zergliederungskunst“ (ebd. [466] 1860, gr. 8°.). Von seinen in Fach- und Sammelwerken erschienenen Abhandlungen sind gedruckt in den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften, math. naturw. Classe: „Beiträge zur vergleichenden Angiologie“ (Bd. I, 1849, mit 3 lithogr. Taf.). – „Zur vergleichenden Anatomie der Trommelhöhle“ (ebd. 1849, mit 1 Taf.).– „Beiträge zur Morphologie der Urogenital-Organe der Fische“ (ebd. 1849, mit 2 Taf.); – „Das uropoëtische System der Knochenfische“ (Bd. II (1850), mit 9 lith. Taf.); – „Ueber den Amphibienkreislauf von Amphipnous und Monopterus“ (1858, mit 2 Taf.); – „Beitrag zur Anatomie von Heterotis Ehrenbergii C. V.“ (1858, mit 3 Taf.); – „Chlamydophori truncati cum Dasypode gymnuro comparatum examen anatomicum“ (1855, mit 6 Taf.); – „Das arterielle Gefäßsystem der Monotremen“ (1853, mit 3 Taf, in Farbendr.); – „Das arterielle Gefäßsystem der Rochen“ (1853, mit 5 lith. und col. Taf.); – „Ueber die accessorischen Kiemenorgane der Clupeaceen nebst Bemerkungen über den Darmcanal derselben“ (1855, mit 3 Taf.); – „Anatomische Mittheilungen über Mormyrus und Gymnarchus“ (1856, mit 6 Taf.); – „Ueber den Zusammenhang der Geschlechts- und Harnwerkzeuge bei den Ganoiden“ (1855, mit 3 Taf.); – „Ueber die Trochlearfortsätze der menschlichen Knochen“ (1860, mit 4 Taf.); – „Anatomische Untersuchung des Claotes Gonocephalus Heuglini“ (1859, mit 1 Taf.); – „Ueber Wirbelsynostosen und Wirbelsuturen bei Fischen“ (1862, XX. Bd.); – in den Sitzungsberichten der math. naturw. Classe (die Auszüge der in den „Denkschriften“ abgedruckten Abhandlungen sind nicht aufgenommen): „Ueber Nasalwundernetze der Wiederkäuer und Pachydermen“ (Bd. I, 1848); – „Ueber die Carotiden des Ai Bradypus torquatus“ (ebd.); – „Ueber die Wirbel- und Lymphherzen des Scheltopusik (pseudopus Palasii)“ (ebd.); – „Ueber einige interessante Abweichungen der unteren Wirbelbogen der Fische“ (Bd. II, 1849); – „Ueber C. Wedl’s Beiträge zur Lehre von den Hämatozoen“ (ebd.); – „Ueber die Uebergänge der doppelten Ovarien in die einfachen bei den Fischen“ (ebd.); – „Ueber Gerlach’s Beiträge zur Structur der Leber“ (ebd.); – „Ueber einige Eigenthümlichkeiten der Schwimmblase bei der Gattung Caranx“ (ebd.); – „Ueber die Structur des Eierstockes von Ophidium barbatum und des Peritonealcanals von Mormyrus oxyrrhynchus“ (ebd.); – „Ueber das angebliche Fehlen der Harnblase bei einigen Fischgattungen“ (Bd. III, 1849); – „Ueber das Ossiculum canalis nasolacrymalis (ebd.); – „Ueber die Mormyrus Kaschive und Oxyrrhynchus“ (Bd. V, 1850); – „Bemerkung über den Proteus anguinus“ (ebd.); – „Ueber die Schwimmblase des Lepidosteus osseus“ (Bd. VIII, 1852); – „Ueber die Pori abdominalis, die Kiemenarterien und die Glandula thyreoidea der Ganoiden“ (ebd.); – „Ueber das Vorkommen von Wundernetzen bei Hyrax syriacus“ (Bd. VIII, 1852); – „Ueber das arterielle Gefäßsystem von Dasypus, Bradypus und Orycteropus“ (Bd. IX, 1852); – „Ueber das Labyrinth und die Aortenbogen der Gattung Ophiocephalus“ (Bd. X, 1853); – „Ueber normale Quertheilung der Saurierwirbel“ (ebd.); – „Zur Anatomie des Saccobranchus singio C. V.“ (Bd. XI, 1853); – „Ueber einige Eigenthümlichkeiten der arteriellen Gefäßverästelungen bei den Seehunden und [467] Wallrossen“ (ebd.); – „Ueber weibliche Oviducte bei männlichen Chimaeren und eine männliche Vesicula seminalis bei Weibchen“ (ebd., mit 1 Taf.); – „Bericht über ein angebliches Bastardkalb“ (Bd. XIII, 1854); – „Ueber die Osteologie des Clamydophorus truncatus“ (Bd. XIV, 1854, und Bd. XV, 1855); – „Beweis, daß die Ursprünge der Coronar-Arterien während der Systole der Kammern von den Seminularklappen nicht bedeckt werden und daß der Eintritt des Blutes in dieselben nicht während der Diastole stattfindet“ (Bd. XIV, 1854); – „Ueber die Plica nervi laryngei“ (Bd. XXV, 1857); – „Ueber das Cavum Retzii in der vorderen Bauchwand des Menschen, und über die Lineae semicirculares Douglasii“ (Bd. XXIX, 1858); – „Zwei Varianten des musculus sternoclavicularis“ (ebd.); – „Ueber spontane Dehiscenz des Tegmen tympani und der Cellulae mastoideae“ (Bd. XXX, 1858, mit 1 Tafel); – „Ein Fall von Processus supracondyloideus femoris am Lebenden“ (Bd. XXXI, 1858); – „Berichtigung über die Ala parva Ingrassiae“ (Bd. XXXIII, 1858); – „Angeborner Mangel der unteren Nasenmuscheln und des Siebbeinlabyrinthes“ (Bd. XXXVIII, 1859, mit 3 Taf.); – „Ueber wahre und falsche Schaltknochen in der Pars orbitaria des Stirnbeines“ (Bd. XLII, 1860, mit 3 Taf.); – in den med. Jahrb. des österr. Kaiserstaates: „Neue Beobachtungen aus dem Gebiete der menschlichen vergleichenden Anatomie“ [enthaltend: Ganglia aberrantia, Arteria stapedica, Herzknochen und Azygos von Antiloce Gnou etc.] (1836. X. Bd.); – „Beiträge zur patholog. Anatomie des Gehörorgans“ (1836, XI. Bd.); – „Beobachtungen aus dem Gebiete der vergleichenden Gefäßlehre“ [1. über den Kopfkreis der Fische; 2. über den Bau der Fischkiemen] (1838, XV. Bd.); – „Ueber ein besonderes Gefäßblatt des Schlangenauges“ (1838, XV. Bd.); – „Physiologisch-anatomische Bemerkungen über die Kniegelenkknorpel“ (1838, XVII. Bd.); – „Ueber Venenvarietäten“ (1838, XVIII. Bd.); – „Berichtigung über das Ciliarsystem des menschlichen Auges“ (1839, XIX. Bd.); – Anatomische Untersuchung der Verdauungs- und Circulationsorgane einer doppelleibigen Monstrosität“ (1839, XIX. Bd.); – „Ueber die Gefäße der Haut der Amphibien und Vögel“ (1839, XIX. Bd.); – „Ueber einige Gesichtsmuskeln und einen neuen Muskel des menschlichen Ohres“ (1840, XXI. Bd.); – „Ueber die capillaren Gefäßnetze in den Schleimhäuten der Amphibien“ (1840, XXII. Bd., und in Valentin’s Report. VI. Bd., 1841); – „Einige in chirurgischer Hinsicht wichtige Gefäßvarietäten“ (1840, XXIV. Bd.); – „Ueber eine interessante Verbildung des Elbogengelenkes, nebst Bemerkungen“ (1840, XXIV. Bd.); – „Bericht über einen 42jährigen Hermaphroditen“ (1841, XXIV. Bd.); – „Ein wahres Ren tertius“ (1841, XXVIII. Bd.); – „Ueber Wundernetze bei Amphibien“ [Champsa lucius, Vipera chersea] (1842, XXIX. Bd.); – „Abnormitäten der Wirbel- und Basilar-Arterien“ (1842, XXX. Bd.); – „Geschichte der Anatomie an der Prager Universität“ (1843, XXXIII.– XXXV. Bd.); – „Vorläufige Mittheilungen über das knöcherne Labyrinth der Säugethiere“ (1843, XXXIII. Bd.); – „Berichtigungen über den Bau des Gefäßsystems von Hypochthon Laurentii “ (1844, XXXIX. Bd.); – in der medicin. Wochenschrift: „Ueber die unpaarige Geschlechtshöhle des Mannes“ (1841, Nr. 45); – „Ein Fall [468] von fötaler Halskiemenöffnung“ (1842, Nr. 3); – in Müller’s Archiv für Anatomie und Physiologie 1843 und Annales des sciences naturelles, 2. Serie, Vol. XX.: „Ueber die Caudal- und Kopfsinuse der Fische, und das damit zusammenhängende Seitengefäßsystem“; – in der Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Aerzte: „Ueber zwei neue Muskeln im menschlichen Mediastinum (Broncho- und Pleuro-oesophageus)“ (1844); – „Beiträge zur Physiologie der Harnsecretion“ (1845); – „Zur Mechanik des Hüftgelenkes“ (1846). Es ist schon einzelner Auszeichnungen, die H. erhalten, oben gedacht worden; hinzuzufügen ist noch, daß schon 1844 die Académie impériale de medecin in Paris H. zum correspondirenden Mitgliede ernannt und im nämlichen Jahre der König Ludwig Philipp dem Gelehrten den Orden der Ehrenlegion verliehen hat; ferner ernannten die Universität zu Leipzig H. zu ihrem Ehrendoctor, die kais. russische medicinisch-chirurgische Akademie zu St. Petersburg, die Société anatomique und die Gesellschaft deutscher Aerzte zu Paris, wie die Akademie der bildenden Künste zu Prag zum Ehrenmitgliede; die kön. böhmische Gesellschaft der Wissenschaft zu Prag und die kön. schwedische Gesellschaft der Aerzte zu Stockholm zum Mitgliede; die Société de Biologie zu Paris, die Academy of Natural Sciences zu Philadelphia und die gelehrten medicinischen und naturhistorischen Gesellschaften zu Amsterdam, Bonn, Breslau, Brüssel, Dresden, Erlangen, Freiburg, Halle, Leipzig, Lemberg, Pesth, Venedig, zum correspondirenden Mitgliede; jüngst erst erhielt H. von dem Könige von Griechenland den Erlöserorden, im Vaterlande aber ernannte ihn Se. Majestät der Kaiser, der ihn schon mehrere Jahre früher mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet, im Jahre 1862 zum Hofrathe. Im Jahre 1856 war H. mit Professor Anton Schrötter zugleich Geschäftsführer der 32. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Wien. Als Lehrer besitzt H. die Gabe, die trockensten Gegenstände durch eine lebhafte und geistvolle Darstellungsweise interessant zu machen, in seinen stark besuchten Hörsälen befinden sich neben gewöhnlichen Schülern, die sich für ihren künftigen Beruf ausbilden, wissenschaftliche Capacitäten aller Nationen der Erde; auch steht der Gelehrte, der alle anatomischen Anstalten Europa’s auf Reisen kennen gelernt hatte, mit den Gelehrten seines Faches in der ganzen Welt in Correspondenz.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1856. Nr. 696, S. 282 [mit Porträt im Holzschnitt]. – Oesterreichische illustrirte Zeitung (Wien, 4°.) IV. Jahrg. (1854). Nr. 185 [mit schlechtgetroffenem Porträt im Holzschnitte und Angabe des Jahres 1810 als H.’s Geburtsjahr]. – Pesther Lloyd 1856, Nr. 223 [gibt auch irrig das Jahr 1810 als H.’s Geburtsjahr an]. – Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, kl. 8°.) Jahrg. 1851, S. 221. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien 8°.) Jahrg. 1843, S. 166; Jahrg. 1847, S. 305. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) III. Suppl. Bd. S. 1526. – Brockhaus’ Conversations-Lexikon, 10. Aufl. Bd. VIII, S. 175. – Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, mathem. naturwiss. Classe, Bd. I, S. 593–606: „Nachricht über seine bei den Octoberereignissen erlittenen Verluste von Präparaten, Zeichnungen und Manuscripten“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 356, Abendblatt und 1862, Nr. 38. – Neueste Nachrichten (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1862, Nr. 149. – Wiener Zeitung 1862, Beilage: Wiener Tagesbericht, Nr. 54, S. 373: „Hyrtl’s anatomische Präparate auf der Londoner [469] Ausstellung“. – Porträte. 1) Facsimile der Unterschrift: Hyrtl. Dauthage, nach der Natur gez. und lithogr. 1853. Gedr. bei J. Höfelich (Wien, Bermann, Fol.); – 2) mit dem Facsimile der Devise und des Namens: Sapere aude! Professor Hyrtl. Eduard Kaiser, 1848 (lithogr.). Gedr. bei J. Rauh (Wien. Jos. Bermann. Fol.); – 3) mit der Unterschrift: Joseph Hyrtl, o. ö. Professor der Anatomie an der k. k. Hochschule zu Wien. Daneben das Facsimile des Namens: Prof. Hyrtl. K. Glinski (lith.). Gedr. bei Jos. Stoufs, Wien, Eigenthum des medic. Unterstützungsvereins. Albumblatt (Fol.); – 4) mit dem Facsimile der Unterschrift: Hyrtl. Lith. Gedr. bei Jos. Stoufs. Wien (12°.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hyrtl, Joseph [s. d. Bd. IX, S. 464]. Im Jahre 1863 und in dem folgenden hat H. seine gelehrten anatomischen Forschungen fortgesetzt und herausgegeben in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften mathemat.-naturw. Classe: „Ueber die Injectionen der Wirbelthiernieren und deren Ergebnisse“; – „Ueber die accessorischen Strecksehnen der kleinen Zehe und ihr Verhalten zum Ligamentum interbasicum dorsale der zwei letzten Mittelfußknochen“, mit 2 Abbildungen; – „Ueber abwickelbare Gefäßknäuel in der Zunge der Batrachier“, mit 1 Tafel; – „Ueber die sogenannten Herzvenen der Batrachier“; – „Ueber die Einmündung des Ductus choledochus in eine Appendix pylorica“; – „Ueber das Verhalten der Leberarterien zur Pfortader bei Amphibien und Fischen“, mit 1 Taf.; – „Ueber eine Eigenthümlichkeit des Schlundes von Catla Buchanani“, mit 1 Taf.; – „Ueber Wirbelassimilation bei Amphibien“, mit 1 Taf.; – in den Denkschriften der kais. Akademie: „Ueber eine Rippenart und über das Labyrinth von Polyacanthus Hasselti“, mit 2 lith. Taf.; – Neue Wundernetze und Geflechte bei Vögeln und Säugethieren“, mit 9 Taf.; – „Ueber normale und abnorme Verhältnisse der Schlagadern des Unterschenkels“, mit 10 Tafeln. Alle die genannten bald größeren, bald kleineren Abhandlungen sind auch in Separatabdrücken ausgegeben worden. Im Herbste 1864 wurde H. zum ersten Male zum Rector magnificus der Wiener Hochschule gewählt, welche Wahl um so ehrenvoller erscheint, als in die Zeit seines Rectorats die fünfhundertjährige Jubelfeier der Wiener Hochschule fiel. In der Inaugurationsrede seines Rectorats nahm H. den Materialismus zum Gegenstande und behandelte denselben fast mehr von theologischem als naturwissenschaftlichem Standpuncte. Die Rede machte im Zusammenhange mit dem Namen und Fache des Autors ungemeines Aufsehen. Die Presse bemächtigte sich der Sache und wochenlang herrschte in den gelehrten Kreisen eine gelinde Aufregung. Im Uebrigen nahmen die Vorträge des gelehrten Anatomen ihren gewohnten Fortgang. Uebrigens war sein Rectorat – da sich wegen der Universitäts-Jubelfeier die bedauerlichsten Spaltungen unter den Facultäten und Studenten gebildet – ein wahrhaft dornenvolles. Zudem hatte die anläßlich der Jubelfeier von ihm gehaltene Rede – so stürmisch sie von der zahlreichen Versammlung begrüßt wurde – nach der Hand von Seite einiger deutschen Professoren einen Protest zur Folge gehabt, der zur Vermeidung eines für eine solche Feier unter allen Umständen ungehörigen Mißtones besser ungedruckt geblieben wäre. Anläßlich der Jubelfeier wurde H. von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem Orden der eisernen Krone 2. Classe, von dem Könige von Preußen mit dem Kronen-Orden 2. Classe ausgezeichnet; von der Wladimir-Universität zu Kiew aber zum Ehrenmitgliede erwählt.
    Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol.) 1863, S. 626. – Ueber Land und Meer. Allgemeine illustrirte Zeitung. Von F. W. Hackländer (Stuttgart, Hallberger, kl. Fol.) [488] 1865, S. 740. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 37: „Professor Hyrtl und seine Rector-Rede“; Nr. 41: „Von der Universität“; Nr. 43: „Das menschliche Gehirn und Hyrtl’s Rector-Rede“; – 1865, Nr. 198: „Professor Hyrtl über die Laokoon-Gruppe“; Nr. 333: „Jubelfest der Wiener Universität“; Nr. 336: „Hyrtl der Lateiner“. – Die Presse (Wiener politisches Blatt) 1864, Nr. 280, in der kleinen Chronik: „Eine neue Rede Hyrtl’s“; Nr. 286, im Feuilleton: „Gegen Professor Hyrtl’s Rede“, von Valdeck; Nr. 326: „Zur Tagesgeschichte“; – 1865, Nr. 211: „Zur Universitäts-Jubelfeier“ [enthält Hyrtl’s Rede ihrem ganzen Wortlaute nach]; Nr. 217 [Schreiben an die „Presse“ von einigen Gelehrten aus der Fremde, welche an der Jubelfeier der Wiener Hochschule theilgenommen, über den Eindruck, den diese bei ihnen hinterlassen]. – Politik (Prager polit. Blatt) 1864, Nr. 283: „Hyrtl, der Materialismus und die Freiheit“. – Morgenpost (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 274: „Der Professor Hyrtl und der Rector Hyrtl“. – Beilage Nr. 41 zum „Oesterreichischen Volksfreund“ 1864, Nr. 232: „Die Rede des neuen Universitäts-Rectors Prof. Dr. Hyrtl“. – Fata Morgana. Pesther Blätter für Kunst, Literatur u. s. w. Redigirt von Hermine Cziglér von Eny-Vecse (Pesth, 4°.) II. Jahrg. (1865), Nr. 32: „An Professor Hyrtl den Redner“. Gedicht von Braun von Braunthal. – Porträte. 1) In Waldheim’s „Illustrirter Zeitung“ 1863, S. 632, nach einer Photographie von F. Schultz; – 2) in Hackländer’s „Ueber Land und Meer“ S. 737, nach einer Photographie von Veesenmayer. [Bd. 14, S. 487 f.]
  2. E Hyrtl, Joseph [Bd. IV, S. 464; Bd. XIV, S. 487].
    Allgemeine Familien-Zeitung (Stuttgart, Hermann Schönlein, Fol.) V. Jahrg. (1873), S. 79 [mit Holzschnittbildniß, Zeichnung nach einer Photographie von C. Kolb]. [Bd. 28, S. 355.]