BLKÖ:Mannheimer, Isak Noa

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mannheimer, Theodor
Band: 16 (1867), ab Seite: 386. (Quelle)
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Mannheimer, Isak Noa (Prediger der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, geb. zu Kopenhagen 17. October 1793, gest. zu Wien in der Nacht vom 17. /18. März 1865). Sein Vater war Vorbeter der Gemeinde in Kopenhagen. Der Sohn kam sehr früh in die Schule und im Alter von 8 Jahren begann er bereits das Studium des Talmud. Später kam er in ein eben neu begründetes Institut, in welchem nebst der Bibel und hebräischen Sprache auch die Schulbildung in umfassender Weise betrieben wurde. Im Jahre 1808 bezog er das Gymnasium (die Kathedralschule in Kopenhagen), aus welchem er im Jahre 1814 nach abgelegter Maturitäts-Prüfung auf die Universität übertrat. Auf derselben hörte er Philosophie, Philologie, orientalische Sprachen und theologische Vorlesungen und betrieb unter Anleitung eines besonderen Lehrers das Studium des Talmud und der jüdischen Wissenschaft überhaupt. Im Jahre 1814 fand in Dänemark die Emancipation der Juden Statt; die Staatsverwaltung autorisirte ein Religionsbuch, ordnete vorschriftsmäßig den Religionsunterricht an, führte gesetzlich die Confirmation ein und befahl die Anstellung eines Katecheten als königlichen Beamten. Im Jahre 1816 erhielt M. diese Katechetenstelle, er zählte damals erst 23 Jahre. Im folgenden Jahre wurde von ihm in feierlicher Weise die erste Confirmation abgehalten. Im Jahre 1821 machte M. eine Reise nach Deutschland, besuchte Berlin, wo er in deutscher Sprache predigte, und Wien, wo eben damals die Judenfrage die Aufmerksamkeit der Regierung beschäftigte, denn die zu jener Zeit in Wien nur tolerirten Juden hatten sich in zwei Parteien gespalten; die eine hing starr am Alten und wollte davon nicht ablassen; die andere wünschte eine Reform, und zwar aus doppeltem Grunde, zuerst weil sie keine Befriedigung ihres religiösen Gefühles in der Art und Weise des damaligen jüdischen Gottesdienstes fand und dann weil sie durch eine Reform auch von Seite der Regierung eine Verbesserung der politischen Lage der Juden hoffte. [387] Diese letztere und größere Partei wollte jedoch eine durchgreifende Reform und einen Gottesdienst in der Art und Weise, wie er im Hamburger Tempel bestand. Mannheimer’s Anwesenheit in Wien war also sowohl der Regierung wie der fortschreitenden Partei erwünscht. Er half auch während der Zeit seiner Anwesenheit mit Unterstützung der damaligen Vorsteher und Vertreter eine Gemeinde schaffen, da eine solche damals noch gar nicht bestand. Er arbeitete das Programm und das Rituale für den Gottesdienst aus, und zwar auf der breiten Grundlage der Tradition, um in solcher Weise den Vorschriften des „Schulchan-Aruch“ zu genügen und das religiöse Bedürfniß zu befriedigen, damit kein Riß in die Gemeinde komme und überbrückte so die Kluft, welche die beiden Parteien trennte. Er verfaßte für die Gemeinde die nöthigen Eingaben an die Behörden. Er conferirte persönlich mit dem damaligen obersten Kanzler, Grafen Saurau, der eine besondere Theilnahme für Mannheimer’s Bestrebungen hatte, die er auch später bewährte, als die Regelung des Gottesdienstes zur Ausführung kam. Bis Ende December 1821 blieb M. in Wien, dann kehrte er nach Kopenhagen zurück, blieb aber auch jetzt mit den Vertretern der Gemeinde im steten Verkehre und empfahl ihnen vor Allem, jeder Spaltung in derselben vorzubeugen. In Kopenhagen blieb M. nur mehr kurze Zeit, er folgre einem Rufe der Berliner Gemeinde, als Nachfolger des Dr. Zunz in dessen Predigerstelle einzutreten. Aber die Verhältnisse der Israeliten hatten dort mittlerweile einen nichts weniger als erbaulichen Charakter angenommen, Mannheimer beschloß demnach seine Stelle niederzulegen, ging nach Hamburg, wo er privatisirte, während er zur Messezeit sich nach Leipzig begab, wo er durch einige Wochen den Predigerdienst versah. Einer Predigt Mannheimer’s in Leipzig wohnte damals M. L. Biedermann aus Wien bei. Um jene Zeit begann der Bau des neuen Judentempels an der Stätte des alten Bethauses im Dämpfingerhofe. Nach Biedermann’s Rückkehr nach Wien wurde M. von ihm zum Prediger vorgeschlagen und er noch im November d. J. einstimmig dazu gewählt. Da aber die Wiener Juden damals noch keine gesetzlich anerkannte Gemeinde bildeten und also seine Anstellung als Prediger nicht ausführbar war, erfolgte sie mit dem Titel: Lehrer an der Wiener k. k. genehmigten öffentlichen israelitischen Religionsschule. Seine Einbürgerung im Kaiserstaate unterlag keinen Anständen, als er nachwies, daß sein Vater, ein geborner Oesterreicher aus Ungarn, sein Unterthansrecht im österreichischen Kaiserstaate nicht aufgegeben habe. Mannheimer’s Wirksamkeit in der Schule begann im October 1825 und dauerte bis zum Jahre 1829. Er wirkte auf diesem Posten in ersprießlichster Weise. Aber auch nach anderen Richtungen entfaltete er eine energische und für das Wohl der Wiener Israeliten in hohem Grade förderliche Thätigkeit; so entwarf er die Statuten des Bethauses, der Wohlthätigkeitsanstalten und des Begräbnißwesens, führte aus eigenem Antriebe bereits im Jahre 1826 die Geburts-, Traurings- und Sterbebücher ein, die ihm zu führen erst im Jahre 1831 von Seite der Landesregierung und noch später, 1837, in Folge einer Allerh. Anordnung aufgetragen wurde. Auch wurde M. von Seite verschiedener Behörden um Gutachten über verschiedene religiöse, culturelle[WS 1] und pädagogische Fragen angegangen, in welchen er immer das Beste [388] für sein Volk zu erreichen bemüht war. Die Achtung, welche er vor dem Judenthume einzuflößen verstand, machte es auch, daß, seit er Prediger war, viel seltener Fälle des Abfalles vom Glauben stattfanden. Das öffentliche Wohlthätigkeitswesen in der israelitischen Cultusgemeinde Wiens, welches bekanntlich zu den hervorragendsten Lichtseiten derselben gehört, hat durch ihn vielfache Förderung erfahren. Er war auch Vorsteher mehrerer Vereine: der Armenanstalt, des Handwerkervereins, des Taubstummeninstitutes, des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender und war Curator der Jeitteles’schen Stiftungen. Dieses edle, gemeinnützige und erfolgreiche Wirken fand namentlich im Schooße seiner Gemeinde die verdiente Anerkennung und schon im Jahre 1838 sicherten ihm mit einer Zuschrift vom 25. Februar d. J. die Vertreter der Wiener Judengemeinde für seinen Todesfall die lebenslängliche Pension für seine Frau zu, und im Jahre 1848 wählte ihn die Stadt Brody als Abgeordneten in den österreichischen Reichstag. Seine Haltung in demselben war eine maßvolle, es war ihm bei der mächtigen Bewegung jenes Jahres und jenes Körpers, als Israeliten, der noch immer unter dem Banne des allgemeinen Vorurtheiles stand, nicht gegönnt, so zu wirken, wie er es unter günstigeren Umständen gewiß im Stande gewesen wäre. In beiden Reden aber, die er gehalten, nämlich bei der Frage der Judensteuer, am 5. October, und bei der Aufhebung der Todesstrafe, am 29. Jänner 1849 zu Kremsier, bewies er sich auch als gewandter politischer Redner, in letzterer Frage widerfuhr ihm sogar die Ehre, zum Generalredner gewählt zu werden. Durch seinen Beruf wurde M. unwillkürlich auf das schriftstellerische Gebiet gedrängt und sind von ihm folgende Schriften im Drucke erschienen: „Praedikener holdne ved det mosaiske Troessamfunds Andagts Ovelser i Modersmaalet i Sommerhalvāret 1819“ (Kjobenhavn 1819), eine Sammlung von Predigten in dänischer Sprache; – „Sechs Festpredigten“ (Wien 1833); – „Gottesdienstliche Vorträge, gehalten im israelitischen Bethause zu Wien im Monate Tischri 5594“ (Wien 1834, Gerold, gr. 8°.); – „Worte des Trostes bei der Trauerfeierlichkeit für weiland Kaiser Franz I.“ (Wien 1835, 8°.), von dieser Gelegenheitsschrift mußten binnen wenigen Wochen mehrere Auflagen veranstaltet werden; – „Gottesdienstliche Vorträge über die Wochenabschnitte des Jahres, gehalten im israelitischen Bethause zu Wien“, I. Band: 1. u. 2. Buch Mose’s (Wien 1835, Gerold, gr. 8°.); – „Worte am Grabe der Frau Charlotte Biedermann am 29. Jänner 1838“ (Wien); – „Rede am Sarge des in Gott ruhenden Herrn Ascher Matzel am 24. November 1842“ (Wien); – „Rede am Grabe des sel. Herrn Hermann Tedesco am 25. November 1844“ (1844); – „Predigt über Haggai 2, 45, zur Einweihung der Synagoge zu Mislitz in Mähren am 5. Juni 1845“ (Wien); – „Die Erlösung, Predigt, gehalten am 1. Tage des Passahfestes, den 1. April 1847 im israelitischen Bethause in Wien“ (Wien); – „Gebete der Israeliten mit einer neuen deutschen Uebersetzung“, 3 Bände (Wien 1841, Schmidt und Busch, 8°.; 8. Ausg. Wien 1860, Knöpfelmacher und Sohn, 12°.), davon existirt auch eine Miniaturausgabe ohne Uebersetzung und mit Uebersetzung in hebräischen Lettern; – „Rede am Grabe der Gefallenen, Freitag den 17. März 1848“ (Wien); – „Erklärung bezüglich auf die Judenfrage“ (Wien 1848); – „Rede am Grabe der Frau Nina Biedermann am 19. März 1851“ (Wien) – und im Vereine mit J. Mayer und G. Salomon gab er „Israelitische [389] Festpredigten und Casualreden“ (Stuttgart 1840, Metzler) heraus. Als Prediger oder richtiger gesagt als Redner nahm M. eine hervorragende Stelle ein. Er besaß eine ganz gewaltige Gabe des Wortes, das in seinem Munde gar wunderbar klang und kaum in einem fühlenden Herzen seine Wirkung verfehlt haben dürfte. Seine Vorträge zählen zu den bedeutensten Leistungen auf homiletischem Gebiete. M. war seit dem Jahre 1824 mit Lisette Damier aus Hamburg verheiratet. Sie war ihm aber schon am 25. November 1858 im Tode vorausgegangen. Auch verlor er seinen ältesten Sohn Theodor im schönsten Mannesalter durch den Tod [siehe das Nähere in den Quellen S. 391]; fünf Kinder aber, nämlich zwei verheirathete Töchter und drei Söhne, sind noch am Leben. Ueber die anläßlich seines 70. Geburtstages abgehaltene Feier, über seine feierliche Bestattung, sein Denkmal und die nach ihm benannte Stiftung siehe das Nähere in den Quellen.

Zur Biographie Mannheimers. Wolf (G.), Isak Noa Mannheimer. Prediger. Eine biographische Skizze (Wien 1863). – Friedmann (M.), Worte der Erinnerung an den seligen Prediger Herrn Isak Noa Mannheimer, gesprochen im Bet-ha-Midrasch am 27. März 1865 (Wien 1865, Selbstverlag des Herausgebers, 8°.) – Jellinek (Ad. Dr.), Rede bei der Gedächtnißfeier für den verewigten Prediger Isak Noa Mannheimer, am 26. März 1865 im Tempel in der Leopoldstadt gehalten (Wien 1865, Herzfeld und Bauer, gr. 8°.). – Wolf (G.), Geschichte der israelitischen Cultusgemeinde in Wien (1820–1860) (Wien 1861, Braumüller, 8°.) S. 43–54. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol) II. Jahrgang (1863), S. 1122. – Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums (Wien, gr. 8°.) I. Bd. (1865), S. 185. – Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben. Von Abraham Gaiger. Jahrg. 1864, Heft 3 u. 4: der Sturm der Orthodoxen gegen Mannheimer und Horwitz. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, S. 544. – Constitutionelle österreichische Zeitung 1865, Nr. 65, im Feuilleton: „Prediger Mannheimer“ [dieser Nachruf ist von Dr. L. A. Frankl verfaßt)]. – Presse (Wiener Journal) 1863, Nr. 272, 281, 286; 1864, Nr. 116, 159; 1865, Nr. 77, 79, 152; 1866, Nr. 65 Local-Anz.. 129 [bald größere, bald kleinere Mittheilungen über Mannheimer]. – Neue freie Presse (Wiener Blatt) 1865, Nr. 199, 206, 211 u. 419 [Nachrichten über Mannheimer]; 1866, Nr. 546. – Fremden-Blatt, herausg. von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1863, Nr. 280, 285, 286; 1865, Nr. 78, 80, 81, 85, 86 [größere und kleinere Mittheilungen über Mannheimer]. – Das von Majer Kohn-Bißtritz herausgegebene „Mannheimer-Album“ (Wien 1864, A. della Torre, 8°.) enthält auch S. 1–4 eine biographische Skizze M.’s.
Porträte. Außer einem sehr ähnlichen lithographirten Bildnisse Mannheimer’s, welches noch bei seinen Lebzeiten erschienen, ist auch der im 3. Hefte des I. Bandes der „Illustrirten Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums“ auf S. 185 befindliche Holzschnitt (o. A. d. J. u. X.) sehr ähnlich und sauber geschnitten. – Ein lebensgroßes Bildniß in Oel ist von dem dänischen Maler Plunk gemalt, und nach diesem Original von Elise Modell für den Prüfungssaal der israelitischen Schule in Wien eine treue Copie, anläßlich der 70jährigen Geburtstagsfeier M.’s, angefertigt worden. – Abdruck nach einer gelungenen Photographie. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: I. N. Mannheimer, Prediger. Unterhalb eine Stelle aus Psalm 73, V, 25. (H. Engel u. Sohn, Wien, Medaillonform., 4°. u. 8°.)
Denkmünze auf Mannheimer. Alfred Tauber ließ Mannheimer zu Ehren eine Denkmünze prägen, deren Ertrag er dem israelitischen Waisenvereine in Wien widmete. Avers: Das Bildniß M.’s, rechtsgekehrt. Umschrift: DR: I: N: MANNHEIMER . PREDIGER . DER ISRAELIT: GEMEINDE . IN . WIEN. Im Abschnitte: GEB: Z: KOPENHAGEN .17. OCT: 1793. Revers: In der Mitte, innerhalb zweier Palmenzweige:
בשרתי צדק בקהל רב הנה שפתי לא אכלא יהוה אתה ידעת
PS: XL.X.
Umschrift: ZUM SIEBZIGSTEN GEBURTSTAGE.
[390] Die Mannheimer-Feier. Am 17. October 1863 fand anläßlich seines 70. Geburtstages und nahezu 40jährigen Jubiläums seines erfolg- und segensreichen Wirkens als Prediger der Wiener israelitischen Gemeinde eine erhebende Feier Statt, an der die israelitische Gemeinde und die Wiener Commune sich betheiligten. Nach einem feierlichen Gottesdienste und von Dr. Jellinek gehaltener Festpredigt begrüßte ihn die israelitische Gemeinde durch eine von Dr. Leopold Kompert im Namen derselben überreichte Adresse und Uebergabe eines prächtigen Pokals als Ehrengabe. In der Religionsschule wurde das Bildniß des Jubilars enthüllt, und nach der Begrüßung desselben durch die Schüler und Schülerinen folgten die Gratulationen des Bethaus-Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, des Vorstandes des polnischen und sefardischen Bethauses, der Deputationen auswärtiger Gemeinden, und zwar aus Prag, Pesth, Arad, Brünn. Preßburg, Nachod, Reichenau, Lemberg u. a. O.; der Gemeindebeamten, des Schriftstellervereins Concordia, der M. zum Ehrenmitgliede ernannte, der Vorsteherinen des Frauenvereins, der Kinderbewahranstalt, des Theresienkreuzer-Vereins. des Taubstummen-Institutes; der Vorstände der Wiener israelitischen Wohlthätigkeitsvereine, des Gesangsvereins „Zion“ und der Diener am alten und neuen Tempel. Auch fehlte es sonst nicht an Auszeichnungen und Ehrengaben. Die in den Journalen als bevorstehend bezeichnete Auszeichnung mit einem Orden fand nicht Statt; die Stadt Wien ertheilte M. das Ehrenbürgerrecht. Außer dem schon erwähnten goldenen Pokal erhielt er noch von mehreren Gemeinden sechs Pokale; ferner war die von den Gemeindevorständen ihm überreichte Adresse ein Meisterwerk des Hofkalligraphen Greiner; die Gemeindebeamten überreichten ihm eine Prachtausgabe der Bibel mit silberverzierten Deckeln. Die Adresse des Gesangsvereins „Zion“ war ein Meisterstück der Federzeichnung und stellte in einem allegorischen Bilde den Gottesdienst des alten und neuen Cultus dar; die Kopenhagener Israeliten schickten ihm eine Prachtvase, und sonst noch folgten werthvolle Ehrengaben. Nach der Hand noch wurde als „Ein Nachhall zur siebenzigjährigen Geburtsfeier Sr. Ehrwürden des Herrn Isak Noa Mannheimer“ von Majer Kohn-Bißtritz ein „Mannheimer-Album“ (Wien 1864, A. della Torre, 8°.) herausgegeben, von dessen Aufsätzen in Prosa und Dichtung ein guter Theil zu dem Jubilar in näherer Beziehung steht. Der Text dieses Albums ist zum größeren Theile (123 S.) in deutscher, der übrige (80 S.) in hebräischer Sprache.
Mannheimer’s Leichenbegängniß. Dasselbe fand am 20. März 1865 Statt und war eines der imposantesten Trauerfeste, welche seit Jahren in der Residenz stattgehabt. Im Geiste einer alten, aus dem zehnten Jahrhunderte datirenden Sitte, welche die Leichen der um Volksbelehrung verdienten Männer zunächst an der Stätte ihres Wirkens betrauern läßt, war der Leichnam ausnahmsweise im Tempel unterhalb der Bundeslade aufgebahrt worden. Die Vorsteher naher und ferner Gemeinden, aus Prag, Preßburg, Pesth, Brünn u. s. w., waren herbeigekommen und umstanden nun den Sarg des Verblichenen. Nach gesungenem Trauerpsalm sprach Obercantor Sulzer die üblichen Gebete, dann ehrten Joseph Wertheimer, als ältestes Vorstandsmitglied, Dr. Jellinek, sein gegenwärtiger Nachfolger im Amte, und Rabbiner Horwitz[WS 2] den Verblichenen in ehren- und weihevollen Nachrufen. Nun bewegte sich der Zug, dem Tausende und Tausende das Geleite gaben, durch die Wipplinger- und Renngasse dem Schottenthore zu. Nahezu ein halbes tausend Equipagen und Wagen schlossen sich dem Zuge an. Die außerordentliche Theilnahme des Publicums aller Stände und aller Confessionen bewies, welcher hohen Achtung und Liebe der Dahingeschiedene sich zu erfreuen hatte. Am Grabe hielten noch die Prediger Reden und eine eigentliche Gedächtnißfeier fand einige Tage später im israelitischen Bethause in der Leopoldstadt Statt, zu welcher wieder das Publicum aller Stände schaarenweis herbeigeströmt war. Dr. Jellinek sprach in seiner bekannten geistvollen Weise die Gedächtnißrede, in welcher er in einem meisterhaften Bilde den Verewigten als treuen, charakterfesten, thatenreichen und tüchtigen Mann zeichnete, dessen Andenken durch seine gestifteten Werke für alle Zeiten wird erhalten werden. – Ähnliche Gedächtnißfeste zu Ehren Mannheimer’s fanden auch bei mehreren auswärtigen Gemeinden Statt, unter anderen in Prag, wo Prof. Dr. Kämpf in einer der schönsten und gehaltvollsten Reden das reiche und vielseitige Wirken M.’s schilderte.
Mannheimer’s Denkmal. Ein Jahr nach seinem Tode, am 7. März 1866, fand auf dem Währinger Friedhofe die feierliche Aufstellung [391] des Denkmals Statt, welches die Wiener Israelitengemeinde M. hatte setzen lassen. Das Denkmal stellt einen antiken Sarkophag aus Mauthausener Granit dar, ist durchaus in großen Dimensionen und in einfachem aber edlem Style gehalten. Auf den vier Seiten befinden sich deutsche und hebräische Inschriften; die der schmalen Seiten sind, „und zwar der hinteren: ת٠ נ٠ צ٠ ב٠ ה٠‎ (d. i. תִּהֵי נִשְׁמָתוֹ צְרוּרָת בִּצְרוֹר הַהַיִּים‎ Es möge seine Seele aufbewahrt sein dort, von wo sie entstanden). [Diese fünf Buchstaben sind überhaupt üblich auf jüdischen Grabsteinen.] Auf der Stirnseite des Sarkophags heißt es: Isak Noa Mannheimer. Geboren 17. October 1793, gestorben 18. März 1865. Dem Prediger und Lehrer die dankbare Gemeinde (in deutscher Sprache). Dann auf der einen Längsseite:

פה ינוח יצחק מאננהיימער
מורה דת לקהל עדת ישרון בעיר וויען
נולד יא השון תקנ״ד
ושב לעולמו כֹ אדר ראשון תֹּרֹ״בֹהֹ

(d. i. Hier ruht Isak Noe Mannheimer, Religionslehrer der Israeliten zu Wien. Geboren den 17. October 1793, gestorben den 18. März[WS 3] 1865). Auf der andern Längsseite:

לעשות רצונך אלהי חפצתי ותורתך בתוך מעי

בשרתי צדק בקהל רב הנה שפתי לא אכלא אתה ידעת
Psalm 40, 9, 10.

(d. i. „Deinen Willen zu thun, mein Gott, ist mir Lust und deine Lehre ist in meinem Innern“. – „Ich verkünde die Gerechtigkeit in großer Versammlung; diese meine Lippen halte ich nicht zurück. Ewiger, du weißt es“).
Die Mannheimer-Stiftung. Als im October des Jahres 1863 die Wiener israelitische Cultusgemeinde das 70jährige Geburtsfest Mannheimer’s feierte, widmete M. einen ihm als Ehrengabe zur Verfügung gestellten Betrag von 4000 fl. in Grundentlastungs-Obligationen für eine Stiftung, „deren Zinserträgniß jährlich zur Unterstützung von Rabbinern, Predigern und Lehrern, die dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen verwendet werden solle“. Unter Einem aber dachte er an eine Erweiterung dieser Stiftung. Dieser Absicht des Schenkers entsprechend, trat bald nach seinem Tode ein Curatorium zusammen, welches die Herren Ignaz Bobelle, L. S. Fischel, Julius Ritter von Goldschmidt, Dr. Kompert und Dr. G. Wolf bildeten und welches Curatorium am 30. März 1865 einen Aufruf ergehen ließ, worin es zu Beiträgen für die Mannheimer-Stiftung aufforderte. Welchen Erfolg dieser Aufruf gehabt, ist nicht bekannt; aber am 17. October 1865 gelangten bereits die ersten Zinsen dieser Stiftung zur Vertheilung. Da ferner Mannheimer’s Predigten sowohl in Beziehung des Styles, wie des Inhaltes als Musterpredigten zu betrachten sind, viele Juden aber, insbesondere in Galizien und Rußland, mit der deutschen Sprache nicht vertraut sind, so hat E. Kuttner es unternommen, eine Auswahl von M.’s Predigten in’s Hebräische zu übersetzen. Der Reinertrag dieser durch den Druck vervielfältigten Uebersetzung ist gleichfalls der „Mannheimer-Stiftung“ gewidmet.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: cultuelle.
  2. Lazar Horowitz (Wikipedia).
  3. Vorlage: Februar.