BLKÖ:Greiner, Moriz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Greiner, Ignaz
Band: 5 (1859), ab Seite: 327. (Quelle)
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Greiner, Moriz (Hofkalligraph, geb. zu Gyöngyes im Heveser Comitate Ungarns im J. 1810). Studirte in Pesth und kam im J. 1823 nach Ofen zu einem Goldarbeiter in die Lehre; da jedoch sein Talent zur Schönschreibekunst das vorherrschende war, verwendete er während vier Jahren seiner Lehrzeit den größten Theil der Nächte, um sich in diesem Fache möglichst auszubilden. Nach beendeter Lehrzeit begab er sich nach Wien, besuchte mehrere Goldarbeiterwerkstätten, fand jedoch keine Arbeit. Er benützte diese unfreiwillige Muße, um sich in der Akademie der bildenden Künste als Graveur und Ornamentalzeichner auszubilden. Unter der Leitung des Directors Klieber leistete er Tüchtiges und errang 1829 den Preis, während er durch Lectionen, die er im Schönschreiben ertheilte, seine Subsistenz fristete. Seine kalligraphischen Arbeiten fanden bald Anerkennung. Hofbaurath von Nobile unterbreitete einige derselben Sr. Durchlaucht dem Fürsten Clemens von Metternich, welcher den jungen Künstler rufen ließ und ihm mehrere Aufträge gab. Die aus diesem Anlaß vollendeten Kunstblätter schmücken noch jetzt die Säle der fürstlichen Herrschaft Königswart in Böhmen. Gleichzeitig erhielt er den Auftrag, den Erzherzogen die Schönschreibekunst zu lehren und auch mehrere Familien des höchsten Adels wollten von G. in der Kalligraphie unterrichtet sein. 1840 entwarf G. zum ersten Male Musterschriften für die k. k. östr. National-Bank. Im J. 1843 reiste er nach Paris, wo König Louis Philipp [328] und die Herzogin von Orleans mehrere seiner kunstvollen Federzeichnungen fürstlich belohnten. Im J. 1845 bekam er von der östr. Regierung die Bewilligung, eine Schönschreibschule zu errichten, welche noch heute im schönsten Flor steht. 1847 wurde ihm der Titel eines k. k. Hofkalligraphen zu Theil; im J. 1851 errang seine zu London ausgestellte kalligraphische Arbeit, welche nach Holland verkauft wurde, die Medaille. Im J. 1855 begab er sich zur Weltausstellung nach Paris, wo seine Arbeiten für das Museum im Louvre angeschafft wurden. Seit 1849 verlegte er sich auf den Schriftkupferstich und beurkundet eine solche Fertigkeit im Handhaben des Grabstichels, daß seine Arbeiten mit denen englischer Schriftkupferstecher wetteifern können. Mehrere hundert Musterblätter von Schulschriften hat G. bereits kalligraphirt und gestochen; sein letztes Werk für den Elementar-Unterricht hat er nach der in österr. Schulen eingeführten Fibel geordnet. Da G. selbst seit Jahren Unterricht in der Kalligraphie ertheilt und schon zahlreiche Schüler gebildet, so muß ihm ein nicht geringer Antheil zugeschrieben werden an der Veredlung der Schrift, welche sich in der Residenz bemerkbar macht; leider hält diese materielle Vervollkommnung nicht immer Schritt mit der geistigen – da oft das Albernste mit der schönsten Schrift geschrieben wird. Groß ist die Zahl der kalligraphischen Arbeiten G.’s; im Folgenden sei nur jener gedacht, welche als wahre Kunstblätter einzig in ihrer Art und oft mit fabelhaften Preisen bezahlt, oder sonst in ehrenvoller Weise ausgezeichnet worden sind, u. z.: „Ein Diplom“, für den Erzieher Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand Kovats (1835), gegenwärtig in der Bibliothek zu Erlau befindlich; – „Ein Evangelium“, für Ihre Majestät die Kaiserin Maria Anna 1840; G. wurde in Folge dessen mit der goldenen Medaille Litteris et artibus ausgezeichnet; – „Ein Kunstblatt“, angekauft von Kaiser Ferdinand für das technische Kabinet zu Wien 1849; – die Adresse für Dück, Präses der Wiener Handelskammer (1855); – „Eine Adresse“, für den ehemaligen Handels-Minister Hornbostl (1856); – „Eine Dankadresse“, für Bergwerksbesitzer Drasche, demselben von seinen Beamten gewidmet (1858); – „Adressen an Sr. Kaiserl. Hoheit Erzherzog Max“ (1858), von der Lombard.-Venet. Eisenbahn-Gesellschaft; – „An Seine Excellenz Kempen zu seinem 50jährigen Jubiläum“; – „An Freiherrn Salomon von Rothschild“, an diesen mehrere Blätter; – „Ein Album“, für Herrn Todesko (1845); – „Ein Heiratscontract“, für Grafen von Keglevich; – „Ein Tagebuch“; – „3 Stück Canontafeln (Evangelien)“, und 2 Kunstblätter: „Die gute That“ und „Der Kreuzweg“, Alles für Clemens Fürsten von Metternich, gegenwärtig in Königswart befindlich; – „Ein Gedicht an ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth“, für den Prälaten von Heiligenkreuz (1857); – „Ein Diplom“, für Dr. Schroff (1857). Mehrere Gratulations-Adressen für Se. Majestät den Kaiser Franz Joseph (1858); – die Ehrenbürger-Diplome für Grafen O’Donnell und Ettenreich, deßgleichen Ehren-Diplome der österr. Akademie der bildenden Künste für die Erzherzoge: Albrecht, Stephan und Leopold; – „Ein prachtvolles Titelblatt“, für den Hofrath des k. k. Justiz-Ministeriums Alois Beranek; – „Ein „Titelblatt“, für das Molitor’sche Universitäts-Stipendien-Stiftungsprotocoll (1842), dasselbe befindet sich im Besitze des Superintendenten Dr. Ferd. Scherer; – mehrere Ehrenbürger-Diplome für Feldmarschall Radetzky (1849 und 1850); – ein religiöses Blatt für Se. Durchlaucht Alois Fürsten Liechtenstein; – mehrere Kunstblätter für König [329] Ludwig Philipp und die Herzogin von Orleans; – eint religiöses Blatt für Se. Majestät den Kaiser Nicolaus von Rußland (1842), wofür der Künstler unter anderem mit einem kostbaren Brillantringe ausgezeichnet wurde; – „Ein kalligraphisches Kunstblatt“ (1855), jetzt im Louvre zu Paris; – ein großartig ausgeführtes Kunstblatt, welches im Jahre 1851 in der Londoner Weltausstellung war, dermalen im Besitze des Herrn Dekker in Holland, welcher dasselbe für fl. 2000 C. M. angekauft hat. Zahllos ist die Menge der von G. geschriebenen und gestochenen Musterschriften, Albumblätter und anderer kalligraphischen Arbeiten kleinerer und größerer Art. In wie fern G. an der Composition und an den Ideen seiner Kunstblätter, welche oft eine geniale Sinnigkeit verrathen, größeren oder geringeren Antheil hat, sind wir zu sagen außer Stand; aber daß die Ausführung derselben, die Technik, und sei sie von den größten Schwierigkeiten durchkreuzt, tadellos und musterhaft ist, darüber herrscht nur Eine Stimme.

Allgem. Theaterzeitung, herausg. von Adolph Bäuerle(Wien, kl. Fol.) 1839 (XXXII. Jhg.) Nr. 234: „Ueber die kalligraphischen Kunstleistungen des M. Greiner in Wien“ von Aug. Grube. – Frankl (L. A.) Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) II. Jahrg. (1843) S. 463. – Neu-Wien, herausg. von Moriz Bermann[WS 1]. 1858, Nr. 12.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Moriz Berman.