BLKÖ:Meßmer, Alois

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Meßmer, Benedict
Band: 17 (1867), ab Seite: 450. (Quelle)
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Meßmer, Alois (gelehrter Theolog und Dichter, geb. zu Nassereut in Tirol 11. November 1822, gest. zu Albano bei Rom 23. August 1857). Der Sohn einfacher Bauersleute, der den ersten Unterricht in der Ortsschule erhielt, während im Elternhause der Grund zu jener Sittlichkeit und wahren Religiosität gelegt wurde, welche sein ganzes Leben hindurch sein Eigen waren. Im Jahre 1835 brachte ihn die Mutter nach Innsbruck, wo er das Gymnasium besuchte und durch alle Classen dessen ausgezeichnetester Schüler war. Schon damals erwachte in ihm jener poetische Drang, der sich in seinen späteren Schriften kundgab, und mit der Lectüre der Classiker, unter denen Aeschylus, Sophokles, Euripides und unter den Römern Horaz, Properz und Ovid obenan standen, wechselte jene der deutschen, englischen und französischen, unter denen Schiller, Goethe und Kleist, Shakespeare, Thomas Moore, W. Scott ihn am meisten und jeder in seiner Weise, und auch nur in einzelnen Werken fesselten. Frühzeitig begann er zu dichten, und in jenen Arbeiten seiner ersten Periode ist der Einfluß Goethe’s und Schiller’s auf seine Dichtungsform unverkennbar. Nach beendeten philosophischen Studien und einem – dem ersten größeren – Ausfluge nach München begann er im Herbste 1843 das Studium der Theologie, zu welchem Zwecke er später in das bischöfliche Seminar zu Brixen eintrat. Die Wahl des geistlichen Berufes war eine freie, die aus M.’s ganzem Denken und Fühlen entsprang. Während er sich mit wahrem Eifer in seine Berufsstudien versenkte, außer denselben mit der Theologie verwandte, aber auch auserlesene Profanstudien trieb, blieb ihm, wie durch sein ganzes Leben, es verschönernd und gleichsam mit goldenem Sonnenschein überfließend, die Muse hold, wie davon sein von dem Jahre 1841 bis zu seinem Sterbemonate (August 1857) geführtes Tagebuch und die Briefe an seine Freunde Zeugniß geben. Im Jahre 1847 hatte er die theologischen Studien beendet, nun empfing er die h. Weihen und trat darauf auf dem Lande in die Seelsorge, und [451] zwar als Cooperator in Heiterwang. In derselben blieb er etwa ein Jahr, von September 1847 bis September 1848. Dann erhielt er eine Professur der Theologie zu Brixen. Bis zum Herbste 1856 bekleidete er diese Stelle, im September 1856 reiste er mit Frau von Butlar, einer Malerin, welche seit 1848 in Brixen lebte, und ihm eine mütterliche Freundin geworden war, nach Italien, indem er in den früheren Jahren schon wiederholt Reisen nach Belgien und Deutschland gemacht, und auf letzterer die bedeutenderen Städte besucht hatte. Als er die Reise nach Italien antrat, war seine Gesundheit bereits sehr angegriffen, und eben von einem milderen Klima erwarteten seine Freunde die letzte Rettung. Die Reise wurde in größeren Pausen zurückgelegt und in den bedeutenderen Städten längere Zeit verweilt, so in Venedig, Mailand, Pavia, Genua, Livorno, Florenz, wo er mehrere Monate verweilte, bis er im Juni 1857 in Rom eintraf, wo sein Uebel in wenigen Wochen so reißende Fortschritte machte, daß er bereits am 23. August zwischen 6 und halb 7 Uhr Nachmittags sanft entschlief. Nicht groß ist der äußere Wechsel dieses schlichten Priesterlebens, das ganz in seinem Berufe aufgegangen war; um so reicher war das Innenleben und die geistige Thätigkeit, die auf schöngeistigem und wissenschaftlichem Gebiete Beachtenswerthes geleistet. M. war Poet in des Wortes schönster Bedeutung, und das von Vonbank nach Meßmer’s Tagebuch zusammengestellte Leben desselben enthält manche tiefgedachte und formvollendete Spende; ungleich mehr befindet sich ungedruckt in seinem Nachlasse. Was seine wissenschaftlichen und anderen Arbeiten betrifft, so sind folgende, und die meisten nach seinem Tode im Drucke erschienen: „Reiseblätter, gesammelt zwischen Venedig und Amsterdam“, 2 Bände (Innsbruck 1855, Wagner); 3. Band (ebd. 1858): die Reise durch Deutschland und seine letzte Reise nach Italien, dann das Lebensbild des Anton Plattner und Gedichte; 4. Band (ebd.): die norddeutsche Reise; – „Geschichte der Offenbarung“, 2 Bände (Freiburg 1857, Herder, 8°.), zu diesem Werke wurde M. durch den Bischof von Brixen, der den jungen und ausgezeichneten Priester väterlich liebte, angeregt; diese Offenbarungsschichte und die ersten zwei Bände Reiseblätter sind die einzigen Druckschriften, welche bei M.’s Lebzeiten erschienen sind. Nach seinem Tode wurden von seinem Freunde Mitterrutzner herausgegeben: „Introductio in libros novi Testamenti“ (Innsbruck 1858, Wagner, 8°.); – „Predigten“, 2 Bände (ebd. 1859, Rauch, 8°.); – „Erklärung des Johannes-Evangeliums“ (ebd. 1860, Wagner, 8°.); – „Erklärung des Briefes an die Galater“ (Brixen 1862, Wagner, 8°.); – „Erklärung des ersten Korinther-Briefes“ (Innsbruck 1862, Rauch, 8°.); – „Religion und Kunst“ (ebd. 1862, F. Rauch, 18°.), es ist dieß das Fragment eines großen didaktisch-epischen Gedichtes, welches M. begonnen, aber nicht vollendet hatte. Nur der Eingang und der erste Gesang in 111 achtzeiligen Stanzen sind vorhanden; – „Erklärung des Colosser-Briefes[WS 1]“ (Brixen 1863, Wagner, 8°.). Wie vorstehende Uebersicht der in seinem Nachlasse vorgefundenen Schriften Meßmer’s darthut, besaß der junge Priester eine umfassende und gründliche Gelehrsamkeit, die sich nicht bloß auf die Fächer seines Berufes beschränkte, sondern sich auch auf andere Gegenstände und Zweige des Wissens ausdehnte. Was seine Erklärungen einzelner [452] Theile der heiligen Scheid des neuen Bundes anbelangt, so fällt der Brixener Bischof in seiner Vorrede zur „Erklärung des Johannes-Evangeliums“ das Urtheil, „daß M. die Gabe des Zusammenschauens[WS 2] der Dinge, um die Bedeutung derselben sowohl im Einzelnen, als in einem größeren Ganzen zu entziffern, in hohem Grade besessen habe“. Wenn man sein Tagebuch gelesen hat, so finden sich ein inniger Glaube, hoher Seelenadel und eine tiefe kernhafte Frömmigkeit als Grundzüge seines Wesens.

Alois Meßmer, Professor der Theologie zu Brixen u. s. w. Ein Lebensbild, gezeichnet nach dessen Tagebuch, Briefen u. s. w., von J. G. Vonbank. Herausgegeben von Dr. J. C. Mitterrutzner. Zwei Bändchen (Brixen 1860, A. Weyer, 8°.). – Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) 1851, S. 461: „Die feierliche Ueberreichung des Ehrenpokale an den Dichter des Tiroler Schützenliedes, Alois Meßmer“. – Katholisches Repertorium. Zeitschrift u. s. w. Innsbruck, 4°.) 1857, Nr. 77, S. 610: „Die letzten Tage des Professors Meßmer“ [auch in der Augsburger Postzeitung 1857, Beilage Nr. 215]. – Porträt. Unterschrift: Alois Meßmer, Professor der Theologie zu Brixen. Geb. zu Nassereut in Tirol am 11. November 1822. Gest, zu Albano bei Rom am 23. August 1857. Gemalt von A. v. Buttlar. J. Rigal lith. (8°. u. 4°.). – Grabdenkmal. M. ist in der Kathedrale zu Albano, wo er gestorben, beigesetzt. Seine Ruhestätte deckt ein einfacher Marmorstein mit einer von Dr. Flir verfaßten lateinischen Inschrift. Seine Landsleute ließen sich es aber nicht nehmen, dem Dichter des preisgekrönten Tiroler Schützenliedes, dem im Namen der Schützen am 5. Mai 1851 ein prächtiger Ehrenpokal überreicht wurde, ein Denkmal im Lande zu errichten. Die Idee zu diesem Denkmal gab ein Gedicht M.’s: „Die schmerzhafte Gottesmutter[WS 3]“. Der Bildhauer Gräbmer übernahm die Ausführung. Seit Ostern 1859 ziert der Denkstein die Epistelseite des Presbyteriums der Kuratiekirche zu Nassereut. Das Materiale ist Kalkstein; die Höhe des Monumentes vom Sockel bis zum oben abschließenden Kreuze beträgt 10, die Breite nahe 4 Wiener Fuß. Das Mittelbild stellt den Erlöser und seine Mutter dar, gleich nach der Abnahme vom Kreuze. Die beiden Figuren sind im Hoch-Relief ausgeführt, so daß der größere Theil des Körpers kräftig aus der Nische hervortritt. Im Hintergrunde sieht man den unteren Theil des senkrechten Kreuzbalkens. Der einfach verzierte Sockel trägt die Inschrift: „Dem Andenken des hochw. Herrn Alois Meßmer, Professor der Theologie in Brixen, und Sänger des preisgekrönten Tiroler Schützenliedes, geboren zu Nassereut am 11. November 1822, gest. zu Albano bei Rom am 23. August 1857“, und das oberwähnte Gedicht Meßmer’s an die schmerzhafte Gottesmutter:

Du hältst[WS 4] den Sohn am Mutterherzen, so
          kalt, verblutet und erbleicht,
Wo ist ein Schmerz wohl, der dem Schmerzen
          Maria deiner Seele gleicht?
Doch tröste dich! drei kurze Tage, so lebt
          der Sohn dir neuverklärt,
Dann wird, o Mutter, deine Klage zur
          Wonne, welche ewig währt.
Versüßet ist auch uns das Scheiden, des
          Todes Stachel ist zerstört,
Da diese Mutter muthig leiden, und dieser
          Sohn uns hoffen lehrt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Colossen-Briefes.
  2. Vorlage: Zusammenschaues.
  3. Vorlage: Gottesmuter.
  4. Vorlage: hälst.