BLKÖ:Podlipsky, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Podlipská, Sophie
Band: 23 (1872), ab Seite: 5. (Quelle)
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Podlipsky, Joseph (Arzt und Fachschriftsteller, geb. zu Prag 30. November 1816, gest. ebenda 20. September 1867). Sein Vater war Brauer und im Hinblick auf seine Beschäftigung ziemlich gut unterrichtet. Der damalige Scriptor an der Prager Universitäts-Bibliothek, Norbert Waniek, lieh ihm mehrere Bücher, unter anderen die Schriften des berühmten Pädagogen Salzmann, die ihm bei der Erziehung [6] seiner Kinder von Nutzen waren. Im Jahre 1820 kam der Vater auf die damalige kais. Herrschaft Hořinoveš und blieb daselbst bis zum Jahre 1826. Dort besuchte sein Sohn Joseph die Schule und beschäftigte sich viel mit Lectüre von čechischen Büchern, die der berühmte Dichter Hanka dem Vater fleißig zukommen ließ. Auch kamen dem Knaben um jene Zeit zwei Hefte eines Herbars in die Hände, wodurch seine Neigung zur Botanik geweckt wurde. Im Jahre 1826 kam er nach Prag und beendete dort bis 1834 die Gymnasialclassen und war schon damals mit mehreren seiner Collegen ein Schwärmer für die nationale Richtung, so daß, als im Jahre 1832 die „Matice česka“ in’s Leben trat, P. einer ihrer ersten Gründer war. Damals auch arbeitete er bereits an mehreren čechischen Zeitschriften, so an den „Květy“ und „Světozor“, mit, insbesondere besorgte er für dieselben die musikalischen Referate. Nach beendeten philosophischen Studien wendete er sich dem ärztlichen Fache zu, begann dasselbe an der Prager Hochschule, setzte es in Wien 1839 unter Rokytansky und Skoda fort und erlangte 1843 die medicinische, 1844 die chirurgische Doctorwürde, worauf er im allgemeinen Krankenhause die Praxis antrat. In die Zwischenzeit, 1838, fällt noch eine Reise, die er mit dem berühmten Svatopluk Prešl über Olmütz nach Krakau und Galizien, dann durch die slavischen Comitate Oberungarns und über Waitzen nach Pesth und Preßburg machte, auf welcher er den slavischen Dichter Kollar und dann den slovakischen Schriftsteller Ljudevit Stur kennen lernte. Während dieser Zeit war er auch nach Thunlichkeit literarisch thätig und arbeitete fleißig am „Vlastimil“, an den „Květy“, an dem von dem böhmischen Museum herausgegebenen „Časopis“ und an der „Bibliotéka zátavného čtení“, d. i. Bibliothek für Unterhaltungslectüre, mit, für welch letztere er vornehmlich Uebersetzungen aus dem Russischen besorgte. Im Jahre 1848 kehrte er nach Prag zurück, wo ihn Graf Klebelsberg zu sich nach Třeboutic berief, damit er dort seine Enkelin für eine in Berlin abzulegende Prüfung vorbereite. In den folgenden Jahren, 1846 und 1847, lebte er als Erzieher des Grafen Sigmund Berchtold auf der Herrschaft Buchlowitz in Mähren. Im Jahre 1847 trat er in das allgemeine Krankenhaus in Prag, wo er unter Oppolzer und Jaksch prakticirte und im folgenden Jahre Secundararzt des Professors Hamernik wurde. Das Jahr 1848 fand auch an P. einen ganz energischen Partisan der slavischen Sache, er wirkte als Mitglied für dieselbe an dem in Prag abgehaltenen Slavencongresse, war Mitglied der Prager slavischen Linde (slovanska Lípa) und im letzten Vierteljahre mit Vincenz Wawra, Mitredacteur der gleichnamigen Zeitschrift. Im Jahre 1849 wurde er Secundararzt bei Professor Čejka [Bd. XI, S. 378][WS 1] und in den Jahren 1850 und 1851 auf der Klinik für innere Krankheiten des Professors Hamernik. Im Jahre 1852 eröffnete er als selbstständiger Arzt seine Praxis in Prag und war bald sehr gesucht und beliebt. In den Jahren 1857–1860 redigirte er das mit der naturwissenschaftlichen Zeitschrift „Živa“ verbundene Blatt „Domaci lekař“, d. i. Der Hausarzt, und war auch ein fleißiger Mitarbeiter des belletristischen Blattes „Lumír“, für welches er zahlreiche Referate und Uebersetzungen lieferte. Von P.’s deutschen Arbeiten ist nur ein Analecten-Referat [7] über die Circulations- und Respirationsorgane im Jahrgange 1851, Bd. 32, der „Prager Vierteljahrschrift für praktische Heilkunde“ bekannt. Im Jahre 1858 wurde er Mitglied des böhmischen Museums und 1861 berief ihn der Wahlbezirk Nymburg-Benátek an Vincenz Wawra’s Stelle als Abgeordneten in den böhmischen Landtag. 1862 wurde er Mitredacteur des „Časopis lékařů českých“, d. i. Zeitschrift der böhmischen Aerzte und Mitglied der von denselben gebildeten Gesellschaft, deren Vicepräsident er im Jahre 1864 war. Außerdem war P. Mitglied von mehreren, von der nationalen Partei in’s Leben gerufenen geselligen, industriellen und humanistischen Vereinen und ein fleißiger Mitarbeiter des „Slovník“. Im Jahre 1867 ereilte ihn im Alter von erst 51 Jahren der Tod. Ueber seine Gattin Sophie siehe folgenden Artikel.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 495.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XI, S. 478].