BLKÖ:Pohl, Johann Baptist Emanuel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pohl, Joseph Johann
Band: 23 (1872), ab Seite: 28. (Quelle)
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Pohl, Johann Baptist Emanuel (Naturforscher, geb. zu Böhmisch-Kamnitz 22. Februar 1782, gest. zu Wien 22. Mai 1834). Kam im Alter von 8/9 Jahren zu seinem Oheim nach Politz und erhielt an der dortigen Stadtschule den Unterricht aus den Elementargegenständen. Er befreundete sich daselbst unter den gleichzeitigen Mitschülern mit Vincenz Krombholz, Anton Prenner und Joseph Hackel, während sein eigener Oheim, der selbst ein eifriger Pflanzenfreund war, die Liebe zu den Naturwissenschaften, insbesondere zur Pflanzenkunde, in ihm weckte. Später begab sich P. nach Prag, wo er das Gymnasium beendete und dann an der dortigen Hochschule die philosophischen Vorträge hörte. Schon damals machte P. wiederholt botanische Ausflüge in die Gegend von Karlstein und St. Iván, von welchen er manche seltene und interessante Pflanze nach Hause brachte und sich bald ein recht schätzbares Herbar anlegte, während er zu gleicher Zeit auch seine Aufmerksamkeit auf die Mineralien Böhmens richtete. Im Jahre 1805 schickte er eine Beschreibung dieser Excursionen an die Regensburger botanische Zeitung ein, der bald andere Aufsätze, z. B. über Veronica dentata: Ornithogalum bohemicum, Anemone patens u. a., folgten. Schon im Jahre 1804 hatte P. versucht, Pflanzenabdrücke nach Kniphos’scher Manier zu verfertigen und ein zwölf solche Abdrücke enthaltendes Heft mit dem vorgesetzten Titelblatte vertheilte er dann unter seine Prager Professoren und botanischen Freunde. Diese seine Bestrebungen und Arbeiten verschafften ihm das Glück, noch während seiner medicinischen Studien von der Fürstin Kinsky eine provisorische Anstellung als Bibliothekar und Inspector über ihr Naturaliencabinet zu erhalten. Nachdem P. die medicinischen Studien beendet, [29] erlangte er im Jahre 1808 daraus die Doctorwürde. Als der Professor der allgemeinen Naturgeschichte und Technologie an der philosophischen Facultät der Prager Hochschule, Johann Christian Mikan [Bd. XVIII, S. 263][WS 1] alters- und kränklichkeitshalber um seine Versetzung in den Ruhestand ansuchte, übernahm Dr. P., der schon früher sein Assistent war, die Supplirung seines Lehrfaches, welche er über zwei Jahre führte; in der Zwischenzeit war er überdieß als Aushilfsarzt im k. k. Militärspitale zu Nachod thätig und noch später übernahm er die Errichtung und Leitung einer unentgeltlichen Verköstigungs-Anstalt für Kranke und Reconvalescenten in der Festung Josephstadt. In diese Zeit fällt die durch eigenen mehrjährigen Fleiß und mit Unterstützung mehrerer vaterländischer Botaniker zusammengetragene Bearbeitung der böhmischen Flora, deren weiter unten unter Pohl’s Werken nähere Erwähnung geschieht. In den Jahren 1809 und 1810 supplirte er die Botanik und die allgemeine Naturgeschichte, 1811 abermals die Botanik, 1812 und 1813 die specielle Naturgeschichte an der Prager Hochschule. Die zu jener Zeit von P. gefaßte Idee, eine Flora pragensis mit deutschem und lateinischem Texte und Abbildungen der Gattungscharaktere, sowie auch eine praktische Flora ruralis herauszugeben, mußte P. mannigfacher Hindernisse wegen, die sich der Verwirklichung seiner Idee entgegenstellten, wieder fallen lassen. Als anläßlich der Vermälung des damaligen Kronprinzen von Brasilien Don Pedro mit der Erzherzogin Leopoldine, einer Tochter des Kaisers Franz I., im Jahre 1817 auf kaiserlichen Befehl und auf Staatsunkosten eine naturwissenschaftliche Expedition nach Brasilien ausgerüstet wurde, wurde auch Dr. P. unter die Mitglieder derselben aufgenommen, und zwar anfänglich bloß für das mineralogisch-geognostische Fach, mußte aber später, nachdem Professor Mikan, der gleichfalls Mitglied der Expedition war, den Auftrag erhielt, den ersten Transport brasilianischer Naturseltenheiten nach Wien zu begleiten, auch das botanische Fach übernehmen. Fünfthalb Jahre, von 1817 bis 1821, aber leider fast unausgesetzt in einem kränklichen und leidenden Zustande, der wahrscheinlich durch die Ungewohntheit des fremden Klima’s veranlaßt wurde und welches wohl auch die Ursache seiner späteren bleibenden Kränklichkeit war, kehrte P. im Jahre 1821 wieder nach Wien zurück, wo er am 15. October eintraf und dann die Stelle eines Custos am k. k. Hof-Naturaliencabinet erhielt mit der ausschließlichen Verwendung für die botanisch-mineralogische Abtheilung am brasilianischen Museum. Nach dreizehnjähriger Verwendung auf diesem Posten ereilte ihn im Alter von erst 53 Jahren der Tod. P. hat mehrere naturwissenschaftliche Werke theils selbstständig, theils in anderen Fachschriften veröffentlicht, die Ersteren sind: „Tentamen Florae Bohemiae“, d. i. Versuch einer Flora Böhmens, 2 Bde. (Prag 1814, gr. 8°.), dieses Werk wurde auf Kosten der königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften gedruckt, ist aber nicht vollständig erschienen; wie sein Biograph Dr. Weitenweber berichtet, sind die meisten der darin vorgeschlagenen und zum Theil realisirten Eigenthümlichkeiten und Neuerungen in der Nomenclatur u. dgl. von den übrigen Botanikern nicht hinreichend berücksichtigt worden, obgleich sie – wie Dr. Pohl ausdrücklich angibt – Fingerzeige seines Lehrers, des [30] unter den Botanikern rühmlich bekannten Sanitätsrathes Professor Joseph G. Mikan (des Vaters) gewesen; – „Systematischer Ueberblick der Reihenfolge der einfachen Fossilien“ (Prag 1816, 4°.), P. fügt darin, dem Werner’schen Systeme folgend, auch die betreffende Synonymik bei; – „Expositio generalis anatomica, organi auditus per classes animalium; acced. V Tab. lithogr.“ (Wien 1819, Schaumburg, 4°.); – „Plantarum Brasiliae hucusque ineditarum icones et descriptiones“, 8 Hefte in 2 Bänden mit 175 lithogr. und illum. Tafeln“ (Wien 1827–1831, Wallishausser, gr. Fol.), ein großes Prachtwerk in Betreff auf künstlerische Ausstattung, welches die von ihm während seines Aufenthaltes in Brasilien in der Provinz Rio bis zum Districte von Ilha grande und in den Provinzen Minasgeraes und Goyaz gesammelten Pflanzen in vortrefflichen Abbildungen darstellt; – „Reise im Innern von Brasilien in den Jahren 1817 bis 1821. Auf allerhöchsten Befehl Seiner Majestät Franz I. unternommen und herausgegeben“, 2 Theile nebst einem besonderen Atlas (Wien 1832 bis 1837, gr. 4°.), von diesem jedenfalls schwächsten Werke P.’s wurde der zweite Band erst mehrere Jahre nach Pohl’s Tode herausgegeben, Bruchstücke davon waren zuerst in den Jahrgängen 1818 bis 1820 in den Vaterländischen Blättern mitgetheilt und aus demselben überdieß zur größeren Verbreitung unter dem betreffenden Fachpublicum besonders abgedruckt die geognostische Abhandlung: „Beiträge zur Gebirgskunde Brasiliens“ und die mit V. Kollar gemeinschaftlich bearbeitete entomologische: „Brasiliens lästige Insecten“, beide Wien 1832. Von P.’s in anderen Fachschriften abgedruckten Abhandlungen und Aufsätzen sind noch folgende anzuführen, in Hoppe’s „Botanischem Taschenbuche für das Jahr 1807: „Frühlingsflora bei Prag im Jahre 1806“; – „Beschreibung einiger seltenen Pflanzen und Nachträge zu Hoffmann’s Deutschlands Flora aus dem Königreich Böhmen“; – im Jahrgange 1812 der von André redigirten Prager Zeitschrift „Hesperus“ eine „Beschreibung des dem Grafen Hochberg gehörigen botanischen Gartens zu Hlubosch“; auch veröffentlichte er darin mehrere wissenschaftliche Briefe, welche er in jener Zeit von seinem damals auf naturhistorischen Reisen in Krain, Italien bis Neapel befindlichen Freunde Fr. W. Sieber erhalten hatte. P. ward von 15 botanischen, mineralogischen, naturhistorischen, medicinischen und ökonomischen gelehrten Gesellschaften und drei Akademien des In- und Auslandes zum Mitgliede ernannt, darunter von der Altenburger naturforschenden Gesellschaft für eine von ihm entsprechend gelöste Preisaufgabe, von der Jenaer mineralogischen Societät für eine Charakteristik des Faserkiesels und von der Zürcher naturforschenden Gesellschaft für seine Abhandlung: „Ueber die Lebensdauer einiger Amphibien“. Von der kaiserlich Leopoldinischen Akademie naturae curiosorum hatte er bei seiner Wahl zum Mitgliede den Beinamen Maregravius erhalten. P. hinterließ eine schätzbare Büchersammlung, welche mitunter aus den vorzüglichsten und seltensten naturhistorischen, besonders botanischen, und noch anderen Werken bestand und im December 1835 öffentlich in Wien versteigert wurde, dabei kam auch ein von ihm verfaßtes botanisches Manuscript, die Frucht zwanzigjähriger fleißigster Arbeit, betitelt: „Repertorium botanicum seu Enumeratio plantarum earumque synonymarum [31] a Linnaei tempore usque ad hodiernam diem cognitarum“, 7 Foliobände, A–Z, unter den Hammer; von wem das Manuscript käuflich erworben worden, ist nicht bekannt. Schließlich sei noch bemerkt, daß Dr. Pohl die zwei Botokuden, welche damals so viel Aufsehen in Europa erregten, wohin sie zum ersten Male kamen, nach Wien brachte, wo sie durch dreiviertel Jahre sichtbar abzehrten und starben. Kollmann in der Gratzer Zeitung „Der Aufmerksame“ (1824, Nr. 20) gibt über das Schicksal der Botokuden nähere Nachrichten. Brasilianischer Seits war P. mit dem kais. brasilianischen Orden vom südlichen Kreuze ausgezeichnet worden.

Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. Herausgegeben von dem naturhistorischen Vereine Lotos in Prag (Prag, Geřábek, gr. 8°.) III. Jahrg. (1853), S. 25: „Biographische Skizzen böhmischer Naturforscher“, von Dr. R. W. Weitenweber. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 239, Artikel von L. Fitzinger. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 484. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. IV, S. 260.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XVIII, S. 265].