BLKÖ:Fitzinger, Leopold Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Fitzinger, Franz
Band: 4 (1858), ab Seite: 258. (Quelle)
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Fitzinger, Leopold Joseph (Naturforscher, geb. zu Wien 13. April 1802). Bruder des Vorigen. Genoß die erste Erziehung im väterlichen Hause, zeigte aber früh große Vorliebe für naturgeschichtliche Studien. 1812 besuchte er das Schottengymnasium, trat aber schon 1816 als Lehrling in die k. k. Hofapotheke ein, zugleich studierte er an der Universität Naturgeschichte unter Scherer, Botanik und Chemie unter Jacquin, Anatomie und Physiologie unter Mayer und Prochaska, und trug privat die Humanitäts-Gegenstände nach. Mineralogie und Chemie betrieb er mit Vorliebe und legte auch eine Mineralien-Sammlung an. Die Fortschritte, die er in der Naturwissenschaft machte, eröffneten ihm den Zutritt in Jacquins Haus, wo er mit hervorragenden wissenschaftlichen Notabilitäten und mit dem Director der kais. Naturalien-Cabinette Schreibers bekannt wurde. Ueber dessen Aufforderung begann F. das Studium der Zoologie und insbesondere jenes der Erpetologie und Ichtyologie. Schon 1817 trat er als freiwilliger Praktikant in das kaiserl. Hofnaturalien-Cabinet, wo ihm die wissenschaftliche Besorgung der Sammlungen der Amphibien und Fische übergeben wurde. Mit dem Entschlusse, die Medicin zu studiren, besuchte er 1818 die Vorlesungen der Physik am politechnischen Institute, trug die philosophischen Studien nach und lernte auch im genannten Jahre den berühmten Sir Humphrey Davy kennen, der ihm während seines längeren Aufenthaltes in Wien Unterricht in der analytischen Chemie erteilte. Bis 1821 hatte F. die medicinischen Studien unter Hartmann, Raimann, Rudtorffer,[259] Kern und Boer beinahe vollendet. Da sich im Naturalien-Cabinette keine Aussichten für ein Fortkommen boten, trat F. im Aug. 18121 beim Expedite der nied.-östr. Landstände in unentgeldliche Dienste; doch blieb ihm gestattet, die wissenschaftlichen Sammlungen des Hofnaturalien-Cabinettes wie bisher zu besorgen. Um jene Zeit (1821) beginnt auch seine schriftstellerische Thätigkeit mit kleineren naturwissenschaftlichen Aufsätzen in periodischen Schriften. Die Aufmerksamkeit der Zoologen des Auslandes richtete sich aber erst auf ihn, als er das Werk: „Neue Classification der Reptilien nach ihren natürlichen Verwandtschaften“ (Wien 1826, 4°.) herausgab, welches eine gänzliche Umgestaltung in dem bisherigen amphibiologischen Systeme hervorrief. Mit mehreren Gelehrten, namentlich mit dem Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied, trat F. in brieflichen Verkehr, zu welchem sich durch F.’s neue Arbeiten veranlaßt, jener mit Männern wie Cuvier, Oken, Dumeril, Meckel, Johannes Müller, Lichtenstein, Leuckart, Agassiz, Brandt, Boie, Wagler, Wiegmann, Gravenhorst und vielen Andern gesellte. Die amtliche Vorrückung ging indeß ihren langsamen Gang und 1830 wurde F. Registrant. Im J. 1831 trat er in nähern Verband mit dem Prinzen Karl Lucian Bonaparte von Musignano und wirkte bei der Herausgabe von dessen „Iconographia della fauna italica“ mit. Bei der Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte in Wien 1832 fungirte F. als Sekretär, und bei jener in Breslau 1833 als Präsident der zoologischen Section. Im J. 1833 bei Gelegenheit der 3. Säcularfeier der Reformation erhielt F. von der preußischen Universität Königsberg die medicinisch-chirurgische Doctorswürde und 1834 das Diplom eines Doctors der Philosophie von der königl. preuß. Universität zu Halle. Erst im Jahre 1844 kam F. als Custos-Adjunct in’s Naturalien-Cabinet, an welchem Institute er noch gegenwärtig und zwar seit 1857 als zweiter Custos-Adjunct am zoologischen Hof-Cabinet thätig ist. Am 1. Febr. 1848 wurde F. zum correspondirenden, am 26. Juni 1848 zum wirklichen Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften ernannt. Als Schriftsteller seines Faches entwickelte F. eine reiche Thätigkeit. Von seinem „Systema reptilium“ (Wien 1843, 8°.) erschien nur das erste Heft, da die zahlreichen in der Zwischenzeit bekannt gewordenen Entdeckungen eine Aenderung des Werkes erforderlich machten. Hingegen ist sein Werk: „Wissenschaftlich-populäre Naturgeschichte der Säugethiere in ihren sämmtlichen Hauptformen“(Wien 1855, Staatsdruckerei mit chromolith. Tafeln, gr. 8°.) bis zum 3. Bande gediehen. Seine in den „Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften“ und in andern Fachblättern erschienen einzelnen Aufsätze und Abhandlungen führt der Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften (1851, S. 177–182) auf. Dieselben zerfallen in naturwissschaftliche und biographische. Wir nennen von ersteren:„Ueber die im Erzherzogthum Oesterreich vorkommenden Reptilien“, in Hormayrs „Archiv“(1823, Nr. 96–98, 120–122, 125, 132, 133, 138–142); – „Bemerkungen über das k. k. zoologische Museum in Wien“ Ebenda (1824, Nr. 10, 14, 15, 28, 40, 50, 51, 98, 99, 109, 115, 140, 141, 144–147); – „Ueber die Ausarbeitung einer Fauna des Erzherzogthums Oesterreich, nebst einer systematischen Aufzählung der in diesem Lande vorkommenden Säugethiere, Reptilien und Fische“, in den „Beiträgen zur Landeskunde Oesterreichs unter der Enns“ (1832, I. Band, S. 280); – „Systematisches Verzeichniss der im Erherzogthum Oesterreich vorkommenden Weichthiere“, [260] Ebenda (1833, III. Bd. S. 88); – „Versuch einer Geschichte der Menagerien des österr. kaiserl. Hofes“, in den „Sitzungsber. der math.-naturwiss. Classe der k. Akad. d. Wissensch.“ (X. Bd. S. 300–403, 626–710). – In neuester Zeit begann er die Reihe der umfassenden Charakteristiken sämmtlicher Hausthiere mit der Schrift: „Ueber die Racen des zahmen oder Hausschweines" (Ebd. XXIX. Bd. S.361). Seine biographischen Arbeiten befinden sich theils in Gräffers „Oesterr. National-Encyklopädie“, theils in der „Wiener Zeitung“ u. m. a. In Gräffers „National-Encyklopädie“ sind von ihm die Biographien, in den vier ersten Bänden: Jos. Jul. Czermak, Steph. Ladisl. Endlicher, Jos. Franz Freih. v. Jacquin, Joh. Natterer, J. B. Eman. Pohl, Karl Franz Ant. v. Schreibers, Jos. Ludw. Ritt. v. Schreibers und im Supplement: Ferd. Luc. Bauer, Franz Andr. Bauer, Jos. Ant. Bauer, Ferd. Graf v. Colloredo-Mansfeld, Georg Dahl, Peter Jordan, Vincenz Kollar, Ign. Edl. v. Mitis, Jos. Natterer, Joh. Ludw. Ritt. v. Schreibers Maximilian Ulbrich. In der „Wiener (amtl.) Zeitung“ die Nekrologe: Johann Gottfr. Bremser (1827, Nr. 256); – Jos. Freih. v. Jacquin (1840, Nr. 23); – Dr. Joh. Natterer (1843, Nr. 174); – Joh. B. Andr. Ritt. v. Scherer (1844, Nr. 137); – P. Partsch; – in Hormayrs „Archiv“: Cuvier (1832, Nr. 79–81); – Franz Xav. Ritter v. Rudtorffer (1833, Nr. 27). – In der „Wiener Zeitschrift“: Caspar Graf von Sternberg (1839, Nr. 6). – In den „Verhandlungen der k. k. Landwirthschaft-Gesellschaft in Wien“: Jos. Franz Freih. v. Jacquin (1840, neue Folge IX. Heft S. 133) und im „Allgem. musik. Anzeiger“: „Glucks und Roydas Grabes-Denkmale“ (1840, Nr. 17). Viele gelehrte Vereine des In- und Auslandes haben F. zum Mitgliede ernannt und auf dem 3. internationalen statistischen Congresse zu Wien fungirte er als Mitglied der Vorbereitungs-Commission in der fünften Section.

Oestr. National Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 151. – Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften 1851 S. 177. – Register zu den ersten und zweiten zehn Bänden der Sitzungsberichte der mathem.-naturwissensch. Classe der kais. Akademie der Wissensch. (Wien 1854 u. 1856, gr. 8°.) S. 14 u. 20.