BLKÖ:Redelmayer, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Redelhammer, Joseph
Band: 25 (1873), ab Seite: 106. (Quelle)
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Redelmayer, Joseph (Maler, geb. zu Prag im Jahre 1727, gest. ebenda 13. Februar 1788). Da er Lust und Liebe zur Kunst zeigte, kam er, 17 Jahre alt, zu dem damaligen kön. böhm. Hofmaler Franz Müller [Bd. XIX, S. 344, Nr. 10], bei dem er mehrere Jahre beschäftigt war. Nun der Decorationsmalerei sich zuwendend, arbeitete er zunächst für das Prager Theater und machte sich durch seine gelungenen Schöpfungen bald so bemerkbar, daß der berühmte Maler Franz Anton Palko [Bd. XXI, S. 223 u. f.] auf ihn aufmerksam wurde, ihn öfter bei seinen Arbeiten verwendete und ihn hauptsächlich bei seinen Fresken das architectonische Beiwerk, die Blumen und sonstige Nebensachen malen ließ. Nun ging R. nach Berlin, malte bei Bibiena, dessen Manier und Geschmack er nun ebenso fleißig studirte und nachahmte, wie vorher jene Palko’s. Von Berlin kehrte er in sein Vaterland zurück und fand hinreichende Beschäftigung in den Stiften und Klöstern desselben, für welche er mehrere Altargemälde und andere Kirchenbilder auszuführen hatte. Aber die von Kaiser Joseph II. begonnene Kirchenreformation, namentlich die [107] Aufhebung der Klöster, hatte für den Künstler schwere Folgen. Er, der bisher hauptsächlich von dergleichen Arbeiten lebte und damit den Lebensunterhalt für sich und seine zwei Schwestern erwarb, ward mit einem Male beschäftigungslos, verarmte zuletzt ganz und kam hilflos und krank in das Spital der barmherzigen Brüder in Prag, in welchem er im Alter von 61 Jahren starb. Von seinen Bildern sind bekannt: drei Altarblätter in der Kirche der barmherzigen Brüder in Prag; – die Fresken in der Pfarrkirche St. Adalbert zu Weipernitz, einem dem Grafen von Wrtby gehörigen Orte, welche er in Gemeinschaft mit dem Architecturmaler Joseph Hager ausführte; bei dieser Gelegenheit muß auch in der Biographie Hager’s in diesem Lexikon [Bd. VII, S. 195] der Name unseres Künstlers, der dort irrig Joseph Radelmayer heißt, auf Redelmayer berichtigt werden; – die Fresken in der Mariahilfcapelle an dem Sandthore zu Prag, gemeinschaftlich mit Palko. Eine von ihm in Folio ausgeführte gezeichnete Einfassung besaß oder besitzt noch die Strahower Stiftsbibliothek. Dlabacz schreibt über Redelmayer’s Arbeiten, daß, wenn er Palko auch in der Zusammensetzung, im Helldunkel und im kräftigen Ausdrucke nicht gänzlich erreiche, er doch seine Altarblätter mit einem sanften Colorit bekleide; in Blumen aber und in der Architectur, überhaupt in Allem, was er in Kalk arbeitete, zu seiner Zeit einer der besten böhmischen Künstler war.

Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Gottl. Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 542. – Schaller (Jaroslaus), Topographie des Pilsner Kreises, S. 56. – Derselbe, Beschreibung der kön. Haupt- und Residenzstadt Prag u. s. w. (Prag 1798, Geržábek, 8°.) Bd. II, S. 83. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 360. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XII, S. 357. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 247 u. 390. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. V, S. 639. – Slovník naučný. Red. Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. VII, S. 259 [nach diesem gest. am 13. Februar 1783, was unrichtig ist]. –