BLKÖ:Reinhold, Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Reinhold, Gustav
Band: 25 (1873), ab Seite: 220. (Quelle)
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Reinhold, Heinrich (Landschaftsmaler, geb. zu Gera im Jahre 1790, gest. zu Rom 15. Jänner 1825). Er kam im Jahre 1806, in seinem 16. Jahre, nach Wien, wo sein ältester Bruder Friedrich Philipp [s. d. S. 217], ein geschätzter Landschaftsmaler, schon seit längerer Zeit seinen Aufenthalt genommen hatte. Hier übte sich Heinrich R. in der k. k. Akademie der bildenden Künste in der Figurenzeichnung und benützte die übrige Zeit zu den sorgfältigsten landschaftlichen Studien nach der Natur, wobei ihm sein Bruder, welcher mit der innigsten Liebe an ihm hing, als trefflicher Rathgeber zur Seite stand. Heinrich’s ursprüngliche Absicht war, sich zum Kupferstecher zu bilden, und in der That leistete er, ohne in diesem schwierigen Zweige der Kunst eine fremde Anleitung genossen zu haben, viel Tüchtiges. Im Jahre 1809 folgte er dem Rufe des bei den Wiener Kunstsammlungen in üblem Andenken stehenden General-Directors der kais. französischen Museen zu Paris, Denon, der ihn in Wien kennen gelernt hatte, nach Paris. Ein fünfjähriger Aufenthalt in dieser Stadt, wo alle Kunstschätze Europa’s durch das Glück der französischen Waffen und das nach dieser Richtung hin organisirte Raubsystem zusammengehäuft worden waren, mußte natürlicher Weise auf seine Kunstbildung einen entscheidenden und vortheilhaften Einfluß äußern. Mit den herrlichsten Eindrücken bereichert, kehrte er auf einem weiten Umwege längs der nördlichen Küste von Frankreich, den Rhein aufwärts, durch die Schweiz nach Wien zurück. Von nun an wurde der Grabstichel bei Seite gelegt und das Landschaftsstudium mit solchem Eifer und zugleich solchem Glücke betrieben, daß seine Leistungen gar bald Aufmerksamkeit erregten und von Kennern und Liebhabern begierig gesucht wurden. Reinhold stand bereits auf einer Stufe, die ihn den vorzüglichsten Meistern in der Landschaftsmalerei beigesellte, als er im Herbste 1819, in Gesellschaft des Landschaftszeichners und Kupferstechers Erhard von Nürnberg, der sich durch eine Reihe in Wien gefertigter, sehr gelungener Radirungen ausgezeichnet hatte, die Reise nach Italien antrat. Nach einem längeren Aufenthalte in Rom und Neapel durchstreifte er mit dem Fürsten von Lobkowitz Sicilien und schloß sich in der Folge an eine ausgezeichnete englische Familie an, mit welcher er von Neapel nach Livorno, Pisa und Florenz ging und dann wieder nach Rom zurückkehrte. Mit welcher rastlosen Thätigkeit Reinhold diese Wanderungen für seine künstlerischen Zwecke benützt habe, davon zeigen die in einer Erstaunen erregenden Menge vorgefundenen, mit großer Vollendung verfertigten Naturstudien, die allein seinen hohen künstlerischen Beruf beurkunden. Sie kamen in den Besitz seines Bruders Friedrich Philipp R. in Wien. Alle Kunstkenner stimmen darin überein, daß eine seltene Tiefe des [221] Gemüthes und die daraus hervorgehende ergreifende, poetische und wahre Auffassung der Natur als seine ausgezeichnetste Eigenschaft zu betrachten seien, wozu auch die in der Kunstausstellung in Wien im Jahre 1826 ausgestellten Landschaftsgemälde aus seinem Nachlasse die sprechendsten Belege bildeten. – So vorzüglich Reinhold als Künstler erschien, so liebenswürdig war er auch als Mensch. Seine vortheilhafte Gestalt, sein sanfter, ernster Blick, seine einnehmenden Formen im Umgange waren ein treuer Spiegel seiner schönen Seele und zeigten einen Mann von vielseitiger Bildung, dessen anspruchlose Bescheidenheit ihm allenthalben Freunde gewann. Aber gerade dieser wohlwollende Zug seines Herzens war die nächste Veranlassung seines frühzeitigen Todes, durch welchen die Kunst soviel verloren hat. Reinhold’s Gefährte auf der Reise nach Italien, Erhard, der schon in Wien einen Hang zur Schwermuth gezeigt hatte, versank in Rom in immer schwärzere Melancholie, die endlich in Geisteszerrüttung ausartete. Den Unglücklichen den rohen Händen der Wärter in einem Irrenhause zu überlassen, vermochte der zartfühlende Reinhold nicht. Mit Hintansetzung aller Rücksicht für seine eigene Existenz, mit der uneigennützigsten Aufopferung pflegte er den mittellosen und in wilden Phantasien befangenen deutschen Landsmann einen Theil des Winters 1824/5 hindurch. Endlich schien die Ruhe wiederzukehren, doch nur um desto schrecklicher gestört zu werden. Die schauerliche Nacht des 18. Jänner 1822, in welcher der scheinbar genesene Erhard an der Seite seines sorglos schlummernden Freundes durch einen Pistolenschuß sein Leben endete, drückte auch diesem den Stachel des Todes in die Brust. Reinhold, der leicht bekleidet und des in Italien so gefährlichen Nachtfrostes nicht achtend, um Hilfe geeilt war, zog sich eine Erkältung zu, welche in eine unheilbare Luftröhrenschwindsucht überging, welcher der Künstler im Alter von 34 Jahren erlag. Reinhold’s Arbeiten sind wenig in die Oeffentlichkeit gelangt, da sie, kaum entstanden, gleich in den Besitz der Besteller übergingen. In Wien waren zu sehen in den Jahres-Ausstellungen bei St. Anna, 1822: „Ansicht aus dem kärnthnerischen Hochgebirge“; – 1826: „Die Grotte La Cucumella im Königreiche Neapel“; – „Felsenschlucht aus der Piano di Sorento in Neapel“; – „Ansicht von Capri auf den Golf von Salerno“; – „Gegend aus Sicilien“; – „Felsenschlucht mit Grotte aus der Piano di Sorento“. Eine während seines Aufenthaltes in Rom von Reinhold gemalte Ansicht des „Berges Aetna von Taormina aus“ befindet sich in den Sammlungen der Fürsten Lobkowitz. Von anderen Arbeiten Reinhold’s, Zeichnungen und Stichen, vornehmlich aus der Zeit seines Wiener Aufenthaltes, sind anzuführen: „Parthie aus dem Prater“; – „Die oberen Regionen eines kärnthnerischen Hochgebirges mit einer aufsteigenden Wolke“; – eine „Alpenlandschaft“; – ein „Meersturm“; – „Parthie des Salzburger Mönchberges“; – „Ansicht der Nussdorfer Linie“; – mehrere im Jahre 1820 in Farben ausgeführte Zeichnungen des Großglockner; – Parthie des Höllenthales bei Reichenau. Während seines Aufenthaltes in Paris stach er mehrere Blätter zu einem großen Werke über die Feldzüge Napoleon’s, welches als Gegenstück des Prachtwerkes Description de l’Egypte erscheinen sollte. Von diesen Blättern sind zu nennen: „Die Schlacht bei Jena“; – „Die Erstürmung von Burgos“; – „Die Uebergabe von Madrid“; – „Die Gefechte am Ebersberg“; [222] – „Napoleon’s Zusammenkunft mit dem tödtlich verwundeten Marschall Lannes“; – „Napoleon in der Nacht vom 5./6. Juli 1809 im Kreise seiner Generale am Wachtfeuer schlafend“. Von anderen Blättern Reinhold’s sind noch bemerkenswerth: „Der wandernde Schuster“, nach einem Bilde seines Bruders; – ein paar Thierstücke nach Roos; – „Die zwischen dem Burg- und Schottenthore ehemals aufgestellt gewesene Pestsäule“; – mehrere Landschaften nach Zeichnungen seines Bruders Friedrich Philipp; – mehrere Blätter zu dem Werke von Eduard Maria Fürst Lichnowsky: „Denkmale der Baukunst und Bildnerey des Mittelalters in dem österreichischen Kaiserthume“, für welches außer ihm noch Hyrtl, Ponheimer u. A. stachen, und die „Ansichten von Klosterneuburg“ nach seinen eigenen und seines Bruders Zeichnungen, mit Text von Tschischka, in Wien 1820 (in kl. Qu. Fol.) erschienen.

Wiener Zeitschrift für Mode u. s. w., herausgegeben von Schickh, später von Witthauer (Wien, 8°.) 1826, Nr. 66, von Habermann. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XII. Jahrgang (1821), Nr. 27 u. 28, S. 108. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, kl. 8°.) III. Jahrg. (1825), zweiter Theil, S. 1279, Nr. 80 b. – Raczynski, Geschichte der neueren deutschen Kunst, Bd. III, S. 322. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 371. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XII, S. 405. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, 8°.) Bd. III, S. 326. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. V, S. 820, Nr. 14. – Reinhold’s Grabdenkmal. Reinhold wurde in Rom bei der Pyramide des Cestius begraben. Ein einfaches, aber würdiges Denkmal bezeichnet mit folgender Lapidar-Inschrift die Stätte, welche Reinhold’s Asche birgt: Henricus. Reinhold. | Saxo. Pictor | Denatus. D. XV. Januar. | A. S. MDCCCXXV. | Anno. Aetatis. XXXIV. | Te. Tabulae. Loquuntur. Amici. Colunt. | Artes. Lugent. Unter den Freunden des Verewigten, welche dieses Denkzeichen errichteten, glänzt der Name des berühmten Bildhauers Thorwaldsen, der unaufgefordert das erwähnte Monument mit dem eigenhändig aus carrarischem Marmor verfertigten Brustbilde Reinhold’s schmückte.